24.4.66

Joë Caligula – Du suif chez les dabes (José Bénazeraf, 1966)

Joe Caligula

Aus dem Argot-Lexikon: ›suif‹ = Probleme, Skandal, Zank; ›dabe‹ = Vater, Chef, Bordellbesitzer … Joë (Gérard Blain – »un petit mec, trapu, costaud, dingue«) kommt aus dem Süden nach Paris. Er kommt mit seiner Bande und mit seiner geliebten Schwester Brigitte (Jeanne Valérie – »une blonde, longue, au regard absent, mince«). Joë kommt, um Stunk zu machen, um die Bosse das Zittern zu lehren, um die Ordnung in Stücke zu hauen. Joë kommt, um die ehrwürdigen Größen der Unterwelt zu mißhandeln, zu erpressen, abzufackeln, um sie noch als Tote auf dem Weg zum Friedhof unter Feuer zu nehmen. »Il n’y a que la haine pour rendre les gens intelligents«, zitiert eine belesene Nutte aus Albert Camus’ Drama »Caligula«: »Nur der Haß macht die Menschen klug.« Haßt Joë? Ist er klug? »On a faim«, sagt Joë zu einem Alten, den er soeben mit dem Schlagring bearbeitet hat: Wir haben Hunger. Und ihr werdet uns bezahlen. Weil wir Hunger haben. Und weil ihr euren alten Arsch retten wollt … José Bénazeraf verarbeitet Genre-Bausteine und Milieu-Klischees zu einer absurd-brutalen Gangsterfilm-Aufstellung, zur distanziert-tragischen, zerdehnt-komischen Schilderung eines Generationenkonflikts. (Manche kommen, um aufzubauen, manche kommen, um niederzureißen.) Joë ist Held einer nihilistischen Ermächtigungsphantasie, einer somnabulen (Selbst-)Zerstörungvision, einer inzestuösen Pulp-Romanze. (Manche kommen, um zu leben, manche kommen, um zu sterben.) Bénazeraf zelebriert eine Geschichte ohne moralischen Mehrwert, jederzeit bereit, innezuhalten, Situationen durchzukosten, abzuschweifen, seinem Interesse zu folgen, ob einem Striptease oder einem Catfight, ob einem vorbeifahrenden Güterzug oder einem nächtlichen Spaziergang durch Paris. (Manche kommen, um zuzuschauen.) PS: Kurz nach der Premiere wird »Joë Caligula« verboten – wegen der »sinnlosen Anhäufung« von »scènes de violence, de torture et d’érotisme«. Drei Jahre später kommt eine gekürzte Fassung in die Kinos.

R José Bénazeraf B Gérard Trion, José Bénazeraf K Etienne Becker M diverse S Francine Grubert P José Bénazeraf D Gérard Blain, Jeanne Valérie, Ginette Leclerc, Maria Vincent, Jean-Jacques Daubin | F | 85 min | 1:1,66 | sw | 24. April 1966 (8. Januar 1969)

# 811 | 2. Dezember 2013

20.4.66

Ne nous fâchons pas (Georges Lautner, 1966)

Nimm’s leicht, nimm Dynamit

Vor fünf Jahren hat ›Tonio‹ Beretto (Lino Ventura) die Knarre an den Nagel gehängt; nun nennt er sich Antoine, betreibt einen Bootsverleih mit angeschlossener Tauchschule an der Côte d’Azur, und nur eine gewisse (schlagkräftige) Unduldsamkeit im zwischenmenschlichen Bereich erinnert noch an seine unbürgerliche Vergangenheit – die so vergangen (natürlich) nicht ist: Alte Freunde tauchen auf, bitten Antoine um einen Gefallen, überlassen ihm als Dankeschön ein paar Außenstände, deren Eintreibung unversehens einen veritablen Krieg entfesselt. Als zäher Widersacher tritt dem Exganoven (und den treuen Freunden, die er glücklicherweise hat) ein eleganter britischer ›Colonel‹ entgegen, der (auf der Jagd nach Gold) mit seinem Gefolge von kaltblütig-musikalischen Mods die französische Mittelmeerküste unsicher macht. Vom einfachen Schußwechsel mit Handfeuerwaffen steigern Regisseur Georges Lautner und Autor Michel Audiard die zunehmend rachsüchtige Auseinandersetzung über wechselseitige Sprengstoffanschläge bis hin zum Raketenangriff. In sonnendurchfluteten (wenn auch häufig von Explosionswolken vernebelten) Breitwandbildern voller comichafter Gewaltdarstellungen karikieren die Filmemacher neben den Stereotypen des Gangsterfilms insbesondere die Exzesse der pilzköpfigen Popkultur: im Vergleich zu Gitarre und Motorroller erscheinen Revolver und Dynamit als geradezu altmodische Waffen.

R Georges Lautner B Michel Audiard, Marcel Jullian, Jean Marsan, Georges Lautner K Maurice Fellous M Bernard Gérard A Jean Mandaroux S Michelle David P Alain Poiré D Lino Ventura, Jean Levebvre, Michelle Constantin, Mireille Darc, Tommy Duggan | F | 100 min | 1:2,35 | f | 20. April 1966

# 1052 | 27. Mai 2017

14.4.66

Ganovenehre (Wolfgang Staudte, 1966)

»Eine Leiche im Puff war noch nie eine gute Reklame.« Eine Gauner- und Nuttenkomödie aus dem Berlin der 1920er Jahre: Einbrecher Artisten-Orje (liebenswert-tumb: Mario Adorf), nach drei Jahren Brandenburg in die sogenannte Freiheit entlassen, findet dank seiner Freundin Nelly Unterkunft im Massagesalon »Venus von Milo« und Aufnahme in den Sparverein »Biene«, die Berufsorganisation der hauptstädtischen Zuhälter. So wird der (leicht beschränkte) Schränker nolens volens zum Luden, der sich freilich an den feinen Unterschied zwischen »hergeben« und »hingeben« ebensowenig gewöhnen kann wie an den strengen Komment seiner ehrpusseligen Standesgenossen … Vermutlich hatte Wolfgang Staudte eine parodistischen Schwank über die Doppelbödigkeit bürgerlicher Moralvorstellungen im Sinn (»Recht ist, was dem Verein nützt.«), doch seine in synthetischen Studiokulissen über die Bühne gehende Eingroschenoper (≈ Franz Biberkopf in der Pension Schöller) kommt – trotz glanzvoller Besetzung: Curt Bois als windiger »Seiden-Emil«, Gert Fröbe als klotziger »Importen-Paul«; dazu Helen Vita, Karin Baal, Ilse Pagé – kaum je über harmlos-betusame Klamottigkeit hinaus.

R Wolfgang Staudte B Curth Flatow, Hans Wilhelm V Charles Rudolph K Friedel Behn-Grund M Hans Martin Majewski A Werner Schlichting, Isabella Schlichting S Susanne Paschen P Wenzel Lüdecke D Mario Adorf, Curt Bois, Helen Vita, Karin Baal, Gert Fröbe | BRD | 94 min | 1:1,37 | f | 14. April 1966

# 1024 | 2. September 2016

10.4.66

Tokyo nagaremono (Seijun Suzuki, 1966)

Tokyo Drifter

Knallbunter japanischer Pop-Art-Traum von einem melvillesken gangster movie: Tetsu (ein ehemaliger – immer noch mit seiner kriminellen Vergangenheit verstrickter – Yakuza in strahlendem Hellblau) ist das Inbild von Ehre und Treue, und genau diese Eigenschaften sind es, die ihn in einer Welt der Ehr- und Treulosigkeit zu einem heimatlosen (aber dennoch schlag kräftigen) Drifter werden lassen … Ein Actionkrimi als üppige Stilblüte – Seijun Suzukis ironisch-pathetische Ballade der Einsamkeit schwelgt in sentimentaler Musik, artifiziellen Dekorationen und absurd-abstrakten Choreographien. Form follows form.

R Seijun Suzuki B Kohan Kawauchi K Shigeyoshi Mine M Hajime Kaburagi A Takeo Kimura S Shinya Inoue P Tetsuro Nakagawa D Tetsuya Watari, Chieko Matsubara, Hideaki Nitani, Ryuji Kita, Tsuyoshi Yoshida | JP | 89 min | 1:2,35 | f | 10. April 1966

29.3.66

Alfie (Lewis Gilbert, 1966)

Der Verführer läßt schön grüßen

»What’s it all about?« Leben und Treiben eines Londoner Schürzenjägers – von ihm selbst erzählt, respektive: dem Publikum in (fast) allen – amüsanten und charmanten, unappetitlichen und hundserbärmlichen – Einzelheiten direkt ins Gesicht gesagt. Alfie Elkins (Michael Caine), cockney vom Scheitel bis zur Sohle, ist immerhungriger Genußmensch, einfallsreicher Süßholzraspler, straßenköterhafter Leichtfuß und, auf seine Art, lupenreiner Demokrat. Denn in seinen Augen sind sie alle gleich: das nette Mädchen von nebenan und die notorisch untervögelte Ehefrau, das Landei mit dem melancholischem Blick und die bumsfidele Dame in den besten Jahren – eine wie die andere nur Gelegenheit, Objekt, Verbrauchsmaterial, Zwischenspiel. Lewis Gilberts lehrreich-schonungsloses (Selbst-)Portrait eines – zunächst gewinnenden, später bestenfalls mitleiderregenden – Chauvinisten, der auch nach der kaltschnäuzigsten Niedertracht lediglich um sich selber weint, bestrickt bei aller Trostlosigkeit durch Caines authentisch-distanziertes Spiel und den intensiv-unterkühlten Jazz-Score von Sonny Rollins. PS: »My understanding of women only goes as far as the pleasure. When it comes to the pain I’m like any other bloke: I don’t want to know.«

R Lewis Gilbert B Bill Naughton V Bill Naughton K Otto Heller M Sonny Rollins A Peter Mullins S Thelma Connell P Lewis Gilbert D Michael Caine, Julia Foster, Shelley Winters, Jane Asher, Vivien Merchant, Denholm Elliott | UK | 114 min | 1:2,35 | f | 29. März 1966

# 1163 | 2. Juli 2019

17.3.66

Es (Ulrich Schamoni, 1966)

Es: das Kind, das sie (Sabine Sinjen) nicht will, weil sie glaubt, daß er (Bruno Dietrich) es nicht will. Es: das ungestüme Bauwesen, das auch das noch zerstört, was der Bombenkrieg verschonte. Es: das Westberlin kurz nach dem Mauerbau – Stadt der Brachflächen und Brandmauern, der Schnellstraßen und Friedhöfe, der Witwen und Abschreibungsritter, der modischen jungen Paare und der alten Tanten aus dem Osten. Ulrich Schamonis dynamisches Debüt offeriert weniger tieflotende Analyse denn feuilletonistische Momentaufnahmen, weniger Soziologie einer abgewrackten Metropole denn Kaleidoskop eines weltläufigen Provinzkaffs; als intuitiv-impulsiver Sammler von Augenblicken und Tonfällen, als rasender Reporter der privaten, beruflichen, gesellschaftlichen Beziehungen stellt der Autor die Lockerheit des Entwurfs über die Präzision der Ausführung. So entsteht, stickpunktartig, notizenhaft, elliptisch, das anschauliche Stimmungsbild eines Ortes zwischen Aufbruch und Erstarrung, einer Ära zwischen Ungezwungenheit und Sprachlosigkeit. »Es«: eine Zeitkapsel.

R Ulrich Schamoni B Ulrich Schamoni K Gérard Vandenberg M Hans Posegga S Heidi Genée P Horst Manfred Adloff D Sabine Sinjen, Bruno Dietrich, Horst Manfred Adloff, Bernhard Minetti, Tilla Durieux | BRD | 86 min | 1:1,37 | sw | 17. März 1966

12.3.66

Erogotoshi-tachi yori: Jinruigaku nyumon (Shohei Imamura, 1966)

Einführung in die Menschenkunde

Der nette Herr Ogata verdient sein Geld mit der Herstellung von Sexfilmen, mit Zuhälterei (Spezialität: Jungfrauen – irgendwann waren sie es jedenfalls mal) und mit der Organisation von Swinger-Partys. Leicht ist das Leben des Erotikgeschäftsmannes nicht: Polizei und Yakuza setzen ihm ebenso zu wie seine in den Wahnsinn driftende Lebensgefährtin, deren unbotmäßige Kinder sowie ihr verstorbener Gatte, der – als stumm-beredter Zierkarpfen wiedergeboren – die Patchworkfamilie komplettiert. Kein Wunder also, daß Ogata impotent wird – und sich Heilung (nicht nur) seines Leidens von der Konstruktion einer (Sex-)Puppe verspricht: Maschinen sind wenigstens ehrlich ... Shohei Imamuras wundersame Sozialsatire verhandelt – ohne visuell explizit zu werden – Themen wie Pornographie, Prostitution und Promiskuität als Ausdruck der (geschlechtlichen) Frustration einer (hab-)gierigen, zutiefst gestörten (Konsum-)Gesellschaft, in der menschliche Beziehungen nur noch als Austausch von Ware begriffen werden. Eine burleske Einführung in die Anthropologie der Moderne.

R Shohei Imamura B Shohei Imamura, Koji Numata V Akiyuki Nosaka K Shinsaku Himeda M Toshiro Kusunoki, Toshiro Mayuzumi A Hiromi Shiozawi S Matsuo Tanji P Jiro Tomoda D Shoichi Ozawa, Sumiko Sakamoto, Masaomi Kondo, Keiko Sagawa, Ganjiro Nakamura | JP | 128 min | 1:2,35 | sw | 12. März 1966

16.1.66

Our Man Flint (Daniel Mann, 1966)

Derek Flint schickt seine Leiche

»People of the world, there’s no need to panic.« James Coburn ist Flint, Derek Flint. Wo andere Topspione sich mit einem girl zufrieden geben müssen, disponiert Flint (»The Original Man of Mystery«) gleich über vier (später fünf) geneigte junge Damen – und er hat ein Feuerzeug mit 82 Funktionen (»83 if you want to light a cigar«). Flint ist ein Meister aller Klassen (»Is there anything you don't know?« – »A great many things, sir. But, nothing of consequence.«), er tanzt am Bolschoi, und er schnüffelt an einem vergifteten Pfeil noch die Rezeptur der Bouillabaisse heraus, die der Killer vor dem (natürlichen mißglückten) Attentat auf den Agenten genossen hat. In »Our Man Flint«, einer op- und popartigen Verhohnepipelung der Bondmania, rettet der Titelheld unsere schöne Welt vor den Verbesserungsplänen einer Troika ambitionierter Wissenschaftler (Dr. Wu, Dr. Schneider und Dr. Krupov – man bemerke: Chinese, Deutscher und Ruski), die ihren Mitmenschen mittels Ökoterrorismus das irdische Paradies aufzwingen wollen. Ein beschwingter Score (Jerry Goldsmith) und ein kapriziöses Kostümbild (Ray Aghayan) sorgen für unbeschwertes 60s-Feeling; außerdem mit von der Partie: ein antiamerikanischer Adler (»That’s diabolic!«) und Lee J. Cobb als Geheimdienstchef mit blankliegenden Nerven.

R Daniel Mann B Hal Fimberg, Ben Starr K Daniel L. Fapp M Jerry Goldsmith A Jack Martin Smith, Ed Graves S William Reynolds P Saul David D James Coburn, Lee J. Cobb, Gila Golan, Edward Mulhare, Rhys Williams | USA | 108 min | 1:2,35 | f | 16. Januar 1966

15.1.66

Irezumi (Yasuzo Masumura, 1966)

Die Tätowierung

Die männerfressende Frau als männliche Zwangs- und Wunschvorstellung, symbolisiert in der Tätowierung einer tödlichen Spinne auf einem wohlgeformten weiblichen Rücken. »Irezumi« ist zum einen die Geschichte der fanatischen Rache einer mißbrauchten, als Geisha verkauften Frau an ihren Verrätern und Peinigern, dazu eine ernüchternde Studie über männliche Haltlosigkeit und Schwäche (Eigenschaften, die sich gerne als Forschheit und Härte tarnen) und nicht zuletzt eine blutige Phantasie über die (zerstörerische) Kraft künstlerischer Imagination. Von Kazuo Miyagawa, dem Kameramann Kurosawas (»Yojimbo«), Ozus (»Ukigusa«) und vor allem Mizoguchis (»Ugetsu Monogatari«), mit großer kompositorischer Delikatesse ins Bild gesetzt, versenkt sich dieses Werk des Genre-Tausend­sassas Yasuzo Masumura zwischen den Eruptionen der Gewalt immer wieder in Momente von ge­fährlich-ruhiger Schönheit.

R Yasuzo Masumura B Kaneto Shindo V Junichiro Tanizaki K Kazuo Miyagawa M Hikaru Hayashi A Yoshinobu Nishioka S Kanji Suganuma P Hiroaki Fujii D Ayako Wakao, Akio Hasegawa, Gaku Yamamoto, Kei Sato, Asao Uchida | JP | 86 min | 1:2,35 | f | 15. Januar 1966

14.1.66

4 Schlüssel (Jürgen Roland, 1966)

»Jeder wünscht sich Wohlstand und Sicherheit.« Am Sonnabend vor der Bundestagswahl (Erhard gegen Brandt) wollen Alexander Ford (erbarmungslos-charmant: Günther Ungeheuer) und seine Spießgesellen ihr eigenes Wirtschaftwunder realisieren: Die dreieinhalb Millionen Mark im Tresorraum des traditionsreichen Hamburger Bankhauses Traven & Co. sollen den Besitzer wechseln. Dazu müssen die Gangster die vier Schlüssel, mit denen der Safe gesichert ist, bzw. die vier »Schlüsselträger«, allesamt Angestellte des Geldhauses, in ihre Gewalt bringen … Ein straff inszeniertes heist movie, das mit einiger Süffisanz die unterschiedlichen Verhaltensweisen von Menschen in Extremsituationen betrachtet. Jürgen Roland bettet die Schilderung des kriminellen Unternehmens in zahlreiche (lokal-)reportageartige Sequenzen des Tagesgeschehens – Ankunft der Rolling Stones auf dem Flughafen Fuhlsbüttel, Feuerwerk an der Alster, Heimspiel des HSV, Wahlkampfveranstaltungen –, womit er das Verbrechen gleichsam als integralen Aspekt von gesellschaftlicher Wirklichkeit vorführt. Die Mischung aus dokumentarischer Beobachtung und spannender Genre-Stilisierung gelingt vor allem Dank der sehr konzentriert agierenden Schauspieler und Wolfgang Treus dynamischer Kameraarbeit, die situative Aufmerksamkeit mit sorgfältiger Bildkomposition verbindet.

R Jürgen Roland B Max Pierre Schaeffer, Thomas Keck V Max Pierre Schaeffer K Wolfgang Treu M Konrad Elfers A Dieter Bartels S Susanne Paschen P Hanns Eckelkamp D Günther Ungeheuer, Walter Rilla, Monika Peitsch, Hanns Lothar, Hellmuth Lange | BRD | 107 min | 1:1,66 | sw | 14. Januar 1966

# 807 | 25. November 2013

22.12.65

Doctor Zhivago (David Lean, 1965)

Doktor Schiwago

»This is an awful time to be alive.« Ein Mann zwischen zwei Frauen – und als wäre das nicht schon kompliziert genug, müssen die drei Protagonisten der ausschweifenden Erzählung sich auch noch (in verschiedenen Kombinationen) durch Weltbrand, Revolution und Bürgerkrieg schlagen: Jurij (Omar Sharif) schaut glutvoll, Lara (Julie Christie) schaut sehnsüchtig, Tonya (Geraldine Chaplin) schaut tapfer aus der epochalen Wäsche. David Lean bestreicht die russischen Weiten mit Blut und Schmalz und Tränen, Maurice Jarre läßt die Balalaikas flirren, Freddie Young träumt in Panavision von Steppe und Wäldern und Eis. Das Alte stirbt in epischer Breite, das Neue wird unter Schmerzen geboren, der (und die) Einzelne geht verloren im Zeitalter der (roten) Massen – aber im Frühjahr blühen wieder (leuchtend gelb) die Narzissen …

R David Lean B Robert Bolt V Boris Pasternak K Freddie Young M Maurice Jarre A John Box S Norman Savage P Carlo Ponti D Omar Sharif, Julie Christie, Geraldine Chaplin, Rod Steiger, Alec Guinness | USA & I | 197 min | 1:2,20 | f | 22. Dezember 1965

17.12.65

Der unheimliche Mönch (Harald Reinl, 1965)

»Er war ein Verbrecher, aber er muß sie sehr geliebt haben.« Ein Schloß des Schreckens und eine Familie im Streit, ein verschwundenes Testament und eine hübsche Erbin in Gefahr, ein Unschuldiger im Gefängnis und ein Kuttenträger mit Peitsche, ein allzu serviler Diener und ein schrulliger Künstler im Turmstübchen, nebelige Nächte und trübe Tage, ungezügelte Triebe und verirrte Gefühle, Mädchenhandel und Totenmasken, Brieftauben und Fallgruben, Schrottplätze und Windmühlen, böse Onkels und schleimige Vettern, zufällig verbundene Handlungsstränge und ein Täter aus dem Hut. Fast scheint es, als wolle Harald Reinl mit seinem fünften Beitrag zu Reihe ein definitives Edgar-Wallace-Kompendium schaffen. Der Mörder trägt passenderweise den unscheinbarsten Rollennamen, und eine küchenpsycholgische Erläuterung der Motivation seines destruktiven Verhaltens gibt es auch: »Er muß in seiner Jugend einmal sehr enttäuscht worden sein. So empfand er nur Haß und Rache gegen alles Weibliche. Daher auch die symbolhafte Verkleidung als Mönch.« Danke, Dr. Reinl.

R Harald Reinl B J. Joachim Bartsch, Fred Denger V Edgar Wallace K Ernst W. Kalinke M Peter Thomas A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Harald Leipnitz, Karin Dor, Eddi Arent, Siegfried Schürenberg, Ilse Steppat | BRD | 85 min | 1:1,66 | sw | 17. Dezember 1965

# 796 | 11. November 2013

16.12.65

The Spy Who Came in from the Cold (Martin Ritt, 1965)

Der Spion, der aus der Kälte kam 

Die Atmosphäre ist grau, verregnet und alkoholisch: Richard Burton als Geheimagent, der glaubt, das Spiel zu spielen, aber nur wie eine beliebige Figur übers Brett geschoben wird. Spionage ohne Martinis, ohne Smokings, ohne Gadgets – die einzige Regel ist Nützlichkeit, und die Lizenz zu töten haben die anderen. Ein frostiger Film mit imposantem Cast: Claire Bloom als ehrliche Dumme, Cyril Cusack, Michael Hordern, Oskar Werner und Peter van Eyck als Lemuren des Kalten Krieges. Die Hoffnung, so sagt man, stirbt zuletzt. »The Spy Who Came in from the Cold« spielt anschließend.

R Martin Ritt B Paul Dehn, Guy Trosper V John le Carré K Oswald Morris M Sol Kaplan A Tambi Larsen, Hal Pereira S Anthony Harvey P Martin Ritt D Richard Burton, Claire Bloom, Cyril Cusack, Oskar Werner, Peter van Eyck | UK | 112 min | 1:1,85 | sw | 16. Dezember 1965

10.12.65

Viva Maria! (Louis Malle, 1965)

Viva Maria!

Umsturz und Froufrou: Höchst charmante Revolutionsoperette um zwei aufgerüschte Tingeltangel-Diseusen, die Anfang des 20. Jahrhunderts das darbende Volk einer lateinamerikanischen Bananenrepublik zum Aufstand führen. Wer Brigitte Bardot (Maria I) und Jeanne Moreau (Maria II) beim sexy Freiheitskampf zusieht, bekommt bald schon selber Lust, einmal ans Maschinengewehr zu treten, um schwitzenden Exploiteuren und ihren elenden Schergen gehörig eins vor den Latz zu knallen.

R Louis Malle B Louis Malle, Jean-Claude Carrière K Henri Decaë M Georges Delerue A Bernard Evein S Kenout Peltier, Suzanne Baron P Oscar Dancigers D Brigitte Bardot, Jeanne Moreau, George Hamilton, Gregor von Rezzori, Paulette Dubost | F & I | 120 min | 1:2,35 | f | 10. Dezember 1965

9.12.65

Thunderball (Terence Young, 1965)

James Bond 007 – Feuerball 

»His fight goes on and on and on.« James Bond (zu routiniert: Sean Connery) auf der Suche nach zwei in erpresserischer Absicht entführten NATO-Atomsprengköpfen. Die Spur führt ziemlich umweglos auf die Bahamas, wo der Doppelnull-Agent in schier endlose Unterwasserermittlungen verwickelt wird. Das Hirn des Bombnappings, SPECTREs ›Number Two‹ (Adolfo Celi), hat, trotz Augenklappe, Haifischbecken und Millionärsyacht, leider nur die Strahlkraft eines Hilfsteufels – wodurch der badeferienhaft-submarine Erzählrhythmus nicht eben an Dramatik gewinnt. So sorgen lediglich die Heimtücke von henchwoman Fiona Volpe (Luciana Paluzzi) sowie Ken Adams märchenhafte Konferenzraum-Architekturen (ultramodern-simplizistisch bei den Bösen, neobarock-monumental bei den Guten) für sporadische Aha-Effekte.

R Terence Young B Richard Maibaum, John Hopkins, Jack Whittingham V Ian Fleming, Kevin McClory, Jack Whittingham K Ted Moore M John Barry A Ken Adam S Peter Hunt P Kevin McClory, Albert R. Broccoli, Harry Saltzman D Sean Connery, Claudine Auger, Adolfo Celi, Luciana Paluzzi, Rik Van Nutter | UK | 130 min | 1:2,35 | f | 9. Dezember 1965