24.1.61

La notte (Michelangelo Antonioni, 1961)

Die Nacht

Ein Mann (Marcello Mastroianni), der schreibt, um nichts sagen zu müssen. Eine Frau (Jeanne Moreau), die läuft und läuft, um zu sich zu kommen. Ein Freund (Bernhard Wicki), der stirbt. Ein Mädchen (Monica Vitti), das spielt. Eine Stadt, die boomt. Ein Mann, der seinen Reichtum feiert. Eine Gesellschaft, die im Regen verdurstet. Eine Ehe, die vom Leben geschieden wird. Eine lange Nacht, auf die ein fahler Morgen folgt. Michelangelo Antonionis Film über die Leere der Fülle, das Alter der Jugend, den Widerwillen der Liebe, über Parallelen, die sich auch im Unendlichen nicht treffen.

R Michelangelo Antonioni B Michelangelo Antonioni, Ennio Flaiano, Tonino Guerra K Gianni Di Venanzo M Giorgio Gaslini A Piero Zuffi S Eraldo Da Roma P Emanuele Cassuto D Marcello Mastroianni, Jeanne Moreau, Monica Vitti, Bernhard Wicki, Rosy Mazzacurati | I & F | 115 min | 1:1,66 | sw | 24. Januar 1961

20.1.61

Le farceur (Philippe de Broca, 1961)

Wo bleibt die Moral, mein Herr?

Édouard (Jean-Pierre Cassel) flieht fröhlich hüpfend vor dem Ehemann einer Geliebten über die Dächer von Paris und landet erst im Vorgarten, dann im Schlafzimmer von Hélène (Anouk Aimée), der so hinreißenden wie gelangweilten Gattin eines faden Industriellen; sofort glaubt der (an-)mutige Filou – der zusammen mit Onkel, Bruder, Schwägerin, Neffen und (niedlichem) Hausmädchen in einer aus der Gegenwart gefallenen, mit allerhand verschlissenen Kulturgütern und liebenswertem Ramsch vollgestopften Villa Kunterbunt lebt –, in der kapriziösen Schönen die Frau seines Lebens gefunden zu haben … Philippe de Broca läßt in »Le farceur« – halb burleske Romanze, halb sentimentale Posse – die Kulturverschiedenheit zwischen prinzipiell hochgestimmtem Bohèmien und ewig fröstelnder Bourgeoise nur zart anklingen; ihm ist es nicht um Problematisierung von Gefühlen zu tun sondern um das Einhüllen der schnöden Realität in die Zuckerwatte filmischer Illusion: Das Leben als ausgelassenes Spiel von Liebe und Zufall, als Tanz zur Musicbox des Glücks – sollte die Melodie einmal verstummen, so wirft man eine Münze nach, und weiter geht's…

R Philippe de Broca B Philippe de Broca, Daniel Boulanger K Jean Penzer M Georges Delerue A Jacques Saulnier S Laurence Méry P Claude Chabrol, Roland Nonin D Jean-Pierre Cassel, Anouk Aimée, Geneviève Cluny, Georges Wilson, François Maistre | F | 88 min | 1:1,66 | sw | 20. Januar 1961

12.1.61

Steinzeitballade (Ralf Kirsten, 1961)

»Es hat der Krieg nicht nur das Haus zerschlagen, / auch der Verstand war bei den meisten rar.« Berlin, 1946. Die Stadt liegt in Trümmern. Eine Gruppe von Frauen klopft Steine für Bauunternehmer Scharrhahn. Der Boß sieht im Aufbau nur ein weiteres gutes Geschäft, den Trümmerfrauen wird (auch durch Hinweise eines wohlmeinenden SED-Genossen) langsam klar, daß es gilt, eine neue Zeit zu bauen … Nach dem Prinzip des Epischen Theaters unterbrechen immer wieder Songs (getextet von Brecht-Meisterschüler Heinz Kahlau) die Handlung, kommentieren Verhaltensweisen, betonen die Musterhaftigkeit des Geschehens: Unter der selbstgewählten Führung von Betriebsrätin Anna Lubitzke (die dem zugrundeliegenden Roman von Ludwig ›Ein Prolet erzählt‹ Turek den Titel gab) überwinden die Frauen schließlich ihren Eigennutz, üben praktische Solidarität, übernehmen Verantwortung. Ralf Kirsten inszeniert seinen Film als demonstrativ unheroisches Lehrstück über Herausforderungen und Chancen des (individuellen und gesellschaftlichen) Neubeginns: »So stellten wir uns selber auf die Beine. / Zu Anfang kam uns das unmöglich vor.« Über den illusionären Charakter dieses (schein-)emanzipatorischen Aufbruchs, dem die politische Entmündigung auf dem Fuße folgte, schweigt sich »Steinzeitballade« freilich aus.

R Ralf Kirsten B Heinz Kahlau, Ralf Kirsten V Ludwig Turek K Günter Haubold M Wolfgang Lesser A Willy Schiller S Christel Röhl P Alexander Lösche D Gisela Rimpler, Else Grube-Deister, Friedel Nowack, Agnes Kraus, Günter Naumann | DDR | 85 min | 1:1,37 | sw | 12. Januar 1961