7.10.55

Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse (Kurt Maetzig, 1955)

»Thälmann ist niemals gefallen!« Kurt Maetzigs zweites Hohelied des kommunistischen Führerkultes schiebt das titelgebende Denkmal durch die reichsdeutschen 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts – von der parlamentarischen Quatschbude in spätrepublikanische Grabenkämpfe und weiter hinter die festverriegelte Tür der Zuchthauszelle. Eine über weite Strecken der Handlung weggesperrte Hauptfigur wirft dramaturgische Probleme auf, zumal in einer biographischen Lobeshymne – so wird der immobile Protagonist zum guten Geist, der die internationalistischen Getreuen beseelt (während er seine faschistischen Kontrahenten zur Verzweiflung bringt). Eine bruchstückhafte Geschichts(klitter)stunde zwischen Widerstand und Weltkrieg, abenteuerreichem Agitprop und politischem Melodram: Wiederum ringt die rote Tugend mit einem Konglomerat aus schwachköpfiger Sozialdemokratie und schuftigem Raubtierkapitalismus, ein paar groteske Nazi-Chargen ziehen Fratzen (allen voran Fritz Diez, der Zonen-Hitler vom Dienst), während Günther Simon in seiner Rolle als »Stimme und Faust der Nation« alias »Deutschlands unsterblicher Sohn« sich redlich (wenn auch vergeblich) müht, dem ideologischen Standbild eine Spur von Leben einzuhauchen.

R Kurt Maetzig B Willi Bredel, Michael Tschesno-Hell, Kurt Maetzig K Karl Plintzner, Horst E. Brandt M Wilhelm Neef A Willi Schiller, Otto Erdmann S Lena Neumann P Adolf Fischer D Günther Simon, Hans-Peter Minnetti, Karla Runkehl, Paul R. Henker, Hans Wehrl, Michel Piccoli | DDR | 140 min | 1:1,37 | f | 7. Oktober 1955

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