Goto, Insel der Liebe
Vielleicht war es so… Eine stickige, schwarzweiße Nacht. Die Luft vibriert vom Summen der Fliegen. Beckett, Kafka und Jarry kommen aus dem Kino. Der Film hat ihnen nicht gefallen. Nur den Hauptdarsteller, einen gewissen Pierre Brasseur, den mochten sie. Die drei setzen sich auf die Terrasse eines Cafés, bestellen Absinth und beschließen, zusammen ein Drehbuch zu schreiben. Die Geschichte sollte auf einer Insel spielen, die nach einem Erdbeben vom Rest der Welt abgeschnitten wäre. Ein Gouverneur, gütig und sadistisch, herrschte über die kleine Welt. Und eine schöne Frau hätte er. Die liebte aber einen anderen: ihren Reitlehrer. Außerdem gäbe es Fliegen, jede Menge Fliegen. Und da wäre ein Aufzug, mit dem Verurteilte auf eine Bühne gefahren würden, wo sie gegeneinander kämpfen müßten – der Gewinner würde begnadigt, der Verlierer käme aufs Schafott. Der Kellner serviert noch drei Absinth. Und einer, der begnadigt worden wäre, wollte unbedingt die Frau des Despoten für sich haben, und die Macht wollte er auch. Deswegen ginge alles kaputt. Und das Meer rauschte in der Ferne. Und da wären Hunde. Die würde man erschießen, wenn ihr Herr stürbe. Und es gäbe einen Alten, der geniale Fliegenfallen baute. Und alle Namen begännen mit G. Warum G? Warum nicht? Pierre Brasseur müßte die Hauptrolle spielen. Wer aber könnte Regie führen? Der Kellner kennt einen, einen verrückten Polen. Der habe zwar bisher nur Trickfilme gemacht, aber die seien nicht schlecht. Walerian Borowczyk heiße er, und eine schöne Frau habe er auch. Die könne ja die schöne Frau des Herrschers spielen. Beckett, Kafka und Jarry sind begeistert. Der Kellner bringt eine weitere Runde Absinth. Die Fliegen fliegen um den Tisch.
R Walerian Borowczyk B Walerian Borowczyk, Dominique Duvergé K Guy Durban M Georg Friedrich Händel A Walerian Borowczyk S Charles Bretoneiche P Louis Duchesne, René Thévenet D Pierre Brasseur, Ligia Branice, Jean-Pierre Andréani, Ginette Leclerc, Fernand Bercher | F | 93 min | 1:1,66 | sw | 29. Januar 1969
29.1.69
22.1.69
La femme infidèle (Claude Chabrol, 1969)
Die untreue Frau
»Je me sens bien comme ça. Le moindre changement dans ma mode de vie pourrait troubler cette harmonie.« Ein Portrait der kultivierten bürgerlichen (Ehe-)Hölle, ganz ohne Heulen und Zähneklappern, stattdessen mit Manieren und Mord. Charles (gefährlich-beherrscht: Michel Bouquet) macht seiner Frau Hélène (kalt-lodernd: Stéphane Audran) wegen ihrer Untreue keine Szene – dafür ist er viel zu gut erzogen. Er tötet den Rivalen Victor (epikureisch-quallig: Maurice Ronet) ganz en passant, nach einem kleinen Plausch unter Männern. Hélène versteht Charles (wortlos) und entdeckt, infolge der Bluttatt, die Hochachtung vor und die Liebe zu ihrem Gatten wieder … Die oszillographische Akkuratesse, mit der Claude Chabrol den diskreten Wahn der Bourgeoisie – ihre abgezirkelten Rituale, ihre versteckten Begierden, ihre codierte Kommunikation, ihren genießerischen Ekel vor sich selbst – nachzeichnet, verrät nicht nur eine tiefe Kenntnis der beschriebenen Lebenswelt, sondern auch eine Art zynisches Erbarmen mit ihren entseelten Helden. Die letzte Einstellung des Films, eine Kombination von Distanzierung (Kamerafahrt) und gleichzeitiger Annährung (Zoom), bringt das inszenatorische Programm auf den Punkt: (sachlichen) Abstand wahren bei ungeschönter Betrachtung aller (verräterischen) Details.
R Claude Chabrol B Claude Chabrol K Jean Rabier M Pierre Jansen A Guy Littaye S Jacques Gaillard P André Genovès D Stéphane Audran, Michel Bouquet, Michel Duchaussoy, Maurice Ronet, Louise Rioton | F & I | 98 min | 1:1,66 | f | 22. Januar 1969
»Je me sens bien comme ça. Le moindre changement dans ma mode de vie pourrait troubler cette harmonie.« Ein Portrait der kultivierten bürgerlichen (Ehe-)Hölle, ganz ohne Heulen und Zähneklappern, stattdessen mit Manieren und Mord. Charles (gefährlich-beherrscht: Michel Bouquet) macht seiner Frau Hélène (kalt-lodernd: Stéphane Audran) wegen ihrer Untreue keine Szene – dafür ist er viel zu gut erzogen. Er tötet den Rivalen Victor (epikureisch-quallig: Maurice Ronet) ganz en passant, nach einem kleinen Plausch unter Männern. Hélène versteht Charles (wortlos) und entdeckt, infolge der Bluttatt, die Hochachtung vor und die Liebe zu ihrem Gatten wieder … Die oszillographische Akkuratesse, mit der Claude Chabrol den diskreten Wahn der Bourgeoisie – ihre abgezirkelten Rituale, ihre versteckten Begierden, ihre codierte Kommunikation, ihren genießerischen Ekel vor sich selbst – nachzeichnet, verrät nicht nur eine tiefe Kenntnis der beschriebenen Lebenswelt, sondern auch eine Art zynisches Erbarmen mit ihren entseelten Helden. Die letzte Einstellung des Films, eine Kombination von Distanzierung (Kamerafahrt) und gleichzeitiger Annährung (Zoom), bringt das inszenatorische Programm auf den Punkt: (sachlichen) Abstand wahren bei ungeschönter Betrachtung aller (verräterischen) Details.
R Claude Chabrol B Claude Chabrol K Jean Rabier M Pierre Jansen A Guy Littaye S Jacques Gaillard P André Genovès D Stéphane Audran, Michel Bouquet, Michel Duchaussoy, Maurice Ronet, Louise Rioton | F & I | 98 min | 1:1,66 | f | 22. Januar 1969
20.12.68
Bengelchen liebt kreuz und quer (Marran Gosov, 1968)
George (Harald Leipnitz) kann sie alle haben und nimmt sie sich auch. Seiner gutbürgerlichen Sippschaft, insbesondere Bruder Alfred, einem züchtigen Studienrat (Herbert Bötticher), ist der abwechslungsreiche Lebenswandel des potenten Stechers ein Dorn im Auge: Man versucht den Don Juan unter die Haube zu bringen. George gelobt sich zu verloben und stellt nun jeden Abend am Familientisch eine neue Braut vor, bis er an einer von ihnen (an deren ehelicher Bestimmung die muntere Erzählung gar keinen Zweifel ließ) tatsächlich kleben bleibt – und eine klamottige Schlußpointe dem Vagabundieren des Helden ein sch(m)erz haftes Ende bereitet… Die romantische Farce (Buch und Regie: Marran Gosov) lebt von ritualisiert wiederholten Verhaltens- und Kommunikationsstereotypen und induziert aus dem Kommen und Gehen der diversen, stark typisierten sex interests der Hauptfigur die possenhafte Kritik an der Entwertung von Erotik zum Wegwerfartikel: Die Libertinage des (immerhin schon 40jährigen) »Bengelchen« erscheint weniger als freudenreicher Sinnen- oder Freiheitsgenuß sondern lediglich als ermüdend-zwanghafte Kehrseite von sogenannter Sittlichkeit.
R Marran Gosov B Marran Gosov K Hubs Hagen, Niklaus Schilling M Martin Böttcher A Gabriel Bauer S Gisela Haller P Rob Houwer D Harald Leipnitz, Sybille Maar, Renate Roland, Herbert Bötticher, Jana Novaková | BRD | 88 min | 1:1,66 | f | 20. Dezember 1968
R Marran Gosov B Marran Gosov K Hubs Hagen, Niklaus Schilling M Martin Böttcher A Gabriel Bauer S Gisela Haller P Rob Houwer D Harald Leipnitz, Sybille Maar, Renate Roland, Herbert Bötticher, Jana Novaková | BRD | 88 min | 1:1,66 | f | 20. Dezember 1968
13.12.68
Quartett im Bett (Ulrich Schamoni, 1968)
»Berlin ist immer eine Reise wert. Börlin olwaiß iß wörß ä träwel.« 1968: Während sich in den Straßen Westberlins wildgewordene Studenten (»Radikalinskis«) und tschakobehelmte Polizisten (»Bullenschweine«) rabiate Scharmützel liefern, läßt der spätbourgeoise Kino-Bohèmien Ulrich Schamoni, eher indifferent gegenüber den semirevolutionären Zeitläuften, einen gänzlich unpolitschen, dafür hochgradig albernen culture clash der vierten Art abrollen: ›Insterburg & Co‹ (»Auf einem Himmelbett der Zeisig / er hat ein Mädchen bei sich.«) gegen ›Jacob Sisters‹ (»Klatsch, Klatsch, Schenkelchen / Opa wünscht sich Enkelchen!«) – gehobener Berliner Brettl-Blödsinn (zumeist vorgetragen auf selbstgebastelten Instrumenten) gegen zappelige sächsische Schlager-Munterkeit (begleitet von wohlfrisierten weißen Pudeln). In der Art einer aufgekratzten musikalischen Nummernrevue, nicht unbeeinflußt von Richard Lesters Running-Jumping-&-Standing-Still-Ästhetik, führt »Quartett im Bett« durch ungeheizte Schafzimmer und elegante Hotelsuiten, über ruinöse Hinterhöfe und klapprige Studiobühnen, durch Kneipen und Fernsehateliers, zum Kurfürstendamm und an die Mauer. Ein hektisch-fröhliches Stimmungsbild ohne Ziel und Plan, aber mit einem gerüttelt Maß an zeitgeschichtlichem Mutter- und Vaterwitz.
R Ulrich Schamoni B Ulrich Schamoni K Josef Kaufmann M Ingo Insterburg, Jacob-Sisters S Heidi Genée P Peter Schamoni D Insterburg & Co. (Ingo Insterburg, Peter Ehlebracht, Karl Dall, Jürgen Barz), Jacob Sisters (Johanna, Rosi, Eva, Hannelore), Andrea Rau, Rainer Basedow, Dieter Kursawe | BRD | 92 min | 1:1,66 | sw | 13. Dezember 1968
R Ulrich Schamoni B Ulrich Schamoni K Josef Kaufmann M Ingo Insterburg, Jacob-Sisters S Heidi Genée P Peter Schamoni D Insterburg & Co. (Ingo Insterburg, Peter Ehlebracht, Karl Dall, Jürgen Barz), Jacob Sisters (Johanna, Rosi, Eva, Hannelore), Andrea Rau, Rainer Basedow, Dieter Kursawe | BRD | 92 min | 1:1,66 | sw | 13. Dezember 1968
10.12.68
The Magus (Guy Green, 1968)
Teuflische Spiele
»We shall not cease from exploration / And the end of all our exploring / Will be to arrive where we started / And know the place for the first time.« Nicholas Urfe, ein selbstgefälliger junger Intellektueller (»I’ve got everything a poet needs, exept poems.« – Michael Caine), nimmt eine Stellung als Englischlehrer auf der griechischen Insel Phraxos an, um der bedrohlich ernsthaften Beziehung mit der Stewardess Anne (»I’ve got everything an air hostess needs, exept illusions.« – Anna Karina) zu entfliehen. Urfe gerät in den Bann des faszinierend-undurchsichtigen Maurice Conchis (Anthony Quinn), der mit seiner Entourage in einer prachtvollen Villa über der blau schimmernden Ägäis residiert. Conchis (≈ ›conscious‹ ≈ ›bewußt‹), dessen temperamentvolle Persona zwischen Magier und Nervenarzt, Krösus und Kriegsverbrecher, Filmproduzent und Gott irisiert, verwickelt seinen gefühlskalten Besucher unter Aufbietung antiker Mythen und griechischer Zeitgeschichte in zahlreiche Rollen- und Maskenspiele um Liebe und Verrat, Risiko und Glück, Wahrheit und Schuld – Spiele, die letztlich keinem anderen Zweck dienen, als einen Irrenden auf den Weg zu sich selbst zu schicken … Auch wenn ein halluzinatorischer Exzentriker wie Nicolas Roeg vielleicht in tiefere Dimensionen des Stoffes hätte vorstoßen können, ist Guy Greens visuell elegante, bisweilen die Grenzen zum Camp überschreitende Adaption des Romans von John Fowles (der selbst das Drehbuch schrieb) ein bemerkenswertes (und unterhaltsames) Erzählexperiment: »The Magus« verwischt ganz allmählich die Trennlinien zwischen Realität (≈ Erlebnis) und Imagination (≈ Projektion), mündet in einen happeningartigen, fantastisch-burlesken Karneval der Seelen und endet gleichsam schwebend, ohne Aufschluß über die tatsächlichen Hintergründe des Geschehens zu geben: »Now, I will show you something. The ultimate reality … the smile.«
R Guy Green B John Fowles V John Fowles K Billy Williams M John Dankworth A Donald M. Ashton S Max Benedict P Jud Kinberg, John Kohn D Michael Caine, Anthony Quinn, Candice Bergen, Anna Karina, Julian Glover | UK | 117 min | 1:2,35 | f | 10. Dezember 1968
»We shall not cease from exploration / And the end of all our exploring / Will be to arrive where we started / And know the place for the first time.« Nicholas Urfe, ein selbstgefälliger junger Intellektueller (»I’ve got everything a poet needs, exept poems.« – Michael Caine), nimmt eine Stellung als Englischlehrer auf der griechischen Insel Phraxos an, um der bedrohlich ernsthaften Beziehung mit der Stewardess Anne (»I’ve got everything an air hostess needs, exept illusions.« – Anna Karina) zu entfliehen. Urfe gerät in den Bann des faszinierend-undurchsichtigen Maurice Conchis (Anthony Quinn), der mit seiner Entourage in einer prachtvollen Villa über der blau schimmernden Ägäis residiert. Conchis (≈ ›conscious‹ ≈ ›bewußt‹), dessen temperamentvolle Persona zwischen Magier und Nervenarzt, Krösus und Kriegsverbrecher, Filmproduzent und Gott irisiert, verwickelt seinen gefühlskalten Besucher unter Aufbietung antiker Mythen und griechischer Zeitgeschichte in zahlreiche Rollen- und Maskenspiele um Liebe und Verrat, Risiko und Glück, Wahrheit und Schuld – Spiele, die letztlich keinem anderen Zweck dienen, als einen Irrenden auf den Weg zu sich selbst zu schicken … Auch wenn ein halluzinatorischer Exzentriker wie Nicolas Roeg vielleicht in tiefere Dimensionen des Stoffes hätte vorstoßen können, ist Guy Greens visuell elegante, bisweilen die Grenzen zum Camp überschreitende Adaption des Romans von John Fowles (der selbst das Drehbuch schrieb) ein bemerkenswertes (und unterhaltsames) Erzählexperiment: »The Magus« verwischt ganz allmählich die Trennlinien zwischen Realität (≈ Erlebnis) und Imagination (≈ Projektion), mündet in einen happeningartigen, fantastisch-burlesken Karneval der Seelen und endet gleichsam schwebend, ohne Aufschluß über die tatsächlichen Hintergründe des Geschehens zu geben: »Now, I will show you something. The ultimate reality … the smile.«
R Guy Green B John Fowles V John Fowles K Billy Williams M John Dankworth A Donald M. Ashton S Max Benedict P Jud Kinberg, John Kohn D Michael Caine, Anthony Quinn, Candice Bergen, Anna Karina, Julian Glover | UK | 117 min | 1:2,35 | f | 10. Dezember 1968
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22.11.68
Un soir, un train (André Delvaux, 1968)
Ein Abend … ein Zug
»Toute la pièce est un monologue.« Mathias (Yves Montand) ist Professor für Linguistik an einer flämischen Universität, seine französische Freundin Anne (Anouk Aimée) arbeitet als Kostümbildnerin. Ihre Beziehung ist nicht unproblematisch: Abgesehen von den charakterlichen Unterschieden zwischen dem kühlen Geisteswissenschaftler und der sensiblen Künstlerin schafft die Sprachgrenze, die das Land durchzieht, Distanz zwischen den Partnern. Anne entwirft die Gewänder für eine von Mathias eingerichtete Fassung der mittelalterlichen Moralität »Elckerlyc« (≈ »Jedermann«) – André Delvaux variiert diese metaphorische Pilgerfahrt eines Sterblichen, der vor seinem Tod Rechenschaft für seine Sünden ablegen soll, in der zweiten Hälfte des Films: Mathias reist mit der Eisenbahn zu einem Vortrag in einer anderen Stadt. Der Zug hält ohne Grund auf freier Strecke, Anne ist plötzlich verschwunden, Mathias findet sich, begleitet von zwei Fremden, im verlassenen Nirgendwo einer winterlich-öden Landschaft wieder. Mitten in der Nacht erreichen die drei Verirrten ein Dorf, dessen Bewohner eine unbekannte Sprache sprechen … Unnahbarkeit statt Nähe, Unverständnis statt Verständigung: »Un soir, un train«, von Ghislain Cloquet in ausgewaschenen Farben, mit traumhafter Klarheit fotografiert, gleicht einem modernen Mysterienspiel über Vereinzelung und gestörte Kommunikation. Jedermanns Leben windet sich als verschlungener Weg durch die eigene hermetische Gedankenwelt, wo aller Austausch mit einem Gegenüber unweigerlich zum dialogischen Selbstgespräch wird.
R André Delvaux B André Delvaux V Johan Daisne K Ghislain Cloquet M Frédéric Devreese A Claude Pignot S Suzanne Baron P Mag Bodard D Yves Montand, Anouk Aimée, Hector Camerlynck, François Beukelaers, Michael Gough | B & F | 86 min | 1:1,66 | f | 22. November 1968
# 847 | 15. März 2014
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20.11.68
Lady in Cement (Gordon Douglas, 1968)
Die Lady in Zement
In seinem zweiten Fall stößt private detective Tony Rome (Sinatra) bei einem Tauchgang vor der Küste Floridas ganz zufällig auf eine »Lady in Zement«: Die Füße der schnittigen Blondine stecken in gewichtigen Schuhen, ihre Haare wogen lyrisch in der Strömung des Meeres. Obwohl der Fall, der sich daraus entwickelt (und (natürlich) weitere Opfer fordert), bis zur Auflösung (und darüber hinaus) völlig nebulös bleibt, erntet das (nach-) lässige Sequel die gleichen formalen Meriten wie sein Vorgänger. Zudem sorgen eine Reihe von schrulligen Charakteren (unter anderem Dan »Hoss Cartwright« Blocker als grober Klotz von einem Kleinganoven) und zahlreiche atmophärische Miniaturen (in diversen Nachtbars und Luxushotels Miamis) für vergnügliche Kurzweil. Raquel Welch bleibt dank explodierender Frisuren im Gedächtnis.
R Gordon Douglas B Marvin H. Albert, Jack Guss V Marvin H. Albert K Joseph Biroc M Hugo Montenegro A LeRoy Deane S Robert L. Simpson P Aaron Rosenberg D Frank Sinatra, Raquel Welch, Richard Conte, Martin Gabel, Dan Blocker | USA | 93 min | 1:2,35 | f | 20. November 1968
In seinem zweiten Fall stößt private detective Tony Rome (Sinatra) bei einem Tauchgang vor der Küste Floridas ganz zufällig auf eine »Lady in Zement«: Die Füße der schnittigen Blondine stecken in gewichtigen Schuhen, ihre Haare wogen lyrisch in der Strömung des Meeres. Obwohl der Fall, der sich daraus entwickelt (und (natürlich) weitere Opfer fordert), bis zur Auflösung (und darüber hinaus) völlig nebulös bleibt, erntet das (nach-) lässige Sequel die gleichen formalen Meriten wie sein Vorgänger. Zudem sorgen eine Reihe von schrulligen Charakteren (unter anderem Dan »Hoss Cartwright« Blocker als grober Klotz von einem Kleinganoven) und zahlreiche atmophärische Miniaturen (in diversen Nachtbars und Luxushotels Miamis) für vergnügliche Kurzweil. Raquel Welch bleibt dank explodierender Frisuren im Gedächtnis.
R Gordon Douglas B Marvin H. Albert, Jack Guss V Marvin H. Albert K Joseph Biroc M Hugo Montenegro A LeRoy Deane S Robert L. Simpson P Aaron Rosenberg D Frank Sinatra, Raquel Welch, Richard Conte, Martin Gabel, Dan Blocker | USA | 93 min | 1:2,35 | f | 20. November 1968
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14.11.68
Die Toten bleiben jung (Joachim Kunert, 1968)
Kurz nach der Novemberrevolution wird ein junger Kommunist von reaktionären Freikorpsoffizieren »auf der Flucht« erschossen. Der Film verfolgt – basierend auf einem Roman von Anna Seghers – in sorgfältig gearbeiteten Parallelmontagen die Schicksale der Mörder sowie der Kameraden und Hinterbliebenen des Opfers (insbesondere seines nachgeborenen Sohnes) durch Weimarer Republik und »Drittes Reich« bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Joachim Kunert kondensiert die 700-seitige Vorlage, eine gesellschaftliche Gesamtschau und Epochendiagnose im Sinne des sozialistischen Realismus, dramaturgisch geschickt zu einem schlaglichtartigen Bilderbogen, der in pointierten Szenen (und offener Parteilichkeit) den Untergang einer herrschenden Klasse und die verlustreiche Heraufkunft ihrer Nachfolger darstellt. Die radikale Verknappung des Stoffs läßt die zahlreichen miteinander verknüpften Figuren freilich zu repräsentativen Typen schrumpfen, deren Handlungen an keiner Stelle persönlicher Motivation sondern ausschließlich einer zwangsläufigen historischen Mechanik folgen.
R Joachim Kunert B Christa Wolf, Ree von Dahlen, Günter Haubold, Gerhard Helwig, Joachim Kunert V Anna Seghers K Günter Haubold M Gerhard Wohlgemuth A Gerhard Helwig S Christa Helwig P Bernhard Gelbe D Barbara Dittus, Günter Wolf, Klaus-Peter Pleßow, Dieter Wien, Kurt Böwe | DDR | 112 min | 1:2,35 | sw | 14. November 1968
# 974 | 4. November 2015
R Joachim Kunert B Christa Wolf, Ree von Dahlen, Günter Haubold, Gerhard Helwig, Joachim Kunert V Anna Seghers K Günter Haubold M Gerhard Wohlgemuth A Gerhard Helwig S Christa Helwig P Bernhard Gelbe D Barbara Dittus, Günter Wolf, Klaus-Peter Pleßow, Dieter Wien, Kurt Böwe | DDR | 112 min | 1:2,35 | sw | 14. November 1968
# 974 | 4. November 2015
23.10.68
Secret Ceremony (Joseph Losey, 1968)
Die Frau aus dem Nichts
»Hush, little baby, cry no more. / Father’s gone fishing, / Mother’s a whore. / Back in the morning, to guard your life, / With two short prayers and a carving knife.« Eine hysterische Gruselposse, eine spieluhrenhafte Mißbrauchstragödie, eine trivial-kaputte Familienfarce, ein vulgär-barocker Horrorhaus-Streifen – »Secret Ceremony« erzählt ein schauderbares Mutter-Tochter-Drama (in dem sowohl Mutter als auch Tochter lange vor Beginn der eigentlichen Handlung gestorben sind) als grob-verfeinertes Psycho-Grand-Guignol, das auf höchstem Niveau (Drehbuch: George Tabori) die niedrigsten Instinkte befriedigt: Die üppige Prostituierte Leonora (Elizabeth Taylor) hat ihre kleine Tochter verloren, die zartgliedrige Millionenerbin Cenci (Mia Farrow) hat ihre schöne Mutter begraben. Auf dem Oberdeck eines Busses begegnen sich die beiden verwaisten Geschöpfe zum ersten Mal, auf einem Friedhof fallen sie sich, im Gegenüber das Verlorene erkennend, schluchzend in die Arme. Cenci nimmt Leonora mit, in das riesige Anwesen, in dem sie ganz alleine lebt, eine schwülstige Art-Nouveau-Monstrosität, eine wüste Entladung buntschillernder Fliesen, irisierender Bleiverglasungen, schimmernder Mosaiken, die zum zwielichtig-verwinkelten Schauplatz für ein zwielichtig-verwinkeltes Katz-und-Maus-Spiel der Berührung und der Verweigerung, der Berechnung und der Verzückung wird. Einen Angriff gieriger Tanten auf die künstliche Mutter-Tochter-Intimität kann Leonora abwehren, doch spätestens mit dem Auftritt von Cencis päderastischem Stiefvater Albert (Robert Mitchum in der wohl abseitigsten Rolle seiner Karriere) verwandelt sich der spukige nursery rhyme in heillose gothic fiction … »Secret Ceremony« ist ein unergründlich oberflächlicher, ein meisterhaft mißtönender Film am Rande des Nervenzusammenbruchs, von Joseph Losey inszeniert nach der Prämisse des infamen Verderbers Albert: »Sometimes one has to choose between good taste and being a human being.«
R Joseph Losey B George Tabori V Marco Denevi K Gerry Fischer M Richard Rodney Bennett A Richard Macdonald S Reginald Beck P John Heyman, Norman Priggen D Elizabeth Taylor, Mia Farrow, Robert Mitchum, Peggy Ashcroft, Pamela Brown | UK | 105 min | 1:1,85 | f | 23. Oktober 1968
»Hush, little baby, cry no more. / Father’s gone fishing, / Mother’s a whore. / Back in the morning, to guard your life, / With two short prayers and a carving knife.« Eine hysterische Gruselposse, eine spieluhrenhafte Mißbrauchstragödie, eine trivial-kaputte Familienfarce, ein vulgär-barocker Horrorhaus-Streifen – »Secret Ceremony« erzählt ein schauderbares Mutter-Tochter-Drama (in dem sowohl Mutter als auch Tochter lange vor Beginn der eigentlichen Handlung gestorben sind) als grob-verfeinertes Psycho-Grand-Guignol, das auf höchstem Niveau (Drehbuch: George Tabori) die niedrigsten Instinkte befriedigt: Die üppige Prostituierte Leonora (Elizabeth Taylor) hat ihre kleine Tochter verloren, die zartgliedrige Millionenerbin Cenci (Mia Farrow) hat ihre schöne Mutter begraben. Auf dem Oberdeck eines Busses begegnen sich die beiden verwaisten Geschöpfe zum ersten Mal, auf einem Friedhof fallen sie sich, im Gegenüber das Verlorene erkennend, schluchzend in die Arme. Cenci nimmt Leonora mit, in das riesige Anwesen, in dem sie ganz alleine lebt, eine schwülstige Art-Nouveau-Monstrosität, eine wüste Entladung buntschillernder Fliesen, irisierender Bleiverglasungen, schimmernder Mosaiken, die zum zwielichtig-verwinkelten Schauplatz für ein zwielichtig-verwinkeltes Katz-und-Maus-Spiel der Berührung und der Verweigerung, der Berechnung und der Verzückung wird. Einen Angriff gieriger Tanten auf die künstliche Mutter-Tochter-Intimität kann Leonora abwehren, doch spätestens mit dem Auftritt von Cencis päderastischem Stiefvater Albert (Robert Mitchum in der wohl abseitigsten Rolle seiner Karriere) verwandelt sich der spukige nursery rhyme in heillose gothic fiction … »Secret Ceremony« ist ein unergründlich oberflächlicher, ein meisterhaft mißtönender Film am Rande des Nervenzusammenbruchs, von Joseph Losey inszeniert nach der Prämisse des infamen Verderbers Albert: »Sometimes one has to choose between good taste and being a human being.«
R Joseph Losey B George Tabori V Marco Denevi K Gerry Fischer M Richard Rodney Bennett A Richard Macdonald S Reginald Beck P John Heyman, Norman Priggen D Elizabeth Taylor, Mia Farrow, Robert Mitchum, Peggy Ashcroft, Pamela Brown | UK | 105 min | 1:1,85 | f | 23. Oktober 1968
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Drama,
Elizabeth Taylor,
Familie,
London,
Losey,
Mia Farrow,
Mitchum,
Mutter,
Stadtpalais,
Thriller,
Tod,
Vergewaltigung
17.10.68
Bullitt (Peter Yates, 1968)
Bullitt
»Frank, we must all compromise.« – »Bullshit.« Lieutenant Frank Bullitt und sein Team erhalten den Auftrag, einen aus Chicago nach San Francisco überführten Kronzeugen gegen die »organization« von dessen Ankunft am Freitagnachmittag bis zur Aussage vor dem Untersuchungsausschuß eines karriegegeilen Staatsanwalts (mit Vorsicht zu genießen: Peter Vaughn) am Montagmorgen zu beschützen. Der Kronzeuge wird ermordet, der Staatsanwalt kriegt einen dicken Hals, Bullitt kommt die Sache spanisch vor – der Polizist ermittelt, unorthodox, gegen die Regeln, auf eigene Faust ... Es ist nicht so sehr der schlanke Plot (dessen Auflösung immerhin Fragen über die wahren Hintergründe der Intrige offenläßt), auch nicht die von Peter Yates (der im Jahr zuvor mit »Robbery« den großen Postzugraub fürs Kino aufbereitete) untadelig inszenierte Action (inklusive einer legendären zwölfminütigen Verfolgungsfahrt über die Hügel von San Francisco, hinaus aus der Stadt, bis zu einer erwartungsgemäß explodierenden Tankstelle sowie einer furiosen Hetzjagd zwischen startenden und landenden Flugzeugen auf dem nächtlichen Airport), die »Bullitt« zu einer Ausnahmestellung im Genre verhelfen, es sind vielmehr die lakonische Präzision der (sichtlich vom britischen Kitchen-sink-Realismus beeinflußten) Regie und insbesondere Steve McQueens kompromißloses Underplay in der Titelrolle (die bisweilen an den von Lee Marvin verkörperten Walker in John Boormans – ebenfalls im sonnigen Kalifornien spielenden – schwarzen Meta-Thriller »Point Blank« denken läßt). Über die Redundanz der einzigen Frauenfigur des Films läßt Jacqueline Bisset (in ihrem ersten Hollywood-Engagement) betörend hinwegsehen.
R Peter Yates B Alan Trustman, Harry Kleiner V Robert L. Pike K William A. Fraker M Lalo Schifrin A Albert Brenner S Frank P. Keller P Philip D’Antoni D Steve McQueen, Robert Vaughn, Jacqueline Bisset, Simon Oakland, Robert Duvall | USA | 113 min | 1:1,85 | f | 17. Oktober 1968
# 1096 | 22. Februar 2018
»Frank, we must all compromise.« – »Bullshit.« Lieutenant Frank Bullitt und sein Team erhalten den Auftrag, einen aus Chicago nach San Francisco überführten Kronzeugen gegen die »organization« von dessen Ankunft am Freitagnachmittag bis zur Aussage vor dem Untersuchungsausschuß eines karriegegeilen Staatsanwalts (mit Vorsicht zu genießen: Peter Vaughn) am Montagmorgen zu beschützen. Der Kronzeuge wird ermordet, der Staatsanwalt kriegt einen dicken Hals, Bullitt kommt die Sache spanisch vor – der Polizist ermittelt, unorthodox, gegen die Regeln, auf eigene Faust ... Es ist nicht so sehr der schlanke Plot (dessen Auflösung immerhin Fragen über die wahren Hintergründe der Intrige offenläßt), auch nicht die von Peter Yates (der im Jahr zuvor mit »Robbery« den großen Postzugraub fürs Kino aufbereitete) untadelig inszenierte Action (inklusive einer legendären zwölfminütigen Verfolgungsfahrt über die Hügel von San Francisco, hinaus aus der Stadt, bis zu einer erwartungsgemäß explodierenden Tankstelle sowie einer furiosen Hetzjagd zwischen startenden und landenden Flugzeugen auf dem nächtlichen Airport), die »Bullitt« zu einer Ausnahmestellung im Genre verhelfen, es sind vielmehr die lakonische Präzision der (sichtlich vom britischen Kitchen-sink-Realismus beeinflußten) Regie und insbesondere Steve McQueens kompromißloses Underplay in der Titelrolle (die bisweilen an den von Lee Marvin verkörperten Walker in John Boormans – ebenfalls im sonnigen Kalifornien spielenden – schwarzen Meta-Thriller »Point Blank« denken läßt). Über die Redundanz der einzigen Frauenfigur des Films läßt Jacqueline Bisset (in ihrem ersten Hollywood-Engagement) betörend hinwegsehen.
R Peter Yates B Alan Trustman, Harry Kleiner V Robert L. Pike K William A. Fraker M Lalo Schifrin A Albert Brenner S Frank P. Keller P Philip D’Antoni D Steve McQueen, Robert Vaughn, Jacqueline Bisset, Simon Oakland, Robert Duvall | USA | 113 min | 1:1,85 | f | 17. Oktober 1968
# 1096 | 22. Februar 2018
16.10.68
Ho! (Robert Enrico, 1968)
Die Nr. 1 bin ich
Nach einem von ihm verursachten Unfall mit Todesfolge wird dem Rennfahrer François Holin (Jean-Paul Belmondo) die Lizenz entzogen; fünf Jahre später verdingt er sich als Fahrer von Fluchtwagen in der Pariser Unterwelt, wobei er fortgesetzt die Herablassung seiner berufsverbrecherischen Kollegen zu spüren bekommt. Erst ein spektakulärer Ausbruch aus dem Untersuchungsgefängnis verschafft dem kleinen Ganoven jenen Starnimbus, den er von jeher für sich beansprucht hat: »Arsène Lupin + Al Capone = François Holin« titelt eine Boulevardzeitung nach dem Bravourstück, und der solchermaßen Bekomplimentierte pflastert ein ganzes Zimmer mit den Bildern und Schlagzeilen, die sein öffentliches Image erschaffen. Nach einem Roman von José Giovanni liefert Robert Enrico das eindrückliche Porträt des Gangsters als eitler Mann, das Psychogramm eines seelisch Lädierten, der sein aufgeputschtes Medienbild für die Wahrheit nimmt – eine fatale Disproportion, die François de Roubaix’ zwischen sanfter Wehmut und hektischer Unruhe wechselnder (Klavier-)Soundtrack musikalisch virtuos ausgestaltet. Wenn Ho/Holin am Ende seines zunehmend blutigen Weges durch ein Gewitter von Blitzlichtern schwankt, ist er endlich die Berühmtheit, die er immer sein wollte, einer, der alles gewonnen und dabei alles verloren hat.
R Robert Enrico B Lucienne Hamon, Pierre Pelegri, Robert Enrico V José Giovanni K Jean Boffety M François de Roubaix A Jacques Saulnier S Jacqueline Meppiel P Paul Laffargue D Jean-Paul Belmondo, Joanna Shimkus, Raymond Bussières, Paul Crauchet, Sidney Chaplin | F & I | 103 min | 1:1,66 | f | 16. Oktober 1968
# 1054 | 5. Juni 2017
Nach einem von ihm verursachten Unfall mit Todesfolge wird dem Rennfahrer François Holin (Jean-Paul Belmondo) die Lizenz entzogen; fünf Jahre später verdingt er sich als Fahrer von Fluchtwagen in der Pariser Unterwelt, wobei er fortgesetzt die Herablassung seiner berufsverbrecherischen Kollegen zu spüren bekommt. Erst ein spektakulärer Ausbruch aus dem Untersuchungsgefängnis verschafft dem kleinen Ganoven jenen Starnimbus, den er von jeher für sich beansprucht hat: »Arsène Lupin + Al Capone = François Holin« titelt eine Boulevardzeitung nach dem Bravourstück, und der solchermaßen Bekomplimentierte pflastert ein ganzes Zimmer mit den Bildern und Schlagzeilen, die sein öffentliches Image erschaffen. Nach einem Roman von José Giovanni liefert Robert Enrico das eindrückliche Porträt des Gangsters als eitler Mann, das Psychogramm eines seelisch Lädierten, der sein aufgeputschtes Medienbild für die Wahrheit nimmt – eine fatale Disproportion, die François de Roubaix’ zwischen sanfter Wehmut und hektischer Unruhe wechselnder (Klavier-)Soundtrack musikalisch virtuos ausgestaltet. Wenn Ho/Holin am Ende seines zunehmend blutigen Weges durch ein Gewitter von Blitzlichtern schwankt, ist er endlich die Berühmtheit, die er immer sein wollte, einer, der alles gewonnen und dabei alles verloren hat.
R Robert Enrico B Lucienne Hamon, Pierre Pelegri, Robert Enrico V José Giovanni K Jean Boffety M François de Roubaix A Jacques Saulnier S Jacqueline Meppiel P Paul Laffargue D Jean-Paul Belmondo, Joanna Shimkus, Raymond Bussières, Paul Crauchet, Sidney Chaplin | F & I | 103 min | 1:1,66 | f | 16. Oktober 1968
# 1054 | 5. Juni 2017
3.10.68
Schamlos (Eddy Saller, 1968)
On the other side of 68: der junge Spund (sexy: Udo Kier) gegen den alten Sack (klasse: Rolf Eden). Eddy Saller erzählt mit viel Gespür für Rhythmus und visuelle Reize eine weniger kohärente denn assoziativ-sprunghafte Gangster-Kolportage – in labyrinthischen Kelllerbars, gutbürgerlichen Villen und schmierigen Wohnwagen-Bordellen, auf übervollen Schrottplätzen, in neonglänzenden Straßen und bei einem veritablen Happening der Wiener Aktionisten (von und mit Otto Muehl). Im Zentrum der ruppigen Handlung steht Annabella (»so heiß wie ’ne leergeschossene MP«): von allen begehrt, von einem geliebt, arbeitet sie lieber auf eigene Rechnung – was ihr zum Verhängnis wird. Die Aufklärung des Mordes (in Form eines Femegerichts) hinterläßt einen Berg von Leichen. Wer übrigbleibt, wird nicht verraten. Ist auch gar nicht nötig. Am Ende gewinnt ja eh immer das Establishment.
R Eddy Saller B Theodor Ottawa, Karl Hans Koizar K Walter Partsch M Gerhard Heinz S Dagmar Koschu P Herbert Heidmann D Udo Kier, Rolf Eden, Thomas Astan, Marina Paal, Vladimir Medal | A & BRD & F | 74 min | 1:1,37 | sw | 3. Oktober 1968
R Eddy Saller B Theodor Ottawa, Karl Hans Koizar K Walter Partsch M Gerhard Heinz S Dagmar Koschu P Herbert Heidmann D Udo Kier, Rolf Eden, Thomas Astan, Marina Paal, Vladimir Medal | A & BRD & F | 74 min | 1:1,37 | sw | 3. Oktober 1968
27.9.68
Der Gorilla von Soho (Alfred Vohrer, 1968)
Höherer (oder tieferer) Blödsinn vom Edgar-Wallace-Fließband. Einmal mehr entpuppt sich das christliche Mädchenheim als Hort des Bösen, einmal mehr trägt die menschenfeindliche Gier eine »Love and Peace«-Maske ... Zwar verrät das ausgestellte Panoptikum – eine SSige Ordensschwester (Hilde Sessak), ein übeltätiger Philanthrop (Albert Lieven), ein altersgeiler Polizeichef (Hubert von Meyerinck) – tiefe Menschenkenntnis, zwar versucht Alfred Vohrer, die gewohnt nachlässig zusammengeschusterte Story (ein plan- und respektloser Aufguß der »Toten Augen von London«) mit einigen Rotlicht-Vulgaritäten (Soho!) aufzumöbeln, zwar haut Peter Thomas kräftig in die Tasten der Sleaze-Orgel, dennoch kommt die Chose nicht wirklich in Schwung: zu viel Horst Tappert (als brettharter Proto-›Derrick‹), zu viel Uwe Friedrichsen (als naßforscher ›Sergeant Pepper‹), zu viel Uschi Glas (als »afrikanisch« sprechende Scotland-Yard-Helferin), zu wenig Gorilla – viel zu wenig.
R Alfred Vohrer B Freddy Gregor (= Alfred Vohrer & Horst Wendlandt) V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Horst Tappert, Uschi Glas, Uwe Friedrichsen, Herbert Fux, Hubert von Meyerinck | BRD | 94 min | 1:1,66 | f | 27. September 1968
R Alfred Vohrer B Freddy Gregor (= Alfred Vohrer & Horst Wendlandt) V Edgar Wallace K Karl Löb M Peter Thomas A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Horst Tappert, Uschi Glas, Uwe Friedrichsen, Herbert Fux, Hubert von Meyerinck | BRD | 94 min | 1:1,66 | f | 27. September 1968
19.9.68
Moos auf den Steinen (Georg Lhotsky, 1968)
Oh, du mein Österreich: ein brüchiges Barockschloß irgendwo im östlichen Grenzland; ein greiser Baron, der einen Roman schreibt über das Moos, das langsam über die Steine des (gefühlt besseren) Gestern wächst; seine Tochter (Erika Pluhar), eine ältliche Schönheit, die ihre Tage lieber mit Puppen als mit Menschen verbringt; ihr Verlobter, ein regsamer Wiener Entrepreneur, der den Besitz des künftigen Schwiegervaters hochzutunen gedenkt zum Erlebnispark eines Früher, das es nie gegeben hat; dessen Freund, ein erfolgloser Schriftsteller, der in der verwunschenen Welt des Gewesenen Spuren einer verlorenen geistigen Heimat wiederzufinden glaubt. 1968 à l’autrichienne: Menschen ohne Eigenschaften, verschollen im ›Zeitalter der Manager‹; der Ausblick auf Morgen, überwuchert vom Gestrüpp einer mehr oder weniger ruhmreichen Vergangenheit; Resignation statt Revolte. »Moos auf den Steinen«: eine Austro-Elegie von One-Film-Wonder Georg Lhotsky mit einem wohltemperierten Jazz-Score von Friedrich Gulda.
R Georg Lhotsky B Georg Lhotsky V Gerhard Fritsch K Kurt Junek, Walter Kindler M Friedrich Gulda A Rudolf Schneider-Manns Au S Liselotte Klimitscheck, Walter Kindler P Wolfgang Odelga D Erika Pluhar, Louis Ries, Fritz Muliar, Johannes Schauer, Heinz Trixner | A l 82 min | 1:1,37 | sw | 19. September 1968
R Georg Lhotsky B Georg Lhotsky V Gerhard Fritsch K Kurt Junek, Walter Kindler M Friedrich Gulda A Rudolf Schneider-Manns Au S Liselotte Klimitscheck, Walter Kindler P Wolfgang Odelga D Erika Pluhar, Louis Ries, Fritz Muliar, Johannes Schauer, Heinz Trixner | A l 82 min | 1:1,37 | sw | 19. September 1968
Labels:
Adel,
Drama,
Erinnerung,
Gesellschaft,
Lhotsky,
Österreich,
Schloß,
Schriftsteller
18.9.68
Funny Girl (William Wyler, 1968)
Funny Girl
»Hello, gorgeous.« Irgendwie ist es die alte Geschichte vom häßlichen Entlein, das zum stolzen Schwan wird, wobei der komische Vogel in diesem Fall seine Verschiedenheit vollinnerlich erkennt (»I’m a bagel on a plate full of onion rolls.«), die vermeintliche Unzulänglichkeit plakativ ausspielt und eben deswegen seine ganze Pracht entfalten kann. Indem sie gegen alle Erwartungen ein Star wird, macht die Heldin dieser tragikomischen Legende aus der Wirklichkeit unmißverständlich klar: Talent ist Schönheit. Zwar erfüllt Barbra Streisands kongeniale Darstellung die Figur der jüdischen Komödiantin und Sängerin Fanny Brice, die, aus kleinen (aber herzlichen) Lower-East-Side-Verhältnissen stammend, den Broadway erobert, mit prallem Leben, doch inszeniert William Wyler Aufstieg und Ruhm (auf der Bühne des sagenhaften Florenz Ziegfeld), Liebesglück und Herzschmerz (verursacht vom glutäugigen Hasardeur Nick Arnstein) der Protagonistin seiner pompös-sentimentalen Musicalbiographie viel zu glatt und betulich, um mehr als freundliches Interesse zu wecken.
R William Wyler B Isobel Lennart V Isobel Lennart K Harry Stradling Sr. M Jule Styne A Gene Callahan S William Sands, Maury Winetrobe P Ray Stark D Barbra Streisand, Omar Sharif, Kay Medford, Mae Questel, Walter Pidgeon | USA | 151 min | 1:2,35 | f | 18. September 1968
# 1150 | 16. Februar 2019
»Hello, gorgeous.« Irgendwie ist es die alte Geschichte vom häßlichen Entlein, das zum stolzen Schwan wird, wobei der komische Vogel in diesem Fall seine Verschiedenheit vollinnerlich erkennt (»I’m a bagel on a plate full of onion rolls.«), die vermeintliche Unzulänglichkeit plakativ ausspielt und eben deswegen seine ganze Pracht entfalten kann. Indem sie gegen alle Erwartungen ein Star wird, macht die Heldin dieser tragikomischen Legende aus der Wirklichkeit unmißverständlich klar: Talent ist Schönheit. Zwar erfüllt Barbra Streisands kongeniale Darstellung die Figur der jüdischen Komödiantin und Sängerin Fanny Brice, die, aus kleinen (aber herzlichen) Lower-East-Side-Verhältnissen stammend, den Broadway erobert, mit prallem Leben, doch inszeniert William Wyler Aufstieg und Ruhm (auf der Bühne des sagenhaften Florenz Ziegfeld), Liebesglück und Herzschmerz (verursacht vom glutäugigen Hasardeur Nick Arnstein) der Protagonistin seiner pompös-sentimentalen Musicalbiographie viel zu glatt und betulich, um mehr als freundliches Interesse zu wecken.
R William Wyler B Isobel Lennart V Isobel Lennart K Harry Stradling Sr. M Jule Styne A Gene Callahan S William Sands, Maury Winetrobe P Ray Stark D Barbra Streisand, Omar Sharif, Kay Medford, Mae Questel, Walter Pidgeon | USA | 151 min | 1:2,35 | f | 18. September 1968
# 1150 | 16. Februar 2019
Labels:
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Sharif,
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Wyler
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