Das Geheimnis der grünen Stecknadel
»Was habt ihr mit Solange gemacht?« Ein Rendezvous auf der Themse, ein Boot zwischen im Wasser hängenden Zweigen, ein schreiendes Mädchen im Ufergebüsch, ein aufgerissenes Auge, ein blitzendes Messer zwischen weiblichen Schenkeln. Später: das Röntgenbild eines Unterleibes, in dem die Mordwaffe steckt … Massimo Dallamano zeigt nichts und zeigt alles, zeigt die Beziehung von Rache und Verzweiflung, die Nähe von Sehen und Sterben, zeigt nackte Angst, hoffnungslose Gewalt, unumkehrbare Zerstörung: »Was habt ihr mit Solange gemacht?« Ein später Edgar-Wallace-Krimi, ein melancholischer Giallo – Klavierklänge, tröpfelnd wie Regen, schneidende Streicher, wehmütige Frauenstimmen (Musik: Ennio Morricone) … Im Zentrum des Verbrechens: eine katholische Mädchenschule – kindlicher Glauben und begieriges Wissenwollen und todbringende Erkenntnis. Ein geheimer Club und ein falscher Priester, ein Vater und seine Tochter, Genuß und Reue, Freundschaft und Panik, Liebe und Horror, die vergebliche Suche nach der verlorenen Unschuld und die brutale Wiederkehr des Verdrängten: »Was habt ihr mit Solange gemacht?«
R Massimo Dallamano B Massimo Dallamano, Bruno Di Geronimo, Peter M. Thouet V Edgar Wallace K Aristide Massaccesi (= Joe D’Amato) M Ennio Morricone A Gastone Carsetti S Antonio Siciliano, Clarissa Ambach P Leo Pescarolo, Horst Wendlandt D Fabio Testi, Joachim Fuchsberger, Christine Galbo, Karin Baal, Günther Stoll | I & BRD | 103 min | 1:2,35 | f | 9. März 1972
# 800 | 16. November 2013
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9.3.72
31.3.71
Die Tote aus der Themse (Harald Philipp, 1971)
Eine sexy Ballettratte, die nebenberuflich Drogen schmuggelte, dann aber für die Polizei arbeitete, wird in einer Londoner Absteige erschossen, ist aber gar nicht tot. Oder vielleicht doch? Wie auch immer – die beherzte Schwester (Uschi ›Schätzchen‹ Glas) der (halb-)kriminellen Tänzerin folgt zusammen mit der Polizei (Hansjörg Felmy als staubtrockener Inspektor Craig sowie Siegfried Schürenberg als kauziger Scotland-Yard-Chef Sir John) der Spur der mutmaßlich Verblichenen, deren Leichnam sich auf wundersame Weise aus dem (Heroin-)Staub machte … An und für sich bietet »Die Tote aus der Themse« viel Schönes: ein famoses Trio böser Herren im besten Alter (Friedrich Schönfelder, Werner Peters, Ivan Desny), das nacheinander per Kopfschuß aus dem Geschehen ausscheidet, dazu stimmungsvolle Settings wie einen Schlachthof, in dem nicht nur Schweine gemeuchelt werden, außerdem einen quirligen Peter-Thomas-Score und eine abseitig-plausible Auflösung – doch Regisseur Harald Philipp fehlt (trotz einiger wippender Busen) die schmierige Leichtfüßig- und -sinnigkeit eines Alfred Vohrer; seine Inszenierung ist über weite Strecken so steif, so fad, so unoriginell wie die Ermittlungsarbeit eines Schreibtischkriminalisten.
R Harald Philipp B Harald Philipp, Horst Wendlandt V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Johannes Ott S Alfred Srp P Horst Wendlandt D Uschi Glas, Hansjörg Felmy, Werner Peters, Harry Riebauer, Siegfried Schürenberg | BRD | 89 min | 1:1,85 | f | 31. März 1971
R Harald Philipp B Harald Philipp, Horst Wendlandt V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Johannes Ott S Alfred Srp P Horst Wendlandt D Uschi Glas, Hansjörg Felmy, Werner Peters, Harry Riebauer, Siegfried Schürenberg | BRD | 89 min | 1:1,85 | f | 31. März 1971
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5.3.71
Der Teufel kam aus Akasava (Jess Franco, 1971)
Beispiellose Edgar-Wallace-Verwurstung vom Duo Infernal des bundesdeutsch-hispanischen Z-Films, ›Atze‹ Brauner und Jess Franco: Auf der Jagd nach einem Gestein, »das unter bestimmten Voraussetzungen ein bestimmtes Metall in Gold verwandelt« (und damit absolute Macht verspricht), bekriegen (und dezimieren) sich diverse rivalisierende Banden und Interessengruppen. Der britische Secret Service schickt die junge, schöne Jane Morgan (Soledad Miranda) ins Rennen, obwohl deren Qualitäten nicht unbedingt auf dem Gebiet der Geheimdiensttätigkeit liegen. Wenn die Agentin schießt, verfehlt sie ihr Ziel noch auf einen halben Meter Entfernung, dafür macht sie eine umso bessere Figur, sobald sie sich in ihrer Tarnrolle als Tänzerin, angetan mit einem schwarzen Flitterumhang und silbernen Sandalettenstiefeln, auf der Bühne eines Nachtclubs räkeln darf. Franco übertüncht sein offensichtliches Desinteresse an der wirren Räuberpistole mit dem extensiven Einsatz eines groovig-sexedelischen Party-Soundtracks (Manfred Hübler & Siegfried Schwab) und nutzt ansonsten jede passende (und unpassende) Gelegenheit, den rassigen Körper seiner Hauptdarstellerin abzufeiern; erst in den allerletzten Minuten gewinnt der Regisseur der eigentlichen Handlung von »Der Teufel kam Akasava« noch eine wunderbar schrullige Szene ab, wenn sich der nette alte Lord Kingsley (Walter Rilla) aus dem Rollstuhl erhebt und seiner netten alten Lady (Blandine Ebinger) verkündet: »Wir, Abigail, werden die Welt beherrschen!«
R Jess Frank (= Jess Franco) B Ladislas Fodor, Paul André V Edgar Wallace K Manuel Marino M Manfred Hübler, Siegfried Schwab A Klaus Meyenberg, Alberto Montenegro S Clarissa Ambach P Artur Brauner D Fred Williams, Susann Korda (= Soledad Miranda), Horst Tappert, Siegfried Schürenberg, Walter Rilla, Blandine Ebinger | BRD & E | 84 min | 1:1,66 | f | 5. März 1971
R Jess Frank (= Jess Franco) B Ladislas Fodor, Paul André V Edgar Wallace K Manuel Marino M Manfred Hübler, Siegfried Schwab A Klaus Meyenberg, Alberto Montenegro S Clarissa Ambach P Artur Brauner D Fred Williams, Susann Korda (= Soledad Miranda), Horst Tappert, Siegfried Schürenberg, Walter Rilla, Blandine Ebinger | BRD & E | 84 min | 1:1,66 | f | 5. März 1971
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26.7.69
A doppia faccia (Riccardo Freda, 1969)
Das Gesicht im Dunkeln
Eine italienisch-deutsche Koproduktion, in der Bundesrepublik als Edgar-Wallace-Film vermarktet. Zwar basiert das Drehbuch auf einer Vorlage des englischen Kriminalschriftstellers, zwar ist der Handlungsort London, zwar tritt Klaus Kinski (in der Hauptrolle!) auf – aber mit den (selbst-)parodistischen Whodunit-Grusel-Komik-Hybriden der Erfolgsreihe hat »A doppia faccia« nichts zu tun. Riccardo Freda inszeniert eine aparte Sex&Crime-Schimäre, einen süffigen Cocktail aus Harold-Robbins-Kolportage, Giallo und Zeitbild. Trauriger Held der Erzählung ist John Alexander (Kinski), dessen geliebte Frau Helen ihn (offen) mit ihrer besten Freundin betrügt, bevor sie bei einem Autounfall um ihr schönes, reiches Leben kommt. Wenig später sieht der Witwer – ist es Zufall? oder wurde er manipuliert? – die Verstorbene wieder: als Darstellerin in einem lesbischen »Kunstfilm«. Gedreht wurde das Werk nach ihrem Tod … Kinski – so zurückhaltend, so dünnhäutig wie kaum je – spielt einen verletzten Mann, niedergeschlagen von den Erschütterungen in seinem Leben, aus der Bahn geworfen von den Erosionserscheinungen seiner Zeit. Immer wieder treibt es den Desorientierten – auf der Suche nach Erklärung? nach Erlösung? – durch den kalten Neonglanz der Straßen, in halluzinatorische Nachtclubs, in die Einsamkeit der Bars, durch ein dunkles London nach dem Swing. Auch wenn die Intrige, wie es sich für einen (selbstbewußten) Trivialfilm gehört, in eine absurde Auflösung mündet, auch wenn die Trickeffekte aussehen, als wären sie auf der Modellbahnanlage des Produzenten entstanden, auch wenn die meisten Schauspieler wie Marionetten agieren – eines kann diesem filmischen Labyrinth zwischen Schein und Sein, dieser Groschenstudie über Verlorenheit kaum abgesprochen werden: Formgefühl. Fredas mit vulgärer Delikatesse fotografierter Seelenthriller (Kamera: Gábor Pogány) ist so geschmackvoll wie die langstieligen, blutroten Rosen, die immer wieder in die exquisit-schäbigen Bilder ragen.
R Robert Hampton (= Riccardo Freda) B Paul Hengge, Robert Hampton (= Riccardo Freda) V Edgar Wallace K Gábor Pogány M Joan Christian (= Nora Orlandi) A Luciano Spadoni S Anna Amedei, Jutta Hering P Oreste Coltellacci, Horst Wendlandt D Klaus Kinski, Christiane Krüger, Sydney Chaplin, Annabella Incontrera, Margaret Lee | I & BRD | 88 min | 1:1,85 | f | 26. Juli 1969
Eine italienisch-deutsche Koproduktion, in der Bundesrepublik als Edgar-Wallace-Film vermarktet. Zwar basiert das Drehbuch auf einer Vorlage des englischen Kriminalschriftstellers, zwar ist der Handlungsort London, zwar tritt Klaus Kinski (in der Hauptrolle!) auf – aber mit den (selbst-)parodistischen Whodunit-Grusel-Komik-Hybriden der Erfolgsreihe hat »A doppia faccia« nichts zu tun. Riccardo Freda inszeniert eine aparte Sex&Crime-Schimäre, einen süffigen Cocktail aus Harold-Robbins-Kolportage, Giallo und Zeitbild. Trauriger Held der Erzählung ist John Alexander (Kinski), dessen geliebte Frau Helen ihn (offen) mit ihrer besten Freundin betrügt, bevor sie bei einem Autounfall um ihr schönes, reiches Leben kommt. Wenig später sieht der Witwer – ist es Zufall? oder wurde er manipuliert? – die Verstorbene wieder: als Darstellerin in einem lesbischen »Kunstfilm«. Gedreht wurde das Werk nach ihrem Tod … Kinski – so zurückhaltend, so dünnhäutig wie kaum je – spielt einen verletzten Mann, niedergeschlagen von den Erschütterungen in seinem Leben, aus der Bahn geworfen von den Erosionserscheinungen seiner Zeit. Immer wieder treibt es den Desorientierten – auf der Suche nach Erklärung? nach Erlösung? – durch den kalten Neonglanz der Straßen, in halluzinatorische Nachtclubs, in die Einsamkeit der Bars, durch ein dunkles London nach dem Swing. Auch wenn die Intrige, wie es sich für einen (selbstbewußten) Trivialfilm gehört, in eine absurde Auflösung mündet, auch wenn die Trickeffekte aussehen, als wären sie auf der Modellbahnanlage des Produzenten entstanden, auch wenn die meisten Schauspieler wie Marionetten agieren – eines kann diesem filmischen Labyrinth zwischen Schein und Sein, dieser Groschenstudie über Verlorenheit kaum abgesprochen werden: Formgefühl. Fredas mit vulgärer Delikatesse fotografierter Seelenthriller (Kamera: Gábor Pogány) ist so geschmackvoll wie die langstieligen, blutroten Rosen, die immer wieder in die exquisit-schäbigen Bilder ragen.
R Robert Hampton (= Riccardo Freda) B Paul Hengge, Robert Hampton (= Riccardo Freda) V Edgar Wallace K Gábor Pogány M Joan Christian (= Nora Orlandi) A Luciano Spadoni S Anna Amedei, Jutta Hering P Oreste Coltellacci, Horst Wendlandt D Klaus Kinski, Christiane Krüger, Sydney Chaplin, Annabella Incontrera, Margaret Lee | I & BRD | 88 min | 1:1,85 | f | 26. Juli 1969
21.2.69
Der Mann mit dem Glasauge (Alfred Vohrer, 1969)
Fast scheint es, als hätte Alfred Vohrer gewußt, daß er mit dieser kruden Rachegeschichte um Drogen- und Mädchenhandel seinen Edgar-Wallace-Abschied gibt – so spielerisch wirft er die Prämissen der Reihe über den Haufen, so souverän ignoriert er etwaige Erwartungshaltungen. Keine verwinkelten Herrenhäuser, kein wabernder Nebel, kein dämonischer Kinski, kein hochanständiger Fuchsberger. Statt dessen jede Menge schwuler Anzüglichkeiten und Dutzende schwingender Mädchenbeine, viel frivoles Artistenmilieu und wüste Farbexzesse (Kamera: Karl Löb). Die subgenretypische Mischung aus Gemetzel und Klamauk funktioniert (nicht zuletzt Dank ›Hubsi‹ von Meyerinck in der Rolle des hitzig-verkalkten Scotland-Yard-Chefs Sir Arthur) so gut wie selten zuvor; zudem bietet »Der Mann mit dem Glasauge« eine der vielleicht bösesten Mutterfiguren der Filmgeschichte: Die von Friedel Schuster eindrucksvoll gespielte Lady Sharringham (deren eiserne Damenhaftigkeit wie eine unheimliche Vorausblende auf Margaret Thatcher wirkt) kann es durchaus aufnehmen mit matriarchalen Monstren vom Schlage einer Mrs. Iselin oder einer Mrs. Bates selig.
R Alfred Vohrer B Paul Hengge V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Wilhelm Vorweg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Horst Tappert, Karin Hübner, Hubert von Meyerinck, Fritz Wepper, Friedel Schuster | BRD | 87 min | 1:1,85 | f | 21. Februar 1969
R Alfred Vohrer B Paul Hengge V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Wilhelm Vorweg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Horst Tappert, Karin Hübner, Hubert von Meyerinck, Fritz Wepper, Friedel Schuster | BRD | 87 min | 1:1,85 | f | 21. Februar 1969
27.9.68
Der Gorilla von Soho (Alfred Vohrer, 1968)
Höherer (oder tieferer) Blödsinn vom Edgar-Wallace-Fließband. Einmal mehr entpuppt sich das christliche Mädchenheim als Hort des Bösen, einmal mehr trägt die menschenfeindliche Gier eine »Love and Peace«-Maske ... Zwar verrät das ausgestellte Panoptikum – eine SSige Ordensschwester (Hilde Sessak), ein übeltätiger Philanthrop (Albert Lieven), ein altersgeiler Polizeichef (Hubert von Meyerinck) – tiefe Menschenkenntnis, zwar versucht Alfred Vohrer, die gewohnt nachlässig zusammengeschusterte Story (ein plan- und respektloser Aufguß der »Toten Augen von London«) mit einigen Rotlicht-Vulgaritäten (Soho!) aufzumöbeln, zwar haut Peter Thomas kräftig in die Tasten der Sleaze-Orgel, dennoch kommt die Chose nicht wirklich in Schwung: zu viel Horst Tappert (als brettharter Proto-›Derrick‹), zu viel Uwe Friedrichsen (als naßforscher ›Sergeant Pepper‹), zu viel Uschi Glas (als »afrikanisch« sprechende Scotland-Yard-Helferin), zu wenig Gorilla – viel zu wenig.
R Alfred Vohrer B Freddy Gregor (= Alfred Vohrer & Horst Wendlandt) V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Horst Tappert, Uschi Glas, Uwe Friedrichsen, Herbert Fux, Hubert von Meyerinck | BRD | 94 min | 1:1,66 | f | 27. September 1968
R Alfred Vohrer B Freddy Gregor (= Alfred Vohrer & Horst Wendlandt) V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Horst Tappert, Uschi Glas, Uwe Friedrichsen, Herbert Fux, Hubert von Meyerinck | BRD | 94 min | 1:1,66 | f | 27. September 1968
26.4.68
Im Banne des Unheimlichen (Alfred Vohrer, 1968)
»Let me feel it, come on, let me hear it. / Make it jump, make im bomb, / Make me sigh, make me high / And make my blood run all wild.« Ende der 1960er hat Alfred Vohrer (unterstützt von kongenialen Kollaborateuren: Kameramann Karl Löb, Komponist Peter Thomas, Szenenbildnerduo Wilhelm Vorwerg und Walter Kutz) eine verdammt gute Strecke: In seinen kunterbunten Swinging-Trash-Flicks (»Hand«, »Mönch«, »Hund«) frisiert er gediegenen Edgar-Wallace-Thrill zu überspitzten Pop-Killerspielen, betreibt er die Reanimation des Whodunits als bewußtseinserweiternde Mischung von flapsigem Terror und mörderischem Quatsch. »Im Banne des Unheimlichen« führt diese (Anti-)Traditionslinie zum Höhepunkt – mit einer lachenden Leiche sowie einer eiskalt hauchenden Geisterbahnfigur, die auf dem blanken Totenschädel ein keckes Hütchen trägt und ihre Opfer per Stich mit einem vergifteten Skorpionring um die Ecke bringt. Inspektor Higgins (so seriös wie möglich: Joachim Fuchsberger) und Scotland-Yard-Direktor Sir Arthur (ballettaffin: Hubert von Meyerinck) ermitteln in einem chaotischen Fall um Bruderzwist und Wahnsinn, um Erpressung und Rache aus dem Jenseits – wobei sich die (große) Menge der Toten und die (hohe) Zahl der Verdächtigen stets die Waage halten ... »Tomorrow my stars might fall dead on my head, one more time, / Tomorrow I might hit the danger zone. / So, today I want to feel just as happy as I can – / I want to feel my heart beat!«
R Alfred Vohrer B Ladislas Fodor V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Siw Mattson, Wolfgang Kieling, Pinkas Braun, Hubert von Meyerinck | BRD | 90 min | 1:1,66 | f | 26. April 1968
R Alfred Vohrer B Ladislas Fodor V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Siw Mattson, Wolfgang Kieling, Pinkas Braun, Hubert von Meyerinck | BRD | 90 min | 1:1,66 | f | 26. April 1968
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Vohrer
18.1.68
Der Hund von Blackwood Castle (Alfred Vohrer, 1968)
Eine filmische Ode an die Berliner Pfaueninsel: das »preußische Paradies« als englische Idealszenerie und adäquate Edgar-Wallace-Kulisse. Inmitten der herbstlich-idyllischen Parklandschaft, zwischen nebligem Gehölz und hungrigem Sumpf, geschehen gräßliche Dinge: Diverse Spaziergänger (allesamt Gäste des rustikalen, von Lady Agathy Beverton (Agnes Windeck) (groß-)mütterlich geleiteten Gasthofes »Old Inn«) sterben an den Bissen einer mordgierigen Bestie. Zentrum des Schreckens: Blackwood Castle, das vom kürzlich verstorbenen Schloßherrn seiner lange negierten Tochter (Karin Baal) vermacht wurde. Nach dem Tod des Besitzers wird der alte, spinnverwebte Kasten unversehens von einer Schar zwielichtiger Interessenten (Hans Söhnker, Heinz Drache, Horst Tappert und andere) umlagert, die hinter den morschen Mauern schlummernde Reichtümer vermuten … Alfred Vohrer arrangiert ein gewitztes Katz-und-Maus-, besser gesagt: Hund-und-Mensch-Spiel, verrührt die hergebrachten Zutaten der Endlosserie zu einer amüsanten Thrillerfarce, antwortet auf jede Sinnfrage mit einem billigen Schaueffekt. Den Fall, der deutliche Anleihen bei Arthur Conan Doyles »The Hound of the Baskervilles« und bei Stanley Donens »Charade« nimmt, untersucht Scotland-Yard-Chef Sir John (Siegfried Schürenberg) höchstpersönlich, assistiert von seiner pfiffigen Assistentin Miss Finley (Ilse Pagé) – die Ermittler stoßen unter anderem auf einen gepolsterten Sarg für lebende Tote und Schachfiguren, die als Fernsteuerung dienen, auf schatzhütende Schlangen und einen ausgestopften Bären mit Funkanschluß …
R Alfred Vohrer B Axel Berg (= Herbert Reinecker) V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Heinz Drache, Horst Tappert, Karin Baal, Agnes Windeck, Siegfried Schürenberg | BRD | 92 min | 1:1,66 | f | 18. Januar 1968
R Alfred Vohrer B Axel Berg (= Herbert Reinecker) V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Heinz Drache, Horst Tappert, Karin Baal, Agnes Windeck, Siegfried Schürenberg | BRD | 92 min | 1:1,66 | f | 18. Januar 1968
11.8.67
Der Mönch mit der Peitsche (Alfred Vohrer, 1967)
Der »Mönch« des Titels sieht aus wie ein spanischer Spitzhaubenbüßer in blutroter Kutte; mit ihrer weißen Peitsche würgt die fotogene Spukgestalt diverse Opfer zu Tode. Andere Figuren dieser Edgar-Wallace-Scharteke sterben durch ein gasförmiges Gift, das den Betroffenen entweder direkt ins überraschte Gesicht geblasen wird oder aber unerwartet aus einem Gebetsbuch aufsteigt. So enthusiastisch er in ausgeklügelten Meucheltechniken und schreienden Farben (Kamera: Karl Löb) schwelgt, so virtuos er ein neogotisches Mädchenpensionat und ein modernes Hallenbad oder eine pompöse Villenruine und ein unterirdisches Aquarium samt Krokodilhalle zu surrealen Architekturbastarden verkreuzt, so energisch treibt Alfred Vohrer die Akteure – neben den üblichen Verdächtigen (Fuchsberger und Schürenberg, Glas und Böttcher) auch Tilly Lauenstein (als Heimleiterin mit verborgenen Talenten) und Günter Meisner (als diskreter Chauffeur des Todes) – durch die (geläufig-abstruse Erbschafts-)Fabel bis zur (lachhaften Kaninchen-aus-dem-Zylinder-)Auflösung. Style over substance? Eher chic without content. Mit anderen Worten: bloody charming.
R Alfred Vohrer B Axel Berg (= Herbert Reinecker) V Edgar Wallace K Karl Löb M Martin Böttcher A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Uschi Glas, Tilly Lauenstein, Konrad Georg, Siegfried Schürenberg | BRD | 88 min | 1:1,66 | f | 11. August 1967
R Alfred Vohrer B Axel Berg (= Herbert Reinecker) V Edgar Wallace K Karl Löb M Martin Böttcher A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Uschi Glas, Tilly Lauenstein, Konrad Georg, Siegfried Schürenberg | BRD | 88 min | 1:1,66 | f | 11. August 1967
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26.4.67
Die blaue Hand (Alfred Vohrer, 1967)
Das Irrenhaus und der Familiensitz – zwei Horte des Wahnsinns. Alfred Vohrer macht zwischen den beiden Spielorten des Films sinnigerweise kaum einen Unterschied: hier Keller und Verliese, dort Geheimgänge und Gruften, überall Ratten und Gier, Schlangen und Mord. Passend zu den spiegelbildlichen Schauplätzen des Stücks: die Doppelrolle von Klaus Kinski. David und Richard sind Zwillingsbrüder – der eine angeblich geistesgestört, aber vollkommen klar im Kopf, der andere vermeintlich normal, doch was heißt das schon? Die Story kreist (wie in sämtlichen synthetisch-lebensnahen bundesdeutschen Horrorkomödien nach Edgar Wallace) um den Treibstoff allen Handelns: So verrückt, daß er (oder sie) den Wert des Geldes nicht mehr begriffe, ist niemand, nicht der hinterlistige Anwalt, nicht der undurchsichtige Butler, nicht der Psychiater mit dem Monokel, nicht die Lady im Ozelotmantel, schon gar nicht der anonyme Mann im Hintergrund, dessen eisige Stimme die lukrativen Verbrechen befiehlt.
R Alfred Vohrer B Axel Berg (= Herbert Reinecker) V Edgar Wallace K Ernst W. Kalinke M Martin Böttcher A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Klaus Kinski, Harald Leipnitz, Siegfried Schürenberg, Carl Lange, Ilse Steppat | BRD | 87 min | 1:1,66 | f | 26. April 1967
# 799 | 15. November 2013
R Alfred Vohrer B Axel Berg (= Herbert Reinecker) V Edgar Wallace K Ernst W. Kalinke M Martin Böttcher A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Klaus Kinski, Harald Leipnitz, Siegfried Schürenberg, Carl Lange, Ilse Steppat | BRD | 87 min | 1:1,66 | f | 26. April 1967
# 799 | 15. November 2013
6.9.66
Der Bucklige von Soho (Alfred Vohrer, 1966)
Die erste farbige Edgar-Wallace-Adaption, ein Werk des Übergangs – Regisseur Alfred Vohrer testet die neuen Möglichkeiten eher zurückhaltend aus. Das forcierte Helldunkel, das die Bildinszenierungen der Krimi-Reihe bislang beherrschte, findet (noch) keine Entsprechung in der Kolorierung des Schurkenstücks: Orte des Schreckens, wie eine (un-)heimliche Folter-Waschküche, ein intriganter Mädchenschlafsaal oder ein kombinierter Spiel- und Sexclub, zeigen sich in kühlen Grau-, Beige- oder Falschgoldtönen. Auch die Themenwahl verspricht kaum Überraschungen: verfolgte Unschuld und eine satte Erbschaft, ein familiäres Doppelspiel und fiese Verbrechen hinter der (Papp-)Fassade von (christlich verbrämter) Wohlanständigkeit. Einen Coup landet Vohrer allerdings in Fragen der Besetzung: Neben Darstellern, denen die Gemeinheit auf der Stirn geschrieben steht (Pinkas Braun, Hilde Sessak, Gisela Uhlen), verleihen zwei immerkomische Alte und eine ewige Witzfigur dem abgrundtief Bösen ein vertraut lächelndes Gesicht.
R Alfred Vohrer B Herbert Reinecker V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Susanne Paschen P Horst Wendlandt D Günther Stoll, Eddi Arent, Monika Peitsch, Pinkas Braun, Siegfried Schürenberg | BRD | 89 min | 1:1,66 | f | 6. September 1966
# 795 | 10. November 2013
R Alfred Vohrer B Herbert Reinecker V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Susanne Paschen P Horst Wendlandt D Günther Stoll, Eddi Arent, Monika Peitsch, Pinkas Braun, Siegfried Schürenberg | BRD | 89 min | 1:1,66 | f | 6. September 1966
# 795 | 10. November 2013
17.12.65
Der unheimliche Mönch (Harald Reinl, 1965)
»Er war ein Verbrecher, aber er muß sie sehr geliebt haben.« Ein Schloß des Schreckens und eine Familie im Streit, ein verschwundenes Testament und eine hübsche Erbin in Gefahr, ein Unschuldiger im Gefängnis und ein Kuttenträger mit Peitsche, ein allzu serviler Diener und ein schrulliger Künstler im Turmstübchen, nebelige Nächte und trübe Tage, ungezügelte Triebe und verirrte Gefühle, Mädchenhandel und Totenmasken, Brieftauben und Fallgruben, Schrottplätze und Windmühlen, böse Onkels und schleimige Vettern, zufällig verbundene Handlungsstränge und ein Täter aus dem Hut. Fast scheint es, als wolle Harald Reinl mit seinem fünften Beitrag zu Reihe ein definitives Edgar-Wallace-Kompendium schaffen. Der Mörder trägt passenderweise den unscheinbarsten Rollennamen, und eine küchenpsycholgische Erläuterung der Motivation seines destruktiven Verhaltens gibt es auch: »Er muß in seiner Jugend einmal sehr enttäuscht worden sein. So empfand er nur Haß und Rache gegen alles Weibliche. Daher auch die symbolhafte Verkleidung als Mönch.« Danke, Dr. Reinl.
R Harald Reinl B J. Joachim Bartsch, Fred Denger V Edgar Wallace K Ernst W. Kalinke M Peter Thomas A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Harald Leipnitz, Karin Dor, Eddi Arent, Siegfried Schürenberg, Ilse Steppat | BRD | 85 min | 1:1,66 | sw | 17. Dezember 1965
# 796 | 11. November 2013
R Harald Reinl B J. Joachim Bartsch, Fred Denger V Edgar Wallace K Ernst W. Kalinke M Peter Thomas A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Harald Leipnitz, Karin Dor, Eddi Arent, Siegfried Schürenberg, Ilse Steppat | BRD | 85 min | 1:1,66 | sw | 17. Dezember 1965
# 796 | 11. November 2013
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4.6.65
Neues vom Hexer (Alfred Vohrer, 1965)
Mit einiger Chuzpe hängt sich die Fortsetzung ans Original. Die Figur des ›Hexers‹ und ihre Abrechnungsmission tun bei Lichte besehen überhaupt nichts zur Sache. Der Rächer wird lediglich von einem Meuchelmörder ins Spiel gebracht, um die Ermittler auf den Holzweg zu locken. Der solchermaßen Mißbrauchte sieht sich genötigt, höchstselbst (das heißt: mannigfaltig maskiert) in die polizeiliche Untersuchung einzugreifen, um seine Person von falschem Verdacht reinzuwaschen. Die eigentliche Fabel kreist, wie fast immer bei Edgar Wallace, um ein stattliches Erbe, in dessen freudiger Erwartung peu à peu eine desolate Familie ausgelöscht wird: Der Dämon des Geldes frißt seine gierigen Kinder … Nach dem recht trockenen Vorgänger nutzt Alfred Vohrer die quatschige Intrige diesmal, um Inhalts- und Formschablonen spöttisch als solche kenntlich zu machen: So darf beispielsweise Klaus Kinski (als sinistrer Butler der hochwohlgeborenen Bagage) gleich zu Beginn des Films in einem Sarg probeschlafen und später wiederholt für Unbehagen sorgen, indem er die ätherische Harfe zupft. Die Auflösung des Falles wird schließlich an gebührend langen Haaren aus der dunklen Vergangenheit der verdammten Sippschaft herbeigezogen.
R Alfred Vohrer B Herbert Reinecker V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Walter Kutz, Wilhelm Vorweg S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Heinz Drache, Barbara Rütting, Brigitte Horney, Klaus Kinski, Siegfried Schürenberg | BRD | 95 min | 1:1,66 | sw | 4. Juni 1965
R Alfred Vohrer B Herbert Reinecker V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Walter Kutz, Wilhelm Vorweg S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Heinz Drache, Barbara Rütting, Brigitte Horney, Klaus Kinski, Siegfried Schürenberg | BRD | 95 min | 1:1,66 | sw | 4. Juni 1965
18.12.64
Das Verrätertor (Freddie Francis, 1964)
Ein trockenes heist movie, das sich von den üblichen Manierismen der Edgar-Wallace-Reihe bewußt absetzt. Zwar gibt Klaus Kinski einen preziösen Killer, zwar darf Eddi Arent als deutscher Tourist in London seinen Schabernack treiben, doch verzichtet die deutsch-britische Koproduktion gänzlich auf familiäre Intrigen, auf Erbinnen in Not, auf persönlich engagierte Inspektoren: Im Zentrum stehen die Aktivitäten einer hochorganisierten Bande, die sich unter Führung eines ehrenwerten Geschäftsmannes (Albert Lieven) anschickt, die Kronjuwelen ihrer Majestät zu stehlen. Die professionell coole Inszenierung von Freddie Francis (einem maßgeblichen Bildgestalter des Free Cinema) lädt nicht zur Identifikation mit Tätern oder Ermittlern ein; die Kamera (geführt von Denys Coop, einem weiteren Wegbereiter des kitchen sink realism der früher 1960er Jahre) beobachtet reserviert die Mechanik der minutiös geplanten Abläufe. Aufgrund seiner visuellen Qualitäten entwickelt »Das Verrätertor« spröde B-Film-Eleganz, auch wenn die Dramatik rein äußerlich, die Story sichtbar konstruiert, die Figuren gänzlich schablonenhaft bleiben und der Wechsel der erzählerischen Tonlagen gelegentlich eher atmosphärischen Dissonanzen als Spannung erzeugt.
R Freddie Francis B John Sansom (= Jimmy Sangster) V Edgar Wallace K Denys Coop M Peter Thomas A Tony Inglis S Oswald Hafenrichter P Horst Wendlandt D Albert Lieven, Margot Trooger, Gary Raymond, Eddi Arent, Klaus Kinski | BRD & UK | 87 min | 1:1,66 | sw | 18. Dezember 1964
# 821 | 4. Januar 2014
R Freddie Francis B John Sansom (= Jimmy Sangster) V Edgar Wallace K Denys Coop M Peter Thomas A Tony Inglis S Oswald Hafenrichter P Horst Wendlandt D Albert Lieven, Margot Trooger, Gary Raymond, Eddi Arent, Klaus Kinski | BRD & UK | 87 min | 1:1,66 | sw | 18. Dezember 1964
# 821 | 4. Januar 2014
21.8.64
Der Hexer (Alfred Vohrer, 1964)
Von Alfred Vohrer routiniert durchgeführte, aber weitgehend schwunglose Edgar-Wallace-Adaption um Rache, Recht und Richten. Im Gegensatz zu anderen Filmen der Reihe steht nicht die Ermittlung eines Mörders im Zentrum des undurchsichtigen Geschehens sondern die Frage nach der Identität des geheimnisvollen, ›Hexer‹ genannten, Vergelters Arthur Milton, der verwirrende Spiele mit Masken treibt und unter den Augen der Polizei ein Netzwerk schändlicher älterer Herren – allen voran der feiste Jochen Brockmann als Anwalt Maurice Messer (!) – für böse Taten zur tödlichen Rechenschaft zieht … Daß »Der Hexer« keinen subtilen Diskurs über Selbstjustiz führt, liegt in der Natur eines parodistischen Kriminalfilmes, dennoch hätten das Thema und vor allem die originelle Anlage der Erzählung mehr erlaubt, als ab und zu ein selbstreferentielles Mätzchen zu machen (der ›Hexer‹ liest den Roman »Der Hexer«, um sich über den Fortgang der Handlung zu orientieren), ansonsten aber aufs Neue (respektive: aufs Alte) die restlos bekannten Gestaltungsklischees abzuspulen.
R Alfred Vohrer B Herbert Reinecker V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Walter Kutz, Wilhelm Vorweg S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Heinz Drache, Margot Trooger, Siegfried Lowitz, Siegfried Schürenberg | BRD | 85 min | 1:2,35 | sw | 21. August 1964
R Alfred Vohrer B Herbert Reinecker V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Walter Kutz, Wilhelm Vorweg S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Heinz Drache, Margot Trooger, Siegfried Lowitz, Siegfried Schürenberg | BRD | 85 min | 1:2,35 | sw | 21. August 1964
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30.4.64
Die Gruft mit dem Rätselschloß (Franz Josef Gottlieb, 1964)
Eine junge Australierin wird nach London geladen, um das Erbe jenes Mannes anzutreten, der einst ihren Vater ruinierte und in den Selbstmord trieb. Es ist das schlechte Gewissen, das den greisen Mr. Real (Rudolf Forster) dazu veranlaßt, sein an manipulierten Spieltischen erworbenes Vermögen in unschuldige Hände zu geben. Der (Pest-)Geruch des Geldes lockt freilich auch andere: die ehemaligen Komplizen des Alten, die sich von ihrem früheren Chef übervorteilt fühlen … Verhängnisvolle Maschinerien stehen im Mittelpunkt des Films (und des (begrenzten) gestalterischen Interesses von Regisseur Franz Josef Gottlieb): das menschenfressende Mahlwerk einer Windmühle sowie ein unterirdischer Safe in Gestalt eines gigantischen Spielautomaten, der für die habgierigen Zocker allerlei tödliche Überraschungen bereithält. Der rettende Scotland-Yard-Inspektor spielt in diesem (erzählerisch eher inkonsequenten) Edgar-Wallace-Jeu ausnahmsweise nur eine Nebenrolle; zu dieser Besonderheit paßt die Figur des charmant-zwielichtigen Protagonisten (Harald Leipnitz), der schließlich – im Konflikt zwischen erotischen und pekuniären Ambitionen – seinen Einsatz verspielt.
R Franz Josef Gottlieb B Robert A. Stemmle, Franz Josef Gottlieb V Edgar Wallace K Richard Angst M Peter Thomas A Wilhelm Vorweg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Harald Leipnitz, Judith Dornys, Eddi Arent, Rudolf Forster, Werner Peters, Klaus Kinski | BRD | 89 min | 1:2,35 | sw | 30. April 1964
# 980 | 23. November 2015
R Franz Josef Gottlieb B Robert A. Stemmle, Franz Josef Gottlieb V Edgar Wallace K Richard Angst M Peter Thomas A Wilhelm Vorweg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Harald Leipnitz, Judith Dornys, Eddi Arent, Rudolf Forster, Werner Peters, Klaus Kinski | BRD | 89 min | 1:2,35 | sw | 30. April 1964
# 980 | 23. November 2015
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20.2.64
Zimmer 13 (Harald Reinl, 1964)
Mit tagesaktueller Behendigkeit strickt Autor Quentin Philips (der im wirklichen Leben Will Tremper heißt und als großschnauziger Boulevardreporter sowie flotter Autorenfilmer seine Meriten verdiente) den berühmten Postzugraub vom August 1963 in die Edgar-Wallace-Plotte um eine Serie von Rasiermessermorden an hübschen jungen Damen. Obwohl abermals ein dunkles Familiengeheimnis seine noch dunkleren Schatten wirft, fällt »Zimmer 13« in mehr als einer Hinsicht (durchaus vorteilhaft) aus dem starren Rahmen der Reihe: Der Tonfall ist verhältnismäßig rough, die Handlung relativ nachvollziehbar, Eddi Arent halbwegs ernstzunehmen. Zudem überrascht Regisseur Harald Reinl mit einem vergleichsweise hohen body count und einer kriminalistischen Auflösung, die den männlichen Helden am Ende ohne weibliche Begleitung dastehen läßt.
R Harald Reinl B Quentin Philips (= Will Tremper) V Edgar Wallace K Ernst W. Kalinke M Peter Thomas A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Richard Häußler, Walter Rilla, Eddi Arent | D & F | 89 min | 1:2,35 | f | 20. Februar 1964
R Harald Reinl B Quentin Philips (= Will Tremper) V Edgar Wallace K Ernst W. Kalinke M Peter Thomas A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Richard Häußler, Walter Rilla, Eddi Arent | D & F | 89 min | 1:2,35 | f | 20. Februar 1964
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Reinl,
Tremper
13.9.63
Das indische Tuch (Alfred Vohrer, 1963)
Edgar Wallace bittet zehn kleine Negerlein zur geschlossenen Gesellschaft: Nach dem gewaltsamen Tod des Familienoberhauptes reist die liebe Verwandtschaft zur Testamentseröffnung aufs Stammschloß, um dortselbst zu erfahren, daß erst dann geerbt wird, wenn es alle Hinterbliebenen eine Woche lang miteinander ausgehalten haben … Wie zu erwarten, stirbt einer nach dem anderen (per Würgetuch), wobei – mangels gelungener Typisierung der Opfer – schon bald das Interesse an Fortgang und Auflösung des bühnenhaft-mörderischen Geschehens erlischt. Einzig Elisabeth Flickenschildt und Hans Clarin (als gebieterische Übermutter und wahnsinnig begnadeter Sohn) entwickeln aus der ödipalen Konstellation ihrer Rollen so etwas wie Charakter, während der Rest der Truppe (unter anderem Arent, Berber, Drache, Kinski, Schürenberg) inklusive Regisseur Alfred Vohrer serienmäßiges business as usual betreibt.
R Alfred Vohrer B Georg Hurdalek, Harald G. Petersson V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Wilhelm Vorweg, Walter Kurz S Hermann Haller P Horst Wendlandt D Heinz Drache, Elisabeth Flickenschildt, Eddi Arent, Hans Clarin, Klaus Kinski | BRD | 86 min | 1:2,35 | sw | 13. September 1963
R Alfred Vohrer B Georg Hurdalek, Harald G. Petersson V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Wilhelm Vorweg, Walter Kurz S Hermann Haller P Horst Wendlandt D Heinz Drache, Elisabeth Flickenschildt, Eddi Arent, Hans Clarin, Klaus Kinski | BRD | 86 min | 1:2,35 | sw | 13. September 1963
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Kinski,
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Schloß,
Vohrer
5.7.63
Der schwarze Abt (Franz Josef Gottlieb, 1963)
Nebelhafter Edgar-Wallace-Mummenschanz ohne viel Sinn und mit noch weniger Verstand: ein Schloß im englischen Irgendwo, ein spleeniger Lord (der 18. (und wohl letzte) seines degenerierten Stammes), ein mythischer Schatz, hinter dem alle her sind. Die Zwangslagen, Intrigen, Begierden der miteinander ungut verstrickten Beteiligten überlagern, kreuzen, hintertreiben sich, ohne daß Regisseur Franz Josef Gottlieb daraus viel Spannungskapital zu schlagen vermöchte; unter der Kutte des »schwarzen Abtes« verbirgt sich mal dieser, mal jener; am Ende sind, bis auf das glücklich vereinte Paar (Joachim Fuchsberger & Grit Boettcher) und die Ermittler (Charles Regnier & Eddi Arent), alle über die Klinge einer wirren Dramaturgie gesprungen, und das begehrte Gold begräbt seinen beharrlichsten Sucher. Die Abwesenheit von erzählerischer Prägnanz wird freilich als Spielraum für das eine oder andere schauspielerische Kabinettstückchen genutzt – etwa von Werner Peters (als liebestoll-entschlossener Fettwanst), vor allem aber von Dieter Borsche, der den unbeirrbaren Weg eines (aristokratischen) Fanatikers in den Wahnsinn mit Lust und Verve gestaltet.
R Franz Josef Gottlieb B Johannes Kai, Franz Josef Gottlieb V Edgar Wallace K Richard Angst M Martin Böttcher A Wilhelm Vorweg, Walter Kutz S Hermann Haller P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Dieter Borsche, Grit Boettcher, Werner Peters, Charles Regnier | BRD | 88 min | 1:2,35 | sw | 5. Juli 1963
R Franz Josef Gottlieb B Johannes Kai, Franz Josef Gottlieb V Edgar Wallace K Richard Angst M Martin Böttcher A Wilhelm Vorweg, Walter Kutz S Hermann Haller P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Dieter Borsche, Grit Boettcher, Werner Peters, Charles Regnier | BRD | 88 min | 1:2,35 | sw | 5. Juli 1963
26.4.63
Der Zinker (Alfred Vohrer, 1963)
»CinemaScope«, so Regielegende Fritz Lang in Jean-Luc Godards Film-Film »Le mépris«, »ist nichts für menschliche Wesen, es ist nur gut für Schlangen und Begräbnisse.« Mit anderen Worten: Breitwand ist das perfekte Format für einen Edgar-Wallace-Reißer, durch den sich eine Schwarze Mamba schlängelt, deren Gift zahlreiche Herrschaften vom Leben zum Tode befördert. Ansonsten bieten die wohlkomponierten Bilder von Karl Löb viel Raum für Kinskis Wahnsinn, für Arents Possen, für Draches eckige Bewegungen, für Schürenbergs exaltierten Dünkel – vor allem aber für die prächtige Performance von Agnes Windeck, dieser liebenswürdigsten aller komischen Alten des bundesdeutschen Films, die wie keine andere ein nicht existentes Orchester zu dirigieren versteht. Alfred Vohrer inszeniert den Fall des geheimnisvoll hinter den Gittern einer Raubtierhandlung wirkenden erpresserischen Absahners fachmäßig mit der serientypischen grob-ironischen Munterkeit. PS: Der Butler ist nicht der Mörder (und somit auch nicht »Der Zinker«).
R Alfred Vohrer B Harald G. Petersson V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Herbert Kirchhoff, Walter Kutz S Hermann Haller P Horst Wendlandt, Jacques Willemetz D Heinz Drache, Barbara Rütting, Günter Pfitzmann, Eddi Arent, Agnes Windeck | BRD & F | 89 min | 1:2,35 | sw | 26. April 1963
R Alfred Vohrer B Harald G. Petersson V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Herbert Kirchhoff, Walter Kutz S Hermann Haller P Horst Wendlandt, Jacques Willemetz D Heinz Drache, Barbara Rütting, Günter Pfitzmann, Eddi Arent, Agnes Windeck | BRD & F | 89 min | 1:2,35 | sw | 26. April 1963
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