24.1.61

La notte (Michelangelo Antonioni, 1961)

Die Nacht

Über reichverzierten Altbauten erhebt sich ein schlankes Hochhaus. Langsam gleitet die Kamera an der Fassade hinab. Die Scheiben spiegeln die Stadt. In großer Nähe so fern stehen sich das Gestern und das Heute gegenüber. Einige Stunden aus dem Leben des Mailänder Schriftstellers Giovanni und seiner Gattin Lidia (Marcello Mastroianni und Jeanne Moreau) – ein Besuch im Krankenhaus, ein Empfang beim Verleger, ein Ausflug in die Gegend von früher, eine Cocktailstunde im Nachtclub, eine Party bei reichen Leuten, ein Gang durch den Park. Zwischen ihnen nur Reste von Gemeinsamkeit, kaum mehr Erinnerungen, keine Erwartung von Zukunft. Es bleiben kultivierte Entfremdung, gleichgültige Ausbruchsversuche, erschöpftes Nebeneinander. Michelangelo Antonioni betrachtet einen Mann, der schreibt, um nichts sagen zu müssen, eine Frau, die davonläuft, um zu sich zu finden, einen Menschen, der stirbt, ein Mädchen, das spielt, eine Welt, die boomt, eine Gesellschaft, die im Regen verdurstet, eine Ehe, die vom Leben geschieden wird. Ein formvollendet trauriger Film über die Leere der Fülle, über das Alter der Jugend, über den Widerwillen der Liebe, über eine lange Nacht, auf die ein fahler Morgen folgt, über Parallelen, die sich auch im Unendlichen nicht treffen.

R Michelangelo Antonioni B Michelangelo Antonioni, Ennio Flaiano, Tonino Guerra K Gianni Di Venanzo M Giorgio Gaslini A Piero Zuffi S Eraldo Da Roma P Emanuele Cassuto D Marcello Mastroianni, Jeanne Moreau, Monica Vitti, Bernhard Wicki, Rosy Mazzacurati | I & F | 122 min | 1:1,66 | sw | 24. Januar 1961

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