Im Zeichen des Bösen
»You’re a killer.« – »Partly. I’m a cop.« Der Noir-Thriller als Borderline-Erfahrung: In Los Robles, einer Kleinstadt an der Grenze zwischen Mexiko und den USA, werden ein wohlhabender Geschäftsmann und seine Geliebte durch eine Autobombe getötet. Die folgenden polizeilichen Ermittlungen bringen den amerikanischen Captain Hank Quinlan (monströs-verlottert: Orson Welles) und den mexikanischen Drogenfahnder Miguel Vargas (rational-gutmenschlich: Charlton Heston) professionell und emotional gegeneinander in Stellung – konstruiert der rassistische Quinlan, seinem kriminalistischem Beingefühl (»My game leg is startin’ to talk to me.«) folgend, schon mal passende Beweise, gerät der rechtschaffene Vargas (samt seiner frisch angetrauten blonden Ehefrau) in einen Strudel aus Heimtücke, Gewalt und Amoral ... Russell Mettys plakative Schwarzweiß-Fotografie scheut zur Veranschaulichung der prekären Zustände weder Weitwinkelverzerrungen noch schräge Perspektiven, während Henri Mancini Rock’n’Roll, Jazz und Pianolaklängen zu einem hektisch-aggressiven Soundtrack mixt. Orson Welles’ eigenwillige Kreuzung aus hysterisch-forciertem Genrestück und slam-poetischem Autorenfilm mißt der Aufklärung des explosiven Verbrechens konsequentermaßen deutlich weniger Bedeutung zu als der psychologische Sezierung einer ebenso überlebensgroßen wie selbstzerstörerischen Persönlichkeit und der schmuddelig-genießerischen Darstellung ihres unausweichlichen Untergangs. Quinlan, von Welles als ungeschlachter Fleischberg präsentiert, die Provinzkaffausgabe eines Charles Foster Kane oder Gregory Arkadin, ein Mann, dem das schmutzigste Mittel gerade recht ist, um sein Ziel zu erreichen, endet passenderweise in einem vermüllten Schlammloch – seine alte Flamme Tana (Marlene Dietrich als schwarzgelockte gypsy queen) zieht das unsentimentale Resümee: »He was some kind of a man. What does it matter what you say about people?«
R Orson Welles B Orson Welles V Whit Masterson (= Robert Allison Wade & H. William Miller) K Russell Metty M Hanry Mancini A Alexander Golitzen, Robert Clatworthy S Virgil Vogel, Aaron Stell P Albert Zugsmith D Orson Welles, Charlton Heston, Janet Leigh, Akim Tamiroff, Marlene Dietrich | USA | 95/111 min | 1:1,85 | sw | 23. April 1958
# 1093 | 29. Januar 2018
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30.1.58
Witness for the Prosecution (Billy Wilder, 1958)
Zeugin der Anklage
Manchmal hilft nur die Wahrheit, wenn es gilt, die Wahrheit zu vertuschen … Es ist überaus spannend zu beobachten, wie Billy Wilder – unterstützt von einem bemerkenwerten Ensemble – Agatha Christies kühl durchkonstruierte kriminalistische Unterhaltungsmaschine in ein lebendiges Drama verwandelt. Tyrone Power verkörpert den des Mordes an einer älteren Gönnerin dringend verdächtigten Taugenichts Leonard Vole, über dessen charmantem Haupt die Schlinge des Galgens pendelt; Marlene Dietrich, als doppelspielerische (deutsche!) Ehefrau des Angeklagten, darf schmissig dazu singen (»Come on! Join the party! Have a hearty glass of rum!«) und (in zwiefachem Sinne) als wahrhaft große Schauspielerin brillieren: »I never faint because I’m not sure that I will fall gracefully and I never use smelling salts because they puff up the eyes.« Eigentlicher Star der wendungsreichen Londoner Gerichtsshow ist indes Charles Laughton in der dankbaren Rolle des ebenso brillanten wie herzschwachen, krankenschwesterlicher Kuratel immer wieder trickreich entschlüpfenden Verteidigers Sir Wilfrid Robarts, der das Heil seines Klienten umstandslos über die eigene angeschlagene Gesundheit stellt und staunend erleben muß, daß die Herstellung irdischer Gerechtigkeit nicht immer den vorgesehenen institutionellen Wegen folgt.
R Billy Wilder B Billy Wilder, Harry Kurnitz V Agatha Christie K Russell Harlan M Matty Malneck A Alexandre Trauner S Daniel Mandell P Edward Small D Charles Laughton, Tyrone Power, Marlene Dietrich, Elsa Lancaster, John Williams | USA | 116 min | 1:1,66 | sw | 30. Januar 1958
Manchmal hilft nur die Wahrheit, wenn es gilt, die Wahrheit zu vertuschen … Es ist überaus spannend zu beobachten, wie Billy Wilder – unterstützt von einem bemerkenwerten Ensemble – Agatha Christies kühl durchkonstruierte kriminalistische Unterhaltungsmaschine in ein lebendiges Drama verwandelt. Tyrone Power verkörpert den des Mordes an einer älteren Gönnerin dringend verdächtigten Taugenichts Leonard Vole, über dessen charmantem Haupt die Schlinge des Galgens pendelt; Marlene Dietrich, als doppelspielerische (deutsche!) Ehefrau des Angeklagten, darf schmissig dazu singen (»Come on! Join the party! Have a hearty glass of rum!«) und (in zwiefachem Sinne) als wahrhaft große Schauspielerin brillieren: »I never faint because I’m not sure that I will fall gracefully and I never use smelling salts because they puff up the eyes.« Eigentlicher Star der wendungsreichen Londoner Gerichtsshow ist indes Charles Laughton in der dankbaren Rolle des ebenso brillanten wie herzschwachen, krankenschwesterlicher Kuratel immer wieder trickreich entschlüpfenden Verteidigers Sir Wilfrid Robarts, der das Heil seines Klienten umstandslos über die eigene angeschlagene Gesundheit stellt und staunend erleben muß, daß die Herstellung irdischer Gerechtigkeit nicht immer den vorgesehenen institutionellen Wegen folgt.
R Billy Wilder B Billy Wilder, Harry Kurnitz V Agatha Christie K Russell Harlan M Matty Malneck A Alexandre Trauner S Daniel Mandell P Edward Small D Charles Laughton, Tyrone Power, Marlene Dietrich, Elsa Lancaster, John Williams | USA | 116 min | 1:1,66 | sw | 30. Januar 1958
23.5.52
Rancho Notorious (Fritz Lang, 1952)
Engel der Gejagten
»Oh listen, listen well«, heißt der Sänger das Publikum, während die Anfangstitel laufen: »Listen to the legend of Chuck-a-Luck, Chuck-a-Luck, listen to the wheel of fate.« Fritz Langs »tale of the old frontier« erzählt die Geschichte des Farmarbeiters Vern Haskell (Arthur Kennedy), der nach Ermordung seiner Braut auf die Jagd nach dem Täter geht. Mehrfach kommentiert der Sänger strophenweise das Geschehen – ein Kunstgriff, der die extreme Theatralität des (fast ausschließlich im Studio gedrehten) B-Films ironisch betont … Seine Nachforschungen führen Vern zur Ranch ›Chuck-a-Luck‹ und deren Besitzerin Altar Keane (Marlene Dietrich), die gesuchten Banditen gegen Bezahlung Unterschlupf gewährt. In diversen Flashback-Berichten wird das fast mythische Bild dieser durch und durch unabhängigen Frau gezeichnet: wie sie auf dem Rücken eines Mannes ein Juxrennen durch einen Saloon reitet, wie sie in großer Robe eine von zwei Schimmeln gezogene Kutsche durch eine staubige Grenzstadt lenkt, wie sie mit Hilfe des charmanten Revolverhelden Frenchy Fairmont (Mel Ferrer) beim Glücksspiel (›Chuck-a-Luck‹) jenes Vermögen gewinnt, das es ihr gestattet, sich eine (zeitweilig) gesicherte Existenz im Schatten des Gesetzes aufzubauen. Als sie leibhaftig ins Zentrum der Handlung tritt, erscheint die Patronin des Hideouts gleichermaßen herrisch (»I am the boss of this ranch. I make the rules.«) und wehmütig – ihre Zeit, die große Zeit des Wilden Westens, so ahnt sie wohl, geht zu Ende: »Go away«, sagt Altar zu Vern, dem ihr Herz sich zuneigt, »go away and come back ten years ago.« Aber die Uhr läßt sich nicht zurückstellen, weder für die alternde Schönheit, noch für den Gunman oder den Rächer. Das Schicksalsrad dreht sich unaufhaltsam – »round and round with a whispering sound, it spins, it spins the old story of hate, murder and revenge«.
R Fritz Lang B Daniel Taradash, Silvia Richards K Hal Mohr M Emil Newman, Ken Darby A Wiard Ihnen S Otto Ludwig P Howard Welsch D Marlene Dietrich, Arthur Kennedy, Mel Ferrer, Lloyd Gough, Gloria Henry | USA | 89 min | 1:1,37 | f | 23. Mai 1952
# 934 | 18. Januar 2015
»Oh listen, listen well«, heißt der Sänger das Publikum, während die Anfangstitel laufen: »Listen to the legend of Chuck-a-Luck, Chuck-a-Luck, listen to the wheel of fate.« Fritz Langs »tale of the old frontier« erzählt die Geschichte des Farmarbeiters Vern Haskell (Arthur Kennedy), der nach Ermordung seiner Braut auf die Jagd nach dem Täter geht. Mehrfach kommentiert der Sänger strophenweise das Geschehen – ein Kunstgriff, der die extreme Theatralität des (fast ausschließlich im Studio gedrehten) B-Films ironisch betont … Seine Nachforschungen führen Vern zur Ranch ›Chuck-a-Luck‹ und deren Besitzerin Altar Keane (Marlene Dietrich), die gesuchten Banditen gegen Bezahlung Unterschlupf gewährt. In diversen Flashback-Berichten wird das fast mythische Bild dieser durch und durch unabhängigen Frau gezeichnet: wie sie auf dem Rücken eines Mannes ein Juxrennen durch einen Saloon reitet, wie sie in großer Robe eine von zwei Schimmeln gezogene Kutsche durch eine staubige Grenzstadt lenkt, wie sie mit Hilfe des charmanten Revolverhelden Frenchy Fairmont (Mel Ferrer) beim Glücksspiel (›Chuck-a-Luck‹) jenes Vermögen gewinnt, das es ihr gestattet, sich eine (zeitweilig) gesicherte Existenz im Schatten des Gesetzes aufzubauen. Als sie leibhaftig ins Zentrum der Handlung tritt, erscheint die Patronin des Hideouts gleichermaßen herrisch (»I am the boss of this ranch. I make the rules.«) und wehmütig – ihre Zeit, die große Zeit des Wilden Westens, so ahnt sie wohl, geht zu Ende: »Go away«, sagt Altar zu Vern, dem ihr Herz sich zuneigt, »go away and come back ten years ago.« Aber die Uhr läßt sich nicht zurückstellen, weder für die alternde Schönheit, noch für den Gunman oder den Rächer. Das Schicksalsrad dreht sich unaufhaltsam – »round and round with a whispering sound, it spins, it spins the old story of hate, murder and revenge«.
R Fritz Lang B Daniel Taradash, Silvia Richards K Hal Mohr M Emil Newman, Ken Darby A Wiard Ihnen S Otto Ludwig P Howard Welsch D Marlene Dietrich, Arthur Kennedy, Mel Ferrer, Lloyd Gough, Gloria Henry | USA | 89 min | 1:1,37 | f | 23. Mai 1952
# 934 | 18. Januar 2015
15.4.50
Stage Fright (Alfred Hitchcock, 1950)
Die rote Lola
Hinter den Credits hebt sich langsam der Vorhang und gibt den Blick frei auf die Szene: London. Es könnte allerdings auch jeder andere Ort sein, denn Alfred Hitchcock macht (sich) erstaunlich wenig aus dem spezifischen Flair seiner Heimatstadt. Genausowenig Leidenschaft bringt er für das Milieu auf, in dem sein krimikomödiantischer Film spielt: Die Welt des Theaters bleibt flache Kulisse. Die Story – Schauspielschülerin Eve (Jane Wyman) schleicht sich als Garderobiere bei der Diva Charlotte Inwood (Marlene Dietrich) ein, um ihren guten Freund Jonathan (Richard Todd) vom Verdacht des Mordes am Ehemann des exaltiert-fragwürdigen Bühnenstars reinzuwaschen – spielt mit dem Motiv der Maskerade, der Verstellung, der (optischen) Täuschung, ohne dem Thema besondere Tiefe abzugewinnen. Kurioserweise tritt in »Stage Fright« Hitchcocks Desinteresse an Schauspielern (von denen er sagt, sie gehörten behandelt wie Vieh) besonders deutlich zu Tage: Jeder spielt für sich allein – Marlene Dietrich repetiert ihre, einst von Josef von Sternberg erfundene, Glamour-Performance, Jane Wyman gibt eine leicht ironisierte Hollywood-Vorstellung der grauen Maus, Richard Todd chargiert zwischen nervös-verfolgter Unschuld und starr-glotzender Psychopathie, Alastair Sim und Sybil Thorndike (als Eves verschrobene Eltern) führen eine erzbritische comedy of manners auf. Der dramatische Schlußeffekt des außerordentlich disparaten Stücks spiegelt die Anfangseinstellung, und »wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und keine Fragen offen.«
R Alfred Hitchcock B Whitfield Cook, Alma Reville V Selwyn Jepson K Wilkie Cooper M Leighton Lucas A Terence Verity Ko Milo Anderson, Christian Dior S Edward B. Jarvis P Alfred Hitchcock D Jane Wyman, Marlene Dietrich, Richard Todd, Michael Wilding, Alastair Sim | UK | 110 min | 1:1,37 | sw | 15. April 1950
Hinter den Credits hebt sich langsam der Vorhang und gibt den Blick frei auf die Szene: London. Es könnte allerdings auch jeder andere Ort sein, denn Alfred Hitchcock macht (sich) erstaunlich wenig aus dem spezifischen Flair seiner Heimatstadt. Genausowenig Leidenschaft bringt er für das Milieu auf, in dem sein krimikomödiantischer Film spielt: Die Welt des Theaters bleibt flache Kulisse. Die Story – Schauspielschülerin Eve (Jane Wyman) schleicht sich als Garderobiere bei der Diva Charlotte Inwood (Marlene Dietrich) ein, um ihren guten Freund Jonathan (Richard Todd) vom Verdacht des Mordes am Ehemann des exaltiert-fragwürdigen Bühnenstars reinzuwaschen – spielt mit dem Motiv der Maskerade, der Verstellung, der (optischen) Täuschung, ohne dem Thema besondere Tiefe abzugewinnen. Kurioserweise tritt in »Stage Fright« Hitchcocks Desinteresse an Schauspielern (von denen er sagt, sie gehörten behandelt wie Vieh) besonders deutlich zu Tage: Jeder spielt für sich allein – Marlene Dietrich repetiert ihre, einst von Josef von Sternberg erfundene, Glamour-Performance, Jane Wyman gibt eine leicht ironisierte Hollywood-Vorstellung der grauen Maus, Richard Todd chargiert zwischen nervös-verfolgter Unschuld und starr-glotzender Psychopathie, Alastair Sim und Sybil Thorndike (als Eves verschrobene Eltern) führen eine erzbritische comedy of manners auf. Der dramatische Schlußeffekt des außerordentlich disparaten Stücks spiegelt die Anfangseinstellung, und »wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und keine Fragen offen.«
R Alfred Hitchcock B Whitfield Cook, Alma Reville V Selwyn Jepson K Wilkie Cooper M Leighton Lucas A Terence Verity Ko Milo Anderson, Christian Dior S Edward B. Jarvis P Alfred Hitchcock D Jane Wyman, Marlene Dietrich, Richard Todd, Michael Wilding, Alastair Sim | UK | 110 min | 1:1,37 | sw | 15. April 1950
20.8.48
A Foreign Affair (Billy Wilder, 1948)
Eine auswärtige Affäre
»Amidst the ruins of Berlin / Trees are in bloom as they have never been.« Billy Wilders böse Komödie aus den Gründerjahren der deutsch-amerikanischen Freundschaft handelt über eine politisch-militärisch-private Dreieckgeschichte in den Ruinen von Berlin: Da ist die spröde republikanische Congresswoman Phoebe Frost (!) (Jean Arthur), die die ethische Konstitution der US-Besatzungstruppen scharf unter die Lupe nehmen will, da ist der scheinbar so adrette Captain John Pringle (John Lund), der einen reichlich erweiterten Moralbegriff hat, und da ist die magnetische Diseuse Erika von Schlütow (mit der Betonung auf ›von‹) (Marlene Dietrich), die sich mit Uniformträgern aller Couleur gut stand und steht. Es geht um Liebe (was man nach einem verlorenen bzw. gewonnenen Krieg halt so Liebe nennt), Schwarzmarkt (»Laces for the missis, chewing gum for kisses.«) sowie historische Altlasten (und deren (versuchte) Entsorgung). Nachdem die Protagonisten über das breite Trümmerfeld zwischen Tugend und Laster gestolpert sind, kriegen sie am Ende ihres (Erkenntnis-)Weges vom illusionslosen Wilder (der ein gewisses Maß an Unsittlichkeit der Bigotterie stets vorzieht) allesamt das, was sie verdienen. PS: Friedrich Hollaender steuert drei tolle Chansons für Marlene bei (und begleitet höchstselbst am Klavier).
R Billy Wilder B Billy Wilder, Charles Brackett K Charles Lang M Friedrich Hollaender A Hans Dreier, Walter Tyler S Doane Harrison P Charles Brackett D Jean Arthur, Marlene Dietrich, John Lund, Millard Mitchell, Peter von Zerneck | USA | 116 min | 1:1,37 | sw | 20. August 1948
»Amidst the ruins of Berlin / Trees are in bloom as they have never been.« Billy Wilders böse Komödie aus den Gründerjahren der deutsch-amerikanischen Freundschaft handelt über eine politisch-militärisch-private Dreieckgeschichte in den Ruinen von Berlin: Da ist die spröde republikanische Congresswoman Phoebe Frost (!) (Jean Arthur), die die ethische Konstitution der US-Besatzungstruppen scharf unter die Lupe nehmen will, da ist der scheinbar so adrette Captain John Pringle (John Lund), der einen reichlich erweiterten Moralbegriff hat, und da ist die magnetische Diseuse Erika von Schlütow (mit der Betonung auf ›von‹) (Marlene Dietrich), die sich mit Uniformträgern aller Couleur gut stand und steht. Es geht um Liebe (was man nach einem verlorenen bzw. gewonnenen Krieg halt so Liebe nennt), Schwarzmarkt (»Laces for the missis, chewing gum for kisses.«) sowie historische Altlasten (und deren (versuchte) Entsorgung). Nachdem die Protagonisten über das breite Trümmerfeld zwischen Tugend und Laster gestolpert sind, kriegen sie am Ende ihres (Erkenntnis-)Weges vom illusionslosen Wilder (der ein gewisses Maß an Unsittlichkeit der Bigotterie stets vorzieht) allesamt das, was sie verdienen. PS: Friedrich Hollaender steuert drei tolle Chansons für Marlene bei (und begleitet höchstselbst am Klavier).
R Billy Wilder B Billy Wilder, Charles Brackett K Charles Lang M Friedrich Hollaender A Hans Dreier, Walter Tyler S Doane Harrison P Charles Brackett D Jean Arthur, Marlene Dietrich, John Lund, Millard Mitchell, Peter von Zerneck | USA | 116 min | 1:1,37 | sw | 20. August 1948
9.1.21
The Flame of New Orleans (René Clair, 1941)
Die Abenteurerin
New Orleans, 1840. Ein luxuriöses Brautkleid treibt auf dem Mississippi. Wie kam es dorthin? Und was ist aus der Trägerin geworden? Hat sie wirklich kurz vor der Hochzeit Selbstmord begangen? Mit froufrouesker Ironie erzählt René Clair die Geschichte der angeblichen Gräfin Claire Ledoux, ihrer männerfängerischen Künste und gelegentlichen Ohnmachten. Dazu setzt er Marlene Dietrich, die hinreißende Darstellerin der Titelrolle, in schmeichelndes Licht, hüllt sie in prachtvolle Roben, garniert sie mit der nostalgischen Atmosphäre des amerikanischen Südens – das lasziv-erotische Image der Diva und liebgewordene Klischeebilder vom mythischen Dixie gleichermaßen in parodistischer Absicht genüßlich überzeichnend. Daß die schöne Glücksritterin, die sich einen fürnehm-gichtigen Bankier angeln will, schließlich die Fänge eines kernig-schmucken Seemanns gerät, erscheint als schlüssige (und in jeder Hinsicht befreiende) Pointe dieser augenzwinkernden Romanze.
R René Clair B Norman Krasna K Rudolph Maté M Frank Skinner A Jack Otterson Ko René Hubert S Frank Gross P Joe Pasternak, René Clair D Marlene Dietrich, Bruce Cabot, Roland Young, Mischa Auer, Theresa Harris | USA | 79 min | 1:1,37 | sw | 6. April 1941
# 1205 | 8. Januar 2021
New Orleans, 1840. Ein luxuriöses Brautkleid treibt auf dem Mississippi. Wie kam es dorthin? Und was ist aus der Trägerin geworden? Hat sie wirklich kurz vor der Hochzeit Selbstmord begangen? Mit froufrouesker Ironie erzählt René Clair die Geschichte der angeblichen Gräfin Claire Ledoux, ihrer männerfängerischen Künste und gelegentlichen Ohnmachten. Dazu setzt er Marlene Dietrich, die hinreißende Darstellerin der Titelrolle, in schmeichelndes Licht, hüllt sie in prachtvolle Roben, garniert sie mit der nostalgischen Atmosphäre des amerikanischen Südens – das lasziv-erotische Image der Diva und liebgewordene Klischeebilder vom mythischen Dixie gleichermaßen in parodistischer Absicht genüßlich überzeichnend. Daß die schöne Glücksritterin, die sich einen fürnehm-gichtigen Bankier angeln will, schließlich die Fänge eines kernig-schmucken Seemanns gerät, erscheint als schlüssige (und in jeder Hinsicht befreiende) Pointe dieser augenzwinkernden Romanze.
R René Clair B Norman Krasna K Rudolph Maté M Frank Skinner A Jack Otterson Ko René Hubert S Frank Gross P Joe Pasternak, René Clair D Marlene Dietrich, Bruce Cabot, Roland Young, Mischa Auer, Theresa Harris | USA | 79 min | 1:1,37 | sw | 6. April 1941
# 1205 | 8. Januar 2021
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Romanze
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