Black Moon
»She has a very vivid imagination.« Es war einmal in naher Zukunft. Zwischen Männern und Frauen herrscht Krieg; auf der Flucht vor den brutalen Kampfhandlungen gerät die junge Lily (Cathryn Harrison) in ein (merklich von Lewis Carrol inspiriertes) phantasmagorisches Wunderland, das von einer bettlägerigen Alten (Therese Giehse) beherrscht wird (wenn sie nicht gerade tot ist). Diese sonderbar-sonnenlose Gegenwelt – ein labyrinthisches (Alp-)Traumhaus mit verwunschenem Garten – bevölkern zungenredende Ratten und sprechende Fabelwesen, die schweigsam-inzestuösen Zwillinge Lily und Lily (Alexandra Stewart und Joe Dallesandro) sowie eine Schar von nackten Kindern, die sich mit Schafen und Schweinen tummeln (wenn sie nicht gerade Wagner-Arien singen) ... Aus Louis Malles Versuch, die ›écriture automatique‹ der Surrealisten mit den Mitteln des Kinos fortzusetzen, entspringt ein visuell faszinierender Assoziationsfluß von unergründlicher Metaphrik und bizarrer Komik. Die entschiedene Absage an psychologische Figurenzeichnung und erzählerische Logik erzeugt gleichermaßen ratloses Kopfschütteln und anregende Befremdung. PS: »Have you seen a unicorn?«
R Louis Malle B Louis Malle, Ghislain Uhry, Joyce Buñuel K Sven Nykvist M diverse A Ghislain Uhry Ko Jeannine Vergne S Suzanne Baron P Claude Nejar D Cathryn Harrison, Therese Giehse, Alexandra Stewart, Joe Dallesandro | F & BRD | 100 min | 1:1,66 | f | 24. September 1975
# 1195 | 11. Juni 2020
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24.9.75
Black Moon (Louis Malle, 1975)
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Malle,
Märchen,
Phantastik,
Science fiction,
Zukunft
30.1.74
Lacombe Lucien (Louis Malle, 1974)
Lacombe, Lucien
Echoes of France … Sommer 1944. Die Alliierten sind in der Normandie gelandet, die deutschen Truppen weichen zurück. Weiter südlich, in einer kleinen Stadt im Midi, sucht der 17jährige Bauernsohn Lucien (Pierre Blaise) Anschluß an die Résistance. Vom örtlichen Chef des Widerstandes als zu jung abgelehnt, gerät Lucien, eher zufällig, in die Fänge von Mitarbeitern der Gestapo française, die ihn in ihre Reihen aufnehmen. Eine Art unbedarfte Brutalität eignet dem (Anti-)Helden; er wirkt gleichermaßen präpotent und so zerbrechlich wie die Singvögel, die er mit der Zwille abschießt. Das Gemisch aus Grausamkeit und Unschuld, das im Zwischenraum von Jugend und Erwachsensein herrscht, bestimmt die Erzählung des Films. Lucien erfüllt ohne weiteres seine Rolle als Hilfspolizist, genießt die daraus ersprießende Macht, fügt sich wie selbstverständlich in die zynisch-vulgäre Gesellschaft der Kollaborateure ein, drängt sich ohne Scham der versteckt lebenden Familie eines kultivierten jüdischen Herrenschneiders auf, dessen Tochter France (!) (Aurore Clément) er offen begehrt, linkisch umschwärmt, ehrlich liebt, schlußendlich rettet. Louis Malle und sein Koautor Patrick Modiano (der die schummerlichtigen Landschaften der Okkupation schon in seinen brillanten ersten Romanen beschrieb) suchen nicht, das Verhalten ihres Protagonisten zu beschönigen, vermeiden jede moralische Bewertung, betonen eine Ambivalenz, die sich einfachen Zuschreibungen wie »gut« oder »böse« entzieht. Sie stehen vor Lucien, dieser seltsamen Kreuzung aus Engel und Ungeheuer, wie der Vater von France, der ratlos-fasziniert gestehen muß: »C’est curieux, je n’arrive pas à vous détester tout à fait.«
R Louis Malle B Louis Malle, Patrick Modiano K Tonino Delli Colli M Django Reinhardt A Ghislain Uhry S Suzanne Baron P Louis Malle, Claude Nedjar D Pierre Blaise, Aurore Clément, Holger Löwenadler, Therese Giehse | F & I & BRD | 137 min | 1:1,66 | f | 30. Januar 1974
# 951 | 4. Juni 2015
Echoes of France … Sommer 1944. Die Alliierten sind in der Normandie gelandet, die deutschen Truppen weichen zurück. Weiter südlich, in einer kleinen Stadt im Midi, sucht der 17jährige Bauernsohn Lucien (Pierre Blaise) Anschluß an die Résistance. Vom örtlichen Chef des Widerstandes als zu jung abgelehnt, gerät Lucien, eher zufällig, in die Fänge von Mitarbeitern der Gestapo française, die ihn in ihre Reihen aufnehmen. Eine Art unbedarfte Brutalität eignet dem (Anti-)Helden; er wirkt gleichermaßen präpotent und so zerbrechlich wie die Singvögel, die er mit der Zwille abschießt. Das Gemisch aus Grausamkeit und Unschuld, das im Zwischenraum von Jugend und Erwachsensein herrscht, bestimmt die Erzählung des Films. Lucien erfüllt ohne weiteres seine Rolle als Hilfspolizist, genießt die daraus ersprießende Macht, fügt sich wie selbstverständlich in die zynisch-vulgäre Gesellschaft der Kollaborateure ein, drängt sich ohne Scham der versteckt lebenden Familie eines kultivierten jüdischen Herrenschneiders auf, dessen Tochter France (!) (Aurore Clément) er offen begehrt, linkisch umschwärmt, ehrlich liebt, schlußendlich rettet. Louis Malle und sein Koautor Patrick Modiano (der die schummerlichtigen Landschaften der Okkupation schon in seinen brillanten ersten Romanen beschrieb) suchen nicht, das Verhalten ihres Protagonisten zu beschönigen, vermeiden jede moralische Bewertung, betonen eine Ambivalenz, die sich einfachen Zuschreibungen wie »gut« oder »böse« entzieht. Sie stehen vor Lucien, dieser seltsamen Kreuzung aus Engel und Ungeheuer, wie der Vater von France, der ratlos-fasziniert gestehen muß: »C’est curieux, je n’arrive pas à vous détester tout à fait.«
R Louis Malle B Louis Malle, Patrick Modiano K Tonino Delli Colli M Django Reinhardt A Ghislain Uhry S Suzanne Baron P Louis Malle, Claude Nedjar D Pierre Blaise, Aurore Clément, Holger Löwenadler, Therese Giehse | F & I & BRD | 137 min | 1:1,66 | f | 30. Januar 1974
# 951 | 4. Juni 2015
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Romanze,
Widerstand,
Zweiter Weltkrieg
28.4.71
Le souffle au cœur (Louis Malle, 1971)
Herzflimmern
Dijon, Frühjahr 1954. Im Mittelpunkt der Szenen aus dem Provinzleben steht der 15jährige Gymnasiast Laurent Chevalier (frühreif: Benoît Ferreux), jüngster Sohn eines großbürgerlichen Gynäkologen (schmerzfrei: Daniel Gélin), der nach der Schule Geld für die Verwundeten von Dien Bien Phu sammelt, dem das Camus’sche Problem des Selbstmords zu denken gibt, der sich von seinen älteren Brüdern piesacken lassen muß, dem die temperamentvolle italienische Mama (verführerisch: Lea Massari) alles durchgehen läßt, der Platten des verehrten Charlie Parker klaut, dem der katholische Lehrer an den muskulösen Schenkel geht, der bei einer netten Nutte fast seine Unschuld verliert, den plötzlich auftretende Herzrhythmusstörungen zu einem längeren Kuraufenthalt in mütterlicher Begleitung zwingen. Louis Malles (partiell autobiographische) Erzählung verbindet Weltgeschehen und Intimsphäre zu einer éducation sentimentale ganz ohne Schwere und Gefühlsduselei: Während im fernen Indochina die Totenglocke für den französischen Kolonialismus läutet, sieht sich der halbwüchsige Protagonist mit den existenziellen Nöten (und beiläufigen Freuden) des Erwachsenwerdens konfrontiert. Die Subversion der federleichten (doch keineswegs leichtgewichtigen) Sittenkomödie besteht in erster Linie darin, den skandalösesten Tabubruch (Inzest!) ganz einfach wegzulachen und im Alltäglichen aufzulösen
R Louis Malle B Louis Malle K Ricardo Aronovich M diverse A Jean-Jacques Caziot S Suzanne Baron P Vincent Malle, Claude Nedjar D Benoît Ferreux, Lea Massari, Daniel Gélin, Michael Lonsdale, Ave Ninchi, Gila von Weitershausen | F & I & BRD | 120 min | 1:1,66 | f | 28. April 1971
# 1194 | 7. Juni 2020
Dijon, Frühjahr 1954. Im Mittelpunkt der Szenen aus dem Provinzleben steht der 15jährige Gymnasiast Laurent Chevalier (frühreif: Benoît Ferreux), jüngster Sohn eines großbürgerlichen Gynäkologen (schmerzfrei: Daniel Gélin), der nach der Schule Geld für die Verwundeten von Dien Bien Phu sammelt, dem das Camus’sche Problem des Selbstmords zu denken gibt, der sich von seinen älteren Brüdern piesacken lassen muß, dem die temperamentvolle italienische Mama (verführerisch: Lea Massari) alles durchgehen läßt, der Platten des verehrten Charlie Parker klaut, dem der katholische Lehrer an den muskulösen Schenkel geht, der bei einer netten Nutte fast seine Unschuld verliert, den plötzlich auftretende Herzrhythmusstörungen zu einem längeren Kuraufenthalt in mütterlicher Begleitung zwingen. Louis Malles (partiell autobiographische) Erzählung verbindet Weltgeschehen und Intimsphäre zu einer éducation sentimentale ganz ohne Schwere und Gefühlsduselei: Während im fernen Indochina die Totenglocke für den französischen Kolonialismus läutet, sieht sich der halbwüchsige Protagonist mit den existenziellen Nöten (und beiläufigen Freuden) des Erwachsenwerdens konfrontiert. Die Subversion der federleichten (doch keineswegs leichtgewichtigen) Sittenkomödie besteht in erster Linie darin, den skandalösesten Tabubruch (Inzest!) ganz einfach wegzulachen und im Alltäglichen aufzulösen
R Louis Malle B Louis Malle K Ricardo Aronovich M diverse A Jean-Jacques Caziot S Suzanne Baron P Vincent Malle, Claude Nedjar D Benoît Ferreux, Lea Massari, Daniel Gélin, Michael Lonsdale, Ave Ninchi, Gila von Weitershausen | F & I & BRD | 120 min | 1:1,66 | f | 28. April 1971
# 1194 | 7. Juni 2020
22.2.67
Le voleur (Louis Malle, 1967)
Der Dieb von Paris
Georges Randal (Jean-Paul Belmondo) ist ein Dieb. Er nimmt keine großen Rücksichten, wenn er auf Beutezug geht: »Je fais un sale métier, mais j’ai une excuse. Je le fait salement.« Nach dem Tod der Eltern von seinem habsüchtig-philiströsen Onkel ums Erbe und, schlimmer noch, um die Liebe zur entzückenden Cousine Charlotte (Geneviève Bujold) gebracht, entdeckt Georges seine kriminelle Berufung – und die Lust, die Autonomie, die nackte Wahrheit, die sie ihm bringt. Louis Malle erzählt den pikaresken Belle-Époque-Roman ganz aus der Perspektive der Hauptfigur, verzichtet dabei auf die emotionalisierende Beigabe von Musik, senkt die äußere Dramatik auf ein beinahe bressonsches Minimum, meidet jede Form von Robin-Hood-Romantik: Georges stiehlt nicht, um die sozialen Verhältnisse zu verändern, er stiehlt, weil er lebt, wenn er stiehlt. Seine Arbeit erledigt er diszipliniert, planvoll, zielstrebig, mit elementarer Begierde nach fremdem Geld und Gut, mit lässiger Verachtung für das Eigentum an sich. Der Dieb ein Anarchist? Eher ein radikaler Individualist – aber auch ein Schatten des Bourgeois. Tragische Ironie: Die Gesellschaft der Diebe erscheint als seitenverkehrtes Ebenbild der bürgerlichen Welt. Oder wie es Georges’ Lehrmeister, der weltkluge Abbé La Margelle (Julien Guiomar), poetisch ausdrückt: »Le voleur est le clair de lune de l’honnête homme.«
R Louis Malle B Jean-Claude Carrière, Louis Malle, Daniel Boulanger V Georges Darien K Henri Decaë A Jacques Saulnier S Henri Lanoë P Hubert Mérial D Jean-Paul Belmondo, Geneviève Bujold, Jean Guimoar, Marie Dubois, Paul Le Person | F & I | 120 min | 1:1,66 | f | 22. Februar 1967
Georges Randal (Jean-Paul Belmondo) ist ein Dieb. Er nimmt keine großen Rücksichten, wenn er auf Beutezug geht: »Je fais un sale métier, mais j’ai une excuse. Je le fait salement.« Nach dem Tod der Eltern von seinem habsüchtig-philiströsen Onkel ums Erbe und, schlimmer noch, um die Liebe zur entzückenden Cousine Charlotte (Geneviève Bujold) gebracht, entdeckt Georges seine kriminelle Berufung – und die Lust, die Autonomie, die nackte Wahrheit, die sie ihm bringt. Louis Malle erzählt den pikaresken Belle-Époque-Roman ganz aus der Perspektive der Hauptfigur, verzichtet dabei auf die emotionalisierende Beigabe von Musik, senkt die äußere Dramatik auf ein beinahe bressonsches Minimum, meidet jede Form von Robin-Hood-Romantik: Georges stiehlt nicht, um die sozialen Verhältnisse zu verändern, er stiehlt, weil er lebt, wenn er stiehlt. Seine Arbeit erledigt er diszipliniert, planvoll, zielstrebig, mit elementarer Begierde nach fremdem Geld und Gut, mit lässiger Verachtung für das Eigentum an sich. Der Dieb ein Anarchist? Eher ein radikaler Individualist – aber auch ein Schatten des Bourgeois. Tragische Ironie: Die Gesellschaft der Diebe erscheint als seitenverkehrtes Ebenbild der bürgerlichen Welt. Oder wie es Georges’ Lehrmeister, der weltkluge Abbé La Margelle (Julien Guiomar), poetisch ausdrückt: »Le voleur est le clair de lune de l’honnête homme.«
R Louis Malle B Jean-Claude Carrière, Louis Malle, Daniel Boulanger V Georges Darien K Henri Decaë A Jacques Saulnier S Henri Lanoë P Hubert Mérial D Jean-Paul Belmondo, Geneviève Bujold, Jean Guimoar, Marie Dubois, Paul Le Person | F & I | 120 min | 1:1,66 | f | 22. Februar 1967
10.12.65
Viva Maria! (Louis Malle, 1965)
Viva Maria!
Umsturz und Froufrou: Höchst charmante Revolutionsoperette um zwei aufgerüschte Tingeltangel-Diseusen, die Anfang des 20. Jahrhunderts das darbende Volk einer lateinamerikanischen Bananenrepublik zum Aufstand führen. Wer Brigitte Bardot (Maria I) und Jeanne Moreau (Maria II) beim sexy Freiheitskampf zusieht, bekommt bald schon selber Lust, einmal ans Maschinengewehr zu treten, um schwitzenden Exploiteuren und ihren elenden Schergen gehörig eins vor den Latz zu knallen.
R Louis Malle B Louis Malle, Jean-Claude Carrière K Henri Decaë M Georges Delerue A Bernard Evein S Kenout Peltier, Suzanne Baron P Oscar Dancigers D Brigitte Bardot, Jeanne Moreau, George Hamilton, Gregor von Rezzori, Paulette Dubost | F & I | 120 min | 1:2,35 | f | 10. Dezember 1965
Umsturz und Froufrou: Höchst charmante Revolutionsoperette um zwei aufgerüschte Tingeltangel-Diseusen, die Anfang des 20. Jahrhunderts das darbende Volk einer lateinamerikanischen Bananenrepublik zum Aufstand führen. Wer Brigitte Bardot (Maria I) und Jeanne Moreau (Maria II) beim sexy Freiheitskampf zusieht, bekommt bald schon selber Lust, einmal ans Maschinengewehr zu treten, um schwitzenden Exploiteuren und ihren elenden Schergen gehörig eins vor den Latz zu knallen.
R Louis Malle B Louis Malle, Jean-Claude Carrière K Henri Decaë M Georges Delerue A Bernard Evein S Kenout Peltier, Suzanne Baron P Oscar Dancigers D Brigitte Bardot, Jeanne Moreau, George Hamilton, Gregor von Rezzori, Paulette Dubost | F & I | 120 min | 1:2,35 | f | 10. Dezember 1965
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Bardot,
Carrière,
Jahrhundertwende,
Komödie,
Malle,
Mittelamerika,
Moreau,
Musik,
Revolution
15.10.63
Le feu follet (Louis Malle, 1963)
Das Irrlicht
»Pauvre Alain, comme vous êtes mal.« Als er jung und schön war, hat Alain Leroy fröhlich gefeiert, hat die Frauen reihenweise flachgelegt, hat gesoffen wie ein Loch. Die Zeit verging. Die Freunde wurden ernsthaft – seriöse Bürger, salbungsvolle Intellektuelle, echte Verbrecher. Alain verabscheut dies alles, findet es hohl, verlogen, medioker, dumm. Erwachsen werden ist für ihn keine Option: »Difficile d’être un homme. Il faut avoir envie.« Die Freunde, die Frauen, sie sind auf der Strecke seines Lebens geblieben, nur die Flasche, sie steht immer noch auf dem Tisch … Der Anfang von »Le feu follet« findet Alain (versteinert: Maurice Ronet) am Ende einer Entziehungskur, die er scheinbar erfolgreich hinter sich brachte. Doch Alain ist nicht nüchtern, er ist leer, ohne jede Hoffnung, kann weniger als je zuvor die Dinge, die Menschen berühren, spürt nichts im Gegenüber, fühlt nichts in seinem Inneren. »Alain, la vie est bonne«, behauptet sein Arzt. »Dites-moi en quoi, docteur«, antwortet der an sich selbst und der Menschheit zutiefst Verzweifelnde. Das Datum seines Todes (23 juillet) fest notiert, macht Alain eine letzte Runde durch alte Zeiten, streift noch einmal durch die Stadt vormaliger Abenteuer, besucht die Kameraden, die Geliebten von einst. Als wandelnder Vorwurf sitzt, steht, geht er zwischen den Gespenstern seiner Vergangenheit, empört sich über ihre Ruhe, ihre Zufriedenheit, ihre Selbstgewißheit: »Croyez-vous dans vos actes?« Louis Malle schildert die letzten 48 Stunden seines unglücklichen Protagonisten mit lakonischer Anteilnahme, äußerster Akribie und formaler Strenge, hält dabei die Quintessenz der Erzählung diskret in der in der Schwebe: Ist Alain das Irrlicht? Oder die Welt, die ihn umgibt? Kennzeichnet Alains stolze Verweigerung die anderen als Kompromißler, die einen falschen Seelenfrieden in ewiger Langeweile akzeptiert haben? Oder ist Alain ein anmaßender Feigling, der nicht wahrhaben will, daß Glück nicht immer lustig ist, ein Dandy, der sein Scheitern zur tödlichen Krankheit stilisiert? Ob es sich um wirkliches Leiden oder um einen Phantomschmerz handelt, spielt letzten Endes keine Rolle – für Alain gibt es nur einen (Aus-)Weg: »C’est fini pour moi. Je m’en vais.«
R Louis Malle B Louis Malle V Pierre Drieu la Rochelle K Ghislain Cloquet A Bernard Evein S Suzanne Baron P Alain Quefféléan D Maurice Ronet, Bernard Noël, Jacques Sereis, Alexandra Stewart, Jeanne Moreau | F | 108 min | 1:1,66 | sw | 15. Oktober 1963
»Pauvre Alain, comme vous êtes mal.« Als er jung und schön war, hat Alain Leroy fröhlich gefeiert, hat die Frauen reihenweise flachgelegt, hat gesoffen wie ein Loch. Die Zeit verging. Die Freunde wurden ernsthaft – seriöse Bürger, salbungsvolle Intellektuelle, echte Verbrecher. Alain verabscheut dies alles, findet es hohl, verlogen, medioker, dumm. Erwachsen werden ist für ihn keine Option: »Difficile d’être un homme. Il faut avoir envie.« Die Freunde, die Frauen, sie sind auf der Strecke seines Lebens geblieben, nur die Flasche, sie steht immer noch auf dem Tisch … Der Anfang von »Le feu follet« findet Alain (versteinert: Maurice Ronet) am Ende einer Entziehungskur, die er scheinbar erfolgreich hinter sich brachte. Doch Alain ist nicht nüchtern, er ist leer, ohne jede Hoffnung, kann weniger als je zuvor die Dinge, die Menschen berühren, spürt nichts im Gegenüber, fühlt nichts in seinem Inneren. »Alain, la vie est bonne«, behauptet sein Arzt. »Dites-moi en quoi, docteur«, antwortet der an sich selbst und der Menschheit zutiefst Verzweifelnde. Das Datum seines Todes (23 juillet) fest notiert, macht Alain eine letzte Runde durch alte Zeiten, streift noch einmal durch die Stadt vormaliger Abenteuer, besucht die Kameraden, die Geliebten von einst. Als wandelnder Vorwurf sitzt, steht, geht er zwischen den Gespenstern seiner Vergangenheit, empört sich über ihre Ruhe, ihre Zufriedenheit, ihre Selbstgewißheit: »Croyez-vous dans vos actes?« Louis Malle schildert die letzten 48 Stunden seines unglücklichen Protagonisten mit lakonischer Anteilnahme, äußerster Akribie und formaler Strenge, hält dabei die Quintessenz der Erzählung diskret in der in der Schwebe: Ist Alain das Irrlicht? Oder die Welt, die ihn umgibt? Kennzeichnet Alains stolze Verweigerung die anderen als Kompromißler, die einen falschen Seelenfrieden in ewiger Langeweile akzeptiert haben? Oder ist Alain ein anmaßender Feigling, der nicht wahrhaben will, daß Glück nicht immer lustig ist, ein Dandy, der sein Scheitern zur tödlichen Krankheit stilisiert? Ob es sich um wirkliches Leiden oder um einen Phantomschmerz handelt, spielt letzten Endes keine Rolle – für Alain gibt es nur einen (Aus-)Weg: »C’est fini pour moi. Je m’en vais.«
R Louis Malle B Louis Malle V Pierre Drieu la Rochelle K Ghislain Cloquet A Bernard Evein S Suzanne Baron P Alain Quefféléan D Maurice Ronet, Bernard Noël, Jacques Sereis, Alexandra Stewart, Jeanne Moreau | F | 108 min | 1:1,66 | sw | 15. Oktober 1963
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Depression,
Drama,
Erinnerung,
Gesellschaft,
Klinik,
Malle,
Moreau,
Paris,
Ronet,
Schriftsteller,
Selbstmord,
Tod
28.10.60
Zazie dans le Métro (Louis Malle, 1960)
Zazie
»Paris n’est qu’un songe, Zazie n’est qu’un rêve et toute cette histoire le songe d’un rêve.« Zwischen »Doukipudonktant?« (»Fonwostinkstnso?«) und »J’ai vieilli.« (»Ich bin älter geworden.«) schildert »Zazie dans le Métro« das turbulente Wochenende einer Provinzgöre in der großen Stadt Paris. (»C'est chouette, la ville!«) Während maman sich mit ihrem Liebhaber verlustiert, wird Zazie bei Onkel Gabriel (Philippe Noiret als piekfeiner, blumig duftender Damenimitator) geparkt. Louis Malles Verbeugung vor den Surrealisten, seine Huldigung an die Götter des Slapstick und des animated cartoon führt im Schweinsgalopp an die Schau- und Abseiten der französischen Kapitale mit ihren waschechten Ureinwohnern: Eiffelturm und Generalswitwen, Nachtleben und Kinderschänder, Flohmarkt und Chauvinisten, Bistrots und Flics, Passagen und Taxifahrer – nur die ersehnte Métro, die sieht Zazie nicht, denn da unten (bzw. dort oben) wird (was sonst?) gestreikt. Malle verwandelt die kluge Sprachakrobatik des Romans von Raymond Queneau in einen Springquell von amüsant-satirischen visuellen und musikalischen Schnurrpfeifereien, transponiert die erzählerische Uneindeutigkeit und die radikale Antipsychologie der literarischen Vorlage, das listig-destruktive Spiel mit Wahrheiten und Identitäten wirkungsvoll in laufende, sprechende, klingende Bilder. Daß der Film die künstlerische Vielschichtigkeit des Buches nicht ganz erreicht? »Mon cul.« (»Am Arsch.«)
R Louis Malle B Louis Malle, Jean-Paul Rappeneau V Raymond Queneau K Henri Raichi M Fiorenzo Carpi A Bernard Evein S Kenout Peltier P Louis Malle D Catherine Démongeot, Philippe Noiret, Carla Marlier, Vittorio Caprioli, Hubert Deschamps | F & I | 93 min | 1:1,66 | f | 28. Oktober 1960
»Paris n’est qu’un songe, Zazie n’est qu’un rêve et toute cette histoire le songe d’un rêve.« Zwischen »Doukipudonktant?« (»Fonwostinkstnso?«) und »J’ai vieilli.« (»Ich bin älter geworden.«) schildert »Zazie dans le Métro« das turbulente Wochenende einer Provinzgöre in der großen Stadt Paris. (»C'est chouette, la ville!«) Während maman sich mit ihrem Liebhaber verlustiert, wird Zazie bei Onkel Gabriel (Philippe Noiret als piekfeiner, blumig duftender Damenimitator) geparkt. Louis Malles Verbeugung vor den Surrealisten, seine Huldigung an die Götter des Slapstick und des animated cartoon führt im Schweinsgalopp an die Schau- und Abseiten der französischen Kapitale mit ihren waschechten Ureinwohnern: Eiffelturm und Generalswitwen, Nachtleben und Kinderschänder, Flohmarkt und Chauvinisten, Bistrots und Flics, Passagen und Taxifahrer – nur die ersehnte Métro, die sieht Zazie nicht, denn da unten (bzw. dort oben) wird (was sonst?) gestreikt. Malle verwandelt die kluge Sprachakrobatik des Romans von Raymond Queneau in einen Springquell von amüsant-satirischen visuellen und musikalischen Schnurrpfeifereien, transponiert die erzählerische Uneindeutigkeit und die radikale Antipsychologie der literarischen Vorlage, das listig-destruktive Spiel mit Wahrheiten und Identitäten wirkungsvoll in laufende, sprechende, klingende Bilder. Daß der Film die künstlerische Vielschichtigkeit des Buches nicht ganz erreicht? »Mon cul.« (»Am Arsch.«)
R Louis Malle B Louis Malle, Jean-Paul Rappeneau V Raymond Queneau K Henri Raichi M Fiorenzo Carpi A Bernard Evein S Kenout Peltier P Louis Malle D Catherine Démongeot, Philippe Noiret, Carla Marlier, Vittorio Caprioli, Hubert Deschamps | F & I | 93 min | 1:1,66 | f | 28. Oktober 1960
6.9.58
Les amants (Louis Malle, 1958)
Die Liebenden
»On ne resiste pas au bonheur.« Jeanne Tournier (Jeanne Moreau) lebt als Gattin eines unnahbaren Verlegers und Mutter einer kleinen Tochter in Wohlstand und Langweile. Regelmäßige kleine Fluchten führen sie aus dem verschlafenen Dijon nach Paris, wo sie sich mit einer Freundin in die Vergnügungen der besseren Kreise stürzt und von einem eleganten Polospieler umschwärmen läßt. Die Leere dieses Lebens zwischen Gefühlskälte und Oberflächlichkeit wird ihr schlagartig bewußt durch die zufällige Begegnung mit dem ungezwungenen Studenten Bernard, der die Spielregeln des bürgerlichen Lebens grundlegend in Frage stellt. Louis Malle setzt die plötzliche Leidenschaft seiner Titelhelden (»L’amour peut naître d’un regard.«) in romantisch-weihevollen (fast lächerlich-preziösen) Nachtbildern in Szene und schickt die beiden am Morgen danach – nicht in Jeannes schnittigem Peugeot 203 Cabriolet, sondern in Bernards bravem 2CV – umstandslos auf die gemeinsame Reise ins Land der großen Gefühle. Ob ein glückliches Entkommen aus der guten Gesellschaft (und alten Gewohnheiten) tatsächlich möglich ist, läßt der Film offen, einen Versuch, legt Malle nahe, ist der Neustart aber allemal wert.
R Louis Malle B Louis Malle, Louise de Vilmorin V Dominique Vivant K Henri Decaë M Johannes Brahms A Bernard Evein Ko Renée Pellmoine S Leonide Azar P Jean Thuillier D Jeanne Moreau, Jean-Marc Bory, Alain Cuny, José Luis de Vilalonga, Gaston Modot | F | 90 min | 1:2,35 | sw | 6. September 1958
# 1193 | 7. Juni 2020
»On ne resiste pas au bonheur.« Jeanne Tournier (Jeanne Moreau) lebt als Gattin eines unnahbaren Verlegers und Mutter einer kleinen Tochter in Wohlstand und Langweile. Regelmäßige kleine Fluchten führen sie aus dem verschlafenen Dijon nach Paris, wo sie sich mit einer Freundin in die Vergnügungen der besseren Kreise stürzt und von einem eleganten Polospieler umschwärmen läßt. Die Leere dieses Lebens zwischen Gefühlskälte und Oberflächlichkeit wird ihr schlagartig bewußt durch die zufällige Begegnung mit dem ungezwungenen Studenten Bernard, der die Spielregeln des bürgerlichen Lebens grundlegend in Frage stellt. Louis Malle setzt die plötzliche Leidenschaft seiner Titelhelden (»L’amour peut naître d’un regard.«) in romantisch-weihevollen (fast lächerlich-preziösen) Nachtbildern in Szene und schickt die beiden am Morgen danach – nicht in Jeannes schnittigem Peugeot 203 Cabriolet, sondern in Bernards bravem 2CV – umstandslos auf die gemeinsame Reise ins Land der großen Gefühle. Ob ein glückliches Entkommen aus der guten Gesellschaft (und alten Gewohnheiten) tatsächlich möglich ist, läßt der Film offen, einen Versuch, legt Malle nahe, ist der Neustart aber allemal wert.
R Louis Malle B Louis Malle, Louise de Vilmorin V Dominique Vivant K Henri Decaë M Johannes Brahms A Bernard Evein Ko Renée Pellmoine S Leonide Azar P Jean Thuillier D Jeanne Moreau, Jean-Marc Bory, Alain Cuny, José Luis de Vilalonga, Gaston Modot | F | 90 min | 1:2,35 | sw | 6. September 1958
# 1193 | 7. Juni 2020
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de Vilmorin,
Drama,
Ehe,
Ehebruch,
Gesellschaft,
Kleinstadt,
Malle,
Moreau,
Paris,
Romanze,
Vilallonga
29.1.58
L’ascenseur pour l’échafaud (Louis Malle, 1958)
Fahrstuhl zum Schafott
Ein Film wie eine 45er Schallplatte, die mit 33er Geschwindigkeit abgespielt wird: Alles scheint fast unerträglich zerdehnt – die Bezeugungen der Liebe ebenso wie das ironisch-verächtliche Wirken des Zufalls, und selbst die Ausbrüche von Aktion wirken seltsam eingefroren. Allein die Szene, in der eine flunschmündige Jeanne Moreau – auf der vergeblichen Suche nach ihrem im Fahrstuhl festhängenden Geliebten und Mordkomplizen (Maurice Ronet, der so clever, so perfekt sein wollte) – mit leerem Blick zu Miles Davis’ lamentierender Trompete durch das schwarzglänzende Paris eher schwebt als geht, scheint Stunden zu dauern. Was schief gehen kann, geht schief in diesem (von Henri Decaë mit eisiger Distanz fotografierten) Film, mit dem Louis Malle wohl stilvoll mitteilen möchte, daß das Leben nirgendwo anders enden kann als eben auf dem Schafott ... und daß man auf dem endlos langen Weg dorthin auch noch ständig auf die Fresse fliegt. Wenn einem nicht alles so zum Sterben egal wäre, könnte man herzlich darüber lachen.
R Louis Malle B Roger Nimier, Louis Malle V Noël Calef K Henri Decaë M Miles Davis A Rino Mondellini, Jean Mandaroux S Léonide Azar P Jean Thuillier D Jeanne Moreau, Maurice Ronet, Georges Poujoly, Yori Bertin, Lino Ventura | F | 92 min | 1:1,66 | sw | 29. Januar 1958
Ein Film wie eine 45er Schallplatte, die mit 33er Geschwindigkeit abgespielt wird: Alles scheint fast unerträglich zerdehnt – die Bezeugungen der Liebe ebenso wie das ironisch-verächtliche Wirken des Zufalls, und selbst die Ausbrüche von Aktion wirken seltsam eingefroren. Allein die Szene, in der eine flunschmündige Jeanne Moreau – auf der vergeblichen Suche nach ihrem im Fahrstuhl festhängenden Geliebten und Mordkomplizen (Maurice Ronet, der so clever, so perfekt sein wollte) – mit leerem Blick zu Miles Davis’ lamentierender Trompete durch das schwarzglänzende Paris eher schwebt als geht, scheint Stunden zu dauern. Was schief gehen kann, geht schief in diesem (von Henri Decaë mit eisiger Distanz fotografierten) Film, mit dem Louis Malle wohl stilvoll mitteilen möchte, daß das Leben nirgendwo anders enden kann als eben auf dem Schafott ... und daß man auf dem endlos langen Weg dorthin auch noch ständig auf die Fresse fliegt. Wenn einem nicht alles so zum Sterben egal wäre, könnte man herzlich darüber lachen.
R Louis Malle B Roger Nimier, Louis Malle V Noël Calef K Henri Decaë M Miles Davis A Rino Mondellini, Jean Mandaroux S Léonide Azar P Jean Thuillier D Jeanne Moreau, Maurice Ronet, Georges Poujoly, Yori Bertin, Lino Ventura | F | 92 min | 1:1,66 | sw | 29. Januar 1958
30.8.20
Vie privée (Louis Malle, 1962)
Privatleben
»No one leaves a star. That’s what makes one a star«, bemerkte einst Norma Desmond (die es wissen mußte), und Louis Malle scheint noch einen Schritt weiterzugehen, wenn er demonstriert, daß es nicht einmal dem Star selbst möglich ist, sich zu verlassen, will sagen dem Gefängnis des eigenen Ruhms zu entfliehen. Jill (Brigitte Bardot in einer kryptobiographischen Rolle), aus gutbürgerlichem Genfer Hause stammend, jung und schön, ziemlich lebenslustig und etwas oberflächlich, tanzt, modelt, steigt, fast ohne eigenes Zutun, kometenhaft zu internationaler Prominenz auf, hetzt von Film zu Film, von Mann zu Mann. Ein mädchenhafter Vamp, eine herausfordernde Unschuld, bewundert und beneidet, kultisch verehrt und abgrundtief gehaßt, bald umschwärmt, bald gejagt von Fans und Fotografen, fällt Jill in Depressionen, sucht Erlösung in der Liebe zu einem ritterlichen Intellektuellen (Marcello Mastroianni). Ein Märchen aus dem Paparazzizeitalter, das beginnt wie eine skizzenhafte soziologische Studie, das sich fortsetzt als Mischung aus klaustrophobischem Kammerspiel und fieberhaftem Melodram, das (alp-)traumhaft endet mit einem Sturz ins Bodenlose, in die Freiheit.
R Louis Malle B Louis Malle, Jean-Paul Rappeneau, Jean Ferry K Henri Decaë M Fiorenzi Carpi A Bernard Evein Ko Marie Martine Real S Kenout Peltier P Christine Gouze-Renal D Brigitte Bardot, Marcello Mastroianni, Ursula Kübler, Antoine Roblot, Gregor von Rezzori | F & I | 104 min | 1:1,66 | f | 31. Januar 1962
# 1196 | 30. August 2020
»No one leaves a star. That’s what makes one a star«, bemerkte einst Norma Desmond (die es wissen mußte), und Louis Malle scheint noch einen Schritt weiterzugehen, wenn er demonstriert, daß es nicht einmal dem Star selbst möglich ist, sich zu verlassen, will sagen dem Gefängnis des eigenen Ruhms zu entfliehen. Jill (Brigitte Bardot in einer kryptobiographischen Rolle), aus gutbürgerlichem Genfer Hause stammend, jung und schön, ziemlich lebenslustig und etwas oberflächlich, tanzt, modelt, steigt, fast ohne eigenes Zutun, kometenhaft zu internationaler Prominenz auf, hetzt von Film zu Film, von Mann zu Mann. Ein mädchenhafter Vamp, eine herausfordernde Unschuld, bewundert und beneidet, kultisch verehrt und abgrundtief gehaßt, bald umschwärmt, bald gejagt von Fans und Fotografen, fällt Jill in Depressionen, sucht Erlösung in der Liebe zu einem ritterlichen Intellektuellen (Marcello Mastroianni). Ein Märchen aus dem Paparazzizeitalter, das beginnt wie eine skizzenhafte soziologische Studie, das sich fortsetzt als Mischung aus klaustrophobischem Kammerspiel und fieberhaftem Melodram, das (alp-)traumhaft endet mit einem Sturz ins Bodenlose, in die Freiheit.
R Louis Malle B Louis Malle, Jean-Paul Rappeneau, Jean Ferry K Henri Decaë M Fiorenzi Carpi A Bernard Evein Ko Marie Martine Real S Kenout Peltier P Christine Gouze-Renal D Brigitte Bardot, Marcello Mastroianni, Ursula Kübler, Antoine Roblot, Gregor von Rezzori | F & I | 104 min | 1:1,66 | f | 31. Januar 1962
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