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14.6.73

The Last of Sheila (Herbert Ross, 1973)

Sheila

»There are gigantic themes here, worthy of Dostoyevsky. There’s innocence, guilt, hatred, loyalty.« Es beginnt mit einer Leiche am Straßenrand in Bel-Air, später fällt eine Leiche aus einem südfranzösischen Beichtstuhl, noch später liegt eine Leiche in der Badewanne an Bord einer Luxusyacht. Zwischen den Todesfällen wird gespielt – und wie! Kino als Kreuzworträtsel, als Charade, als kriminalistisches Puzzle. Als master of ceremonies figuriert ein Hollywood-Produzent (mit gebleckten Zähnen: James Coburn), der sechs Showbiz-»Freunde« zu einer Mittelmehrkreuzfahrt einlädt, um mit ihnen Katz und Maus zu spielen. Eine(r) von ihnen hat seine Frau Sheila (die erste Leiche) auf dem Gewissen (sofern Filmleute überhaupt eins haben) … Sechs Personen suchen (und finden) sich spielend selbst – Herbert Ross inszenierte diese hochintelligente und sehr witzige Studie über das Geheimnis (»That’s the thing about secrets. We all know stuff about each other. We just don’t know the same stuff.«) und die Abgründe des homo ludens mit viel Geschmack und Sinn für Details nach einem Drehbuch voller raffinierter hints and clues von Stephen »Isn’t it rich? Isn’t it queer?« Sondheim und Anthony »Mother! Oh God, mother! Blood! Blood!« Perkins – leider wird das erste Zusammenspiel der Gelegenheitsfilmautoren auch ihr letztes bleiben.

R Herbert Ross B Stephen Sondheim, Anthony Perkins K Gerry Turpin M Billy Goldenberg A Ken Adam S Edward Warschilka P Herbert Ross D Richard Benjamin, Dyan Cannon, James Coburn, Joan Hackett, James Mason | USA | 120 min | 1:1,85 | f | 14. Juni 1973

15.3.67

In Like Flint (Gordon Douglas, 1967)

Derek Flint – hart wie Feuerstein

»An actor? As president?« Auch im Sequel darf James Coburn als Derek Flint alle 64 Zähne blecken und die Welt vor dem Verderben retten. Diesmal geht es gegen eine internationale Schar von Amazonen, die während einer Golfpartie den US-Präsidenten kidnappen (und durch einen Schauspieler ersetzen – wie unwahrscheinlich!), danach die amerikanische Weltraumstation samt Nuklearwaffen unter ihre Kontrolle bringen, um die allgemeine Weiberherrschaft zu errichten. Flint kann nicht nur mit Delphinen sprechen, er versteht es auch, die (von Ray Aghayan absurd-stylisch gewandeten) machthungrigen Megären von den Qualitäten des männlichen Geschlechts zu überzeugen – womit er die Sache noch einmal (ein letztes Mal?) zugunsten des Patriarchats wendet. Lee J. Cobb gibt in »In Like Flint« (neben­bei: ein toller Titel!) einmal mehr den väterlichen Chef und entnervten Bewunderer des geheim­dienstlichen Supermannes (und -machos).

R Gordon Douglas B Hal Fimberg K William H. Daniels M Jerry Goldsmith A Dale Hennessy, Jack Martin Smith S Hugh S. Fowler P Saul David D James Coburn, Lee J. Cobb, Jean Hale, Andrew Duggan, Anna Lee | USA | 114 min | 1:2,35 | f | 15. März 1967

16.1.66

Our Man Flint (Daniel Mann, 1966)

Derek Flint schickt seine Leiche

»People of the world, there’s no need to panic.« James Coburn ist Flint, Derek Flint. Wo andere Topspione sich mit einem girl zufrieden geben müssen, disponiert Flint (»The Original Man of Mystery«) gleich über vier (später fünf) geneigte junge Damen – und er hat ein Feuerzeug mit 82 Funktionen (»83 if you want to light a cigar«). Flint ist ein Meister aller Klassen (»Is there anything you don't know?« – »A great many things, sir. But, nothing of consequence.«), er tanzt am Bolschoi, und er schnüffelt an einem vergifteten Pfeil noch die Rezeptur der Bouillabaisse heraus, die der Killer vor dem (natürlichen mißglückten) Attentat auf den Agenten genossen hat. In »Our Man Flint«, einer op- und popartigen Verhohnepipelung der Bondmania, rettet der Titelheld unsere schöne Welt vor den Verbesserungsplänen einer Troika ambitionierter Wissenschaftler (Dr. Wu, Dr. Schneider und Dr. Krupov – man bemerke: Chinese, Deutscher und Ruski), die ihren Mitmenschen mittels Ökoterrorismus das irdische Paradies aufzwingen wollen. Ein beschwingter Score (Jerry Goldsmith) und ein kapriziöses Kostümbild (Ray Aghayan) sorgen für unbeschwertes 60s-Feeling; außerdem mit von der Partie: ein antiamerikanischer Adler (»That’s diabolic!«) und Lee J. Cobb als Geheimdienstchef mit blankliegenden Nerven.

R Daniel Mann B Hal Fimberg, Ben Starr K Daniel L. Fapp M Jerry Goldsmith A Jack Martin Smith, Ed Graves S William Reynolds P Saul David D James Coburn, Lee J. Cobb, Gila Golan, Edward Mulhare, Rhys Williams | USA | 108 min | 1:2,35 | f | 16. Januar 1966

5.12.63

Charade (Stanley Donen, 1963)

Charade

»Why do people have to tell lies?« Parodistisch-romantische Thrillerkomödie in der Tradition von »North by Northwest«, voller falscher Fährten (Drehbuch: Peter Stone und Marc Behm), stilvoller Roben (Kostüme: Hubert de Givenchy) und exquisiter Bilder (Kamera: Charles Lang). Reggie Lampert (fashionable: Audrey Hepburn), eine in Paris lebende Amerikanerin, deren Mann kürzlich ermordet wurde, sieht sich den gemeinen Nachstellungen einer Reihe von pittoresk-sinistren Gestalten (James Coburn, George Kennedy, Ned Glass) ausgesetzt, die hinter dem angeblich vorhandenen nachgelassenen Geld (250.000 $) des Verblichenen her sind. Cary Grant wechselt als ebenso charmanter wie schleierhafter Gentleman im Laufe des komplexen Geschehens mehrmals den Namen (Peter Joshua – Alexander Dyle – Adam Canfield – Brian Cruikshank) und die Seiten, während Walter Matthaus einprägsame Performance zwischen beamtenhafter Jovialität und kalter Wut schillert. Stanley Donen – herausragender Choreograph und Musical-Regisseur des klassischen Hollywood – beweist ein einzigartiges Gefühl für den Zauber des Drehortes (selten sah die französische Hauptstadt so verführerisch gut, so märchenhaft pariserisch aus), für die spezifischen Qualitäten der Darsteller, vor allem aber für Rhythmus und Timing der Erzählung. »Charade« ist nicht nur eine Hitchcock-Hommage von tänzerischer Leichtigkeit, sondern einer der elegantesten Filme ever made. »Do you know what's wrong with you?« – »No, what?« – »Nothing!«

R Stanley Donen B Peter Stone, Marc Behm K Charles Lang M Henry Mancini A Jean d’Eaubonne S Jim Clark P Stanley Donen D Cary Grant, Audrey Hepburn, Walter Matthau, James Coburn, George Kennedy | USA | 113 min | 1:1,85 | f | 5. Dezember 1963