James Bond 007 – Im Geheimdienst Ihrer Majestät
Bond in love! Der allzeit potente Held der westlichen Welt, für den Sex bislang nicht mehr bedeutete als ein 1953er Dom Pérignon (was freilich nicht wenig ist), findet die echte, die große Liebe. Auch sonst hält das sechste 007-Leinwand-Abenteuer einige Überraschungen bereit: zunächst einen neuen Bond-Darsteller (George Lazenby, das exemplarische Katalogbild des männlichen Mannes, der im Skidress dieselbe überzeugende Figur macht wie im tuxedo kilt), dazu eine eigenwillige weibliche Hauptfigur, kein »girl«, sondern eine Frau, die (trotz einer gewissen seelischen Labilität) dem dynamischen Superagenten das Wasser reichen kann (Diana Rigg bringt als Teresa ›Tracy‹ Di Vicenzo, geb. Draco en passant ihren Emma-Peel-Mythos in den Film ein) und, am interessantesten vielleicht, einen progressiv-dissonanten Erzählrhythmus, der – unter fast völliger Vermeidung visueller Exzentrik – die Balance findet zwischen aufreizend epischer Breite und virtuos choreographierten, exquisit geschnittenen alpinen Actionsequenzen (Regie führt Peter Hunt, der langjährige Cutter der Reihe). »On Her Majesty’s Secret Service« bietet mit Telly Savalas (als Erzschurke Ernst Stavro Blofeld ≈ Comte Balthazar de Bleuchamp), Ilse Steppat (als SSige Handlangerin Irma Bunt) sowie diversen, unter Hypnose stehenden, Schönheiten (denen der Held, soviel Bond muß sein, ganz ohne Liebesschmuß seine Virilität beweisen darf) zudem ein ansehnliches Panoptikum des Bösen – wobei die Dramatik des Falls (Erpressung der Welt mittels eines infertilisierenden Virus) zurücktritt hinter die Sensation der (trügerischen) Romantik: »We have all the time in the world.«
R Peter Hunt B Richard Maibaum V Ian Fleming K Michael Reed M John Barry A Syd Cain S John Glen P Albert R. Broccoli, Harry Saltzman D George Lazenby, Diana Rigg, Telly Savalas, Gabriele Ferzetti, Ilse Steppat | UK | 142 min | 1:2,35 | f | 18. Dezember 1969
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18.12.69
21.1.67
Romy – Portrait eines Gesichts (Hans-Jürgen Syberberg, 1967)
»Ich bin 27. Das ist ja nicht so alt.« Romy Schneider wirkt in diesem schau- und hörlustigen, privatim-insistierenden, gelegentlich überaus penetranten Filmportrait nur selten wie 27. Sie wirkt eher wie 16 oder wie 45, manchmal auch wie 80. Der vitale Schwung, die muntere Selbstüberschätzung einer erfolgreichen Zwanzigerin geht der geborenen Schauspielerin (fast) völlig ab. Romy unter den Augen von Hans Jürgen Syberberg – das ist ein verwirrter Backfisch, der ein überragendes Talent in sich spürt, aber keine Ahnung hat, wie es zu wecken wäre, das ist eine gestandene Diva, die in ihrem Leben vieles richtig gemacht hat, das sich in der Rückschau als zweifelhaft, wenn nicht gar als grundverkehrt, erweist, das ist eine alte junge Frau mit naiver Begeisterungsfähigkeit, mit tiefer Skepsis, mit überkandidelt-mürber Stimme, eine Frau, deren schlummernde Möglichkeiten sich schon als desillusionierende Erfahrungen manifestiert haben. Drei Tage in Kitzbühel: Schnappschüsse im glitzernden Schnee, Großaufnahmen am knisternden Kamin … ein Gesicht: traurig und schön, enorm dünnhäutig und unverhohlen professionell … ein televisionäres Lied von der Sehnsucht nach einem Platz, der einem gehört, wo man seine Ruhe hat, wo man hingehen kann …
R Hans Jürgen Syberberg K Kurt Lorenz, Klaus König S Barbara Mondry, Michaela Berchtold D Romy Schneider P Rob Houwer | BRD | 60 min | 1: 1,37 | sw | 21. Januar 1967
R Hans Jürgen Syberberg K Kurt Lorenz, Klaus König S Barbara Mondry, Michaela Berchtold D Romy Schneider P Rob Houwer | BRD | 60 min | 1: 1,37 | sw | 21. Januar 1967
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25.8.65
Marie-Chantal contre Dr. Kha (Claude Chabrol, 1965)
M. C. contra Dr. Kha
»Vous êtes comme Alice. Vous êtes passées de l’autre côté du miroir.« Auf einer Zugfahrt erhält Marie-Chantal (Marie Lafôret) von einem Mitreisenden ein Schmuckstück zur vorübergehenden Aufbewahrung. Im Moment, da sie den blauen Pantherkopf mit den Rubinaugen annimmt, betritt das maliziöse Lebefräulein ein wundersames Land hinter den Spiegeln, eine Sphäre des tödlichen Wettstreits feindlicher Organisationen. Claude Chabrol erzählt (mit Anleihen bei Langs »Dr. Mabuse« und Hitchcocks »The Man Who Knew Too Much«) eine bizarre Farce um ein Killervirus, das seinen Besitzer zum Herren der Welt machen würde. Der Film, eine märchenhafte Reise von den Alpen nach Marokko, lebt vor allem von seinen Darstellern: Serge Reggiani und Charles Denner als grenzdebile Comicspione Ivanov und Johnson; Stéphane Audran als schwarze Witwe Olga, die den ganzen Horror des Lebens an der unsichtbaren Front schildert: dauernd Mord, Entführung, Sabotage, und dann noch die Sexpartys mit den Ministern; Akim Tamiroff als doppelbödiger Dr. Kha, genialischer Spieler gegen alle und gegen sich selbst. Die Heldin engagiert sich weniger aus Überzeugung denn aus Renitenz: la petite snob will das Kleinod, das man ihr überlassen hat, einfach nicht wieder hergeben. Im übrigen findet sie die Agenda des Superschurken bedauernswürdig: Absolute Macht bedeute nichts anderes als absoluten Tod. Und während die junge Frau zur Ablenkung ihr Nonnenschulen-Programm von Liebe, Zärtlichkeit und Vertrauen entwickelt, nestelt sie einen Revolver aus der Bluse … Die angelegte Fortsetzung von Marie-Chantals phantastischen Abenteuern wird Chabrol der Filmgeschichte leider schuldig bleiben.
R Claude Chabrol B Claude Chabrol, Christian-Yve, Daniel Boulanger V Jacques Chazot K Jean Rabier M Pierre Jansen A Guy Litaye S Jacques Gaillard P Georges de Beauregard D Marie Lafôret, Francisco Rabal, Stéphane Audran, Akim Tamiroff, Serge Reggiani, Roger Hanin, Charles Denner | F & I & E | 110 min | 1:1,66 | f | 25. August 1965
»Vous êtes comme Alice. Vous êtes passées de l’autre côté du miroir.« Auf einer Zugfahrt erhält Marie-Chantal (Marie Lafôret) von einem Mitreisenden ein Schmuckstück zur vorübergehenden Aufbewahrung. Im Moment, da sie den blauen Pantherkopf mit den Rubinaugen annimmt, betritt das maliziöse Lebefräulein ein wundersames Land hinter den Spiegeln, eine Sphäre des tödlichen Wettstreits feindlicher Organisationen. Claude Chabrol erzählt (mit Anleihen bei Langs »Dr. Mabuse« und Hitchcocks »The Man Who Knew Too Much«) eine bizarre Farce um ein Killervirus, das seinen Besitzer zum Herren der Welt machen würde. Der Film, eine märchenhafte Reise von den Alpen nach Marokko, lebt vor allem von seinen Darstellern: Serge Reggiani und Charles Denner als grenzdebile Comicspione Ivanov und Johnson; Stéphane Audran als schwarze Witwe Olga, die den ganzen Horror des Lebens an der unsichtbaren Front schildert: dauernd Mord, Entführung, Sabotage, und dann noch die Sexpartys mit den Ministern; Akim Tamiroff als doppelbödiger Dr. Kha, genialischer Spieler gegen alle und gegen sich selbst. Die Heldin engagiert sich weniger aus Überzeugung denn aus Renitenz: la petite snob will das Kleinod, das man ihr überlassen hat, einfach nicht wieder hergeben. Im übrigen findet sie die Agenda des Superschurken bedauernswürdig: Absolute Macht bedeute nichts anderes als absoluten Tod. Und während die junge Frau zur Ablenkung ihr Nonnenschulen-Programm von Liebe, Zärtlichkeit und Vertrauen entwickelt, nestelt sie einen Revolver aus der Bluse … Die angelegte Fortsetzung von Marie-Chantals phantastischen Abenteuern wird Chabrol der Filmgeschichte leider schuldig bleiben.
R Claude Chabrol B Claude Chabrol, Christian-Yve, Daniel Boulanger V Jacques Chazot K Jean Rabier M Pierre Jansen A Guy Litaye S Jacques Gaillard P Georges de Beauregard D Marie Lafôret, Francisco Rabal, Stéphane Audran, Akim Tamiroff, Serge Reggiani, Roger Hanin, Charles Denner | F & I & E | 110 min | 1:1,66 | f | 25. August 1965
20.3.64
The Pink Panther (Blake Edwards, 1964)
Der rosarote Panther
Paris, Rom, Cortina d’Ampezzo … Diamanten, Pelze, (Après-)Ski … eine steinreiche Prinzessin (Claudia Cardinale), ein kultivierter Gentleman-Dieb (David Niven), ein hartnäckiger Ermittler (Peter Sellers). Blake Edwards mixt mit »The Pink Panther« einen perfekten Cocktail aus fein moussierender Romantik, lässiger sophistication, abgezirkelter Komik, schafft eine delikate Synthese aus cooler Musik, coolen Bildern, coolem Habitus – und mehr: Der surreale Einbruch des (selbst-)zerstörerischen Wahnsinns (in Gestalt des scheinbar unscheinbaren Inspektor Clouseau) in die sorglos-stilvolle Welt der happy few, wo Kriminalität als amüsanter Zeitvertreib unter gleichgestimmten Connaisseuren betrieben wird, veredelt die brillante High-Society-Komödie mittels physischer (und sozialer) Paradoxien unversehens zur formvollendeten Nonsense-Analyse gesellschaftlicher Zustände: Der (ziemlich kleinbürgerliche) Vertreter der Wahrheit erscheint als ehrlicher Dummer, als spektakulärer Pausenclown, der die lasterhaften Schönen und Reichen zwar intuitiv durchschaut, ihrem ruchlosen Treiben aber letztlich nicht beikommen kann. PS: »Where is my Sûreté-Scotland-Yard-type mackintosh?«
R Blake Edwards B Maurice Richlin, Blake Edwards K Philip H. Lathrop M Henry Mancini A Fernando Carrere S Ralph E. Winters P Martin Jurow D David Niven, Peter Sellers, Claudia Cardinale, Capucine, Robert Wagner | USA | 113 min | 1:2,35 | f | 20. März 1964
Paris, Rom, Cortina d’Ampezzo … Diamanten, Pelze, (Après-)Ski … eine steinreiche Prinzessin (Claudia Cardinale), ein kultivierter Gentleman-Dieb (David Niven), ein hartnäckiger Ermittler (Peter Sellers). Blake Edwards mixt mit »The Pink Panther« einen perfekten Cocktail aus fein moussierender Romantik, lässiger sophistication, abgezirkelter Komik, schafft eine delikate Synthese aus cooler Musik, coolen Bildern, coolem Habitus – und mehr: Der surreale Einbruch des (selbst-)zerstörerischen Wahnsinns (in Gestalt des scheinbar unscheinbaren Inspektor Clouseau) in die sorglos-stilvolle Welt der happy few, wo Kriminalität als amüsanter Zeitvertreib unter gleichgestimmten Connaisseuren betrieben wird, veredelt die brillante High-Society-Komödie mittels physischer (und sozialer) Paradoxien unversehens zur formvollendeten Nonsense-Analyse gesellschaftlicher Zustände: Der (ziemlich kleinbürgerliche) Vertreter der Wahrheit erscheint als ehrlicher Dummer, als spektakulärer Pausenclown, der die lasterhaften Schönen und Reichen zwar intuitiv durchschaut, ihrem ruchlosen Treiben aber letztlich nicht beikommen kann. PS: »Where is my Sûreté-Scotland-Yard-type mackintosh?«
R Blake Edwards B Maurice Richlin, Blake Edwards K Philip H. Lathrop M Henry Mancini A Fernando Carrere S Ralph E. Winters P Martin Jurow D David Niven, Peter Sellers, Claudia Cardinale, Capucine, Robert Wagner | USA | 113 min | 1:2,35 | f | 20. März 1964
29.12.60
Silvesterpunsch (Günter Reisch, 1960)
»Wir singen euch das Lied vom Calciumcarbid: Die Welt wird schön wie nie. / Wir zaubern mit Chemie, / denn jetzt wird poly-polymerisiert …« Die Fortsetzung der frühlingshaften Defa-Chemie-Posse »Maibowle« spielt winterlich-verschneit (dabei strikt herzerwärmend) zum Jahreswechsel und muß dramaturgisch (neben dem begeisterten Ausblick aufs Plastikzeitalter) auch noch das sozialistische Programm zur massenhaften Leibesertüchtigung (»Jedermann an jedem Ort – einmal in der Woche Sport!«) angemessen verarbeiten. Im Mittelpunkt steht wiederum die archetypische Arbeiter-Familie Lehmann, deren Sprößlinge zwar leistungsmäßig überzeugen (111%ige Planerfüllung!), aber charakterlich entweder zu sportlich oder zu kulturell geraten sind – am Ende gelingt die Synthese der Extreme in Form einer kunterbunten, wissenschaftlich-technischen Eisrevue, die nur knapp am gehobenen Fortschrittssurrealismus des Queneau-/Resnaisschen Geniestreichs »Le chant du styrène« vorbeischrammt: »Die Mädchen tanzen jetzt Moleküle, vereinen sich dann zu Äthylen, aber alles entscheidend ist die Polymerisation.« Noch Fachfragen?
R Günter Reisch B Marianne Libera, Gerhard Weise K Karl Plintzner M Helmut Nier A Paul Lehmann S Hildegard Conrad P Hans Mahlich D Erich Franz, Friedel Nowack, Erika Dunkelmann, Christel Bodenstein, Ernst-Georg Schwill | DDR | 91 min | 1:1,37 | f | 29. Dezember 1960
R Günter Reisch B Marianne Libera, Gerhard Weise K Karl Plintzner M Helmut Nier A Paul Lehmann S Hildegard Conrad P Hans Mahlich D Erich Franz, Friedel Nowack, Erika Dunkelmann, Christel Bodenstein, Ernst-Georg Schwill | DDR | 91 min | 1:1,37 | f | 29. Dezember 1960
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16.4.57
Die Zürcher Verlobung (Helmut Käutner, 1957)
»Ich produziere auch nicht gerne Schnulzen.« Umständlich-romantische Verwicklungskomödie unter Filmfuzzis, Zahnärzten und lilagespülten Schweizer Damen (und Pudeln). Helmut Käutner stichelt anfangs gegen die alten Leiern des Adenauer-Kintopp, macht im folgenden aber eigentlich auch nichts anderes (»Ja, ich glaube, so etwas sehen die Leute immer wieder gern.«) – er verpackt die rosarot-himmelblaue Einfalt allerdings in viel Selbstironie, und statt eines gutaussehenden Försters mit Reh bietet er einen gutaussehenden Arzt (Paul Hubschmid) mit Büffel (Bernhard Wicki): Liselotte Pulver (als beziehungsnotleidende Unterhaltungsschriftstellerin, die nach eigenen Erlebnissen ein Drehbuch verfaßt) glaubt den höflichen Hubschmid zu lieben, kriegt aber den rauhbautzigen Wicki, dem sie in Wirklichkeit zugetan ist, auch wenn sie es hundert Minuten lang nicht wahrhaben wollte – das alles mit viel Berg, viel Schnee, viel Hüttenzauber (»Ja, ja, die Liebe in der Schweiz«). Nett: Werner Finck spielt einen Zahnarzt, der den Nerv trifft, Rudolf Platte spielt Herrn Uri (nach dem gleichnamigen Kanton), Sonja Ziemann spielt Sonja Ziemann, die im Film, der im Film gedreht wird, die Rolle von Liselotte Pulver spielt, und Käutner spielt einen Reporter, der es nicht gut findet, wenn ein Regisseur in seinem eigenen Film mitspielt.
R Helmut Käutner B Heinz Pauck, Helmut Käutner V Barbara Noack K Heinz Pehlke M Michael Jary A Herbert Kirchhoff, Albrecht Becker S Klaus Dudenhöfer P Walter Koppel D Liselotte Pulver, Paul Hubschmid, Bernhard Wicki, Wolfgang Lukschy, Werner Finck, Sonja Ziemann | BRD | 106 min | 1:1,37 | f | 16. April 1957
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