16.12.64

Kiss Me, Stupid (Billy Wilder, 1964)

Küß mich, Dummkopf

»If you’ve got what it takes, sooner or later, somebody will take what you’ve got.« Seit Jahren schreiben Orville J. Spooner und Barney Milsap, Klavierlehrer und Tankstellenbesitzer in Climax, Nevada, unverdrossen einen Schlager nach dem anderen (mit so vielversprechenden Titeln wie »Pretzels in the Moonlight« oder »Two Coins in the Fountain«), ohne daß sich der erhoffte Erfolg einstellen würde. Als eines Tages der berühmte Entertainer Dino (ölig: Dean Martin) auf dem Weg von Las Vegas nach Hollywood in ihrem abgelegenen Wüstenkaff strandet, beschließen Komponist und Textdichter, die einmalige Chance zu nutzen und dem saufgierigen Weiberhelden einen ebenso anregenden wie einbringlichen Aufenthalt zu bereiten: Ein (herzensgutes) leichtes Mädchen (Kim Novak als ›Polly the Pistol‹) wird aus dem örtlichen Amüsierschuppen »Belly Bottom« (»Drop in and get lost!«) herbeigeschafft, eine (ziemlich weltkluge) Ehefrau aus dem Haus expediert, dann nimmt das erfolgsgierige songwriting team den durchreisenden Star in die erotisch-musikalische Zange: »If I’m all agitato, / Every heartstring vibrato.« Billy Wilder betrachtet seine männlichen Protagonisten mit illusionslosem Wohlwissen, während er den weiblichen Figuren eine Art biestiger Zärtlichkeit angedeihen läßt. Trotz oder gerade wegen der unausgewogenen (und bemerkenswert kaltschnäuzigen) Inszenierung entwirft diese in schmuddelig-grauen Panavision-Bildern ausgerollte Vulgärromanze über Hingabe und Eifersucht, diese ätzende Sozialstudie über Angebot und Nachfrage ein Menschenbild von ungeschminkter Ehrlichkeit: »Every look passionato, / Who but you made me so?«

R Billy Wilder B Billy Wilder, I. A. L. Diamond V Anna Bonacci K Joseph La Shelle M André Prévin, George Gershwin A Alexandre Trauner S Daniel Mandell P Billy Wilder D Dean Martin, Kim Novak, Ray Walston, Felicia Farr, Cliff Osmond | USA | 125 min | 1:2,35 | sw | 16. Dezember 1964

# 1078 | 11. Oktober 2017


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