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5.10.61

Breakfast at Tiffany's (Blake Edwards, 1961)

Frühstück bei Tiffany

»Two drifters off to see the world …« »Breakfast at Tiffany’s« mag eine mißglückte Literaturadaption sein (Blake Edwards und George Axelrod verschieben Truman Capotes schwebend-nostalgischen Kurzroman in eine faktisch-präzise Gegenwart, ersetzen sehnsüchtig-mokantes Erinnern durch smart-distanzierte Beobachtung) – und ist dennoch ein außerordentlicher Film, eine geschliffen-funkelnde, jazzig-vibrierende Darstellung des Lebens im real-existierenden Kapitalismus. Es geht, seien wir ehrlich, um Prostitution (wenn auch auf hohem Niveau), um eine in Givenchy-Roben gehüllte Nutte (»Any gentleman with the slightest chic will give a girl a fifty-dollar bill for the powder room.«) und um einen literarischen Stricher (»I'm a writer, W-R-I-T-E-R.«), beide radical chic und very sophisticated, modische Maskenträger und attraktive Identitätsflüchtlinge in einer (falsch-)goldenen Welt der dream maker und heart breaker, (Möchtegern-)Freigeister auf der Suche nach sich selbst – und einem anderen, zu dem sie (vielleicht) gehören. Audrey Hepburn, in der Rolle der Holly Golightly ideal fehlbesetzt, und George Peppard als Paul (»Fred-baby«) V-A-R-J-A-K finden (anders als bei Capote) in einem komplizierten Prozeß der Emanzipation auf den umwegigen, verregneten Nebenstraßen des Lebens heraus aus der aufgedrängten Pseudonymität, aus den selbstgebauten Käfigen, hin zum eigenen Ich, zum ersehnten Wir – und schließlich zu einer (bald wohl nicht mehr namenlosen) Katze. Ihre abgrundtief-oberflächliche love story kommt als scharfzüngig-traurige Sittenkomödie daher, urban und sentimental, trist und exzentrisch – ein perfektes Werk voller Brüche. D-E-R Großstadtfilm. D-I-E »moderne« Romanze. D-A-S (zumindest: E-I-N) Glanzstück des Post-War- und Pre-New-Hollywood: »People do belong to each other, because that's the only chance anybody's got for real happiness.«

R Blake Edwards B George Axelrod V Truman Capote K Franz Planer M Henry Mancini A Roland Anderson, Hal Pereira S Howard A. Smith P Martin Jurow, Richard Shepherd D Audrey Hepburn, George Peppard, Patricia Neal, Martin Balsam, José Luis de Vilallonga | USA | 115 min | 1:1,85 | f | 5. Oktober 1961

2.7.49

The Fountainhead (King Vidor, 1949)

Ein Mann wie Sprengstoff

Ayn Rand – Ikone der Ultraliberalen und Anarcho-Kapitalisten –, die nach ihrem gleichnamigen Bestseller das Drehbuch zu diesem wuchtigen Film schrieb, stellte in ihrem Denken den Einzelnen ohne Wenn und Aber über die Gemeinschaft, die individuelle Schöpferkraft über den Kompromiß; Altruismus und solidarisches Verhalten bedeuten für sie nichts anderes als kollektivistische Versklavung. In »The Fountainhead«, einer (ziemlich unterhaltsamen) Mischung aus Schnulze und Ideendrama, exemplifiziert Regisseur King Vidor Rands Thesen anhand der Figur des genialen Architekten Howard Roark (nußknackerhaft gespielt von Gary Cooper), dessen bedingungslos moderne Ideen von einer neidischen, parasitenhaften und gleichmacherischen Öffentlichkeit aufs Heftigste bekämpft werden. Es gibt wohl keinen anderen Hollywood-Film, der so wutschnaubend über den stumpfsinnigen Pöbel (und damit über das eigene Publikum) herfällt wie dieser. »The Fountainhead« ist blanker Agitprop für Ichbezogenheit und Eigennutz, Werte, die ja nie wirklich aus der Mode kommen.

R King Vidor B Ayn Rand V Ayn Rand K Robert Burks M Max Steiner A Edward Carrere S David Weisbart P Henry Blanke D Gary Cooper, Patricia Neal, Raymond Massey, Kent Smith, Robert Douglas | USA | 114 min | 1:1,37 | sw | 2. Juli 1949