7.11.45

Detour (Edgar G. Ulmer, 1945)

Umleitung

»How far you goin’?« – »How far YOU goin’?« Gehen die Figuren des Films überhaupt irgendwohin? Oder werden sie getrieben? Vom Schicksal? Vom Zufall? Von ihrer Angst? Von ihrer Gier? Al Roberts (Tom Neal), ein zweitklassiger Pianist, folgt seiner Freundin von New York nach Los Angeles, ein Trip, zu Fuß und per Anhalter, quer über den Kontinent, kein hoffnungsvoller Zug nach dem Westen indes, sondern eine tödliche Verirrung auf der Umleitung des Lebens … Unglückliche Umstände, unglaubhafte Verstrickungen: Al nimmt unterwegs die Identität eines plötzlich verstorbenen betuchten Reisenden an; der Rollentausch wird zum Alptraum, als die fatale Vera (Ann Savage) auftaucht (»Man, she looked as if she'd been thrown off the crummiest freight train in the world.«), die Al erpreßt, seine Vorstellung gewinnbringend fortzusetzen. Der selbstmitleidige Mann mit dem Schmollmund des ewigen Verlierers und die vor (krimineller) Energie vibrierende, sarkastische Frau verstricken sich in ein (latent sadomasochistisches) Endspiel der Bedrohung und Unterwerfung, der Raffsucht und Abscheu, ein Kampf, der keinen Gewinner kennt. Von Edgar G. Ulmer kalt und unromantisch inszeniert, zeigt »Detour« die Welt als endlose Straße durch die Wüste, als fensterloses Zimmer in einer billigen Absteige, als Rutschbahn, die ins Verderben führt: »Fate«, resümiert Al, »or some mysterious force can put the finger on you or me, for no good reason at all.«

R Edgar G. Ulmer B Martin Goldsmith V Martin Goldsmith K Benjamin H. Kline M Leo Erdory A Edward C. Jewell S George McGuire P Leon Fromkess D Tom Neal, Ann Savage, Claudia Drake, Edmund MacDonald | USA | 70 min | 1:1,37 | sw | 7. November 1945

# 778 | 12. Oktober 2013

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