»Ich fühle mich so einsam, so von allen verlassen.« In gewisser Hinsicht wirkt Rainer Werner Fassbinders galliges Soziodrama (dessen Titel auf einen proletarischen Filmklassiker der späten 1920er Jahre anspielt) wie ein Gegenstück zum ein Jahr zuvor entstandenen »Faustrecht der Freiheit«: Ging der treuherzige Münchner Lottokönig Franz Bieberkopf daran zugrunde, sein Glück mit anderen Menschen teilen zu wollen, muß die Frankfurter Arbeiterwitwe Emma Küsters (Brigitte Mira) – deren von Entlassung bedrohter Ehemann einen Vorgesetzten umbrachte, bevor er sich selbst tötete –, hilflos erleben, wie ihr Unglück emotional übergangen, kommerziell ausgebeutet, politisch instrumentalisiert wird. Sohn und Schwiegertochter verlassen die gemeinsame Wohnung, ein vermeintlich mitfühlender Journalist schreibt einen hetzerischen Artikel, die Tochter nutzt den Skandal, um ihre Karriere als Sängerin zu befördern, Salonkommunisten schlachten die Affäre ideologisch aus, ein Trupp von Anarchisten benutzt den Fall als Vorwand für eine revolutionäre Aktion. Eine einmalige Galerie schwächlicher, gleichgültiger, berechnender Figuren veranschaulicht Fassbinders Argwohn gegenüber allen (insbesondere linken) Versprechungen auf gesellschaftliche Veränderung, während Mutter Küsters’ unbefangene Menschlichkeit unter den herrschenden Verhältnissen zu blinder Naivität gerinnt. Der unweigerlich traurige Ausgang der Erzählung wird lakonisch auf eingeblendeten Schrifttafeln verkündet. PS: Die amerikanische Fassung des Films endet unverhofft happy. Fauler Kompromiß? Beißende Satire? Höhere Ironie?
R Rainer Werner Fassbinder B Rainer Werner Fassbinder, Kurt Raab K Michael Ballhaus M Peer Raben A Kurt Raab S Thea Eymèsz P Rainer Werner Fassbinder D Brigitte Mira, Ingrid Caven, Karlheinz Böhm, Margit Carstensen, Irm Herrmann, Gottfried John | BRD | 120 min | 1:1,37 | f | 7. Juli 1975
# 1008 | 14. Juli 2016
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7.7.75
30.5.75
Faustrecht der Freiheit (Rainer Werner Fassbinder, 1975)
»Eine wunderschöne Romanze: der Unternehmer und die Lottokönigin.« Auf die Frage, was er tue, wenn er einen Menschen liebe, antwortet Bertolt Brechts Herr Keuner, er mache einen Entwurf von ihm und sorge dafür, daß er ihm ähnlich werde – der Mensch, nicht der Entwurf. In Rainer Werner Fassbinders »Faustrecht der Freiheit« geht der naiv-sensible Homoprolo Franz Bieberkopf, der durch einen Glückstreffer zu Reichtum kommt, noch einen Schritt weiter: Er macht einen Entwurf von der Liebe (Vertrauen, Solidarität, eine Prise gutmütiger Provokation) und unternimmt alles, damit ihm das Leben ähnlich werde. Der Versuch schlägt fehl – die Verhältnisse, sie sind nicht so. Großzügigkeit (in emotionalen wie finanziellen Angelegenheiten), so Prämisse und Erkenntnis dieser eigentümlichen Zweckehe von ironisch-trostlosem Lehrstück und opernhaft-schwulem Melodram, wird als ebenjene Dummheit, die sie in der kapitalistischen Gesellschaft nun einmal ist, verstanden und entsprechend (aus-)genutzt. Die überraschungsfreie Geradlinigkeit der Erzählung erscheint als Schwäche und Stärke gleichermaßen: Zu keinem Zeitpunkt des Geschehens kann am Ausgang der Moritat gezweifelt werden – Spannung bleibt mithin aus; genau dieser Umstand erlaubt jedoch das präzise topographische Studium einer Gefühlslandschaft, die sich von den scheinfriedlichen Tälern der Illusion bis zu den Gipfeln des ausbeuterischen Verrats erstreckt. PS: »Es gibt Leute, die sich waschen, und andere, die sind sauber.« – »Und dann gibt es wieder Leute, die stinken, obwohl sie sauber sind.«
R Rainer Werner Fassbinder B Rainer Werner Fassbinder, Christian Hohoff K Michael Ballhaus M Peer Raben A Kurt Raab S Thea Eymèsz P Rainer Werner Fassbinder D Rainer Werner Fassbinder, Peter Chatel, Karlheinz Böhm, Adrian Hoven, Ulla Jacobsson | BRD | 123 min | 1:1,37 | f | 30. Mai 1975
R Rainer Werner Fassbinder B Rainer Werner Fassbinder, Christian Hohoff K Michael Ballhaus M Peer Raben A Kurt Raab S Thea Eymèsz P Rainer Werner Fassbinder D Rainer Werner Fassbinder, Peter Chatel, Karlheinz Böhm, Adrian Hoven, Ulla Jacobsson | BRD | 123 min | 1:1,37 | f | 30. Mai 1975
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7.4.60
Peeping Tom (Michael Powell, 1960)
Augen der Angst
»Don't be a silly boy. There's nothing to be afraid of!« Film. Angst. Sehen. Rot. Vater. Sohn. Augen. Tod. Ein maßlos-präzises Werk, geschrieben von einem genialen Kryptologen (Leo Marks), inszeniert von einem fanatischen Bildzauberer (Michael Powell): Nichts in »Peeping Tom« ist Produkt des Zufalls, jede Einstellung, jeder Satz, jeder Blick, jede Anspielung folgt sorgfältiger Kalkulation, ist Bestandteil eines komplexen Systems visueller und erzählerischer Bezüge. Der focus puller und Gelegenheitsaktfotograf Mark Lewis (Karlheinz Böhm), im zarten Kindesalter vom Vater zum hilflosen Objekt umfassender wissenschaftlicher Experimente (»The Psychology of Fear«) gemacht, betreibt als Erwachsener seine eigenen (tödlichen) Studien zum (Familien- und Menschheits-)Thema Furcht. Dokumentieren, Arrangieren, Projizieren sind die Leidenschaften dieses sanften Maniacs (der sich (fast) nie von seiner geliebten Kamera trennt, der als symbolische Verkörperung des Mediums Kino, seiner Macher und Rezipienten, erscheint ): das Speichern der flüchtigen Welt, das vorsätzliche Erzeugen von Emotion, das Nach- und Neuerleben des Aufgezeichneten im, wiederum flüchtigen, Moment der Abbildung auf der Leinwand. Das seelenkundlich grundierte, beinahe parodistisch zugespitzte Thrillermotiv bietet Powell (der auch, wohl nicht nur um die Gage für einen professionellen Darsteller zu sparen, Marks bedrohlichen Vater spielt) Anlaß für eine schaurig-grandiose, anschaulich-verschlüsselte Selbstbespiegelung seiner Kunst. PS: »Good night, Daddy. Hold my hand.«
R Michael Powell B Leo Marks K Otto Heller M Brian Easdale A Arthur Lawson S Noreen Ackland P Michael Powell D Carl Boehm (= Karlheinz Böhm), Anna Massey, Moira Shearer, Maxine Audley, Esmond Knight | UK | 101 min | 1:1,66 | f | 7. April 1960
»Don't be a silly boy. There's nothing to be afraid of!« Film. Angst. Sehen. Rot. Vater. Sohn. Augen. Tod. Ein maßlos-präzises Werk, geschrieben von einem genialen Kryptologen (Leo Marks), inszeniert von einem fanatischen Bildzauberer (Michael Powell): Nichts in »Peeping Tom« ist Produkt des Zufalls, jede Einstellung, jeder Satz, jeder Blick, jede Anspielung folgt sorgfältiger Kalkulation, ist Bestandteil eines komplexen Systems visueller und erzählerischer Bezüge. Der focus puller und Gelegenheitsaktfotograf Mark Lewis (Karlheinz Böhm), im zarten Kindesalter vom Vater zum hilflosen Objekt umfassender wissenschaftlicher Experimente (»The Psychology of Fear«) gemacht, betreibt als Erwachsener seine eigenen (tödlichen) Studien zum (Familien- und Menschheits-)Thema Furcht. Dokumentieren, Arrangieren, Projizieren sind die Leidenschaften dieses sanften Maniacs (der sich (fast) nie von seiner geliebten Kamera trennt, der als symbolische Verkörperung des Mediums Kino, seiner Macher und Rezipienten, erscheint ): das Speichern der flüchtigen Welt, das vorsätzliche Erzeugen von Emotion, das Nach- und Neuerleben des Aufgezeichneten im, wiederum flüchtigen, Moment der Abbildung auf der Leinwand. Das seelenkundlich grundierte, beinahe parodistisch zugespitzte Thrillermotiv bietet Powell (der auch, wohl nicht nur um die Gage für einen professionellen Darsteller zu sparen, Marks bedrohlichen Vater spielt) Anlaß für eine schaurig-grandiose, anschaulich-verschlüsselte Selbstbespiegelung seiner Kunst. PS: »Good night, Daddy. Hold my hand.«
R Michael Powell B Leo Marks K Otto Heller M Brian Easdale A Arthur Lawson S Noreen Ackland P Michael Powell D Carl Boehm (= Karlheinz Böhm), Anna Massey, Moira Shearer, Maxine Audley, Esmond Knight | UK | 101 min | 1:1,66 | f | 7. April 1960
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13.9.56
Kitty und die große Welt (Alfred Weidenmann, 1956)
Es fängt damit an, daß dem englischen Außenminister die notorisch ergebnislosen Genfer Gipfelkonferenzen auf den Keks gehen: Von der generellen Fragwürdigkeit seines staatsmännischen Tuns verdrossen, reißt Sir William Ashley (O. E. Hasse) eines Abends ganz einfach aus und macht einen Bummel durch die Stadt, wo er sich (ganz unschuldig natürlich!) mit der zuckersüßen Maniküre Kitty Dupont (Romy Schneider) amüsiert, die (wie könnte es anders sein?) keine Ahnung hat, mit wem sie da ihre Zeit verbringt. Es folgen diverse diplomatische Verwicklungen sowie ein überraschender Verhandlungsdurchbruch aufgrund der (ungewollten) Abwesenheit Seiner Exzellenz während der allesentscheidenden Sitzung. All's well that ends well: Für das süße Mädel steht in Person von Sir Williams Neffen Robert (Karlheinz Böhm) ein äußerst passabler Bräutigam bereit. (Den verliebten Prawda-Reporter Boris (Peer Schmidt) hat Kitty zuvor völkerfreundschaftlich aber bestimmt abgewiesen.) Einige frotzelnde Dialoge und der leichte Duft von ›Scandale‹ (12 Francs die Flasche), das aufgeräumte Spiel der Darsteller und die munter fließende Inszenierung verleihen Alfred Weidenmanns possierlicher filmischer Nichtigkeit einen sympathischen Zug von politromantischem Idyll, einen hellen Ton von »Genevan Holiday«.
R Alfred Weidenmann B Herbert Reinecker, Johannes Mario Simmel, Emil Burri V Stefan Donat K Helmuth Ashley M Hans-Martin Majewski A Rolf Zehetbauer S Carl Otto Bartning P Wilhelm Sperber D Romy Schneider, O. E. Hasse, Karlheinz Böhm, Peer Schmidt, Ernst Schröder | BRD | 94 min | 1:1,37 | f (nur als sw-Fassung erhalten) | 13. September 1956
R Alfred Weidenmann B Herbert Reinecker, Johannes Mario Simmel, Emil Burri V Stefan Donat K Helmuth Ashley M Hans-Martin Majewski A Rolf Zehetbauer S Carl Otto Bartning P Wilhelm Sperber D Romy Schneider, O. E. Hasse, Karlheinz Böhm, Peer Schmidt, Ernst Schröder | BRD | 94 min | 1:1,37 | f (nur als sw-Fassung erhalten) | 13. September 1956
30.12.54
Die goldene Pest (John Brahm, 1954)
»Hier scheint noch Krieg zu sein.« Ein Dorf in »stampfender, rollender Zeit«: Dossental (realiter: Baumholder bei Kaiserslautern) erlebt infolge des Ausbaus einer US-Army-Garnison Modernisierung, Kapitalisierung, Amerikanisierung im Schweinsgalopp. Die Felder der Umgebung werden zum Truppenübungsplatz, Wohnblocks für die Besatzungssoldaten schießen wie Pilze aus dem Boden, erlebnishungrige GIs bevölkern die Gemeinde, windige Geschäftemacher versprechen der besorgt-begierigen Bevölkerung allgemeinen Aufschwung und hohen Gewinn. Eine alte Dame (»Wir arbeiten hier alle wie narrisch«) verwandelt ihr Kolonialwarengeschäft in eine Souvenirbude, in Bauernhäusern etablieren sich Stundenhotels, alkoholische Mixgetränke und Coca Cola fließen in Strömen, ein mysteriöser Unternehmer mit Pelzkragen, Menjoubärtchen und Sonnenbrille (»Nennen Sie mich nicht Chef.« – »Jawohl, Herr Direktor.«) läßt mitten im Ort ein Zelt aufstellen, wo allabendlich Travestie, Schlammcatchen und »Dschäß« (»Suddenly, I feel so happy.«) auf dem Programm stehen. Die radikalen gesellschaftlichen Veränderungen werden mit den Augen eines Heimkehrers (unbestechlich: Ivan Desny) gesehen, der die Heimat nicht wiedererkennt: Korruption und Nepp sind die neuen Herren, der vormals beste Freund (fiebrig: Karlheinz Böhm) ist in Schiebereien und Drogenhandel verwickelt, nur die große Liebe von damals (lammfromm: Gertrud Kückelmann) erinnert noch an gute alten Zeiten. Regisseur John Brahm – aus Deutschland gebürtig, im Hollywooder Exil zum Spezialisten des Gothic Noir gereift – macht nicht begehrliche Nutznießer oder willige Mitläufer sondern anonyme Mächte für die Wohlstandsverwahrlosung verantwortlich. Schon der Titel des Films apostrophiert den Boom als eingeschleppte Krankheit (die mit einem reinigenden Feuer auszumerzen sei) – so bleibt die Analyse der Verhältnisse, bei aller Unterhaltsamkeit der Erzählung, entsprechend oberflächlich.
R John Brahm B Dieter Werner K Klaus von Rautenfeld M Hans Martin Majewski A Alf Bütow S Wolfgang Flaum, Walter Boos P Gerhard T. Buchholz D Ivan Desny, Karlheinz Böhm, Gertrud Kückelmann, Erich Ponto, Alexander Golling, Wilfried Seyfert | BRD | 93 min | 1:1,37 | f | 30. Dezember 1954
# 1091 | 5. Dezember 2017
R John Brahm B Dieter Werner K Klaus von Rautenfeld M Hans Martin Majewski A Alf Bütow S Wolfgang Flaum, Walter Boos P Gerhard T. Buchholz D Ivan Desny, Karlheinz Böhm, Gertrud Kückelmann, Erich Ponto, Alexander Golling, Wilfried Seyfert | BRD | 93 min | 1:1,37 | f | 30. Dezember 1954
# 1091 | 5. Dezember 2017
23.10.52
Alraune (Arthur Maria Rabenalt, 1952)
»Sie herzte sanft ihr Spielzeug, / Bevor sie es zerbrach, / Und hatte eine Sehnsucht
/ Und wußte nicht wonach.« Hildegard Knef als künstliches Mädchen (»ihr Mund so rot wie Wein«, »ihr Herz so tot wie Stein«), das Männern erst die Herzen bricht und sie sodann kaltlächelnd in den Tod schickt. Alraune ist die Kreatur des genialen Forschers (oder eher: genialischen Alchimisten) Jakob ten Brinken (knurrig: Erich von Stroheim), der im Labor das Erbgut eines Mörders mit dem einer Prostituierten kreuzte, um die Gesetze der Genetik ergründen und der mißgünstigen Mitwelt einen Beweis seiner Begnadung zu liefern. Im Moment, da das kalte, einsame Wesen erfährt, was echtes Gefühl, was wahre Liebe ist, könnte alles gut werden, wenn es dafür nicht längst zu spät wäre … Nur am Rande thematisiert »Alraune« die Risiken des naturwissenschaftlichen Fortschritts; eher ist es Arthur Maria Rabenalt darum zu tun, die betörenden Reize der Knef in schimmernden Roben auszustellen und die jenseitig-zeitlose spätromantische Welt der Fabel flackernd zu illuminieren. Bei aller Trivialität der Erzählung evoziert der müde, dunkle Fatalismus des Werkes das Erbe des Stummfilms (Bauten: Robert Herlth) und erteilt (im tiefen Schatten eines verlorenen Krieges) dem hybriden Kult des Machbaren eine deutliche Absage: »Was blieb von ihrem Leben –
/ Ein Lied, das niemand sang.«
R Arthur Maria Rabenalt B Kurt Heuser V Hanns Heinz Ewers K Friedl Behn-Grund M Werner Richard Heymann A Robert Herlth S Doris Zeltmann P Günther Stapenhorst D Hildegard Knef, Erich von Stroheim, Karlheinz Böhm, Harry Meyen, Trude Hesterberg | BRD | 92 min | 1:1,37 | sw | 23. Oktober 1952
R Arthur Maria Rabenalt B Kurt Heuser V Hanns Heinz Ewers K Friedl Behn-Grund M Werner Richard Heymann A Robert Herlth S Doris Zeltmann P Günther Stapenhorst D Hildegard Knef, Erich von Stroheim, Karlheinz Böhm, Harry Meyen, Trude Hesterberg | BRD | 92 min | 1:1,37 | sw | 23. Oktober 1952
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6.2.52
Wienerinnen (Kurt Steinwendner, 1952)
(Schrei nach Liebe – Roman brennender Herzen)
Ein Episodenfilm. Vier Erzählungen – nicht über die üblichen Heroinen des »Wiener Films«, süßes Mädel oder resche Pratermizzi, hübsche Handschuhmacherin oder kokette Soubrette, sondern über vier Frauen »aus dem anderen Wien«: eine Ziegeleiarbeiterin, eine Puppenspielerin, ein Aktmodell, eine Prostituierte. Die erste verliebt sich unwissentlich in ihren Halbruder, die zweite verliert ihren Freund an eine laszive Konkurrentin, die dritte geht bei der Aufklärung eines Mordfalls fast selber zugrunde, die vierte träumt naiv von einem Neuanfang an der Seite eines Binnenschiffers – krause Geschichten von Begehren und Neid, von Schäbigkeit und Sehnsucht »nach reiner Liebe«. Doch im ungefügten formalen Neben- und Durcheinander von krasser expressionistischer Überzeichnung und schroffem Neoverismus, getrieben von den elektronischen Dissonanzen des Heliophons, bleiben alle vier Frauen verwirrte Kreaturen der Männer (und der Filmemacher), arme Seelen, die kaum Bewußtsein von sich selbst entwickeln (dürfen). Wenn auch die Figuren nur wenig mehr sind als trivial-soziale Schemen, so beweisen Regisseur Kurt Steinwendner und die Kameramänner Walter Partsch und Elio Carmiel doch gespannte Sensibilität für die Orte des Geschehens: einsame Straßen und öde Industriegebiete, Hafenkais und Friedhöfe, verrußte Wohnungen und zugige Bretterbuden, Silos und Fabriken erwachen – in der bedrückenden Finsternis der Nächte, in der milchigen Helligkeit der Tage – zu desillusioniert-melancholischem Leben.
R Kurt Steinwendner B Kurt Steinwendner K Walter Partsch, Elio Carniel M Paul Kont, Gerhard Bronner S Renate Knitschke P Ernest Müller D Elisabeth Stemberger, Edith Prager (= Edith Klinger), Helmi Mareich, Margit Herzog, Kurt Jaggberg, Karlheinz Böhm | A | 85 min | 1:1,37 | sw | 6. Februar 1952
Ein Episodenfilm. Vier Erzählungen – nicht über die üblichen Heroinen des »Wiener Films«, süßes Mädel oder resche Pratermizzi, hübsche Handschuhmacherin oder kokette Soubrette, sondern über vier Frauen »aus dem anderen Wien«: eine Ziegeleiarbeiterin, eine Puppenspielerin, ein Aktmodell, eine Prostituierte. Die erste verliebt sich unwissentlich in ihren Halbruder, die zweite verliert ihren Freund an eine laszive Konkurrentin, die dritte geht bei der Aufklärung eines Mordfalls fast selber zugrunde, die vierte träumt naiv von einem Neuanfang an der Seite eines Binnenschiffers – krause Geschichten von Begehren und Neid, von Schäbigkeit und Sehnsucht »nach reiner Liebe«. Doch im ungefügten formalen Neben- und Durcheinander von krasser expressionistischer Überzeichnung und schroffem Neoverismus, getrieben von den elektronischen Dissonanzen des Heliophons, bleiben alle vier Frauen verwirrte Kreaturen der Männer (und der Filmemacher), arme Seelen, die kaum Bewußtsein von sich selbst entwickeln (dürfen). Wenn auch die Figuren nur wenig mehr sind als trivial-soziale Schemen, so beweisen Regisseur Kurt Steinwendner und die Kameramänner Walter Partsch und Elio Carmiel doch gespannte Sensibilität für die Orte des Geschehens: einsame Straßen und öde Industriegebiete, Hafenkais und Friedhöfe, verrußte Wohnungen und zugige Bretterbuden, Silos und Fabriken erwachen – in der bedrückenden Finsternis der Nächte, in der milchigen Helligkeit der Tage – zu desillusioniert-melancholischem Leben.
R Kurt Steinwendner B Kurt Steinwendner K Walter Partsch, Elio Carniel M Paul Kont, Gerhard Bronner S Renate Knitschke P Ernest Müller D Elisabeth Stemberger, Edith Prager (= Edith Klinger), Helmi Mareich, Margit Herzog, Kurt Jaggberg, Karlheinz Böhm | A | 85 min | 1:1,37 | sw | 6. Februar 1952
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