Ein Käfig voller Narren
Robuste Boulevard-Klamotte, die ihre amüsanten Funken aus der Begegnung von besonders effeminierten Schwulen und äußerst hypokritischen Großbürgern schlägt. Renato (bronziert: Ugo Tognazzi), Impressario eines Nachtclubs in Saint-Tropez, seit zwanzig Jahren liiert mit Albin, dem Star des Hauses (kreischig: Michel Serrault), ist dem anderen Geschlecht nur ein einziges Mal so richtig nahe gekommen; der Sohn, den er seinerzeit zeugte, hat sich nun verlobt: mit der Tochter eines konservativen Politikers (gußeisern: Michel Galabru). Die Vorlage von Jean Poiret verzichtet konsequent auf das Pinseln feiner Zwischentöne, und auch die Inszenierung von Édouard Molinaro begnügt sich mit dem grellen Ausleuchten von Gemeinplätzen: hie abgespreizte kleine Finger und ausladende Hüftschwünge, da Ehrpusseligkeit und Pharisäertum. Der finale Rollentausch, auf den das turbulente Possenspiel erwartungsgemäß zuläuft, macht überdeutlich, daß auf allen Seiten Verstellung und Maskerade regieren: das Leben, ein endloses Kostümfest.
R Édouard Molinaro B Édouard Molinaro, Francis Veber, Marcello Danon V Jean Poiret K Armando Nannuzzi M Ennio Morricone A Mario Garbuglia S Monique Isnardon, Robert Isnardon P Marcello Danon D Ugo Tognazzi, Michel Serrault, Michel Galabru, Rémi Laurent, Claire Maurier | F & I | 100 min | 1:1,66 | f | 25. Oktober 1978
# 845 | 15. März 2014
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25.10.78
20.9.73
L’emmerdeur (Edouard Molinaro, 1973)
Die Filzlaus
»On a toujours besoin d'un ami dans la vie.« Zwei Herren, Zimmernachbarn im fünften Stock eines südfranzösischen Mittelklassehotels: M. Pignon (Jacques Brel) wurde (wegen eines Psychiaters!) von seiner Frau verlassen und will sich darob das Leben nehmen, M. Milan (Lino Ventura) kennt keine Gefühle und hat einen tödlichen Job zu erledigen. Der Jammerlappen und der Profikiller werden von außergewöhlichen Umständen auf Gedeih und (insbesondere) Verderb aneinandergekettet. »L’emmerdeur« ist reines Schauspielerkino, vielmehr: Körperkino und Gesichterkino, kontrastiv und komparativ: der hypernervöse Schlacks und der massive Klotz, die aufgewühlte Pferdefresse und das gefrorene Steingesicht. Zwar benötigt Édouard Molinaro einen halben (kurzen) Film lang, um die Gegensätze effektiv in Stellung zu bringen, aber sobald es vollbracht ist, gibt es für Brel und Ventura kein kinematographisches Halten mehr. »Vous m'avez sauvé la vie. Je ne l'oublierai jamais.«
R Édouard Molinaro B Francis Veber V Francis Veber K Raoul Coutard M Jacques Brel, François Rauber A François de Lamothe S Monique Isnardon, Robert Isnardon P Jean Dancigers, Alexandre Mnouchkine D Lino Ventura, Jacques Brel, Nino Castelnuovo, Caroline Cellier, Jean-Pierre Darras | F & I | 85 min | 1:1,66 | f | 20. September 1973
# 850 | 15. März 2014
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10.9.69
Hibernatus (Edouard Molinaro, 1969)
Der Winterschläfer | Onkel Paul, die große Pflaume
Surreal-erhellende Familienfarce mit dem unvergleichlichen Kistenteufel Louis de Funès als Nachfahre eines gewissen Paul Fournier, der 65 Jahre nach dem Untergang eines Dampfbootes auf Grönlandfahrt aus dem Packeis geborgen und erfolgreich aufgetaut wird. Eine wissenschaftliche Sensation! Das Fleisch des anno 1905 Tiefgefrorenen ist so jugendfrisch wie am Tag des Schiffbruchs, doch sein Geist scheint akut gefährdet: Könnte der »Hibernatus« den Schock des Zeitsprungs verkraften? Könnte er die brutalen Völkerschlachten begreifen, die während seiner frostigen Abwesenheit abrollten? (»La guerre de 14. PAF! La guerre de 40. PAF!«) Könnte er den Wahnwitz aushalten, den die Moderne inzwischen entfesselt hat? Die Flugzeuge in Zigarrenform (»ZOF!«), die in New York landen, bevor sie in Paris gestartet sind? Die elektrischen Gitarren? Die Atome? Das Fernsehen? »Les hommes deviennent fous! Ils deviennent fous! La, la, la …« Und so mimen die Abkömmlinge eine intakte Welt, eine heile Belle Époque, um dem rührend unverdorben wirkenden Heim(?)kehrer die Absurdität ihrer verrückten Ära zu ersparen. Vergeblich, wie man ahnt, denn zum einen läßt sich das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen, zum anderen ist nichts verborgen, das nicht offenbar werde, und ist nichts Heimliches, das nicht hervorkomme.
R Edouard Molinaro B Jacques Vilfried, Jean Bernard-Luc, Louis de Funès, Jean Harlan V Jean Bernard-Luc K Marcel Grignon, Raymond Pierre Lemoigne M Georges Delerue A François de Lamothe S Monique Isnardon, Robert Isnardon P Alain Poiré D Louis de Funès, Claude Gensac, Michael Lonsdale, Bernard Alane, Pascal Mazzotti | F & I | 82 min | 1:2,35 | f | 10. September 1969
Surreal-erhellende Familienfarce mit dem unvergleichlichen Kistenteufel Louis de Funès als Nachfahre eines gewissen Paul Fournier, der 65 Jahre nach dem Untergang eines Dampfbootes auf Grönlandfahrt aus dem Packeis geborgen und erfolgreich aufgetaut wird. Eine wissenschaftliche Sensation! Das Fleisch des anno 1905 Tiefgefrorenen ist so jugendfrisch wie am Tag des Schiffbruchs, doch sein Geist scheint akut gefährdet: Könnte der »Hibernatus« den Schock des Zeitsprungs verkraften? Könnte er die brutalen Völkerschlachten begreifen, die während seiner frostigen Abwesenheit abrollten? (»La guerre de 14. PAF! La guerre de 40. PAF!«) Könnte er den Wahnwitz aushalten, den die Moderne inzwischen entfesselt hat? Die Flugzeuge in Zigarrenform (»ZOF!«), die in New York landen, bevor sie in Paris gestartet sind? Die elektrischen Gitarren? Die Atome? Das Fernsehen? »Les hommes deviennent fous! Ils deviennent fous! La, la, la …« Und so mimen die Abkömmlinge eine intakte Welt, eine heile Belle Époque, um dem rührend unverdorben wirkenden Heim(?)kehrer die Absurdität ihrer verrückten Ära zu ersparen. Vergeblich, wie man ahnt, denn zum einen läßt sich das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen, zum anderen ist nichts verborgen, das nicht offenbar werde, und ist nichts Heimliches, das nicht hervorkomme.
R Edouard Molinaro B Jacques Vilfried, Jean Bernard-Luc, Louis de Funès, Jean Harlan V Jean Bernard-Luc K Marcel Grignon, Raymond Pierre Lemoigne M Georges Delerue A François de Lamothe S Monique Isnardon, Robert Isnardon P Alain Poiré D Louis de Funès, Claude Gensac, Michael Lonsdale, Bernard Alane, Pascal Mazzotti | F & I | 82 min | 1:2,35 | f | 10. September 1969
11.10.67
Oscar (Edouard Molinaro, 1967)
Oscar
»Je suis zinzin!« Ein Vormittag im Hause des Unternehmers Bertrand Barnier (Louis de Funès): Barniers minderjährige Tochter verkündet greinend, ein Kind von Barniers gefeuertem Chauffeur Oscar zu erwarten, der wiederum vor lauter Kummer über seine Entlassung zum Südpol aufgebrochen ist, Barniers Angestellter Martin verkündet fröhlich, seinem Chef (Barnier) 600.000 Francs gestohlen zu haben, um Barniers Tochter, die er zu ehelichen gedenkt, die aber gar nicht Barniers Tochter ist, ein angemessenes Leben bieten zu können, Barniers Dienstmädchen verkündet stolz ihre Kündigung, um den aristokratischen Verlobten der Tochter Barniers zu heiraten; drei Koffer kursieren, einer voller Banknoten, einer voller Diamanten, einer voller Damenwäsche; Barnier verliert immer wieder den Verstand, fegt immer wieder die Bruchstücke seiner selbst auf, setzt sich immer wieder neu zusammen. Längst ist der Irrsinn des bürgerlichen Lebens zur Normalität geworden, wenn es nicht sowieso immer schon so war. Star der subtilen Holzhammerkomödie ist, neben dem hochexplosiven Hausherrn, das von Georges Wakhévitch, in einer Art Markart-Stil des Nuklearzeitalters, entworfene Interieur: ein innenarchitektonischer Amoklauf zwischen Plüsch und Pop-Art, ein piranesieskes Luftschloß des modernistischen Barock, ein grellbunter Fiebertraum des bourgeoisen Futurismus. »Silence!«
R Edouard Molinaro B Jean Halain, Edouard Molinaro, Louis de Funès V Claude Magnier K Raymond Pierre Lemoigne M Georges Delerue A Georges Wakhéwitch S Monique Isnardon, Robert Isnardon P Alain Poiré D Louis de Funès, Claude Rich, Mario David, Claude Gensac, Dominique Page | F | 85 min | 1:2,35 | f | 11. Oktober 1967
»Je suis zinzin!« Ein Vormittag im Hause des Unternehmers Bertrand Barnier (Louis de Funès): Barniers minderjährige Tochter verkündet greinend, ein Kind von Barniers gefeuertem Chauffeur Oscar zu erwarten, der wiederum vor lauter Kummer über seine Entlassung zum Südpol aufgebrochen ist, Barniers Angestellter Martin verkündet fröhlich, seinem Chef (Barnier) 600.000 Francs gestohlen zu haben, um Barniers Tochter, die er zu ehelichen gedenkt, die aber gar nicht Barniers Tochter ist, ein angemessenes Leben bieten zu können, Barniers Dienstmädchen verkündet stolz ihre Kündigung, um den aristokratischen Verlobten der Tochter Barniers zu heiraten; drei Koffer kursieren, einer voller Banknoten, einer voller Diamanten, einer voller Damenwäsche; Barnier verliert immer wieder den Verstand, fegt immer wieder die Bruchstücke seiner selbst auf, setzt sich immer wieder neu zusammen. Längst ist der Irrsinn des bürgerlichen Lebens zur Normalität geworden, wenn es nicht sowieso immer schon so war. Star der subtilen Holzhammerkomödie ist, neben dem hochexplosiven Hausherrn, das von Georges Wakhévitch, in einer Art Markart-Stil des Nuklearzeitalters, entworfene Interieur: ein innenarchitektonischer Amoklauf zwischen Plüsch und Pop-Art, ein piranesieskes Luftschloß des modernistischen Barock, ein grellbunter Fiebertraum des bourgeoisen Futurismus. »Silence!«
R Edouard Molinaro B Jean Halain, Edouard Molinaro, Louis de Funès V Claude Magnier K Raymond Pierre Lemoigne M Georges Delerue A Georges Wakhéwitch S Monique Isnardon, Robert Isnardon P Alain Poiré D Louis de Funès, Claude Rich, Mario David, Claude Gensac, Dominique Page | F | 85 min | 1:2,35 | f | 11. Oktober 1967
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