20.9.63

Pasazerka (Andrzej Munk, 1963)

Die Passagierin

Fragmentarisches Holocaust-Drama und letztes Werk des während der Dreharbeiten tödlich verunglückten Wajda-Weggenossen Andrzej Munk: Die frühere Auschwitz-Aufseherin Lisa sieht Jahre nach dem Krieg (während einer Schiffsreise) einer Frau in die Augen, die große Ähnlichkeit mit der von ihr totgeglaubten polnischen Gefangenen Marta hat. Der Schock der Wiederbegegnung mit dem einstigen Opfer setzt bei der damaligen Täterin eine Gewissenserforschung in Gang, die ein komplexes Beziehungsgespinst aus Mitleid und Arroganz, Begehren und Verweigerung, Abhängigkeit und Stolz beleuchtet. Der halbfertige Film wurde nach dem Ableben des Regisseurs mittels Standfotos und Off-Kommentaren bewußt provisorisch vollendet – wobei die Notlösung zum plausiblen Kunstgriff wird: In einer assoziativ-sprunghaften Abfolge von düsteren Impressionen, die sich um handelsübliche Dramaturgie (= Sinnzusammenhänge) nicht schert, findet »Pasazerka« zum Alptraum des Holocaust eine (wenn auch ursprünglich nicht intendierte) nachdrücklich-irrationale Entsprechung.

R Andrzej Munk, Witold Lesiewicz B Andrzej Munk, Zofia Posmysz V Zofia Posmysz K Krzysztof Winiewicz M Tadeusz Baird A Tadeusz Wybult S Zofia Dwornik P Wilhelm Hollender D Aleksandra Slaska, Anna Ciepielewska, Janusz Bylczynski, Krzesislawa Dubielówna, Anna Golebiowska | PL | 62 min | 1:1,66 | sw | 20. September 1963

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