30.4.43
I Walked with a Zombie (Jacques Tourneur, 1943)
»The characters and events depicted in this photoplay are fictional. Any similarity to actual persons, living, dead, or possessed, is purely coincidental.« Von den Schlägen der Voodootrommeln untermaltes, schauerromantisches Familiendrama um Vernunft und Irrationalität, Natur und Dämonen, Liebe und Betrug, Nacht und Wahnsinn: Die vitale Pflegerin Betsy (»I walked with a zombie … sounds strange to say.«) reist auf die westindische Zuckerinsel Saint Sebastian, um die somnambule Frau des unglücklich-reservierten Plantagenbesitzers Paul (»There is no beauty here, only death and decay.«) zu betreuen – und wird mitsamt ihrem scheinbar gesunden Menschenverstand in einen Abgrund von Zauber und Intrige gerissen. Val Lewtons und Jacques Tourneurs dämmrig-schwüler, sinnlich-übersinnlicher Hokuspokus – ein karibischer Trivial-Wiedergänger des Brontë-Romans »Jane Eyre« – beschwört indes nicht nur familiäre Gespenster, sondern läßt in geheimnisvollem Chiaroscuro zudem die Phantome der ins Unterbewußtsein verbannten Geschichte von Ausbeutung und Sklaverei aus dem Dunkel treten. Ta-tam, ta-tam, ta-ta-ta-ta-ta-tam …
R Jacques Tourneur B Curt Siodmak, Ardel Wray K J. Roy Hunt M Roy Webb A Albert S. D’Agostino S Mark Robson P Val Lewton D Tom Conway, Frances Dee, James Ellison, Edith Barrett, Christine Gordon | USA | 69 min | 1:1,37 | sw | 30. April 1943
26.3.43
Hangmen Also Die! (Fritz Lang, 1943)
»Heydrich been shot!« Schüsse auf den Schlächter oder: Ein Mörder wird ermordet. Fritz Lang und Bertolt Brecht, zwei deutsche Emigranten in Hollywood, nehmen das gelungene Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren und Chef des Reichssicherheitshauptamtes zum Anlaß, das Wirken zweier gegnerischer Kräfte zu beschreiben, der übermächtigen (vollkommen skrupellos agierenden) großdeutschen Geheimpolizei im besetzten Prag und der hochgradig gefährdeten (dabei allgegenwärtigen) tschechischen Untergrundbewegung. Waltet das eine System als straff durchorganisierter, krakenhafter Apparat, erscheint das andere als ebenso filigranes wie fest geknüpftes Netzwerk, das Stadt und Bevölkerung mycelartig durchdringt. Willkür, Folter und Terror der (verbrecherischen) Macht setzt der (freiheitliche) Widerstand (nicht nur) Ungehorsam, Sabotage und Idealismus entgegen. Eher raffiniert gebautes Spannungsdrama Langscher Prägung als didaktisches Lehrstück im Brechtschen Sinne, stellt »Hangmen Also Die!« bei aller propagandistischen Zustimmung für die Sache der Antifaschisten (»Die if you must, / for a cause that’s just. / But shout to the end: / ›No Surrender!‹«) auch die Frage, ob der (politische) Zweck tatsächlich alle (gewalttätigen) Mittel heilige.
R Fritz Lang B Fritz Lang, Bertolt Brecht, John Wexley K James Wong Howe M Hanns Eisler A William Darling S Gene Fowler Jr. P Fritz Lang, Arnold Pressburger D Brian Donlevy, Walter Brennan, Ann Lee, Gene Lockhart, Alexander Granach | USA | 134 min | 1:1,37 | sw | 26. März 1943
# 1105 | 23. April 2018
3.3.43
Münchhausen (Josef von Báky,1943)
R Josef von Báky B (ungenannt) Erich Kästner V Rudolf Erich Raspe, Gottfried August Bürger K Werner Krien, Konstantin Irmen-Tschet M Georg Haentzschel A Emil Hasler, Otto Gülstorff S Milo Harbich, Walter Wischniewsky P Eberhard Schmidt D Hans Albers, Brigitte Horney, Ilse Werner, Leo Slezak, Ferdinand Marian, Hermann Speelmans | D | 114 (134) min | 1:1,37 | f | 3. März 1943
# 1022 | 25. August 2016
12.1.43
Shadow of a Doubt (Alfred Hitchcock, 1943)
»I have a feeling that inside you there’s something nobody knows about ... something secret and wonderful. I’ll find it out«, sagt die junge Charlie (Teresa Wright) zu ihrem geliebten Onkel Charlie (Joseph Cotten). Sie hat recht, es gibt ein Geheimnis, aber es ist nicht wundervoll, und als sie es herausfindet, bricht ihre heile Welt zusammen ... Der attraktiv-sinistre Held von Alfred Hitchcocks beängstigend realistischem Familienthriller, das legt die Erzählung schnell klar, ist ein gesuchter Frauenmörder (der sich auf die – von Dimitri Tiomkin musikalisch variantenreich umschriebene – Strangulierung von »lustigen Witwen« spezialisiert hat). Auf der Flucht vor den Verfolgern, kriecht der mehrfache Killer im kalifornischen Heim seiner älteren Schwester unter. Die Newtons, Vater, Mutter und drei Kinder, average people from Everytown, heißen ihren Gast herzlich willkommen, doch Hitchcock zeigt den Besucher stets umwölkt von dichten Dampfschwaden – die von Zigarren aufsteigen, die aus dem Schornstein einer Lokomotive oder aus dem Auspuff eines Autos quillen –, womit er auf die teuflische Natur des charmanten Besuchers und auf die unweigerlich hereinbrechende Erkenntnis von der Existenz des Bösen verweist. »There’s so much you don’t know, so much«, sagt Onkel Charlie zur seiner Nichte, die sich ihm stets wie ein Zwilling verbunden fühlte. Am Schluß des mit ebenso viel emotionaler wie künstlerischer Intelligenz realisierten Films weiß die junge Charlie einiges mehr, ihre Jugend ist abrupt zu Ende gegangen, und mit dem coming of age (and knowledge) hat sie ihre (seelische) Unschuld verloren.
R Alfred Hitchcock B Thornton Wilder, Sally Benson, Alma Reville, Gordon McDonell K Joseph Valentine M Dimitri Tiomkin, Franz Lehár A John B. Goodman Ko Adrian, Vera West S Milton Carruth P Jack H. Skirball D Joseph Cotten, Teresa Wright, Macdonald Carey, Patricia Collinge, Henry Travers, Hume Cronyn | USA | 108 min | 1:1,37 | sw | 12. Januar 1943
# 1043 | 12. Januar 2017
25.12.42
Cat People (Jacques Tourneur, 1942)
Der horror flick als phantastisches Melodram: B-Movie-Produzent Val Lewton und Regisseur Jacques Tourneur entwerfen die Story über die in New York lebende sensitive Serbin Irina (Simone Simon), die aus einem verfluchten Geschlecht von Katzenmenschen (genauer gesagt: Katzenfrauen) zu stammen glaubt (oder: tatsächlich stammt?) und fürchtet, sich bei aufwallenden Gefühlen von Liebe, Eifersucht oder Zorn in ein tödliches Raubtier zu verwandeln, nicht als rummelplatzhaften Monstergrusel, sondern als imaginativ-psychologisches Spiel der Schatten und Andeutungen, des Begehrens und Verdrängens, der zwischenmenschlichen Zweifel und existenziellen Verstörung. Von Nicholas Musuraca in meisterhaft gestaltete, schwarz-romantische Bilder gesetzt, nähert sich das Unheimliche nicht als Gefahr von außen – es quillt unkontrollierbar aus dem Inneren hervor und verdüstert tragisch den Alltag. PS: Vincente Minnelli wird dem Genie von Lewton und Tourneur in einer Episode der Hollywood-Hommage »The Bad and the Beautiful« mit dem fiktiven Low-Budget-Streifen »Doom of the Cat Men« seine Reverenz erweisen.
R Jacques Tourneur B DeWitt Bodeen K Nicholas Musuraca M Roy Webb A Albert S. D’Agostino S Mark Robson P Val Lewton D Simone Simon, Kent Smith, Tom Conway, Jane Randolph, Jack Holt | USA | 73 min | 1:1,37 | sw | 25. Dezember 1942
5.12.42
Les visiteurs du soir (Marcel Carné, 1942)
»Démons et merveilles …« Südfrankreich, 1485: In der Gestalt fahrender Sänger ziehen zwei Diener des Teufels durchs Land, um Kummer und Zwietracht unter die Menschen zu bringen. Im provenzalischen Palast des Baron Hugues verdreht eine(r) der beiden Satansbraten (Arletty wechselt die Geschlechter so nonchalant wie die Gewänder) dem Schloßherrn sowie dessen künftigem Schwiegersohn die Köpfe, während sich der andere Spielmann (Alain Cuny) in des Adeligen schöne Tochter (Marie Déa) verliebt, der er doch nur schöne Augen machen sollte. Der Herr der Finsternis (Jules Berry kann lachen wie der Leibhaftige) sieht sich genötigt, in Persona zu erscheinen, um diese (allzu innige) gegenseitige Affektion zu unterbinden – doch die Liebe, sie währet immerdar, und das Herz der Liebenden, es schlägt, es schlägt, es schlägt … Marcel Carné und Jacques Prévert, le couple idéal des poetischen Realismus, zelebrieren die romantisch-diabolischen Aventüren mit feierlicher Emphase und souveräner Gestaltungskraft: »Les visiteurs du soir« spielt in einer einzigartig kostbaren (dabei ganz und gar nicht konfliktfreien) Welt, im reinen Weiß sonnenüberfluteter Tage, im unergründlichen Schwarz mondloser Nächte; Bilder (Roger Hubert) und Dekors (Alexandre Trauner) nähern sich der rätselhaft-klaren Ästhetik mittelalterlicher Buchmalerei, Préverts Dialoge und Chansons sprechen von der Unverlierbarkeit des Heils (auch und gerade im Angesicht des Bösen), Carnés Inszenierung zaubert Szenen für die filmische Ewigkeit. Ein magischer Glanzpunkt des französischen Kinos.
R Marcel Carné B Jacques Prévert, Pierre Laroche K Roger Hubert M Maurice Thiriet, Joseph Kosma A Alexandre Trauner, Georges Wakhévitch S Henri Rust P André Paulvé D Arletty, Marie Déa, Jules Berry, Fernand Ledoux, Alain Cuny | F | 120 min | 1:1,37 | sw | 5. Dezember 1942
26.11.42
Casablanca (Michael Curtiz, 1942)
Neben dem Marxschen Gesetz des Umschlagens von Quantität in Qualität gibt es auch das kinematographische Gesetz des Umschlagens von Lüge in Wahrheit. »Casablanca« ist so durch und durch falsch, so künstlich und konstruiert, so fern von sogenanntem Realismus, daß seine Authentizität kaum in Zweifel gezogen werden kann. Das Propaganda-Märchen vom zynisch-alkoholischen Gutmenschen Rick Blaine, der in einer verrückten Welt (Krieg, Nazis, Kollaboration, Widerstand, Sehnsucht, Liebe) den Überblick behält, persönliche Belange (= Ilsa Lund) souverän (aber ohne gefühllos zu sein) hintanstellt und Entscheidungen im Hinblick auf moralische und historische Notwendigkeiten trifft, funktioniert nicht nur als perfektes, hochemotionales Melodram, es ist ein (wenn nicht das) Destillat des Golden Age of Hollywood. Die Leistungen aller Beteiligten – angefangen beim Regisseur (Michael Curtiz) über die Stars (Humphrey Bogart und Ingrid Bergman), die Autoren (Epstein, Epstein & Koch) und den Komponisten (Max Steiner) bis hin zum bewegenden Stelldichein der Emigranten (Bois, Grüning, Henreid, Lorre, Szakall, Veidt – die Vertreter der »Echtheit« in diesem Film) – sind untadelig, aber erst der aus jeder Einstellung funkelnde genius of the system macht »Casablanca« zu einem der unsterblichen Sehnsuchtsorte des Kinos.
R Michael Curtiz B Julius J. Epstein, Philip G. Epstein, Howard Koch V Murray Burnett, Joan Alison K Arthur Edeson M Max Steiner A Carl Jules Weyl S Owen Marks P Hal B. Wallis D Humphrey Bogart, Ingrid Bergman, Paul Henreid, Claude Rains, Conrad Veidt | USA | 102 min | 1:1,37 | sw | 26. November 1942
6.11.42
Dr. Crippen an Bord (Erich Engels, 1942)
R Erich Engels B Kurt E. Walter, Erich Engels, Georg C. Klaren K Ernst Wilhelm Fiedler M Bernhard Eichhorn A Artur Günther, Willi Eplinius S Erich Palme P Alf Teichs D Rudolf Fernau, René Deltgen, Gertrud Meyen, O. E. Hasse, Paul Dahlke | D | 86 min | 1:1,37 | sw | 6. November 1942
# 915 | 6. November 2014
30.10.42
I Married a Witch (René Clair, 1942)
Meine Frau, die Hexe
»Ever hear of the decline and fall of the Roman Empire? That was our crowd.« Bestrickend (über)sinnliche und angenehm kurz(weilig)e screwball fantasy über eine sexy Hexe (Veronica Lake), die knapp 300 Jahre, nachdem sie und ihr dämonisch-versoffener Vater von dem linientreuen Neu-England-Puritaner Jonathan Wooley (Fredric March) auf den Scheiterhaufen geschickt wurden, aus dem Reich der (Un-)Toten ins irdische Leben zurückkehrt, wo sie Rache am Nachfahren des sittenstrengen Saubermanns, dem aufstrebenden Politiker Wallace Wooley (Fredric March), nehmen will. René Clair entfacht allerhand romantischen Budenzauber und nutzt die poetische Farce, um sich über moralische Scheinheiligkeit sowie die absurden Mechanismen der modernen Mediendemokratie lustig zu machen. (»I Married a Witch« erklärt ganz nebenbei, aber sehr plausibel, auf welch magische Weise in den Vereinigten Staaten (und wohl nicht nur dort) Wahlen gewonnen werden.) Wie es einer Komödie zukommt, finden sich zu guter Letzt Diesseits und Jenseits in kordialer Harmonie – denn: »Love is stronger than witchcraft.«
R René Clair B Robert Pirosh, Marc Connelly K Ted Tetzlaff M Roy Webb A Hans Dreier, Ernst Fetgé S Eda Warren P Preston Sturges, René Clair D Fredric March, Veronica Lake, Robert Benchley, Susan Hayward, Cecil Kellaway | USA | 77 min | 1:1,37 | sw | 30. Oktober 1942
8.10.42
Wir machen Musik (Helmut Käutner, 1942)
R Helmut Käutner B Helmut Käutner V Manfred Rössner, Erich Ebermayer K Jan Roth M Peter Igelhoff, Adolf Steimel A Max Mellin S Helmuth Schönnenbeck P Hans Tost D Viktor de Kowa, Ilse Werner, Grethe Weiser, Georg Thomalla, Edith Oss | D | 95 min | 1:1,37 | sw | 8. Oktober 1942
# 882 | 21. Juni 2014
3.9.42
Die goldene Stadt (Veit Harlan, 1942)
R Veit Harlan B Veit Harlan, Alfred Braun V Rudolf Billinger K Bruno Mondi M Hans-Otto Borgmann A Erich Zander, Karl Machus S Friedrich Karl von Puttkammer P Veit Harlan D Kristina Söderbaum, Paul Klinger, Kurt Meisel, Annie Rosar, Eugen Klöpfer | D | 110 min | 1:1,37 | f | 3. September 1942
9.7.42
The Magnificent Ambersons (Orson Welles, 1942)
Ein prachtvolles Sittenbild mag Orson Welles vorgeschwebt haben, Panorama der amerikanischen Gesellschaft zwischen Civil War und Erstem Weltkrieg, Epos von der Transformation einer Welt, in der Gewicht hat, wer jemand ist, zu einer Welt, in der zählt, wer etwas tut, angesiedelt in einer aufstrebenden Stadt des Mittleren Westens, arrangiert um eine unerfüllte Liebe: Isabel Amberson (Dolores Costello), hochnäsiger Sproß aus bester Familie, gibt ihrem Verehrer, dem linkischen Erfinder Eugene Morgan (Joseph Cotten), den Laufpaß, um einen seriösen Langweiliger zu heiraten. Während sich die vornehme Dame fortan der Verziehung ihres einzigen Sohnes (Tim Holt) zum blasierten Flegel widmet, konstruiert der begabte Ingenieur, ermutigt von seiner patenten Tochter (Anne Baxter), eine Benzinkutsche, deren serienmäßige Herstellung ein gewaltiger Geschäftserfolg wird ... Trotz beeindruckender Kulissen und zahlreicher photographischer Kabinettstücke gibt der Film – von Welles vor seiner Abreise zu Dreharbeiten nach Brasilien lediglich bis zum Rohschnitt ausgearbeitet, vom Studio RKO in Abwesenheit des Regisseurs radikal gekürzt und durch nachgedrehte Szenen teilweise sinnentstellt – nur einen Abglanz des Meisterwerks, das er hätte werden können. Der Erzählung mangelt es an Rhythmus und Atem, der Ton schwankt von ironisch zu elegisch zu hysterisch zu sentimentalisch, wodurch es schwerfällt, den Wegen der (fast durchweg unsympathischen) Figuren zu folgen, und der schicksalhafte Verfall der Ambersons kaum symbolische Kraft, sondern bestenfalls dekoratives Flair entfaltet.
R Orson Welles B Orson Welles V Booth Tarkington K Stanley Cortez M Bernard Herrmann A Albert S. D'Agostino S Robert Wise P Orson Welles D Joseph Cotten, Dolores Costello, Tim Holt, Anne Baxter, Agnes Moorehead | USA | 88 min | 1:1,37 | sw | 9. Juli 1942
# 1138 | 15. Dezember 2018
12.6.42
Die große Liebe (Rolf Hansen, 1942)
R Rolf Hansen B Peter Groll, Rolf Hansen, Alexander Lernet-Holenia K Franz Weihmayr M Michael Jary A Walter Haag S Anna Höllering P Walter Bolz D Zarah Leander, Viktor Staal, Paul Hörbiger, Grete Weiser, Wolfgang Preiss | D | 100 min | 1:1,37 | sw | 12. Juni 1942
22.4.42
Saboteur (Alfred Hitchcock, 1942)
In Kalifornien geht eine Flugzeugfabrik in Flammen auf. Der Rüstungsarbeiter Barry Kane (Robert Cummings) wird (fälschlich) der Sabotage bezichtigt. Um seine Unschuld zu beweisen, geht der Tatverdächtige auf die Jagd nach dem wahren Schuldigen und den Drahtzieher(inne)n des Verbrechens, eine Jagd, die ihn – zunächst gezwungenermaßen, dann aus freien Stücken von einer blonden Plakatschönheit (Priscilla Lane) begleitet – von Küste zu Küste quer durch die Vereinigten Staaten bis nach New York auf die Fackel der Freiheitsstatue führt ... Alfred Hitchcocks Grundthema liefert (in der Tradition von »The 39 Steps«) den Anlaß eines einfallsreichen, dialogwitzigigen Flucht- und Verfolgungsthrillers voller bizarrer Situationen und schillernder Figuren: Kane gerät in eine behagliche Waldhütte und eine Geisterstadt im Mittelwesten, in einen Ballsaal, der zur Falle wird, und ein Kino, wo gleichzeitig auf der Leinwand und im Saal geschossen wird, unterwegs begegnet er einem sehenden Blinden und streitbarem Zirkusvolk, verschlagenen Geldsäcken und korrupten Ordnungshütern. Natürlich betreibt »Saboteur« als filmischer Kriegsbeitrag (höchst unterhaltsame) Propaganda – für Demokratie und Anteilnahme, gegen Totalitarismus und Machtgier –, doch indem Hitchcock allseits geschätzte (Groß-)Bürger als gewissenlose Strippenzieher der fünften Kolonne enttarnt, sät er bleibende Zweifel an der freiheitlichen Verfaßtheit der amerikanischen Gesellschaft.
R Alfred Hitchcock B Peter Viertel, Joan Harrison, Dorothy Parker K Joseph Valentine M Frank Skinner A Jack Otterson S Otto Ludwig P Frank Lloyd D Robert Cummings, Priscilla Lane, Otto Kruger, Norman Lloyd, Alma Kruger | USA | 108 min | 1:1,37 | sw | 22. April 1942
# 1042 | 9. Januar 2017
6.3.42
To Be or Not to Be (Ernst Lubitsch, 1942)
»They named a brandy after Napoleon, they made a herring out of Bismarck, and the Führer is going to end up as a piece of cheese!« Warschau im Zweiten Weltkrieg – eine Theater-Truppe verhindert die geplante Eliminierung der polnischen Untergrundbewegung durch die deutschen Besatzer: Erstklassige Schmiere triumphiert über brutales Overacting. Ernst Lubitschs zauberhaft-kraftvollem Polit-Vaudeville »To Be or Not to Be« gelingt im Kino mit maliziöser Leichtigkeit, wofür in der Realität ein hoher Blutzoll verlangt wird: Hitler und die Nationalsozialisten an die Wand zu spielen. Das glamourös-eitle Bühnenkünstler-Ehepaar Maria und Josef Tura (ingeniös verkörpert von Screwball-Heroine Carole Lombard und Comedy-Star Jack Benny) sowie ihre kämpferischen Partner ridikülisieren nicht nur mit Grandezza das Wüten des Diktators (»just a man with a little mustache«) und seiner infam-törichten Schergen (Sig Ruman als mord(s)lustiger Gestapo-Chef ›Concentration Camp‹ Ehrhardt!), sie bezeugen auch eine von Felix Bressart alias ›Greenberg‹ formulierte ewige Wahrheit: »A laugh is nothing to be sneezed at.«
R Ernst Lubitsch B Edwin Justus Mayer K Rudolph Maté M Werner R. Heymann A Vincent Korda S Dorothy Spencer P Ernst Lubitsch D Carole Lombard, Jack Benny, Robert Stack, Felix Bressart, Sig Ruman | USA | 99 min | 1:1,37 | sw | 6. März 1942