Noch einmal inszeniert Kurt Hoffmann die Justizkomödie »Hokuspokus« von Curt Goetz, wobei er sich weniger geschmackssicher zeigt als bei seiner ersten Adaption 13 Jahre zuvor: Ein überflüssiger Prolog breitet Nebenumstände der zu verhandelnden Tat aus (wenn es denn überhaupt eine »Tat« gibt) und verzögert den Einstieg in die eigentliche Handlung; weder der gutbürgerlich-onkelhafte Heinz Rühmann noch die affektiert-neckische Liselotte Pulver treffen den weltläufigen Goetz-Ton. Hohen visuellen Reiz entfaltet indes das von Otto Pischinger entworfene Bühnenbild, das für Außen- und Innenszenen des Stücks eine gleichermaßen modernistisch-artifizielle Kulissenwelt schafft und das Lustspiel um hypothetische Tatsachen und tatsächliche Hypothesen stellenweise in eine schicke Rechtsgroteske verwandelt. Helmut Käutners verspielte Scribe-Verfilmung »Das Glas Wasser« (1960) oder die antiillusionistischen Ausstattungen zeitgenössischer Fernsehspiele mögen hier Pate gestanden haben.
R Kurt Hoffmann B Eberhard Keindorff, Johanna Sibelius V Curt Goetz K Richard Angst M Franz Grothe A Otto Pischinger S Dagmar Hirtz P Hans Domnick, Heinz Angermeyer D Heinz Rühmann, Liselotte Pulver, Fritz Tillmann, Richard Münch, Stefan Wigger | BRD | 100 min | 1:1,66 | f | 12. August 1966
# 816 | 19. Dezember 2013
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12.8.66
9.4.64
Die Tote von Beverly Hills (Michael Pfleghar, 1964)
»Tote sind auch nur Menschen.« Auf einem Hügel oberhalb von Los Angeles liegt eine junge Frau. Sie ist schön. Sie ist nackt. Sie wurde ermordet. Der Leichenfinder (Klausjürgen Wussow) und ein Detektiv (Wolfgang Neuss) gehen gemeinsam auf Mörderjagd. Aufschlüsse soll insbesondere das intime Tagebuch der Toten geben, das – im Gegensatz zum spröden Schwarzweiß der Krimi-Rahmenhandlung – als erotisch-verschnörkelter Lebensroman in Eastmancolor inszeniert ist: Lu (Heidelinde Weiss), als Halbwüchsige einem Wagner-Tenor verfallen, reifte, vom lüsternen Blick der Männer gleichermaßen verstört und erregt, zur koketten Nymphomanin, die einen schüchterne Seminaristen ebenso lässig um den Finger zu wickeln verstand wie einen betagten Altertumsforscher … Wollte sich Curt Goetz mit seinem (einzigen) Roman wohl vor allem einen (leicht onkelhaften) Jux auf schnulzige Bekenntnisliteratur und auf das Land seines (unfreiwilligen) Exils machen, liegt die Zielrichtung der Adaption restlos im Dunkeln: Michael Pfleghars überlange kalifornische Extravaganz wartet zwar mit einigen phantasmagorischen Show-Einfällen auf (ein Büro im luftigen Rohbau, eine mondäne Stehparty im Swimmingpool, Ausgrabungen mit dem Bulldozer), der (magere) filmische Witz beschränkt sich jedoch weitgehend auf Zeitraffer-Slapstick, Tricklinsen-Klimbim und furzkissenmäßige musikalische Kommentierung des Geschehens. Daß die Aufklärung des Verbrechens kaum interessiert, daß satirische Gesellschaftskritik nicht unbedingt auf der Agenda des eskapistischen Werks steht, mag zu verschmerzen sein, prekär erscheint allerdings die Ausstrahlung der Hauptdarstellerin, die bei allem Bemühen um sinnliche Fatalität eher an ein nett lächelndes ›Brigitte‹-Covergirl erinnert als an eine männerverhexende Lolita.
Die Tote von Beverly Hills | R Michael Pfleghar B Peter Laregh, Michael Pfleghar, Hansjürgen Pohland V Curt Goetz K Ernst Wild M Heinz Kiessling S Margot von Schlieffen P Hansjürgen Pohland D Heidelinde Weiss, Klausjürgen Wussow, Wolfgang Neuss, Ernst Fritz Fürbringer, Horst Frank | BRD | 110 min | 1:2,35 | sw & f | 9. April 1964
# 924 | 4. Dezember 2014
Die Tote von Beverly Hills | R Michael Pfleghar B Peter Laregh, Michael Pfleghar, Hansjürgen Pohland V Curt Goetz K Ernst Wild M Heinz Kiessling S Margot von Schlieffen P Hansjürgen Pohland D Heidelinde Weiss, Klausjürgen Wussow, Wolfgang Neuss, Ernst Fritz Fürbringer, Horst Frank | BRD | 110 min | 1:2,35 | sw & f | 9. April 1964
# 924 | 4. Dezember 2014
1.9.53
Hokuspokus (Kurt Hoffmann, 1953)
Ein Lustspiel über den Anschein und die Wahrheit, über Beweise und Vermutungen, über die Nähe von Zirkus und Justiz. Die Witwe eines erfolglosen Malers ist angeklagt, ihren Gatten ermordet zu haben. Sie lügt, sie verwickelt sich in Widersprüche, und wenn sie gar nicht mehr weiterweiß, fällt sie in Ohnmacht. Ihr Anwalt legt das Mandat nieder. Ein Unbekannter, der felsenfest von der Unschuld dieser Frau überzeugt ist, übernimmt ihre Verteidigung … Geschliffene Dialoge, prägnante Charakterzeichnungen, bühnenwirksame Verblüffungseffekte – Curt Goetz, Antispießbürger par excellence, Meister des deutschsprachigen Boulevards, schrieb mit »Hokuspokus« eine luftige Komödie voller Intelligenz und Esprit. Kurt Hoffmann verläßt sich ganz und gar auf die Zugkraft des Stücks und auf die kultivierten Hauptdarsteller (Goetz selbst und dessen Ehefrau Valérie von Martens); er inszeniert die elegant verspukte Mitternachtsatmosphäre des ersten Akts mit ebenso leichter Hand wie die folgende turbulente Verhandlung im Schwurgerichtsaal: »Ich habe einen Polizeibericht über Sie angefordert. Wollen Sie ihn hören?« – »Ist er gut?«
R Kurt Hoffmann B Curt Goetz V Curt Goetz K Richard Angst M Franz Grothe A Hermann Warm, Kurt Herlth S Fritz Stapenhorst P Hans Domnick D Curt Goetz, Valérie von Martens, Hans Nielsen, Ernst Waldow, Erich Ponto, Elisabeth Flickenschildt | BRD | 89 min | 1:1,37 | sw | 1. September 1953
# 815 | 19. Dezember 2013
R Kurt Hoffmann B Curt Goetz V Curt Goetz K Richard Angst M Franz Grothe A Hermann Warm, Kurt Herlth S Fritz Stapenhorst P Hans Domnick D Curt Goetz, Valérie von Martens, Hans Nielsen, Ernst Waldow, Erich Ponto, Elisabeth Flickenschildt | BRD | 89 min | 1:1,37 | sw | 1. September 1953
# 815 | 19. Dezember 2013
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