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18.2.75

Professione: reporter (Michelangelo Antonioni, 1975)

Beruf: Reporter

»People disappear every day.« – »Every time they leave the room.« Die Handlung des Thrillers, behauptet Georg Seeßlen, sei eine umgekehrte Form der Befreiung, eine Befreiung, die erzwungen wird. Michelangelo Antonioni verfolgt in seiner Polit- und Paranoia-Thriller-Variation einen anderen Ansatz: nicht die Befreiung des Protagonisten wird erzwungen, sondern die Unmöglichkeit der Befreiung konstatiert. Der britische Journalist David Locke (Jack Nicholson), in der Sahara auf der glücklosen Jagd nach einer Story über den Kampf zwischen Rebellen und Regierungstruppen, nutzt die Gelegenheit, seiner ungeliebten Existenz zu entfliehen, indem er die Identität eines plötzlich verstorbenen Hotelnachbarn annimmt und Hinweisen im Taschenkalender des Mannes folgt, der, wie sich alsbald zeigt, als Waffenhändler im Auftrag der Freischärler tätig war. Antonioni und sein Autor Mark Peploe verarbeiten, freilich in beklemmender Zerdehnung, die klassischen Zutaten des Genres – illegale Geschäfte, verschwörerische Machenschaften, konspirative Treffen, heimliche Verfolgung –, und der Hauch einer Erinnerung an Alfred Hitchcocks »North by Northwest« schwebt über Lockes Nachforschung, Flucht, Passage, die ihn, in Begleitung einer mysteriösen Frau ohne Namen (Maria Schneider), aus der nordafrikanischen Wüste, über London, München und Barcelona, in ein karstiges Andalusien führt, das dem Ausgangspunkt dieser Reise ans Ende des Tages auf blendend-unheimliche Weise ähnelt. Weglaufen endet im Nichts, ein anderes Selbst bietet keine anderen Möglichkeiten, die Lösung eines Rätsel liegt jederzeit und allerorts in gleich weiter Ferne, so aussichtslos wie Befreiung erscheinen Erkenntnis und Verständigung: »Your question are much more revealing about yourself than my answer would be about me.«

R Michelangelo Antonioni B Mark Peploe, Michelangelo Antonioni, Peter Wollen K Luciano Tovoli A Piero Poletto S Michelangelo Antonioni, Franco Arcalli P Carlo Ponti D Jack Nicholson, Maria Schneider, Jenny Runacre, Ian Hendry, Stephen Berkoff | I & F & E | 126 min | 1:1,85 | f | 18. Februar 1975

# 1155 | 10. April 2019

15.1.71

Vanishing Point (Richard C. Sarafian, 1971)

Fluchtpunkt San Francisco

Er heißt Kowalski. Vorname unbekannt. Ex-Soldat, Ex-Bulle, Ex-Rennfahrer. Er soll einen weißen Dodge Challenger von Denver nach San Francisco überführen. Aufgrund einer Wette und mithilfe einer gehörigen Portion Speed will er die 2000 Kilometer quer durch die Wüste in 15 Stunden schaffen. Richard C. Sarafian singt das Hohelied des Gaspedals, zelebriert eine straßenfilmische Messe der Geschwindigkeit(süberschreitung), die den Gläubigen nichts anderes bedeutet als vollkommene Freiheit der Seele. Während Kowalski (Barry Newman) auf seiner staubigen Schußfahrt Hippies, Jesusfreaks und anderen Sonderlingen begegnet, sich fetzenhaft an Polizeieinsätze, Motorrennen und romantische Stunden erinnert, erfährt er durch einen blinden Radio-DJ panegyrische Verklärung als »the Challenger«, »the electric centaur«, »the demi-god«, »the super driver of the golden west«. Daß der Traum dieses »last American hero« ausgerechnet an den Schaufeln behäbiger Planierraupen zerschellt (oder dort im Verschwinden seine Erfüllung findet?), weist Sarafian und den exilkubanischen Autor Guillermo Cabrera Infante als unbarmherzige (dabei durchaus wehmütige) Ironiker aus.

R Richard C. Sarafian B Guillermo Cain (= Guillermo Cabrera Infante), Malcolm Hart K John A. Alonzo M diverse A Glen Daniels, Jerry Wunderlich S Stefan Arnsten P Norman Spencer D Barry Newman, Cleavon Little, Dean Jagger, Gilda Texter | USA | 99 min | 1:1,85 | f | 15. Januar 1971

# 1159 | 20. April 2019

18.12.58

Romarei, das Mädchen mit den grünen Augen (Harald Reinl, 1958)

Ein deutscher Abenteuerfilm »nach dem gleichnamigen in der Bild-Zeitung erschienenen Roman« – das klingt doch vielversprechend: abgedroschene Exotik (der Zauber Arabiens und die Geheimnisse der Wüste), tödliche Rivalität unter internationalen Wirtschaftsbossen, eine gehörige Portion Okkultismus (der abergläubische Magnat und das Fräulein mit dem zweiten Gesicht), obendrein wahre Liebe, ein blinder Junge sowie ein treuer Hund – der Stoff, aus dem die guten schlechten Filme sind. Dazu die exzentrischen Rollennamen: Sir Boris Olinzoff, Papas Leonidas, Kees Falkenried, nicht zu vergessen der unsichtbar im Hintergrund spukende Schurke ›Mazareff‹ – was kann da noch schiefgehen? So manches, wie man in dieser erznaiven Geschichte um ein hellseherisch begabtes Waisenkind sieht: Harald Reinl (der Adenauer des bundesrepublikanischen B-Films) eiert unentschlossen zwischen Heimatkitsch, Reißer, Märchen und Romanze. Trotz pappiger Kulissen und billiger Flitterkostüme, trotz hanebüchener Kolonialklischees und hochkarätiger Knallchargen wie Dominique Wilms oder Reggie Nalder sinkt »Romarei, das Mädchen mit den grünen Augen« nur selten auf jenes Niveau, wo schlichter Blödsinn in brillanten Eskapismus umschlägt – wie etwa, wenn der verrückte Hobbybotaniker Baron de Tavel (Kurt Meisel) seinen staunenden Tischgenossen erklärt, daß der Mensch von den Pflanzen abstamme: »Sie sollten einmal die Form einer knospenden Lilia aphrodisia betrachten, wie sich in ihr die Gestalt eines schlanken Mädchenkörpers abzeichnet. Und wenn sich die Blume auftut, dann ...« Mit »Romarei« tut sich leider keine Blume auf.

R Harald Reinl B Gerda Corbett V Gerda Corbett K Hans Schneeberger M Willi Mattes A Ernst H. Albrecht S Johanna Meisel P Gero Wecker D Carola von Kayser, Leonard Steckel, Joachim Hansen, Reggie Nalder, Werner Peters | BRD & I | 89 min | 1:1,37 | f | 18. Dezember 1958

17.12.57

Legend of the Lost (Henry Hathaway, 1957)

Stadt der Verlorenen

»How could it happen?« – »It happens ...« Drei Menschen in der Wüste Sahara: der hartgesottene Abenteuer Joe January (John Wayne), der besessene Schatzsucher Paul Bonnard (Rossano Brazzi), das gefallene Mädchen Dita (Sophia Loren) – unterwegs von Timbuktu auf der Suche nach dem sagenhaften Goldland Ophir. Aus der brisanten Dreiecksbeziehung der Protagonisten, allesamt so etwas wie Gestrandete in ihrer jeweiligen Biographie, entspinnt Henry Hathaway ein intimes (Melo-)Drama in endloser Weite. Jack Cardiffs prachtvolle Traum-, Wunsch- und Geisterbilder (in Technicolor und Technirama) schwelgen einerseits in lyrisch-märchenhaften Exotismus, bieten andererseits die Folie für die Darstellung psychologischer Spannungsfelder von Tugend und Versuchung, Herzensträgkeit und Mitleid, Einsamkeit und Nähe, Glaube und Desillusion. In den Ruinen einer im Sand verronnenen Stadt spitzt sich die Krise zu, an einem mit bloßen Händen gegrabenen Wasserloch erfahren die verlorenen Seelen ihre Katharsis. »One gets to imagine strange things in the desert.« – »Yeah, one meets them too!«

R Henry Hathaway B Ben Hecht, Robert Presnell K Jack Cardiff M A. F. Lavagnino A Alfred Ybarra Ko Gaia Romanini S Bert Bates P Henry Hathaway D John Wayne, Sophia Loren, Rossano Brazzi, Kurt Kasznar | USA & I | 109 min | 1:2,35 | f | 17. Dezember 1957

# 1186 | 8. Januar 2020

13.8.57

Der Stern von Afrika (Alfred Weidenmann, 1957)

»Runter kommen sie alle.« – Zwölf Jahre nach Kriegsende komponieren Herbert Reinecker (Drehbuch) und Alfred Weidenmann (Regie) ein letztes deutsches Heldenlied, fabulieren – mit der nüchternen Sentimentalität der hinterbliebenen Kameraden – von Leben, Zeiten und Tod des legendär-historischen Jagdfliegers Hans-Joachim Marseille (158 Abschüsse bis zu seinem eigenen), zeichnen das kritiklose, vielleicht eben darum beklemmend anschauliche Bild einer Altersgruppe, die sich blind in ihre Berufung und damit in ihr Verderben fügt – »weil es keinen Ausweg gibt. Man ist einfach irgendwie drin in so einem Schicksal, und …« Und? Nichts weiter. Nur Ritterkreuz, Schwerter, Eichenlaub, schließlich ein Sturz in die ägyptische Wüste. Mit »Der Stern von Afrika« empfehlen sich drei Debütanten zur weiteren Verwendung: Horst Frank (außerordentlich als empfindsamer Zyniker), Hansjörg Felmy (rührend als pflichtbewußter Melancholiker), Joachim Hansen (repräsentativ als Draufgänger ohne Eigenschaften). PS: »Ein toter Mann ist kein guter Mann, ist überhaupt kein Mann.« (Eine ebenso wahre wie folgenlose Erkenntnis.)

R Alfred Weidenmann B Herbert Reinecker K Helmuth Ashley M Hans-Martin Majewski A Max Mellin, Wolf Englert S Carl Otto Bartning P Rüdiger von Hirschberg D Joachim Hansen, Marianne Koch, Hansjörg Felmy, Horst Frank, Peer Schmidt | BRD & E | 107 min | 1:1,37 | sw | 13. August 1957

15.10.56

Sorok perwij (Grigori Tschuchrai, 1956)

Der Einundvierzigste 

Ein Abenteuerfilm, eine Robinsonade, ein Melodram aus den Wirren des Russischen Bürgerkriegs. Marija ist Scharfschützin einer Einheit von Rotarmisten in der kasachischen Wüste. Vierzig Weißgardisten hat sie schon abgeknallt, als ihre Leute den gegnerischen Offizier Wadim gefangensetzen. Auf dem beschwerlichen Weg ins rote Hauptquartier kommt die ruppige Bolschewistin dem blauäugigen Zaristen näher, trägt dem feindlichen Schöngeist sogar ihre holprigen, aber tiefempfundenen Revolutionsverse vor. Bei der Überquerung des Aralsees gerät der Trupp in ein Unwetter. Das Paar strandet auf einer kleinen Insel, gelangt an einem märchenhaften Ort abseits von Zeit und Krieg. Für einen Moment pfeift die Liebe auf den Lauf der Geschichte, erobert sich eine kurze irreale Ewigkeit. Doch die Liaison zwischen dem Gestern und dem Morgen bleibt Episode, das unbarmherzige Heute bricht sich Bahn: Wadim wird Marias Einundvierzigster … Grigori Tschuchrai verzichtet fast völlig auf propagandistische Zuspitzung: Wadims Sehnsucht nach dem Frieden seiner Bibliothek, Marias Sehnsucht nach einer besseren Gesellschaft werden nicht ideologisch aufgewogen, der politische Gegensatz schafft in erster Linie die dramatische Situation. (Daß die (Protagonistin der) Zukunft ihr Glück zerstört, indem sie die (bzw. einen Vertreter der) Vergangenheit tötet, bleibt gleichwohl traurige Pointe der Erzählung.) Die hermetischen Künstlichkeit von »Sorok perwij« erinnert an die subversiven Gefühlsfilme Douglas Sirks; die poetischen Farbtableaus von Menschen in Sand und Meer (Kamera: Sergei Urussewski), die malerischen Visionen von Zärtlichkeit und Brutalität lassen die radikale, die tödliche Romantik einer Welt im historischen Umbruch sicht- und fühlbar werden.

R Grigori Tschuchrai B Grigori Kolutonow V Boris Lawrenjow K Sergei Urussewski M Nikolai Krjukow A Wladimir Kamski, Konstantin Stepanow S L. Lisenkowa P Mosfilm D Isolda Iswitskaja, Oleg Strischenow, Nikolai Krjutschkow | SU | 88 min | 1:1,37 | f | 15. Oktober 1956

7.1.55

Bad Day at Black Rock (John Sturges, 1955)

Stadt in Angst

Moderner, sonnenheller Noir-Western in unwirtlichem CinemaScope und staubigem Eastmancolor: Spen­cer Tracy (als wortkarger einarmiger Kriegsveteran) kommt in eine gottverlassenes Kaff, wo die Züge seit Jahren nicht mehr nicht halten. Eigentlich will er nur die Tapferkeitsmedaille eines toten Kameraden an dessen Familie übergeben, aber der ungebetene Besuch des alten Mannes weckt schlafende Hunde (Robert Ryan, Lee Marvin, Ernest Borgnine), die schließlich im Rudel über den Fremden herfallen. Das Lüften ihres schmutzigen Geheimnisses können sie dennoch nicht verhindern – »denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werde.« Ein ranker, schlanker Wüstenthriller vom zuverlässigen John Sturges.

R John Sturges B Millard Kaufman, Don McGuire K William C. Mellor M André Previn A Malcolm Brown, Cedric Gibbons S Newell P. Kimlin P Dore Schary D Spencer Tracy, Robert Ryan, Anne Francis, Lee Marvin, Ernest Borgnine | USA | 81 min | 1:2,35 | f | 7. Januar 1955

25.5.53

It Came from Outer Space (Jack Arnold, 1953)

Gefahr aus dem Weltall

»This is Sand Rock, Arizona, on a late evening in early spring. It's a nice town, knowing its past ... and sure of its future.« Hobbyastronom John Putnam (Richard Carlson) beobachtet einen über der Wüste niedergehenden Himmels­körper. Im Einschlagskrater entdeckt er statt Meteoritentrümmern ein Raumschiff, das kurz darauf von einem Erdrutsch verschüttet wird. Niemand glaubt dem als kauzig verschrienen Sternenforscher, nicht einmal Johns Verlobte Ellen (Barbara Rush) ist sich sicher, ob sie die Worte ihres Zukünftigen für bare Münze nehmen soll … Peu à peu erschüttert Regisseur Jack Arnold die Gewißheit der Kleinstädter, die irritiert bemerken, wie sich etliche ihrer Mitbürger in sonderbar gefühllose Wesen verwandeln. Freilich erweisen sich nicht die außerirdischen Besucher (»We have souls and minds, and we are good.«) als Gefahr für den interstellaren Frieden sondern aggressive Erdenbewohner, die allem, was sie nicht verstehen, tätlich zu Leibe rücken. Untermalt von sphärischen Theremin-Klängen, teilweise aus gläsern starrender Alien-Perspektive gefilmt, schildert »It Came from Outer Space« (nach einer Vorlage von Ray Bradbury) einen clash of civilizations, dessen katastrophaler Ausgang nur um Haaresbreite verhindert werden kann. »It wasn't the right time for us to meet«, resümiert John, »but there'll be other nights, other stars for us to watch. They'll be back.«

R Jack Arnold B Harry Essex V Ray Bradbury K Clifford Stine M Herman Stein, Henry Mancini, Irving Gertz A Robert Boyle, Bernard Herzbrun S Paul Weatherwax P William Alland D Richard Carlson, Barbara Rush, Charles Drake, Joe Sawyer, Russell Johnson | USA | 81 min | 1:1,37 | sw (3D) | 25. Mai 1953

# 983 | 29. Dezember 2015

14.6.51

Ace in the Hole (Billy Wilder, 1951)

Reporter des Satans

»Bad news sells best. Cause good news is no news.« In gewisser Weise wirkt Chuck Tatum (Kirk Douglas) wie ein Bruder im Geiste jener amoralischen Wilder-Helden von Schlage eines Walter Neff (»Double Indemnity«) oder Joe Gillis (»Sunset Blvd.«), denen zur Erreichung eines fragwürdigen Lebensglücks jedes Mittel recht ist. Wo der durchschnittliche Versicherungsmann im Verein mit dessen fataler Gattin einen wohlhabenden Klienten tötet, wo sich der abgeschriebene Drehbauchautor an eine gewesene, aber vermögende Hollywood-Diva ranschmeißt, jazzt der windige Reporter eine Lokalmeldung zum nationalen Knüller hoch. Gestrandet beim »Albuquerque Sun Bulletin«, für das er über so aufregende Ereignisse wie die Jagd auf Klapperschlangen zu berichten hat, wittert Tatum die Chance, sich von New Mexico an die Ostküste zurückzuschreiben, als er vom Schicksal eines Schatzsuchers erfährt, der beim Schürfen nach indianischen Kunstgegenständen in einem alten Stollen verschüttet wurde. Eine Nachricht, weiß der hartgesottene Journalist, ist immer so groß wie die Schlagzeile, unter der sie steht, und so verkompliziert er kurzerhand die Rettung des Eingeschlossenen, um Stoff für eine wochenlange sensationelle Artikelserie voller »human interest« zu generieren … In Form einer sardonischen Drama-Farce zeigt »Ace in the Hole« zum einen die Wechselwirkung zwischen dem gnadenlosen Unterhaltungscharakter der Massenmedien und der ebenso gnadenlosen Unterhaltungssucht der medienkonsumierenden Massen, zum anderen die obsessive Konsequenz, mit der Arrivisten in einer allseits korrupten Welt über Leichen gehen, auch wenn es zu böser Letzt die eigene ist. Daß Billy Wilder diesen karnevalesken Noir-Alptraum nicht im Dunkel der Nacht spielen läßt sondern in der strahlenden Helligkeit der Wüste, beweist einmal mehr seinen Sinn für gallige Ironie.

R Billy Wilder B Billy Wilder, Lesser Samuels, Walter Newman K Charles Lang M Hugo Friedhofer A Hal Pereira, Earl Hedrick S Arthur P. Schmidt P Billy Wilder D Kirk Douglas, Jan Sterling, Robert Arthur, Porter Hall, Richard Benedict | USA | 111 min | 1:1,37 | sw | 14. Juni 1951

# 958 | 29. Juni 2015

15.8.47

Desert Fury (Lewis Allen, 1947)

Desert Fury – Liebe gewinnt

Ein reizvoller Genrebastard: thrillereske Noir-Melodramatik in wüst-verlorenem Westernsetting und leuchtendem Technicolor. Der artifizielle Studiolook (der zeitweilig die traumhaft-synthetische Präzision von Douglas-Sirk-Welten zu antizipieren scheint) paßt zur klar erkennbaren Geometrie von Figurenkonstellation und Erzählstruktur: Da sind zwei Frauen, Mutter und Tochter – die wohlhabende Besitzerin eines Kleinstadt-Casinos (herb: Mary Astor) wünscht sich für ihr einziges Kind (gefährdet: Lizabeth Scott) eine Zukunft jenseits der Crabs-Tische; da sind zwei crooks, ein heißkalter Spieler (John Hodiak) und sein eifersüchtiger Ausputzer (Wendell Corey) – zusammengeschweißt in latenter Aggression und falscher Hoffnung; und da ist der aufrecht-angeknackste Cop (Burt Lancaster) – Fels in der Brandung, fünftes Rad am Wagen; allesamt sind sie miteinander verbunden durch dunkle Vergangenheit, getrieben von der fatalen Präsenz einer Verstorbenen. Lewis Allen (Regie) und Robert Rossen (Drehbuch) beginnen »Desert Fury« bei hellem Tageslicht an der Stelle, wo jene Frau einst zu Tode kam, und führen in einer großen Kreisbewegung zurück an denselben Ort, wo sich in tiefblauer Nacht ein weiteres Schicksal erfüllt … Zwei »Unfälle«, dazwischen ein Gespinst von verdoppelter, gespiegelter, zerrissener Liebe.

R Lewis Allen B Robert Rossen V Ramona Stewart K Charles Lang, Edward Cronjager M Miklós Rózsa A Perry Ferguson S Warren Low P Hal B. Wallis D John Hodiak, Lizabeth Scott, Burt Lancaster, Mary Astor, Wendell Corey | USA | 96 min | 1:1,37 | f | 15. August 1947