Rififi
Ein Film über eine Gruppe von Profis (unter ihnen der scharf geschnittene Jean Servais und der kompakte Carl Möhner), die einen spektakulären Juwelenraub planen und durchführen. Ein Film von einer Gruppe von Profis: Jules Dassin (Regie), Auguste Le Breton (Buch), Philippe Agostini (Kamera), Alexandre Trauner (Bauten), Georges Auric (Musik) – allesamt Meister ihres Fachs. Ein Film über das graue Paris der Nachkriegsjahre, durch dessen Straßen die Gespenster des Existenzialismus streifen. Ein Film über das Verbrechen als Handwerk, über den Verrat, über die Vergeblichkeit. Ein Film über das Bild des Gangsters im Film. Vor allem aber ein Film über die Freundschaft – so wie Jean-Pierre Melville sie verstanden hat. Zitat: »Was ist Freundschaft? Nachts einen Freund anrufen, um ihm zu sagen: ›Sei so freundlich, nimm deinen Revolver und komm sofort!‹ und von ihm die Antwort zu hören: ›Gut, ich komme.‹«
R Jules Dassin B Auguste Le Breton, Jules Dassin V Auguste Le Breton K Philippe Agostini M Georges Auric A Alexandre Trauner S Roger Dwyre P René Bezard, Henri Bérard, Pierre Cabaud D Jean Servais, Carl Möhner, Robert Manuel, Jules Dassin, Magali Noël | F | 122 min | 1:1,37 | sw | 13. April 1955
7.4.55
Razzia sur la chnouf (Henri Decoin, 1955)
Razzia in Paris
Liski, Chef des Pariser Drogenkartells (Marcel Dalio), heuert den aus amerikanischem Exil heimkehrenden Henri ›le Nantais‹ (Jean Gabin) an, um seinen Laden auf Vordermann bringen zu lassen. Getarnt als Besitzer einer boîte de nuit à la mode sowie attachiert (und überwacht) von ›le Catalan‹ und Bibi (Lino Ventura und Albert Rémy als kriminelle Ausputzer und genießerische Gelegenheitskiller), verschafft Henri sich (und damit dem Publikum) ein genaues Bild der Produktions- und Vertriebsbedingungen des Syndikats. Mit kühl registrierendem Blick – ohne tiefere Anteilnahme, aber auch (fast) ohne kleinkarierte Ressentiments – beschreibt Henri Decoins »Razzia sur la chnouf« die Landschaften der Sucht als (weltflüchtiges) Jenseits im (nur scheinbar wohlgeordneten) Diesseits: Die filmische Reise führt durch Laboratorien in biederen Vorstadthäusern und vornehme Opiumhöhlen, durch illegale Spielclubs und marihuanaumnebelte Jazzkeller, zu schmuggelnden Eisenbahnern und schwulen Zwischenhändlern, zu koksdealenden Zigarettenfräuleins und heroinschnupfenden (ehemaligen) Damen der Gesellschaft. Was der bis zur Versteinerung einsilbige Gabin mit dem Handel von »chnouf« (= Stoff in jeder Form: Gras, Schnee, H) wirklich zu schaffen hat, fragt sich nicht nur seine kleine Freundin Lisette (zuckersüß: Magali Noël) – auch dem aufmerksamen Zuschauer bieten sich Hinweise darauf, daß der unnahbare Henri sein eigenes (ehrliches) Süppchen kocht.
R Henri Decoin B Henri Decoin, Maurice Griffe, Auguste Le Breton V Auguste Le Breton K Pierre Montazel M Marc Lejean A Raymon Gabutti S Denise Reiss P Paul Wagner, Alain Poiré, Louis Dubois D Jean Gabin, Marcel Dalio, Lino Ventura, Albert Rémy, Lila Kedrova | F | 105 min | 1:1,37 | sw | 7. April 1955
Liski, Chef des Pariser Drogenkartells (Marcel Dalio), heuert den aus amerikanischem Exil heimkehrenden Henri ›le Nantais‹ (Jean Gabin) an, um seinen Laden auf Vordermann bringen zu lassen. Getarnt als Besitzer einer boîte de nuit à la mode sowie attachiert (und überwacht) von ›le Catalan‹ und Bibi (Lino Ventura und Albert Rémy als kriminelle Ausputzer und genießerische Gelegenheitskiller), verschafft Henri sich (und damit dem Publikum) ein genaues Bild der Produktions- und Vertriebsbedingungen des Syndikats. Mit kühl registrierendem Blick – ohne tiefere Anteilnahme, aber auch (fast) ohne kleinkarierte Ressentiments – beschreibt Henri Decoins »Razzia sur la chnouf« die Landschaften der Sucht als (weltflüchtiges) Jenseits im (nur scheinbar wohlgeordneten) Diesseits: Die filmische Reise führt durch Laboratorien in biederen Vorstadthäusern und vornehme Opiumhöhlen, durch illegale Spielclubs und marihuanaumnebelte Jazzkeller, zu schmuggelnden Eisenbahnern und schwulen Zwischenhändlern, zu koksdealenden Zigarettenfräuleins und heroinschnupfenden (ehemaligen) Damen der Gesellschaft. Was der bis zur Versteinerung einsilbige Gabin mit dem Handel von »chnouf« (= Stoff in jeder Form: Gras, Schnee, H) wirklich zu schaffen hat, fragt sich nicht nur seine kleine Freundin Lisette (zuckersüß: Magali Noël) – auch dem aufmerksamen Zuschauer bieten sich Hinweise darauf, daß der unnahbare Henri sein eigenes (ehrliches) Süppchen kocht.
R Henri Decoin B Henri Decoin, Maurice Griffe, Auguste Le Breton V Auguste Le Breton K Pierre Montazel M Marc Lejean A Raymon Gabutti S Denise Reiss P Paul Wagner, Alain Poiré, Louis Dubois D Jean Gabin, Marcel Dalio, Lino Ventura, Albert Rémy, Lila Kedrova | F | 105 min | 1:1,37 | sw | 7. April 1955
15.3.55
Mr. Arkadin (Orson Welles, 1955)
Herr Satan persönlich!
»Why’d you grow that awful beard?« – »To scare people with.« Gregory Arkadin (Orson Welles in genialer Bösewicht-Maske), mysteriös, omnipotent, irrsinnig reich, eine rabelaische Gestalt zwischen Sir Basil Zaharoff und König Faruk, ein Mythos des 20. Jahrhunderts, schickt einen allzu gewitzten jungen Mann auf die Suche nach der verlorenen Zeit: Guy van Stratten (hölzern: Robert Arden) soll gewisse Erinnerungslücken im Kopf des Magnaten mit biographischen Recherchen auffüllen, um das große Geheimnis seines sagenhaften Lebens zu lüften. Die Wahrheit, die schließlich ans Licht befördert wird, steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Unheil, das ihre sukzessive Enthüllung anrichtet ... Welles’ kolportagehaft zusammengstückter Stationenthriller – eine absurde Hetzjagd durch die Ruinen des Weltbürgerkrieges der Ideologien und Interessen, eine turbulente Passage durch Freudenhäuser, Schaubuden, Trödelläden und (Alp-)Traumschlösser, eine plakative Studie modernen Glücksrittertums – atmet die Atmosphäre zerstörter Städte und verlorener Illusionen, gleicht einem Tanz auf den Trümmern einer Vergangenheit, die nicht vergehen will. In zwielichtig schillernden erzählerischen Splittern reflektiert »Mr. Arkadin«, eine grelle Pulp-Version von »Citizen Kane«, die existenzielle Desolatesse seiner Zeit recht eindrücklich.
R Orson Welles B Orson Welles K Jean Bourgoin M Paul Misraki A Orson Welles S Renzo Lucidi P Louis Dolivet, Orson Welles D Orson Welles, Robert Arden, Paola Mori, Michael Redgrave, Akim Tamiroff | F & E & CH | 95 min | 1:1,37 | sw | 15. März 1955
»Why’d you grow that awful beard?« – »To scare people with.« Gregory Arkadin (Orson Welles in genialer Bösewicht-Maske), mysteriös, omnipotent, irrsinnig reich, eine rabelaische Gestalt zwischen Sir Basil Zaharoff und König Faruk, ein Mythos des 20. Jahrhunderts, schickt einen allzu gewitzten jungen Mann auf die Suche nach der verlorenen Zeit: Guy van Stratten (hölzern: Robert Arden) soll gewisse Erinnerungslücken im Kopf des Magnaten mit biographischen Recherchen auffüllen, um das große Geheimnis seines sagenhaften Lebens zu lüften. Die Wahrheit, die schließlich ans Licht befördert wird, steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Unheil, das ihre sukzessive Enthüllung anrichtet ... Welles’ kolportagehaft zusammengstückter Stationenthriller – eine absurde Hetzjagd durch die Ruinen des Weltbürgerkrieges der Ideologien und Interessen, eine turbulente Passage durch Freudenhäuser, Schaubuden, Trödelläden und (Alp-)Traumschlösser, eine plakative Studie modernen Glücksrittertums – atmet die Atmosphäre zerstörter Städte und verlorener Illusionen, gleicht einem Tanz auf den Trümmern einer Vergangenheit, die nicht vergehen will. In zwielichtig schillernden erzählerischen Splittern reflektiert »Mr. Arkadin«, eine grelle Pulp-Version von »Citizen Kane«, die existenzielle Desolatesse seiner Zeit recht eindrücklich.
R Orson Welles B Orson Welles K Jean Bourgoin M Paul Misraki A Orson Welles S Renzo Lucidi P Louis Dolivet, Orson Welles D Orson Welles, Robert Arden, Paola Mori, Michael Redgrave, Akim Tamiroff | F & E & CH | 95 min | 1:1,37 | sw | 15. März 1955
27.2.55
Murder is My Beat (Edgar G. Ulmer, 1955)
Mord ist mein Geschäft
»The only way I can wake up from this nightmare is to go to sleep.« Ein Cop (sentimental deadpan: Paul Langton) verknallt sich in eine verurteilte Mörderin (cheap bombshell: Barbara Payton), flüchtet mit ihr, um ihre Unschuld zu beweisen: »When a man begins to doubt what he represents is right, must be right, he’s coming apart at the seams.« Ein Mann im Irrgarten von Gewißheit und Zweifel, von Lüge und Wahrheit; die Frau, die er liebt, heißt Eden Lane: ein lockendes Versprechen, ein Kindertraum vom Weg (zurück) zur Reinheit. Edgar G. Ulmer erzählt seinen romantischen Thriller mit deutlichen Noir-Anklängen: Rückblende und Off-Kommentar, Identitätsdiffusion und Doppelspiel. Fast die ganze trübe Geschichte spielt zwischen flach beleuchteten Pappwänden, die mal ein Büro, mal eine Bar, mal ein Motelzimmer, mal eine Kirche repräsentieren. Gelegentlich läuft Ulmer (im Rahmen der budgetbegrenzten Möglichkeiten) zu gestalterischer Hochform auf, etwa wenn der Polizist die Spur der gesuchten Verbrecherin durch dichtes Schneetreiben verfolgt, oder wenn das Stampfen eines Zuges, das aufgeregte Tuten der Lokomotive, das Hin und Her der Pleuelstangen, das Dampfschnauben des Schornsteins die brodelnden Emotionen des verunsicherten Helden veranschaulicht. Ein plakatives happy ending wischt das Schwarz des irdischen Jammertals beiseite und eröffnet die Aussicht auf eine Hochzeit in Weiß, auf die Heimkehr ins Paradies.
R Edgar G. Ulmer B Aubrey Wisberg, Martin Field K Harold E. Wellman M Albert Glasser A James Sullivan S Fred R. Feitshans Jr. P Aubrey Wisberg D Paul Langton, Barbara Payton, Robert Shayne, Tracey Roberts, Roy Gordon | USA | 77 min | 1:1,37 | sw | 27. Februar 1955
# 782 | 15. Oktober 2013
R Edgar G. Ulmer B Aubrey Wisberg, Martin Field K Harold E. Wellman M Albert Glasser A James Sullivan S Fred R. Feitshans Jr. P Aubrey Wisberg D Paul Langton, Barbara Payton, Robert Shayne, Tracey Roberts, Roy Gordon | USA | 77 min | 1:1,37 | sw | 27. Februar 1955
# 782 | 15. Oktober 2013
23.2.55
Des Teufels General (Helmut Käutner, 1955)
»Wer auf Erden des Teufels General war, muß ihm auch Quartier in der Hölle machen.« Nazi-Noir in Uniform: Curd Jürgens als polternder Luftwaffen-General Harras, Verantwortlicher für Entwicklung und Produktion von großdeutschen Kampfflugzeugen, der den verachteten Vertretern der Herrenrasse mit respektlosen Herrenwitzen Paroli zu bieten versucht: »Prost mit'm leeren Glas. Der Führer ist Abstinenzler.« Erst als Harras, nach zahlreichen Unglücksfällen und noch zahlreicheren Unbotmäßigkeiten, zu Abschreckungszwecken verhaftet und einer »psychologischen Behandlung« unterzogen wird, erkennt der alte Flieger die wirkliche Lage der Dinge … Jürgens verleiht dieser hochgradig ambivalenten, zwischen lukullischer Machtlust und sentimentaler Lebensfreude, soldatischer Überheblichkeit und verspäteter Erkenntnis pendelnden Figur (stellenweise übertrieben) saftig-kräftiges Leinwandleben. Die von Helmut Käutner zelebrierte grell-dunkle (Kriegs-)Stimmung – manischer Frohsinn, verzweifelter Idealismus, resignierte Romantik, lauernde Angst – überzeugt ebenso wie die süffisante Besetzung des schwarzledernen SS-Schurken Schmidt-Lausitz mit Viktor de Kowa, einem Sonnyboy der Ufa-Films und gelegentlichem Propagandaregisseur von Goebbels’ Gnaden; weniger treffend wirken hingegen einige kokette visuelle Chiffren (Görings dicker Schatten, Himmlers Zwicker) sowie Carl Zuckmayers (drehbuchmäßig entschärfte) Sabotage-Story um den widerständlerischen Konstrukteur Oderberg (Karl John): Gerade die sogenannten unpolitischen Techniker waren (und sind) es ja, die sich zumeist als kritiklos ergebene Helfer der Mächtigen erweisen.
R Helmut Käutner B Helmut Käutner, Georg Hurdalek V Carl Zuckmayer K Albert Benitz A Herbert Kirchhoff, Albrecht Becker S Klaus Dudenhöfer P Walter Koppel D Curd Jürgens, Viktor de Kowa, Karl John, Eva-Ingeborg Scholz, Marianne Koch | BRD | 120 min | 1:1,37 | sw | 23. Februar 1955
R Helmut Käutner B Helmut Käutner, Georg Hurdalek V Carl Zuckmayer K Albert Benitz A Herbert Kirchhoff, Albrecht Becker S Klaus Dudenhöfer P Walter Koppel D Curd Jürgens, Viktor de Kowa, Karl John, Eva-Ingeborg Scholz, Marianne Koch | BRD | 120 min | 1:1,37 | sw | 23. Februar 1955
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Zuckmayer,
Zweiter Weltkrieg
13.2.55
The Big Combo (Joseph H. Lewis, 1955)
Geheimring 99
»Hate! Hate is the word.« Lieutenant Diamond (»a righteous man«: Cornel Wilde) setzt alles daran, den berüchtigten Gangsterboß Mr. Brown (»a ›very reasonable‹ man«: Richard Conte) zu Fall zu bringen. Trotz des Einsatzes beträchtlicher finanzieller Mittel und regelmäßiger umfangreicher Razzien bleiben seine Bemühungen erfolglos: Dem selbstüberzeugt-rücksichtslosen Schurken (»First is first, and second is nobody.«), der stets ein infames Grinsen zur Schau trägt, ist mit herkömmlicher Polizeiarbeit nicht beizukommen. Diamond nimmt Browns blonde Geliebte Susan Lowell (»a wayward girl«: Jean Wallace), der er selbst mit Haut und Haaren verfallen ist, ins Visier, um auf diesem Wege justiziable Informationen zu gewinnen ... Joseph H. Lewis entwickelt aus der brisanten Dreieckskonstallation ein finsteres Melodram, in dem alles (zumeist gewalttätige) Handeln triebgesteuert, zwanghaft, alternativlos erscheint: »I live in a maze, Mr. Diamond«, bekennt Susan, »a strange, blind and backward maze, and all the little twisting paths lead back to Mr. Brown.« Plastisch gezeichnete Nebenfiguren (ein entthronter Bandenchef, der seinem Nachfolger Handlangerdienste leisten muß; zwei Killer, die einander in liebevoller Freundschaft verbunden sind; eine abgelegte Ehefrau, die sich aus Angst in den Wahnsinn flüchtet), dazu David Raksins jazzig-urbaner Score und Philip Yordans pointierte Hard-boiled-Dialoge, vor allem aber John Altons virtuose Schwarzweißkamera, die in extrem reduzierten Szenerien mittels harter Schlaglichter und tiefer Schatten, scharfer Konturen und diffuser Nebelschleier einen (beinahe) unentrinnbaren Gefühls-und Großstadtdschungel erschafft, heben »The Big Combo« in den Rang eines schwarzen Meisterwerks.
R Joseph H. Lewis B Philip Yordan K John Alton M David Raksin A Rudi Feld S Robert Eisen P Sidney Harmon D Cornel Wilde, Richard Conte, Brian Donlevy, Jean Wallace, Lee van Cleef | USA | 88 min | 1:1,85 | sw | 13. Februar 1955
# 1084 | 5. Dezember 2017
»Hate! Hate is the word.« Lieutenant Diamond (»a righteous man«: Cornel Wilde) setzt alles daran, den berüchtigten Gangsterboß Mr. Brown (»a ›very reasonable‹ man«: Richard Conte) zu Fall zu bringen. Trotz des Einsatzes beträchtlicher finanzieller Mittel und regelmäßiger umfangreicher Razzien bleiben seine Bemühungen erfolglos: Dem selbstüberzeugt-rücksichtslosen Schurken (»First is first, and second is nobody.«), der stets ein infames Grinsen zur Schau trägt, ist mit herkömmlicher Polizeiarbeit nicht beizukommen. Diamond nimmt Browns blonde Geliebte Susan Lowell (»a wayward girl«: Jean Wallace), der er selbst mit Haut und Haaren verfallen ist, ins Visier, um auf diesem Wege justiziable Informationen zu gewinnen ... Joseph H. Lewis entwickelt aus der brisanten Dreieckskonstallation ein finsteres Melodram, in dem alles (zumeist gewalttätige) Handeln triebgesteuert, zwanghaft, alternativlos erscheint: »I live in a maze, Mr. Diamond«, bekennt Susan, »a strange, blind and backward maze, and all the little twisting paths lead back to Mr. Brown.« Plastisch gezeichnete Nebenfiguren (ein entthronter Bandenchef, der seinem Nachfolger Handlangerdienste leisten muß; zwei Killer, die einander in liebevoller Freundschaft verbunden sind; eine abgelegte Ehefrau, die sich aus Angst in den Wahnsinn flüchtet), dazu David Raksins jazzig-urbaner Score und Philip Yordans pointierte Hard-boiled-Dialoge, vor allem aber John Altons virtuose Schwarzweißkamera, die in extrem reduzierten Szenerien mittels harter Schlaglichter und tiefer Schatten, scharfer Konturen und diffuser Nebelschleier einen (beinahe) unentrinnbaren Gefühls-und Großstadtdschungel erschafft, heben »The Big Combo« in den Rang eines schwarzen Meisterwerks.
R Joseph H. Lewis B Philip Yordan K John Alton M David Raksin A Rudi Feld S Robert Eisen P Sidney Harmon D Cornel Wilde, Richard Conte, Brian Donlevy, Jean Wallace, Lee van Cleef | USA | 88 min | 1:1,85 | sw | 13. Februar 1955
# 1084 | 5. Dezember 2017
29.1.55
Les diaboliques (Henri-Georges Clouzot, 1955)
Die Teuflischen
Die kalte, klaustrophobische Hölle, in der Henri-Georges Clouzot »Les diaboliques« ansiedelt, ist eine Privatschule in der Pariser Banlieue, ein verfluchter, grauer Kasten, wo ewiger November herrscht, wo den Zöglingen der stinkende Fisch von gestern serviert wird. Direktor Delassalle (Paul Meurisse) ist ein Sadist, der seine herzkranke Frau (Véra Clouzot) und seine aparte Geliebte (Simone Signoret) gleichermaßen lustvoll quält – bis die Frauen beschließen, das Scheusal zu töten: Delassalle wird sediert und sodann ersäuft wie eine Katze – doch wie eine Katze hat auch er mehr Leben als eins ... Der Horror des Films liegt weniger in Schock- oder Gruseleffekten, als vielmehr in der völligen Abwesenheit von Nächstenliebe sowie in der bodenlosen moralischen Schäbigkeit, von denen die beschriebene kleine, enge Welt (die wohl als Metapher der großen, weiten verstanden werden darf) beherrscht wird. Mit einem vorangestellten Motto beansprucht Clouzot für die schwarze Erzählung (nach einen Roman von Boileau und Narcejac) eine kathartische Wirkung, aber letztlich lassen seine boshafte Freude an genüßlich ausgebreiteten Gemeinheiten und sein diebische Vergnügen am kinematographischen Hakenschlagen das ethische Erkenntnisinteresse in den Hintergrund treten. Neben der zentralen Dreierkonstellation spielen Michel Serrault und Pierre Larquey (als armselige Schulmeister) sowie Charles Vanel (als insistierender Bulle im Ruhestand) prägnante Nebenrollen; Armand Thirard kleidet die Verkommenheit in vollkommene Bilder.
R Henri-Georges Clouzot B Henri-Georges Clouzot, Jérôme Géronimi V Pierre Boileau, Thomas Narcejac K Armand Thirard M Georges Van Parys A Léon Barsacq S Madeleine Gug P Henri-Georges Clouzot D Simone Signoret, Véra Clouzot, Paul Meurisse, Charles Vanel, Noël Roquevert | F | 114 min | 1:1,37 | sw | 29. Januar 1955
Die kalte, klaustrophobische Hölle, in der Henri-Georges Clouzot »Les diaboliques« ansiedelt, ist eine Privatschule in der Pariser Banlieue, ein verfluchter, grauer Kasten, wo ewiger November herrscht, wo den Zöglingen der stinkende Fisch von gestern serviert wird. Direktor Delassalle (Paul Meurisse) ist ein Sadist, der seine herzkranke Frau (Véra Clouzot) und seine aparte Geliebte (Simone Signoret) gleichermaßen lustvoll quält – bis die Frauen beschließen, das Scheusal zu töten: Delassalle wird sediert und sodann ersäuft wie eine Katze – doch wie eine Katze hat auch er mehr Leben als eins ... Der Horror des Films liegt weniger in Schock- oder Gruseleffekten, als vielmehr in der völligen Abwesenheit von Nächstenliebe sowie in der bodenlosen moralischen Schäbigkeit, von denen die beschriebene kleine, enge Welt (die wohl als Metapher der großen, weiten verstanden werden darf) beherrscht wird. Mit einem vorangestellten Motto beansprucht Clouzot für die schwarze Erzählung (nach einen Roman von Boileau und Narcejac) eine kathartische Wirkung, aber letztlich lassen seine boshafte Freude an genüßlich ausgebreiteten Gemeinheiten und sein diebische Vergnügen am kinematographischen Hakenschlagen das ethische Erkenntnisinteresse in den Hintergrund treten. Neben der zentralen Dreierkonstellation spielen Michel Serrault und Pierre Larquey (als armselige Schulmeister) sowie Charles Vanel (als insistierender Bulle im Ruhestand) prägnante Nebenrollen; Armand Thirard kleidet die Verkommenheit in vollkommene Bilder.
R Henri-Georges Clouzot B Henri-Georges Clouzot, Jérôme Géronimi V Pierre Boileau, Thomas Narcejac K Armand Thirard M Georges Van Parys A Léon Barsacq S Madeleine Gug P Henri-Georges Clouzot D Simone Signoret, Véra Clouzot, Paul Meurisse, Charles Vanel, Noël Roquevert | F | 114 min | 1:1,37 | sw | 29. Januar 1955
28.1.55
Ludwig II. – Glanz und Ende eines Königs (Helmut Käutner, 1955)
Fantastische Schlösser unter weißblauem Himmel, goldene
Interieurs und samtrote Rosen: ein Technicolor-Märchen über
einen Märchen-König. Ludwig (O. W. Fischer), impulsiv und voller Zuversicht,
ein verspäteter absoluter Monarch, ein radikaler Romantiker, der in Bayern ein Reich der Musen errichten will, zerbricht an der schnöden Tagespolitik, die ihm
einen Krieg abverlangt, wenn er ein Festspielhaus für Richard Wagner (Paul
Bildt) plant, hadert mit Beamtenseelen, die ihn in einen
Finanzrahmen pressen, wenn er die Ewigkeit der Kunst in den Blick nimmt. Oder
verzweifelt Ludwig, weil er den einzigen Menschen, den er liebt, seine Cousine,
die österreichische Kaiserin Elisabeth (Ruth Leuwerik), nicht haben kann? Vielleicht aber begehrt er dieses Wesen – so alleine, so unglücklich, wie er selbst – gerade deswegen so abgöttisch, da es als Objekt des Verlangens nie und nimmer in Frage kommt. Die Einsamkeit entpuppt
sich als Ludwigs Schicksal, eine glanzvolle, eine elende Einsamkeit, in der es ihm,
fernab von den Sachzwängen einer Zeit der militärischen Kraftmeierei und der
Versachlichung aller Werte, bestimmt ist, das Gesamtkunstwerk eines jenseitigen Glücks,
einer zweckfreien Schönheit zu träumen und, glorreich-traurig, zu leben …
Helmut Käutner inszeniert eine farbenprächtige biographische Legende, eine
opulente historische Fiktion, ein majestätisches Melodram der (Ohn-)Macht; Hein
Heckroth, der schon fulminante Kinovisionen für Powell und Pressburger baute,
gestaltet adäquate filmische Räume für eine Figur, die beinahe panisch in die
Größe flieht, die ein ewiges Rätsel bleiben will – sich selbst und allen anderen.
# 870 | 29. Mai 2014
26.1.55
Pokolenie (Andrzej Wajda, 1955)
Eine Generation
Während Andrzej Wajda im volksdemokratischen Nachkriegspolen seinen Erstling dreht, liegt der ›Vater der Völker‹ gerade mal ein Jahr neben Lenin im Mausoleum auf dem Roten Platz – und so wehen denn durch »Pokolenie« noch dicke Schwaden stalinistischen Gesinnungsdampfes. Die Geschichte des hitzköpfigen Lumpenproletariers Stach aus den Slums von Warschau, der im Widerstand gegen die deutschen Besatzer zum vorbildlichen Kommunisten reift, wird mit viel heroischer Untersicht und schimmernden Glanzlichtern in den Augen erzählt. Alte Arbeiter dozieren über den Mann mit dem weißen Bart, der das Gesetz des Mehrwerts erkannt hat, und wenn ein Gerechter fällt, stehen fünf andere für ihn auf. Daß dieser Film aus der Polnischen (Vor-)Schule trotz gestanzter Charaktere und genormter Handlung über weite Strecken fesselt, verdankt er neben Wajdas inszenatorischer Prägnanz und den ruinösen Settings (die teils von der Wirklichkeit, teils vom Ausstatter Roman Mann geschaffen wurden) nicht zuletzt der Darstellungskraft von Tadeusz Łomnicki, der die zentrale Heldenfigur immer wieder zu brechen vermag und ihr mit seinem naiven Grinsen, seinen pubertären Posen, seiner jugendlichen Impulsivität etwas zutiefst Menschliches und Anrührendes verleiht.
R Andrzej Wajda B Bohdan Czesko V Bohdan Czesko K Jerzy Lipmann M Andrzej Markowski A Roman Mann S Czesław Raniszewski P Ignacy Taub D Tadeusz Łomnicki, Urszula Modrzyńska, Tadeusz Janczar, Janusz Paluszkiewicz, Roman Polański | PL | 83 min | 1:1,37 | sw | 26. Januar 1955
Während Andrzej Wajda im volksdemokratischen Nachkriegspolen seinen Erstling dreht, liegt der ›Vater der Völker‹ gerade mal ein Jahr neben Lenin im Mausoleum auf dem Roten Platz – und so wehen denn durch »Pokolenie« noch dicke Schwaden stalinistischen Gesinnungsdampfes. Die Geschichte des hitzköpfigen Lumpenproletariers Stach aus den Slums von Warschau, der im Widerstand gegen die deutschen Besatzer zum vorbildlichen Kommunisten reift, wird mit viel heroischer Untersicht und schimmernden Glanzlichtern in den Augen erzählt. Alte Arbeiter dozieren über den Mann mit dem weißen Bart, der das Gesetz des Mehrwerts erkannt hat, und wenn ein Gerechter fällt, stehen fünf andere für ihn auf. Daß dieser Film aus der Polnischen (Vor-)Schule trotz gestanzter Charaktere und genormter Handlung über weite Strecken fesselt, verdankt er neben Wajdas inszenatorischer Prägnanz und den ruinösen Settings (die teils von der Wirklichkeit, teils vom Ausstatter Roman Mann geschaffen wurden) nicht zuletzt der Darstellungskraft von Tadeusz Łomnicki, der die zentrale Heldenfigur immer wieder zu brechen vermag und ihr mit seinem naiven Grinsen, seinen pubertären Posen, seiner jugendlichen Impulsivität etwas zutiefst Menschliches und Anrührendes verleiht.
R Andrzej Wajda B Bohdan Czesko V Bohdan Czesko K Jerzy Lipmann M Andrzej Markowski A Roman Mann S Czesław Raniszewski P Ignacy Taub D Tadeusz Łomnicki, Urszula Modrzyńska, Tadeusz Janczar, Janusz Paluszkiewicz, Roman Polański | PL | 83 min | 1:1,37 | sw | 26. Januar 1955
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Warschau,
Widerstand,
Zweiter Weltkrieg
7.1.55
Bad Day at Black Rock (John Sturges, 1955)
Stadt in Angst
Moderner, sonnenheller Noir-Western in unwirtlichem CinemaScope und staubigem Eastmancolor: Spencer Tracy (als wortkarger einarmiger Kriegsveteran) kommt in eine gottverlassenes Kaff, wo die Züge seit Jahren nicht mehr nicht halten. Eigentlich will er nur die Tapferkeitsmedaille eines toten Kameraden an dessen Familie übergeben, aber der ungebetene Besuch des alten Mannes weckt schlafende Hunde (Robert Ryan, Lee Marvin, Ernest Borgnine), die schließlich im Rudel über den Fremden herfallen. Das Lüften ihres schmutzigen Geheimnisses können sie dennoch nicht verhindern – »denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werde.« Ein ranker, schlanker Wüstenthriller vom zuverlässigen John Sturges.
R John Sturges B Millard Kaufman, Don McGuire K William C. Mellor M André Previn A Malcolm Brown, Cedric Gibbons S Newell P. Kimlin P Dore Schary D Spencer Tracy, Robert Ryan, Anne Francis, Lee Marvin, Ernest Borgnine | USA | 81 min | 1:2,35 | f | 7. Januar 1955
Moderner, sonnenheller Noir-Western in unwirtlichem CinemaScope und staubigem Eastmancolor: Spencer Tracy (als wortkarger einarmiger Kriegsveteran) kommt in eine gottverlassenes Kaff, wo die Züge seit Jahren nicht mehr nicht halten. Eigentlich will er nur die Tapferkeitsmedaille eines toten Kameraden an dessen Familie übergeben, aber der ungebetene Besuch des alten Mannes weckt schlafende Hunde (Robert Ryan, Lee Marvin, Ernest Borgnine), die schließlich im Rudel über den Fremden herfallen. Das Lüften ihres schmutzigen Geheimnisses können sie dennoch nicht verhindern – »denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werde.« Ein ranker, schlanker Wüstenthriller vom zuverlässigen John Sturges.
R John Sturges B Millard Kaufman, Don McGuire K William C. Mellor M André Previn A Malcolm Brown, Cedric Gibbons S Newell P. Kimlin P Dore Schary D Spencer Tracy, Robert Ryan, Anne Francis, Lee Marvin, Ernest Borgnine | USA | 81 min | 1:2,35 | f | 7. Januar 1955
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30.12.54
Die goldene Pest (John Brahm, 1954)
»Hier scheint noch Krieg zu sein.« Ein Dorf in »stampfender, rollender Zeit«: Dossental (realiter: Baumholder bei Kaiserslautern) erlebt infolge des Ausbaus einer US-Army-Garnison Modernisierung, Kapitalisierung, Amerikanisierung im Schweinsgalopp. Die Felder der Umgebung werden zum Truppenübungsplatz, Wohnblocks für die Besatzungssoldaten schießen wie Pilze aus dem Boden, erlebnishungrige GIs bevölkern die Gemeinde, windige Geschäftemacher versprechen der besorgt-begierigen Bevölkerung allgemeinen Aufschwung und hohen Gewinn. Eine alte Dame (»Wir arbeiten hier alle wie narrisch«) verwandelt ihr Kolonialwarengeschäft in eine Souvenirbude, in Bauernhäusern etablieren sich Stundenhotels, alkoholische Mixgetränke und Coca Cola fließen in Strömen, ein mysteriöser Unternehmer mit Pelzkragen, Menjoubärtchen und Sonnenbrille (»Nennen Sie mich nicht Chef.« – »Jawohl, Herr Direktor.«) läßt mitten im Ort ein Zelt aufstellen, wo allabendlich Travestie, Schlammcatchen und »Dschäß« (»Suddenly, I feel so happy.«) auf dem Programm stehen. Die radikalen gesellschaftlichen Veränderungen werden mit den Augen eines Heimkehrers (unbestechlich: Ivan Desny) gesehen, der die Heimat nicht wiedererkennt: Korruption und Nepp sind die neuen Herren, der vormals beste Freund (fiebrig: Karlheinz Böhm) ist in Schiebereien und Drogenhandel verwickelt, nur die große Liebe von damals (lammfromm: Gertrud Kückelmann) erinnert noch an gute alten Zeiten. Regisseur John Brahm – aus Deutschland gebürtig, im Hollywooder Exil zum Spezialisten des Gothic Noir gereift – macht nicht begehrliche Nutznießer oder willige Mitläufer sondern anonyme Mächte für die Wohlstandsverwahrlosung verantwortlich. Schon der Titel des Films apostrophiert den Boom als eingeschleppte Krankheit (die mit einem reinigenden Feuer auszumerzen sei) – so bleibt die Analyse der Verhältnisse, bei aller Unterhaltsamkeit der Erzählung, entsprechend oberflächlich.
R John Brahm B Dieter Werner K Klaus von Rautenfeld M Hans Martin Majewski A Alf Bütow S Wolfgang Flaum, Walter Boos P Gerhard T. Buchholz D Ivan Desny, Karlheinz Böhm, Gertrud Kückelmann, Erich Ponto, Alexander Golling, Wilfried Seyfert | BRD | 93 min | 1:1,37 | f | 30. Dezember 1954
# 1091 | 5. Dezember 2017
R John Brahm B Dieter Werner K Klaus von Rautenfeld M Hans Martin Majewski A Alf Bütow S Wolfgang Flaum, Walter Boos P Gerhard T. Buchholz D Ivan Desny, Karlheinz Böhm, Gertrud Kückelmann, Erich Ponto, Alexander Golling, Wilfried Seyfert | BRD | 93 min | 1:1,37 | f | 30. Dezember 1954
# 1091 | 5. Dezember 2017
Canaris (Alfred Weidenmann, 1954)
In der Tradition des großdeutschen Geniefilms sowie unter Ausblendung einiger wesentlicher historischer Fakten stilisieren Herbert Reinecker (Drehbuch) und Alfred Weidenmann (Regie) den Abwehrchef der Wehrmacht, Admiral Wilhelm Canaris, zum Verfechter der Wahrheit im Reich der Lüge, zum Kämpfer für den Frieden in Zeiten des Krieges. Es waren nicht alle schlecht, postuliert diese erzählerisch gewiefte Mischung aus Spionagereißer und Gewissensdrama, ein Film, der voll stolzer Inbrunst so tut, als könnte ein richtiges Leben im falschen gelingen. Charakterliche Zwiespältigkeiten leger beiseite schiebend, rückt »Canaris« die Titelfigur ins pathetische Licht des allzeit guten Gewissens – und O. E. Hasse versieht den aufrechten Mahner und Warner, den jovialen Hunde- und Menschenfreund mit dem stechenden Blick und der sonoren Stimme des überlegen-widerständigen Geistes: »Im Grunde wissen wir immer ganz genau, was wir tun müssen. Nur dieses bißchen Angst hindert uns daran, den richtigen Weg zu gehen.«
R Alfred Weidenmann B Herbert Reinecker, Erich Ebermayer K Franz Weihmayr M Siegfried Franz A Rolf Zehetbauer, Albrecht Hennings S Ilse Voigt P F. A. Mainz D O. E. Hasse, Barbara Rütting, Adrian Hoven, Martin Held, Wolfgang Preiss | BRD | 112 min | 1:1,37 | sw | 30. Dezember 1954
R Alfred Weidenmann B Herbert Reinecker, Erich Ebermayer K Franz Weihmayr M Siegfried Franz A Rolf Zehetbauer, Albrecht Hennings S Ilse Voigt P F. A. Mainz D O. E. Hasse, Barbara Rütting, Adrian Hoven, Martin Held, Wolfgang Preiss | BRD | 112 min | 1:1,37 | sw | 30. Dezember 1954
Labels:
Biographie,
Drama,
Hasse,
Held,
Hoven,
Krieg,
Militär,
Nationalsozialismus,
Reinecker,
Spionage,
Weidenmann,
Widerstand,
Zweiter Weltkrieg
22.12.54
Huis clos (Jacqueline Audry, 1954)
Geschlossene Gesellschaft
Die erste Frage des Neuankömmlings gilt den Folterwerkzeugen. Der joviale Hausdiener kann darüber nur lachen (er lacht überhaupt recht viel): In der Hölle benötigt man keine komplizierten Instrumente zur Marter der Verdammten. Es reichen ein intimer, leicht überheizter Salon style Napoléon III, geschlossene Türen und (jetzt wird es infam): zwei Mitbewohner. »Three’s a crowd«, sagt eine englische Redensart, ein französischer Dramatiker-Philosoph postuliert: »L’enfer c’est les autres« – und sperrt zum Beweis dieser These einen großsprecherisch-feigen Revoluzzer, ein reiches Flittchen sowie eine sarkastische Lesbe zusammen, die sich das (Nach-)Leben gegenseitig, man ahnt es: zur Hölle machen, indem sie Eigensucht und Selbstbetrug, Gier und Schuld der anderen mitleidlos enthüllen. Jacqueline Audrys Leinwand-Adaption des parabolischen Sartre-Stücks funktioniert immer dann, wenn sie die drei armen Teufel streiten, höhnen, zetern, heulen läßt – sobald der Film jedoch das geschmacklose Unterweltgemach verläßt, um in Flashbacks Vergangenheit und Charakter der Delinquenten zu illustrieren, verlieren sich mit der klaustrophobischen Enge des Settings auch die kammerspielhafte Konzentration und die gallig-ironische Härte des Befundes über die (ausweglose) menschliche Grundsituation.
R Jacqueline Audry B Pierre Laroche V Jean-Paul Sartre K Robert Juillard M Joseph Kosma A Maurice Colasson S Marguerite Beaugé P Edmond Ténoudji D Arletty, Franck Villard, Gaby Sylvia, Yves Deniaud, Nicole Courcel | F | 95 min | 1:1,37 | sw | 22. Dezember 1954
Die erste Frage des Neuankömmlings gilt den Folterwerkzeugen. Der joviale Hausdiener kann darüber nur lachen (er lacht überhaupt recht viel): In der Hölle benötigt man keine komplizierten Instrumente zur Marter der Verdammten. Es reichen ein intimer, leicht überheizter Salon style Napoléon III, geschlossene Türen und (jetzt wird es infam): zwei Mitbewohner. »Three’s a crowd«, sagt eine englische Redensart, ein französischer Dramatiker-Philosoph postuliert: »L’enfer c’est les autres« – und sperrt zum Beweis dieser These einen großsprecherisch-feigen Revoluzzer, ein reiches Flittchen sowie eine sarkastische Lesbe zusammen, die sich das (Nach-)Leben gegenseitig, man ahnt es: zur Hölle machen, indem sie Eigensucht und Selbstbetrug, Gier und Schuld der anderen mitleidlos enthüllen. Jacqueline Audrys Leinwand-Adaption des parabolischen Sartre-Stücks funktioniert immer dann, wenn sie die drei armen Teufel streiten, höhnen, zetern, heulen läßt – sobald der Film jedoch das geschmacklose Unterweltgemach verläßt, um in Flashbacks Vergangenheit und Charakter der Delinquenten zu illustrieren, verlieren sich mit der klaustrophobischen Enge des Settings auch die kammerspielhafte Konzentration und die gallig-ironische Härte des Befundes über die (ausweglose) menschliche Grundsituation.
R Jacqueline Audry B Pierre Laroche V Jean-Paul Sartre K Robert Juillard M Joseph Kosma A Maurice Colasson S Marguerite Beaugé P Edmond Ténoudji D Arletty, Franck Villard, Gaby Sylvia, Yves Deniaud, Nicole Courcel | F | 95 min | 1:1,37 | sw | 22. Dezember 1954
Labels:
Arletty,
Audry,
Drama,
Hölle,
Jenseits,
Kammerspiel,
Sartre,
Tragikomödie
5.11.54
Angst (Roberto Rossellini, 1954)
»Ich kann so nicht mehr weiter.« Ingrid Bergman spielt Irene Wagner: Direktorin eines Pharmaunternehmens, das sie geschickt durch Krieg und Nachkrieg führte, Gattin des gesetzten Chemikers Albert (ungerührt: Mathias Wieman), Mutter zweier Kinder, Geliebte eines blonden Komponisten (aalglatt: Kurt Kreuger) … Roberto Rossellini beginnt seine Adaption der Novelle von Stefan Zweig mit der langen Fahrt eines Mercedes-Cabriolets durch das abendliche München: Marienplatz und Kaufingerstraße, Asphalt und Neonschriften, Menschenmengen und Straßenbahnen – die Geschäftigkeit des Wirtschaftswunders wird von der thrilleresk erregten Musik unheilvoll aufgeladen. Es folgen ein Zank zwischen Irene und ihrem vorwurfsvollen Liebhaber und kurz darauf, vor dem stattlichen Anwesen der Fabrikantin, der unvermittelte Auftritt einer jungen Frau (offensiv: Renate Mannhardt), die Irene beschuldigt, ihr den Freund abspenstig gemacht zu haben, und sie, unter der Androhung, die Affäre auffliegen zu lassen, im weiteren Verlauf der Erzählung um immer größere Summen erpreßt. Rossellini beobachtet die scheinbar unausweichlich fortschreitende Verstrickung seiner Protagonistin (und Noch-Ehefrau) in ein Gespinst aus Schuld und Lüge, ihre zunehmende Nervosität, ihre sich zur Panik steigernde Angst, ihre suizidale Verzweiflung mit derselben stoischen Nüchternheit, die Albert (der stets »an den Grund der Dinge gehen« will), den mit allerlei giftigen Substanzen behandelten Versuchstieren im Laboratorium angedeihen läßt. Ein Film wie ein riskantes wissenschaftliches Experiment – akademisch-kühl und spannungsreich-provokant zugleich.
R Roberto Rossellini B Sergio Amidei, Franz Graf Treuberg V Stefan Zweig K Heinz Schnackertz, Carlo Carlini M Renzo Rossellini S Walter Boos P Jochen Genzow, Mario Del Papa D Ingrid Bergman, Mathias Wieman, Renate Mannhardt, Kurt Kreuger, Elise Aulinger | BRD & I | 83 min | 1:1,37 | f | 5. November 1954
# 1089 | 5. Dezember 2017
R Roberto Rossellini B Sergio Amidei, Franz Graf Treuberg V Stefan Zweig K Heinz Schnackertz, Carlo Carlini M Renzo Rossellini S Walter Boos P Jochen Genzow, Mario Del Papa D Ingrid Bergman, Mathias Wieman, Renate Mannhardt, Kurt Kreuger, Elise Aulinger | BRD & I | 83 min | 1:1,37 | f | 5. November 1954
# 1089 | 5. Dezember 2017
Labels:
Drama,
Ehe,
Ehebruch,
Erpressung,
Fabrik,
Ingrid Bergman,
Melodram,
München,
Noir,
Rossellini,
Thriller,
Wissenschaft
14.10.54
Emil und die Detektive (Robert A. Stemmle, 1954)
Die zweite deutsche Verfilmung des Klassikers von Erich Kästner (nach Gerhard Lamprechts und Billy Wilders Adaption von 1931): Wieder reist der Junge Emil Tischbein (Peter Finkbeiner) mit der Bahn von Neustadt nach Berlin; wieder stiehlt ihm der Bösewicht Grundeis (Kurt Meisel) die für Großmutter bestimmten 140 Mark aus der Innentasche des Jacketts; wieder findet sich eine Gruppe von mutigen Kindern zusammen, die den Verbrecher observiert, verfolgt, überführt. Der Schauplatz indes hat sich verändert, ist vom Luftkrieg schwer ramponiert. Notbauten säumen die Straßen, deren Asphaltdeckung allenthalben zerborsten ist; die Detektive schlagen ihr Hauptquartier in einem Symbol der Zerstörung und des Überlebenswillens der einstigen Metropole auf: in der Ruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Die Lügengeschichten des Schurken über die sagenhafte Großstadt Berlin, in der hundertstöckige Hochhäuser stünden, wirken wie Hohn auf die todbringende Hybris, die diese Stätte unlängst noch beherrschte. Um so stärker betont Robert A. Stemmle in seiner Nachkriegsfassung von »Emil und die Detektive« das Element einer wiedererwachten moralischen und öffentlichen Ordnung. Nicht nur daß Emils alleinstehende Mutter einen Wachtmeister heiraten wird, um dem Knaben einen Vater zu geben; am Ende, nach erfolgreicher Arretierung des Spitzbuben, besucht die ganze Bande das Polizeisportfest im Olympiastadion. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.
R Robert A. Stemmle B Robert A. Stemmle V Erich Kästner K Kurt Schulz M Georg Haentzschel A Willi A. Herrmann, Heinrich Weidemann S Hermann Leitner P Kurt Ulrich D Peter Finkbeiner, Kurt Meisel, Margarete Haagen, Heli Finkenzeller, Wolfgang Lukschy | BRD | 96 min | 1:1,37 | f | 14. Oktober 1954
R Robert A. Stemmle B Robert A. Stemmle V Erich Kästner K Kurt Schulz M Georg Haentzschel A Willi A. Herrmann, Heinrich Weidemann S Hermann Leitner P Kurt Ulrich D Peter Finkbeiner, Kurt Meisel, Margarete Haagen, Heli Finkenzeller, Wolfgang Lukschy | BRD | 96 min | 1:1,37 | f | 14. Oktober 1954
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