18.1.20

4. Dezember 1964: Une femme mariée (Jean-Luc Godard)

Eine verheiratete Frau

»Je ne sais pas.« (Hände finden zueinander.) ... Madame Bovary im Zeitalter des Nylons. Fragmente eines Film, gedreht in Paris im Jahr 1964: Teile von Körpern, Splitter von Gedanken, Anflüge von Empfindungen. Ein Ausschnitt aus dem Leben von Charlotte (Macha Méril): sie trifft sich mit ihrem Liebhaber (in dessen Wohnung), sie verbringt die Nacht mit ihrem Mann (zuhause), sie trifft sich mit ihrem Liebhaber (im Flughafenhotel); dazwischen: hektische Fluchtmanöver (Charlotte fühlt sich verfolgt), Schmökern in Magazinen (Charlotte mißt sich an Idealfiguren), ein Besuch beim Frauenarzt (Charlotte fragt nach der Verbindung von Liebe, Empfängnis und Vergnügen). Am Bespiel seiner (fremdgängerischen) Protagonistin reflektiert Jean-Luc Godard über Gedächtnisverlust, S(t)imulation und Fernsteuerung in der Konsumgesellschaft: Charlotte lebt (nur allzu gerne) in einer hermetisch-materialistischen Gegenwart der stilvollen Oberflächen, der systematischen Manipulation, der mentalen Gleichschaltung. Godards Ekel vor diesem Zustand offenbart sich in der gewagten Parallelisierung der von ihm konstatierten (Selbst-)Demontage des Individuums zugunsten vorfabrizierter Wunschbilder, Verhaltensmuster und Denkschablonen mit der Vernichtungslogik der Konzentrationslager. Ein Trost zum Schluß: Umdenken (Befreiung durch Verzicht) scheint immerhin möglich ... (Hände lösen sich voneinander.) »C’est fini.«

R Jean-Luc Godard B Jean-Luc Godard K Raoul Coutard M Ludwig van Beethoven, Claude Nougaro A Henri Nogaret S Agnès Guillemot, Françoise Collin P Philippe Dussart, Maurice Urbain D Macha Méril, Bernard Noël, Philippe Leroy, Roger Leenhardt, Rita Maiden | F | 96 min | 1:1,37 | sw | 4. Dezember 1964

# 1191 | 18. Januar 2020

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