Ein Sonntag auf dem Lande: Im Schilfgürtel des Neusiedler Sees wird ein Toter gefunden. Es handelt sich um den örtlichen Postboten, der um eine größere Geldsendung erleichtert wurde. Wacker macht sich der Gendarm an die Aufklärung der Tat. Ein Verdächtiger ist schnell gefunden, doch die Verhältnisse liegen nicht so klar, wie zunächst vermutet. Die überschaubare dörfliche Gemeinschaft erweist sich als verworrenes Beziehungsgeflecht, das von dumpfen Abhängigkeiten, verborgenen Gemütsbewegungen und latenter Rohheit beherrscht wird. Kurt Steinwendner erzählt einen echten Heimatfilm, der die Stereotypen des Genres – den Wilderer, den Jäger und den Gastwirt, den verstockten Beamten, den dürftigen Tonangeber und die einfältige Gans – aus der Wirklichkeit eines abgelegenen Provinznestes destilliert. Die Kamera (Walter Partsch) fängt die archaische Atmosphäre des österreichisch-ungarischen Grenzlandes vital und realistisch ein, dennoch entsteht kein reines Tatsachen-Bild: Die plane Weite der pannonischen Ebene erinnert an die wilde Endlosigkeit der Prärie, das karge Straßendorf mit seinen staubigen Straßen läßt an gesetzlose Westernstädte denken, der flache, von wogendem Schilf umgebene See wird zum symbolischen und tatsächlichen Ort tödlicher Gefahr. Zigeunermusik breitet die Schwermut eines drückend heißen Sommertages über eine Welt der aggressiv-schwachen Männer und ihrer resolut-enttäuschten Frauen – und die Aufklärung des Verbrechens enthüllt einmal mehr die triste Banalität des Bösen.
R Kurt Steinwendner B Kurt Steinwendner, Werner Riemerschmid K Walter Partsch M Paul Kont S Irene Tomschik P Walter Robert Lach, Walter Hössig D Alexander Kerst, Kurt Jaggberg, Ilka Windisch, Gerhard Riedmann, Grita Pokorny | A | 91 min | 1:1,37 | sw | 25. September 1953
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25.9.53
6.2.52
Wienerinnen (Kurt Steinwendner, 1952)
(Schrei nach Liebe – Roman brennender Herzen)
Ein Episodenfilm. Vier Erzählungen – nicht über die üblichen Heroinen des »Wiener Films«, süßes Mädel oder resche Pratermizzi, hübsche Handschuhmacherin oder kokette Soubrette, sondern über vier Frauen »aus dem anderen Wien«: eine Ziegeleiarbeiterin, eine Puppenspielerin, ein Aktmodell, eine Prostituierte. Die erste verliebt sich unwissentlich in ihren Halbruder, die zweite verliert ihren Freund an eine laszive Konkurrentin, die dritte geht bei der Aufklärung eines Mordfalls fast selber zugrunde, die vierte träumt naiv von einem Neuanfang an der Seite eines Binnenschiffers – krause Geschichten von Begehren und Neid, von Schäbigkeit und Sehnsucht »nach reiner Liebe«. Doch im ungefügten formalen Neben- und Durcheinander von krasser expressionistischer Überzeichnung und schroffem Neoverismus, getrieben von den elektronischen Dissonanzen des Heliophons, bleiben alle vier Frauen verwirrte Kreaturen der Männer (und der Filmemacher), arme Seelen, die kaum Bewußtsein von sich selbst entwickeln (dürfen). Wenn auch die Figuren nur wenig mehr sind als trivial-soziale Schemen, so beweisen Regisseur Kurt Steinwendner und die Kameramänner Walter Partsch und Elio Carmiel doch gespannte Sensibilität für die Orte des Geschehens: einsame Straßen und öde Industriegebiete, Hafenkais und Friedhöfe, verrußte Wohnungen und zugige Bretterbuden, Silos und Fabriken erwachen – in der bedrückenden Finsternis der Nächte, in der milchigen Helligkeit der Tage – zu desillusioniert-melancholischem Leben.
R Kurt Steinwendner B Kurt Steinwendner K Walter Partsch, Elio Carniel M Paul Kont, Gerhard Bronner S Renate Knitschke P Ernest Müller D Elisabeth Stemberger, Edith Prager (= Edith Klinger), Helmi Mareich, Margit Herzog, Kurt Jaggberg, Karlheinz Böhm | A | 85 min | 1:1,37 | sw | 6. Februar 1952
Ein Episodenfilm. Vier Erzählungen – nicht über die üblichen Heroinen des »Wiener Films«, süßes Mädel oder resche Pratermizzi, hübsche Handschuhmacherin oder kokette Soubrette, sondern über vier Frauen »aus dem anderen Wien«: eine Ziegeleiarbeiterin, eine Puppenspielerin, ein Aktmodell, eine Prostituierte. Die erste verliebt sich unwissentlich in ihren Halbruder, die zweite verliert ihren Freund an eine laszive Konkurrentin, die dritte geht bei der Aufklärung eines Mordfalls fast selber zugrunde, die vierte träumt naiv von einem Neuanfang an der Seite eines Binnenschiffers – krause Geschichten von Begehren und Neid, von Schäbigkeit und Sehnsucht »nach reiner Liebe«. Doch im ungefügten formalen Neben- und Durcheinander von krasser expressionistischer Überzeichnung und schroffem Neoverismus, getrieben von den elektronischen Dissonanzen des Heliophons, bleiben alle vier Frauen verwirrte Kreaturen der Männer (und der Filmemacher), arme Seelen, die kaum Bewußtsein von sich selbst entwickeln (dürfen). Wenn auch die Figuren nur wenig mehr sind als trivial-soziale Schemen, so beweisen Regisseur Kurt Steinwendner und die Kameramänner Walter Partsch und Elio Carmiel doch gespannte Sensibilität für die Orte des Geschehens: einsame Straßen und öde Industriegebiete, Hafenkais und Friedhöfe, verrußte Wohnungen und zugige Bretterbuden, Silos und Fabriken erwachen – in der bedrückenden Finsternis der Nächte, in der milchigen Helligkeit der Tage – zu desillusioniert-melancholischem Leben.
R Kurt Steinwendner B Kurt Steinwendner K Walter Partsch, Elio Carniel M Paul Kont, Gerhard Bronner S Renate Knitschke P Ernest Müller D Elisabeth Stemberger, Edith Prager (= Edith Klinger), Helmi Mareich, Margit Herzog, Kurt Jaggberg, Karlheinz Böhm | A | 85 min | 1:1,37 | sw | 6. Februar 1952
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