18.5.55

Kiss Me Deadly (Robert Aldrich, 1955)

Rattennest

»Don’t open the box!« Robert Aldrichs ins Surreale kippende farce noire um Sado-Detektiv Mike Hammer (Ralph Meeker) führt direkt ins Herz der Finsternis, die in diesem Fall ein stechender Lichtblitz ist. Ein halbes Dutzend schräger Vögel versucht, ein unbenanntes (nur bedrohlich umschriebenes: »Manhattan Project, Los Alamos, Trinity«) Geheimnis zu ergründen, ein anderes halbes Dutzend müht sich, es unter dem Deckel zu halten. Dabei hat irgendjemand die verhängnisvolle Box schon lange vor »Kiss Me Deadly« geöffnet: »Va-va-voom!«

»I don't care what you do to me, Mike – just do it fast!«

R Robert Aldrich B A. I. Bezzerides V Mickey Spillane K Ernest Laszlo M Frank De Vol A William Glasgow S Michael Luciano P Robert Aldrich D Ralph Meeker, Albert Dekker, Paul Stewart, Wesley Addy, Cloris Leachman | USA | 104 min | 1:1,66 | sw | 18. Mai 1955

5.5.55

A Kid for Two Farthings (Carol Reed, 1955)

Voller Wunder ist das Leben

Sentimental-schrullige Fabel aus dem Londoner East End: In der betriebsamen Welt von Trödlern, Händlern und jüdischen Schneidern, wo ein jeder viel zu ersehnen und wenig zu hoffen hat, kauft der träumerische Knirps Joe ein verwachsenes, mageres Zicklein, in dem er das wundertätige Einhorn aus den Erzählungen des jüdischen Hosennähers Kandinsky zu erkennen glaubt. Die episodische Handlung dreht sich um die (mal gelingende, mal mißglückende) Erfüllung der diversen Wünsche in der Nachbarschaft: der Catcher-Sieg gegen die tumbe Kampfmaschine ›Python‹ für den bodybuildenden Schneidergesellen Sam; der Verlobungsring für das platinblonde Nähmädchen Sonia (Diana Dors); eine Dampfbügelmaschine für Kandinsky – und für Joe und seine liebevoll-wehmütige Mutter (Celia Johnson) die Rückkehr des schmerzlich vermißten Vaters aus Afrika. Carol Reed findet für seine Erzählung zwischen märchenhafter Überhöhung und fatalistischem Realismus keinen rechten Rhythmus, aber die knapp skizzierten Typen gewinnen persönliches Profil, und die Kamera (Edward Scaife) fängt das triste Nachkriegsgrau, -braun und -beige in stimmungsvollen Technicolor-Bildern ein.

R Carol Reed B Wolf Mankowitz V Wolf Mankowitz K Edward Scaife M Benjamin Frankel A Wilfred Shingleton S Bert Bates P Carol Reed D Celia Johnson, Diana Dors, David Kossoff, Jonathan Ashmore, Brenda De Banzie | UK | 96 min | 1:1,37 | f | 5. Mai 1955

4.5.55

Daddy Long Legs (Jean Negulesco, 1955)

Daddy Langbein 

»When an irresistible force such as you / Meets an old immovable object like me …« Der millionenschwere amerikanische Lebemann Jervis Pendleton III (Fred Astaire) finanziert anonym einem erblühenden französischen Waisenmädchen, das sein Herz rührte (Leslie Caron), Erziehung und Studium an einem idyllischen Neuengland-College. Das gute Kind schwärmt von ihrem unbekannten Gönner, der nur einmal als langbeiniger Schatten an ihr vorbeihuschte, während sich der Mäzen zunächst gar nicht weiter für seine Schutzbefohlene zu interessieren scheint. Nach allerhand betulichen Verwicklungen werden der alte Hirsch und das junge Reh von der klappernden Mechanik der Dramaturgie – die dazu unter anderem eine gute Fee in Gestalt von Pendeltons sympathisch-sentimentaler Sekretärin (Thelma Ritter) bemüht – fürs Leben zusammengenietet. Willkommene Ablenkung vom recht absehbaren Verlauf der antiquarischen Romanze verschaffen die klassischen Songs von Johnny Mercer (»Something’s Gotta Give«) und Roland Petits federleichte Choreographien in quietschbunt-leuchtenden, pappig-stilisierten Traumkulissen: »Things never are as bad as they seem / So dream, dream, dream.«

R Jean Negulesco B Phoebe Ephron, Henry Ephron V Jean Webster K Joseph MacDonald M Johnny Mercder, Alex North A John DeCuir, Lyle Wheeler S William Reynolds P Samuel J. Engel D Fred Astaire, Leslie Caron, Fred Clark, Thelma Ritter, Terry Moore | USA | 126 min | 1:2,35 | f | 4. Mai 1955