Anruf genügt – komme ins Haus
Ein doppelter, eigentlich ein dreifacher Abschied: der letzte Film von Judy Holliday, die letzte Schöpfung des MGM-Musical-Gottvaters Arthur Freed und zugleich dessen zwölfte – und letzte – Zusammenarbeit mit Vincente Minnelli. »Bells Are Ringing« erzählt von Ella Peterson alias Melisande Scott (herzerwärmend-nervtötend: Judy Holliday), die sich als engagierte Mitarbeiterin des New Yorker Telefon-Auftragsdienstes ›Susanswerphone‹ in die Leben einiger problematischer Klienten (darunter Dean Martin als schreibgehemmter Broadway-Autor) nicht nur einmischt, sondern diese regelrecht umkrempelt und voller Elan zum Positiven wendet – »Pretty shabby trick, saving a man’s life!« Artifiziell wie eh und je, aber nicht ganz so stilsicher wie sonst, plaziert Minnelli seinen film enchanté auf halbem Wege zwischen »down to earth« und »bigger than life«; das Ergebnis kann (trotz klassischer Songs und cleverer Dialoge von Comden & Green) kaum darüber hinwegtäuschen, daß die Hochblüte des Genres nur mehr eine schöne Erinnerung ist.
R Vincente Minnelli B Betty Comden, Adolph Green K Milton Krasner M Jule Styne A Preston Ames, George W. Davis S Adrienne Fazan P Arthur Freed D Judy Holliday, Dean Martin, Fred Clark, Eddie Foy Jr., Jean Stapleton | USA | 126 min | 1:2,35 | f | 23. Juni 1960
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23.6.60
1.9.55
It’s Always Fair Weather (Stanley Donen & Gene Kelly, 1955)
Vorwiegend heiter
»Most friendship ist feigning / Most loving mere folly.« Das dritte und letzte Teamwork von Stanley Donen und Gene Kelly bringt drei Kriegskameraden zehn Jahre nach ihrer Entlassung aus der Armee noch einmal zusammen. Die Euphorie des Wiedersehens (in einer kleinen New Yorker Bar) weicht unversehens der Ernüchterung: Die für ewig gehaltene Freundschaft scheint erloschen, die Flausen einer bleibenden Verbundenheit wurden vom Wind des Lebens verweht: »Can these be the guys I once thought / I Could never live with out?« Trotz verspielter Choreographien – Kelly steppt mit Rollschuhen / die drei Kumpels tanzen ausgelassen mit Mülleimerdeckeln an den Füßen – und ungeachtet der Beschwingtheit von André Prévins Kompositionen schlägt »It’s Always Fair Weather« für ein Musical erstaunlich bittere, stellenweise sogar zynische Töne an. Comden und Green (die für Donen und Kelly schon »On the Town« und »Singin’ in the Rain« schrieben) thematisieren nicht nur die zerstörerische Wirkung der Zeit, sie schütten auch kübelweise Hohn und Spott über einige mentale Geschwüre des american way of life wie Werbung, Fernsehen und zwanghaften Optimismus. Zu guter Letzt huldigen sie dann (natürlich) doch der alles überwindenden Kraft menschlicher Zuneigung: »Although the years may come between us / We will never feel alone.« PS: Bitter-ironischerweise zerstreiten sich die Co-Regisseure über diesen Film und werden nie wieder zusammenarbeiten.
R Stanley Donen, Gene Kelly B Betty Comden, Adolph Green K Robert Bronner M André Prévin A Cedric Gibbons, Arthur Lonergan S Adrienne Fazan P Arthur Freed D Gene Kelly, Dan Dailey, Michael Kidd, Cyd Charisse, Dolores Gray | USA | 101 min | 1:2,55 | f | 1. September 1955
»Most friendship ist feigning / Most loving mere folly.« Das dritte und letzte Teamwork von Stanley Donen und Gene Kelly bringt drei Kriegskameraden zehn Jahre nach ihrer Entlassung aus der Armee noch einmal zusammen. Die Euphorie des Wiedersehens (in einer kleinen New Yorker Bar) weicht unversehens der Ernüchterung: Die für ewig gehaltene Freundschaft scheint erloschen, die Flausen einer bleibenden Verbundenheit wurden vom Wind des Lebens verweht: »Can these be the guys I once thought / I Could never live with out?« Trotz verspielter Choreographien – Kelly steppt mit Rollschuhen / die drei Kumpels tanzen ausgelassen mit Mülleimerdeckeln an den Füßen – und ungeachtet der Beschwingtheit von André Prévins Kompositionen schlägt »It’s Always Fair Weather« für ein Musical erstaunlich bittere, stellenweise sogar zynische Töne an. Comden und Green (die für Donen und Kelly schon »On the Town« und »Singin’ in the Rain« schrieben) thematisieren nicht nur die zerstörerische Wirkung der Zeit, sie schütten auch kübelweise Hohn und Spott über einige mentale Geschwüre des american way of life wie Werbung, Fernsehen und zwanghaften Optimismus. Zu guter Letzt huldigen sie dann (natürlich) doch der alles überwindenden Kraft menschlicher Zuneigung: »Although the years may come between us / We will never feel alone.« PS: Bitter-ironischerweise zerstreiten sich die Co-Regisseure über diesen Film und werden nie wieder zusammenarbeiten.
R Stanley Donen, Gene Kelly B Betty Comden, Adolph Green K Robert Bronner M André Prévin A Cedric Gibbons, Arthur Lonergan S Adrienne Fazan P Arthur Freed D Gene Kelly, Dan Dailey, Michael Kidd, Cyd Charisse, Dolores Gray | USA | 101 min | 1:2,55 | f | 1. September 1955
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Charisse,
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Musical,
New York,
Tragikomödie
9.7.53
The Band Wagon (Vincente Minnelli, 1953)
Vorhang auf!
»The world is a stage / The stage is a world of entertainment.« Vincente Minnelli, meisterhafter Erzeuger glanz-, stil-, und schwungvoller Traumfabrikate, bietet mit seiner Show über Entstehung und Geburtswehen einer Show intelligenten MGM-Technicolor-Glamour: »The Band Wagon« ist selbstreferentiell, selbstbewußt und selbstironisch – die Metamorphose einer leichten musikalischen Komödie in eine rotglühend-dramatische »Faust«-Adaption (und wieder zurück) hält für die Beteiligten Verunsicherung und Begeisterung, Reinfälle und Höhenflüge, Wut und Liebe bereit. Es spielen: Fred Astaire als famous star of yesteryear, der noch einmal zu großer Form aufläuft; Cyd Charisse als up-and-coming Primaballerina, die ihre Neigung zu einer lebenden Legende entdeckt; Jack Buchanan als mephistophelischer Produzent, der die Revue mit seinen brillanten Ideen fast ruiniert; Nanette Fabray & Oscar Levant (»We’re not fighting! We’re in complete agreement! We hate each other!«) als geistreiches Autorenpaar, ein Selbstportrait des geistreichen Autorenpaares Betty Comden & Adolph Green, die sich nach »Singin’ in the Rain«, ihrer mokanten Hommage an den frühen Tonfilm, die Exzentriker vom Broadway vorknöpfen. »Everything that happens in life / Can happen in a show!«
R Vincente Minnelli B Betty Comden, Adolph Green K Harry Jackson M diverse A Preston Ames, Cedric Gibbons S Albert Akst P Arthur Freed D Fred Astaire, Cyd Charisse, Oscar Levant, Nanette Fabray, Jack Buchanan | USA | 112 min | 1:1,37 | f | 9. Juli 1953
»The world is a stage / The stage is a world of entertainment.« Vincente Minnelli, meisterhafter Erzeuger glanz-, stil-, und schwungvoller Traumfabrikate, bietet mit seiner Show über Entstehung und Geburtswehen einer Show intelligenten MGM-Technicolor-Glamour: »The Band Wagon« ist selbstreferentiell, selbstbewußt und selbstironisch – die Metamorphose einer leichten musikalischen Komödie in eine rotglühend-dramatische »Faust«-Adaption (und wieder zurück) hält für die Beteiligten Verunsicherung und Begeisterung, Reinfälle und Höhenflüge, Wut und Liebe bereit. Es spielen: Fred Astaire als famous star of yesteryear, der noch einmal zu großer Form aufläuft; Cyd Charisse als up-and-coming Primaballerina, die ihre Neigung zu einer lebenden Legende entdeckt; Jack Buchanan als mephistophelischer Produzent, der die Revue mit seinen brillanten Ideen fast ruiniert; Nanette Fabray & Oscar Levant (»We’re not fighting! We’re in complete agreement! We hate each other!«) als geistreiches Autorenpaar, ein Selbstportrait des geistreichen Autorenpaares Betty Comden & Adolph Green, die sich nach »Singin’ in the Rain«, ihrer mokanten Hommage an den frühen Tonfilm, die Exzentriker vom Broadway vorknöpfen. »Everything that happens in life / Can happen in a show!«
R Vincente Minnelli B Betty Comden, Adolph Green K Harry Jackson M diverse A Preston Ames, Cedric Gibbons S Albert Akst P Arthur Freed D Fred Astaire, Cyd Charisse, Oscar Levant, Nanette Fabray, Jack Buchanan | USA | 112 min | 1:1,37 | f | 9. Juli 1953
27.3.52
Singin' in the Rain (Stanley Donen & Gene Kelly, 1952)
Du sollst mein Glücksstern sein
»If we bring a little joy into your humdrum lives, it makes us feel as though our hard work ain’t been in vain for nothin’.« Zwei Jahre nach Paramounts düster-sarkastischer Hollywood-Autopsie »Sunset Blvd.« (ein Werk, für das Regisseur Billy Wilder laut Filmzar Louis B. Mayer ausgepeitscht gehört hätte) kontert MGM mit dem funkelnd-affirmativen Dream-factory-Märchen »Singin’ in the Rain«. Produzent Arthur Freed und seine Regiegenies Stanley Donen und Gene Kelly setzen ein technicolorsattes, furios choreographiertes Musical gegen den schrillen, melodramatischen film noir, sie erwidern die bitter-ironische Geisterbeschwörung mit bissig-fröhlicher Legendenbildung. Die Tonfilm-Revolution der späten 1920er Jahre (»Notice, it is a picture of me and I am talking.«) bildet den historischen Hintergrund für eine phänomenale musikalisch-tänzerische Nummernrevue sowie für die, den ganzen Eskapismus locker zusammenbindende, prickelnde Romanze zwischen einem Star (glänzend: Kelly) und einem Sternchen (zuckersüß: Debbie Reynolds). Donald O’Connor (als immer gutgelaunter Sidekick) singt und tanzt sich mit seiner durchgeknallten Soloperformance »Make ’Em Laugh« in die Annalen der Filmgeschichte; die von Jean Hagen mitleidlos dargestellte prototypische Stummfilmdiva (»What's wrong with the way I talk?«) piepst und quäkt dem Sturz ins Vergessen entgegen. (Wer dächte da nicht an Norma Desmond, the famous star of yesteryear, und ihr Wachsfigurenkabinett?) »Sunset Blvd.« und »Singin’ in the Rain«: Schatten und Licht, Elend und Glanz, zwei Seiten einer Medaille – die eine nicht ohne die andere zu haben, und beide viel bigger than life. PS: »I don't go to the movies much. If you've seen one you've seen them all.«
R Stanley Donen, Gene Kelly B Betty Comden, Adolph Green K Harold Rossen M diverse A Cedric Gibbons, Randall Duell S Adrienne Fazan P Arthur Freed D Gene Kelly, Donald O’Connor, Debbie Reynolds, Jean Hagen, Cyd Charisse | USA | 103 min | 1:1,37 | f | 27. März 1952
»If we bring a little joy into your humdrum lives, it makes us feel as though our hard work ain’t been in vain for nothin’.« Zwei Jahre nach Paramounts düster-sarkastischer Hollywood-Autopsie »Sunset Blvd.« (ein Werk, für das Regisseur Billy Wilder laut Filmzar Louis B. Mayer ausgepeitscht gehört hätte) kontert MGM mit dem funkelnd-affirmativen Dream-factory-Märchen »Singin’ in the Rain«. Produzent Arthur Freed und seine Regiegenies Stanley Donen und Gene Kelly setzen ein technicolorsattes, furios choreographiertes Musical gegen den schrillen, melodramatischen film noir, sie erwidern die bitter-ironische Geisterbeschwörung mit bissig-fröhlicher Legendenbildung. Die Tonfilm-Revolution der späten 1920er Jahre (»Notice, it is a picture of me and I am talking.«) bildet den historischen Hintergrund für eine phänomenale musikalisch-tänzerische Nummernrevue sowie für die, den ganzen Eskapismus locker zusammenbindende, prickelnde Romanze zwischen einem Star (glänzend: Kelly) und einem Sternchen (zuckersüß: Debbie Reynolds). Donald O’Connor (als immer gutgelaunter Sidekick) singt und tanzt sich mit seiner durchgeknallten Soloperformance »Make ’Em Laugh« in die Annalen der Filmgeschichte; die von Jean Hagen mitleidlos dargestellte prototypische Stummfilmdiva (»What's wrong with the way I talk?«) piepst und quäkt dem Sturz ins Vergessen entgegen. (Wer dächte da nicht an Norma Desmond, the famous star of yesteryear, und ihr Wachsfigurenkabinett?) »Sunset Blvd.« und »Singin’ in the Rain«: Schatten und Licht, Elend und Glanz, zwei Seiten einer Medaille – die eine nicht ohne die andere zu haben, und beide viel bigger than life. PS: »I don't go to the movies much. If you've seen one you've seen them all.«
R Stanley Donen, Gene Kelly B Betty Comden, Adolph Green K Harold Rossen M diverse A Cedric Gibbons, Randall Duell S Adrienne Fazan P Arthur Freed D Gene Kelly, Donald O’Connor, Debbie Reynolds, Jean Hagen, Cyd Charisse | USA | 103 min | 1:1,37 | f | 27. März 1952
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20er Jahre,
Charisse,
Comden,
Donen,
Film,
Filmstudio,
Gene Kelly,
Green,
Komödie,
Los Angeles,
Musical,
Romanze
8.12.49
On the Town (Stanley Donen & Gene Kelly, 1949)
Heut’ gehn wir bummeln
»New York, New York, a wonderful town. / The Bronx is up and the Battery down.« Drei Matrosen auf Landgang: einen Tag lang, von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr morgens, sind sie unterwegs in der erstaunlichsten Stadt des Universums. Zu Beginn klappern Gabey (Gene Kelly), Chip (Frank Sinatra) und Ozzie (Jules Munshin) in einer rasanten, on location gedrehten Montagenummer singend und tanzend die Sehenswürdigkeiten der Metropole ab – dann geht es um das eigentliche Ziel der (von Leonard Bernstein in Töne gesetzten) 24-Stunden-Expedition: »Somewhere in the world there’s a right girl for every boy.« Ein schnippisches Showgirl, eine forsche Taxifahrerin, eine überdrehte Anthropologin erregen die Aufmerksamkeit der Seeleute, deren Liebeswerben, -zagen, -taumeln das Regieduo Kelly/Donen und das Autorenpaar Comden/Green in ihrer ersten komödiantisch-musikalischen Zusammenarbeit (der zwei weitere folgen werden) mit unbeschwerter Ironie und Begeisterung für die irdischen und himmlichen Wunder des Großstadtbetriebs verfolgen. »The people ride in a hole in the ground. / New York, New York, it’s a wonderful town!«
R Gene Kelly, Stanley Donen B Betty Comden, Adolph Green K Harold Rosson M Leonard Bernstein, Roger Edens A Cedric Gibbons, Jack Martin Smith S Ralph E. Winters P Arthur Freed D Gene Kelly, Frank Sinatra, Jules Munshin Vera-Ellen Ann Miller Betty Garrett | USA | 98 min | 1:1,37 | f | 8. Dezember 1949
# 1152 | 10. März 2019
»New York, New York, a wonderful town. / The Bronx is up and the Battery down.« Drei Matrosen auf Landgang: einen Tag lang, von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr morgens, sind sie unterwegs in der erstaunlichsten Stadt des Universums. Zu Beginn klappern Gabey (Gene Kelly), Chip (Frank Sinatra) und Ozzie (Jules Munshin) in einer rasanten, on location gedrehten Montagenummer singend und tanzend die Sehenswürdigkeiten der Metropole ab – dann geht es um das eigentliche Ziel der (von Leonard Bernstein in Töne gesetzten) 24-Stunden-Expedition: »Somewhere in the world there’s a right girl for every boy.« Ein schnippisches Showgirl, eine forsche Taxifahrerin, eine überdrehte Anthropologin erregen die Aufmerksamkeit der Seeleute, deren Liebeswerben, -zagen, -taumeln das Regieduo Kelly/Donen und das Autorenpaar Comden/Green in ihrer ersten komödiantisch-musikalischen Zusammenarbeit (der zwei weitere folgen werden) mit unbeschwerter Ironie und Begeisterung für die irdischen und himmlichen Wunder des Großstadtbetriebs verfolgen. »The people ride in a hole in the ground. / New York, New York, it’s a wonderful town!«
R Gene Kelly, Stanley Donen B Betty Comden, Adolph Green K Harold Rosson M Leonard Bernstein, Roger Edens A Cedric Gibbons, Jack Martin Smith S Ralph E. Winters P Arthur Freed D Gene Kelly, Frank Sinatra, Jules Munshin Vera-Ellen Ann Miller Betty Garrett | USA | 98 min | 1:1,37 | f | 8. Dezember 1949
# 1152 | 10. März 2019
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