»Mädchen, 5, sagt Wiedervereinigung voraus! Wie verhält sich Bonn?« Was der Antike die Säulen des Herakles waren, bedeutet zu Zeiten des Kalten Krieges der Eiserne Vorhang: non plus ultra … Friedheim ist ein Nest an der innerdeutschen Grenze; die ›Werra-Post‹ ist ein Provinzblättchen, dessen Verlaufszahlen seit Jahrzehnten rückläufig sind. Willi Busch (Tilo Prückner) und seine Schwester Adelheid betreiben die ererbte ›Werra-Post‹ im abgeschiedenen Friedheim mit dem liebenswert-vernagelten Eigensinn echter Hinterwäldler. Weil im Nichts der welthistorischen Peripherie nichts passiert, erfindet Lokalreporter Willi (»Wie wohl ist dem, der dann und wann / Sich etwas Schönes dichten kann!«) zur Steigerung der Auflage kurzerhand packende Neuigkeiten: einen mysteriösen Telefonzellenvandalen, ein politisches Verkündigungswunder, die mörderischen Aktivitäten eines Agentenrings. Die journalistische Imagination wird schließlich von der Wirklichkeit ein- und überholt: Das Leben ahmt nicht nur die Kunst nach sondern auch die Sensationspresse … In Niklaus Schillings schizophrener Heimat-Humoreske knattert (oder fliegt?) der rasende Berichterstatter in einem Messerschmitt Kabinenroller durch das Zonenrandgebiet; dem besessenen Nachrichtenjäger folgt, gleichsam schwerelos, das erste Steadicam-Equipment der Kinogeschichte (Kamera: Wolfgang Dickmann). Die ins Surreal-Hysterische kippende Borderline-Story verquickt Liebe und Spionage, Geschichte und Geschichten, Schöpfergeist und Wahnsinn; am Ende der mehr und mehr zerflatternden Schose steigen Wahrlügner Willi die selbsterdachten Nachrichten derart zu Kopfe, daß er nach einem schweren Anfall von Grenzkoller abtransportiert werden muß: »Na, jetzt hat er seine Ruh! / Ratsch! Man zieht den Vorhang zu.«
R Niklaus Schilling B Niklaus Schilling K Wolfgang Dickmann M Patchwork A Christa Molitor S Niklaus Schilling P Elke Haltaufderheide D Tilo Prückner, Dorothea Moritz, Kornelia Boje, Hannes Kaetner, Klaus Hoser | BRD | 103 min | 1:1,85 | f | 27. Oktober 1979
# 775 | 21. September 2013
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27.10.79
4.3.76
Im Lauf der Zeit (Wim Wenders, 1976)
Eine spröde Männerfreundschaft in Schwarzweiß, Breitwand 1:1,66 und Originalton, eine Elegie auf das Sterben der Kinos (mit einem Seitenblick auf den Dämmerschlaf der Provinzzeitungen), eine Lastwagenreise entlang der deutsch-deutschen Grenze (mit einem Motorradabstecher an den Rhein), ein Roadmovie … Ohne, wie im grüblerischen Vorgängerfilm, Rekurs auf die Hochkultur zu nehmen, schauen Wim Wenders und sein Kameramann Robby Müller mit befreiter Offenheit auf das kleine geteilte Land, betrachten es wie einen unbekannten Kontinent; von der Elbe bis nach Oberfranken begleiten sie zwei Drifter, die zufällig aufeinandertreffen und, aus der Laune des Augenblicks heraus, eine Zeitlang zusammenbleiben: Bruno (»King of the Road«: Rüdiger Vogler) fährt mit seinem umgebauten Möbeltransporter durchs Zonenrandgebiet und repariert alte Filmprojektoren, Robert (»Kamikaze«: Hanns Zischler) hat seine Frau verlassen und läßt sich durch den Sommer treiben. Es wird nur wenig gesprochen, gelesen, Musik gehört, es wird gekackt, gepißt, gewichst, und langsam, ganz langsam gewinnen die Protagonisten schemenhafte Konturen; Lebensgeschichten sind zu erahnen, Sehnsüchte und Ängste werden spürbar, Konflikte brechen auf. So entwickelt sich, in nur von der Straße miteinander verbundenen Episoden, ein Versuch über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Alleinseins, über fremde Väter und abhandene Frauen, über schweifende Fluchten und die amerikanische Kolonisierung des Unterbewußtsein – für die Wenders elegante Beispiele liefert, wenn er Nicholas Ray und John Ford zitiert, wenn er deutsche Orte zeigt, wie von Walker Evans fotografiert. Die lakonische Heimat- und Nabelschau endet angemessen unbestimmt: »Es muß alles ganz anders werden.«
R Wim Wenders B Wim Wenders K Robby Müller M Improved Sound Limited A Heidi Lüdi S Peter Przygodda P Wim Wenders D Rüdiger Vogler, Hanns Zischler, Lisa Kreuzer, Marquard Bohm, Rudolf Schündler | BRD | 175 min | 1:1,66 | sw | 4. März 1976
# 1033 | 28. November 2016
R Wim Wenders B Wim Wenders K Robby Müller M Improved Sound Limited A Heidi Lüdi S Peter Przygodda P Wim Wenders D Rüdiger Vogler, Hanns Zischler, Lisa Kreuzer, Marquard Bohm, Rudolf Schündler | BRD | 175 min | 1:1,66 | sw | 4. März 1976
# 1033 | 28. November 2016
29.2.72
Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (Wim Wenders, 1972)
»Es ist sehr schwierig, von den Stürmern und vom Ball wegzuschauen und dem Tormann zuzuschauen.« Bei einem Auswärtsspiel in Wien gerät der Tormann Bloch (Arthur Brauss) mit dem Schiedsrichter aneinander und wird vom Spielfeld geschickt. Wim Wenders läßt darauf Szenen folgen, die sich kaum zu einer konsistenten Handlung fügen: Begebenheiten, Momente, Beobachtungen, durch Schwarzblenden mehr getrennt als verbunden, Fragmente eines »Thrillers ohne Spannung«. Bloch streift durch die Stadt, mietet sich in einem schäbigen Hotel ein, geht ins Kino (»Rote Linie 7000«), bändelt mit der Kassiererin (Erika Pluhar) an, die ihn mitnimmt in ihre Wohnung am Flughafen und die er am nächsten Morgen erwürgt, nach dem gemeinsamen Frühstück, einfach so, ohne erkennbares Motiv, woraufhin er oberflächlich seine Spuren verwischt und weiterzieht, zu einer Bekannten von früher (Kai Fischer), die einen Gasthof in einem Dorf an der Grenze bewirtschaftet, wo er die Zeit totschlägt, Unruhe verbreitet, ins Kino geht (»Nur 72 Stunden«), die Zeitungsnachrichten über die Suche nach einem verschwundenen stummen Schüler und die Fahndung nach dem Mörder der Kassiererin verfolgt, ein Fußballspiel besucht, den Tormann beobachtet, der einen Elfmeter hält. Ebensosehr wie für die vereinzelten Menschen, die in Robby Müllers kühlen Bildern aneinander vorbeireden, vorbeisehen, vorbeihören, interessiert sich Wim Wenders für die Objekte, die das entfremdete Leben möblieren, den Fotoautomat, das Transistorradio, die Telefonzelle, den Fernsehapparat und, nicht zu vergessen, immer wieder: die Musikboxen. »Drücken Sie Q4.«
R Wim Wenders B Wim Wenders, Peter Handke V Peter Handke K Robby Müller M Jürgen Knieper A Rudolf Schneider-Manns Au, Burghard Schlicht S Peter Prygodda P Peter Genée D Arthur Brauss, Kai Fischer, Erika Pluhar, Libgart Schwarz, Marie Bardischewski | BRD & A | 100 min | 1:1,37 | f | 29. Februar 1972
# 1036 | 28. November 2016
R Wim Wenders B Wim Wenders, Peter Handke V Peter Handke K Robby Müller M Jürgen Knieper A Rudolf Schneider-Manns Au, Burghard Schlicht S Peter Prygodda P Peter Genée D Arthur Brauss, Kai Fischer, Erika Pluhar, Libgart Schwarz, Marie Bardischewski | BRD & A | 100 min | 1:1,37 | f | 29. Februar 1972
# 1036 | 28. November 2016
4.7.63
Verspätung in Marienborn (Rolf Hädrich, 1963)
Eine bundesdeutsche Film-Fernsehen-Koproduktion mit internationaler Beteiligung und einem veritablen Oscar-Preisträger in einer Hauptrolle. Basierend auf einem Drehbuch von Will Tremper (der den Film wegen des Konkurses der vorgesehenen Produktionsfirma nicht selbst realisieren konnte) inszeniert TV-Regisseur Rolf Hädrich auf engem Raum eine spannende deutsch-deutsch-alliierte Flüchtlingsstory, die einem Ereignis aus dem Dezember 1961 folgt: Bei einem kurzen Zwischenhalt irgendwo in der Zone springt ein junger DDR-Bürger auf den US-Militärzug von Berlin nach Frankfurt; seine Anwesenheit bleibt nicht unbemerkt: Eine Krankenschwester hilft ihm sich zu verstecken; ein mitreisender Journalist (knurrig: José Ferrer) wittert einen Knüller und führt mit dem Republikflüchtling, der seinen Eltern in den Westen folgen will, ein exklusives Tonband-Interview; schließlich schöpfen auch östliche Transportpolizisten Verdacht und melden die Sache ihren Vorgesetzten. Nur der junge amerikanische Kommandant (Sean Flynn, ein Sohn von Errol) ahnt von alldem nichts, schwört Stein und Bein, daß sich kein blinder Passagier an Bord befände, als die Sowjets den Zug am Kontrollpunkt festhalten und die Lokomotive abkoppeln … Als Musterbeispiel eines geschlossenen Dramas wahrt »Verspätung in Marienborn« strikt die Einheit von Zeit (eine Nacht und ein Tag), Ort (ein versiegelter Zug und ein abgeriegelter Grenzbahnhof) und Handlung. Von Interesse erscheinen weniger die Überzeugungen oder Motivationen der knapp gezeichneten Charaktere, sondern ihre Gefangenschaft in einem abstrakten System technisch-administrativer Mechanismen, das weder persönlichen Handlungsspielraum noch individuelle Rücksichtnahme zuläßt – nicht einmal die rivalisierenden Ideologien der feindlichen Mächte spielen in diesem kalten (Nerven-)Krieg noch eine wesentliche Rolle. Am Ende sind es folgerichtig nicht die Personen des Stücks sondern anonyme Instanzen, die per Telefonbefehl das Schicksal des Flüchtlings besiegeln.
R Rolf Hädrich B Will Tremper, Victor Vicas (englische Fassung »Stop Train 349«) K Roger Fellous M Peter Thomas, Claude Vasori A Dieter Bartels, Albrecht Hennings S Margot Jahn, Georges Arnstam P Hans Oppenheimer, Hessischer Rundfunk D José Ferrer, Sean Flynn, Nicole Courcel, Jess Hahn, Hans-Joachim Schmiedel | BRD & F & I | 94 min | 1:1,37 | sw | 4. Juli 1963
R Rolf Hädrich B Will Tremper, Victor Vicas (englische Fassung »Stop Train 349«) K Roger Fellous M Peter Thomas, Claude Vasori A Dieter Bartels, Albrecht Hennings S Margot Jahn, Georges Arnstam P Hans Oppenheimer, Hessischer Rundfunk D José Ferrer, Sean Flynn, Nicole Courcel, Jess Hahn, Hans-Joachim Schmiedel | BRD & F & I | 94 min | 1:1,37 | sw | 4. Juli 1963
23.4.58
Touch of Evil (Orson Welles, 1958)
Im Zeichen des Bösen
»You’re a killer.« – »Partly. I’m a cop.« Der Noir-Thriller als Borderline-Erfahrung: In Los Robles, einer Kleinstadt an der Grenze zwischen Mexiko und den USA, werden ein wohlhabender Geschäftsmann und seine Geliebte durch eine Autobombe getötet. Die folgenden polizeilichen Ermittlungen bringen den amerikanischen Captain Hank Quinlan (monströs-verlottert: Orson Welles) und den mexikanischen Drogenfahnder Miguel Vargas (rational-gutmenschlich: Charlton Heston) professionell und emotional gegeneinander in Stellung – konstruiert der rassistische Quinlan, seinem kriminalistischem Beingefühl (»My game leg is startin’ to talk to me.«) folgend, schon mal passende Beweise, gerät der rechtschaffene Vargas (samt seiner frisch angetrauten blonden Ehefrau) in einen Strudel aus Heimtücke, Gewalt und Amoral ... Russell Mettys plakative Schwarzweiß-Fotografie scheut zur Veranschaulichung der prekären Zustände weder Weitwinkelverzerrungen noch schräge Perspektiven, während Henri Mancini Rock’n’Roll, Jazz und Pianolaklängen zu einem hektisch-aggressiven Soundtrack mixt. Orson Welles’ eigenwillige Kreuzung aus hysterisch-forciertem Genrestück und slam-poetischem Autorenfilm mißt der Aufklärung des explosiven Verbrechens konsequentermaßen deutlich weniger Bedeutung zu als der psychologische Sezierung einer ebenso überlebensgroßen wie selbstzerstörerischen Persönlichkeit und der schmuddelig-genießerischen Darstellung ihres unausweichlichen Untergangs. Quinlan, von Welles als ungeschlachter Fleischberg präsentiert, die Provinzkaffausgabe eines Charles Foster Kane oder Gregory Arkadin, ein Mann, dem das schmutzigste Mittel gerade recht ist, um sein Ziel zu erreichen, endet passenderweise in einem vermüllten Schlammloch – seine alte Flamme Tana (Marlene Dietrich als schwarzgelockte gypsy queen) zieht das unsentimentale Resümee: »He was some kind of a man. What does it matter what you say about people?«
R Orson Welles B Orson Welles V Whit Masterson (= Robert Allison Wade & H. William Miller) K Russell Metty M Hanry Mancini A Alexander Golitzen, Robert Clatworthy S Virgil Vogel, Aaron Stell P Albert Zugsmith D Orson Welles, Charlton Heston, Janet Leigh, Akim Tamiroff, Marlene Dietrich | USA | 95/111 min | 1:1,85 | sw | 23. April 1958
# 1093 | 29. Januar 2018
»You’re a killer.« – »Partly. I’m a cop.« Der Noir-Thriller als Borderline-Erfahrung: In Los Robles, einer Kleinstadt an der Grenze zwischen Mexiko und den USA, werden ein wohlhabender Geschäftsmann und seine Geliebte durch eine Autobombe getötet. Die folgenden polizeilichen Ermittlungen bringen den amerikanischen Captain Hank Quinlan (monströs-verlottert: Orson Welles) und den mexikanischen Drogenfahnder Miguel Vargas (rational-gutmenschlich: Charlton Heston) professionell und emotional gegeneinander in Stellung – konstruiert der rassistische Quinlan, seinem kriminalistischem Beingefühl (»My game leg is startin’ to talk to me.«) folgend, schon mal passende Beweise, gerät der rechtschaffene Vargas (samt seiner frisch angetrauten blonden Ehefrau) in einen Strudel aus Heimtücke, Gewalt und Amoral ... Russell Mettys plakative Schwarzweiß-Fotografie scheut zur Veranschaulichung der prekären Zustände weder Weitwinkelverzerrungen noch schräge Perspektiven, während Henri Mancini Rock’n’Roll, Jazz und Pianolaklängen zu einem hektisch-aggressiven Soundtrack mixt. Orson Welles’ eigenwillige Kreuzung aus hysterisch-forciertem Genrestück und slam-poetischem Autorenfilm mißt der Aufklärung des explosiven Verbrechens konsequentermaßen deutlich weniger Bedeutung zu als der psychologische Sezierung einer ebenso überlebensgroßen wie selbstzerstörerischen Persönlichkeit und der schmuddelig-genießerischen Darstellung ihres unausweichlichen Untergangs. Quinlan, von Welles als ungeschlachter Fleischberg präsentiert, die Provinzkaffausgabe eines Charles Foster Kane oder Gregory Arkadin, ein Mann, dem das schmutzigste Mittel gerade recht ist, um sein Ziel zu erreichen, endet passenderweise in einem vermüllten Schlammloch – seine alte Flamme Tana (Marlene Dietrich als schwarzgelockte gypsy queen) zieht das unsentimentale Resümee: »He was some kind of a man. What does it matter what you say about people?«
R Orson Welles B Orson Welles V Whit Masterson (= Robert Allison Wade & H. William Miller) K Russell Metty M Hanry Mancini A Alexander Golitzen, Robert Clatworthy S Virgil Vogel, Aaron Stell P Albert Zugsmith D Orson Welles, Charlton Heston, Janet Leigh, Akim Tamiroff, Marlene Dietrich | USA | 95/111 min | 1:1,85 | sw | 23. April 1958
# 1093 | 29. Januar 2018
25.1.57
Salzburger Geschichten (Kurt Hoffmann, 1957)
Postkartenidyllische Ansichten von Stadt und Land Salzburg, luftig überbacken mit einem nockerlhaft aufgeschlagenen Fastnichts von Geschichte: der Privatgelehrte Dr. med. Dr. iur Dr. phil. Georg Rentmeister (eckig: Paul Hubschmid) verliebt sich in das vermeintliche Stubenmädchen Konstanze (goldig: Marianne Koch), das sich als veritable Comtesse erweist, die im eigenen, an internationale Festspielgäste vermieteten Schloß mit der ganzen adligen Familie Dienerschaft spielt, um dem komödienschreibenden Vater (kauzig: Richard Romanowsky) Inspirationen für ein neues Lustspiel zu verschaffen. Autor Erich Kästner unterläßt es, sein launiges Reiseromänchen aus dem Anschlußjahr 1938 nachträglich mit Relevanz zu beschweren, Regisseur Kurt Hoffmann vermeidet (beinahe) jeden Hinweis auf die reichsdeutsch-österreichische Zwischenkriegsrealität – entschieden harmloses (Heimat-)Kino als kleiner romantischer Grenzverkehr in immerwährend beschaulichen Zeiten.
R Kurt Hoffmann B Erich Kästner V Erich Kästner K Werner Krien M Franz Grothe A Ludwig Reiber S Eva Kroll P Georg Witt D Marianne Koch, Paul Hubschmid, Richard Romanowsky, Peter Mosbacher, Adrienne Gessner, Helmuth Lohner | BRD | 90 min | 1:1,66 | f | 25. Januar 1957
# 1166 | 21. Juli 2019
R Kurt Hoffmann B Erich Kästner V Erich Kästner K Werner Krien M Franz Grothe A Ludwig Reiber S Eva Kroll P Georg Witt D Marianne Koch, Paul Hubschmid, Richard Romanowsky, Peter Mosbacher, Adrienne Gessner, Helmuth Lohner | BRD | 90 min | 1:1,66 | f | 25. Januar 1957
# 1166 | 21. Juli 2019
14.10.55
Himmel ohne Sterne (Helmut Käutner, 1955)
»Hier und drüben, das ist so wie Amerika und Asien, nur ein bißchen weiter auseinander.« Eine Liebe in Deutschland: Anna (Eva Kotthaus), Fabrikarbeiterin aus dem Osten, die ihren sechsjährigen Sohn Jochen zu sich holen will, trifft Karl (Erik Schumann), einen Grenzpolizisten aus dem Westen, der ihr bei der interzonalen Kindesentziehung behilflich ist. Die traurige Romanze, die sich aus der zufälligen Begegnung entwickelt, spielt diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs, zwischen Broditz in Thüringen und Oberfeldkirch in Franken. Helmut Käutner weigert sich, beinahe demonstrativ, einer Seite den Vorzug vor der anderen zu geben: Der Westen genießt gedankenlos die wiedererwachte Kaufkraft, im Osten herrschen systemischer Mangel und ideologische Schurigelei; keiner, so wird überall scheinfromm herausposaunt, hat die Grenze gemacht, und alle tun natürlich immer nur ihre Pflicht. Im Niemandsland, in der Ruine eines aufgelassenen Bahnhofs, kommt die Zärtlichkeit zu ihrem Recht, doch ihre Gegenwart ist nicht von Dauer: Trennende Schranken liegen längst über Schienen, die verbinden sollten. »Himmel ohne Sterne« ist nicht frei von augenfälligen Symbolismen, doch es überwiegt die nüchterne Beobachtung einer anormalen Normalität. Die Schizophrenie der Verhältnisse wird insbesondere sichtbar an den beiden Großelternpaaren des kleinen Jochen, der vom historischen Dilemma (noch) nichts weiß: Im Westen Annas Schwiegereltern, deren Sohn im Krieg gefallen ist, die geschäftstüchtigen Kaufleute Friese (Gustav Knuth und Camilla Spira), sentimental und selbstsüchtig; im Osten die greisen Kaminskis (Erich Ponto und Lucie Höflich), grundanständig doch alptraumverloren aus der Zeit gefallen. Gegenseitig hat man sich abgeschrieben. »Laß die Dinge, wie sie sind. Wie sie sind, sind sie gut«, sagt der alte Friese zu Anna, während Großvater Kaminski ihr kundtut: »Es gibt eine Grenze. Auch für dich.« »Und das mitten in Deutschland!« ruft hilflos ein Wachposten, nachdem er vorschriftsgemäß die Schäferhunde von der Leine gelassen hat.
R Helmut Käutner B Helmut Käutner K Kurt Hasse M Bernhard Eichhorn A Hans Berthel, Robert Stratil S Anneliese Schönnenbeck P Harald Braun D Eva Kotthaus, Erik Schumann, Erich Ponto, Lucie Höflich, Gustav Knuth, Camilla Spira, Horst Buchholz | BRD | 108 min | 1:1,37 | sw | 14. Oktober 1955
# 880 | 13. Juni 2014
R Helmut Käutner B Helmut Käutner K Kurt Hasse M Bernhard Eichhorn A Hans Berthel, Robert Stratil S Anneliese Schönnenbeck P Harald Braun D Eva Kotthaus, Erik Schumann, Erich Ponto, Lucie Höflich, Gustav Knuth, Camilla Spira, Horst Buchholz | BRD | 108 min | 1:1,37 | sw | 14. Oktober 1955
# 880 | 13. Juni 2014
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