Fellinis Casanova
Ein Jahr nach »Barry Lyndon« folgt mit »Il Casanova di Federico Fellini« eine weitere außergewöhnliche Kino-Abenteuergeschichte aus dem galanten Zeitalter. Wo Stanley Kubrick gestalterisch auf penible Rekonstruktion der Epoche setzt, unternimmt Fellini (mit seinem Ausstatter Danilo Donati) die karnevaleske Neuerfindung der vorrevolutionären Ära: Die Lagune von Venedig wird zum Meer aus wogender Plastikfolie, London ist eine Brücke im (Bühnen-) Nebel, Dresden erscheint als barockes Theater, dessen leere Logen wie tote Augen glotzen. Der Titel- und Frauenheld stolziert wie ein gespreizter (gegen Ende des Films: wie ein gerupfter) Pfau durch diese üppig-stilisierte Kulissenwelt, trifft auf geile Nonnen und spiritistische Fürstinnen, auf feinfühlige Riesinnen und anämische Nähmädchen, erlebt eine endlos scheinende Abfolge erotischer Eskapaden. Die Freud- und Seelenlosigkeit, mit der Casanova (Donald Sutherland verkörpert den Vater aller Liebhaber als lächerlich-arroganten Deckhengst) seine sexuellen Aventüren exekutiert, hat etwas zutiefst Maschinenhaftes – die endgültige Erfüllung seiner totalen Begierde, die ihn rastlos ganz Europa durchjagen läßt, findet der alternde Stecher denn auch sinnigerweise im Beischlaf mit einer mechanischen Puppe. In diesem grotesken Ausdruck der Begeisterung des 18. Jahrhunderts für alle Arten von Automaten spiegelt sich nicht nur die heutige Fetischisierung von Technik und Machbarkeit, es wird auch die trostlose Kälte spürbar, die herrscht, wenn Liebe allein in Kategorien wie »schneller – länger – weiter« betrieben wird.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Bernardino Zapponi V Giacomo Casanova K Giuseppe Rotunno M Nino Rota A Danilo Donati S Ruggero Mastroianni P Alberto Grimaldi D Donald Sutherland, Tina Aumont, Cicely Browne, Carmen Scarpitta, Clara Algranti | I & USA | 155 min | 1:1,85 | f | 7. Dezember 1976
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7.12.76
13.12.73
Amarcord (Federico Fellini, 1973)
Amarcord
Frühling, Sommer, Herbst, Winter und wieder Frühling – Federico Fellini erinnert sich an ein fiktiv-exemplarisches Jahr seiner Jugend in einem italienischen Provinznest der 1930er Jahre: man zetert und zankt, man lacht und träumt, man schwitzt und friert, man geht ins Kino und schwärmt für Gary Cooper, man wichst und geht danach zur Beichte, man hebt den Arm zum faschistischen Gruß und läßt hinterrücks vom Grammophon die ›Internationale‹ erschallen, man legt die deutschen Touristinnen flach, man trägt die Toten zu Grabe, man heiratet, man liebt, man lebt … Im Zentrum steht eine archetypische Familie: cholerischer Vater, hysterische Mutter, verzogene Söhne, nassauernder Onkel, lustgreiser Opa; dazu treten: der siebengescheite Anwalt, die vollbusige Tabakhändlerin, der kurzsichtige Priester, die mondäne Friseuse, der verrückte Oheim, die läufige Nutte, der aufschneiderische Straßenhändler und und und … In »Amarcord« rückt Fellini sein Kino ganz nah an die Rhetorik der Musik: Melodien, Klangfarben, Rhythmen, Tempi, Harmonien, Dissonanzen, Leitmotive sind allemal wichtiger als die Systematik der Erzählung. Mit besinnlicher Phantasie und ironischem Enthusiasmus dirigiert der maestro eine fulminant-undisziplinierte Sinfonie der Kleinstadt in Dur und Moll.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Tonino Guerra K Giuseppe Rotunno M Nino Rota A Danilo Donato S Ruggero Mastroiannni P Franco Cristaldi D Pupella Maggio, Armando Brancia, Magali Noël, Bruno Zanin, Ciccio Ingrassia | I & F | 123 min | 1:1,85 | f | 13. Dezember 1973
Frühling, Sommer, Herbst, Winter und wieder Frühling – Federico Fellini erinnert sich an ein fiktiv-exemplarisches Jahr seiner Jugend in einem italienischen Provinznest der 1930er Jahre: man zetert und zankt, man lacht und träumt, man schwitzt und friert, man geht ins Kino und schwärmt für Gary Cooper, man wichst und geht danach zur Beichte, man hebt den Arm zum faschistischen Gruß und läßt hinterrücks vom Grammophon die ›Internationale‹ erschallen, man legt die deutschen Touristinnen flach, man trägt die Toten zu Grabe, man heiratet, man liebt, man lebt … Im Zentrum steht eine archetypische Familie: cholerischer Vater, hysterische Mutter, verzogene Söhne, nassauernder Onkel, lustgreiser Opa; dazu treten: der siebengescheite Anwalt, die vollbusige Tabakhändlerin, der kurzsichtige Priester, die mondäne Friseuse, der verrückte Oheim, die läufige Nutte, der aufschneiderische Straßenhändler und und und … In »Amarcord« rückt Fellini sein Kino ganz nah an die Rhetorik der Musik: Melodien, Klangfarben, Rhythmen, Tempi, Harmonien, Dissonanzen, Leitmotive sind allemal wichtiger als die Systematik der Erzählung. Mit besinnlicher Phantasie und ironischem Enthusiasmus dirigiert der maestro eine fulminant-undisziplinierte Sinfonie der Kleinstadt in Dur und Moll.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Tonino Guerra K Giuseppe Rotunno M Nino Rota A Danilo Donato S Ruggero Mastroiannni P Franco Cristaldi D Pupella Maggio, Armando Brancia, Magali Noël, Bruno Zanin, Ciccio Ingrassia | I & F | 123 min | 1:1,85 | f | 13. Dezember 1973
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14.3.72
Roma (Federico Fellini, 1972)
Fellinis Roma
Die ewige Stadt als große Mutter und heilige Hure, als Schmelztiegel von Vergangenheit und Gegenwart – Federico Fellinis episodische Metropolen-Revue folgt kompromißlos der narrativen Libido: Reminiszenzen des Regisseurs an die Ankunft auf der Stazione Termini als junger, unbedarfter Provinzler und an die ersten, tastenden Schritte des staunenden Zugereisten auf dem schlüpfrigen Pflaster der Kapitale stehen unvermittelt neben zeitgenössischen Erkundungen der römischen Unterwelt, einer barock-klerikalen Modenschau sowie einem (an Godards »Week-End« gemahnenden) Höllenritt über den apokalyptischen Stadtautobahnring. In seiner gestalterischen Wahl- und Zügellosigkeit riskiert »Roma« jederzeit (und konsequent) den Umschlag der ›Sinfonie der Großstadt‹ in die urbane Kakofonie: Der allgegenwärtige Ich-Erzähler spricht in vielen Zungen, so als wolle er das Stimmengewirr Babylons ganz alleine in der ersten Person erzeugen ... Grandios ist der Film immer dann, wenn Fellinis Jugenderinnerungen an das Rom der 1940er Jahre – an volkstümliche Vaudeville-Theater und schmierige Familienpensionen, an die Verlockungen der Bordelle und die Panik des Krieges – zu prallem Leben erweckt werden; banal wird es, wenn der Autor in der (allzu durchsichtig gefakten) Pose des Dokumentaristen so tut, als führe er einen interessierten Dialog mit der »Jugend von heute«, oder (noch nichtssagender) wenn er des Nachts berühmte Bekannte – wie den amerikanischen Schriftsteller Gore Vidal oder ›Mamma Roma‹ Anna Magnani (in ihrem letzten Leinwandauftritt) – abpaßt und ihnen belanglose Sentenzen aus dem Mund leiert (besser gesagt: in den Mund legt). Fellini spricht von Rom: der Dichter als Schwadroneur – oder umgekehrt.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Bernardino Zapponi K Giuseppe Rotunno M Nino Rota A Danilo Donati S Ruggero Mastroianni P Turi Vasile D Peter Gonzales, Fiona Florence, Pia De Doses, Renato Giovannoli, Britta Barnes | I & F | 128 min | 1:1,66 | f | 14. März 1972
Die ewige Stadt als große Mutter und heilige Hure, als Schmelztiegel von Vergangenheit und Gegenwart – Federico Fellinis episodische Metropolen-Revue folgt kompromißlos der narrativen Libido: Reminiszenzen des Regisseurs an die Ankunft auf der Stazione Termini als junger, unbedarfter Provinzler und an die ersten, tastenden Schritte des staunenden Zugereisten auf dem schlüpfrigen Pflaster der Kapitale stehen unvermittelt neben zeitgenössischen Erkundungen der römischen Unterwelt, einer barock-klerikalen Modenschau sowie einem (an Godards »Week-End« gemahnenden) Höllenritt über den apokalyptischen Stadtautobahnring. In seiner gestalterischen Wahl- und Zügellosigkeit riskiert »Roma« jederzeit (und konsequent) den Umschlag der ›Sinfonie der Großstadt‹ in die urbane Kakofonie: Der allgegenwärtige Ich-Erzähler spricht in vielen Zungen, so als wolle er das Stimmengewirr Babylons ganz alleine in der ersten Person erzeugen ... Grandios ist der Film immer dann, wenn Fellinis Jugenderinnerungen an das Rom der 1940er Jahre – an volkstümliche Vaudeville-Theater und schmierige Familienpensionen, an die Verlockungen der Bordelle und die Panik des Krieges – zu prallem Leben erweckt werden; banal wird es, wenn der Autor in der (allzu durchsichtig gefakten) Pose des Dokumentaristen so tut, als führe er einen interessierten Dialog mit der »Jugend von heute«, oder (noch nichtssagender) wenn er des Nachts berühmte Bekannte – wie den amerikanischen Schriftsteller Gore Vidal oder ›Mamma Roma‹ Anna Magnani (in ihrem letzten Leinwandauftritt) – abpaßt und ihnen belanglose Sentenzen aus dem Mund leiert (besser gesagt: in den Mund legt). Fellini spricht von Rom: der Dichter als Schwadroneur – oder umgekehrt.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Bernardino Zapponi K Giuseppe Rotunno M Nino Rota A Danilo Donati S Ruggero Mastroianni P Turi Vasile D Peter Gonzales, Fiona Florence, Pia De Doses, Renato Giovannoli, Britta Barnes | I & F | 128 min | 1:1,66 | f | 14. März 1972
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3.9.69
Fellini – Satyricon (Federico Fellini, 1969)
Fellinis Satyricon
Jenseits aller bekannten Klischees von Antikenfilmen zaubert Federico Fellini (zusammen mit hochkarätigen künstlerischen Mitstreitern wie dem langjährigen Visconti-Kameramann Giuseppe Rotunno und Pasolinis Chef-Ausstatter Danilo Donati) aus dem fragmentarischen Roman des Petronius seine ureigene Phantasmagorie des römischen Altertums. Die Sprung- und Lückenhaftigkeit des Geschehens wird ebenso zum formalen Prinzip erhoben wie der krasse Anti-Naturalismus des Spiels, der Bauten, der Masken und der Kostüme. In den Fokus geraten immer wieder die beiden gutgebauten Herumtreiber Encolpius und Ascyltus sowie ihr ätherischer Lustknabe Giton, die sich ziellos durch ein archaisches Panoptikum bewegen, dessen grotesk arrangierte lebende Bilder als diffuse Projektionen aktueller gesellschaftlich-kultureller Phänomene erscheinen: die Erosion überkommener Moralvorstellungen und die Auflösung von Geschlechterrollen klingt ebenso an wie radikaler Hedonismus und schöpferische Impotenz. Als metaphorische Analyse gegenwärtiger sozialer Entwicklungen bleibt »Fellini – Satyricon« allerdings unscharf: Etwas zu selbstbesoffen verliert sich der maestro in der entfesselten mythomanischen Bilderflut, in seiner Begeisterung für bizarre Physiognomien und abnorme Körper. Die grelle Schminke, mit der Fellini sein monströses endzeitliches Sittenbild überzieht, mag auch dazu dienen, den einen oder anderen Moment gestalterischer Ermüdung zu kaschieren.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Bernardino Zapponi, Brunello Rondi V Petronius K Giuseppe Rotunno M Nino Rota A Luigi Scaccianoce S Ruggero Mastroianni P Alberto Grimaldi D Martin Potter, Hiram Keller, Max Born, Magali Noël, Capucine | I | 128 min | 1:2,35 | f | 3. September 1969
Jenseits aller bekannten Klischees von Antikenfilmen zaubert Federico Fellini (zusammen mit hochkarätigen künstlerischen Mitstreitern wie dem langjährigen Visconti-Kameramann Giuseppe Rotunno und Pasolinis Chef-Ausstatter Danilo Donati) aus dem fragmentarischen Roman des Petronius seine ureigene Phantasmagorie des römischen Altertums. Die Sprung- und Lückenhaftigkeit des Geschehens wird ebenso zum formalen Prinzip erhoben wie der krasse Anti-Naturalismus des Spiels, der Bauten, der Masken und der Kostüme. In den Fokus geraten immer wieder die beiden gutgebauten Herumtreiber Encolpius und Ascyltus sowie ihr ätherischer Lustknabe Giton, die sich ziellos durch ein archaisches Panoptikum bewegen, dessen grotesk arrangierte lebende Bilder als diffuse Projektionen aktueller gesellschaftlich-kultureller Phänomene erscheinen: die Erosion überkommener Moralvorstellungen und die Auflösung von Geschlechterrollen klingt ebenso an wie radikaler Hedonismus und schöpferische Impotenz. Als metaphorische Analyse gegenwärtiger sozialer Entwicklungen bleibt »Fellini – Satyricon« allerdings unscharf: Etwas zu selbstbesoffen verliert sich der maestro in der entfesselten mythomanischen Bilderflut, in seiner Begeisterung für bizarre Physiognomien und abnorme Körper. Die grelle Schminke, mit der Fellini sein monströses endzeitliches Sittenbild überzieht, mag auch dazu dienen, den einen oder anderen Moment gestalterischer Ermüdung zu kaschieren.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Bernardino Zapponi, Brunello Rondi V Petronius K Giuseppe Rotunno M Nino Rota A Luigi Scaccianoce S Ruggero Mastroianni P Alberto Grimaldi D Martin Potter, Hiram Keller, Max Born, Magali Noël, Capucine | I | 128 min | 1:2,35 | f | 3. September 1969
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23.10.65
Giulietta degli spiriti (Federico Fellini, 1965)
Julia und die Geister
»Wo keine Götter sind, walten Gespenster.« (Novalis) … Giulietta (Masina), eine leicht verspannte Frau von 40 Jahren, stürzt über die sträfliche Vernachlässigung durch ihren flotten Ehemann Giorgio (Mario Pisu) und wegen der parfümierten Verachtung, die ihre mondäne Mutter (Caterina Boratto) für sie hegt, in eine (filmisch höchst attraktive) Sinn- und Lebenskrise. Die tiefe Verunsicherung der großbürgerlichen Gattin äußert sich als Flucht in modischen Spiritismus und in Form zahlreicher Spukgestalten (unter ihnen die hexenhafte Ausdruckstänzerin Valeska Gert) – personifizierte Wunschvorstellungen oder lebendig gewordene Angstbilder, Inkarnationen von Schuldgefühlen oder Dämonen der Vergangenheit –, allesamt Erscheinungen, die aus der Tiefe von Giuliettas Seele aufsteigen und sich mit guten (oder weniger guten) Ratschlägen in ihre Probleme mischen. Die Heldin sucht die Leere ihrer Existenz mit überbordender Einbildungskraft zu füllen, doch erst als sie sich (buchstäblich) aus der Gefangenschaft ihrer (Plage-)Geister befreit, gelingt es ihr, die Fesseln der Fremdbestimmung (durch gesellschaftliche (und familiäre) Erwartungen sowie aufgezwungener Rollenmuster) zu sprengen. Federico Fellini arrangiert seine surreale Phantasie über die Emanzipation als farbenprächtig-symbolistischen Trip aus Sperrholz und Bri-Nylon (Bauten und Kostüme: Piero Gherardi), als (von Gianni di Venanzo) opulent fotografierten kinematographischen Augenschmaus.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli, Brunello Rondi K Gianni Di Venanzo M Nino Rota A Piero Gherardi S Ruggero Mastroianni P Angelo Rizzoli D Giulietta Masina, Sandra Milo, Mario Pisu, Valentina Cortese, José Luis de Vilallonga | I & F | 137 min | 1:1,85 | f | 23. Oktober 1965
»Wo keine Götter sind, walten Gespenster.« (Novalis) … Giulietta (Masina), eine leicht verspannte Frau von 40 Jahren, stürzt über die sträfliche Vernachlässigung durch ihren flotten Ehemann Giorgio (Mario Pisu) und wegen der parfümierten Verachtung, die ihre mondäne Mutter (Caterina Boratto) für sie hegt, in eine (filmisch höchst attraktive) Sinn- und Lebenskrise. Die tiefe Verunsicherung der großbürgerlichen Gattin äußert sich als Flucht in modischen Spiritismus und in Form zahlreicher Spukgestalten (unter ihnen die hexenhafte Ausdruckstänzerin Valeska Gert) – personifizierte Wunschvorstellungen oder lebendig gewordene Angstbilder, Inkarnationen von Schuldgefühlen oder Dämonen der Vergangenheit –, allesamt Erscheinungen, die aus der Tiefe von Giuliettas Seele aufsteigen und sich mit guten (oder weniger guten) Ratschlägen in ihre Probleme mischen. Die Heldin sucht die Leere ihrer Existenz mit überbordender Einbildungskraft zu füllen, doch erst als sie sich (buchstäblich) aus der Gefangenschaft ihrer (Plage-)Geister befreit, gelingt es ihr, die Fesseln der Fremdbestimmung (durch gesellschaftliche (und familiäre) Erwartungen sowie aufgezwungener Rollenmuster) zu sprengen. Federico Fellini arrangiert seine surreale Phantasie über die Emanzipation als farbenprächtig-symbolistischen Trip aus Sperrholz und Bri-Nylon (Bauten und Kostüme: Piero Gherardi), als (von Gianni di Venanzo) opulent fotografierten kinematographischen Augenschmaus.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli, Brunello Rondi K Gianni Di Venanzo M Nino Rota A Piero Gherardi S Ruggero Mastroianni P Angelo Rizzoli D Giulietta Masina, Sandra Milo, Mario Pisu, Valentina Cortese, José Luis de Vilallonga | I & F | 137 min | 1:1,85 | f | 23. Oktober 1965
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14.2.63
8 ½ (Federico Fellini, 1963)
Achteinhalb
Vordergründig die Seelenschau eines Filmregisseurs in der Schaffenskrise – Guido Anselmi (Marcello Mastroianni mit Fellini-Hütchen): »Ich hab’ halt einfach nichts zu sagen ... Und doch will ich etwas sagen!« –, weitet sich »8 ½« zur großen Ich-(= (Innen-) Welt-)Erzählung, die Realität nicht nur als greifbares Hier und Jetzt versteht, sondern als In-, Durch- und Miteinander von Erleben, Erinnerung und Traum, von Diesseits und Jenseits, von Gestern, Heute und (vielleicht) Morgen. Federico Fellini, der große Zampanò des modernen Kinos, handelt dies alles (natürlich) nicht theoretisch ab – ganz im Gegenteil: Er fabuliert dem Teufel das Ohrläppchen ab, greift ins pralle (eigene) Leben, läßt einprägsame Charaktere aufmarschieren: das hysterische Starlet und den altersgeilen Narren, die bittere Ehefrau und die aufgeschminkte Geliebte, die ätherische Muse und den verkniffenen Intellektuellen, das mystische Superweib und den heuschreckenhaften Parapsychologen – Dämonen, Spiegelungen, Korrelate seines filmischen (Alter) Ego. In Bildern von traumhafter Klarheit (Gianni di Venanzo) und zu einer Musik von sentimentalem Überschwang (Nino Rota) zeigt »8 ½« einen (= den?) Menschen als Kosmonauten auf der Reise durch das Universum seiner selbst, als Clown im Zirkus der eigenen Existenz.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli, Brunello Rondi K Gianni Di Venanzo M Nino Rota A Piero Gherardi S Leo Cattozzo P Angelo Rizzoli D Marcello Mastroianni, Claudia Cardinale, Anouk Aimée, Sandra Milo, Rossella Falk | I & F | 138 min | 1:1,85 | sw | 14. Februar 1963
Vordergründig die Seelenschau eines Filmregisseurs in der Schaffenskrise – Guido Anselmi (Marcello Mastroianni mit Fellini-Hütchen): »Ich hab’ halt einfach nichts zu sagen ... Und doch will ich etwas sagen!« –, weitet sich »8 ½« zur großen Ich-(= (Innen-) Welt-)Erzählung, die Realität nicht nur als greifbares Hier und Jetzt versteht, sondern als In-, Durch- und Miteinander von Erleben, Erinnerung und Traum, von Diesseits und Jenseits, von Gestern, Heute und (vielleicht) Morgen. Federico Fellini, der große Zampanò des modernen Kinos, handelt dies alles (natürlich) nicht theoretisch ab – ganz im Gegenteil: Er fabuliert dem Teufel das Ohrläppchen ab, greift ins pralle (eigene) Leben, läßt einprägsame Charaktere aufmarschieren: das hysterische Starlet und den altersgeilen Narren, die bittere Ehefrau und die aufgeschminkte Geliebte, die ätherische Muse und den verkniffenen Intellektuellen, das mystische Superweib und den heuschreckenhaften Parapsychologen – Dämonen, Spiegelungen, Korrelate seines filmischen (Alter) Ego. In Bildern von traumhafter Klarheit (Gianni di Venanzo) und zu einer Musik von sentimentalem Überschwang (Nino Rota) zeigt »8 ½« einen (= den?) Menschen als Kosmonauten auf der Reise durch das Universum seiner selbst, als Clown im Zirkus der eigenen Existenz.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli, Brunello Rondi K Gianni Di Venanzo M Nino Rota A Piero Gherardi S Leo Cattozzo P Angelo Rizzoli D Marcello Mastroianni, Claudia Cardinale, Anouk Aimée, Sandra Milo, Rossella Falk | I & F | 138 min | 1:1,85 | sw | 14. Februar 1963
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22.2.62
Boccaccio ’70 (Mario Monicelli & Federico Fellini & Luchino Visconti & Vittorio De Sica, 1962)
Boccaccio ’70
Ein Omnibusfilm: vier Akte – tragikomisch, satirisch, ironisch, launig – über den Waren- und den wahren Charakter der Gefühle … Mario Monicelli erzählt von »Renzo e Luciana«, die ihre Ehe im Betrieb geheimhalten müssen, da es den weiblichen Mitarbeitern untersagt ist zu heiraten. Eine Geschichte aus dem italienischen Wirtschaftwunder, angesiedelt im boomenden Mailand, elegant fotografiert, voller Einblicke in die Welt der kleinen Angestellten, die sich von blaffenden Vorgesetzten schurigeln lassen müssen, die ihr kleines Heil in Massenvergnügungen und kreditiertem Konsum suchen: Leben und Lieben auf Raten. Federico Fellinis »Le tentazioni del dottor Antonio« zeigt einen bigotten römischen Moralisten, der den üppigen Reizen einer Werbeträgerin für Milch (»Bevete più latte!«) erliegt: ein aufgeblähtes Pasticchio bekannter, zum quietschbunten L’art pour l’art geronnener Fellini-Motive, eine (Selbst-)Parodie, so überdimensional wie die Brüste von Anita Ekberg. Luchino Visconti schaut hinter die dicken Mauern eines mondänen Mailänder Palazzos: »Il lavoro« gibt einen Vorgeschmack auf die hermetischen Vivisektionen geschlossener Gesellschaften, mit denen »La caduta degli dei« und »Gruppo di famiglia in un interno« aufwarten werden. Romy Schneider und Tomas Milian sind die Protagonisten des zwischen hölzernen Wandverkleidungen und schweren Draperien ablaufenden, dramödiantischen Kammerspiels, das die Verwandlung einer gescheiterten Ehe in eine gewerbliche Unternehmung beschreibt. Vittorio De Sicas »La riffa«, die zugleich harmloseste und sinnenfreudigste Episode, präsentiert Sophia Loren als geschäftstüchtige Schießbudenbesitzerin, die sich den Männern eines norditalienischen Marktfleckens als Hauptgewinn einer konspirativ abgehaltenen Lotterie anbietet, um ihr Glück bei einem zupackenden Stierhüter zu finden … Allen Regisseuren gemeinsam ist ein Hang zu barocker Weitschweifigkeit, wodurch sich die Produzenten nach der Premiere genötigt sahen, den Film um den Monicelli-Beitrag zu kürzen.
R Mario Monicelli (1), Federico Fellini (2), Luchino Visconti (3), Vittorio De Sica (4) B Giovanni Arpino (1), Italo Calvino (1), Suso Cecchi D’Amico (1 & 3), Mario Monicelli (1), Ennio Flaiano (2), Tullio Pinelli (2), Goffredo Parise (2), Fedrico Fellini (2), Luchino Visconti (3), Cesare Zavattini (4) K Armando Nannuzzi (1), Otello Martelli (2 & 4) Giuseppe Rotunno (3) M Piero Uminiani (1), Nino Rota (2 & 3), Armando Trovajoli (4) A Piero Gherardi (1), Piero Zuffi (2), Mario Garbuglia (3), Elio Costanzi (4) S Adriana Novelli (1 & 4), Leo Cattozzo (2), Mario Serandrei (3) P Carlo Ponti, Tonino Cervi D Marisa Solinas (1), Germano Gilioli (1), Anita Ekberg (2), Peppino Di Filippo (2), Romy Schneider (3), Tomas Milian (3), Romolo Valli (3), Sophia Loren (4), Luigi Giuliani (4) | I & F | 208 / 158 min | 1:1,66 | f | 22. Februar 1962
# 921 | 28. November 2014
Ein Omnibusfilm: vier Akte – tragikomisch, satirisch, ironisch, launig – über den Waren- und den wahren Charakter der Gefühle … Mario Monicelli erzählt von »Renzo e Luciana«, die ihre Ehe im Betrieb geheimhalten müssen, da es den weiblichen Mitarbeitern untersagt ist zu heiraten. Eine Geschichte aus dem italienischen Wirtschaftwunder, angesiedelt im boomenden Mailand, elegant fotografiert, voller Einblicke in die Welt der kleinen Angestellten, die sich von blaffenden Vorgesetzten schurigeln lassen müssen, die ihr kleines Heil in Massenvergnügungen und kreditiertem Konsum suchen: Leben und Lieben auf Raten. Federico Fellinis »Le tentazioni del dottor Antonio« zeigt einen bigotten römischen Moralisten, der den üppigen Reizen einer Werbeträgerin für Milch (»Bevete più latte!«) erliegt: ein aufgeblähtes Pasticchio bekannter, zum quietschbunten L’art pour l’art geronnener Fellini-Motive, eine (Selbst-)Parodie, so überdimensional wie die Brüste von Anita Ekberg. Luchino Visconti schaut hinter die dicken Mauern eines mondänen Mailänder Palazzos: »Il lavoro« gibt einen Vorgeschmack auf die hermetischen Vivisektionen geschlossener Gesellschaften, mit denen »La caduta degli dei« und »Gruppo di famiglia in un interno« aufwarten werden. Romy Schneider und Tomas Milian sind die Protagonisten des zwischen hölzernen Wandverkleidungen und schweren Draperien ablaufenden, dramödiantischen Kammerspiels, das die Verwandlung einer gescheiterten Ehe in eine gewerbliche Unternehmung beschreibt. Vittorio De Sicas »La riffa«, die zugleich harmloseste und sinnenfreudigste Episode, präsentiert Sophia Loren als geschäftstüchtige Schießbudenbesitzerin, die sich den Männern eines norditalienischen Marktfleckens als Hauptgewinn einer konspirativ abgehaltenen Lotterie anbietet, um ihr Glück bei einem zupackenden Stierhüter zu finden … Allen Regisseuren gemeinsam ist ein Hang zu barocker Weitschweifigkeit, wodurch sich die Produzenten nach der Premiere genötigt sahen, den Film um den Monicelli-Beitrag zu kürzen.
R Mario Monicelli (1), Federico Fellini (2), Luchino Visconti (3), Vittorio De Sica (4) B Giovanni Arpino (1), Italo Calvino (1), Suso Cecchi D’Amico (1 & 3), Mario Monicelli (1), Ennio Flaiano (2), Tullio Pinelli (2), Goffredo Parise (2), Fedrico Fellini (2), Luchino Visconti (3), Cesare Zavattini (4) K Armando Nannuzzi (1), Otello Martelli (2 & 4) Giuseppe Rotunno (3) M Piero Uminiani (1), Nino Rota (2 & 3), Armando Trovajoli (4) A Piero Gherardi (1), Piero Zuffi (2), Mario Garbuglia (3), Elio Costanzi (4) S Adriana Novelli (1 & 4), Leo Cattozzo (2), Mario Serandrei (3) P Carlo Ponti, Tonino Cervi D Marisa Solinas (1), Germano Gilioli (1), Anita Ekberg (2), Peppino Di Filippo (2), Romy Schneider (3), Tomas Milian (3), Romolo Valli (3), Sophia Loren (4), Luigi Giuliani (4) | I & F | 208 / 158 min | 1:1,66 | f | 22. Februar 1962
# 921 | 28. November 2014
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3.2.60
La dolce vita (Federico Fellini, 1960)
Das süße Leben
»Dieses Fest wird nie ein Ende nehmen.« Klatschreporter Marcello (Mastroianni) führt das staunende Publikum als munter-melancholischer Cicerone durch die Pseudo-Welt der deformierten Schönen und elenden Reichen: Da wird das nächtliche Bad eines dumm-sinnlichen Busenstars im barocken Brunnen zum großen Glücksversprechen, da dient die soziale Misere als exotische Kulisse zur Steigerung von schalen Lustgefühlen, da findet die Sehnsucht nach Sinn und Erlösung ihre Erfüllung nur mehr in medial verwursteter Scharlatanerie. Überhaupt die Medien: Anschaulich wie kaum ein anderer Film beschreibt »La dolce vita« (in Form eines bewußt fragmentarisch angelegten Freskos) die Fiktionalisierung des realen Lebens in einer Gesellschaft, die (nach Guy Debord) »die Vorstellung der Wirklichkeit, den Schein dem Wesen vorzieht … denn heilig ist ihr nur die Illusion, profan aber die Wahrheit.« Während Filmschauspieler und Adelige, Jet-Setter und Parvenüs einen ewigen bunten Abend in tristen Farben feiern, bleibt den verstörten Intellektuellen nichts als die bedingungslose Kapitulation – entweder indem sie sich (und den Ihren) die Kugel geben oder indem sie als Zeremonienmeister des stumpfsinnigen Vergnügens agieren. Federico Fellinis bösartiger, staunender, angeekelter, mitleidender Blick auf die (nicht nur) neurömische Dekadenz wird in 2000 Jahren – falls es dann noch Filmprojektoren geben sollte – davon künden, wie es war, das Leben in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: so süß, daß es schmerzt.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli, Brunello Rondi K Otello Martelli M Nino Rota A Piero Gherardi S Leo Cattozzo P Angelo Rizzoli, Giuseppe Amato D Marcello Mastroianni, Anita Ekberg, Anouk Aimée, Yvonne Furneaux, Alain Cuny | I & F | 174 min | 1:2,35 | sw | 3. Februar 1960
»Dieses Fest wird nie ein Ende nehmen.« Klatschreporter Marcello (Mastroianni) führt das staunende Publikum als munter-melancholischer Cicerone durch die Pseudo-Welt der deformierten Schönen und elenden Reichen: Da wird das nächtliche Bad eines dumm-sinnlichen Busenstars im barocken Brunnen zum großen Glücksversprechen, da dient die soziale Misere als exotische Kulisse zur Steigerung von schalen Lustgefühlen, da findet die Sehnsucht nach Sinn und Erlösung ihre Erfüllung nur mehr in medial verwursteter Scharlatanerie. Überhaupt die Medien: Anschaulich wie kaum ein anderer Film beschreibt »La dolce vita« (in Form eines bewußt fragmentarisch angelegten Freskos) die Fiktionalisierung des realen Lebens in einer Gesellschaft, die (nach Guy Debord) »die Vorstellung der Wirklichkeit, den Schein dem Wesen vorzieht … denn heilig ist ihr nur die Illusion, profan aber die Wahrheit.« Während Filmschauspieler und Adelige, Jet-Setter und Parvenüs einen ewigen bunten Abend in tristen Farben feiern, bleibt den verstörten Intellektuellen nichts als die bedingungslose Kapitulation – entweder indem sie sich (und den Ihren) die Kugel geben oder indem sie als Zeremonienmeister des stumpfsinnigen Vergnügens agieren. Federico Fellinis bösartiger, staunender, angeekelter, mitleidender Blick auf die (nicht nur) neurömische Dekadenz wird in 2000 Jahren – falls es dann noch Filmprojektoren geben sollte – davon künden, wie es war, das Leben in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: so süß, daß es schmerzt.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli, Brunello Rondi K Otello Martelli M Nino Rota A Piero Gherardi S Leo Cattozzo P Angelo Rizzoli, Giuseppe Amato D Marcello Mastroianni, Anita Ekberg, Anouk Aimée, Yvonne Furneaux, Alain Cuny | I & F | 174 min | 1:2,35 | sw | 3. Februar 1960
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10.5.57
Le notti di Cabiria (Federico Fellini, 1957)
Die Nächte der Cabiria
»Es gibt eine Gerechtigkeit auch auf dieser Welt. Man leidet, muß vieles durchmachen, aber dann kommt für alle der Augenblick des Glücks.« Für Cabiria (die eigentlich Maria heißt), eine kleine römische Straßendirne mit losem Mundwerk und einem Herzen aus Gold (Giulietta Masina), kommt vor dem Glück zunächst einmal der Moment der Wahrheit, genauer gesagt eine schier endlose Folge von Momenten der Wahrheit = der Enttäuschung, der Verzweiflung, der Einsamkeit, der (Todes-)Angst. Als eine Art weiblicher Don Quijote der (Nächsten-)Liebe kämpft Cabiria mit naiver (und manchmal nervtötender) Entschlossenheit gegen die Windmühlen der allgegenwärtigen Seelenlosigkeit und Entfremdung. Federico Fellinis vielleicht katholischster Film, eine handfest-spirituelle Pleiten-, Pech- und Pannenrevue (mit keifenden Nutten und schmierigen Filmstars, gutmütigen Bettelmönchen und niederträchtigen Frauenverstehern), kombiniert die typischen Szenerien des Neorealismus – jämmerliche Vororte, struppiges Ödland, fade Sozialbausiedlungen – mit den luxuriösen Quartieren der Reichen (wo nur eine andere Art von Armut herrscht) zu einer allegorischen Bühne der Suche nach dem Sinn des Lebens. »Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.« Fellinis Maria/Cabiria verspürt schmerzlich die Abwesenheit der Gnade und verliert dennoch nicht die Hoffnung: In gestreifter Bluse und räudigem Pelz wandert die Stehauffrau mit den strahlenden Augen durch kleine und große Katastrophen unbeirrt der Erlösung entgegen – mag sie kommen oder auch nicht …
R Federico Fellini B Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli, Pier Paolo Pasolini V Maria Molinari K Aldo Tonti, Otello Martelli M Nino Rota A Piero Gherardi S Leo Cattozzo P Dino De Laurentiis D Giulietta Masina, François Périer, Franca Marzi, Dorain Gray, Amedeo Nazzari | I & F | 110 min | 1:1,37 | sw | 10. Mai 1957
»Es gibt eine Gerechtigkeit auch auf dieser Welt. Man leidet, muß vieles durchmachen, aber dann kommt für alle der Augenblick des Glücks.« Für Cabiria (die eigentlich Maria heißt), eine kleine römische Straßendirne mit losem Mundwerk und einem Herzen aus Gold (Giulietta Masina), kommt vor dem Glück zunächst einmal der Moment der Wahrheit, genauer gesagt eine schier endlose Folge von Momenten der Wahrheit = der Enttäuschung, der Verzweiflung, der Einsamkeit, der (Todes-)Angst. Als eine Art weiblicher Don Quijote der (Nächsten-)Liebe kämpft Cabiria mit naiver (und manchmal nervtötender) Entschlossenheit gegen die Windmühlen der allgegenwärtigen Seelenlosigkeit und Entfremdung. Federico Fellinis vielleicht katholischster Film, eine handfest-spirituelle Pleiten-, Pech- und Pannenrevue (mit keifenden Nutten und schmierigen Filmstars, gutmütigen Bettelmönchen und niederträchtigen Frauenverstehern), kombiniert die typischen Szenerien des Neorealismus – jämmerliche Vororte, struppiges Ödland, fade Sozialbausiedlungen – mit den luxuriösen Quartieren der Reichen (wo nur eine andere Art von Armut herrscht) zu einer allegorischen Bühne der Suche nach dem Sinn des Lebens. »Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.« Fellinis Maria/Cabiria verspürt schmerzlich die Abwesenheit der Gnade und verliert dennoch nicht die Hoffnung: In gestreifter Bluse und räudigem Pelz wandert die Stehauffrau mit den strahlenden Augen durch kleine und große Katastrophen unbeirrt der Erlösung entgegen – mag sie kommen oder auch nicht …
R Federico Fellini B Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli, Pier Paolo Pasolini V Maria Molinari K Aldo Tonti, Otello Martelli M Nino Rota A Piero Gherardi S Leo Cattozzo P Dino De Laurentiis D Giulietta Masina, François Périer, Franca Marzi, Dorain Gray, Amedeo Nazzari | I & F | 110 min | 1:1,37 | sw | 10. Mai 1957
9.9.55
Il bidone (Federico Fellini, 1955)
Die Schwindler
Im Leben, sagte einst ein erfolgreicher Pessimist, »you’ve got to take the bitter with the sour.« In »Il bidone« (was soviel bedeutet wie »Der Beschiß«) erzählt Federico Fellini in locker (manchmal auch ziemlich fahrig) aneinandergefügten Episoden die bitter-saure Geschichte vom bauernfängerischen Treiben dreier Gauner, die (mal in der Maske von Geistlichen, mal verkleidet als Beamte der Wohnungsbehörde) den Ärmsten der Armen das letzte Hemd vom Leibe ziehen. Der brotlose Künstler ›Picasso‹ (Richard Basehart), der liederliche Schönling Roberto (Franco Fabrizi) und (im Mittelpunkt) der altgewordene Profischwindler Augusto (Broderick Crawford) bilden das schäbige Trio – Halunken, die nicht allein andere Leute um ihr Geld sondern vor allem sich selbst um die Wahrhaftigkeit des Lebens und das Heil ihrer Seelen bescheißen. »Lupus est homo homini«, wußte schon der römische Komödiendichter Plautus. Fellini legt noch einen drauf: Der Mensch ist auch sich selbst ein Wolf. In einer quälenden Schlußsequenz hält der Film für seinen tragischen Helden Augusto (dessen plötzliche moralische Ein- und Umkehr sich als weiteres (verzweifeltes) Betrugsmanöver erwiesen hat) einen trostlos-staubigen Abgang bereit: »Aspettate … venga con voi«, sind seine letzten Worte – aber da ist keiner, der auf ihn warten würde.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli K Otello Martelli M Nino Rota A Dario Cecchi S Mario Serandrei, Giuseppe Vari P Mario Derecchi D Broderick Crawford, Giulietta Masina, Richard Basehart, Franco Fabrizi, Sue Ellen Blake | I & F | 112 min | 1:1,37 | sw | 9. September 1955
Im Leben, sagte einst ein erfolgreicher Pessimist, »you’ve got to take the bitter with the sour.« In »Il bidone« (was soviel bedeutet wie »Der Beschiß«) erzählt Federico Fellini in locker (manchmal auch ziemlich fahrig) aneinandergefügten Episoden die bitter-saure Geschichte vom bauernfängerischen Treiben dreier Gauner, die (mal in der Maske von Geistlichen, mal verkleidet als Beamte der Wohnungsbehörde) den Ärmsten der Armen das letzte Hemd vom Leibe ziehen. Der brotlose Künstler ›Picasso‹ (Richard Basehart), der liederliche Schönling Roberto (Franco Fabrizi) und (im Mittelpunkt) der altgewordene Profischwindler Augusto (Broderick Crawford) bilden das schäbige Trio – Halunken, die nicht allein andere Leute um ihr Geld sondern vor allem sich selbst um die Wahrhaftigkeit des Lebens und das Heil ihrer Seelen bescheißen. »Lupus est homo homini«, wußte schon der römische Komödiendichter Plautus. Fellini legt noch einen drauf: Der Mensch ist auch sich selbst ein Wolf. In einer quälenden Schlußsequenz hält der Film für seinen tragischen Helden Augusto (dessen plötzliche moralische Ein- und Umkehr sich als weiteres (verzweifeltes) Betrugsmanöver erwiesen hat) einen trostlos-staubigen Abgang bereit: »Aspettate … venga con voi«, sind seine letzten Worte – aber da ist keiner, der auf ihn warten würde.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli K Otello Martelli M Nino Rota A Dario Cecchi S Mario Serandrei, Giuseppe Vari P Mario Derecchi D Broderick Crawford, Giulietta Masina, Richard Basehart, Franco Fabrizi, Sue Ellen Blake | I & F | 112 min | 1:1,37 | sw | 9. September 1955
6.9.54
La strada (Federico Fellini, 1954)
Das Lied der Straße
»Alles, was auf dieser Welt ist, ist zu irgendetwas nütze.« Federico Fellinis postneorealistisches Roadmovie erzählt von frostiger Einsamkeit und ratloser Liebe, von der Geworfenheit in die Welt und der Sehnsucht nach Erlösung. Der Schauplatz Italien gleicht der Szenerie eines Beckett-Stückes – öde, staubig, armselig: Tote Bäume säumen einsame Landstraßen, elende Kinder bevölkern die Gassen der Dörfer, resignierte Mütter verkaufen ihre Töchter für 10.000 Lire an fahrendes Volk. Der tumbe Kraftprotz Zampanò (Anthony Quinn), der todestrunkener Narr Matto (Richard Basehart), die heilige Einfalt Gelsomina (Giulietta Masina) – sie bilden die melodramatische Trinität eines Films, der das menschliche Dasein parabolisch als schäbigen Wanderzirkus präsentiert: Entwurzelung, Entblößung und (innere) Armut bestimmen die Schicksale der Gaukler, Spieler und Seiltänzer, die Fellini (ein Jahr nach Bergmans wesensverwandtem »Gycklarnas afton«) auf die große (Lebens-)Reise schickt. Ob Zampanò (der immer glaubte, ganz allein und nur für sich sein zu können) durch das tiefe kreatürliche Elend, in das er am Schluß der Fabel stürzt, eine Läuterung seiner kaputten Seele erfahren wird, bleibt offen … Höhere Einsicht hin oder her, »La strada«, dieses subproletarische Lumpenmärchen, gewinnt, soviel ist gewiß, seine bleibende Wirkung vor allem aus Nino Rotas unvergänglich-tränenziehendem Sound: »Dii-di-di-da-daa« – wenn Gelsomina, mit zerbeulter Melone auf dem struppigem Haarschopf, diese Töne aus der lädierten Trompete preßt, bleibt wohl nur ein Glasauge trocken.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli K Otello Martelli M Nino Rota A Mario Ravasco S Leo Cattozzo P Dino De Laurentiis, Carlo Ponti D Anthony Quinn, Giulietta Masina, Richard Basehart, Aldo Silvani, Marcella Rovere | I | 108 min | 1:1,37 | sw | 6. September 1954
»Alles, was auf dieser Welt ist, ist zu irgendetwas nütze.« Federico Fellinis postneorealistisches Roadmovie erzählt von frostiger Einsamkeit und ratloser Liebe, von der Geworfenheit in die Welt und der Sehnsucht nach Erlösung. Der Schauplatz Italien gleicht der Szenerie eines Beckett-Stückes – öde, staubig, armselig: Tote Bäume säumen einsame Landstraßen, elende Kinder bevölkern die Gassen der Dörfer, resignierte Mütter verkaufen ihre Töchter für 10.000 Lire an fahrendes Volk. Der tumbe Kraftprotz Zampanò (Anthony Quinn), der todestrunkener Narr Matto (Richard Basehart), die heilige Einfalt Gelsomina (Giulietta Masina) – sie bilden die melodramatische Trinität eines Films, der das menschliche Dasein parabolisch als schäbigen Wanderzirkus präsentiert: Entwurzelung, Entblößung und (innere) Armut bestimmen die Schicksale der Gaukler, Spieler und Seiltänzer, die Fellini (ein Jahr nach Bergmans wesensverwandtem »Gycklarnas afton«) auf die große (Lebens-)Reise schickt. Ob Zampanò (der immer glaubte, ganz allein und nur für sich sein zu können) durch das tiefe kreatürliche Elend, in das er am Schluß der Fabel stürzt, eine Läuterung seiner kaputten Seele erfahren wird, bleibt offen … Höhere Einsicht hin oder her, »La strada«, dieses subproletarische Lumpenmärchen, gewinnt, soviel ist gewiß, seine bleibende Wirkung vor allem aus Nino Rotas unvergänglich-tränenziehendem Sound: »Dii-di-di-da-daa« – wenn Gelsomina, mit zerbeulter Melone auf dem struppigem Haarschopf, diese Töne aus der lädierten Trompete preßt, bleibt wohl nur ein Glasauge trocken.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli K Otello Martelli M Nino Rota A Mario Ravasco S Leo Cattozzo P Dino De Laurentiis, Carlo Ponti D Anthony Quinn, Giulietta Masina, Richard Basehart, Aldo Silvani, Marcella Rovere | I | 108 min | 1:1,37 | sw | 6. September 1954
26.8.53
I vitelloni (Federico Fellini, 1953)
Die Müßiggänger
»›Warum tun sie den ganzen Tag nichts?‹ – ›Das wissen nicht einmal sie selber.‹« Fünf Freunde in einem italienischen Provinzkaff. Sie haben die 30 hinter sich gelassen und nichts auf die Reihe gekriegt – Taugenichtse, Tagediebe, Prahlhänse, phlegmatisch und fidel, lümmelhaft und doch irgendwie liebenswert. Sie sitzen im Café, starren aufs Meer, lassen den lieben Gott einen guten Mann sein. Sie warten – aber worauf? –: ein notorischer Weiberheld, ein verkrachter Dramatiker, ein aufgeblasenes Muttersöhnchen, ein sangesfroher Dicker und einer, ein einziger, der ahnt, daß hinter dem Tellerrand (des Städtchens, der Bequemlichkeit, der Angst vor der eigenen Courage) etwas anderes liegen könnte: das Leben möglicherweise. In der ihn kennzeichnenden Mischung aus karikierendem Naturalismus und nachsichtiger Liebe reiht Federico Fellini Episoden aus dem tristen und grauen und engen Dasein seiner Protagonisten aneinander: Miss-Wahlen und Kinobesuche, Hochzeiten und Faschingsbälle, melancholische Lustbarkeiten und burleske Tragödien, imaginäre Hoffnungen auf ein besseres Morgen – und einen, einen einzigen, konkreten Aufbruch in die ungewisse Zukunft.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli K Ortello Martelli, Carlo Carlini, Luciano Trasatti M Nino Rota A Mario Chiari S Rolando Benedetti P Jacques Bar, Mario De Vecchi, Lorenzo Pegoraro D Franco Interlenghi, Alberto Sordi, Franco Fabrizi, Leopoldo Trieste, Riccardo Fellini | I & F | 107 min | 1:1,37 | sw | 26. August 1953
»›Warum tun sie den ganzen Tag nichts?‹ – ›Das wissen nicht einmal sie selber.‹« Fünf Freunde in einem italienischen Provinzkaff. Sie haben die 30 hinter sich gelassen und nichts auf die Reihe gekriegt – Taugenichtse, Tagediebe, Prahlhänse, phlegmatisch und fidel, lümmelhaft und doch irgendwie liebenswert. Sie sitzen im Café, starren aufs Meer, lassen den lieben Gott einen guten Mann sein. Sie warten – aber worauf? –: ein notorischer Weiberheld, ein verkrachter Dramatiker, ein aufgeblasenes Muttersöhnchen, ein sangesfroher Dicker und einer, ein einziger, der ahnt, daß hinter dem Tellerrand (des Städtchens, der Bequemlichkeit, der Angst vor der eigenen Courage) etwas anderes liegen könnte: das Leben möglicherweise. In der ihn kennzeichnenden Mischung aus karikierendem Naturalismus und nachsichtiger Liebe reiht Federico Fellini Episoden aus dem tristen und grauen und engen Dasein seiner Protagonisten aneinander: Miss-Wahlen und Kinobesuche, Hochzeiten und Faschingsbälle, melancholische Lustbarkeiten und burleske Tragödien, imaginäre Hoffnungen auf ein besseres Morgen – und einen, einen einzigen, konkreten Aufbruch in die ungewisse Zukunft.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli K Ortello Martelli, Carlo Carlini, Luciano Trasatti M Nino Rota A Mario Chiari S Rolando Benedetti P Jacques Bar, Mario De Vecchi, Lorenzo Pegoraro D Franco Interlenghi, Alberto Sordi, Franco Fabrizi, Leopoldo Trieste, Riccardo Fellini | I & F | 107 min | 1:1,37 | sw | 26. August 1953
Labels:
Drama,
Familie,
Fellini,
Flaiano,
Gesellschaft,
Kleinstadt,
Tragikomödie
6.9.52
Lo sceicco bianco (Federico Fellini, 1952)
Der weiße Scheich
»Das Leben ist ein Traum, aber manchmal ist der Traum ein tödlicher Abgrund.« Ivan und Wanda, ein frisch verheiratetes Paar aus der Provinz, reisen in den Flitterwochen nach Rom. Der korrekt-adrette Ehemann hat alles perfekt organisiert: Treffen mit Verwandten, Stadtbesichtigung, Audienz beim Heiligen Vater. Die schüchtern-schwärmerische Braut indes will nur eines: den Mann ihrer Träume treffen, Fernando Rivoli, den ›weißen Scheich‹ – Hauptdarsteller und -figur des gleichnamigen exotischen ›fotoromanzo‹. Die seifigen Trash-Epen dieser massenhaft gedruckten Bilderstorys – einer Kreuzung aus Kino und Comic, geboren im Italien der Nachkriegszeit – liefern Wanda (als einer von Zigtausenden sehnsüchtiger Konsument(inn)en) die romantischen Idole und Ideale … Federico Fellinis temperamentvolle (stellenweise etwas eckig inszenierte) Posse von der Macht der Illusion schlägt um in einer bittere Komödie der Ernüchterung und endet als realistische Groteske: die Existenz als Zirkus, der Alltag als Nummernrevue, der Mensch als Gaukler seines Daseins. Die italienische Hauptstadt bietet die barocke Kulisse für ein absurdes kleines Welttheater, das von Nino Rotas Rummelmusik kongenial akzentuiert wird. »Lo sceicco bianco« – ein Film fast so aberwitzig wie das richtige Leben.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Tullio Pinelli, Ennio Flaiano K Arturo Gallea M Nino Rota A Raffaello Tolfo S Rolando Benedetti P Luigi Rovere D Alberto Sordi, Brunella Bovo, Leopoldo Trieste, Giullietta Masina, Lilia Landi | I | 86 min | 1:1,37 | sw | 6. September 1952
»Das Leben ist ein Traum, aber manchmal ist der Traum ein tödlicher Abgrund.« Ivan und Wanda, ein frisch verheiratetes Paar aus der Provinz, reisen in den Flitterwochen nach Rom. Der korrekt-adrette Ehemann hat alles perfekt organisiert: Treffen mit Verwandten, Stadtbesichtigung, Audienz beim Heiligen Vater. Die schüchtern-schwärmerische Braut indes will nur eines: den Mann ihrer Träume treffen, Fernando Rivoli, den ›weißen Scheich‹ – Hauptdarsteller und -figur des gleichnamigen exotischen ›fotoromanzo‹. Die seifigen Trash-Epen dieser massenhaft gedruckten Bilderstorys – einer Kreuzung aus Kino und Comic, geboren im Italien der Nachkriegszeit – liefern Wanda (als einer von Zigtausenden sehnsüchtiger Konsument(inn)en) die romantischen Idole und Ideale … Federico Fellinis temperamentvolle (stellenweise etwas eckig inszenierte) Posse von der Macht der Illusion schlägt um in einer bittere Komödie der Ernüchterung und endet als realistische Groteske: die Existenz als Zirkus, der Alltag als Nummernrevue, der Mensch als Gaukler seines Daseins. Die italienische Hauptstadt bietet die barocke Kulisse für ein absurdes kleines Welttheater, das von Nino Rotas Rummelmusik kongenial akzentuiert wird. »Lo sceicco bianco« – ein Film fast so aberwitzig wie das richtige Leben.
R Federico Fellini B Federico Fellini, Tullio Pinelli, Ennio Flaiano K Arturo Gallea M Nino Rota A Raffaello Tolfo S Rolando Benedetti P Luigi Rovere D Alberto Sordi, Brunella Bovo, Leopoldo Trieste, Giullietta Masina, Lilia Landi | I | 86 min | 1:1,37 | sw | 6. September 1952
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