27.10.72

César et Rosalie (Claude Sautet, 1972)

César und Rosalie

… und David. Ein Mann und eine Frau und ein Mann. Zwei Liebesgeschichten und eine Rivalität, aus der eine Freundschaft wird. Rosalie (Romy Schneider) lebt mit César (Yves Montand), Schrotthändler, Großschnauze und Charmebolzen, vollblütig, laut und empfindlich, und sie verliert ihr Herz (wieder) an David (Sami Frey), Comickünstler, Träumer und Freigeist, ironisch, leise und empfindsam. Die Gefühle wogen wie das Korn auf dem Feld, ziehen wie Wolken am Himmel, rauschen wie die Brndung am Meer. Claude Sautet entwickelt seine Romanze wie ein Musikstück, wie ein Konzert, er arrangiert Schneiders erotische Nonchalance, Montands Körperlichkeit, Freys Zurückhaltung zu heiteren, spannungsreichen, melancholischen Solos, Duetten, Terzetten, die immer wieder in choralische Szenen mit Freunden und Familie gebettet werden. Sommerliche und herbstliche Momente, Allegro- und Adagio-Stimmungen wechseln einander ab, die Erzählung endet – adäquat – ohne Auflösung, mit einem Dreiklang, der alles offen läßt.

R Claude Sautet B Claude Sautet, Jean-Loup Dabadie, Claude Néron K Jean Boffety M Philippe Sarde A Pierre Guffroy S Jacqueline Thiédot P Michelle de Broca D Romy Schneider, Yves Montand, Sami Frey, Umberto Orsini, Eva Maria Meineke, Isabelle Huppert | F & I & BRD | 110 min | 1:1,66 | f | 27. Oktober 1972

25.10.72

Un flic (Jean-Pierre Melville, 1972)

Der Chef

»Wo man zu zweit ist, gibt es einen Verräter.« – Mit »Un flic« illustriert Jean-Pierre Melville sein fatalistisches Diktum in kältesten Farben. Die einzigen warmen Tupfer setzen die Rotlichter der Verkehrsampeln. Alain Delon als Pariser Bulle Édouard Coleman, Richard Crenna als Gangster Simon – Freunde, Gegenspieler, Meister ihres Fachs, austauschbar in Garderobe, Mimik und Stoizismus. Dazwischen: Catherine Deneuve als beider Geliebte Cathy – ein perlmuttblonder Engel des Todes. Abgesehen von einer ans Lächerliche grenzenden Modelleisenbahnsequenz, die den Genuß des Werkes passagenweise empfindlich trübt, treibt der eisige Professionalismus des »aristokratischen Anarchisten« (Melville über Melville) die Möglichkeiten des Mediums noch einmal gnadenlos an den kinematographischen Gefrierpunkt. Delons leerer Blick im letzten Bild dieses letzten Melville-Films bleibt unvergeßlich: Der flic hat das Ende des Kinos gesehen.

R Jean-Pierre Melville B Jean-Pierre Melville K Walter Wottitz M Michel Colombier A Théobald Meurisse S Patricia Nény P Robert Dorfman D Alain Delon, Richard Crenna, Catherine Deneuve, Paul Crauchet, Jean Desailly | F & I | 98 min | 1:1,85 | f | 25. Oktober 1972