Schwarzer Engel
»How did she die?« – »I killed her.« Ein Mann (Cliff Robertson) verliert, vermeintlich durch eigenes Zutun, seine Frau (Geneviève Bujold) an das Reich der Toten und fällt in einen Zustand emotionaler Lähmung; Jahre später trifft er auf ein Ebenbild der schmerzlich Entbehrten und begreift die Begegnung als zweite Chance, den Beweis seiner Liebe zu erbringen ... »What was she like?« – »She was very much like you.« Brian De Palma ist vielleicht der einzige Filmregisseur, der Epigonentum »groß« denkt, um es zu einer originären Kunstform mit eigenständiger ästhetischer Qualität zu entwickeln. In diesem Sinne gelingt es ihm (und seinem Autor Paul Schrader), mit der schwülen Phantasie über ein Thema von Alfred Hitchcock (beinahe) originaler zu wirken als das Original ... »How was it, Court?« – »The same.« (Fast) alles, was »Vertigo« ausmacht, findet sich potenziert in »Obsession«: das Doppelgängermotiv, das Drama eines schuldbehafteten Verlustes, die Gefangenschaft in der Depression, die traumartigen Erinnerungen, die Ab- und Überlagerungen der Zeit – die Kamerafahrten sind noch schwebender, das Licht schimmert noch milchiger, Bernard Herrmanns Score klingt noch herrmannesker. Abklatsch oder Pastiche, Hommage oder Travestie? Whatever. PS: Der Film trug passenderweise den Arbeitstitel »Déjà-vu«.
R Brian De Palma B Paul Schrader K Vilmos Zsigmond M Bernard Herrmann A Jack Senter S Paul Hirsch P Harry N. Blum, George Litto D Cliff Robertson, Geneviève Bujold, John Lithgow, Wanda Blackman, Sylvia Kuumba Williams | USA | 98 min | 1:2,35 | f | 1. August 1976
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1.8.76
Obsession (Brian De Palma, 1976)
27.6.73
Live and Let Die (Guy Hamilton, 1973)
James Bond 007 – Leben und sterben lassen
In seinem ersten Auftritt als Bond, James Bond verschlägt es Moore, Roger Moore nach Harlem, New Orleans und (mal wieder) in die Karibik. Auf der Jagd nach dem Superschurken Mr. Big (dessen zweites Ich Dr. Kananga als UN-Botschafter des Inselstaates San Monique (die heilige Monika: Schutzpatronin der Mütter, Frauen und somit auch Bondgirls) fungiert), gerät der britische Geheimagent in einen handfesten Blaxploitation-Voodoo-Zauber auf dem Subtilitätsniveau von »Tim im Kongo«. Nach der herrlich übergeschnappten Las-Vegas-Burlesque »Diamonds Are Forever« zügelt Guy Hamilton seinen Erfindungsreichtum und erdet das 007-Abenteuer durch Konzentration auf das (natürlich ironische) Zelebrieren der physischen Unwiderstehlichkeit des Protagonisten sowie auf die Inszenierung einiger wirkungsvoller Actionsequenzen (Höhepunkt: eine Speedboot-Verfolgungsjagd im Mississippi-Delta). Dazu paßt, daß sich Mr. Dr. Big Kananga (Yaphet Kotto) letztlich nicht als irrsinniger Welteroberer sondern nur als aufgeblasener Drogenbaron mit Tarot-Macke erweist.
R Guy Hamilton B Tom Mankiewicz V Ian Fleming K Ted Moore M George Martin A Syd Cain S Bert Bates, Raymond Poulton, John Shirley P Albert R. Broccoli, Harry Saltzman D Roger Moore, Yaphet Kotto, Jane Semour, Clifton James, Julius Harris | UK | 121 min | 1:1,66 | f | 27. Juni 1973
# 981 | 3. Dezember 2015
In seinem ersten Auftritt als Bond, James Bond verschlägt es Moore, Roger Moore nach Harlem, New Orleans und (mal wieder) in die Karibik. Auf der Jagd nach dem Superschurken Mr. Big (dessen zweites Ich Dr. Kananga als UN-Botschafter des Inselstaates San Monique (die heilige Monika: Schutzpatronin der Mütter, Frauen und somit auch Bondgirls) fungiert), gerät der britische Geheimagent in einen handfesten Blaxploitation-Voodoo-Zauber auf dem Subtilitätsniveau von »Tim im Kongo«. Nach der herrlich übergeschnappten Las-Vegas-Burlesque »Diamonds Are Forever« zügelt Guy Hamilton seinen Erfindungsreichtum und erdet das 007-Abenteuer durch Konzentration auf das (natürlich ironische) Zelebrieren der physischen Unwiderstehlichkeit des Protagonisten sowie auf die Inszenierung einiger wirkungsvoller Actionsequenzen (Höhepunkt: eine Speedboot-Verfolgungsjagd im Mississippi-Delta). Dazu paßt, daß sich Mr. Dr. Big Kananga (Yaphet Kotto) letztlich nicht als irrsinniger Welteroberer sondern nur als aufgeblasener Drogenbaron mit Tarot-Macke erweist.
R Guy Hamilton B Tom Mankiewicz V Ian Fleming K Ted Moore M George Martin A Syd Cain S Bert Bates, Raymond Poulton, John Shirley P Albert R. Broccoli, Harry Saltzman D Roger Moore, Yaphet Kotto, Jane Semour, Clifton James, Julius Harris | UK | 121 min | 1:1,66 | f | 27. Juni 1973
# 981 | 3. Dezember 2015
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25.9.63
L’aîné des Ferchaux (Jean-Pierre Melville, 1963)
Die Millionen eines Gehetzten
Es gebe drei Sorten von Menschen, behauptet Dieudonné Ferchaux (Charles Vanel): Leoparden, Schafe und Schakale. Der reiche Pariser Geschäftsmann (der wegen Ermittlungen in einer uralten Mordsache überstürzt in Richtung Amerika – und seiner dortigen Bankguthaben – abreist) läßt keinen Zweifel daran, zu welcher Gruppe er sich zählt. Doch was für einer ist der ehemalige Fallschirmspringer Michel Maudet (Jean-Paul Belmondo), der (nach einer glücklos beendeten Boxkarriere) als Sekretär und Begleiter des knorrigen alten Herrn anheuert? Zwar geht es in Jean-Pierre Melvilles Adaption eines Romans von Georges Simenon auch um (viel) Geld und die damit verbundenen Begehrlichkeiten, doch mehr als die kriminalistischen Aspekte des Stoffes interessieren den Regisseur die spannungsvolle intergenerationelle Beziehung zwischen den beiden Protagonisten, deren Kräfteverhältnis sich im Laufe ihrer Bekanntschaft peu à peu verschiebt, sowie die Entdeckungen, Zwischenfälle, Begegnungen am Wegesrand der Reise, die von New York entlang der Appalachen ins schwüle New Orleans führt: das Geburtshaus von Frank Sinatra, eine beiläufige Kneipenschlägerei, der Auftritt (und Abgang) einer kessen Anhalterin. So verbindet Melville gleichsam en passant mood piece, road movie und love story zur Geschichte einer (doppelten) Desillusionierung.
R Jean-Pierre Melville B Jean-Pierre Melville V Georges Simenon K Henri Decaë M Georges Delerue A Daniel Guéret S Monique Bonnot P Charles Lumbroso D Jean-Paul Belmondo, Charles Vanel, Todd Martin, Michèle Mercier, Stefania Sandrelli | F & I | 105 min | 1:2,35 | f | 25. September 1963
# 1129 | 23. Juni 2018
Es gebe drei Sorten von Menschen, behauptet Dieudonné Ferchaux (Charles Vanel): Leoparden, Schafe und Schakale. Der reiche Pariser Geschäftsmann (der wegen Ermittlungen in einer uralten Mordsache überstürzt in Richtung Amerika – und seiner dortigen Bankguthaben – abreist) läßt keinen Zweifel daran, zu welcher Gruppe er sich zählt. Doch was für einer ist der ehemalige Fallschirmspringer Michel Maudet (Jean-Paul Belmondo), der (nach einer glücklos beendeten Boxkarriere) als Sekretär und Begleiter des knorrigen alten Herrn anheuert? Zwar geht es in Jean-Pierre Melvilles Adaption eines Romans von Georges Simenon auch um (viel) Geld und die damit verbundenen Begehrlichkeiten, doch mehr als die kriminalistischen Aspekte des Stoffes interessieren den Regisseur die spannungsvolle intergenerationelle Beziehung zwischen den beiden Protagonisten, deren Kräfteverhältnis sich im Laufe ihrer Bekanntschaft peu à peu verschiebt, sowie die Entdeckungen, Zwischenfälle, Begegnungen am Wegesrand der Reise, die von New York entlang der Appalachen ins schwüle New Orleans führt: das Geburtshaus von Frank Sinatra, eine beiläufige Kneipenschlägerei, der Auftritt (und Abgang) einer kessen Anhalterin. So verbindet Melville gleichsam en passant mood piece, road movie und love story zur Geschichte einer (doppelten) Desillusionierung.
R Jean-Pierre Melville B Jean-Pierre Melville V Georges Simenon K Henri Decaë M Georges Delerue A Daniel Guéret S Monique Bonnot P Charles Lumbroso D Jean-Paul Belmondo, Charles Vanel, Todd Martin, Michèle Mercier, Stefania Sandrelli | F & I | 105 min | 1:2,35 | f | 25. September 1963
# 1129 | 23. Juni 2018
9.1.21
The Flame of New Orleans (René Clair, 1941)
Die Abenteurerin
New Orleans, 1840. Ein luxuriöses Brautkleid treibt auf dem Mississippi. Wie kam es dorthin? Und was ist aus der Trägerin geworden? Hat sie wirklich kurz vor der Hochzeit Selbstmord begangen? Mit froufrouesker Ironie erzählt René Clair die Geschichte der angeblichen Gräfin Claire Ledoux, ihrer männerfängerischen Künste und gelegentlichen Ohnmachten. Dazu setzt er Marlene Dietrich, die hinreißende Darstellerin der Titelrolle, in schmeichelndes Licht, hüllt sie in prachtvolle Roben, garniert sie mit der nostalgischen Atmosphäre des amerikanischen Südens – das lasziv-erotische Image der Diva und liebgewordene Klischeebilder vom mythischen Dixie gleichermaßen in parodistischer Absicht genüßlich überzeichnend. Daß die schöne Glücksritterin, die sich einen fürnehm-gichtigen Bankier angeln will, schließlich die Fänge eines kernig-schmucken Seemanns gerät, erscheint als schlüssige (und in jeder Hinsicht befreiende) Pointe dieser augenzwinkernden Romanze.
R René Clair B Norman Krasna K Rudolph Maté M Frank Skinner A Jack Otterson Ko René Hubert S Frank Gross P Joe Pasternak, René Clair D Marlene Dietrich, Bruce Cabot, Roland Young, Mischa Auer, Theresa Harris | USA | 79 min | 1:1,37 | sw | 6. April 1941
# 1205 | 8. Januar 2021
New Orleans, 1840. Ein luxuriöses Brautkleid treibt auf dem Mississippi. Wie kam es dorthin? Und was ist aus der Trägerin geworden? Hat sie wirklich kurz vor der Hochzeit Selbstmord begangen? Mit froufrouesker Ironie erzählt René Clair die Geschichte der angeblichen Gräfin Claire Ledoux, ihrer männerfängerischen Künste und gelegentlichen Ohnmachten. Dazu setzt er Marlene Dietrich, die hinreißende Darstellerin der Titelrolle, in schmeichelndes Licht, hüllt sie in prachtvolle Roben, garniert sie mit der nostalgischen Atmosphäre des amerikanischen Südens – das lasziv-erotische Image der Diva und liebgewordene Klischeebilder vom mythischen Dixie gleichermaßen in parodistischer Absicht genüßlich überzeichnend. Daß die schöne Glücksritterin, die sich einen fürnehm-gichtigen Bankier angeln will, schließlich die Fänge eines kernig-schmucken Seemanns gerät, erscheint als schlüssige (und in jeder Hinsicht befreiende) Pointe dieser augenzwinkernden Romanze.
R René Clair B Norman Krasna K Rudolph Maté M Frank Skinner A Jack Otterson Ko René Hubert S Frank Gross P Joe Pasternak, René Clair D Marlene Dietrich, Bruce Cabot, Roland Young, Mischa Auer, Theresa Harris | USA | 79 min | 1:1,37 | sw | 6. April 1941
# 1205 | 8. Januar 2021
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