15.8.61

Der Fälscher von London (Harald Reinl, 1961)

Ein überraschend trockener Edgar-Wallace-Film fast ohne Auftritte von Witzfiguren (Eddi Arent spukt nur zweimal kurz herein): Regisseur Harald Reinl und Autor Johannes Kai ent- bzw. verwickeln eine der gewohnten Familienintrigen mit den bekannten Hinterzimmern und den vertrauten Mordfällen, interessieren sich aber weniger für das »Wer war’s?« als vielmehr für die ironische Enthüllung von Charaktermasken, für gewiefte Doppelspiele und grelle Spiegelungen, die sich insbesondere in der rätselhaft gespaltenen (und rätselhaft reichen) Hauptfigur Peter Clifton (verstört: Hellmut »Scarface« Lange) verkörpern. Auch der biedere Onkel (Walter Rilla), der weltläufige Nervenarzt (Viktor de Kowa) sowie der eifrige Inspektor (Ulrich Beiger) erweisen sich jeweils als Rückseite ihrer eigenen Medaille. Die Ambivalenzen setzen sich fort in den Personen des jovialen Chefermittlers (Siegfried Lowitz), der zur Wahrheitsfindung in großen Mengen Beweise beiseiteschafft, und einer Ehefrau (Karin Dor), die hinter vormaliger Berechnung die wahre Liebe findet. Ein feiner, kleiner Versuch über die Lüge des Anscheins, über verschobene Schuld und konstruierten Wahnsinn.

R Harald Reinl B Johannes Kai V Edgar Wallace K Karl Löb M Martin Böttcher A Matthias Matthies S Hermann Ludwig P Horst Wendlandt D Karin Dor, Hellmut Lange, Siegfried Lowitz, Viktor de Kowa, Walter Rilla | BRD | 93 min | 1:1,66 | sw | 15. August 1961

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