Der Krieg als Vater der Emanzipation: Die heimgekehrten Männer, gebrochen und desillusioniert, kommen mit der neugewonnenen Selbständigkeit ihrer Frauen nicht klar. Luise Ullrich spielt »Eine Frau von heute« mit Verve und antinaturalistischem Charme; ihre erfolgreiche Gemüse-Großhändlerin Toni Bender ist eine 50er-Jahre-Ausgabe der Maria Braun, die Fassbinder ein Vierteljahrhundert später erfinden wird, züchtiger natürlich, nachdenklicher, bescheidener und ohne Pelz – aber vielleicht genau deshalb um einiges authentischer. Als desorientierter Gatte sucht Curd Jürgens sein Heil (vorübergehend) bei einer anderen und steht ansonsten tumb und klobig in den Dekorationen herum – eine bedauerliche Fehlbesetzung in einem ansonsten ansehnlichen Ensemble: Carsta Löck gibt eine frauensolidarische Freundin, die begnadete Annie Rosar eine kupplerische Zimmerwirtin. Paul Verhoeven bleibt inszenatorisch ganz nah bei seinen Akteuren, und wenn Toni auf der Suche nach einer liegengebliebenen Zitronenlieferung Italien bereist, wittert das Adenauerkino sogar ein klein wenig neoveristische Morgenluft. Die wie mit Pattex angeklebte Schlußapotheose des Eheglücks folgt dann wieder dem Reglement des guten, alten deutschen Films.
R Paul Verhoeven B Juliane Kay, Paul Verhoeven K Franz Weihmayr M Fritz Wenneis A Franz Bi, Bruno Monden S Klaus Dudenhöfer P Friedrich A. Mainz D Luise Ullrich, Curd Jürgens, Carsta Löck, Robert Freitag, Annie Rosar | BRD | 95 min | 1:1,37 | sw | 14. April 1954
14.4.54
3.4.54
Monsieur Ripois (René Clément, 1954)
Liebling der Frauen
Die Geschichte eines Verführers, vorgetragen von ihm selbst in Form einer Beichte, die wiederum eine Verführung ist. »Monsieur Ripois« (wehmütig-getrieben: Gérard Philipe), ein Franzose in London, öffnet sein Herz, erzählt sein Leben. Sein Leben, das sind die Frauen (und ihr Geld): die herbe Bürovorsteherin, die empfindsame Naive, die herzensgute Hure, die kultivierte Dame und eben diejenige, der er sich rückhaltlos anvertraut, die ihn – glaubt er, was er sagt? – bessern, retten, erlösen soll. Ripois ist kein wahlloser Aufreißer, er ist ein arme Seele, ein gequälter Tage- und Herzensdieb auf der Flucht vor Langeweile, ein Süchtiger, dessen übermäßiges Verlangen sich weniger auf die Objekte der Begierde richtet als auf den Akt des Eroberns selbst, ein trauriger Don Juan, der alle lieben will, aber niemanden lieben kann, nicht einmal sich selbst. René Cléments melancholische Komödie hält bis zur bösen Pointe meisterlich die Waage zwischen Leichtigkeit und Schwermut, vermeidet achtsam jede abgedroschene Psychologisierung; Gérard Philipes differenzierte Darstellung legt einfühlsam Begeisterung und Fragilität, Ehrlichkeit und Verlogenheit des Protagonisten bloß. Zur besonderen Qualität dieses höchst verführerischen englischen Films mit französischem Akzent trägt entscheidend Oswald Morris’ sensible On-location-Fotografie bei: Die Kamera erkundet neugierig das Londoner Straßenleben, porträtiert eine Stadt, über der die Grauschleier von Nachkrieg und austerity liegen, eine Stadt, die noch nichts weiß (vielleicht aber schon etwas ahnt) von hedonistischer Hipness, von Versuchung und Verlangen der kommenden Dekade.
R René Clément B Hugh Mills, Raymond Queneau, René Clément V Louis Hémon K Oswald Morris M Roman Vlad A Ralph W. Brinton S Françoise Javet P Paul Graetz D Gérard Philipe, Valerie Hobson, Natasha Parry, Joan Greenwood, Margaret Johnston | F & UK | 100 min | 1:1,37 | sw | 3. April 1954
Die Geschichte eines Verführers, vorgetragen von ihm selbst in Form einer Beichte, die wiederum eine Verführung ist. »Monsieur Ripois« (wehmütig-getrieben: Gérard Philipe), ein Franzose in London, öffnet sein Herz, erzählt sein Leben. Sein Leben, das sind die Frauen (und ihr Geld): die herbe Bürovorsteherin, die empfindsame Naive, die herzensgute Hure, die kultivierte Dame und eben diejenige, der er sich rückhaltlos anvertraut, die ihn – glaubt er, was er sagt? – bessern, retten, erlösen soll. Ripois ist kein wahlloser Aufreißer, er ist ein arme Seele, ein gequälter Tage- und Herzensdieb auf der Flucht vor Langeweile, ein Süchtiger, dessen übermäßiges Verlangen sich weniger auf die Objekte der Begierde richtet als auf den Akt des Eroberns selbst, ein trauriger Don Juan, der alle lieben will, aber niemanden lieben kann, nicht einmal sich selbst. René Cléments melancholische Komödie hält bis zur bösen Pointe meisterlich die Waage zwischen Leichtigkeit und Schwermut, vermeidet achtsam jede abgedroschene Psychologisierung; Gérard Philipes differenzierte Darstellung legt einfühlsam Begeisterung und Fragilität, Ehrlichkeit und Verlogenheit des Protagonisten bloß. Zur besonderen Qualität dieses höchst verführerischen englischen Films mit französischem Akzent trägt entscheidend Oswald Morris’ sensible On-location-Fotografie bei: Die Kamera erkundet neugierig das Londoner Straßenleben, porträtiert eine Stadt, über der die Grauschleier von Nachkrieg und austerity liegen, eine Stadt, die noch nichts weiß (vielleicht aber schon etwas ahnt) von hedonistischer Hipness, von Versuchung und Verlangen der kommenden Dekade.
R René Clément B Hugh Mills, Raymond Queneau, René Clément V Louis Hémon K Oswald Morris M Roman Vlad A Ralph W. Brinton S Françoise Javet P Paul Graetz D Gérard Philipe, Valerie Hobson, Natasha Parry, Joan Greenwood, Margaret Johnston | F & UK | 100 min | 1:1,37 | sw | 3. April 1954
2.4.54
Prince Valiant (Henry Hathaway, 1954)
Prinz Eisenherz
Die sagenhaften Abenteuer eines pagenschnittigen Prinzen (Robert Wagner) in einem fantastischen Frühmittelalter: zottige Wikinger, der illustre König Artus, edle Fräuleins (u. a. Janet Leigh), die glorreichen Ritter der Tafelrunde (u. a. Sterling Hayden) mit ihren klirrenden Schwertern und scheppernden Schilden – eine breitwandige Bildergeschichte von Verschwörung und Thronraub, Knechtschaft und Krieg, Treue und Tapferkeit. Im Geiste der sonntäglichen Comic-Saga von Hal Forster betreibt Regisseur Henry Hathaway mit halbernstem Pathos Schwarzweißmalerei in leuchtenden Farben: der jugendliche Held reift an den Prüfungen des Schicksals, der Herrscher waltet mit strenger Güte, das Böse (James Mason) trägt Schwarz und die Liebe den Sieg davon.
R Henry Hathaway B Dudley Nichols V Hal Forster K Lucien Ballard M Franz Waxman A Lyle Wheeler, Mark-Lee Kirk Ko Charles Le Maire S Robert L. Simpson P Robert L. Jacks D Robert Wagner, James Mason, Janet Leigh, Sterling Hayden, Debra Paget | USA | 100 min | 1:2,35 | f | 2. April 1954
# 1187 | 9. Januar 2020
Die sagenhaften Abenteuer eines pagenschnittigen Prinzen (Robert Wagner) in einem fantastischen Frühmittelalter: zottige Wikinger, der illustre König Artus, edle Fräuleins (u. a. Janet Leigh), die glorreichen Ritter der Tafelrunde (u. a. Sterling Hayden) mit ihren klirrenden Schwertern und scheppernden Schilden – eine breitwandige Bildergeschichte von Verschwörung und Thronraub, Knechtschaft und Krieg, Treue und Tapferkeit. Im Geiste der sonntäglichen Comic-Saga von Hal Forster betreibt Regisseur Henry Hathaway mit halbernstem Pathos Schwarzweißmalerei in leuchtenden Farben: der jugendliche Held reift an den Prüfungen des Schicksals, der Herrscher waltet mit strenger Güte, das Böse (James Mason) trägt Schwarz und die Liebe den Sieg davon.
R Henry Hathaway B Dudley Nichols V Hal Forster K Lucien Ballard M Franz Waxman A Lyle Wheeler, Mark-Lee Kirk Ko Charles Le Maire S Robert L. Simpson P Robert L. Jacks D Robert Wagner, James Mason, Janet Leigh, Sterling Hayden, Debra Paget | USA | 100 min | 1:2,35 | f | 2. April 1954
# 1187 | 9. Januar 2020
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17.3.54
Touchez pas au grisbi (Jacques Becker, 1954)
Wenn es Nacht wird in Paris
Es ist die alte Geschichte: ein Ganove in fortgeschrittenen Jahren (Monsieur Max = Jean Gabin), der große, letzte Coup (50 Millionen Francs in Gold) und der Traum von der gutbürgerlichen Existenz in Ruhe in Frieden (der ebendies bleiben wird: ein Traum). Die schöne Illusion zerplatzt wegen eines treuen (aber grenzenlos einfältigen) Kumpels, der sich verquasselt, wegen gieriger Konkurrenten, die gewaltsam ihren Teil vom Kuchen (genauer gesagt: den ganzen) verlangen, zuvörderst aber wegen der Freundschaft, die (natürlich) über alles geht. Jacques Becker schert sich fast gar nicht um die kriminalistische Handlung (erst gegen Ende von »Touchez pas au grisbi« wird es einigermaßen dramatisch); die Unterwelt-Story bietet ihm in erster Linie die notwendige Folie für die feinsinnige Schilderung von (Pariser) Atmosphäre, für die gefühlvolle Zeichnung der Charaktere – etwa wenn Max und sein tumber Herzensbruder Riton (René Dary) auf der Flucht vor ihren Häschern die Nacht in einem (sehr komfortablen) konspirativen Appartement verbringen, wo sie Zwieback dick mit foie gras bestreichen, später in gestreiften Seidenpyjamas die Zähne putzen, schließlich vorm Spiegel ihre Tränensäcke und Doppelkinns (= die gnadenlosen Zeugen des Alter(n)s) melancholisch betasten… Gabin (der kaum je die beeindruckende gueule d’amour verzieht) treibt seine ureigene Glanzrolle des bourgeoisen Anarchisten auf die allerhöchste Spitze – und haucht dem Film (zusammen mit illustren Mitspielern wie Jeanne Moreau, Paul Frankeur, Lino Ventura) von der ersten (optimistischen) bis zur letzten (fatalistischen) Minute pralles Leben ein.
R Jacques Becker B Jacques Becker, Albert Simonin, Maurice Griffe V Albert Simonin K Pierre Montazel M Jean Wiener A Jean d’Eaubonne S Marguerite Renoir P Robert Dorfmann D Jean Gabin, René Dary, Jeanne Moreau, Paul Frankeur, Lino Ventura | F & I | 94 min | 1:1,37 | sw | 17. März 1954
Es ist die alte Geschichte: ein Ganove in fortgeschrittenen Jahren (Monsieur Max = Jean Gabin), der große, letzte Coup (50 Millionen Francs in Gold) und der Traum von der gutbürgerlichen Existenz in Ruhe in Frieden (der ebendies bleiben wird: ein Traum). Die schöne Illusion zerplatzt wegen eines treuen (aber grenzenlos einfältigen) Kumpels, der sich verquasselt, wegen gieriger Konkurrenten, die gewaltsam ihren Teil vom Kuchen (genauer gesagt: den ganzen) verlangen, zuvörderst aber wegen der Freundschaft, die (natürlich) über alles geht. Jacques Becker schert sich fast gar nicht um die kriminalistische Handlung (erst gegen Ende von »Touchez pas au grisbi« wird es einigermaßen dramatisch); die Unterwelt-Story bietet ihm in erster Linie die notwendige Folie für die feinsinnige Schilderung von (Pariser) Atmosphäre, für die gefühlvolle Zeichnung der Charaktere – etwa wenn Max und sein tumber Herzensbruder Riton (René Dary) auf der Flucht vor ihren Häschern die Nacht in einem (sehr komfortablen) konspirativen Appartement verbringen, wo sie Zwieback dick mit foie gras bestreichen, später in gestreiften Seidenpyjamas die Zähne putzen, schließlich vorm Spiegel ihre Tränensäcke und Doppelkinns (= die gnadenlosen Zeugen des Alter(n)s) melancholisch betasten… Gabin (der kaum je die beeindruckende gueule d’amour verzieht) treibt seine ureigene Glanzrolle des bourgeoisen Anarchisten auf die allerhöchste Spitze – und haucht dem Film (zusammen mit illustren Mitspielern wie Jeanne Moreau, Paul Frankeur, Lino Ventura) von der ersten (optimistischen) bis zur letzten (fatalistischen) Minute pralles Leben ein.
R Jacques Becker B Jacques Becker, Albert Simonin, Maurice Griffe V Albert Simonin K Pierre Montazel M Jean Wiener A Jean d’Eaubonne S Marguerite Renoir P Robert Dorfmann D Jean Gabin, René Dary, Jeanne Moreau, Paul Frankeur, Lino Ventura | F & I | 94 min | 1:1,37 | sw | 17. März 1954
11.3.54
Night People (Nunnally Johnson, 1954)
Das unsichtbare Netz
Nachts in Berlin. Ein GI begleitet sein deutsches Mädchen nach Hause. Kurz nach dem zärtlichen Abschied kriegt er eins übergebraten und wird in den sowjetischen Sektor verschleppt. Der Vater des amerikanischen Soldaten, ein einflußreicher Unternehmer (Broderick Crawford), reist an, um den Verantwortlichen Feuer unterm Arsch zu machen. Colonel Van Dyke (Gregory Peck) vom militärischen Geheimdienst läßt sich allerdings nicht gerne von Amateuren erklären, wie er seinen Job zu erledigen hat, und expliziert dem ungebetenen Berlin-Besucher, der als guter Kapitalist glaubt, die Angelegenheit mit Dollars regeln zu können, mit welcher Art von Leuten sie es hier, an der Hauptkampflinie des Kalten Krieges, zu tun haben: »These are cannibals! Headhunting, bloodthirsty cannibals, who are out to eat us up.« … Nunnally Johnson entwickelt das verwirrend-verworrene (Doppel-)Spiel zwischen Ost und West vor allem als steifes Dialogdrama in schmucklosen Kulissen. Spannung kommt kaum auf, auch weil die wahren Opfer (tapfere britische bzw. adlige Anti-Nazis) und die echten Schurken (abgefeimte Alt-Nazis im roten Pelz) der Intrige im Dunkel der Nacht keine Kontur gewinnen.
R Nunnally Johnson B Nunnally Johnson K Charles G. Clarke M Cyril Mockridge A Hans Kuhnert, Theo Zwierski S Dorothy Spencer P Nunnally Johnson D Gregory Peck, Broderick Crawford, Anita Björk, Rita Gam, Buddy Ebsen | USA | 93 min | 1:2,35 | f | 11. März 1954
Nachts in Berlin. Ein GI begleitet sein deutsches Mädchen nach Hause. Kurz nach dem zärtlichen Abschied kriegt er eins übergebraten und wird in den sowjetischen Sektor verschleppt. Der Vater des amerikanischen Soldaten, ein einflußreicher Unternehmer (Broderick Crawford), reist an, um den Verantwortlichen Feuer unterm Arsch zu machen. Colonel Van Dyke (Gregory Peck) vom militärischen Geheimdienst läßt sich allerdings nicht gerne von Amateuren erklären, wie er seinen Job zu erledigen hat, und expliziert dem ungebetenen Berlin-Besucher, der als guter Kapitalist glaubt, die Angelegenheit mit Dollars regeln zu können, mit welcher Art von Leuten sie es hier, an der Hauptkampflinie des Kalten Krieges, zu tun haben: »These are cannibals! Headhunting, bloodthirsty cannibals, who are out to eat us up.« … Nunnally Johnson entwickelt das verwirrend-verworrene (Doppel-)Spiel zwischen Ost und West vor allem als steifes Dialogdrama in schmucklosen Kulissen. Spannung kommt kaum auf, auch weil die wahren Opfer (tapfere britische bzw. adlige Anti-Nazis) und die echten Schurken (abgefeimte Alt-Nazis im roten Pelz) der Intrige im Dunkel der Nacht keine Kontur gewinnen.
R Nunnally Johnson B Nunnally Johnson K Charles G. Clarke M Cyril Mockridge A Hans Kuhnert, Theo Zwierski S Dorothy Spencer P Nunnally Johnson D Gregory Peck, Broderick Crawford, Anita Björk, Rita Gam, Buddy Ebsen | USA | 93 min | 1:2,35 | f | 11. März 1954
9.3.54
Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse (Kurt Maetzig, 1954)
»Daß wir im Recht sind, versteht sich von selbst.« Granitrote Hagiographie im Duktus sowjetischer Stalin-Epen. Ernst Thälmann (Günther Simon), geborener Kommunist, auf seinem Weg aus den Gräben des Ersten Weltkriegs in die Klassenkämpfe der Weimarer Republik: »Teddy« kann alles, weiß alles, ist immer schon da, und die hinterfotzigen Sozialdemokraten sind sowieso an allem schuld. Die Pflichtschuldigkeit, mit der Regisseur Kurt Maetzig und seine nationalpreisgekrönten Skribenten in allerhöchstem Parteiauftrag propagandistische Locken auf der Glatze des Protagonisten drehen, erzeugt über weite Strecken nichts als panegyrische Ödnis, einzig die schwungvolle (wenn auch historisch einigermaßen umfrisierte) Nachinszenierung des von der KP Wasserkante 1923 losgetretenen Hamburger Aufstandes (gedreht in den Straßen von Dresden-Neustadt) bricht gestalterisch aus dem statischen Einerlei heraus. Erkenntniswert bietet das agfacolorierte Heldenstück bestenfalls im Hinblick auf Geschichtsbild und Filmgeschmack der führenden SED-Genossen.
R Kurt Maetzig B Willi Bredel, Michael Tschesno-Hell, Kurt Maetzig K Karl Plintzner M Wilhelm Neef A Willi Schiller, Otto Erdmann S Lena Neumann P Adolf Fischer D Günther Simon, Hans-Peter Minnetti, Erich Franz, Erika Dunkelmann, Raimund Schelcher, Michel Piccoli | DDR | 126 min | 1:1,37 | f | 9. März 1954
R Kurt Maetzig B Willi Bredel, Michael Tschesno-Hell, Kurt Maetzig K Karl Plintzner M Wilhelm Neef A Willi Schiller, Otto Erdmann S Lena Neumann P Adolf Fischer D Günther Simon, Hans-Peter Minnetti, Erich Franz, Erika Dunkelmann, Raimund Schelcher, Michel Piccoli | DDR | 126 min | 1:1,37 | f | 9. März 1954
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Maetzig,
Piccoli,
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Tschesno-Hell
11.2.54
Die letzte Brücke (Helmut Käutner, 1954)
»Es war Frühling, aber es war Krieg.« Bosnien, 1943: Die junge Kinderärztin Helga Reinbeck (Maria Schell) tut Dienst als Oberschwester in einem Wehrmachtslazarett. Sie wird von jugoslawischen Partisanen entführt, die dringend einen Mediziner zur Versorgung ihrer Verwundeten benötigen. Zunächst vornehmlich von Fluchtgedanken beherrscht, wandelt sich Helga, zögernd und zweifelnd, zur Vertreterin einer von Zeit und Umständen losgelösten Humanität: »Sie wußte nicht mehr, wo sie wirklich hingehörte«, erläutert der von Regisseur Helmut Käutner gesprochene Kommentar. »Sie wußte nur noch, daß sie helfen mußte. Ohne zu fragen, ohne zu denken.« Gedreht ausschließlich an Originalschauplätzen in Mostar und im felsigen Tal der Neretva (wo 1943 eine blutige Schlacht zwischen Verbänden der Achsenmächte und Tito-Partisanen stattfand), lehnt sich »Die letzte Brücke« gestalterisch deutlich an Vorbilder des italienischen Neorealismus an, wirkt über weite Strecken wie ein reportageartiges Nachvollziehen historischer Ereignisse. Schell, ungeschminkt, versagt sich jede Gefühlsduselei, überzeugt in darstellerischer Zurückhaltung als seelisch zerrissene Frau, die von sich sagt, sie sei »nicht müde, nur tot, leer, ausgebrannt.« Wenn auch die Anführer der Freischärler von einem Schweizer und einer Deutschen (Bernhard Wicki und Barbara Rütting) gespielt werden, läßt Käutner die Jugoslawen (ohne Untertitelung) in ihrer eigenen Sprache sprechen: Immer wieder stößt die Ärztin an die Grenzen der Verständigung, bleibt fremd in ihrem Niemandsland der bedingungslosen Einsatzbereitschaft. Bei aller Wirklichkeitstreue ist der betont antiheroische Kriegsfilm zugleich ein symbolisch aufgeladenes Gewissensdrama: Die Brücke, Sinnbild des Überwindens von Gräben, wird zum Hauptschauplatz innerer Kämpfe und militärischer Feindseligkeiten, zum Kreuzweg zwischen Richtig und Falsch. Helga entscheidet sich, scheinbar gegen jede Vernunft, für die Menschlichkeit: »Ich gehe dahin, wo man mich braucht.«
R Helmut Käutner B Helmut Käutner, Norbert Kunze K Elio Carniel M Carl de Groof A Otto Pischinger S Paula Dvorak, Hermine Diethelm P Carl Szokoll D Maria Schell, Bernhard Wicki, Barbara Rütting, Carl Möhner, Tilla Durieux | A & YU | 102 min | 1:1,37 | sw | 11. Februar 1954
# 888 | 27. Juni 2014
R Helmut Käutner B Helmut Käutner, Norbert Kunze K Elio Carniel M Carl de Groof A Otto Pischinger S Paula Dvorak, Hermine Diethelm P Carl Szokoll D Maria Schell, Bernhard Wicki, Barbara Rütting, Carl Möhner, Tilla Durieux | A & YU | 102 min | 1:1,37 | sw | 11. Februar 1954
# 888 | 27. Juni 2014
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29.1.54
Le rouge et le noir (Claude Autant-Lara, 1954)
Rot und Schwarz
Kühle Verfilmung des Romans von Stendhal: Der Weg des aus kleinen Verhältnissen stammenden, charismatischen Arrivisten Julien Sorel (dessen Vorbild Napoleon heißt) führt – in den restaurativen 1820er Jahren – über eine Hauslehrerstelle in der Provinz und ein trostloses Priesterseminar ins Palais eines Pariser Aristokraten. Die Adaption (von Jean Aurenche und Pierre Bost, den Feindbildern des jungen Truffaut) plaziert zwar einige sozialironische Sottisen gegen Klerus, Bourgeoisie und alten Adel, konzentriert die Fabel aber vorwiegend auf die Schilderung der amourösen Beziehungen des zweifelhaften Helden (Gérard Philipe – für die Rolle leider zehn Jahre zu alt) zur seelenvollen Madame de Rénal (Danielle Darrieux) und zur waghalsigen Mathilde de la Mole (Antonella Lualdi). Der von Sorel ersehnte gesellschaftliche Aufstieg endet mit einem (aus gekränkter Eitelkeit, aus rasender Wut, aus verzweifelter Liebe abgefeuerten) Schuß – und einem Tribunal … Zur Darstellung von Kalkül und Leidenschaft, die gleicherweise den Charakter des Protagonisten bestimmen, experimentiert Regisseur Claude Autant-Lara mit visueller und inszenatorischer Stilisierung: Die antiillusionistische Reduktion der Ausstattung (Max Douy) und das bewußt forcierte Spiel der Darsteller bewahren »Le rouge et le noir« vor der Konventionalität üblicher Historienfilme.
R Claude Autant-Lara B Jean Aurenche, Pierre Bost V Stendhal K Michel Kelber M René Cloërec A Max Douy S Madeleine Gug P Louis Wipf D Gérard Philipe, Danielle Darrieux, Antonella Lualdi, Jean Martinelli, Antoine Balpêtré | F & I | 185 min | 1:1,37 | f | 29. Januar 1954
Kühle Verfilmung des Romans von Stendhal: Der Weg des aus kleinen Verhältnissen stammenden, charismatischen Arrivisten Julien Sorel (dessen Vorbild Napoleon heißt) führt – in den restaurativen 1820er Jahren – über eine Hauslehrerstelle in der Provinz und ein trostloses Priesterseminar ins Palais eines Pariser Aristokraten. Die Adaption (von Jean Aurenche und Pierre Bost, den Feindbildern des jungen Truffaut) plaziert zwar einige sozialironische Sottisen gegen Klerus, Bourgeoisie und alten Adel, konzentriert die Fabel aber vorwiegend auf die Schilderung der amourösen Beziehungen des zweifelhaften Helden (Gérard Philipe – für die Rolle leider zehn Jahre zu alt) zur seelenvollen Madame de Rénal (Danielle Darrieux) und zur waghalsigen Mathilde de la Mole (Antonella Lualdi). Der von Sorel ersehnte gesellschaftliche Aufstieg endet mit einem (aus gekränkter Eitelkeit, aus rasender Wut, aus verzweifelter Liebe abgefeuerten) Schuß – und einem Tribunal … Zur Darstellung von Kalkül und Leidenschaft, die gleicherweise den Charakter des Protagonisten bestimmen, experimentiert Regisseur Claude Autant-Lara mit visueller und inszenatorischer Stilisierung: Die antiillusionistische Reduktion der Ausstattung (Max Douy) und das bewußt forcierte Spiel der Darsteller bewahren »Le rouge et le noir« vor der Konventionalität üblicher Historienfilme.
R Claude Autant-Lara B Jean Aurenche, Pierre Bost V Stendhal K Michel Kelber M René Cloërec A Max Douy S Madeleine Gug P Louis Wipf D Gérard Philipe, Danielle Darrieux, Antonella Lualdi, Jean Martinelli, Antoine Balpêtré | F & I | 185 min | 1:1,37 | f | 29. Januar 1954
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Philipe,
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Stendhal
20.1.54
Le blé en herbe (Claude Autant-Lara, 1954)
Erwachende Herzen
Es beginnt wie ein munterer Ferienfilm à la Jacques Tati: Ein sommerlicher Strand. Familien (die Garderobe verrät, daß »Le blé en herbe« in den 1920er Jahren spielt) sitzen in der Sonne. Kleine Waisenmädchen marschieren unter der Fuchtel gestrenger Erzieherinnen zum jährlichen Badespaß. Ein Strandkino wird (von Louis de Funès!) aufgebaut. Plötzlich zieht ein Sturm herauf. Hüte wirbeln durch die Luft. Drachen machen sich selbständig. Die Kinoleinwand bricht über dem Piano zusammen. Wellen schlagen hoch. Ein junger Mann kentert mit seinem Ruderboot, ruft panisch um Hilfe, säuft fast ab, kann sich gerade noch (splitterfasernackt) ans Ufer retten – mit einem herrenlosen Strohhut bedeckt er seine Blöße und eilt davon… Der schroffe Wechsel der Tonlage von heiter-skurril zu dramatisch-existenziell (und wieder zurück) antizipiert die ambivalente Stimmungslage der folgenden Erzählung um Aufbruch und Verlust nach einem (Entwicklungs- und Dreiecks-) Roman der Colette. Phil (der Ruderer) und Vinca, er 16, sie 15, verbringen seit ihrer Kindheit den Sommer gemeinsam (mit ihren jeweiligen Familien) in der Bretagne – aber: ihr vormalig geschwisterliches Verhältnis funktioniert nicht mehr, hat sich zu einer komplizierten Beziehung zwischen verwirrter Abstoßung und neckischer Anziehung, zwischen erbittertem Streit und verlangender Zärtlichkeit gewandelt. Sind sie ein Paar? Wollen sie überhaupt eines sein? Bevor es zur Entscheidung kommt, erlebt Phil eine Affäre mit einer belustigt-sehnsuchtsvollen Dame in Weiß (Edwige Feuillère), die seine Mutter sein könnte, die hinter sich hat, was ›Philévinca‹ noch vor sich haben, die für einen kurzen glücklichen Moment den zarten Hauch des längst Verlorenen atmen möchte. Am Ende der Ferien ist auch der – von Claude Autant-Lara diskret (und doch deutlich genug) in Szene gesetzte – Film zu Ende. Das Sommerhaus wird verriegelt. Phil und Vinca stehen, Hand in Hand, am nun schon herbstlich grauen Meer. Sie sind älter geworden.
R Claude Autant-Lara B Jean Aurenche, Pierre Bost, Claude Autant-Lara V Colette K Robert Lefebvre M René Cloërec A Max Douy S Madeleine Gug P Louis Wipf D Edwige Feuillère, Pierre-Michel Beck, Nicole Berger, Renée Devillers, Charles Dechamps | F | 106 min | 1:1,37 | sw | 20. Januar 1954
Es beginnt wie ein munterer Ferienfilm à la Jacques Tati: Ein sommerlicher Strand. Familien (die Garderobe verrät, daß »Le blé en herbe« in den 1920er Jahren spielt) sitzen in der Sonne. Kleine Waisenmädchen marschieren unter der Fuchtel gestrenger Erzieherinnen zum jährlichen Badespaß. Ein Strandkino wird (von Louis de Funès!) aufgebaut. Plötzlich zieht ein Sturm herauf. Hüte wirbeln durch die Luft. Drachen machen sich selbständig. Die Kinoleinwand bricht über dem Piano zusammen. Wellen schlagen hoch. Ein junger Mann kentert mit seinem Ruderboot, ruft panisch um Hilfe, säuft fast ab, kann sich gerade noch (splitterfasernackt) ans Ufer retten – mit einem herrenlosen Strohhut bedeckt er seine Blöße und eilt davon… Der schroffe Wechsel der Tonlage von heiter-skurril zu dramatisch-existenziell (und wieder zurück) antizipiert die ambivalente Stimmungslage der folgenden Erzählung um Aufbruch und Verlust nach einem (Entwicklungs- und Dreiecks-) Roman der Colette. Phil (der Ruderer) und Vinca, er 16, sie 15, verbringen seit ihrer Kindheit den Sommer gemeinsam (mit ihren jeweiligen Familien) in der Bretagne – aber: ihr vormalig geschwisterliches Verhältnis funktioniert nicht mehr, hat sich zu einer komplizierten Beziehung zwischen verwirrter Abstoßung und neckischer Anziehung, zwischen erbittertem Streit und verlangender Zärtlichkeit gewandelt. Sind sie ein Paar? Wollen sie überhaupt eines sein? Bevor es zur Entscheidung kommt, erlebt Phil eine Affäre mit einer belustigt-sehnsuchtsvollen Dame in Weiß (Edwige Feuillère), die seine Mutter sein könnte, die hinter sich hat, was ›Philévinca‹ noch vor sich haben, die für einen kurzen glücklichen Moment den zarten Hauch des längst Verlorenen atmen möchte. Am Ende der Ferien ist auch der – von Claude Autant-Lara diskret (und doch deutlich genug) in Szene gesetzte – Film zu Ende. Das Sommerhaus wird verriegelt. Phil und Vinca stehen, Hand in Hand, am nun schon herbstlich grauen Meer. Sie sind älter geworden.
R Claude Autant-Lara B Jean Aurenche, Pierre Bost, Claude Autant-Lara V Colette K Robert Lefebvre M René Cloërec A Max Douy S Madeleine Gug P Louis Wipf D Edwige Feuillère, Pierre-Michel Beck, Nicole Berger, Renée Devillers, Charles Dechamps | F | 106 min | 1:1,37 | sw | 20. Januar 1954
31.12.53
The Long, Long Trailer (Vincente Minnelli, 1953)
Villa mit 100 PS
Romantische Farce über ein frischvermähltes Paar, das sich (auf Pump – wie sonst?) einen (wirklich) sehr, sehr langen Wohnwagen zulegt, um an den wechselnden Arbeitsstätten des Gatten in immer demselben, gemütlichen Heim leben zu können. Lucille Ball und Desi Arnaz zuckeln mit ihrer exklusiven Blechbüchse durch das konsumistische Eisenhower-Amerika, und schon auf der Hochzeitsreise entartet die Plastik-Utopie einer Verbindung von Mobilität und Zuhausesein zum bonbonbunten Alptraum … Mit inszenatorischer Sicherheit verbindet Vincente Minnelli Satire und Slapstick zu einer freundlich-hysterischen Sitcom-Analyse des american way of life und seines motorisierten pursuit of happiness.
R Vincente Minnelli B Frances Goodrich, Albert Hackett V Clinton Twiss K Robert Surtees M Adolph Deutsch A Cedric Gibbons, Edward Carfagno S Ferris Webster P Pandro S. Berman D Lucille Ball, Desi Arnaz, Marjorie Main, Keenan Wynn, Gladys Hurlbut | USA | 103 min | 1:1,37 | f | 31. Dezember 1953
Romantische Farce über ein frischvermähltes Paar, das sich (auf Pump – wie sonst?) einen (wirklich) sehr, sehr langen Wohnwagen zulegt, um an den wechselnden Arbeitsstätten des Gatten in immer demselben, gemütlichen Heim leben zu können. Lucille Ball und Desi Arnaz zuckeln mit ihrer exklusiven Blechbüchse durch das konsumistische Eisenhower-Amerika, und schon auf der Hochzeitsreise entartet die Plastik-Utopie einer Verbindung von Mobilität und Zuhausesein zum bonbonbunten Alptraum … Mit inszenatorischer Sicherheit verbindet Vincente Minnelli Satire und Slapstick zu einer freundlich-hysterischen Sitcom-Analyse des american way of life und seines motorisierten pursuit of happiness.
R Vincente Minnelli B Frances Goodrich, Albert Hackett V Clinton Twiss K Robert Surtees M Adolph Deutsch A Cedric Gibbons, Edward Carfagno S Ferris Webster P Pandro S. Berman D Lucille Ball, Desi Arnaz, Marjorie Main, Keenan Wynn, Gladys Hurlbut | USA | 103 min | 1:1,37 | f | 31. Dezember 1953
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Komödie,
Romanze,
Satire,
Vincente Minnelli
22.12.53
Königliche Hoheit (Harald Braun, 1953)
Es ist vielleicht kein Zufall, daß Thomas Mann preziöser Romanzweitling, der die delikate Liebesgeschichte zwischen dem gehemmten Regenten eines abgewirtschafteten deutschen Duodezstaates und der putzmunteren Tochter eines amerikanischen Multimillionärs erzählt, gerade zu jener Zeit für die Leinwand bearbeitet wird, da, wie es so schön heißt, aus Besatzern und Besiegten Freunde werden: »Königliche Hoheit« ist gleichsam filmisches Begleitprogramm zu Konrad Adenauers Politik der Westbindung. In der Romanze zwischen Prinz Klaus Heinrich (Dieter Borsche) und Imma Spoelmann (Ruth Leuwerik) spiegelt sich die Wunschbeziehung des ge- und zerschlagenen Deutschlands zu den erfolggekrönten Vereinigten Staaten von Amerika: Ruhm der Vergangenheit (Bankrott und Kultur) trifft Glanz der Zukunft (Geld und Zivilisation). Harald Brauns Adaption, von Werner Krien in idyllischem Gevacolor fotografiert, kreuzt scheinbar unbefangen Nostalgie mit Aktualität, mildert dabei die zeremonielle Ironie der Vorlage zugunsten einer spieluhrenhaften Heiterkeit; den symbolischen Modergeruch der Grimmburger Rosen überlagert von vorneherein der Duft der großen weiten Welt, der mit Ankunft der extravaganten Plutokraten bei den insolventen Erben eines schöneren Jahrhunderts Einzug hält. Kleinere Probleme, des Prinzen dickfälliges Repräsentationsgehabe, Immas gedankenloses Ungestüm, lösen sich wie von selbst, und zum guten Schluß wird das Märchen wahr: Alte Welt und neue Welt vereinen sich, in Hoheit und Liebe, zu einem strengen Glück.
R Harald Braun B Georg Hurdalek, Hans Hömberg, Erika Mann V Thomas Mann K Werner Krien M Mark Lothar A Walter Haag S Claus von Boro P Hans Abich D Dieter Borsche, Ruth Leuwerik, Lil Dagover, Paul Bildt, Rudolf Fernau, Mathias Wieman | BRD | 107 min | 1:1,37 | f | 22. Dezember 1953
# 871 | 30. Mai 2014
R Harald Braun B Georg Hurdalek, Hans Hömberg, Erika Mann V Thomas Mann K Werner Krien M Mark Lothar A Walter Haag S Claus von Boro P Hans Abich D Dieter Borsche, Ruth Leuwerik, Lil Dagover, Paul Bildt, Rudolf Fernau, Mathias Wieman | BRD | 107 min | 1:1,37 | f | 22. Dezember 1953
# 871 | 30. Mai 2014
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16.12.53
Madame de … (Max Ophüls, 1953)
Madame de … – Die Liebe ihres Lebens
Ein Dreieck im Paris der belle époque: eine flatterhafte Frau (Danielle Darrieux), ihr Mann – ein General (Charles Boyer), ihr Geliebter – ein Diplomat (Vittorio de Sica). Zwischen ihnen: ein Paar diamantene Ohrringe, die von Hand zu Hand, von Haus zu Haus wandern, mal geringgeschätzt, mal innigst geliebt, immer Indikator für den jeweils herrschenden Aggregatzustand der Gefühle. Unter Max Ophüls’ insistierend-zärtlichem Blick legt die schöne alte Zeit das duftige Spitzengewand ihrer operettigen Heiterkeit ab und enthüllt die verborgenen Härten des leichten Lebens. Eine rastlose Kamera (Christian Matras) quetscht sich in ausgeklügelten Bewegungen durch reichgeschmückte Dekors (Jean d’Eaubonne), nicht etwa um die Protagonisten in flagranti zu erwischen, sondern um die Geheimnisse ihrer nur scheinbar oberflächlichen Seelen zu erspüren, um ihre Fähigkeit zu echter Leidenschaft sichtbar zu machen. Das Ende dieses formvollendeten pas de trois öffnet die Schleusen der Melancholie – es ist zu wahr, um schön zu sein.
R Max Ophüls B Max Ophüls, Marcel Achard, Annette Wademant V Louise de Vilmorin K Christian Matras M Oscar Straus, Georges Van Parys A Jean d’Eaubonne S Borys Lewin P Ralph Baum D Charles Boyer, Danielle Darrieux, Vittorio de Sica, Jean Debucourt, Jean Galland | F & I | 105 min | 1:1,37 l sw | 16. Dezember 1953
Ein Dreieck im Paris der belle époque: eine flatterhafte Frau (Danielle Darrieux), ihr Mann – ein General (Charles Boyer), ihr Geliebter – ein Diplomat (Vittorio de Sica). Zwischen ihnen: ein Paar diamantene Ohrringe, die von Hand zu Hand, von Haus zu Haus wandern, mal geringgeschätzt, mal innigst geliebt, immer Indikator für den jeweils herrschenden Aggregatzustand der Gefühle. Unter Max Ophüls’ insistierend-zärtlichem Blick legt die schöne alte Zeit das duftige Spitzengewand ihrer operettigen Heiterkeit ab und enthüllt die verborgenen Härten des leichten Lebens. Eine rastlose Kamera (Christian Matras) quetscht sich in ausgeklügelten Bewegungen durch reichgeschmückte Dekors (Jean d’Eaubonne), nicht etwa um die Protagonisten in flagranti zu erwischen, sondern um die Geheimnisse ihrer nur scheinbar oberflächlichen Seelen zu erspüren, um ihre Fähigkeit zu echter Leidenschaft sichtbar zu machen. Das Ende dieses formvollendeten pas de trois öffnet die Schleusen der Melancholie – es ist zu wahr, um schön zu sein.
R Max Ophüls B Max Ophüls, Marcel Achard, Annette Wademant V Louise de Vilmorin K Christian Matras M Oscar Straus, Georges Van Parys A Jean d’Eaubonne S Borys Lewin P Ralph Baum D Charles Boyer, Danielle Darrieux, Vittorio de Sica, Jean Debucourt, Jean Galland | F & I | 105 min | 1:1,37 l sw | 16. Dezember 1953
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27.11.53
Ich und Du (Alfred Weidenmann, 1953)
Screwball-Schnulze, deren erstaunlich flotte Dialoge (Drehbuch: Herbert Reinecker) von Alfred Weidenmann kurzweilig in Szene gesetzt werden. Lilo Pulver als kesse Schallplattenverkäuferin, Hardy Krüger als adretter Mitarbeiter einer Fluggesellschaft: Die beiden pfeifen sich gegenseitig einen Schlager vor, verlieben sich darüber und heiraten; dann lernen sie sich kennen und lassen sich prompt wieder scheiden … Die Nachkriegszeit greift äußerlich nur mittelbar ins Geschehen ein, etwa in Form der allgemeinen Wohnungsknappheit, die das junge Paar auch nach der Trennung als Nachbarn in hellhörigen Nebenzimmern festhält; die innere Disposition der Protagonisten allerdings, die emotionale Sachlichkeit, die barsche Ungeduld in Gefühls- und Lebensfragen, gibt eine Ahnung von den (nicht nur) seelischen Verlusten, die diese Generation wenige Jahre zuvor erlitten hat. PS: Die Dramaturgie zeigt sich romantischer als die verbohrten Hauptfiguren und stiftet eine zweite (vielleicht bessere, eventuell verständnisvollere) Ehe.
R Alfred Weidenmann B Herbert Reinecker, Alfred Weidenmann V Christian Bock K Franz Weihmayr M Lothar Brühne S Erhard Hans Albrecht P F. A. Mainz, Willy Zeyn D Hardy Krüger, Liselotte Pulver, Lucie Mannheim, Claus Biederstaedt, Peer Schmidt | BRD | 94 min | 1:1,37 | sw | 27. November 1953
R Alfred Weidenmann B Herbert Reinecker, Alfred Weidenmann V Christian Bock K Franz Weihmayr M Lothar Brühne S Erhard Hans Albrecht P F. A. Mainz, Willy Zeyn D Hardy Krüger, Liselotte Pulver, Lucie Mannheim, Claus Biederstaedt, Peer Schmidt | BRD | 94 min | 1:1,37 | sw | 27. November 1953
24.11.53
Wenn der weiße Flieder wieder blüht (Hans Deppe, 1953)
»Wie im Land der Märchen werden wir ein Pärchen, / Wenn der weiße Flieder wieder blüht.« Willy (Willy Fritsch) ist Sänger ohne Erfolg. Ein brotloser Künstler. Seine Frau Therese (Magda Schneider) ist Schneiderin. Näht Tag und Nacht, um Geld zu verdienen. Willy und Therese lieben sich. Streiten sich. Trennen sich entnervt nach einem Jahr Ehe. Therese bleibt im Lande. Bekommt ein Kind. Willy geht in die Welt. Macht Karriere. 15 Jahre später. Tochter Evchen (Romy Schneider) ist eine junge Dame. Willy kehrt als gefeierter Star zurück in die Heimat. Begleitet von seiner spitzzüngig-treuen Managerin Ellen. Er kommt, als Therese endlich ihren gutmütig-treuen Freund Peter heiraten will … Hans Deppe arrangiert launig-musikalisch allerlei romantische Verwicklungen und Verwerfungen; in jenem Zeitraum, den die Handlung des Films elegant überspringt, müßten ein Weltkrieg, ein Völkermord, eine bedingungslose Kapitulation stattgefunden haben. Kein Wort davon. »Ich habe inzwischen so viel erlebt. Wenn ich dir das erzähle«, sagt Therese beim Wiedersehen am immerdeutschen Rhein. »Das mußt du mir erzählen«, sagt Willy, »aber nicht jetzt.« Nein, nicht jetzt. Und später auch nicht. Bemerkenswert ist indes weniger das Verschweigen, das Verdrängen, das Beiseiteschieben von (Lebens-)Geschichte, erstaunlich wirkt die Auflösung der Erzählung: Nicht das alte Paar findet zusammen, sondern zwei neue. Die (heilige) Familie wird nicht zwangsvereinigt; was nicht paßt, wird nicht passend gemacht. Es scheint möglich, aus Fehlern zu lernen. Irgendwie. Immerhin.
R Hans Deppe B Eberhard Keindorff, Johanna Sibelius K Kurt Schulz M Franz Doelle A Alfred Bütow, Ernst Schomer, Peter Schlewski S Walter Wischniewsky P Kurt Ulrich D Willy Fritsch, Magda Schneider, Paul Klinger, Romy Schneider, Hertha Feiler | BRD | 99 min | 1:1,37 | f | 24. November 1953
R Hans Deppe B Eberhard Keindorff, Johanna Sibelius K Kurt Schulz M Franz Doelle A Alfred Bütow, Ernst Schomer, Peter Schlewski S Walter Wischniewsky P Kurt Ulrich D Willy Fritsch, Magda Schneider, Paul Klinger, Romy Schneider, Hertha Feiler | BRD | 99 min | 1:1,37 | f | 24. November 1953
6.11.53
Weg ohne Umkehr (Victor Vicas, 1953)
Victor Vicas’ Drama einer (doppelten) weltanschaulichen Entfremdung beginnt im Mai 1945 mit dem Einmarsch der Roten Armee ins zerstörte Berlin. Mit beinahe neorealistischer Rauhheit wird die kurze, aber folgenreiche Begegnung des sowjetischen Offiziers Mischa (Ivan Desny) und des deutschen Mädchens Anna (Ruth Niehaus) geschildert; als sich die beiden sieben Jahre später wiedertreffen – er als Mitglied einer Industriekommission, sie als Sekretärin des Ostberliner MGB-Chefs (alarmierend: René Deltgen) –, entdecken sie sehr zögerlich ihre Liebe (wieder), um alsbald in einen Strudel aus Angst, Intrige und Mißtrauen zu geraten, der ihnen nur eine Ausflucht läßt … Auch »Weg ohne Umkehr« nutzt zur Darstellung des dramatischen Zeitgeschehens Elemente der Kolportage und malt (vor allem gegen Ende der Erzählung) expressive Bilder der zerklüfteten Trümmerlandschaften, doch ist es vielleicht die erzwungenermaßen kosmopolitische Biographie des Regisseurs (Vicas, als Sohn jüdischer Eltern in Moskau geboren, wuchs in Berlin auf, emigrierte zunächst nach Paris, floh später nach New York, arbeitete nach dem Kriegsdienst in der US-Armee als Dokumentarfilmer in Italien, Israel und Frankreich), die eine, in den Tagen des Kalten Krieges seltene, unideologische Abgewogenheit ermöglicht (oder geradezu bewirkt). Das zurückhaltend-sensible Spiel Desnys (eines weiteren »Weltbürgers«) trägt gleichermaßen zur sachlichen Emotionalität des Werks bei.
R Victor Vicas B Gerhard T. Buchholz, Victor Vicas V Gregory Klimow K Klaus von Rautenfeld M Hans-Martin Majewski A Alfred Bütow, Ernst Schomer S Ira Oberberg P Gerhard T. Buchholz, Stuart Schulberg D Ivan Desny, Ruth Niehaus, René Deltgen, Karl John, Lila Kedrova | BRD | 95 min | 1:1,37 | sw | 6. November 1953
R Victor Vicas B Gerhard T. Buchholz, Victor Vicas V Gregory Klimow K Klaus von Rautenfeld M Hans-Martin Majewski A Alfred Bütow, Ernst Schomer S Ira Oberberg P Gerhard T. Buchholz, Stuart Schulberg D Ivan Desny, Ruth Niehaus, René Deltgen, Karl John, Lila Kedrova | BRD | 95 min | 1:1,37 | sw | 6. November 1953
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