Eine Frau will nach oben oder Wie angelt man sich einen Millionär. Was eine derartige Ambition in Wirtschaftswunderzeiten mit Sünde zu tun haben soll (wie es der Titel des Films insinuiert) bleibt offen – zumal Eva (!), die Heldin dieses bundesrepublikanischen Entwicklungsromans, bei aller Gier nach Reichtum und gesellschaftlicher Anerkennung ihre Unberührtheit geradezu löwinnenhaft verteidigt … Eva Reck (Karin Baal) und ihre beste Freundin Carola Ortmann (Vera Tschechowa) wurden, zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, am gleichen Tag im gleichen Haus geboren, die eine im Keller als Tochter armer Leute, die andere im ersten Stock mit dem sprichwörtlichen silbernen Löffel im Mund. Die Familien bleiben über die bewegten Jahre hinweg in engem Kontakt. Zur attraktiven jungen Dame gereift, lebt Eva als Hauskind in der riesigen Villa der Ortmanns, schreckt nicht davor zurück, Carolas verwitweten Vater (Rudolf Prack) ins Visier zu nehmen, malt sich schon die Hochzeit aus: »300 Gäste, nur Prominenz. Und alles kommt in die Zeitung, mit Bildern.« – »Geld allein macht nicht glücklich«, mahnt kopfschüttelnd ihre rechtschaffene Mutter (Grethe Weiser). »Doch«, widerspricht Eva, »Geld macht glücklich! Weil man nicht mehr danke sagen muß.« Rudolf Jugert zeichnet Eva ohne Mißbilligung, aber auch ohne Sympathie, er nimmt sie als lebendigen Ausdruck der sozialen Marktwirtschaft und ihres Wahlspruchs »Wohlstand für alle«. »Sie sind der Typ der arbeitenden jungen Frau von heute«, sagt jener (reiche) Mann zu Eva, den sie nach einigen Umwegen schließlich heiraten wird. Er meint es als Kompliment. Und wenn am Ende jeder Topf einen Deckel gefunden hat, singt wissend eine samtige Stimme: »Es muß ja nicht gleich Liebe sein, / Wenn’s manchmal auch so scheint.«
R Rudolf Jugert B Peter Berneis, Maria von der Osten-Sacken K Ekkehard Kyrath, Werner M. Lenz M Ernst Simon A Otto Pischinger, Helga Hareither S Aribert Geier P Kurt Ulrich D Karin Baal, Vera Tschechowa, Rudolf Prack, Grethe Weiser, Paul Hubschmid | BRD | 93 min | 1:1,66 | sw | 28. Oktober 1960
# 887 | 26. Juni 2014
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28.10.60
23.2.56
Ein Herz schlägt für Erika (Harald Reinl, 1956)
»Glück kann man nicht erzwingen, aber man kann es adoptieren.« Eine lupenreine Schnulze, von Harald Reinl nicht ohne gemütvollen Witz inszeniert. Anna Hartwig (Grethe Weiser) führt mit fester Hand und weichem Herzen ein traditionsreiches Bauunternehmen. Die Firma prosperiert (kein Wunder in Zeiten des Wiederaufbaus), und doch fehlt der patenten Geschäftsfrau, der allseits beliebten Chefin etwas Entscheidendes zum Lebensglück: ein Kind. Einen Mann, der es ihr machen könnte, ziehen weder die alleinstehende Anna noch die Autoren des Films in Erwägung – also holt sich die verhinderte Mutter ein Waisenmädchen ins Haus. Die kleine Erika Kayser (Christine Kaufmann), zuckersüß, aufgeweckt und genügsam, hätte darob allen Grund zur Freude, müßte sie nicht ihre drei ebenso reizenden Brüder im Kinderheim zurücklassen … Natürlich bekommen am Ende des possierlichen Rührstücks alle genau das, was sie sich inniglich wünschen, natürlich geht die Haupthandlung (gewürzt mit ein paar Intrigen, einigen Slapstick-Einlagen und viel Sentimentalität) weitgehend absehbar vonstatten, aber Reinl dreht netterweise auch die eine oder andere überflüssige Pirouette – etwa indem er amüsierte Seitenblicke auf einen verliebten Lebensmittelhändler wirft, der sein Herz in Form von Harzer Käse verschenkt.
R Harald Reinl B Maria von der Osten-Sacken, Walter Forster K Erich Claunigk M Lother Brühne A Willi A. Herrmann, Heinrich Weidemann S Johanna Meisel P Maria von der Osten-Sacken D Christine Kaufmann, Grethe Weiser, Gert Fröbe, Ingrid Stenn, Wolfgang Büttner | BRD | 92 min | 1:1,37 | sw | 23. Februar 1956
# 914 | 18. Oktober 2014
R Harald Reinl B Maria von der Osten-Sacken, Walter Forster K Erich Claunigk M Lother Brühne A Willi A. Herrmann, Heinrich Weidemann S Johanna Meisel P Maria von der Osten-Sacken D Christine Kaufmann, Grethe Weiser, Gert Fröbe, Ingrid Stenn, Wolfgang Büttner | BRD | 92 min | 1:1,37 | sw | 23. Februar 1956
# 914 | 18. Oktober 2014
Labels:
Adoption,
Emanzipation,
Fröbe,
Geld,
Kaufmann,
Kindheit,
Mutter,
Reinl,
Tragikomödie,
Weiser,
Wirtschaft,
Wirtschaftswunder
8.10.42
Wir machen Musik (Helmut Käutner, 1942)
»Mit Musik ist ja das ganze Leben nur noch halb so schwer.« Ein ernster Komponist mit Hang zur tragischen Oper trifft auf die Sängerin (und Kunstpfeiferin) einer swingenden Unterhaltungskapelle: Der hochnäsige Karl Zimmermann (Viktor de Kowa) und die patente Anni Pichler (Ilse Werner) sind der personifizierte Gegensatz zwischen E und U, und weil Gegensätze sich anziehen, werden die beiden ein Paar – natürlich nicht ohne all die Notlügen und Mißverständnisse, Verwechslungen und Plänkeleien, krachenden Trennungen und freudigen Wiedersehen, die das Wesen einer turbulenten Beziehungskomödie ausmachen. Helmut Käutner inszeniert die musikalische Romanze temporeich und fantasievoll (etwa im Durchdeklinieren der verschieden Ausdrucksarten des Pfeifens), mit einer guten Portion sophistication sowie Spaß an der Unterminierung von kulturellem Dünkel und hergebrachten Geschlechterrollen: Karls stolze Herablassung im Hinblick auf die leichte Muse wie auch die chauvihafte Zerbrich-du-dir-nicht-dein-kleines-Köpfchen-Haltung, die er gegenüber Anni an den Tag legt, läßt der Arrangeur der »kleinen Harmonielehre« hämisch verpuffen, wenn sich der, mit seiner »Lukrezia Borgia« kläglich gescheiterte, Musikdramatiker als handwerklicher Ausputzer der heiteren Tonschöpfungen seiner Gattin wiederfindet: »Wir machen Musik, / da geht euch der Bart ab!« Anni tanzt dazu fröhlich im Frack, bevor sie ihren Karl am Ende natürlich wieder zurücknimmt: »Mein Herz hat heut Premiere. / Das Stück heißt du und ich, / und wenn ich mich auch wehre, / mein Herz schlägt nur für dich.«
R Helmut Käutner B Helmut Käutner V Manfred Rössner, Erich Ebermayer K Jan Roth M Peter Igelhoff, Adolf Steimel A Max Mellin S Helmuth Schönnenbeck P Hans Tost D Viktor de Kowa, Ilse Werner, Grethe Weiser, Georg Thomalla, Edith Oss | D | 95 min | 1:1,37 | sw | 8. Oktober 1942
# 882 | 21. Juni 2014
R Helmut Käutner B Helmut Käutner V Manfred Rössner, Erich Ebermayer K Jan Roth M Peter Igelhoff, Adolf Steimel A Max Mellin S Helmuth Schönnenbeck P Hans Tost D Viktor de Kowa, Ilse Werner, Grethe Weiser, Georg Thomalla, Edith Oss | D | 95 min | 1:1,37 | sw | 8. Oktober 1942
# 882 | 21. Juni 2014
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