Nina – Nur eine Frage der Zeit
»No one dies unless we wish them to.« In seinen großen Tagen ließ Vincente Minnelli bei MGM die Puppen tanzen; um ein letztes Werk realisieren zu können, schloß der greise Meister einen Pakt mit dem »König des Low-Budget-Films«, Samuel Z. Arkoff, dessen Name nicht umsonst an Graf Zaroff, das Genie des Bösen, erinnert – »A Matter of Time«, vom Produzenten aufs Wüsteste verhackstückt, steht wie eine kurios-anrührende Ruine im Mondlicht der Kinogeschichte. Die Story kreist (besser gesagt: eiert) um die unbedarfte Nina (Liza Minnelli), die als Zimmermädchen in einem verlotterten römischen Luxushotel Freundschaft mit der betagten, geheimnisvoll-umnachteten Contessa Sanziani (Ingrid Bergman) schließt; die Alte entpuppt sich nicht nur als einstmals namhafte Kokotte, die zu ihrer Zeit die reichsten, klügsten und mächtigsten Männer ihrer Epoche um den kleinen Finger wickelte, sie weist dem jungen Ding auch den Weg zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und zum Ruhm als Filmstar… Neben Fragen der Identitätsfindung ist die Vergänglichkeit – der Schönheit, des Erfolges, des Glücks – das zentrale Thema des Films; in zwei, drei hochklassig-schrägen Momenten (etwa wenn die Sanziani schreiend durch ihr schäbiges Zimmer taumelt und es nicht fassen kann, in derart unwürdige Schrecknis geraten zu sein) bricht sich echte Tragik Bahn – ganz so, als sähe der Regisseur das eigene Schicksal im Schlamassel der zerrütteten Weltdame düster gespiegelt. PS: Neben Minnelli geben mit Charles Boyer und Amedeo Nazzari zwei weitere Ehrenmänner der Leinwand ihre Abschiedsvorstellung.
R Vincente Minnelli B John Gay V Maurice Druon K Geoffrey Unsworth M Nino Oliviero A Veniero Colasanti, John Moore S Peter Taylor P Samuel Z. Arkoff, Giulio Sbarigia D Liza Minnelli, Ingrid Bergman, Tina Aumont, Charles Boyer, Amedeo Nazzari | USA & I | 97 min | 1:1,85 | f | 7. Oktober 1976
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7.10.76
15.5.74
Stavisky … (Alain Resnais, 1974)
Stavisky …
»Pour comprende Alex, il faut parfois oublier les dossiers. Il faut rêver de lui.« Alain Resnais’ Traum vom Hochstapler Alexandre Stavisky alias Serge Alexandre alias ›le beau Sacha‹ … Paris, Anfang der 1930er Jahre: Stavisky (mondän: Jean-Paul Belmondo), Sohn eines braven Zahnarztes aus der Ukraine, erfindet nicht nur sich selbst sondern auch das Geld, das er mit vollen Händen ausgibt. Der falsche Weltmann logiert im ›Claridge‹, hüllt seine Muse Arlette in weißen Zobel, finanziert Revuen und Staatsstreiche, diniert mit der crème de la crème aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Als seine finanziellen Luftnummern auffliegen, erschüttert der folgende Skandal die III. Republik bis ins Mark. Ein Film über die Verschwendung als Investition, über den Kredit als Illusion, auf der Imperien errichtet werden. »Un rôle de spectre peut me convenir«, sagt der Titelheld über sich, und tatsächlich schwebt Stavisky wie ein Geist (»Personne ne sais que je suis.«) durch die luxuriösen Kulissen des Spiels: Theaterbühnen, Casinos, Hotelhallen – Transiträume eines trügerischen Vergnügens – sind die Hauptschauplätze der betörend morbiden Zeitrevue. Der ergreifend schöne Nachruf auf eine so extravagante wie desolate Ära verbindet Stummfilmkolportage style Fantômas mit der überfeinerten Ästhetik einer Epochendämmerung à la Visconti, verknüpft den Abgesang auf den Finanzkapitalismus mit einem Seitenblick auf die gescheiterte Hoffnung der Revolution in der Person des exilierten Leo Trotzki. Selten nur werden historisch-politische Stoffe mit einem solchen Höchstmaß an erzählerischem Raffinement (Buch: Jorge Semprún) und visueller Delikatesse (Kamera: Sacha Vierny, Kostüme: Yves Saint-Laurent) dargeboten. Die phänomenale, fragil-nostalgische Musik von Stephen Sondheim und eine großartige Besetzung – Boyer, Duperey, Lonsdale, Périer, Rich – vervollkommnen Resnais’ bitter-süße Suche nach einer verlorenen Zeit.
R Alain Resnais B Jorge Semprún K Sacha Vierny M Stephen Sondheim A Jacques Saulnier S Albert Jurgenson P Jean-Paul Belmondo D Jean-Paul Belmondo, Charles Boyer, Anny Duperey, François Périer, Michael Lonsdale, Claude Rich | F & I | 120 min | 1:1,66 | f | 15. Mai 1974
»Pour comprende Alex, il faut parfois oublier les dossiers. Il faut rêver de lui.« Alain Resnais’ Traum vom Hochstapler Alexandre Stavisky alias Serge Alexandre alias ›le beau Sacha‹ … Paris, Anfang der 1930er Jahre: Stavisky (mondän: Jean-Paul Belmondo), Sohn eines braven Zahnarztes aus der Ukraine, erfindet nicht nur sich selbst sondern auch das Geld, das er mit vollen Händen ausgibt. Der falsche Weltmann logiert im ›Claridge‹, hüllt seine Muse Arlette in weißen Zobel, finanziert Revuen und Staatsstreiche, diniert mit der crème de la crème aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Als seine finanziellen Luftnummern auffliegen, erschüttert der folgende Skandal die III. Republik bis ins Mark. Ein Film über die Verschwendung als Investition, über den Kredit als Illusion, auf der Imperien errichtet werden. »Un rôle de spectre peut me convenir«, sagt der Titelheld über sich, und tatsächlich schwebt Stavisky wie ein Geist (»Personne ne sais que je suis.«) durch die luxuriösen Kulissen des Spiels: Theaterbühnen, Casinos, Hotelhallen – Transiträume eines trügerischen Vergnügens – sind die Hauptschauplätze der betörend morbiden Zeitrevue. Der ergreifend schöne Nachruf auf eine so extravagante wie desolate Ära verbindet Stummfilmkolportage style Fantômas mit der überfeinerten Ästhetik einer Epochendämmerung à la Visconti, verknüpft den Abgesang auf den Finanzkapitalismus mit einem Seitenblick auf die gescheiterte Hoffnung der Revolution in der Person des exilierten Leo Trotzki. Selten nur werden historisch-politische Stoffe mit einem solchen Höchstmaß an erzählerischem Raffinement (Buch: Jorge Semprún) und visueller Delikatesse (Kamera: Sacha Vierny, Kostüme: Yves Saint-Laurent) dargeboten. Die phänomenale, fragil-nostalgische Musik von Stephen Sondheim und eine großartige Besetzung – Boyer, Duperey, Lonsdale, Périer, Rich – vervollkommnen Resnais’ bitter-süße Suche nach einer verlorenen Zeit.
R Alain Resnais B Jorge Semprún K Sacha Vierny M Stephen Sondheim A Jacques Saulnier S Albert Jurgenson P Jean-Paul Belmondo D Jean-Paul Belmondo, Charles Boyer, Anny Duperey, François Périer, Michael Lonsdale, Claude Rich | F & I | 120 min | 1:1,66 | f | 15. Mai 1974
13.7.66
How to Steal a Million (William Wyler, 1966)
Wie klaut man eine Million?
Der Pariser Kunstsammler Charles Bonnet (Hugh Griffith) nennt eine exquisite Kollektion sein eigen – außerdem betätigt er sich, ebenso leidenschaftlich wie befähigt, als Fälscher. Die Ausleihe einer (natürlich nachgemachten) Cellini-Venus an ein Museum bringt Bonnet unversehens in arge Bedrängnis: die Versicherung verlangt eine Echtheitsprüfung des Exponats. »We live in a crass, commercial world, with no faith or trust«, ereifert sich der Leihgeber, indes seine Tochter Nicole (ewig elfenhaft: Audrey Hepburn) einen von ihr überraschten Gentleman-Einbrecher (weltmännisch: Peter O’Toole) dazu überreden kann, die Statue aus dem schwergesicherten Ausstellungsraum zu entwenden ... William Wylers charmante, bisweilen etwas gemächlich inszenierte romantische Diebeskomödie erzählt mit leiser Ironie von den Freuden des Fälschens (»In his whole lifetime, van Gogh only sold one painting. Whereas I, in loving memory of his great tragic genius ... have already sold two.«), vor allem aber vom Wahnsinn des Sammelns. Das Prinzip des unbedingten Habenwollens verkörpert ein von Eli Wallach gespielter amerikanischer Tycoon, der sich (zum Nutzen aller Beteiligten) rettungslos in die von Meisterhand gefertigte Venus verliebt: »I want it! I just want to know that it's mine, that I own it, that I can touch it.«
R William Wyler B Harry Kurnitz, George Bradshaw K Charles Lang M Johnny (= John) Williams A Alexandre Trauner S Robert Swink P Fred Kohlmar D Audrey Hepburn, Peter O’Toole, Eli Wallach, Hugh Griffith, Charles Boyer | USA | 123 min | 1:2,35 | f | 13. Juli 1966
# 1041 | 9. Januar 2017
Der Pariser Kunstsammler Charles Bonnet (Hugh Griffith) nennt eine exquisite Kollektion sein eigen – außerdem betätigt er sich, ebenso leidenschaftlich wie befähigt, als Fälscher. Die Ausleihe einer (natürlich nachgemachten) Cellini-Venus an ein Museum bringt Bonnet unversehens in arge Bedrängnis: die Versicherung verlangt eine Echtheitsprüfung des Exponats. »We live in a crass, commercial world, with no faith or trust«, ereifert sich der Leihgeber, indes seine Tochter Nicole (ewig elfenhaft: Audrey Hepburn) einen von ihr überraschten Gentleman-Einbrecher (weltmännisch: Peter O’Toole) dazu überreden kann, die Statue aus dem schwergesicherten Ausstellungsraum zu entwenden ... William Wylers charmante, bisweilen etwas gemächlich inszenierte romantische Diebeskomödie erzählt mit leiser Ironie von den Freuden des Fälschens (»In his whole lifetime, van Gogh only sold one painting. Whereas I, in loving memory of his great tragic genius ... have already sold two.«), vor allem aber vom Wahnsinn des Sammelns. Das Prinzip des unbedingten Habenwollens verkörpert ein von Eli Wallach gespielter amerikanischer Tycoon, der sich (zum Nutzen aller Beteiligten) rettungslos in die von Meisterhand gefertigte Venus verliebt: »I want it! I just want to know that it's mine, that I own it, that I can touch it.«
R William Wyler B Harry Kurnitz, George Bradshaw K Charles Lang M Johnny (= John) Williams A Alexandre Trauner S Robert Swink P Fred Kohlmar D Audrey Hepburn, Peter O’Toole, Eli Wallach, Hugh Griffith, Charles Boyer | USA | 123 min | 1:2,35 | f | 13. Juli 1966
# 1041 | 9. Januar 2017
16.12.57
Une parisienne (Michel Boisrond, 1957)
Die Pariserin
»Une parisienne« ist nicht irgendein Mädchen sondern die Tochter des französischen Staatsratspräsidenten; gespielt wird sie nicht von einer x-beliebigen Schauspielerin sondern von der reschen BB. Brigitte, so heißt sie der Einfachheit halber auch im Film, wirft sich (unbegreiflicherweise) Michel (klobig: Henri Vidal), dem schwerenöterischen Kabinettschef ihres Vaters, an den Hals, der wiederum (unbegreiflicherweise) zunächst nichts von seiner über aus willigen Verehrerin wissen will. Als Michel auch nach der (unbegreiflichen) Hochzeit seine diversen Affären weiterpflegt, poussiert Brigitte mit einem attraktiv-gereiften prince charming (Charles Boyer) – natürlich nur um den geliebten Gatten eifersüchtig zu machen ... Regisseur Michel Boisrond läßt eine blödsinnig-solide Boulevardkomödie abrollen, in der nach Herzenslust mit Türen geknallt oder mit Langusten geschmissen wird, und schafft dabei jede Menge absurder Gelegenheiten, um Dekolleté, Schmollmund und andere unleugbare körperliche Vorzüge der BB appetitlich zu präsentieren.
R Michel Boisrond B Annette Wademant, Jean Aurel, Jacques Emmanuel, Michel Boisrond K Marcel Grignon M Henri Crolla, André Hodair, Hubert Rostaing A Jean André S Claudine Bouché P Francis Cosne D Brigitte Bardot, Charles Boyer, Henri Vidal, André Luguet, Noël Roquevert | F & I | 86 min | 1:1,37 | f | 16. Dezember 1957
»Une parisienne« ist nicht irgendein Mädchen sondern die Tochter des französischen Staatsratspräsidenten; gespielt wird sie nicht von einer x-beliebigen Schauspielerin sondern von der reschen BB. Brigitte, so heißt sie der Einfachheit halber auch im Film, wirft sich (unbegreiflicherweise) Michel (klobig: Henri Vidal), dem schwerenöterischen Kabinettschef ihres Vaters, an den Hals, der wiederum (unbegreiflicherweise) zunächst nichts von seiner über aus willigen Verehrerin wissen will. Als Michel auch nach der (unbegreiflichen) Hochzeit seine diversen Affären weiterpflegt, poussiert Brigitte mit einem attraktiv-gereiften prince charming (Charles Boyer) – natürlich nur um den geliebten Gatten eifersüchtig zu machen ... Regisseur Michel Boisrond läßt eine blödsinnig-solide Boulevardkomödie abrollen, in der nach Herzenslust mit Türen geknallt oder mit Langusten geschmissen wird, und schafft dabei jede Menge absurder Gelegenheiten, um Dekolleté, Schmollmund und andere unleugbare körperliche Vorzüge der BB appetitlich zu präsentieren.
R Michel Boisrond B Annette Wademant, Jean Aurel, Jacques Emmanuel, Michel Boisrond K Marcel Grignon M Henri Crolla, André Hodair, Hubert Rostaing A Jean André S Claudine Bouché P Francis Cosne D Brigitte Bardot, Charles Boyer, Henri Vidal, André Luguet, Noël Roquevert | F & I | 86 min | 1:1,37 | f | 16. Dezember 1957
7.6.55
The Cobweb (Vincente Minnelli, 1955)
Die Verlorenen
Die Welt ist nicht nur eine Bühne, die Welt ist auch ein Irrenhaus. »The Cobweb«, Vincente Minnellis knallige tragicomedy of manners, spielt in einer Privatklinik für gehobene Verrückte, wo die Ärzte kaum von den Patienten zu unterscheiden sind. Scharf akzentuiert von Leonard Rosenmans dissonant-hysterischem Score, entwickelt sich aus einer Lappalie – einem Zwist über die Ausstattung des Salons mit neuen Vorhängen – peu à peu eine Krise der Beziehungen und Identitäten, die das empfindliche Gleichgewicht des menschlichen Miteinanders völlig aus den Fugen geraten läßt. Masken zerbrechen, beschädigte Seelen kommen zum Vorschein: Der helfersyndromatische Chefarzt (Richard Widmark) flüchtet vor seiner ihm entfremdeten Frau (Gloria Grahame) in besessene Arbeit, während sie, so quirlig wie einsam, ihr Heil in blindem (und beinahe todbringendem) Aktionismus sucht; die altgediente Verwaltungsleiterin (Lilian Gish) überspielt ihre Unsicherheit durch diktatorische Fürsorge; der kultivierte Ex-Klinikdirektor (Charles Boyer) versucht, seine latente Altersdepression mit Alkohol und Seitensprüngen zu kurieren. In diesem Grand Hotel der Neurosen haben die »Kranken« (unter ihnen Susan Strasberg, John Kerr und Oscar Levant) den »Gesunden« immerhin das Bewußtsein ihrer inneren Zwangslage voraus.
R Vincente Minnelli B John Paxton V William Gibson K George Folsey M Leonard Rosenman A Preston Ames, Cedric Gibbons S Harold F. Kress P John Houseman D Richard Widmark, Lauren Bacall, Gloria Grahame, Lilian Gish, Charles Boyer | USA | 134 min | 1:2,35 | f | 7. Juni 1955
Die Welt ist nicht nur eine Bühne, die Welt ist auch ein Irrenhaus. »The Cobweb«, Vincente Minnellis knallige tragicomedy of manners, spielt in einer Privatklinik für gehobene Verrückte, wo die Ärzte kaum von den Patienten zu unterscheiden sind. Scharf akzentuiert von Leonard Rosenmans dissonant-hysterischem Score, entwickelt sich aus einer Lappalie – einem Zwist über die Ausstattung des Salons mit neuen Vorhängen – peu à peu eine Krise der Beziehungen und Identitäten, die das empfindliche Gleichgewicht des menschlichen Miteinanders völlig aus den Fugen geraten läßt. Masken zerbrechen, beschädigte Seelen kommen zum Vorschein: Der helfersyndromatische Chefarzt (Richard Widmark) flüchtet vor seiner ihm entfremdeten Frau (Gloria Grahame) in besessene Arbeit, während sie, so quirlig wie einsam, ihr Heil in blindem (und beinahe todbringendem) Aktionismus sucht; die altgediente Verwaltungsleiterin (Lilian Gish) überspielt ihre Unsicherheit durch diktatorische Fürsorge; der kultivierte Ex-Klinikdirektor (Charles Boyer) versucht, seine latente Altersdepression mit Alkohol und Seitensprüngen zu kurieren. In diesem Grand Hotel der Neurosen haben die »Kranken« (unter ihnen Susan Strasberg, John Kerr und Oscar Levant) den »Gesunden« immerhin das Bewußtsein ihrer inneren Zwangslage voraus.
R Vincente Minnelli B John Paxton V William Gibson K George Folsey M Leonard Rosenman A Preston Ames, Cedric Gibbons S Harold F. Kress P John Houseman D Richard Widmark, Lauren Bacall, Gloria Grahame, Lilian Gish, Charles Boyer | USA | 134 min | 1:2,35 | f | 7. Juni 1955
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Gesellschaft,
Klinik,
Krankheit,
Vincente Minnelli,
Widmark
16.12.53
Madame de … (Max Ophüls, 1953)
Madame de … – Die Liebe ihres Lebens
Ein Dreieck im Paris der belle époque: eine flatterhafte Frau (Danielle Darrieux), ihr Mann – ein General (Charles Boyer), ihr Geliebter – ein Diplomat (Vittorio de Sica). Zwischen ihnen: ein Paar diamantene Ohrringe, die von Hand zu Hand, von Haus zu Haus wandern, mal geringgeschätzt, mal innigst geliebt, immer Indikator für den jeweils herrschenden Aggregatzustand der Gefühle. Unter Max Ophüls’ insistierend-zärtlichem Blick legt die schöne alte Zeit das duftige Spitzengewand ihrer operettigen Heiterkeit ab und enthüllt die verborgenen Härten des leichten Lebens. Eine rastlose Kamera (Christian Matras) quetscht sich in ausgeklügelten Bewegungen durch reichgeschmückte Dekors (Jean d’Eaubonne), nicht etwa um die Protagonisten in flagranti zu erwischen, sondern um die Geheimnisse ihrer nur scheinbar oberflächlichen Seelen zu erspüren, um ihre Fähigkeit zu echter Leidenschaft sichtbar zu machen. Das Ende dieses formvollendeten pas de trois öffnet die Schleusen der Melancholie – es ist zu wahr, um schön zu sein.
R Max Ophüls B Max Ophüls, Marcel Achard, Annette Wademant V Louise de Vilmorin K Christian Matras M Oscar Straus, Georges Van Parys A Jean d’Eaubonne S Borys Lewin P Ralph Baum D Charles Boyer, Danielle Darrieux, Vittorio de Sica, Jean Debucourt, Jean Galland | F & I | 105 min | 1:1,37 l sw | 16. Dezember 1953
Ein Dreieck im Paris der belle époque: eine flatterhafte Frau (Danielle Darrieux), ihr Mann – ein General (Charles Boyer), ihr Geliebter – ein Diplomat (Vittorio de Sica). Zwischen ihnen: ein Paar diamantene Ohrringe, die von Hand zu Hand, von Haus zu Haus wandern, mal geringgeschätzt, mal innigst geliebt, immer Indikator für den jeweils herrschenden Aggregatzustand der Gefühle. Unter Max Ophüls’ insistierend-zärtlichem Blick legt die schöne alte Zeit das duftige Spitzengewand ihrer operettigen Heiterkeit ab und enthüllt die verborgenen Härten des leichten Lebens. Eine rastlose Kamera (Christian Matras) quetscht sich in ausgeklügelten Bewegungen durch reichgeschmückte Dekors (Jean d’Eaubonne), nicht etwa um die Protagonisten in flagranti zu erwischen, sondern um die Geheimnisse ihrer nur scheinbar oberflächlichen Seelen zu erspüren, um ihre Fähigkeit zu echter Leidenschaft sichtbar zu machen. Das Ende dieses formvollendeten pas de trois öffnet die Schleusen der Melancholie – es ist zu wahr, um schön zu sein.
R Max Ophüls B Max Ophüls, Marcel Achard, Annette Wademant V Louise de Vilmorin K Christian Matras M Oscar Straus, Georges Van Parys A Jean d’Eaubonne S Borys Lewin P Ralph Baum D Charles Boyer, Danielle Darrieux, Vittorio de Sica, Jean Debucourt, Jean Galland | F & I | 105 min | 1:1,37 l sw | 16. Dezember 1953
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Melodram,
Ophüls,
Paris,
Romanze,
Stadtpalais,
Wademant
1.5.46
Cluny Brown (Ernst Lubitsch, 1946)
Cluny Brown auf Freiersfüßen
»Some people like to feed nuts to the squirrels. But if it makes you happy to feed squirrels to the nuts, who am I to say: ›Nuts to the squirrels‹?!« Ernst Lubitschs »Cluny Brown« ist eine nonchalante Verweigerung von »Erzählkino«, von Handlungsdruck, von Zuspitzung. »Cluny Brown« ist zärtliches Betrachten, neugieriges Belauschen, interessiertes Beschnuppern von Filmfiguren, die unter den Augen, den Ohren, dem Herzen ihres Erschaffers unversehens zu menschlichen Wesen werden: Cluny (Jennifer Jones), das naive Mädchen mit der bunten Phantasie, das leidenschaftlich gerne klempnert (auch zur Unzeit), Professor Belinsky (Charles Boyer), der exilierte Charmeur, dem jeder dankbar ist, wenn er ihm 20 Pfund leihen darf (später gerne mehr), Andrew (Peter Lawford), der schüchterne Idealist, der mit der Nase in sein Glück gestoßen werden muß (das gut zu Pferde sitzt), die unerschütterlichen Lords und ewiggärtnernden Ladies, die traditionsbewußten Butler und naserümpfenden Hausdamen, die pedantischen Apotheker und ihre mißbilligend hüstelnden Mütter, die allesamt das – latent kriegsbedrohte – Vorkriegsengland dieses Films bevölkern. Der Strippenzieher schickt seine geliebten Geschöpfe auf die Suche nach ihrem Platz im Leben, ermutigt sie inständig, das Richtige zum falschen Zeitpunkt zu tun. (Eichhörnchen für die Nüsse!) Lubitsch, ›the master of innuendo‹, wird nach dieser anmutigen Komödie kein weiteres Werk mehr vollenden – so ist »Cluny Brown« (man verzeihe das Pathos) auch das Vermächtnis eines großen Humanisten.
R Ernst Lubitsch B Samuel Hoffenstein, Elizabeth Reinhardt V Margery Sharp K Joseph LaShelle M Cyril Mockridge A J. Russell Spencer, Lyle Wheeler S Dorothy Spencer P Ernst Lubitsch D Charles Boyer, Jennifer Jones, Peter Lawford, Helen Walker, Reginald Owen | USA | 100 min | 1:1,37 | sw | 1. Mai 1946
»Some people like to feed nuts to the squirrels. But if it makes you happy to feed squirrels to the nuts, who am I to say: ›Nuts to the squirrels‹?!« Ernst Lubitschs »Cluny Brown« ist eine nonchalante Verweigerung von »Erzählkino«, von Handlungsdruck, von Zuspitzung. »Cluny Brown« ist zärtliches Betrachten, neugieriges Belauschen, interessiertes Beschnuppern von Filmfiguren, die unter den Augen, den Ohren, dem Herzen ihres Erschaffers unversehens zu menschlichen Wesen werden: Cluny (Jennifer Jones), das naive Mädchen mit der bunten Phantasie, das leidenschaftlich gerne klempnert (auch zur Unzeit), Professor Belinsky (Charles Boyer), der exilierte Charmeur, dem jeder dankbar ist, wenn er ihm 20 Pfund leihen darf (später gerne mehr), Andrew (Peter Lawford), der schüchterne Idealist, der mit der Nase in sein Glück gestoßen werden muß (das gut zu Pferde sitzt), die unerschütterlichen Lords und ewiggärtnernden Ladies, die traditionsbewußten Butler und naserümpfenden Hausdamen, die pedantischen Apotheker und ihre mißbilligend hüstelnden Mütter, die allesamt das – latent kriegsbedrohte – Vorkriegsengland dieses Films bevölkern. Der Strippenzieher schickt seine geliebten Geschöpfe auf die Suche nach ihrem Platz im Leben, ermutigt sie inständig, das Richtige zum falschen Zeitpunkt zu tun. (Eichhörnchen für die Nüsse!) Lubitsch, ›the master of innuendo‹, wird nach dieser anmutigen Komödie kein weiteres Werk mehr vollenden – so ist »Cluny Brown« (man verzeihe das Pathos) auch das Vermächtnis eines großen Humanisten.
R Ernst Lubitsch B Samuel Hoffenstein, Elizabeth Reinhardt V Margery Sharp K Joseph LaShelle M Cyril Mockridge A J. Russell Spencer, Lyle Wheeler S Dorothy Spencer P Ernst Lubitsch D Charles Boyer, Jennifer Jones, Peter Lawford, Helen Walker, Reginald Owen | USA | 100 min | 1:1,37 | sw | 1. Mai 1946
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Komödie,
London,
Lubitsch,
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