Einer mit Herz
»Is there any way out of this dream?« Kaum erholt von den Strapazen seines höchstpersönlichen Dschungelkrieges (widely known as »Apocalypse Now«), stürzt sich Francis (Ford) Coppola in die nächste extravagante Maßlosigkeit: auch die ultrabanale Las-Vegas-Lovestory um Hank und Frannie, die am fünften Jahrestag ihres Kennenlernens im Streit auseinandergehen, um einander nach kurzen amourösen Abstechern wieder tränenreich in die Arme zu sinken, gerät dem Zampano des »New Hollywood« zur überkandidelten Superproduktion. Zugleich auf der Suche nach dem Glanz längst vergangener Traumfabrik-Zeiten und besessen von den unbegrenzten (?) Möglichkeiten des elektronischen Filmemachens, generiert Coppola eine neo(n)-barocke Farborgie (Kamera: Vittorio Storaro), ein popartiges Album sensationeller set pieces (Bauten: Dean Tavoularis), eine – streckenweise erstaunlich behäbig inszenierte – Revue romantischer Musterbilder (Musik: Tom Waits). Zusammengehalten durch nichts als den schieren Willen zur Größe, mangelt es dem retro-avantgardistischen Panoptikum alles in allem – ausgerechnet – an Herz: weder Frederic Forrest (als selbstgefälliger Spießer) noch Teri Garr (als oberflächliche Eskapistin) entwickeln mehr Attraktion als austauschbare Lichtdoubles, und ihre Liebe erscheint so tief wie der Widerschein von Leuchtreklamen im nassen Asphalt einer Kulissenstraße.
R Francis Ford Coppola B Francis Ford Coppola, Armyan Bernstein K Vittorio Storaro, Ronald Víctor García M Tom Waits A Dean Tavoularis Ko Ruth Morley S Anne Goursaud, Randy Roberts, Rudi Fehr P Fred Roos, Gray Frederickson D Teri Garr, Frederic Forrest, Raul Julia, Nastassja Kinski, Harry Dean Stanton | USA | 108 min | 1:1,37 | f | 15. Januar 1982
# 1130 | 28. Juni 2018
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17.12.71
Diamonds Are Forever (Guy Hamilton, 1971)
James Bond 007 – Diamantenfieber
»And for dessert la pièce de résistance: la bombe surprise.« … »Diamonds Are Forever«, diese zwiefache Rückkehr – die des originalen Bond-Darstellers Sean Connery und die des geborenen Bond-Regisseurs Guy Hamilton –, ist eine einzige ›bombe surprise‹, eine große Explosion von unsinnigen und vergnüglichen Überraschungen. Ganz oberflächlich gesehen handelt das Abenteuer von der Auseinandersetzung des Superagenten 007 mit einem Superirren im Mao-Look, der mittels eines Laser-Satelliten die Weltmächte erpressen will – in Wahrheit aber geht es nur um die saloppe Aneinanderreihung von möglichst hanebüchenen Situationen, wobei das glitzernde Las Vegas (»The Entertainment Capital of the World«) die perfekte Kulisse für diese Art synthetisch-schwereloser Unterhaltung liefert. Bemerkenswert erscheint bei aller planvollen Trivialität das geradezu obsessive Spiel mit Verdoppelungen und Spaltungen: da sind das Killerduo Mr. Wint und Mr. Kidd, die weiblichen Kampfmaschinen ›Bambi‹ und ›Thumper‹ sowie die chirurgisch erstellten Doubles des Schurken Blofeld (Charles Gray) – der zudem in die Rolle eines spleenigen Industriellen schlüpft (dessen Vor- und Zuname (Willard Whyte = Howard Hughes) wiederum mit demselben Buchstaben beginnen) –, Bond nimmt die Identität eines brutalen Juwelenschmugglers an, während er sich selbst für tot erklärt, und die (ziemlich ausgeschlafe ne) Tiffany Case (Jill St. John) wechselt die Seiten so nonchalant wie die Haarfarbe: »Weren't you a blonde when I came in?« – »Could be.« Gegen Ende seines schändlichen Lebens zitiert Blofeld übrigens den französischen Moralisten La Rochefoucauld, der einst bemerkte, Bescheidenheit sei die schlimmste Form von Eitelkeit. Dieser Untugend machen sich James Bond und seine filmischen Schöpfer nicht im Geringsten schuldig.
R Guy Hamilton B Richard Maibaum, Tom Mankiewicz V Ian Fleming K Ted Moore M John Barry A Ken Adam S Bert Bates, John W. Holmes P Albert R. Broccoli, Harry Saltzman D Sean Connery, Jill St. John, Charles Gray, Lana Wood, Jimmy Dean | UK | 120 min | 1:2,35 | f | 17. Dezember 1971
»And for dessert la pièce de résistance: la bombe surprise.« … »Diamonds Are Forever«, diese zwiefache Rückkehr – die des originalen Bond-Darstellers Sean Connery und die des geborenen Bond-Regisseurs Guy Hamilton –, ist eine einzige ›bombe surprise‹, eine große Explosion von unsinnigen und vergnüglichen Überraschungen. Ganz oberflächlich gesehen handelt das Abenteuer von der Auseinandersetzung des Superagenten 007 mit einem Superirren im Mao-Look, der mittels eines Laser-Satelliten die Weltmächte erpressen will – in Wahrheit aber geht es nur um die saloppe Aneinanderreihung von möglichst hanebüchenen Situationen, wobei das glitzernde Las Vegas (»The Entertainment Capital of the World«) die perfekte Kulisse für diese Art synthetisch-schwereloser Unterhaltung liefert. Bemerkenswert erscheint bei aller planvollen Trivialität das geradezu obsessive Spiel mit Verdoppelungen und Spaltungen: da sind das Killerduo Mr. Wint und Mr. Kidd, die weiblichen Kampfmaschinen ›Bambi‹ und ›Thumper‹ sowie die chirurgisch erstellten Doubles des Schurken Blofeld (Charles Gray) – der zudem in die Rolle eines spleenigen Industriellen schlüpft (dessen Vor- und Zuname (Willard Whyte = Howard Hughes) wiederum mit demselben Buchstaben beginnen) –, Bond nimmt die Identität eines brutalen Juwelenschmugglers an, während er sich selbst für tot erklärt, und die (ziemlich ausgeschlafe ne) Tiffany Case (Jill St. John) wechselt die Seiten so nonchalant wie die Haarfarbe: »Weren't you a blonde when I came in?« – »Could be.« Gegen Ende seines schändlichen Lebens zitiert Blofeld übrigens den französischen Moralisten La Rochefoucauld, der einst bemerkte, Bescheidenheit sei die schlimmste Form von Eitelkeit. Dieser Untugend machen sich James Bond und seine filmischen Schöpfer nicht im Geringsten schuldig.
R Guy Hamilton B Richard Maibaum, Tom Mankiewicz V Ian Fleming K Ted Moore M John Barry A Ken Adam S Bert Bates, John W. Holmes P Albert R. Broccoli, Harry Saltzman D Sean Connery, Jill St. John, Charles Gray, Lana Wood, Jimmy Dean | UK | 120 min | 1:2,35 | f | 17. Dezember 1971
10.8.60
Ocean’s 11 (Lewis Milestone, 1960)
Frankie und seine Spießgesellen
Danny Ocean (Frank Sinatra) versammelt eine Gruppe alter Kriegskameraden, ehemalige Angehörige der 82nd Airborne Division, die am Strand von Anzio und in den Ardennen gekämpft haben, um in den Casinos von Las Vegas auf Beutezug zu gehen: »Why waste those cute little tricks that the Army taught us just because it’s sort of peaceful now.« Die ironische Prämisse – soldatisch geschulte Profis nutzen ihre spezifischen Fähigkeiten, um ein großes Ding zu drehen – ähnelt auf verblüffende Weise jener der kurz zuvor entstandenen Diebeskomödie »The League of Gentlemen«; daß »Ocean’s 11« – trotz der vollständigen Anwesenheit des berühmt-berüchtigten Rat Packs (neben Sinatra: Dean Martin, Sammy Davis Jr., Peter Lawford, Joey Bishop sowie Shirley MacLaine in einem betrunkenen Kurzauftritt) – anders als sein britisches Pendant nur wenig Esprit entwickelt, ist in erster Linie der betulichen Inszenierung geschuldet. Eine sehr lange Stunde nimmt sich Lewis Milestone Zeit, um die Bande zu formieren, die Protagonisten vorzustellen, die verschiedenen Motivationen klarzulegen. Mit der eigentlichen Vorbereitung und Durchführung des Coups kommt der Film in der zweiten Hälfte zwar auf Touren, doch erst gegen Ende stellt sich die croonerhafte Lässigkeit ein, die wohl das ganze Gaunerstück durchwirken sollte.
R Lewis Milestone B Charles Lederer, Harry Brown K William H. Daniels M Nelson Riddle A Nicolai Remisoff S Philip W. Anderson P Lewis Milestone D Frank Sinatra, Dean Martin, Peter Lawford, Sammy Davis Jr., Angie Dickinson, Richard Conte, Akim Tamiroff | USA | 127 min | 1:2,35 | f | 10. August 1960
# 1061 | 18. Juli 2017
Danny Ocean (Frank Sinatra) versammelt eine Gruppe alter Kriegskameraden, ehemalige Angehörige der 82nd Airborne Division, die am Strand von Anzio und in den Ardennen gekämpft haben, um in den Casinos von Las Vegas auf Beutezug zu gehen: »Why waste those cute little tricks that the Army taught us just because it’s sort of peaceful now.« Die ironische Prämisse – soldatisch geschulte Profis nutzen ihre spezifischen Fähigkeiten, um ein großes Ding zu drehen – ähnelt auf verblüffende Weise jener der kurz zuvor entstandenen Diebeskomödie »The League of Gentlemen«; daß »Ocean’s 11« – trotz der vollständigen Anwesenheit des berühmt-berüchtigten Rat Packs (neben Sinatra: Dean Martin, Sammy Davis Jr., Peter Lawford, Joey Bishop sowie Shirley MacLaine in einem betrunkenen Kurzauftritt) – anders als sein britisches Pendant nur wenig Esprit entwickelt, ist in erster Linie der betulichen Inszenierung geschuldet. Eine sehr lange Stunde nimmt sich Lewis Milestone Zeit, um die Bande zu formieren, die Protagonisten vorzustellen, die verschiedenen Motivationen klarzulegen. Mit der eigentlichen Vorbereitung und Durchführung des Coups kommt der Film in der zweiten Hälfte zwar auf Touren, doch erst gegen Ende stellt sich die croonerhafte Lässigkeit ein, die wohl das ganze Gaunerstück durchwirken sollte.
R Lewis Milestone B Charles Lederer, Harry Brown K William H. Daniels M Nelson Riddle A Nicolai Remisoff S Philip W. Anderson P Lewis Milestone D Frank Sinatra, Dean Martin, Peter Lawford, Sammy Davis Jr., Angie Dickinson, Richard Conte, Akim Tamiroff | USA | 127 min | 1:2,35 | f | 10. August 1960
# 1061 | 18. Juli 2017
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