Rot und Schwarz
Kühle Verfilmung des Romans von Stendhal: Der Weg des aus kleinen Verhältnissen stammenden, charismatischen Arrivisten Julien Sorel (dessen Vorbild Napoleon heißt) führt – in den restaurativen 1820er Jahren – über eine Hauslehrerstelle in der Provinz und ein trostloses Priesterseminar ins Palais eines Pariser Aristokraten. Die Adaption (von Jean Aurenche und Pierre Bost, den Feindbildern des jungen Truffaut) plaziert zwar einige sozialironische Sottisen gegen Klerus, Bourgeoisie und alten Adel, konzentriert die Fabel aber vorwiegend auf die Schilderung der amourösen Beziehungen des zweifelhaften Helden (Gérard Philipe – für die Rolle leider zehn Jahre zu alt) zur seelenvollen Madame de Rénal (Danielle Darrieux) und zur waghalsigen Mathilde de la Mole (Antonella Lualdi). Der von Sorel ersehnte gesellschaftliche Aufstieg endet mit einem (aus gekränkter Eitelkeit, aus rasender Wut, aus verzweifelter Liebe abgefeuerten) Schuß – und einem Tribunal … Zur Darstellung von Kalkül und Leidenschaft, die gleicherweise den Charakter des Protagonisten bestimmen, experimentiert Regisseur Claude Autant-Lara mit visueller und inszenatorischer Stilisierung: Die antiillusionistische Reduktion der Ausstattung (Max Douy) und das bewußt forcierte Spiel der Darsteller bewahren »Le rouge et le noir« vor der Konventionalität üblicher Historienfilme.
R Claude Autant-Lara B Jean Aurenche, Pierre Bost V Stendhal K Michel Kelber M René Cloërec A Max Douy S Madeleine Gug P Louis Wipf D Gérard Philipe, Danielle Darrieux, Antonella Lualdi, Jean Martinelli, Antoine Balpêtré | F & I | 185 min | 1:1,37 | f | 29. Januar 1954
29.1.54
20.1.54
Le blé en herbe (Claude Autant-Lara, 1954)
Erwachende Herzen
Es beginnt wie ein munterer Ferienfilm à la Jacques Tati: Ein sommerlicher Strand. Familien (die Garderobe verrät, daß »Le blé en herbe« in den 1920er Jahren spielt) sitzen in der Sonne. Kleine Waisenmädchen marschieren unter der Fuchtel gestrenger Erzieherinnen zum jährlichen Badespaß. Ein Strandkino wird (von Louis de Funès!) aufgebaut. Plötzlich zieht ein Sturm herauf. Hüte wirbeln durch die Luft. Drachen machen sich selbständig. Die Kinoleinwand bricht über dem Piano zusammen. Wellen schlagen hoch. Ein junger Mann kentert mit seinem Ruderboot, ruft panisch um Hilfe, säuft fast ab, kann sich gerade noch (splitterfasernackt) ans Ufer retten – mit einem herrenlosen Strohhut bedeckt er seine Blöße und eilt davon… Der schroffe Wechsel der Tonlage von heiter-skurril zu dramatisch-existenziell (und wieder zurück) antizipiert die ambivalente Stimmungslage der folgenden Erzählung um Aufbruch und Verlust nach einem (Entwicklungs- und Dreiecks-) Roman der Colette. Phil (der Ruderer) und Vinca, er 16, sie 15, verbringen seit ihrer Kindheit den Sommer gemeinsam (mit ihren jeweiligen Familien) in der Bretagne – aber: ihr vormalig geschwisterliches Verhältnis funktioniert nicht mehr, hat sich zu einer komplizierten Beziehung zwischen verwirrter Abstoßung und neckischer Anziehung, zwischen erbittertem Streit und verlangender Zärtlichkeit gewandelt. Sind sie ein Paar? Wollen sie überhaupt eines sein? Bevor es zur Entscheidung kommt, erlebt Phil eine Affäre mit einer belustigt-sehnsuchtsvollen Dame in Weiß (Edwige Feuillère), die seine Mutter sein könnte, die hinter sich hat, was ›Philévinca‹ noch vor sich haben, die für einen kurzen glücklichen Moment den zarten Hauch des längst Verlorenen atmen möchte. Am Ende der Ferien ist auch der – von Claude Autant-Lara diskret (und doch deutlich genug) in Szene gesetzte – Film zu Ende. Das Sommerhaus wird verriegelt. Phil und Vinca stehen, Hand in Hand, am nun schon herbstlich grauen Meer. Sie sind älter geworden.
R Claude Autant-Lara B Jean Aurenche, Pierre Bost, Claude Autant-Lara V Colette K Robert Lefebvre M René Cloërec A Max Douy S Madeleine Gug P Louis Wipf D Edwige Feuillère, Pierre-Michel Beck, Nicole Berger, Renée Devillers, Charles Dechamps | F | 106 min | 1:1,37 | sw | 20. Januar 1954
Es beginnt wie ein munterer Ferienfilm à la Jacques Tati: Ein sommerlicher Strand. Familien (die Garderobe verrät, daß »Le blé en herbe« in den 1920er Jahren spielt) sitzen in der Sonne. Kleine Waisenmädchen marschieren unter der Fuchtel gestrenger Erzieherinnen zum jährlichen Badespaß. Ein Strandkino wird (von Louis de Funès!) aufgebaut. Plötzlich zieht ein Sturm herauf. Hüte wirbeln durch die Luft. Drachen machen sich selbständig. Die Kinoleinwand bricht über dem Piano zusammen. Wellen schlagen hoch. Ein junger Mann kentert mit seinem Ruderboot, ruft panisch um Hilfe, säuft fast ab, kann sich gerade noch (splitterfasernackt) ans Ufer retten – mit einem herrenlosen Strohhut bedeckt er seine Blöße und eilt davon… Der schroffe Wechsel der Tonlage von heiter-skurril zu dramatisch-existenziell (und wieder zurück) antizipiert die ambivalente Stimmungslage der folgenden Erzählung um Aufbruch und Verlust nach einem (Entwicklungs- und Dreiecks-) Roman der Colette. Phil (der Ruderer) und Vinca, er 16, sie 15, verbringen seit ihrer Kindheit den Sommer gemeinsam (mit ihren jeweiligen Familien) in der Bretagne – aber: ihr vormalig geschwisterliches Verhältnis funktioniert nicht mehr, hat sich zu einer komplizierten Beziehung zwischen verwirrter Abstoßung und neckischer Anziehung, zwischen erbittertem Streit und verlangender Zärtlichkeit gewandelt. Sind sie ein Paar? Wollen sie überhaupt eines sein? Bevor es zur Entscheidung kommt, erlebt Phil eine Affäre mit einer belustigt-sehnsuchtsvollen Dame in Weiß (Edwige Feuillère), die seine Mutter sein könnte, die hinter sich hat, was ›Philévinca‹ noch vor sich haben, die für einen kurzen glücklichen Moment den zarten Hauch des längst Verlorenen atmen möchte. Am Ende der Ferien ist auch der – von Claude Autant-Lara diskret (und doch deutlich genug) in Szene gesetzte – Film zu Ende. Das Sommerhaus wird verriegelt. Phil und Vinca stehen, Hand in Hand, am nun schon herbstlich grauen Meer. Sie sind älter geworden.
R Claude Autant-Lara B Jean Aurenche, Pierre Bost, Claude Autant-Lara V Colette K Robert Lefebvre M René Cloërec A Max Douy S Madeleine Gug P Louis Wipf D Edwige Feuillère, Pierre-Michel Beck, Nicole Berger, Renée Devillers, Charles Dechamps | F | 106 min | 1:1,37 | sw | 20. Januar 1954
31.12.53
The Long, Long Trailer (Vincente Minnelli, 1953)
Villa mit 100 PS
Romantische Farce über ein frischvermähltes Paar, das sich (auf Pump – wie sonst?) einen (wirklich) sehr, sehr langen Wohnwagen zulegt, um an den wechselnden Arbeitsstätten des Gatten in immer demselben, gemütlichen Heim leben zu können. Lucille Ball und Desi Arnaz zuckeln mit ihrer exklusiven Blechbüchse durch das konsumistische Eisenhower-Amerika, und schon auf der Hochzeitsreise entartet die Plastik-Utopie einer Verbindung von Mobilität und Zuhausesein zum bonbonbunten Alptraum … Mit inszenatorischer Sicherheit verbindet Vincente Minnelli Satire und Slapstick zu einer freundlich-hysterischen Sitcom-Analyse des american way of life und seines motorisierten pursuit of happiness.
R Vincente Minnelli B Frances Goodrich, Albert Hackett V Clinton Twiss K Robert Surtees M Adolph Deutsch A Cedric Gibbons, Edward Carfagno S Ferris Webster P Pandro S. Berman D Lucille Ball, Desi Arnaz, Marjorie Main, Keenan Wynn, Gladys Hurlbut | USA | 103 min | 1:1,37 | f | 31. Dezember 1953
Romantische Farce über ein frischvermähltes Paar, das sich (auf Pump – wie sonst?) einen (wirklich) sehr, sehr langen Wohnwagen zulegt, um an den wechselnden Arbeitsstätten des Gatten in immer demselben, gemütlichen Heim leben zu können. Lucille Ball und Desi Arnaz zuckeln mit ihrer exklusiven Blechbüchse durch das konsumistische Eisenhower-Amerika, und schon auf der Hochzeitsreise entartet die Plastik-Utopie einer Verbindung von Mobilität und Zuhausesein zum bonbonbunten Alptraum … Mit inszenatorischer Sicherheit verbindet Vincente Minnelli Satire und Slapstick zu einer freundlich-hysterischen Sitcom-Analyse des american way of life und seines motorisierten pursuit of happiness.
R Vincente Minnelli B Frances Goodrich, Albert Hackett V Clinton Twiss K Robert Surtees M Adolph Deutsch A Cedric Gibbons, Edward Carfagno S Ferris Webster P Pandro S. Berman D Lucille Ball, Desi Arnaz, Marjorie Main, Keenan Wynn, Gladys Hurlbut | USA | 103 min | 1:1,37 | f | 31. Dezember 1953
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22.12.53
Königliche Hoheit (Harald Braun, 1953)
Es ist vielleicht kein Zufall, daß Thomas Mann preziöser Romanzweitling, der die delikate Liebesgeschichte zwischen dem gehemmten Regenten eines abgewirtschafteten deutschen Duodezstaates und der putzmunteren Tochter eines amerikanischen Multimillionärs erzählt, gerade zu jener Zeit für die Leinwand bearbeitet wird, da, wie es so schön heißt, aus Besatzern und Besiegten Freunde werden: »Königliche Hoheit« ist gleichsam filmisches Begleitprogramm zu Konrad Adenauers Politik der Westbindung. In der Romanze zwischen Prinz Klaus Heinrich (Dieter Borsche) und Imma Spoelmann (Ruth Leuwerik) spiegelt sich die Wunschbeziehung des ge- und zerschlagenen Deutschlands zu den erfolggekrönten Vereinigten Staaten von Amerika: Ruhm der Vergangenheit (Bankrott und Kultur) trifft Glanz der Zukunft (Geld und Zivilisation). Harald Brauns Adaption, von Werner Krien in idyllischem Gevacolor fotografiert, kreuzt scheinbar unbefangen Nostalgie mit Aktualität, mildert dabei die zeremonielle Ironie der Vorlage zugunsten einer spieluhrenhaften Heiterkeit; den symbolischen Modergeruch der Grimmburger Rosen überlagert von vorneherein der Duft der großen weiten Welt, der mit Ankunft der extravaganten Plutokraten bei den insolventen Erben eines schöneren Jahrhunderts Einzug hält. Kleinere Probleme, des Prinzen dickfälliges Repräsentationsgehabe, Immas gedankenloses Ungestüm, lösen sich wie von selbst, und zum guten Schluß wird das Märchen wahr: Alte Welt und neue Welt vereinen sich, in Hoheit und Liebe, zu einem strengen Glück.
R Harald Braun B Georg Hurdalek, Hans Hömberg, Erika Mann V Thomas Mann K Werner Krien M Mark Lothar A Walter Haag S Claus von Boro P Hans Abich D Dieter Borsche, Ruth Leuwerik, Lil Dagover, Paul Bildt, Rudolf Fernau, Mathias Wieman | BRD | 107 min | 1:1,37 | f | 22. Dezember 1953
# 871 | 30. Mai 2014
R Harald Braun B Georg Hurdalek, Hans Hömberg, Erika Mann V Thomas Mann K Werner Krien M Mark Lothar A Walter Haag S Claus von Boro P Hans Abich D Dieter Borsche, Ruth Leuwerik, Lil Dagover, Paul Bildt, Rudolf Fernau, Mathias Wieman | BRD | 107 min | 1:1,37 | f | 22. Dezember 1953
# 871 | 30. Mai 2014
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16.12.53
Madame de … (Max Ophüls, 1953)
Madame de … – Die Liebe ihres Lebens
Ein Dreieck im Paris der belle époque: eine flatterhafte Frau (Danielle Darrieux), ihr Mann – ein General (Charles Boyer), ihr Geliebter – ein Diplomat (Vittorio de Sica). Zwischen ihnen: ein Paar diamantene Ohrringe, die von Hand zu Hand, von Haus zu Haus wandern, mal geringgeschätzt, mal innigst geliebt, immer Indikator für den jeweils herrschenden Aggregatzustand der Gefühle. Unter Max Ophüls’ insistierend-zärtlichem Blick legt die schöne alte Zeit das duftige Spitzengewand ihrer operettigen Heiterkeit ab und enthüllt die verborgenen Härten des leichten Lebens. Eine rastlose Kamera (Christian Matras) quetscht sich in ausgeklügelten Bewegungen durch reichgeschmückte Dekors (Jean d’Eaubonne), nicht etwa um die Protagonisten in flagranti zu erwischen, sondern um die Geheimnisse ihrer nur scheinbar oberflächlichen Seelen zu erspüren, um ihre Fähigkeit zu echter Leidenschaft sichtbar zu machen. Das Ende dieses formvollendeten pas de trois öffnet die Schleusen der Melancholie – es ist zu wahr, um schön zu sein.
R Max Ophüls B Max Ophüls, Marcel Achard, Annette Wademant V Louise de Vilmorin K Christian Matras M Oscar Straus, Georges Van Parys A Jean d’Eaubonne S Borys Lewin P Ralph Baum D Charles Boyer, Danielle Darrieux, Vittorio de Sica, Jean Debucourt, Jean Galland | F & I | 105 min | 1:1,37 l sw | 16. Dezember 1953
Ein Dreieck im Paris der belle époque: eine flatterhafte Frau (Danielle Darrieux), ihr Mann – ein General (Charles Boyer), ihr Geliebter – ein Diplomat (Vittorio de Sica). Zwischen ihnen: ein Paar diamantene Ohrringe, die von Hand zu Hand, von Haus zu Haus wandern, mal geringgeschätzt, mal innigst geliebt, immer Indikator für den jeweils herrschenden Aggregatzustand der Gefühle. Unter Max Ophüls’ insistierend-zärtlichem Blick legt die schöne alte Zeit das duftige Spitzengewand ihrer operettigen Heiterkeit ab und enthüllt die verborgenen Härten des leichten Lebens. Eine rastlose Kamera (Christian Matras) quetscht sich in ausgeklügelten Bewegungen durch reichgeschmückte Dekors (Jean d’Eaubonne), nicht etwa um die Protagonisten in flagranti zu erwischen, sondern um die Geheimnisse ihrer nur scheinbar oberflächlichen Seelen zu erspüren, um ihre Fähigkeit zu echter Leidenschaft sichtbar zu machen. Das Ende dieses formvollendeten pas de trois öffnet die Schleusen der Melancholie – es ist zu wahr, um schön zu sein.
R Max Ophüls B Max Ophüls, Marcel Achard, Annette Wademant V Louise de Vilmorin K Christian Matras M Oscar Straus, Georges Van Parys A Jean d’Eaubonne S Borys Lewin P Ralph Baum D Charles Boyer, Danielle Darrieux, Vittorio de Sica, Jean Debucourt, Jean Galland | F & I | 105 min | 1:1,37 l sw | 16. Dezember 1953
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27.11.53
Ich und Du (Alfred Weidenmann, 1953)
Screwball-Schnulze, deren erstaunlich flotte Dialoge (Drehbuch: Herbert Reinecker) von Alfred Weidenmann kurzweilig in Szene gesetzt werden. Lilo Pulver als kesse Schallplattenverkäuferin, Hardy Krüger als adretter Mitarbeiter einer Fluggesellschaft: Die beiden pfeifen sich gegenseitig einen Schlager vor, verlieben sich darüber und heiraten; dann lernen sie sich kennen und lassen sich prompt wieder scheiden … Die Nachkriegszeit greift äußerlich nur mittelbar ins Geschehen ein, etwa in Form der allgemeinen Wohnungsknappheit, die das junge Paar auch nach der Trennung als Nachbarn in hellhörigen Nebenzimmern festhält; die innere Disposition der Protagonisten allerdings, die emotionale Sachlichkeit, die barsche Ungeduld in Gefühls- und Lebensfragen, gibt eine Ahnung von den (nicht nur) seelischen Verlusten, die diese Generation wenige Jahre zuvor erlitten hat. PS: Die Dramaturgie zeigt sich romantischer als die verbohrten Hauptfiguren und stiftet eine zweite (vielleicht bessere, eventuell verständnisvollere) Ehe.
R Alfred Weidenmann B Herbert Reinecker, Alfred Weidenmann V Christian Bock K Franz Weihmayr M Lothar Brühne S Erhard Hans Albrecht P F. A. Mainz, Willy Zeyn D Hardy Krüger, Liselotte Pulver, Lucie Mannheim, Claus Biederstaedt, Peer Schmidt | BRD | 94 min | 1:1,37 | sw | 27. November 1953
R Alfred Weidenmann B Herbert Reinecker, Alfred Weidenmann V Christian Bock K Franz Weihmayr M Lothar Brühne S Erhard Hans Albrecht P F. A. Mainz, Willy Zeyn D Hardy Krüger, Liselotte Pulver, Lucie Mannheim, Claus Biederstaedt, Peer Schmidt | BRD | 94 min | 1:1,37 | sw | 27. November 1953
24.11.53
Wenn der weiße Flieder wieder blüht (Hans Deppe, 1953)
»Wie im Land der Märchen werden wir ein Pärchen, / Wenn der weiße Flieder wieder blüht.« Willy (Willy Fritsch) ist Sänger ohne Erfolg. Ein brotloser Künstler. Seine Frau Therese (Magda Schneider) ist Schneiderin. Näht Tag und Nacht, um Geld zu verdienen. Willy und Therese lieben sich. Streiten sich. Trennen sich entnervt nach einem Jahr Ehe. Therese bleibt im Lande. Bekommt ein Kind. Willy geht in die Welt. Macht Karriere. 15 Jahre später. Tochter Evchen (Romy Schneider) ist eine junge Dame. Willy kehrt als gefeierter Star zurück in die Heimat. Begleitet von seiner spitzzüngig-treuen Managerin Ellen. Er kommt, als Therese endlich ihren gutmütig-treuen Freund Peter heiraten will … Hans Deppe arrangiert launig-musikalisch allerlei romantische Verwicklungen und Verwerfungen; in jenem Zeitraum, den die Handlung des Films elegant überspringt, müßten ein Weltkrieg, ein Völkermord, eine bedingungslose Kapitulation stattgefunden haben. Kein Wort davon. »Ich habe inzwischen so viel erlebt. Wenn ich dir das erzähle«, sagt Therese beim Wiedersehen am immerdeutschen Rhein. »Das mußt du mir erzählen«, sagt Willy, »aber nicht jetzt.« Nein, nicht jetzt. Und später auch nicht. Bemerkenswert ist indes weniger das Verschweigen, das Verdrängen, das Beiseiteschieben von (Lebens-)Geschichte, erstaunlich wirkt die Auflösung der Erzählung: Nicht das alte Paar findet zusammen, sondern zwei neue. Die (heilige) Familie wird nicht zwangsvereinigt; was nicht paßt, wird nicht passend gemacht. Es scheint möglich, aus Fehlern zu lernen. Irgendwie. Immerhin.
R Hans Deppe B Eberhard Keindorff, Johanna Sibelius K Kurt Schulz M Franz Doelle A Alfred Bütow, Ernst Schomer, Peter Schlewski S Walter Wischniewsky P Kurt Ulrich D Willy Fritsch, Magda Schneider, Paul Klinger, Romy Schneider, Hertha Feiler | BRD | 99 min | 1:1,37 | f | 24. November 1953
R Hans Deppe B Eberhard Keindorff, Johanna Sibelius K Kurt Schulz M Franz Doelle A Alfred Bütow, Ernst Schomer, Peter Schlewski S Walter Wischniewsky P Kurt Ulrich D Willy Fritsch, Magda Schneider, Paul Klinger, Romy Schneider, Hertha Feiler | BRD | 99 min | 1:1,37 | f | 24. November 1953
6.11.53
Weg ohne Umkehr (Victor Vicas, 1953)
Victor Vicas’ Drama einer (doppelten) weltanschaulichen Entfremdung beginnt im Mai 1945 mit dem Einmarsch der Roten Armee ins zerstörte Berlin. Mit beinahe neorealistischer Rauhheit wird die kurze, aber folgenreiche Begegnung des sowjetischen Offiziers Mischa (Ivan Desny) und des deutschen Mädchens Anna (Ruth Niehaus) geschildert; als sich die beiden sieben Jahre später wiedertreffen – er als Mitglied einer Industriekommission, sie als Sekretärin des Ostberliner MGB-Chefs (alarmierend: René Deltgen) –, entdecken sie sehr zögerlich ihre Liebe (wieder), um alsbald in einen Strudel aus Angst, Intrige und Mißtrauen zu geraten, der ihnen nur eine Ausflucht läßt … Auch »Weg ohne Umkehr« nutzt zur Darstellung des dramatischen Zeitgeschehens Elemente der Kolportage und malt (vor allem gegen Ende der Erzählung) expressive Bilder der zerklüfteten Trümmerlandschaften, doch ist es vielleicht die erzwungenermaßen kosmopolitische Biographie des Regisseurs (Vicas, als Sohn jüdischer Eltern in Moskau geboren, wuchs in Berlin auf, emigrierte zunächst nach Paris, floh später nach New York, arbeitete nach dem Kriegsdienst in der US-Armee als Dokumentarfilmer in Italien, Israel und Frankreich), die eine, in den Tagen des Kalten Krieges seltene, unideologische Abgewogenheit ermöglicht (oder geradezu bewirkt). Das zurückhaltend-sensible Spiel Desnys (eines weiteren »Weltbürgers«) trägt gleichermaßen zur sachlichen Emotionalität des Werks bei.
R Victor Vicas B Gerhard T. Buchholz, Victor Vicas V Gregory Klimow K Klaus von Rautenfeld M Hans-Martin Majewski A Alfred Bütow, Ernst Schomer S Ira Oberberg P Gerhard T. Buchholz, Stuart Schulberg D Ivan Desny, Ruth Niehaus, René Deltgen, Karl John, Lila Kedrova | BRD | 95 min | 1:1,37 | sw | 6. November 1953
R Victor Vicas B Gerhard T. Buchholz, Victor Vicas V Gregory Klimow K Klaus von Rautenfeld M Hans-Martin Majewski A Alfred Bütow, Ernst Schomer S Ira Oberberg P Gerhard T. Buchholz, Stuart Schulberg D Ivan Desny, Ruth Niehaus, René Deltgen, Karl John, Lila Kedrova | BRD | 95 min | 1:1,37 | sw | 6. November 1953
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4.11.53
How to Marry a Millionaire (Jean Negulesco, 1953)
Wie angelt man sich einen Millionär?
CinemaScope, so Billy Wilder, sei ideal, um das Leben eines Dackels zu verfilmen. Daß man auch Frauen (etwa Bacall, Monroe und Grable) sehr dekorativ ins breite Bild legen kann, beweist Jean Negulesco mit seiner schicken New Yorker comedy of manners über drei ambitionierte Mannequins (›Schatze‹, ›Pola‹ und ›Loco‹) auf der Jagd nach dem Krösus fürs Leben: »All my life ever since I was a little girl I’ve always had the same dream: To marry a zillionaire.« Die Lust, das ausladende Format attraktiv zu füllen, triumphiert konsequent über das Interesse, die Story prägnant zu erzählen – und so geht »How to Marry a Millionaire« zwar optisch sehr wirkungsvoll in die Breite (Kamera: Joseph MacDonald), lotet inhaltlich jedoch kaum in die Tiefe. PS: »I want to marry Rockefeller.« – »Which one?« – »I don't care.«
R Jean Negulesco B Nunnally Johnson V Zoe Akins, Dale Eunson, Katherine Albert K Joseph MacDonald M Cyril Mockridge A Leland Fuller, Lyle Wheeler S Louis R. Loeffler P Nunnally Johnson D Lauren Bacall, Marily Monroe, Betty Grable, Cameron Mitchell, William Powell | USA | 95 min | 1:2,35 | f | 4. November 1953
CinemaScope, so Billy Wilder, sei ideal, um das Leben eines Dackels zu verfilmen. Daß man auch Frauen (etwa Bacall, Monroe und Grable) sehr dekorativ ins breite Bild legen kann, beweist Jean Negulesco mit seiner schicken New Yorker comedy of manners über drei ambitionierte Mannequins (›Schatze‹, ›Pola‹ und ›Loco‹) auf der Jagd nach dem Krösus fürs Leben: »All my life ever since I was a little girl I’ve always had the same dream: To marry a zillionaire.« Die Lust, das ausladende Format attraktiv zu füllen, triumphiert konsequent über das Interesse, die Story prägnant zu erzählen – und so geht »How to Marry a Millionaire« zwar optisch sehr wirkungsvoll in die Breite (Kamera: Joseph MacDonald), lotet inhaltlich jedoch kaum in die Tiefe. PS: »I want to marry Rockefeller.« – »Which one?« – »I don't care.«
R Jean Negulesco B Nunnally Johnson V Zoe Akins, Dale Eunson, Katherine Albert K Joseph MacDonald M Cyril Mockridge A Leland Fuller, Lyle Wheeler S Louis R. Loeffler P Nunnally Johnson D Lauren Bacall, Marily Monroe, Betty Grable, Cameron Mitchell, William Powell | USA | 95 min | 1:2,35 | f | 4. November 1953
3.11.53
Tokyo monogatari (Yasujiro Ozu, 1953)
Die Reise nach Tokyo
Ein letzter Besuch –
Eltern und Kinder kennen
einander nicht mehr.
R Yasujiro Ozu B Kogo Noda, Yasujiro Ozu K Yuharu Atsuta M Kojun Saito A Tatsuo Hamada, Itsuo Takahashi S Yoshiyasu Hamamura P Takeshi Yamamoto D Chishu Ryu, Chieko Higashiyama, Setsuko Hara, Haruko Sugimura, So Yamamura | JP | 136 min | 1:1,37 | sw | 3. November 1953
Ein letzter Besuch –
Eltern und Kinder kennen
einander nicht mehr.
R Yasujiro Ozu B Kogo Noda, Yasujiro Ozu K Yuharu Atsuta M Kojun Saito A Tatsuo Hamada, Itsuo Takahashi S Yoshiyasu Hamamura P Takeshi Yamamoto D Chishu Ryu, Chieko Higashiyama, Setsuko Hara, Haruko Sugimura, So Yamamura | JP | 136 min | 1:1,37 | sw | 3. November 1953
2.11.53
The Man Between (Carol Reed, 1953)
Gefährlicher Urlaub
»Börlin is e stränsch, lardsch sitti. Sär ar männi riesns wei e jang görl kutt simpli vänisch fromm se striets.« (Aribert Wäscher als fetter, baskenbemützter Stasi-Scherge zu Claire Bloom in der Rolle einer abenteuerlustigen, britischen Unschuld.) Carol Reed wollte offenbar einen zweiten »The Third Man« in einer anderen Vier-Sektoren-Stadt drehen: Berlin statt Wien, James Mason statt Orson Welles, Hildegard Knef statt Alida Valli. Leider war Graham Greene nicht mit von der Partie – und so stehen lediglich ein paar Trümmer sehr dekorativ (Kamera: Desmond Dickinson) um ein ziemlich abgezehrtes Melodram (Buch: Harry Kurnitz) herum. Die trostlosen Impressionen aus der schneebedeckten Kapitale des Kalten Krieges sind immerhin stark genug, das Interesse an der – trotz einiger philosophistischer Dialoge gänzlich diesseitigen – Illustriertenstory um Menschenraub und Erpressung, politisch-moralischen Katzenjammer und systemübergreifende Liebe bis zum bitteren Ende wachzuhalten. »Are your feet cold?« – »Yes, and my hands are cold. Your heart is the coldest of all.«
R Carol Reed B Harry Kurnitz K Desmond Dickinson M John Addison A Andrej Andrejew S Bert Bates P Carol Reed D James Mason, Clair Bloom, Hildegard Knef, Aribert Wäscher, Ernst Schröder, Geoffrey Toone | UK | 100 min | 1:1,37 | sw | 2. November 1953
»Börlin is e stränsch, lardsch sitti. Sär ar männi riesns wei e jang görl kutt simpli vänisch fromm se striets.« (Aribert Wäscher als fetter, baskenbemützter Stasi-Scherge zu Claire Bloom in der Rolle einer abenteuerlustigen, britischen Unschuld.) Carol Reed wollte offenbar einen zweiten »The Third Man« in einer anderen Vier-Sektoren-Stadt drehen: Berlin statt Wien, James Mason statt Orson Welles, Hildegard Knef statt Alida Valli. Leider war Graham Greene nicht mit von der Partie – und so stehen lediglich ein paar Trümmer sehr dekorativ (Kamera: Desmond Dickinson) um ein ziemlich abgezehrtes Melodram (Buch: Harry Kurnitz) herum. Die trostlosen Impressionen aus der schneebedeckten Kapitale des Kalten Krieges sind immerhin stark genug, das Interesse an der – trotz einiger philosophistischer Dialoge gänzlich diesseitigen – Illustriertenstory um Menschenraub und Erpressung, politisch-moralischen Katzenjammer und systemübergreifende Liebe bis zum bitteren Ende wachzuhalten. »Are your feet cold?« – »Yes, and my hands are cold. Your heart is the coldest of all.«
R Carol Reed B Harry Kurnitz K Desmond Dickinson M John Addison A Andrej Andrejew S Bert Bates P Carol Reed D James Mason, Clair Bloom, Hildegard Knef, Aribert Wäscher, Ernst Schröder, Geoffrey Toone | UK | 100 min | 1:1,37 | sw | 2. November 1953
14.10.53
The Big Heat (Fritz Lang, 1953)
Heißes Eisen
Über dem Kamin von Mike Lagana hängt das Bild seiner Mutter. Streng beobachtet die alte Dame den Salon, der seinen gediegenen Luxus den üblen Geschäften des Hausherrn verdankt. »You couldn't find enough flowers around here to kill the smell«, sagt police sergeant Dave Bannion (Glenn Ford), der antritt, den Gangsterboß zu Fall zu bringen und, ausgehend vom Selbstmord eines unredlichen Kollegen, das Korruptionsgeflecht, mit dem Lagana die Stadt überzogen hat, zu zerschlagen. Erst ist es seine natürliche Integrität, die Bannion antreibt, die ihn auch Abmahnungen durch offensichtlich bestochene Vorgesetzte ignorieren läßt – aber spätestens, als seine Frau bei einem Bombenanschlag ums Leben kommt, wird der Kampf für Recht und Gesetz zum persönlichen Rachefeldzug … »The Big Heat« ist ein funktional erzählter film noir, ein straighter Polizeithriller ohne atmosphärische Schattenspiele. Alles liegt in monotonem Grau: das mittelständische Heim des Ermittlers und die üppigen Apartments der Mobster, die schmutzigen Westen der Vorteilsnehmer und der teure Nerz der Verbrecherbraut Debby (Gloria Grahame), einer Frau, die im Zwiespalt zwischen koketter toughness und melancholischer Empfindsamkeit als vielleicht menschlichste Gestalt durch Fritz Langs kalte Erzählung geht. (Ihre Ambivalenz findet eine genial-brutale Visualisierung, wenn eine Hälfte ihres Gesichtes durch eine Attacke des jähzornigen Killers Vince (Lee Marvin) entstellt wird.) Am Ende steht kein glanzvoller Triumph der Tugend über die Unmoral – zu viele Tote liegen auf dem Weg der Gerechtigkeit –, am Ende klingelt einfach nur das Telefon und ruft zum nächsten Einsatz gegen die Schlechtigkeit in der besten aller möglichen Welten.
R Fritz Lang B Sydney Boehm V William P. McGivern K Charles Lang M Henry Vars A Robert Peterson S Charles Nelson P Robert Arthur D Glenn Ford, Gloria Grahame, Jocelyn Brando, Lee Marvin, Alexander Scourby | USA | 90 min | 1:1,37 | sw | 14. Oktober 1953
Über dem Kamin von Mike Lagana hängt das Bild seiner Mutter. Streng beobachtet die alte Dame den Salon, der seinen gediegenen Luxus den üblen Geschäften des Hausherrn verdankt. »You couldn't find enough flowers around here to kill the smell«, sagt police sergeant Dave Bannion (Glenn Ford), der antritt, den Gangsterboß zu Fall zu bringen und, ausgehend vom Selbstmord eines unredlichen Kollegen, das Korruptionsgeflecht, mit dem Lagana die Stadt überzogen hat, zu zerschlagen. Erst ist es seine natürliche Integrität, die Bannion antreibt, die ihn auch Abmahnungen durch offensichtlich bestochene Vorgesetzte ignorieren läßt – aber spätestens, als seine Frau bei einem Bombenanschlag ums Leben kommt, wird der Kampf für Recht und Gesetz zum persönlichen Rachefeldzug … »The Big Heat« ist ein funktional erzählter film noir, ein straighter Polizeithriller ohne atmosphärische Schattenspiele. Alles liegt in monotonem Grau: das mittelständische Heim des Ermittlers und die üppigen Apartments der Mobster, die schmutzigen Westen der Vorteilsnehmer und der teure Nerz der Verbrecherbraut Debby (Gloria Grahame), einer Frau, die im Zwiespalt zwischen koketter toughness und melancholischer Empfindsamkeit als vielleicht menschlichste Gestalt durch Fritz Langs kalte Erzählung geht. (Ihre Ambivalenz findet eine genial-brutale Visualisierung, wenn eine Hälfte ihres Gesichtes durch eine Attacke des jähzornigen Killers Vince (Lee Marvin) entstellt wird.) Am Ende steht kein glanzvoller Triumph der Tugend über die Unmoral – zu viele Tote liegen auf dem Weg der Gerechtigkeit –, am Ende klingelt einfach nur das Telefon und ruft zum nächsten Einsatz gegen die Schlechtigkeit in der besten aller möglichen Welten.
R Fritz Lang B Sydney Boehm V William P. McGivern K Charles Lang M Henry Vars A Robert Peterson S Charles Nelson P Robert Arthur D Glenn Ford, Gloria Grahame, Jocelyn Brando, Lee Marvin, Alexander Scourby | USA | 90 min | 1:1,37 | sw | 14. Oktober 1953
25.9.53
Flucht ins Schilf (Kurt Steinwendner, 1953)
Ein Sonntag auf dem Lande: Im Schilfgürtel des Neusiedler Sees wird ein Toter gefunden. Es handelt sich um den örtlichen Postboten, der um eine größere Geldsendung erleichtert wurde. Wacker macht sich der Gendarm an die Aufklärung der Tat. Ein Verdächtiger ist schnell gefunden, doch die Verhältnisse liegen nicht so klar, wie zunächst vermutet. Die überschaubare dörfliche Gemeinschaft erweist sich als verworrenes Beziehungsgeflecht, das von dumpfen Abhängigkeiten, verborgenen Gemütsbewegungen und latenter Rohheit beherrscht wird. Kurt Steinwendner erzählt einen echten Heimatfilm, der die Stereotypen des Genres – den Wilderer, den Jäger und den Gastwirt, den verstockten Beamten, den dürftigen Tonangeber und die einfältige Gans – aus der Wirklichkeit eines abgelegenen Provinznestes destilliert. Die Kamera (Walter Partsch) fängt die archaische Atmosphäre des österreichisch-ungarischen Grenzlandes vital und realistisch ein, dennoch entsteht kein reines Tatsachen-Bild: Die plane Weite der pannonischen Ebene erinnert an die wilde Endlosigkeit der Prärie, das karge Straßendorf mit seinen staubigen Straßen läßt an gesetzlose Westernstädte denken, der flache, von wogendem Schilf umgebene See wird zum symbolischen und tatsächlichen Ort tödlicher Gefahr. Zigeunermusik breitet die Schwermut eines drückend heißen Sommertages über eine Welt der aggressiv-schwachen Männer und ihrer resolut-enttäuschten Frauen – und die Aufklärung des Verbrechens enthüllt einmal mehr die triste Banalität des Bösen.
R Kurt Steinwendner B Kurt Steinwendner, Werner Riemerschmid K Walter Partsch M Paul Kont S Irene Tomschik P Walter Robert Lach, Walter Hössig D Alexander Kerst, Kurt Jaggberg, Ilka Windisch, Gerhard Riedmann, Grita Pokorny | A | 91 min | 1:1,37 | sw | 25. September 1953
R Kurt Steinwendner B Kurt Steinwendner, Werner Riemerschmid K Walter Partsch M Paul Kont S Irene Tomschik P Walter Robert Lach, Walter Hössig D Alexander Kerst, Kurt Jaggberg, Ilka Windisch, Gerhard Riedmann, Grita Pokorny | A | 91 min | 1:1,37 | sw | 25. September 1953
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14.9.53
Gycklarnas afton (Ingmar Bergman, 1953)
Abend der Gaukler
»Empty spaces – what are we living for?« Ein schäbiger Wanderzirkus zieht unter bleiernem Himmel durch die graue schwedische Provinz. Verachtet nicht nur von den guten Bürgersleuten, sondern auch sich selbst ein Ekel, suchen die Artisten Auswege aus der Misere: Der spindeldürre weiße Clown findet Trost im Schnaps, seine verlebte Frau hängt ihr Herz an eine alte Bärendame, »Direktor« Alberti (kraftprotzig-kleinmütig: Åke Grönberg) bittet (vergeblich) um Unterschlupf bei seiner ehrbar gewordenen Exfrau, während seine Geliebte Anne (schlampig-explosiv: Harriet Andersson) sich einem (wie sich zeigen wird: eiskalten) Schmierenschauspieler an den Hals wirft. Ingmar Bergman entwirft ein Universum aus Sägemehl und Flitter als Gleichnis einer unbarmherzigen Welt, er verbindet poetischen Realismus und grimmigen Sarkasmus, erbärmliche Lustigkeit und ehrliche Sentimentalität zu einer expressiven Studie menschlicher (Selbst-)Demütigung. Am Schluß bezahlt die einzig unschuldige Kreatur für die allseitige Entwürdigung mit dem Leben. Erlösung bleibt aus, und der Zirkus zieht weiter: »The show must go on« – warum auch immer…
R Ingmar Bergman B Ingmar Bergman K Sven Nykvist, Hilding Bladh M Karl-Birger Blomdahl A Bibi Lindström S Carl-Olov Skeppstedt P Rune Waldekranz D Åke Grönberg, Harriet Andersson, Hasse Ekman, Anders Ek, Gunnar Björnstrand | S | 93 min | 1:1,37 | sw | 14. September 1953
»Empty spaces – what are we living for?« Ein schäbiger Wanderzirkus zieht unter bleiernem Himmel durch die graue schwedische Provinz. Verachtet nicht nur von den guten Bürgersleuten, sondern auch sich selbst ein Ekel, suchen die Artisten Auswege aus der Misere: Der spindeldürre weiße Clown findet Trost im Schnaps, seine verlebte Frau hängt ihr Herz an eine alte Bärendame, »Direktor« Alberti (kraftprotzig-kleinmütig: Åke Grönberg) bittet (vergeblich) um Unterschlupf bei seiner ehrbar gewordenen Exfrau, während seine Geliebte Anne (schlampig-explosiv: Harriet Andersson) sich einem (wie sich zeigen wird: eiskalten) Schmierenschauspieler an den Hals wirft. Ingmar Bergman entwirft ein Universum aus Sägemehl und Flitter als Gleichnis einer unbarmherzigen Welt, er verbindet poetischen Realismus und grimmigen Sarkasmus, erbärmliche Lustigkeit und ehrliche Sentimentalität zu einer expressiven Studie menschlicher (Selbst-)Demütigung. Am Schluß bezahlt die einzig unschuldige Kreatur für die allseitige Entwürdigung mit dem Leben. Erlösung bleibt aus, und der Zirkus zieht weiter: »The show must go on« – warum auch immer…
R Ingmar Bergman B Ingmar Bergman K Sven Nykvist, Hilding Bladh M Karl-Birger Blomdahl A Bibi Lindström S Carl-Olov Skeppstedt P Rune Waldekranz D Åke Grönberg, Harriet Andersson, Hasse Ekman, Anders Ek, Gunnar Björnstrand | S | 93 min | 1:1,37 | sw | 14. September 1953
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Zirkus
1.9.53
Hokuspokus (Kurt Hoffmann, 1953)
Ein Lustspiel über den Anschein und die Wahrheit, über Beweise und Vermutungen, über die Nähe von Zirkus und Justiz. Die Witwe eines erfolglosen Malers ist angeklagt, ihren Gatten ermordet zu haben. Sie lügt, sie verwickelt sich in Widersprüche, und wenn sie gar nicht mehr weiterweiß, fällt sie in Ohnmacht. Ihr Anwalt legt das Mandat nieder. Ein Unbekannter, der felsenfest von der Unschuld dieser Frau überzeugt ist, übernimmt ihre Verteidigung … Geschliffene Dialoge, prägnante Charakterzeichnungen, bühnenwirksame Verblüffungseffekte – Curt Goetz, Antispießbürger par excellence, Meister des deutschsprachigen Boulevards, schrieb mit »Hokuspokus« eine luftige Komödie voller Intelligenz und Esprit. Kurt Hoffmann verläßt sich ganz und gar auf die Zugkraft des Stücks und auf die kultivierten Hauptdarsteller (Goetz selbst und dessen Ehefrau Valérie von Martens); er inszeniert die elegant verspukte Mitternachtsatmosphäre des ersten Akts mit ebenso leichter Hand wie die folgende turbulente Verhandlung im Schwurgerichtsaal: »Ich habe einen Polizeibericht über Sie angefordert. Wollen Sie ihn hören?« – »Ist er gut?«
R Kurt Hoffmann B Curt Goetz V Curt Goetz K Richard Angst M Franz Grothe A Hermann Warm, Kurt Herlth S Fritz Stapenhorst P Hans Domnick D Curt Goetz, Valérie von Martens, Hans Nielsen, Ernst Waldow, Erich Ponto, Elisabeth Flickenschildt | BRD | 89 min | 1:1,37 | sw | 1. September 1953
# 815 | 19. Dezember 2013
R Kurt Hoffmann B Curt Goetz V Curt Goetz K Richard Angst M Franz Grothe A Hermann Warm, Kurt Herlth S Fritz Stapenhorst P Hans Domnick D Curt Goetz, Valérie von Martens, Hans Nielsen, Ernst Waldow, Erich Ponto, Elisabeth Flickenschildt | BRD | 89 min | 1:1,37 | sw | 1. September 1953
# 815 | 19. Dezember 2013
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