Mutter Johanna von den Engeln
»Was sind das – Engel?« Ein einsames Kloster an der Schwelle zwischen Mittelalter und Neuzeit. Die Nonnen sind von Dämonen besessen – Mutter Oberin alleine von acht verschiedenen. Ein vergeistigter Pater, der in seinem obsessiven Drang Gutes zu tun dem Fanatismus der (inneren) Teufel nicht nachsteht, ist die letzte Hoffnung der heimgesuchten Schwestern auf Erlösung von dem Bösen. Doch die Liebe, die er in sich trägt, bringt nichts als Zerstörung … Das kalte Weiß der Nonnengewänder, das tiefe Schwarz der Priestermäntel, das stumpfe Grau der Landschaft und der Gemäuer – Jerzy Kawalerowicz, neben Wajda einer der Heroen der Polnischen Schule, entwirft in kargen grafischen Tableaus (Kamera: Jerzy Wójcik) eine hermetische Welt mit starrem Reglement, das kein Entkommen erlaubt. Die Protagonisten (die den Blick immer wieder direkt an den Zuschauer richten) ringen hilflos um Hingabe, Vernunft und Freiheit, doch sie bleiben gefangen in Furcht, Aberglaube und Repression. »Du gehst im Dunkel, und wie der schwarze Mantel der Nacht ist deine Unwissenheit.«
R Jerzy Kawalerowicz B Jerzy Kawalerowicz, Tadeusz Konwicki K Jerzy Wójcik M Adam Walacinski A Roman Mann, Tadeusz Wybult S Wiesława Otocka P Ludwik Hager D Lucyna Winnicka, Mieczysław Voit, Anna Ciepielewska, Maria Chwalibóg, Kazimierz Fabisiak | PL | 110 min | 1:1,37 | sw | 9. Februar 1961
9.2.61
3.2.61
Der grüne Bogenschütze (Jürgen Roland, 1961)
»Daraus kann man doch keinen Film machen – unmöglich! Ein Mörder mit ’nem Flitzebogen? Absurder Gedanke.« Der (von Eddi Arent in die Kamera gesprochene) erste Satz des Wallace-Films tut ironisch, trifft aber leider den Nagel auf den Kopf: Weder Regisseur (Jürgen Roland) noch Autor (Wolfgang Menge) haben Zielwasser getrunken, und so plätschert »Der grüne Bogenschütze« plan- und spannungslos dahin. Die Story um eine junge Frau (Karin Dor), die auf der Suche nach ihrer verschwundenen Mutter einem ebenso unleid- wie unheimlichen Onkel in die Quere kommt, verwurstelt sich im Gewirr uninteressanter Figuren – lediglich Gert Fröbe fasziniert in der Rolle des vierschrötigen, seelisch gepeinigten Fieslings Abel Bellamy, der wie ein Quasimodo im Nadelstreifen durch das Geschehen stampft.
R Jürgen Roland B Wolfgang Menge, Wolfgang Schnitzler V Edgar Wallace K Heinz Hölscher M Heinz Funk A Mathias Matthies, Ellen Schmidt S Herbert Taschner P Horst Wendlandt D Klausjürgen Wussow, Karin Dor, Gert Fröbe, Eddi Arent, Harry Wüstenhagen | BRD | 93 min | 1:1,66 | sw | 3. Februar 1961
R Jürgen Roland B Wolfgang Menge, Wolfgang Schnitzler V Edgar Wallace K Heinz Hölscher M Heinz Funk A Mathias Matthies, Ellen Schmidt S Herbert Taschner P Horst Wendlandt D Klausjürgen Wussow, Karin Dor, Gert Fröbe, Eddi Arent, Harry Wüstenhagen | BRD | 93 min | 1:1,66 | sw | 3. Februar 1961
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24.1.61
La notte (Michelangelo Antonioni, 1961)
Die Nacht
Über reichverzierten Altbauten erhebt sich ein schlankes Hochhaus. Langsam gleitet die Kamera an der Fassade hinab. Die Scheiben spiegeln die Stadt. In großer Nähe so fern stehen sich das Gestern und das Heute gegenüber. Einige Stunden aus dem Leben des Mailänder Schriftstellers Giovanni und seiner Gattin Lidia (Marcello Mastroianni und Jeanne Moreau) – ein Besuch im Krankenhaus, ein Empfang beim Verleger, ein Ausflug in die Gegend von früher, eine Cocktailstunde im Nachtclub, eine Party bei reichen Leuten, ein Gang durch den Park. Zwischen ihnen nur Reste von Gemeinsamkeit, kaum mehr Erinnerungen, keine Erwartung von Zukunft. Es bleiben kultivierte Entfremdung, gleichgültige Ausbruchsversuche, erschöpftes Nebeneinander. Michelangelo Antonioni betrachtet einen Mann, der schreibt, um nichts sagen zu müssen, eine Frau, die davonläuft, um zu sich zu finden, einen Menschen, der stirbt, ein Mädchen, das spielt, eine Welt, die boomt, eine Gesellschaft, die im Regen verdurstet, eine Ehe, die vom Leben geschieden wird. Ein formvollendet trauriger Film über die Leere der Fülle, über das Alter der Jugend, über den Widerwillen der Liebe, über eine lange Nacht, auf die ein fahler Morgen folgt, über Parallelen, die sich auch im Unendlichen nicht treffen.
R Michelangelo Antonioni B Michelangelo Antonioni, Ennio Flaiano, Tonino Guerra K Gianni Di Venanzo M Giorgio Gaslini A Piero Zuffi S Eraldo Da Roma P Emanuele Cassuto D Marcello Mastroianni, Jeanne Moreau, Monica Vitti, Bernhard Wicki, Rosy Mazzacurati | I & F | 122 min | 1:1,66 | sw | 24. Januar 1961
Über reichverzierten Altbauten erhebt sich ein schlankes Hochhaus. Langsam gleitet die Kamera an der Fassade hinab. Die Scheiben spiegeln die Stadt. In großer Nähe so fern stehen sich das Gestern und das Heute gegenüber. Einige Stunden aus dem Leben des Mailänder Schriftstellers Giovanni und seiner Gattin Lidia (Marcello Mastroianni und Jeanne Moreau) – ein Besuch im Krankenhaus, ein Empfang beim Verleger, ein Ausflug in die Gegend von früher, eine Cocktailstunde im Nachtclub, eine Party bei reichen Leuten, ein Gang durch den Park. Zwischen ihnen nur Reste von Gemeinsamkeit, kaum mehr Erinnerungen, keine Erwartung von Zukunft. Es bleiben kultivierte Entfremdung, gleichgültige Ausbruchsversuche, erschöpftes Nebeneinander. Michelangelo Antonioni betrachtet einen Mann, der schreibt, um nichts sagen zu müssen, eine Frau, die davonläuft, um zu sich zu finden, einen Menschen, der stirbt, ein Mädchen, das spielt, eine Welt, die boomt, eine Gesellschaft, die im Regen verdurstet, eine Ehe, die vom Leben geschieden wird. Ein formvollendet trauriger Film über die Leere der Fülle, über das Alter der Jugend, über den Widerwillen der Liebe, über eine lange Nacht, auf die ein fahler Morgen folgt, über Parallelen, die sich auch im Unendlichen nicht treffen.
R Michelangelo Antonioni B Michelangelo Antonioni, Ennio Flaiano, Tonino Guerra K Gianni Di Venanzo M Giorgio Gaslini A Piero Zuffi S Eraldo Da Roma P Emanuele Cassuto D Marcello Mastroianni, Jeanne Moreau, Monica Vitti, Bernhard Wicki, Rosy Mazzacurati | I & F | 122 min | 1:1,66 | sw | 24. Januar 1961
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20.1.61
Le farceur (Philippe de Broca, 1961)
Wo bleibt die Moral, mein Herr?
Édouard (Jean-Pierre Cassel) flieht fröhlich hüpfend vor dem Ehemann einer Geliebten über die Dächer von Paris und landet erst im Vorgarten, dann im Schlafzimmer von Hélène (Anouk Aimée), der so hinreißenden wie gelangweilten Gattin eines faden Industriellen; sofort glaubt der (an-)mutige Filou – der zusammen mit Onkel, Bruder, Schwägerin, Neffen und (niedlichem) Hausmädchen in einer aus der Gegenwart gefallenen, mit allerhand verschlissenen Kulturgütern und liebenswertem Ramsch vollgestopften Villa Kunterbunt lebt –, in der kapriziösen Schönen die Frau seines Lebens gefunden zu haben … Philippe de Broca läßt in »Le farceur« – halb burleske Romanze, halb sentimentale Posse – die Kulturverschiedenheit zwischen prinzipiell hochgestimmtem Bohèmien und ewig fröstelnder Bourgeoise nur zart anklingen; ihm ist es nicht um Problematisierung von Gefühlen zu tun sondern um das Einhüllen der schnöden Realität in die Zuckerwatte filmischer Illusion: Das Leben als ausgelassenes Spiel von Liebe und Zufall, als Tanz zur Musicbox des Glücks – sollte die Melodie einmal verstummen, so wirft man eine Münze nach, und weiter geht's…
R Philippe de Broca B Philippe de Broca, Daniel Boulanger K Jean Penzer M Georges Delerue A Jacques Saulnier S Laurence Méry P Claude Chabrol, Roland Nonin D Jean-Pierre Cassel, Anouk Aimée, Geneviève Cluny, Georges Wilson, François Maistre | F | 88 min | 1:1,66 | sw | 20. Januar 1961
Édouard (Jean-Pierre Cassel) flieht fröhlich hüpfend vor dem Ehemann einer Geliebten über die Dächer von Paris und landet erst im Vorgarten, dann im Schlafzimmer von Hélène (Anouk Aimée), der so hinreißenden wie gelangweilten Gattin eines faden Industriellen; sofort glaubt der (an-)mutige Filou – der zusammen mit Onkel, Bruder, Schwägerin, Neffen und (niedlichem) Hausmädchen in einer aus der Gegenwart gefallenen, mit allerhand verschlissenen Kulturgütern und liebenswertem Ramsch vollgestopften Villa Kunterbunt lebt –, in der kapriziösen Schönen die Frau seines Lebens gefunden zu haben … Philippe de Broca läßt in »Le farceur« – halb burleske Romanze, halb sentimentale Posse – die Kulturverschiedenheit zwischen prinzipiell hochgestimmtem Bohèmien und ewig fröstelnder Bourgeoise nur zart anklingen; ihm ist es nicht um Problematisierung von Gefühlen zu tun sondern um das Einhüllen der schnöden Realität in die Zuckerwatte filmischer Illusion: Das Leben als ausgelassenes Spiel von Liebe und Zufall, als Tanz zur Musicbox des Glücks – sollte die Melodie einmal verstummen, so wirft man eine Münze nach, und weiter geht's…
R Philippe de Broca B Philippe de Broca, Daniel Boulanger K Jean Penzer M Georges Delerue A Jacques Saulnier S Laurence Méry P Claude Chabrol, Roland Nonin D Jean-Pierre Cassel, Anouk Aimée, Geneviève Cluny, Georges Wilson, François Maistre | F | 88 min | 1:1,66 | sw | 20. Januar 1961
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12.1.61
Steinzeitballade (Ralf Kirsten, 1961)
»Es hat der Krieg nicht nur das Haus zerschlagen, / auch der Verstand war bei den meisten rar.« Berlin, 1946. Die Stadt liegt in Trümmern. Eine Gruppe von Frauen klopft Steine für Bauunternehmer Scharrhahn. Der Boß sieht im Aufbau nur ein weiteres gutes Geschäft, den Trümmerfrauen wird (auch durch Hinweise eines wohlmeinenden SED-Genossen) langsam klar, daß es gilt, eine neue Zeit zu bauen … Nach dem Prinzip des Epischen Theaters unterbrechen immer wieder Songs (getextet von Brecht-Meisterschüler Heinz Kahlau) die Handlung, kommentieren Verhaltensweisen, betonen die Musterhaftigkeit des Geschehens: Unter der selbstgewählten Führung von Betriebsrätin Anna Lubitzke (die dem zugrundeliegenden Roman von Ludwig ›Ein Prolet erzählt‹ Turek den Titel gab) überwinden die Frauen schließlich ihren Eigennutz, üben praktische Solidarität, übernehmen Verantwortung. Ralf Kirsten inszeniert seinen Film als demonstrativ unheroisches Lehrstück über Herausforderungen und Chancen des (individuellen und gesellschaftlichen) Neubeginns: »So stellten wir uns selber auf die Beine. / Zu Anfang kam uns das unmöglich vor.« Über den illusionären Charakter dieses (schein-)emanzipatorischen Aufbruchs, dem die politische Entmündigung auf dem Fuße folgte, schweigt sich »Steinzeitballade« freilich aus.
R Ralf Kirsten B Heinz Kahlau, Ralf Kirsten V Ludwig Turek K Günter Haubold M Wolfgang Lesser A Willy Schiller S Christel Röhl P Alexander Lösche D Gisela Rimpler, Else Grube-Deister, Friedel Nowack, Agnes Kraus, Günter Naumann | DDR | 85 min | 1:1,37 | sw | 12. Januar 1961
R Ralf Kirsten B Heinz Kahlau, Ralf Kirsten V Ludwig Turek K Günter Haubold M Wolfgang Lesser A Willy Schiller S Christel Röhl P Alexander Lösche D Gisela Rimpler, Else Grube-Deister, Friedel Nowack, Agnes Kraus, Günter Naumann | DDR | 85 min | 1:1,37 | sw | 12. Januar 1961
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29.12.60
Silvesterpunsch (Günter Reisch, 1960)
»Wir singen euch das Lied vom Calciumcarbid: Die Welt wird schön wie nie. / Wir zaubern mit Chemie, / denn jetzt wird poly-polymerisiert …« Die Fortsetzung der frühlingshaften Defa-Chemie-Posse »Maibowle« spielt winterlich-verschneit (dabei strikt herzerwärmend) zum Jahreswechsel und muß dramaturgisch (neben dem begeisterten Ausblick aufs Plastikzeitalter) auch noch das sozialistische Programm zur massenhaften Leibesertüchtigung (»Jedermann an jedem Ort – einmal in der Woche Sport!«) angemessen verarbeiten. Im Mittelpunkt steht wiederum die archetypische Arbeiter-Familie Lehmann, deren Sprößlinge zwar leistungsmäßig überzeugen (111%ige Planerfüllung!), aber charakterlich entweder zu sportlich oder zu kulturell geraten sind – am Ende gelingt die Synthese der Extreme in Form einer kunterbunten, wissenschaftlich-technischen Eisrevue, die nur knapp am gehobenen Fortschrittssurrealismus des Queneau-/Resnaisschen Geniestreichs »Le chant du styrène« vorbeischrammt: »Die Mädchen tanzen jetzt Moleküle, vereinen sich dann zu Äthylen, aber alles entscheidend ist die Polymerisation.« Noch Fachfragen?
R Günter Reisch B Marianne Libera, Gerhard Weise K Karl Plintzner M Helmut Nier A Paul Lehmann S Hildegard Conrad P Hans Mahlich D Erich Franz, Friedel Nowack, Erika Dunkelmann, Christel Bodenstein, Ernst-Georg Schwill | DDR | 91 min | 1:1,37 | f | 29. Dezember 1960
R Günter Reisch B Marianne Libera, Gerhard Weise K Karl Plintzner M Helmut Nier A Paul Lehmann S Hildegard Conrad P Hans Mahlich D Erich Franz, Friedel Nowack, Erika Dunkelmann, Christel Bodenstein, Ernst-Georg Schwill | DDR | 91 min | 1:1,37 | f | 29. Dezember 1960
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Reisch,
Sport,
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23.12.60
The Grass Is Greener (Stanley Donen, 1960)
Vor Hausfreunden wird gewarnt
Die guten alten Zeiten sind vorbei: Der finanzschwache Earl of Ryhall (Cary Grant) muß sein Stammschloß der Öffentlichkeit zugänglich machen, die Countess (Deborah Kerr) züchtet Champignons, um die notorisch klamme Familienkasse zu füllen. Ein amerikanischer Ölbaron (Robert Mitchum) macht der Dame des Hauses den Hof, der gehörnte Gatte ergreift zur Rettung von Ehe und Ehre schließlich standesgemäße Maßnahmen … Zwar bringt die ländlich-(un)sittliche Salon-Komödie diverse Gegensätzlichkeiten ins Spiel (altes Geld – neues Geld, alte Welt – neue Welt, alte Liebe – neue Liebe), doch betrachtet Stanley Donen weder das Verhältnis der Geschlechter noch die Problematik der anglo-amerikanische Beziehungen mit allzu viel Neugier. Farbe gewinnt das betulich eingerichtete Dialogstück vor allem durch die extravaganten Dior-Roben einer mit den Ryhalls befreundeten Londoner Society-Lady (Jean Simmons) und dank der ironischen Standesdünkel eines literarisch ambitionierten Butlers.
R Stanley Donen B Hugh Williams, Margaret Vyner V Hugh Williams, Margaret Vyner K Christopher Challis M Noël Coward A Paul Sherr S James Clark P Stanley Donen D Cary Grant, Deborah Kerr, Robert Mitchum, Jean Simmons, Moray Watson | UK | 104 min | 1:2,35 | f | 23. Dezember 1960
# 834 | 14. Februar 2014
Die guten alten Zeiten sind vorbei: Der finanzschwache Earl of Ryhall (Cary Grant) muß sein Stammschloß der Öffentlichkeit zugänglich machen, die Countess (Deborah Kerr) züchtet Champignons, um die notorisch klamme Familienkasse zu füllen. Ein amerikanischer Ölbaron (Robert Mitchum) macht der Dame des Hauses den Hof, der gehörnte Gatte ergreift zur Rettung von Ehe und Ehre schließlich standesgemäße Maßnahmen … Zwar bringt die ländlich-(un)sittliche Salon-Komödie diverse Gegensätzlichkeiten ins Spiel (altes Geld – neues Geld, alte Welt – neue Welt, alte Liebe – neue Liebe), doch betrachtet Stanley Donen weder das Verhältnis der Geschlechter noch die Problematik der anglo-amerikanische Beziehungen mit allzu viel Neugier. Farbe gewinnt das betulich eingerichtete Dialogstück vor allem durch die extravaganten Dior-Roben einer mit den Ryhalls befreundeten Londoner Society-Lady (Jean Simmons) und dank der ironischen Standesdünkel eines literarisch ambitionierten Butlers.
R Stanley Donen B Hugh Williams, Margaret Vyner V Hugh Williams, Margaret Vyner K Christopher Challis M Noël Coward A Paul Sherr S James Clark P Stanley Donen D Cary Grant, Deborah Kerr, Robert Mitchum, Jean Simmons, Moray Watson | UK | 104 min | 1:2,35 | f | 23. Dezember 1960
# 834 | 14. Februar 2014
19.12.60
Das schwarze Schaf (Helmuth Ashley, 1960)
Nett. Heinz Rühmann ist nett. Er ist kein besonders glaubhafter Geistlicher, sein kriminalistisch interessierter Pater Brown ist im Grunde kein besonders überzeugender Ermittler, weder mit augenfälligen deduktiven noch mit offenkundigen psychologischen Talenten gesegnet. Aber er ist nett. »Das schwarze Schaf« ist (insbesondere wegen der Verlegung der Erzählung von England nach Irland) keine besonders gelungene Chesterton-Adaption, weder ein besonders spannender Krimi, noch eine besonders intelligente Komödie, schon gar kein ironisch-katholischer Blick auf die Welt, wie sie ist (oder scheint). Doch Helmuth Ashley gelingt es, sein auf merkwürdige Weise in Vorfilm (Hammermord vor der Kirche) und Hauptfilm (Doppelmord durch Zwillingsschurken) zerfallendes Regie-Debüt mit stimmig-provinzieller Atmosphäre, sympathisch-beseelten Figuren und herzerwärmend-behäbigem Humor zu füllen. Nett. Nicht mehr, nicht weniger.
R Helmuth Ashley B István Békeffy, Hans Jacoby V Gilbert Keith Chesterton K Erich Claunigk M Martin Böttcher A Hans Berthel, Robert Stratil S Walter Boos P Utz Utermann D Heinz Rühmann, Siegfried Lowitz, Lina Carstens, Herbert Tiede, Karl Schönböck, Fritz Rasp | BRD | 90 min | 1:1,66 | f | 19. Dezember 1960
# 806 | 24. November 2013
R Helmuth Ashley B István Békeffy, Hans Jacoby V Gilbert Keith Chesterton K Erich Claunigk M Martin Böttcher A Hans Berthel, Robert Stratil S Walter Boos P Utz Utermann D Heinz Rühmann, Siegfried Lowitz, Lina Carstens, Herbert Tiede, Karl Schönböck, Fritz Rasp | BRD | 90 min | 1:1,66 | f | 19. Dezember 1960
# 806 | 24. November 2013
16.12.60
Cinderfella (Frank Tashlin, 1960)
Aschenblödel
Cinderella in reverse. Nach dem Tod seines Vaters gerät der herzensgute, treudoofe Fella (Jerry Lewis) unter das Regiment der bösen Stiefmutter (Judith Anderson), die nur an das Wohl ihrer beiden leiblichen (außerordentlich geldgeilen) Söhne denkt. Princess Charming sucht den Mann fürs Leben, eine gute (männliche) Fee treibt ihr freundliches Wesen, ein glanzvoller Ball, ein verlorener Herrenschuh … Die Prämisse, den klassischen Märchenstoff geschlechtlich zu wenden, klingt überzeugend, doch »Cinderfella« versenkt die vielversprechende Idee in einem Sumpf aus schläfrigem Timing und triefender Gefühligkeit. Zwar werden die Polaritäten von Integration und Absonderung, von »person« und »people« im menschlichen Mit- und Gegeneinander thematisch angerissen, zwar glänzt Jerry Lewis in einigen vom Geschehen vollkommen abgelösten Soloauftritten (etwa wenn er zu einer im Radio übertragenen Count-Basie-Nummer pantomimisch sämtliche Instrumente spielt), zwar gelingen Frank Tashlin eine Handvoll witzig choreographierter Szenen (zum Beispiel wenn er den armen Fella am Ende eines endlos langen Eßtischs von seiner arroganten Stieffamilie isoliert), doch der Film faßt keinen Tritt, findet bis zur planmäßigen Happily-ever-after-Auflösung keinen animierenden Rhythmus.
R Frank Tashlin B Frank Tashlin K Haskell Boggs M Walter Scharf, Count Basie A Hal Pereira, Henry Bumstead S Arthur P. Schmidt P Jerry Lewis D Jerry Lewis, Judith Anderson, Ed Wynn, Henry Silva, Robert Hutton, Anna Maria Alberghetti | USA | 91 min | 1:1,85 | f | 16. Dezember 1960
# 786 | 30. Oktober 2013
Cinderella in reverse. Nach dem Tod seines Vaters gerät der herzensgute, treudoofe Fella (Jerry Lewis) unter das Regiment der bösen Stiefmutter (Judith Anderson), die nur an das Wohl ihrer beiden leiblichen (außerordentlich geldgeilen) Söhne denkt. Princess Charming sucht den Mann fürs Leben, eine gute (männliche) Fee treibt ihr freundliches Wesen, ein glanzvoller Ball, ein verlorener Herrenschuh … Die Prämisse, den klassischen Märchenstoff geschlechtlich zu wenden, klingt überzeugend, doch »Cinderfella« versenkt die vielversprechende Idee in einem Sumpf aus schläfrigem Timing und triefender Gefühligkeit. Zwar werden die Polaritäten von Integration und Absonderung, von »person« und »people« im menschlichen Mit- und Gegeneinander thematisch angerissen, zwar glänzt Jerry Lewis in einigen vom Geschehen vollkommen abgelösten Soloauftritten (etwa wenn er zu einer im Radio übertragenen Count-Basie-Nummer pantomimisch sämtliche Instrumente spielt), zwar gelingen Frank Tashlin eine Handvoll witzig choreographierter Szenen (zum Beispiel wenn er den armen Fella am Ende eines endlos langen Eßtischs von seiner arroganten Stieffamilie isoliert), doch der Film faßt keinen Tritt, findet bis zur planmäßigen Happily-ever-after-Auflösung keinen animierenden Rhythmus.
R Frank Tashlin B Frank Tashlin K Haskell Boggs M Walter Scharf, Count Basie A Hal Pereira, Henry Bumstead S Arthur P. Schmidt P Jerry Lewis D Jerry Lewis, Judith Anderson, Ed Wynn, Henry Silva, Robert Hutton, Anna Maria Alberghetti | USA | 91 min | 1:1,85 | f | 16. Dezember 1960
# 786 | 30. Oktober 2013
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15.12.60
Exodus (Otto Preminger, 1960)
Exodus
Ein Film über die Vorgeschichte der Gründung des Staates Israel in den späten 1940er Jahren. Die jüdische Einwanderung nach Palästina, der daraus resultierende Konflikt mit den Arabern, der Kampf um die Unabhängigkeit, die Rivalität der verschiedenen zionistischen Untergrundorganisationen – all das verquickt Otto Preminger nach den Regeln des klassischen Hollywoodepos zu einer komplexen Familiengeschichte. Was »Exodus« auszeichnet, ist die Absage an jede Pathosformel und eine irritierend-elliptische Erzählweise, die die dramatischen Höhepunkte der Handlung oftmals wegblendet zugunsten der Momente »zwischen« dem eigentlichen Geschehen, jener Momente, die psychologisch für den Fortgang der Dinge entscheidend sind. Ein makelloser blauer Himmel dominiert die Bilder des Films, aber er verbreitet keine südliche Heiterkeit, sondern strahlt vor gnadenloser Härte. Bezeichnend auch das Ende: kein Sieg, keine Jubelposen, sondern ein gemeinsames Grab für einen Araber und ein jüdisches Mädchen – und die Frage, ob es Juden und Arabern irgendwann gelingen wird, nicht nur den Tod sondern auch das Leben in Palästina zu teilen.
R Otto Preminger B Dalton Trumbo V Leon Uris K Sam Leavitt M Ernest Gold A Richard Day S Louis R. Loeffler P Otto Preminger D Paul Newman, Eva Marie Saint, Ralph Richardson, Peter Lawford, Sal Mineo | USA | 208 min | 1:2,35 | f | 15. Dezember 1960
Ein Film über die Vorgeschichte der Gründung des Staates Israel in den späten 1940er Jahren. Die jüdische Einwanderung nach Palästina, der daraus resultierende Konflikt mit den Arabern, der Kampf um die Unabhängigkeit, die Rivalität der verschiedenen zionistischen Untergrundorganisationen – all das verquickt Otto Preminger nach den Regeln des klassischen Hollywoodepos zu einer komplexen Familiengeschichte. Was »Exodus« auszeichnet, ist die Absage an jede Pathosformel und eine irritierend-elliptische Erzählweise, die die dramatischen Höhepunkte der Handlung oftmals wegblendet zugunsten der Momente »zwischen« dem eigentlichen Geschehen, jener Momente, die psychologisch für den Fortgang der Dinge entscheidend sind. Ein makelloser blauer Himmel dominiert die Bilder des Films, aber er verbreitet keine südliche Heiterkeit, sondern strahlt vor gnadenloser Härte. Bezeichnend auch das Ende: kein Sieg, keine Jubelposen, sondern ein gemeinsames Grab für einen Araber und ein jüdisches Mädchen – und die Frage, ob es Juden und Arabern irgendwann gelingen wird, nicht nur den Tod sondern auch das Leben in Palästina zu teilen.
R Otto Preminger B Dalton Trumbo V Leon Uris K Sam Leavitt M Ernest Gold A Richard Day S Louis R. Loeffler P Otto Preminger D Paul Newman, Eva Marie Saint, Ralph Richardson, Peter Lawford, Sal Mineo | USA | 208 min | 1:2,35 | f | 15. Dezember 1960
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Das Spukschloß im Spessart (Kurt Hoffmann, 1960)
»Alles spukt auf mein Kommando!« Kurt Hoffmanns Sequel zum süffisanten »Wirtshaus im Spessart« wirft zwar jede Menge Talent – neben Darstellern wie Curt Bois, Paul Esser, Hubert von Meyerinck, Lilo Pulver, Hanne Wieder vor allem Friedrich Hollaender (Musik), Hein Heckroth (Bauten) und Theo Nischwitz (Effekte) – in die filmische Wagschale, doch das Ergebnis fällt einigermaßen geriatrisch aus. Die müden Gespenster des Adenauerkinos reißen flaue Witze über die wirtschaftswunderliche Bundesrepublik, versetzen dem deutschen Nachkriegsmilitarismus ein paar sanfte Stiche und liefern eine umständliche Veralberung des neonationalistischen Staatstheaters im Treibhaus Bonn. Apropos Bonn: »Es war alles morsch, es war alles alt.« (Wolfgang Koeppen)
R Kurt Hoffmann B Heinz Pauck, Günter Neumann K Günther Anders M Friedrich Hollaender A Hein Heckroth S Hilwa von Boro P Georg Witt D Liselotte Pulver, Heinz Baumann, Georg Thomalla, Hubert von Meyerinck, Hans Clarin, Curt Bois | BRD | 101 min | 1:1,66 | f | 15. Dezember 1960
R Kurt Hoffmann B Heinz Pauck, Günter Neumann K Günther Anders M Friedrich Hollaender A Hein Heckroth S Hilwa von Boro P Georg Witt D Liselotte Pulver, Heinz Baumann, Georg Thomalla, Hubert von Meyerinck, Hans Clarin, Curt Bois | BRD | 101 min | 1:1,66 | f | 15. Dezember 1960
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13.11.60
Akibiyori (Yasujiro Ozu, 1960)
Spätherbst
Die schöne Witwe
weist ihrer Tochter den Weg:
hinaus ins Leben!
R Yasujiro Ozu B Kogo Noda, Yasujiro Ozu V Ton Satomi K Yuharu Atsuta M Kojun Saito A Tatsuo Hamada S Yoshiyasu Hamamura P Shizuo Yamanouchi D Setsuko Hara, Yoko Tsukasa, Mariko Okada, Keiji Sada, Miyuki Kuwano | JP | 128 min | 1:1,37 | f | 13. November 1960
Die schöne Witwe
weist ihrer Tochter den Weg:
hinaus ins Leben!
R Yasujiro Ozu B Kogo Noda, Yasujiro Ozu V Ton Satomi K Yuharu Atsuta M Kojun Saito A Tatsuo Hamada S Yoshiyasu Hamamura P Shizuo Yamanouchi D Setsuko Hara, Yoko Tsukasa, Mariko Okada, Keiji Sada, Miyuki Kuwano | JP | 128 min | 1:1,37 | f | 13. November 1960
3.11.60
Fünf Patronenhülsen (Frank Beyer, 1960)
»Genossen im Graben: Singt alle mit!« Eine abenteuerliche Strophe aus dem Heldenepos der Linken: Fünf Interbrigadisten schlagen sich im Spanischen Bürgerkrieg durch die franquistischen Linien, um eine wichtige Botschaft ihres erschossenen Kommissars (gütig und resolut: Erwin Geschonneck) zu ihrem Stab zu bringen. Die Hitze ist gnadenlos, der Feind ist bitterböse, der Durst ist grausam. Selten sahen kommunistische Klischeebider von übermenschlichem Mut, eiserner Disziplin, unsterblichen Opfern und proletarischem Internationalismus so verlockend gut aus wie in Frank Beyers »Fünf Patronenhülsen«. Die meisterlich herbe Schwarzweiß-Kamera (Günter Marczinkowsky) setzt extreme Close-Ups der ausgedörrten Gesichter (Krug, Marian, Mueller-Stahl, Naumann, Schwill) gegen weite Totalen der ausgedörrten Landschaft. Die Dialoge sind bedeutungsvoll karg, die Musik ist wirksam verknappt, die übermittelte Botschaft ist bemerkenswert schlicht: »Bleibt zusammen, dann werdet ihr leben.« Die Sonne der Täuschung schien über Spanien besonders schön.
R Frank Beyer B Walter Gorrish K Günter Marczinkowsky M Joachim Werzlau A Alfred Hirschmeier S Evelyn Thieme P Willi Teichmann D Erwin Geschonneck, Ulrich Thein, Armin Mueller-Stahl, Manfred Krug, Ernst-Georg Schwill | DDR | 87 min | 1:1,37 | sw | 3. November 1960
R Frank Beyer B Walter Gorrish K Günter Marczinkowsky M Joachim Werzlau A Alfred Hirschmeier S Evelyn Thieme P Willi Teichmann D Erwin Geschonneck, Ulrich Thein, Armin Mueller-Stahl, Manfred Krug, Ernst-Georg Schwill | DDR | 87 min | 1:1,37 | sw | 3. November 1960
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Freundschaft,
Geschonneck,
Kommunismus,
Krieg,
Krug,
Mueller-Stahl,
Spanien,
Spanienkrieg
28.10.60
Die junge Sünderin (Rudolf Jugert, 1960)
Eine Frau will nach oben oder Wie angelt man sich einen Millionär. Was eine derartige Ambition in Wirtschaftswunderzeiten mit Sünde zu tun haben soll (wie es der Titel des Films insinuiert) bleibt offen – zumal Eva (!), die Heldin dieses bundesrepublikanischen Entwicklungsromans, bei aller Gier nach Reichtum und gesellschaftlicher Anerkennung ihre Unberührtheit geradezu löwinnenhaft verteidigt … Eva Reck (Karin Baal) und ihre beste Freundin Carola Ortmann (Vera Tschechowa) wurden, zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, am gleichen Tag im gleichen Haus geboren, die eine im Keller als Tochter armer Leute, die andere im ersten Stock mit dem sprichwörtlichen silbernen Löffel im Mund. Die Familien bleiben über die bewegten Jahre hinweg in engem Kontakt. Zur attraktiven jungen Dame gereift, lebt Eva als Hauskind in der riesigen Villa der Ortmanns, schreckt nicht davor zurück, Carolas verwitweten Vater (Rudolf Prack) ins Visier zu nehmen, malt sich schon die Hochzeit aus: »300 Gäste, nur Prominenz. Und alles kommt in die Zeitung, mit Bildern.« – »Geld allein macht nicht glücklich«, mahnt kopfschüttelnd ihre rechtschaffene Mutter (Grethe Weiser). »Doch«, widerspricht Eva, »Geld macht glücklich! Weil man nicht mehr danke sagen muß.« Rudolf Jugert zeichnet Eva ohne Mißbilligung, aber auch ohne Sympathie, er nimmt sie als lebendigen Ausdruck der sozialen Marktwirtschaft und ihres Wahlspruchs »Wohlstand für alle«. »Sie sind der Typ der arbeitenden jungen Frau von heute«, sagt jener (reiche) Mann zu Eva, den sie nach einigen Umwegen schließlich heiraten wird. Er meint es als Kompliment. Und wenn am Ende jeder Topf einen Deckel gefunden hat, singt wissend eine samtige Stimme: »Es muß ja nicht gleich Liebe sein, / Wenn’s manchmal auch so scheint.«
R Rudolf Jugert B Peter Berneis, Maria von der Osten-Sacken K Ekkehard Kyrath, Werner M. Lenz M Ernst Simon A Otto Pischinger, Helga Hareither S Aribert Geier P Kurt Ulrich D Karin Baal, Vera Tschechowa, Rudolf Prack, Grethe Weiser, Paul Hubschmid | BRD | 93 min | 1:1,66 | sw | 28. Oktober 1960
# 887 | 26. Juni 2014
R Rudolf Jugert B Peter Berneis, Maria von der Osten-Sacken K Ekkehard Kyrath, Werner M. Lenz M Ernst Simon A Otto Pischinger, Helga Hareither S Aribert Geier P Kurt Ulrich D Karin Baal, Vera Tschechowa, Rudolf Prack, Grethe Weiser, Paul Hubschmid | BRD | 93 min | 1:1,66 | sw | 28. Oktober 1960
# 887 | 26. Juni 2014
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Zazie dans le Métro (Louis Malle, 1960)
Zazie
»Paris n’est qu’un songe, Zazie n’est qu’un rêve et toute cette histoire le songe d’un rêve.« Zwischen »Doukipudonktant?« (»Fonwostinkstnso?«) und »J’ai vieilli.« (»Ich bin älter geworden.«) schildert »Zazie dans le Métro« das turbulente Wochenende einer Provinzgöre in der großen Stadt Paris. (»C'est chouette, la ville!«) Während maman sich mit ihrem Liebhaber verlustiert, wird Zazie bei Onkel Gabriel (Philippe Noiret als piekfeiner, blumig duftender Damenimitator) geparkt. Louis Malles Verbeugung vor den Surrealisten, seine Huldigung an die Götter des Slapstick und des animated cartoon führt im Schweinsgalopp an die Schau- und Abseiten der französischen Kapitale mit ihren waschechten Ureinwohnern: Eiffelturm und Generalswitwen, Nachtleben und Kinderschänder, Flohmarkt und Chauvinisten, Bistrots und Flics, Passagen und Taxifahrer – nur die ersehnte Métro, die sieht Zazie nicht, denn da unten (bzw. dort oben) wird (was sonst?) gestreikt. Malle verwandelt die kluge Sprachakrobatik des Romans von Raymond Queneau in einen Springquell von amüsant-satirischen visuellen und musikalischen Schnurrpfeifereien, transponiert die erzählerische Uneindeutigkeit und die radikale Antipsychologie der literarischen Vorlage, das listig-destruktive Spiel mit Wahrheiten und Identitäten wirkungsvoll in laufende, sprechende, klingende Bilder. Daß der Film die künstlerische Vielschichtigkeit des Buches nicht ganz erreicht? »Mon cul.« (»Am Arsch.«)
R Louis Malle B Louis Malle, Jean-Paul Rappeneau V Raymond Queneau K Henri Raichi M Fiorenzo Carpi A Bernard Evein S Kenout Peltier P Louis Malle D Catherine Démongeot, Philippe Noiret, Carla Marlier, Vittorio Caprioli, Hubert Deschamps | F & I | 93 min | 1:1,66 | f | 28. Oktober 1960
»Paris n’est qu’un songe, Zazie n’est qu’un rêve et toute cette histoire le songe d’un rêve.« Zwischen »Doukipudonktant?« (»Fonwostinkstnso?«) und »J’ai vieilli.« (»Ich bin älter geworden.«) schildert »Zazie dans le Métro« das turbulente Wochenende einer Provinzgöre in der großen Stadt Paris. (»C'est chouette, la ville!«) Während maman sich mit ihrem Liebhaber verlustiert, wird Zazie bei Onkel Gabriel (Philippe Noiret als piekfeiner, blumig duftender Damenimitator) geparkt. Louis Malles Verbeugung vor den Surrealisten, seine Huldigung an die Götter des Slapstick und des animated cartoon führt im Schweinsgalopp an die Schau- und Abseiten der französischen Kapitale mit ihren waschechten Ureinwohnern: Eiffelturm und Generalswitwen, Nachtleben und Kinderschänder, Flohmarkt und Chauvinisten, Bistrots und Flics, Passagen und Taxifahrer – nur die ersehnte Métro, die sieht Zazie nicht, denn da unten (bzw. dort oben) wird (was sonst?) gestreikt. Malle verwandelt die kluge Sprachakrobatik des Romans von Raymond Queneau in einen Springquell von amüsant-satirischen visuellen und musikalischen Schnurrpfeifereien, transponiert die erzählerische Uneindeutigkeit und die radikale Antipsychologie der literarischen Vorlage, das listig-destruktive Spiel mit Wahrheiten und Identitäten wirkungsvoll in laufende, sprechende, klingende Bilder. Daß der Film die künstlerische Vielschichtigkeit des Buches nicht ganz erreicht? »Mon cul.« (»Am Arsch.«)
R Louis Malle B Louis Malle, Jean-Paul Rappeneau V Raymond Queneau K Henri Raichi M Fiorenzo Carpi A Bernard Evein S Kenout Peltier P Louis Malle D Catherine Démongeot, Philippe Noiret, Carla Marlier, Vittorio Caprioli, Hubert Deschamps | F & I | 93 min | 1:1,66 | f | 28. Oktober 1960
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