Kollege kommt gleich
Yves Montand spielt Alex, chef de rang in einer Pariser Brasserie. Früher ein talentierter Music-Hall-Tänzer, sucht der flotte Sechziger in jeder Situation die Gelegenheit zum großen (oder kleinen) Auftritt: ob beim gewandten Bedienen der Gäste oder im Austausch mit Freunden, ob beim Entwickeln geschäftlicher Pläne (ein Rummelplatz am Meer!) oder im amourösen Hin und Her zwischen den (ehemaligen und aktuellen) Frauen seines Herzens, der betuchten Gloria, der melancholischen Coline und der munteren Claire (ihrerseits zwischen drei Männern: Nicole Garcia). Claude Sautet, der nach »Garçon!« die langjährige künstlerische Partnerschaft mit Ko-Autor Jean-Loup Dabadie und Kameramann Jean Boffety beenden wird, stellt Alex (dessen unverwüstlicher juveniler Charme ihn über Widrigkeiten und Enttäuschungen immer wieder souverän hinwegträgt) in den Mittelpunkt einer eleganten (wenn auch gelegentlich etwas vordergründigen) filmischen Choreographie, die in einer Folge von skizzenhaften Impressionen – Höhepunkte bilden die temporeichen Restaurantszenen mit lautem Stimmengewirr und wehenden Schürzen, mit (manchmal allzu) heißen Tellern und immerfort pendelnder Schwingtür zwischen Küche und Saal – den Wirbelsturm des Lebens feiert.
R Claude Sautet B Jean-Loup Dabadie, Claude Sautet K Jean Boffety M Philippe Sarde A Dominique André Ko Olga Pelletier S Jacqueline Thiédot P Alain Sarde, Claude Berri D Yves Montand, Nicole Garcia, Jacques Villeret, Bernard Fresson, Rosy Varte, Dominique Laffin | F | 102/91 min | 1:1,66 | f | 9. November 1983
# 1120 | 1. Juni 2018
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9.11.83
Garçon! (Claude Sautet, 1983)
Labels:
Dabadie,
Freundschaft,
Komödie,
Meer,
Montand,
Paris,
Restaurant,
Romanze,
Rummelplatz,
Sautet
27.10.76
L’aile ou la cuisse (Claude Zidi, 1976)
Brust oder Keule
Für seine Verdienste um die beiden heiligen Kühe Frankreichs – Küche und Sprache – soll Charles Duchemin (Louis de Funès), wortmächtiger Kulinarier und Herausgeber eines berühmten (und von vielen gefürchteten) Restaurantführers, in die Académie française aufgenommen werden. Bevor er, gewandet in den ehrwürdigen habit vert, das traditionelle Festessen im Kreise der ›Unsterblichen‹ genießen kann, muß Duchemin einerseits seinen Sohn und designierten Nachfolger Gérard (Coluche), der ein Doppelleben als Zirkusclown führt, bei der familiären Stange halten, andererseits in einem Fernsehduell die chemisch-industriellen Schweinereien des diabolischen Lebensmittel-Tycoons Jacques Tricatel (Julien Guiomar) ans Licht der Öffentlichkeit bringen. Duchemin gegen Tricatel, das heißt nicht nur ›grande cuisine‹ gegen ›malbouffe‹, sondern ganz allgemein: kulturelle Verfeinerung gegen profitgierige Barbarei. Gerade von einem doppelten Herzinfarkt genesen, wirkt die ewige Krawalltüte Louis de Funès in Claude Zidis satirischer Gastro-Farce etwas schallgedämpft; dem fröhlichen Wahnwitz seiner Reise vom Himmel der Feinschmeckerei in die Hölle der Fertiggerichte und wieder zurück tut dies freilich keinen Abbruch.
R Claude Zidi B Claude Zidi, Michel Fabre K Claude Renoir M Vladimir Cosma A Michel de Broin S Robert Isnardon, Monique Isnardon P Christian Fechner D Louis de Funès, Coluche, Julien Guiomar, Ann Zacharias, Claude Gensac, Marcel Dalio | F | 104 min | 1:2,35 | f | 27. Oktober 1976
# 900 | 4. August 2014
Für seine Verdienste um die beiden heiligen Kühe Frankreichs – Küche und Sprache – soll Charles Duchemin (Louis de Funès), wortmächtiger Kulinarier und Herausgeber eines berühmten (und von vielen gefürchteten) Restaurantführers, in die Académie française aufgenommen werden. Bevor er, gewandet in den ehrwürdigen habit vert, das traditionelle Festessen im Kreise der ›Unsterblichen‹ genießen kann, muß Duchemin einerseits seinen Sohn und designierten Nachfolger Gérard (Coluche), der ein Doppelleben als Zirkusclown führt, bei der familiären Stange halten, andererseits in einem Fernsehduell die chemisch-industriellen Schweinereien des diabolischen Lebensmittel-Tycoons Jacques Tricatel (Julien Guiomar) ans Licht der Öffentlichkeit bringen. Duchemin gegen Tricatel, das heißt nicht nur ›grande cuisine‹ gegen ›malbouffe‹, sondern ganz allgemein: kulturelle Verfeinerung gegen profitgierige Barbarei. Gerade von einem doppelten Herzinfarkt genesen, wirkt die ewige Krawalltüte Louis de Funès in Claude Zidis satirischer Gastro-Farce etwas schallgedämpft; dem fröhlichen Wahnwitz seiner Reise vom Himmel der Feinschmeckerei in die Hölle der Fertiggerichte und wieder zurück tut dies freilich keinen Abbruch.
R Claude Zidi B Claude Zidi, Michel Fabre K Claude Renoir M Vladimir Cosma A Michel de Broin S Robert Isnardon, Monique Isnardon P Christian Fechner D Louis de Funès, Coluche, Julien Guiomar, Ann Zacharias, Claude Gensac, Marcel Dalio | F | 104 min | 1:2,35 | f | 27. Oktober 1976
# 900 | 4. August 2014
Labels:
de Funès,
Fernsehen,
Industrie,
Komödie,
Paris,
Restaurant,
Satire,
Vater,
Wirtschaft,
Zidi
13.4.56
Voici le temps des assassins (Julien Duvivier, 1956)
Der Engel, der ein Teufel war
Rabenschwarze französische Variation des John-M.-Cain-Klassikers von der verführerisch-lebensgefährlichen Frau (Danièle Delorme), die den treuherzigen Jungen (Gérard Blain) gegen den leichtsinnigen Alten (Jean Gabin) aufhetzt (genauer gesagt: aufhetzen will). In diesem trüben Fall bringt das Verhängnis nicht der zweimal klingelnde Postbote sondern die totgeglaubte Exfrau eines renommierten Gastronomen, die dem Verflossenen ihre Tochter aus zweiter Ehe als Nemesis an den Hals schickt. Mit so viel liebevollem Lokalkolorit Julien Duvivier das Milieu von Les Halles zeichnet – direkt neben dem legendären ›Bauch von Paris‹ betreibt M. Chatelin (Gabin) sein Restaurant »Au Rendez-vous des Innocents« (!) –, mit so viel unsentimentaler Frostigkeit porträtiert er die Protagonisten der Handlung, die Männer wie die Frauen: den bourgeoisen Macho, der sich blind aufs Frischfleisch wirft, seine gallenbittere Mutter (Germaine Kerjean), die Hühner mit der Peitsche schlachtet, den Naivling, der sich (beinahe) gegen den alten Freund und Gönner ausspielen läßt, die hübsche Intrigantin, die ganz ihrer zerstörerischen Lust lebt, ihre haßzerfressene Mutter (Lucienne Bogaert), die sich in einem schmuddligen Hotelbett mit Drogen vollpumpt. Das Ende vom Lied – ein schnuffiger Köter sorgt für ausgleichende Gerechtigkeit – kommt so zwangsläufig wie brutal. Henri-Georges Clouzot, dessen Stammkameramann Armand Thirard auch diese hermetische Etüde über die Bestie Mensch (und Hund) fotografierte, dürfte an »Voici le temps des assassins« seine dunkle misanthropische Freude gehabt haben.
R Julien Duvivier B Julien Duvivier, Charles Dorat, Pierre-Aristide Bréal K Armand Thirard M Jean Wiener A Robert Gys S Marthe Poncin P Raymond Borderie, Georges Agiman, René Bézard, Pierre Cabaud D Jean Gabin, Danièle Delorme, Gérard Blain, Lucienne Bogaert, Germaine Kerjean | F | 113 min | 1:1,37 | sw | 13. April 1956
Rabenschwarze französische Variation des John-M.-Cain-Klassikers von der verführerisch-lebensgefährlichen Frau (Danièle Delorme), die den treuherzigen Jungen (Gérard Blain) gegen den leichtsinnigen Alten (Jean Gabin) aufhetzt (genauer gesagt: aufhetzen will). In diesem trüben Fall bringt das Verhängnis nicht der zweimal klingelnde Postbote sondern die totgeglaubte Exfrau eines renommierten Gastronomen, die dem Verflossenen ihre Tochter aus zweiter Ehe als Nemesis an den Hals schickt. Mit so viel liebevollem Lokalkolorit Julien Duvivier das Milieu von Les Halles zeichnet – direkt neben dem legendären ›Bauch von Paris‹ betreibt M. Chatelin (Gabin) sein Restaurant »Au Rendez-vous des Innocents« (!) –, mit so viel unsentimentaler Frostigkeit porträtiert er die Protagonisten der Handlung, die Männer wie die Frauen: den bourgeoisen Macho, der sich blind aufs Frischfleisch wirft, seine gallenbittere Mutter (Germaine Kerjean), die Hühner mit der Peitsche schlachtet, den Naivling, der sich (beinahe) gegen den alten Freund und Gönner ausspielen läßt, die hübsche Intrigantin, die ganz ihrer zerstörerischen Lust lebt, ihre haßzerfressene Mutter (Lucienne Bogaert), die sich in einem schmuddligen Hotelbett mit Drogen vollpumpt. Das Ende vom Lied – ein schnuffiger Köter sorgt für ausgleichende Gerechtigkeit – kommt so zwangsläufig wie brutal. Henri-Georges Clouzot, dessen Stammkameramann Armand Thirard auch diese hermetische Etüde über die Bestie Mensch (und Hund) fotografierte, dürfte an »Voici le temps des assassins« seine dunkle misanthropische Freude gehabt haben.
R Julien Duvivier B Julien Duvivier, Charles Dorat, Pierre-Aristide Bréal K Armand Thirard M Jean Wiener A Robert Gys S Marthe Poncin P Raymond Borderie, Georges Agiman, René Bézard, Pierre Cabaud D Jean Gabin, Danièle Delorme, Gérard Blain, Lucienne Bogaert, Germaine Kerjean | F | 113 min | 1:1,37 | sw | 13. April 1956
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