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21.6.49

Kind Hearts and Coronets (Robert Hamer, 1949)

Adel verpflichtet

Die Aristokratie hat das Überleben bis in die Gegenwart neben ihrem eigennützigen Beharrungsvermögen vermutlich vor allem dem Geschäftsinteresse der Klatschpresse und dem Zurückschrecken der meisten Menschen vor revolutionären Mordtaten zu verdanken. Louis Mazzini (Dennis Price), Held der noblen britischen Komödie »Kind Hearts and Coronets«, kennt keinerlei Skrupel vor dem Vergießen von blauem Blut. Wenn im vorliegenden Fall zweifellos auch die gerechte Empörung eines Deklassierten eine gewisse Rolle spielt, steht doch (darin verhält er sich gut adlig) der persönliche Vorteil des Täters im Vordergrund – immerhin geht es um eine ehrwürdige Herzogskrone. Alec Guinness spielt sämtliche Mitglieder der vornehmen Familie d’Ascoyne, die im Verlauf der liebenswürdigen Erzählung gewaltsam in die Ewigkeit abberufen werden, um Platz für den ambitionierten Aufsteiger zu machen. »Howe’er it be, it seems to me / ’Tis only noble to be good.«

R Robert Hamer B Robert Hamer, John Dighton V Roy Horniman K Douglas Slocombe M Ernest Irving A William Kellner S Peter Tanner P Michael Balcon D Dennis Price, Alec Guiness, Valerie Hobson, Joan Greenwood, John Penrose | UK | 106 min | 1:1,37 | sw | 21. Juni 1949

25.11.47

It Always Rains on Sunday (Robert Hamer, 1947)

Die Flucht vor Scotland Yard

»What's wrong with the East End, anyway?« — »It smells.« Sonntag in einer Londoner Arme-Leute-Gegend. Dämmrige Straßen, enge Behausungen, bleierne Wolken und Regen, Regen, Regen, von morgens bis spät in die Nacht … Tommy Swann (John McCallum) ist aus dem Gefängnis ausgebrochen; er sucht Unterschlupf bei seiner ehemaligen Geliebten Rose Sandigate (Googie Withers), einer schroffen Schönheit, die mittlerweile einen phlegmatisch-achtbaren Kleinbürger aus Bethnal Green geehelicht hat. Um die zentrale Storyline von Flucht und Verstecken und wieder Flucht komponiert Regisseur Robert Hamer eine ganze Reihe intensiver Milieu- und Charakterstudien – es riecht förmlich aus diesem poetisch-realistischen (Studio-)Film: nach ungelüfteten Zimmern und unterdrückten Gefühlen, nach feuchten Klamotten und verlorenen Illusionen. Über »It Always Rains on Sunday« hängen, zwischen Ruinenstaub und Mangel der Nachkriegszeit, die verblassende Erinnerung an ein glückverheißendes Gestern und die trügerische Hoffnung, daß sich irgendwann einmal etwas ändern könnte. Emotionen haben in diesem tristen, geordneten Kosmos den zweifelhaften Ruch (und den verzweifelten Reiz) des Verbotenen; Auswege gibt es nicht – nicht einmal Selbstmord: Jenseits des Gasofens und der Schienen liegt das unvermeidliche Grau des nächsten Morgens.

R Robert Hamer B Angus MacPhail, Robert Hamer, Henry Cornelius V Arthur La Bern K Douglas Slocombe M George Auric A Duncan Sutherland S Michael Truman P Michael Balcon, Henry Cornelius D Googie Withers, John McCallum, Edward Chapman, Susan Shaw, Jack Warner | UK | 92 min | 1:1,37 | sw | 25. November 1947