28.8.62

Vivre sa vie (Jean-Luc Godard, 1962)

Die Geschichte der Nana S. 

Etwa so: Nana (Anna Karina) verläßt Ehemann und Kind. Nana geht anschaffen. Ein Lude nimmt Nana unter seine Fittiche. Nana verliebt sich in einen jungen Mann, der Bücher liest. Es geht böse aus. Oder so: Ein Bistro. Ein Schallplattengeschäft. Ein Hinterhof. Ein Kino. Die Polizei. Ein Bürgersteig. Ein Café. Die Champs-Elysées. Ein Hotelzimmer. Viele Hotelzimmer. Eine Straßenecke in der Banlieu. Oder ganz anders: Ein Kopf im Profil (von links gesehen). Ein Kopf en face. Ein Kopf im Profil (von rechts gesehen). Jean-Luc Godards Film umkreist in zwölf fragmentarischen Kapiteln (zu herzergreifender Musik von Michel Legrand und in monumental-einfachen Bildern von Raoul Coutard) eine Frau, die ihr Leben leben will. Ihr. Leben. Immer wieder gelingt es ihr (kurz), ganz bei sich zu sein, ganz im Moment aufzugehen: Wenn sie Dreyers »La passion de Jeanne d’Arc« auf der Leinwand sieht. Wenn sie in einem Café ein Chanson hört. Wenn sie um einen Billardtisch herumtanzt. Wenn sie mit einem Unbekannten philosophiert (ohne es zu wissen). Wenn sie mit einem jungen Mann Pläne macht. Immer wieder (bis sie tot auf dem Pflaster liegt) fragt sich Nana, ob sie glücklich ist. Die Frage, ob man in dieser Welt des Kaufens und Verkaufens überhaupt glücklich sein kann, läßt »Vivre sa vie« offen. Doch selbst wenn man es sein könnte: »Le bonheur n’est pas gai.«

R Jean-Luc Godard B Jean-Luc Godard K Raoul Coutard M Michel Legrand S Agnès Guillemot P Pierre Braunberger D Anna Karina, Sady Rebbot, Guylaine Schlumberger, Pierre Kassowitz, Brice Parain | F l 80 min | 1:1,37 | sw | 28. August 1962

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