16.8.40

Foreign Correspondent (Alfred Hitchcock, 1940)

Der Auslandskorrespondent

Sommer 1939: Der Herausgeber des ›New York Globe‹ hat genug von den abgewogenen Artikeln seiner Europakorrespondenten und schickt einen »good honest crime reporter« (Joel McCrea) in die alte Welt, der den heraufziehenden Krieg als packende Story schildern soll … Anders als politisch interessierte Autoren wie Graham Greene oder Eric Ambler, die in ihren Spionagethrillern Zeitgeschehen nicht nur als narrativen Brandbeschleuniger nutzen, bedient sich Alfred Hitchcock für seine in London und Amsterdam angesiedelte, leidlich fesselnde Räuberpistole (Untergrund-Nazis, entführte Staatsmänner, vertragliche Geheimklauseln) der historischen Katastrophe lediglich als dramatische Rückprojektion. Das aufwendige Set-Design (Alexander Golitzen), die ausgetüftelten Spezialeffekte (William Cameron Menzies) und die feinschattierte Fotografie (Rudolph Maté) der zahlreichen visuellen Kabinettstücke – ein Mordanschlag im Regen mit anschließender Verfolgung des Attentäters durch ein Gewirr von schwarzen Schirmen, ein Katz-und-Mausspiel in der Maschinerie einer Windmühle, ein Flugzeugabsturz in den aufgewühlten Atlantik – trösten über das fast durchweg farblose Spiel der Darsteller und die geschichtslose Einfalt der Handlung hinweg.

R Alfred Hitchcock B Charles Bennett, Joan Harrison, James Hilton, Robert Benchley K Rudolph Maté M Alfred Newman A Alexander Golitzen S Dorothy Spencer P Walter Wanger D Joel McCrea, Laraine Day, Herbert Marshall, George Sanders, Albert Bassermann | USA | 120 min | 1:1,37 | sw | 16. August 1940

Kommentare:

  1. Obwohl ich ein grosser Hitchcock-Fan bin, ist mir eigentlich nur die berühmte "Regenschirm"-Szene positiv in Erinnerung geblieben (dass der Höhepunkt, den wir hier nicht verraten wollen, mit grossem Aufwand hergestellt wurde, weiss ich; er beeindruckte mich jedoch einfach nicht). "Foreign Correspondent" war übrigens einer der letzten Tonfilme des Meisters, den ich zu sehen bekam - und manche Kritkiker hatten so viel darin "entdeckt", dass ich etwas enttäuscht war. Die moralische Ansprache am Ende war sicher nötig, übrzeugte jedoch auch nicht sonderlich (in Geschichten eingepackte Anklagen wirken intensiver).

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  2. Es ist ein bißchen wie in einem Chaplin-Tonfilm: Am Schluß wird die Rede gehalten … Im übrigen wahrlich einer der schwächeren Hitchcocks. Es gibt aber so einige Filme des Meisters, die ohne das Gütesiegel seines Namens wohl längst der Vergessenheit anheim gefallen wären. (Und das sage ich als alter Bewunderer seiner Kunst.)

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