Bundesdeutscher High-End-Pulp: Schwarzweiß, Breitwand, Krimiposen. Es beginnt mit einer stilisierten credit sequence, die (untermalt von Roland Kovacs furios trompetendem Cool-Jazz-Score, der an Miles Davis’ »Sketches of Spain« oder einen Morricone-B-Movie-Soundtrack denken läßt) das ultrafiktive Geschehen grafisch antizipiert: Ein junger Typ, der schlauer sein möchte, als er ist (Dieter Geissler), wittert das große Geschäft, das schnelle Geld, gerät zwischen zwei schöne, blonde Frauen (die eine liebt ihn, die andere liebt er – weitere Unterschiede sind kaum zu erkennen) und an einen Alten (›Swing-König‹ Teddy Stauffer), der so gnadenlos-lässig ist, wie es der nachwachsende Gernegroß nie werden könnte, nicht einmal, wenn er das gefährliche Vabanquespiel – das von Schliersee über München, Rom und Mexico City in »48 Stunden bis Acapulco« führt – überlebte … Klaus Lemke (Regie) und Max Zihlmann (Buch) transponieren ihre unübersehbaren Vorbilder – Nouvelle Vague und film noir – in den saloppen sound of Munich, träumen sich, wie Zuschauer im Dunkel des Saals, in ein rein kinematographisches Abenteuer, in eine schick rhythmisierte Bildstrecke ohne Anspruch auf Abbildung von platter Wirklichkeit, in eine endlose Fahrt in einem Alfa Romeo Giulietta Cabrio, in einen Düsenflug auf die andere Seite der Welt. Das Sehnsuchtsziel aber wird zur Endstation – die Zeit der romantischen Abenteu(r)er, sie ist lange schon vorbei.
R Klaus Lemke B Max Zihlmann K Hubs Hagen, Niklaus Schilling M Roland Kovac S Wolfgang Limmer P Joseph ›Peps‹ Kommer D Dieter Geissler, Christiane Krüger, Monika Zinnenberg, Alexander Kerst, Teddy Stauffer | BRD | 81 min | 1:2,35 | sw | 30. November 1967
13.11.67
Dance of the Vampires (Roman Polanski, 1967)
Tanz der Vampire
»That night, penetrating deep into the heart of Transylvania, Professor Abronsius was unaware that he was on the point of reaching the goal of his mysterious investigations.« Wie kommt das Böse in die Welt? Vielleicht durch das Gute, durch die Kräfte der Vernunft, die irrtümlich glauben, das Dunkel, den Wahnsinn, das Verderben mit dem Licht der Erkenntnis blenden zu können, und in stolzem Übereifer am Ende selbst zum Helfershelfer des Erzübels werden – so wie der besessene Fledermausforscher (»The Bat and Its Mysteries«) Professor Abronsius (Jack MacGowran), der mit seinem verschreckten Gehilfen Alfred (Roman Polanski) in die Einsamkeit der winterlichen Karpaten reist, um der weltbedrohenden vampiristischen Sippschaft des Grafen Krolock (»I am a night bird. I am not much good in the daytime.«) den Garaus zu machen, und das genaue Gegenteil erreicht. Polanskis, von Douglas Slocombe in Chagallblau und Blutrot getauchte, slapstickhaft-surreale genreparodistische Horrorfarce enthüllt geistreich die Verrücktheit der Ratio, deren Destruktionspotential mindestens so groß ist wie dasjenige der Mächte der Finsternis. »That night, fleeing from Transylvania, Professor Abronsius never guessed he was carrying away with him the very evil he had wished to destroy.«
R Roman Polanski B Gérard Brach, Roman Polanski K Douglas Slocombe M Christopher (=Krzysztof) Komeda A Wilfred Shingleton S Alastair McIntyre P Gene Gutowski, Martin Ransohoff D Jack MacGowran, Roman Polanski, Ferdy Mayne, Sharon Tate, Iain Quarrier | UK & USA | 108 min | 1:2,35 | f | 13. November 1967
# 1014 | 9. August 2016
»That night, penetrating deep into the heart of Transylvania, Professor Abronsius was unaware that he was on the point of reaching the goal of his mysterious investigations.« Wie kommt das Böse in die Welt? Vielleicht durch das Gute, durch die Kräfte der Vernunft, die irrtümlich glauben, das Dunkel, den Wahnsinn, das Verderben mit dem Licht der Erkenntnis blenden zu können, und in stolzem Übereifer am Ende selbst zum Helfershelfer des Erzübels werden – so wie der besessene Fledermausforscher (»The Bat and Its Mysteries«) Professor Abronsius (Jack MacGowran), der mit seinem verschreckten Gehilfen Alfred (Roman Polanski) in die Einsamkeit der winterlichen Karpaten reist, um der weltbedrohenden vampiristischen Sippschaft des Grafen Krolock (»I am a night bird. I am not much good in the daytime.«) den Garaus zu machen, und das genaue Gegenteil erreicht. Polanskis, von Douglas Slocombe in Chagallblau und Blutrot getauchte, slapstickhaft-surreale genreparodistische Horrorfarce enthüllt geistreich die Verrücktheit der Ratio, deren Destruktionspotential mindestens so groß ist wie dasjenige der Mächte der Finsternis. »That night, fleeing from Transylvania, Professor Abronsius never guessed he was carrying away with him the very evil he had wished to destroy.«
R Roman Polanski B Gérard Brach, Roman Polanski K Douglas Slocombe M Christopher (=Krzysztof) Komeda A Wilfred Shingleton S Alastair McIntyre P Gene Gutowski, Martin Ransohoff D Jack MacGowran, Roman Polanski, Ferdy Mayne, Sharon Tate, Iain Quarrier | UK & USA | 108 min | 1:2,35 | f | 13. November 1967
# 1014 | 9. August 2016
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10.11.67
Tony Rome (Gordon Douglas, 1967)
Der Schnüffler
Locker-leichte Late-60s-Variation der verwinkelten Chandler-Plots: Frank Sinatra, arch-crooner und leader of the (rat) pack, ermittelt als Tony Rome (Privatdetektiv mit starkem Hang zu Pferdewetten) in einer unübersichtlichen Familienangelegenheit, in der es unter anderem um teuren Schmuck, Erpressung sowie Bigamie geht, und stolpert dabei über eine stattliche Zahl von Leichen. Ort des Geschehens ist Miami Beach (»20 miles of sand looking for a city.«), die Stimmung ist groovy, die Ladies – Lyon, Rowlands, St. John – haben Bond-appeal. Gordon Douglas inszeniert mit unspektakulärem Formgefühl, Joseph Biroc fotografiert in glasklarem Sunny-noir-Stil, Nancy Sinatra steuert den Titelsong bei: »Love is for those who have the time to / Rome is for those who are inclined to.«
R Gordon Douglas B Richard Breen V Marvin H. Albert K Joseph Biroc M Billy May A Jack Martin Smith, Jim Roth S Robert L. Simpson P Aaron Rosenberg D Frank Sinatra, Jill St. John, Richard Conte, Gena Rowlands, Simon Oakland | USA | 110 min | 1:2,35 | f | 10. November 1967
Locker-leichte Late-60s-Variation der verwinkelten Chandler-Plots: Frank Sinatra, arch-crooner und leader of the (rat) pack, ermittelt als Tony Rome (Privatdetektiv mit starkem Hang zu Pferdewetten) in einer unübersichtlichen Familienangelegenheit, in der es unter anderem um teuren Schmuck, Erpressung sowie Bigamie geht, und stolpert dabei über eine stattliche Zahl von Leichen. Ort des Geschehens ist Miami Beach (»20 miles of sand looking for a city.«), die Stimmung ist groovy, die Ladies – Lyon, Rowlands, St. John – haben Bond-appeal. Gordon Douglas inszeniert mit unspektakulärem Formgefühl, Joseph Biroc fotografiert in glasklarem Sunny-noir-Stil, Nancy Sinatra steuert den Titelsong bei: »Love is for those who have the time to / Rome is for those who are inclined to.«
R Gordon Douglas B Richard Breen V Marvin H. Albert K Joseph Biroc M Billy May A Jack Martin Smith, Jim Roth S Robert L. Simpson P Aaron Rosenberg D Frank Sinatra, Jill St. John, Richard Conte, Gena Rowlands, Simon Oakland | USA | 110 min | 1:2,35 | f | 10. November 1967
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27.10.67
La route de Corinthe (Claude Chabrol, 1967)
Die Straße von Korinth
»Je ne vous demande pas d’y croire, je vous propose d’y rêver.« Die Schweiz bei Hitchcock, das sind Berge, Seen und Schokolade. Claude Chabrol macht es ähnlich: Griechenland, das sind Marmor und Tempel, das blaue Meer und der zirpende Klang der Bouzouki. Die amüsant-nichtige Handlung seiner visuell recht attraktiven kleinen Spy-spoof-Etüde dreht sich um irgendwelche schwarzen Kästchen, die auf mysteriöse Weise die in der Ägäis stationierten NATO-Raketen stören. Ein Abwehrmann geht tot. Dessen naiv-beherzte Witwe Shanny (Jean Seberg) klärt den Fall auf – mehr oder weniger gegen den Willen des aalglatten Sektionschefs Sharps (Michel Bouquet), der lieber seiner Loukoum-Sucht frönt als den nachrichtendienstlichen Pflichten nachzukommen, dafür unterstützt von Dex (Maurice Ronet), einem Kollegen des Verstorbenen und baldigen love interest der Hinterbliebenen … Zum zweiten Mal nach »Marie-Chantal contre Dr. Kha« stellt Chabrol eine Frau, die wie ein schutzengelbehütetes Kind durch die Traumlandschaften des Verrats wandelt, in den Mittelpunkt einer parodistischen Spionageerzählung, und wiederum geht das Konzept auf. Zwar entwickelt der Regisseur die filmische Spannung bestenfalls theoretisch, schafft aber, vermittels dubioser Zauberkünstler und mörderischer Popen, weißer Kaninchen und Gräbern mit Telefonanschluß, verstreuter Rosenblätter, die den richtigen Weg weisen, und Statuen, die dunkle Geheimnisse bergen, eine Atmosphäre von lyrischer Absurdität.
R Claude Chabrol B Daniel Boulanger, Claude Brulé V Claude Rank K Jean Rabier M Pierre Jansen A Marilena Aravantinou S Jacques Gaillard P André Genovès D Jean Seberg, Maurice Ronet, Michel Bouquet, Christian Marquand, Saro Urzì | F & I & GR | 105 min | 1:1,66 | f | 27. Oktober 1967
»Je ne vous demande pas d’y croire, je vous propose d’y rêver.« Die Schweiz bei Hitchcock, das sind Berge, Seen und Schokolade. Claude Chabrol macht es ähnlich: Griechenland, das sind Marmor und Tempel, das blaue Meer und der zirpende Klang der Bouzouki. Die amüsant-nichtige Handlung seiner visuell recht attraktiven kleinen Spy-spoof-Etüde dreht sich um irgendwelche schwarzen Kästchen, die auf mysteriöse Weise die in der Ägäis stationierten NATO-Raketen stören. Ein Abwehrmann geht tot. Dessen naiv-beherzte Witwe Shanny (Jean Seberg) klärt den Fall auf – mehr oder weniger gegen den Willen des aalglatten Sektionschefs Sharps (Michel Bouquet), der lieber seiner Loukoum-Sucht frönt als den nachrichtendienstlichen Pflichten nachzukommen, dafür unterstützt von Dex (Maurice Ronet), einem Kollegen des Verstorbenen und baldigen love interest der Hinterbliebenen … Zum zweiten Mal nach »Marie-Chantal contre Dr. Kha« stellt Chabrol eine Frau, die wie ein schutzengelbehütetes Kind durch die Traumlandschaften des Verrats wandelt, in den Mittelpunkt einer parodistischen Spionageerzählung, und wiederum geht das Konzept auf. Zwar entwickelt der Regisseur die filmische Spannung bestenfalls theoretisch, schafft aber, vermittels dubioser Zauberkünstler und mörderischer Popen, weißer Kaninchen und Gräbern mit Telefonanschluß, verstreuter Rosenblätter, die den richtigen Weg weisen, und Statuen, die dunkle Geheimnisse bergen, eine Atmosphäre von lyrischer Absurdität.
R Claude Chabrol B Daniel Boulanger, Claude Brulé V Claude Rank K Jean Rabier M Pierre Jansen A Marilena Aravantinou S Jacques Gaillard P André Genovès D Jean Seberg, Maurice Ronet, Michel Bouquet, Christian Marquand, Saro Urzì | F & I & GR | 105 min | 1:1,66 | f | 27. Oktober 1967
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25.10.67
Le samouraï (Jean-Pierre Melville, 1967)
Der eiskalte Engel
»Qu’est-ce que vous pensez de Costello?« – »Je ne pense jamais.« Jean-Pierre Melvilles zeremonielle Studie über die totale Einsamkeit, über die Fremdheit unter anderen und in sich selbst, begleitet den Killer Jef Costello auf (s)einer Reise in den Tod. Jef (Alain Delon spielt ihn mit maskenhafter Ungerührtheit) ist ein Mann, der weder Vergangenheit noch Zukunft hat; seine Gegenwart kennt nur Aufträge und Gewohnheit, abgezirkelte Gesten und makellosen Stil. Die Erzählung – mit einem Kommissar, der niemals denkt (François Périer), mit einer Verlobten, die es mag, gebraucht zu werden (Nathalie Delon), mit einer Zeugin, die sphinxhaft schweigt (Cathy Rosier) – kombiniert bekannte Versatzstücke aus film noir und gangster movies, aber Melville geht es gar nicht um Handlung, sondern, wie seinem Protagonisten, um die vollendete Form der (Selbst-)Darstellung, um die fast parodistische Reduktion des Zeigens von Emotion. François de Roubaix trägt zu diesem Spiel der leeren Blicke und kalkulierten Bewegungen einen minimalistisch-elektronischen Soundtrack bei. Henri Decaës Kamera schwelgt in müdem Beige, staubigem Grau und frostigem Blau. Näher zum absoluten Nullpunkt drang das Kino selten vor – »Le samouraï« ist ein Film, der nichts gibt und nichts will, ein Film, der sich selbst genügt.
R Jean-Pierre Melville B Jean-Pierre Melville, Georges Pellegrin V Joan McLeod K Henri Decaë M François de Roubaix A François de Lamothe S Monique Bonnot, Yolande Maurette P Raymond Borderie, Eugène Lépicier D Alain Delon, François Périer, Nathalie Delon, Cathy Rosier, Michel Boisrond | F & I | 105 min | 1:1,85 | f | 25. Oktober 1967
»Qu’est-ce que vous pensez de Costello?« – »Je ne pense jamais.« Jean-Pierre Melvilles zeremonielle Studie über die totale Einsamkeit, über die Fremdheit unter anderen und in sich selbst, begleitet den Killer Jef Costello auf (s)einer Reise in den Tod. Jef (Alain Delon spielt ihn mit maskenhafter Ungerührtheit) ist ein Mann, der weder Vergangenheit noch Zukunft hat; seine Gegenwart kennt nur Aufträge und Gewohnheit, abgezirkelte Gesten und makellosen Stil. Die Erzählung – mit einem Kommissar, der niemals denkt (François Périer), mit einer Verlobten, die es mag, gebraucht zu werden (Nathalie Delon), mit einer Zeugin, die sphinxhaft schweigt (Cathy Rosier) – kombiniert bekannte Versatzstücke aus film noir und gangster movies, aber Melville geht es gar nicht um Handlung, sondern, wie seinem Protagonisten, um die vollendete Form der (Selbst-)Darstellung, um die fast parodistische Reduktion des Zeigens von Emotion. François de Roubaix trägt zu diesem Spiel der leeren Blicke und kalkulierten Bewegungen einen minimalistisch-elektronischen Soundtrack bei. Henri Decaës Kamera schwelgt in müdem Beige, staubigem Grau und frostigem Blau. Näher zum absoluten Nullpunkt drang das Kino selten vor – »Le samouraï« ist ein Film, der nichts gibt und nichts will, ein Film, der sich selbst genügt.
R Jean-Pierre Melville B Jean-Pierre Melville, Georges Pellegrin V Joan McLeod K Henri Decaë M François de Roubaix A François de Lamothe S Monique Bonnot, Yolande Maurette P Raymond Borderie, Eugène Lépicier D Alain Delon, François Périer, Nathalie Delon, Cathy Rosier, Michel Boisrond | F & I | 105 min | 1:1,85 | f | 25. Oktober 1967
Die Fahne von Kriwoj Rog (Kurt Maetzig, 1967)
»Ich trage eine Fahne / und diese Fahne ist rot. / Es ist die Arbeiterfahne / die Vater trug durch die Not. / Die Fahne ist niemals gefallen / so oft auch ihr Träger fiel. / Sie weht heute über uns allen / und sieht schon der Sehnsucht Ziel.« Kommunistische Bergleute aus dem Mansfelder Land (= die Guten) verstecken eine ihnen (»damals, im Jahre 1929«) von sowjetischen Klassenbrüdern geschenkte Fahne (Symbol!) erfolgreich vor Grubenherren, Nazis und Amerikanern (= den Bösen). Am Ende (des Zweiten Weltkriegs / der Erzählung) kommen die heißersehnten Befreier, und das kostbare Tuch knattert fröhlich im Wind: schöne rote Welt! Jenseits der politischen Schlichtheit ein erstklassig besetztes, hervorragend fotografiertes (Kamera: Erich Gusko), von Kurt Maetzig souverän und spannend inszeniertes Epos – so macht sozialistischer Realismus Spaß.
R Kurt Maetzig B Hans Albert Pederzani V Otto Gotsche K Erich Gusko M Gerhard Rosenfeld A Dieter Adam S Brigitte Krex P Manfred Renger D Erwin Geschonneck, Marga Legal, Harry Hindemith, Eva-Maria Hagen, Manfred Krug | DDR | 108 min | 1:2,35 | sw | 25. Oktober 1967
R Kurt Maetzig B Hans Albert Pederzani V Otto Gotsche K Erich Gusko M Gerhard Rosenfeld A Dieter Adam S Brigitte Krex P Manfred Renger D Erwin Geschonneck, Marga Legal, Harry Hindemith, Eva-Maria Hagen, Manfred Krug | DDR | 108 min | 1:2,35 | sw | 25. Oktober 1967
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14.10.67
Herbst der Gammler (Peter Fleischmann, 1967)
»Seit wann gammeln Sie?«
– »Seit 14 Monaten.«
– »Und wie lange wollen Sie’s noch machen?«
– »Das weiß ich nicht. Das ist unbestimmt.« München, 1966. Peter Fleischmann und sein Kameramann Klaus Müller-Laue nähern sich mit forschender Zuneigung einer Gruppe jugendlicher Aussteiger: gemütliche Milchbärte, melancholische Langhaarige, schluffige Parkatypen, die partout keine Lust auf Erwerbsarbeit haben, lieber nachts unter Bäumen im Englischen Garten schlafen und vom Winter im Süden träumen, von einem warmen Plätzchen in Spanien oder in Istanbul. Für den ›Brisk‹-frisierten Bürger und seine ondulierte Gattin hört der Spaß genau an dieser Stelle auf. Denn gingen alle einer geregelten Tätigkeit nach, bräuchte man ja die ganzen Ausländer nicht – und überhaupt: »Die Gammler sind keine Menschen. Die könnte man notfalls auch vergasen.« Früher, ja, da habe es das alles nicht gegeben – ein »kleiner Führer« müßte wieder her, der das ganze Kroppzeug ins Lager sperrt. »Herbst der Gammler« breitet sein dokumentarisches Material eher unsortiert vor dem Betrachter aus, doch gerade die formale Sprödigkeit erlaubt eindringliche Blicke auf den ewigen Abscheu des Normalverbrauchers vor dem Systemverweigerer und auf die stolze (dabei auch ein wenig traurige) Renitenz all jener, die am Rande stehen oder sich bockbeinig selbst dort hinstellen.
R Peter Fleischmann K Klaus Müller-Laue S Peter Fleischmann P Hubert Schonger | BRD | 67 min | 1:1,37 | sw | 14. Oktober 1967
R Peter Fleischmann K Klaus Müller-Laue S Peter Fleischmann P Hubert Schonger | BRD | 67 min | 1:1,37 | sw | 14. Oktober 1967
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12.10.67
Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn (Rolf Olsen, 1967)
»Dieser Film ist ein Tatsachenbericht. Er schildert Begebenheiten der jüngsten Zeit.« Kiez-Reporter Danny Sonntag (Erik Schumann) auf der Spur einer brandheißen Story: Jungs aus gutem Hause (unter ihnen Fritz Wepper) versorgen bemittelte ältere Lustmolche mit Partyspaß und flotten Bienen, wobei die Mädchen unter Zuhilfenahme von selbstdestilliertem LSD gefügig gemacht werden, was wiederum nicht ohne gelegentliche (tödliche) Reibungsverluste abgeht. Väter und Söhne zwischen Elbchaussee und Großer Freiheit – in der Hamburger Gesellschaft bleiben das Verlangen in der Familie und der Generationenkonflikt eine Sache des Geschäfts … Rolf Olsen (der in einer markanten Nebenrolle als unsentimentaler Arzt im Hafenkrankenhaus auftritt) erzählt zügig und effizient, dabei streng pseudoauthentisch und vergnügt doppelmoralisch von netten Ganoven und eiskalten Rebellen, läßt Titten hüpfen und Messer blitzen wie ein gewiefter Boulevardjournalist, springt wendig aus dem Puff ins Polizeipräsidium, von der Luxusyacht auf den Schulhof, aus der Unternehmervilla ins Bumslokal. Die Männer in diesem herzlich-harten St.-Pauli-Nachtstück sind brutal oder geil oder sensibel (oder alles zusammen), die Frauen sind naiv oder berechnend oder willig (oder alles zusammen), und das Verbrechen ist die unvermeidliche Zivilisationskrankheit dieser besten aller käuflichen Welten, in der die wahren Monster niemals auf die Titelseite geknallt werden.
R Rolf Olsen B Rolf Olsen K Franz X. Lederle M Erwin Halletz A Günther Kob S Renate Willeg P Heinz Willeg D Erik Schumann, Fritz Wepper, Jürgen Draeger, Konrad Georg, Marianne Hoffmann | BRD | 98 min | 1:1,66 | f | 12. Oktober 1967
R Rolf Olsen B Rolf Olsen K Franz X. Lederle M Erwin Halletz A Günther Kob S Renate Willeg P Heinz Willeg D Erik Schumann, Fritz Wepper, Jürgen Draeger, Konrad Georg, Marianne Hoffmann | BRD | 98 min | 1:1,66 | f | 12. Oktober 1967
11.10.67
Oscar (Edouard Molinaro, 1967)
Oscar
»Je suis zinzin!« Ein Vormittag im Hause des Unternehmers Bertrand Barnier (Louis de Funès): Barniers minderjährige Tochter verkündet greinend, ein Kind von Barniers gefeuertem Chauffeur Oscar zu erwarten, der wiederum vor lauter Kummer über seine Entlassung zum Südpol aufgebrochen ist, Barniers Angestellter Martin verkündet fröhlich, seinem Chef (Barnier) 600.000 Francs gestohlen zu haben, um Barniers Tochter, die er zu ehelichen gedenkt, die aber gar nicht Barniers Tochter ist, ein angemessenes Leben bieten zu können, Barniers Dienstmädchen verkündet stolz ihre Kündigung, um den aristokratischen Verlobten der Tochter Barniers zu heiraten; drei Koffer kursieren, einer voller Banknoten, einer voller Diamanten, einer voller Damenwäsche; Barnier verliert immer wieder den Verstand, fegt immer wieder die Bruchstücke seiner selbst auf, setzt sich immer wieder neu zusammen. Längst ist der Irrsinn des bürgerlichen Lebens zur Normalität geworden, wenn es nicht sowieso immer schon so war. Star der subtilen Holzhammerkomödie ist, neben dem hochexplosiven Hausherrn, das von Georges Wakhévitch, in einer Art Markart-Stil des Nuklearzeitalters, entworfene Interieur: ein innenarchitektonischer Amoklauf zwischen Plüsch und Pop-Art, ein piranesieskes Luftschloß des modernistischen Barock, ein grellbunter Fiebertraum des bourgeoisen Futurismus. »Silence!«
R Edouard Molinaro B Jean Halain, Edouard Molinaro, Louis de Funès V Claude Magnier K Raymond Pierre Lemoigne M Georges Delerue A Georges Wakhéwitch S Monique Isnardon, Robert Isnardon P Alain Poiré D Louis de Funès, Claude Rich, Mario David, Claude Gensac, Dominique Page | F | 85 min | 1:2,35 | f | 11. Oktober 1967
»Je suis zinzin!« Ein Vormittag im Hause des Unternehmers Bertrand Barnier (Louis de Funès): Barniers minderjährige Tochter verkündet greinend, ein Kind von Barniers gefeuertem Chauffeur Oscar zu erwarten, der wiederum vor lauter Kummer über seine Entlassung zum Südpol aufgebrochen ist, Barniers Angestellter Martin verkündet fröhlich, seinem Chef (Barnier) 600.000 Francs gestohlen zu haben, um Barniers Tochter, die er zu ehelichen gedenkt, die aber gar nicht Barniers Tochter ist, ein angemessenes Leben bieten zu können, Barniers Dienstmädchen verkündet stolz ihre Kündigung, um den aristokratischen Verlobten der Tochter Barniers zu heiraten; drei Koffer kursieren, einer voller Banknoten, einer voller Diamanten, einer voller Damenwäsche; Barnier verliert immer wieder den Verstand, fegt immer wieder die Bruchstücke seiner selbst auf, setzt sich immer wieder neu zusammen. Längst ist der Irrsinn des bürgerlichen Lebens zur Normalität geworden, wenn es nicht sowieso immer schon so war. Star der subtilen Holzhammerkomödie ist, neben dem hochexplosiven Hausherrn, das von Georges Wakhévitch, in einer Art Markart-Stil des Nuklearzeitalters, entworfene Interieur: ein innenarchitektonischer Amoklauf zwischen Plüsch und Pop-Art, ein piranesieskes Luftschloß des modernistischen Barock, ein grellbunter Fiebertraum des bourgeoisen Futurismus. »Silence!«
R Edouard Molinaro B Jean Halain, Edouard Molinaro, Louis de Funès V Claude Magnier K Raymond Pierre Lemoigne M Georges Delerue A Georges Wakhéwitch S Monique Isnardon, Robert Isnardon P Alain Poiré D Louis de Funès, Claude Rich, Mario David, Claude Gensac, Dominique Page | F | 85 min | 1:2,35 | f | 11. Oktober 1967
9.10.67
Peppermint frappé (Carlos Saura, 1967)
Pfefferminz Frappé
Eine einfache Geschichte: Julián, alleinstehender Radiologe in einer zentralspanischen Provinzstadt, trifft seinen besten Freund aus Kindertagen wieder und verfällt dessen attraktiver junger Ehefrau, die in ihm Erinnerungen an eine vorzeiten beobachtete Karfreitagstrommlerin wachruft … Juliáns gespaltene Persönlichkeit – erzkatholischer Kulturbürger und heimlicher Erotomane – spielt die (beiden) Hauptrolle(n) in einem intimen Gesellschafts- und Beziehungsthriller, der Motive aus Buñuels Kriminalpersiflage »Ensayo de un crimen« und Hitchcocks surrealer Totenmesse »Vertigo« variiert. Der (Bieder-)Mann erscheint als Gefangener seiner Obsession, wird zwangsgesteuert von Gespenstern der Vergangenheit. Symbole dieser Besessenheit sind ein Paar falscher Wimpern und das penetrant oft ausgeschenkte altmodische Getränk, das dem Film seinen Titel gibt: giftgrüner Pfefferminzlikör auf gestoßenem Eis … »Yo voy soñando caminos de la tarde«, heißt es in einem mehrfach zitierten Gedicht von Juliáns Lieblingslyriker Antonio Machado: Träumend gehe ich Wege im Abend. Carlos Saura folgt diesen Wegen über Grate zwischen Geist und Fleisch, zwischen Vorstellung und Gier, sowie zwischen Tradition und Moderne, womit sich die Innenschau des doppelgesichtigen Röntgenarztes zum allegorischen Zeitbild weitet. Die Kameraarbeit kombiniert ruhiges Betrachten und erregte (Kreis-)Bewegungen; die Zerrissenheit des Helden spiegelt sich in den beiden von Geraldine Chaplin gespielten Frauenfiguren: die rasante (blonde) Elena verkörpert das (sich spöttisch entziehende) Ideal, in deren Persona peu à peu die unscheinbare (brünette) Ana gedrängt wird. Das Ende ist konsequent zweideutig: Der Eintritt des ersehnten Fetischs in die greifbare Wirklichkeit bedeutet ebenso sehr triumphale Befreiung wie Sieg der Knechtschaft. Keine einfache Geschichte.
R Carlos Saura B Carlos Saura, Rafael Azcona, Angelino Fons K Luis Cuadrano M Luis de Pablo A Emilio Sanz de Soto S Pablo G. del Amo P Elías Querjeta D Geraldine Chaplin, José Luis López Vázquez, Alfredo Mayo, Emiliano Redondo, Ana María Custodio | E | 92 min | 1:1,66 | f | 9. Oktober 1967
# 832 | 23. Januar 2014
Eine einfache Geschichte: Julián, alleinstehender Radiologe in einer zentralspanischen Provinzstadt, trifft seinen besten Freund aus Kindertagen wieder und verfällt dessen attraktiver junger Ehefrau, die in ihm Erinnerungen an eine vorzeiten beobachtete Karfreitagstrommlerin wachruft … Juliáns gespaltene Persönlichkeit – erzkatholischer Kulturbürger und heimlicher Erotomane – spielt die (beiden) Hauptrolle(n) in einem intimen Gesellschafts- und Beziehungsthriller, der Motive aus Buñuels Kriminalpersiflage »Ensayo de un crimen« und Hitchcocks surrealer Totenmesse »Vertigo« variiert. Der (Bieder-)Mann erscheint als Gefangener seiner Obsession, wird zwangsgesteuert von Gespenstern der Vergangenheit. Symbole dieser Besessenheit sind ein Paar falscher Wimpern und das penetrant oft ausgeschenkte altmodische Getränk, das dem Film seinen Titel gibt: giftgrüner Pfefferminzlikör auf gestoßenem Eis … »Yo voy soñando caminos de la tarde«, heißt es in einem mehrfach zitierten Gedicht von Juliáns Lieblingslyriker Antonio Machado: Träumend gehe ich Wege im Abend. Carlos Saura folgt diesen Wegen über Grate zwischen Geist und Fleisch, zwischen Vorstellung und Gier, sowie zwischen Tradition und Moderne, womit sich die Innenschau des doppelgesichtigen Röntgenarztes zum allegorischen Zeitbild weitet. Die Kameraarbeit kombiniert ruhiges Betrachten und erregte (Kreis-)Bewegungen; die Zerrissenheit des Helden spiegelt sich in den beiden von Geraldine Chaplin gespielten Frauenfiguren: die rasante (blonde) Elena verkörpert das (sich spöttisch entziehende) Ideal, in deren Persona peu à peu die unscheinbare (brünette) Ana gedrängt wird. Das Ende ist konsequent zweideutig: Der Eintritt des ersehnten Fetischs in die greifbare Wirklichkeit bedeutet ebenso sehr triumphale Befreiung wie Sieg der Knechtschaft. Keine einfache Geschichte.
R Carlos Saura B Carlos Saura, Rafael Azcona, Angelino Fons K Luis Cuadrano M Luis de Pablo A Emilio Sanz de Soto S Pablo G. del Amo P Elías Querjeta D Geraldine Chaplin, José Luis López Vázquez, Alfredo Mayo, Emiliano Redondo, Ana María Custodio | E | 92 min | 1:1,66 | f | 9. Oktober 1967
# 832 | 23. Januar 2014
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Drama,
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Geraldine Chaplin,
Gesellschaft,
Kleinstadt,
Religion,
Saura,
Thriller
2.9.67
Muri shinju: Nihon no natsu (Nagisa Oshima, 1967)
Japanischer Sommer: Doppelselbstmord unter Zwang
1967 – Summer of Hate. Eine Achtzehnjährige, die mit allen Männern schlafen will, und ein Namenloser, der sich töten lassen möchte, geraten an eine Gruppe von Bewaffneten (Gangster? Terroristen?), die sich in einer schier endlosen Folge von Shootouts gegenseitig dezimieren, während die (wie ausgestorben daliegende) Stadt gleichzeitig von einem Heckenschützen heimgesucht wird... Weniger Action-Kino denn absurdes Theater, verbindet Nagisa Oshimas Film (in hochstilisierten Schwarzweiß-Bildern) systemkritische Ausbrüche von Haß und anarchisch-sexualisierte Gewaltphantasien zu einer apokalyptischen Amok-Farce, in der sich die gesellschaftlichen Erschütterungen der späten 1960er Jahre zerrspiegeln.
R Nagisa Oshima B Nagisa Oshima, Mamoru Sasaki, Takeshi Tamura K Yasuhiro Yoshioka M Hikaru Hayashi A Shigemasa Toda S Keiichi Uraoka P Masayuki Nakajima, Takuji Yamaguchi D Keiko Sakurai, Kei Sato, Rokko Toura, Shunsuke Mizoguchi, Bunya Ozawa | JP | 98 min | 1:2,35 | sw | 2. September 1967
1967 – Summer of Hate. Eine Achtzehnjährige, die mit allen Männern schlafen will, und ein Namenloser, der sich töten lassen möchte, geraten an eine Gruppe von Bewaffneten (Gangster? Terroristen?), die sich in einer schier endlosen Folge von Shootouts gegenseitig dezimieren, während die (wie ausgestorben daliegende) Stadt gleichzeitig von einem Heckenschützen heimgesucht wird... Weniger Action-Kino denn absurdes Theater, verbindet Nagisa Oshimas Film (in hochstilisierten Schwarzweiß-Bildern) systemkritische Ausbrüche von Haß und anarchisch-sexualisierte Gewaltphantasien zu einer apokalyptischen Amok-Farce, in der sich die gesellschaftlichen Erschütterungen der späten 1960er Jahre zerrspiegeln.
R Nagisa Oshima B Nagisa Oshima, Mamoru Sasaki, Takeshi Tamura K Yasuhiro Yoshioka M Hikaru Hayashi A Shigemasa Toda S Keiichi Uraoka P Masayuki Nakajima, Takuji Yamaguchi D Keiko Sakurai, Kei Sato, Rokko Toura, Shunsuke Mizoguchi, Bunya Ozawa | JP | 98 min | 1:2,35 | sw | 2. September 1967
Labels:
Drama,
Gangster,
Gesellschaft,
Oshima,
Serienmörder,
Tod,
Tokio
31.8.67
Heißes Pflaster Köln (Ernst Hofbauer, 1967)
»Man ist nicht sehr fein im ›Chicago am Rhein‹.« Köln – das bedeutet Dom und ›4711‹, Karneval und Millowitsch. Aber die Stadt hat auch eine andere Seite: Klingelpütz und Bandenkriege, gewerbsmäßige Unzucht und sittliche Verrohung. Da erweisen sich gutkatholische Hausväter als regelmäßige Bordellgänger, da peitschen Ganoven hohnlachend ihre Rivalen zu Tode, da wird ein rechtschaffener Staatsanwalt von Halunken terrorisiert, da foltern sadistische Teenagerinnen ein armes, altes Tantchen mit dem Toaster … Zentralfigur der kriminalistischen Milieustudie ist der proletenhafte Zuhälter Paul Keil (Arthur Brauss), der einerseits mit allen Mitteln die Verurteilung seines unter Mordanklage stehenden Bruders verhindern will, sich andererseits zugewanderter Konkurrenz erwehren muß: Der geleckte Wiener Strizzi Poldi (Walter Kohut) wirbt ohne jede Scheu Straßendirnen für einen neu errichteten Luxuspuff: »Hier ist alles exklusiv und exquisit.« Geschickt verknüpft Ernst Hofbauer seinen Zug durch die Kölner Unterwelt mit Seitenblicken auf gefallene Mädchen und feige Bürgersöhne, in triste Hinterhöfe und tiefe Ausschnitte. Herbert Fux, Klaus Löwitsch und der fette Eric Pohlmann machen gute Figur in markanten Nebenrollen; Hans Jura, dessen filmpreisgekrönte Kameraarbeit schon Will Trempers ironischem Westberliner Sittenbild »Die endlose Nacht« den authentischen Schliff gab, verleiht auch Hofbauers Sex-and-Crime-Reißer einen kühlen dokumentarischen Anstrich. Zwar bringt der Showdown (wie zu erwarten war) die (vermutlich nur vorübergehende) Wiederherstellung von Recht und Ordnung, doch ein illustriertenmoralischer Schlußkommentar fordert den Zuschauer auf, sich damit nicht zufrieden zu geben: »Könnten wir alle nicht mehr, als wir es tun, dazu beitragen, Auswüchse zu bekämpfen, Verbrechen zu verhindern?«
R Ernst Hofbauer B Claus Tinney, Ernst Hofbauer K Hans Jura M Claudius Alzner A Karl Schneider S Ilse Wilken P Karl Spiehs D Richard Münch, Arthur Brauss, Beate Hasenau, Klaus Löwitsch, Monika Zinnenberg, Doris Kunstmann | BRD | 90 min | 1:1,66 | sw | 31. August 1967
# 917 | 13. November 2014
R Ernst Hofbauer B Claus Tinney, Ernst Hofbauer K Hans Jura M Claudius Alzner A Karl Schneider S Ilse Wilken P Karl Spiehs D Richard Münch, Arthur Brauss, Beate Hasenau, Klaus Löwitsch, Monika Zinnenberg, Doris Kunstmann | BRD | 90 min | 1:1,66 | sw | 31. August 1967
# 917 | 13. November 2014
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30.8.67
Point Blank (John Boorman, 1967)
Point Blank
»I want my money.« Ein abstrakter Pop-Noir-Thriller über Verrat und Vergeltung. Walker (als loner ohne Vornamen: Lee Marvin) beteiligt sich an einem Raubüberfall (im aufgelassenen Gefängnis Alcatraz), wird nach dem Coup von seinem Partner um den Anteil betrogen, verliert die Frau und beinahe das Leben. Der Partner kauft sich mit der Beute in das alles beherrschende Syndikat ein. Walker kehrt zurück, um die ihm zustehenden 93.000 Dollar zu holen: »I want my money.« Unterstützt von einem interessierten Hintermann, rollt Walker auf seinem Rachefeldzug die »organization«, die »corporation«, die »financial structure« von unten nach oben auf: der Einzelne gegen das System (und dabei – bewußt oder unbewußt – integraler Bestandteil desselben) … John Boorman inszeniert einen Film der kalten Oberflächen, der fragmentierten Erinnerungen, der gestorbenen Gefühle, ein American nightmare zwischen emotionaler Versteinerung und explosionsartigen Gewaltausbrüchen: »I want my money.« Walker zieht wie ein Geist, rastlos und unverwundbar, durch ein modern-menschenfeindliches Los Angeles, durch coole Luxusapartments, psychedelische Nachtclubs, ausgetrocknete Betonkanäle, ein entschlossener Todesengel, der Betten und Telefone erschießt, Werkzeug und Katalysator der (Selbst-)Zerstörung: »Walker is beautiful«, wird einem Mitglied des Syndikats höhnisch beschieden, »he’s just tearing you apart.«
R John Boorman B Alexander Jacobs, David Newhouse, Rafe Newhouse V Richard Stark (= Donald E. Westlake) K Philip H. Lathrop M Johnny Mandel A Albert Brenner, George W. Davis S Henry Berman P Robert Chartoff, Judd Bernard, Irwin Winkler D Lee Marvin, Angie Dickinson, Keenan Wynn, John Vernon, Lloyd Bochner | USA | 92 min | 1:2,35 | f | 30. August 1967
# 964 | 10. Juli 2015
»I want my money.« Ein abstrakter Pop-Noir-Thriller über Verrat und Vergeltung. Walker (als loner ohne Vornamen: Lee Marvin) beteiligt sich an einem Raubüberfall (im aufgelassenen Gefängnis Alcatraz), wird nach dem Coup von seinem Partner um den Anteil betrogen, verliert die Frau und beinahe das Leben. Der Partner kauft sich mit der Beute in das alles beherrschende Syndikat ein. Walker kehrt zurück, um die ihm zustehenden 93.000 Dollar zu holen: »I want my money.« Unterstützt von einem interessierten Hintermann, rollt Walker auf seinem Rachefeldzug die »organization«, die »corporation«, die »financial structure« von unten nach oben auf: der Einzelne gegen das System (und dabei – bewußt oder unbewußt – integraler Bestandteil desselben) … John Boorman inszeniert einen Film der kalten Oberflächen, der fragmentierten Erinnerungen, der gestorbenen Gefühle, ein American nightmare zwischen emotionaler Versteinerung und explosionsartigen Gewaltausbrüchen: »I want my money.« Walker zieht wie ein Geist, rastlos und unverwundbar, durch ein modern-menschenfeindliches Los Angeles, durch coole Luxusapartments, psychedelische Nachtclubs, ausgetrocknete Betonkanäle, ein entschlossener Todesengel, der Betten und Telefone erschießt, Werkzeug und Katalysator der (Selbst-)Zerstörung: »Walker is beautiful«, wird einem Mitglied des Syndikats höhnisch beschieden, »he’s just tearing you apart.«
R John Boorman B Alexander Jacobs, David Newhouse, Rafe Newhouse V Richard Stark (= Donald E. Westlake) K Philip H. Lathrop M Johnny Mandel A Albert Brenner, George W. Davis S Henry Berman P Robert Chartoff, Judd Bernard, Irwin Winkler D Lee Marvin, Angie Dickinson, Keenan Wynn, John Vernon, Lloyd Bochner | USA | 92 min | 1:2,35 | f | 30. August 1967
# 964 | 10. Juli 2015
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11.8.67
Der Mönch mit der Peitsche (Alfred Vohrer, 1967)
Der »Mönch« des Titels sieht aus wie ein spanischer Spitzhaubenbüßer in blutroter Kutte; mit ihrer weißen Peitsche würgt die fotogene Spukgestalt diverse Opfer zu Tode. Andere Figuren dieser Edgar-Wallace-Scharteke sterben durch ein gasförmiges Gift, das den Betroffenen entweder direkt ins überraschte Gesicht geblasen wird oder aber unerwartet aus einem Gebetsbuch aufsteigt. So enthusiastisch er in ausgeklügelten Meucheltechniken und schreienden Farben (Kamera: Karl Löb) schwelgt, so virtuos er ein neogotisches Mädchenpensionat und ein modernes Hallenbad oder eine pompöse Villenruine und ein unterirdisches Aquarium samt Krokodilhalle zu surrealen Architekturbastarden verkreuzt, so energisch treibt Alfred Vohrer die Akteure – neben den üblichen Verdächtigen (Fuchsberger und Schürenberg, Glas und Böttcher) auch Tilly Lauenstein (als Heimleiterin mit verborgenen Talenten) und Günter Meisner (als diskreter Chauffeur des Todes) – durch die (geläufig-abstruse Erbschafts-)Fabel bis zur (lachhaften Kaninchen-aus-dem-Zylinder-)Auflösung. Style over substance? Eher chic without content. Mit anderen Worten: bloody charming.
R Alfred Vohrer B Axel Berg (= Herbert Reinecker) V Edgar Wallace K Karl Löb M Martin Böttcher A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Uschi Glas, Tilly Lauenstein, Konrad Georg, Siegfried Schürenberg | BRD | 88 min | 1:1,66 | f | 11. August 1967
R Alfred Vohrer B Axel Berg (= Herbert Reinecker) V Edgar Wallace K Karl Löb M Martin Böttcher A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Uschi Glas, Tilly Lauenstein, Konrad Georg, Siegfried Schürenberg | BRD | 88 min | 1:1,66 | f | 11. August 1967
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10.8.67
Mister Dynamit – Morgen küßt Euch der Tod (Franz Josef Gottlieb, 1967)
»Stirb langsam, du hast mehr davon.« Bob Urban (Lex Barker), der »beste Mann des BND« (und ein hochbegabter Bauchredner), leistet der überforderten CIA Amtshilfe bei der Jagd auf einen infamen Erpresser, der die Regierung der Vereinigten Staaten mittels einer entwendeten Atombombe um eine Milliarde Dollar erleichtern will … Franz Josef Gottliebs launig-quatschiger Beitrag zum Eurospy-Genre ist der einzige Leinwandauftritt des langlebigen Pabel-Pulp-Protagonisten »Mister Dynamit« (dessen Schöpfer Karl-Heinz Günther auch den New Yorker Privatdetektiv »Kommissar X« erfand): Zu Armando Trovajolis prickelnden Easy-Listening-Klängen kämpft sich der bundesdeutsche Nachrichtendienstler durch allerlei gefahrvolle Abenteuer (und ein paar Schlafzimmer), um den Plan des öligen Erzschurken Bardo Baretti (Amedeo Nazzari), eines Exzentrikers, der leidenschaftlich gerne mit seiner Modelleisenbahn spielt und sich bisweilen in einen Perserteppich einrollt, zu vereiteln. Gottlieb dekliniert mit kindlicher Freude (und eingeschränkten Mitteln) die bekannten Motive des Agententhrillers Bond’scher Prägung durch: exotische Schauplätze und geschmackvolle Brutalität, fiese Schergen und widerspenstig-willige Frauen. Sogar ein veritables »Q«-Äquivalent tritt auf: Professor Strahlmann (Eddi Arent) stattet den Helden der westlichen Welt mit Nebelpillen, Minibandgerät, Tauchnuß und einem Schlauchboot im Aktenkoffer aus.
R Franz Josef Gottlieb B Franz Josef Gottlieb V C. H. Guenter (= Karl-Heinz Günther) K Siegfried Hold M Armando Trovajoli A Juan Alberto Soler S Gisa Radicilevi P Theo Maria Werner D Lex Barker, Amedeo Nazzari, Maria Perschy, Ullrich Haupt, Siegfried Rauch, Eddi Arent | BRD & E & I | 111 min | 1:1,66 | f | 10. August 1967
# 926 | 28. Dezember 2014
R Franz Josef Gottlieb B Franz Josef Gottlieb V C. H. Guenter (= Karl-Heinz Günther) K Siegfried Hold M Armando Trovajoli A Juan Alberto Soler S Gisa Radicilevi P Theo Maria Werner D Lex Barker, Amedeo Nazzari, Maria Perschy, Ullrich Haupt, Siegfried Rauch, Eddi Arent | BRD & E & I | 111 min | 1:1,66 | f | 10. August 1967
# 926 | 28. Dezember 2014
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