1.8.76

Obsession (Brian De Palma, 1976)

Schwarzer Engel

»How did she die?« – »I killed her.« Ein Mann (Cliff Robertson) verliert, vermeintlich durch eigenes Zutun, seine Frau (Geneviève Bujold) an das Reich der Toten und fällt in einen Zustand emotionaler Lähmung; Jahre später trifft er auf ein Ebenbild der schmerzlich Entbehrten und begreift die Begegnung als zweite Chance, den Beweis seiner Liebe zu erbringen ... »What was she like?« – »She was very much like you.« Brian De Palma ist vielleicht der einzige Filmregisseur, der Epigonentum »groß« denkt, um es zu einer originären Kunstform mit eigenständiger ästhetischer Qualität zu entwickeln. In diesem Sinne gelingt es ihm (und seinem Autor Paul Schrader), mit der schwülen Phantasie über ein Thema von Alfred Hitchcock (beinahe) originaler zu wirken als das Original ... »How was it, Court?« – »The same.« (Fast) alles, was »Vertigo« ausmacht, findet sich potenziert in »Obsession«: das Doppelgängermotiv, das Drama eines schuldbehafteten Verlustes, die Gefangenschaft in der Depression, die traumartigen Erinnerungen, die Ab- und Überlagerungen der Zeit – die Kamerafahrten sind noch schwebender, das Licht schimmert noch milchiger, Bernard Herrmanns Score klingt noch herrmannesker. Abklatsch oder Pastiche, Hommage oder Travestie? Whatever. PS: Der Film trug passenderweise den Arbeitstitel »Déjà-vu«.

R Brian De Palma B Paul Schrader K Vilmos Zsigmond M Bernard Herrmann A Jack Senter S Paul Hirsch P Harry N. Blum, George Litto D Cliff Robertson, Geneviève Bujold, John Lithgow, Wanda Blackman, Sylvia Kuumba Williams | USA | 98 min | 1:2,35 | f | 1. August 1976

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