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25.7.80

Dressed to Kill (Brian De Palma, 1980)

Dressed to Kill

»I moaned with pleasure at his touch. Isn’t that what every man wants?« – »I don't know ... is it?« Eine Frau unter der Dusche und ein blutiger Messermord, der verhängnisvolle Schritt vom Wege und die abgründige Erotik der Blondinen, feinschmeckerische Brutalität und elegant inszenierte Schaulust ... Man könnte behaupten, daß Brian De Palma mit seinen Filmen vor der Tatsache kapituliert, daß seit Alfred Hitchcock jeder Thriller in dessen Schatten steht, man kann aber auch der Ansicht sein, daß De Palma seine Werke ganz bewußt in das Licht stellt, das Hitchcock angezündet hat. Schon mit dem wunderbar aufschlußreichen Titel »Dressed to Kill« wird klargelegt, daß es sich bei dem Werk – das von einer frustrierten Ehefrau (Angie Dickinson) und einem ambivalenten Seelenklempner (Michael Caine), von einem sonderlingshaftem Sohn und einer Nutte mit Herz erzählt – um eine hingebungsvoll-schmalose Be- und Verarbeitung von »Psycho« handelt – dessen pornographische, pathologische und voyeuristische Aspekte De Palma genüßlich ins Surreale steigert. Dadurch geht er allerdings der kontrollierten Kälte und Modellhaftigkeit seines Vorbildes verlustig – aber irgendwie muß sich ja auch ein genialischer Adept vom Vorturner unterscheiden ...

R Brian De Palma B Brian De Palma K Ralf Bode M Pino Donaggio A Gary Weist Ko Gary Jones, Ann Roth S Jerry Greenberg P George Litto D Michael Caine, Angie Dickinson, Nancy Allen, Keith Gordon, Dennis Franz | USA | 105 min | 1:2,35 | f | 25. Juli 1980

30.8.67

Point Blank (John Boorman, 1967)

Point Blank

»I want my money.« Ein abstrakter Pop-Noir-Thriller über Verrat und Vergeltung. Walker (als loner ohne Vornamen: Lee Marvin) beteiligt sich an einem Raubüberfall (im aufgelassenen Gefängnis Alcatraz), wird nach dem Coup von seinem Partner um den Anteil betrogen, verliert die Frau und beinahe das Leben. Der Partner kauft sich mit der Beute in das alles beherrschende Syndikat ein. Walker kehrt zurück, um die ihm zustehenden 93.000 Dollar zu holen: »I want my money.« Unterstützt von einem interessierten Hintermann, rollt Walker auf seinem Rachefeldzug die »organization«, die »corporation«, die »financial structure« von unten nach oben auf: der Einzelne gegen das System (und dabei – bewußt oder unbewußt – integraler Bestandteil desselben) … John Boorman inszeniert einen Film der kalten Oberflächen, der fragmentierten Erinnerungen, der gestorbenen Gefühle, ein American nightmare zwischen emotionaler Versteinerung und explosionsartigen Gewaltausbrüchen: »I want my money.« Walker zieht wie ein Geist, rastlos und unverwundbar, durch ein modern-menschenfeindliches Los Angeles, durch coole Luxusapartments, psychedelische Nachtclubs, ausgetrocknete Betonkanäle, ein entschlossener Todesengel, der Betten und Telefone erschießt, Werkzeug und Katalysator der (Selbst-)Zerstörung: »Walker is beautiful«, wird einem Mitglied des Syndikats höhnisch beschieden, »he’s just tearing you apart.«

R John Boorman B Alexander Jacobs, David Newhouse, Rafe Newhouse V Richard Stark (= Donald E. Westlake) K Philip H. Lathrop M Johnny Mandel A Albert Brenner, George W. Davis S Henry Berman P Robert Chartoff, Judd Bernard, Irwin Winkler D Lee Marvin, Angie Dickinson, Keenan Wynn, John Vernon, Lloyd Bochner | USA | 92 min | 1:2,35 | f | 30. August 1967

# 964 | 10. Juli 2015

10.8.60

Ocean’s 11 (Lewis Milestone, 1960)

Frankie und seine Spießgesellen

Danny Ocean (Frank Sinatra) versammelt eine Gruppe alter Kriegskameraden, ehemalige Angehörige der 82nd Airborne Division, die am Strand von Anzio und in den Ardennen gekämpft haben, um in den Casinos von Las Vegas auf Beutezug zu gehen: »Why waste those cute little tricks that the Army taught us just because it’s sort of peaceful now.« Die ironische Prämisse – soldatisch geschulte Profis nutzen ihre spezifischen Fähigkeiten, um ein großes Ding zu drehen – ähnelt auf verblüffende Weise jener der kurz zuvor entstandenen Diebeskomödie »The League of Gentlemen«; daß »Ocean’s 11« – trotz der vollständigen Anwesenheit des berühmt-berüchtigten Rat Packs (neben Sinatra: Dean Martin, Sammy Davis Jr., Peter Lawford, Joey Bishop sowie Shirley MacLaine in einem betrunkenen Kurzauftritt) – anders als sein britisches Pendant nur wenig Esprit entwickelt, ist in erster Linie der betulichen Inszenierung geschuldet. Eine sehr lange Stunde nimmt sich Lewis Milestone Zeit, um die Bande zu formieren, die Protagonisten vorzustellen, die verschiedenen Motivationen klarzulegen. Mit der eigentlichen Vorbereitung und Durchführung des Coups kommt der Film in der zweiten Hälfte zwar auf Touren, doch erst gegen Ende stellt sich die croonerhafte Lässigkeit ein, die wohl das ganze Gaunerstück durchwirken sollte.

R Lewis Milestone B Charles Lederer, Harry Brown K William H. Daniels M Nelson Riddle A Nicolai Remisoff S Philip W. Anderson P Lewis Milestone D Frank Sinatra, Dean Martin, Peter Lawford, Sammy Davis Jr., Angie Dickinson, Richard Conte, Akim Tamiroff | USA | 127 min | 1:2,35 | f | 10. August 1960

# 1061 | 18. Juli 2017