R Peter Fleischmann K Klaus Müller-Laue S Peter Fleischmann P Hubert Schonger | BRD | 67 min | 1:1,37 | sw | 14. Oktober 1967
14.10.67
Herbst der Gammler (Peter Fleischmann, 1967)
»Seit wann gammeln Sie?«
– »Seit 14 Monaten.«
– »Und wie lange wollen Sie’s noch machen?«
– »Das weiß ich nicht. Das ist unbestimmt.« München, 1966. Peter Fleischmann und sein Kameramann Klaus Müller-Laue nähern sich mit forschender Zuneigung einer Gruppe jugendlicher Aussteiger: gemütliche Milchbärte, melancholische Langhaarige, schluffige Parkatypen, die partout keine Lust auf Erwerbsarbeit haben, lieber nachts unter Bäumen im Englischen Garten schlafen und vom Winter im Süden träumen, von einem warmen Plätzchen in Spanien oder in Istanbul. Für den ›Brisk‹-frisierten Bürger und seine ondulierte Gattin hört der Spaß genau an dieser Stelle auf. Denn gingen alle einer geregelten Tätigkeit nach, bräuchte man ja die ganzen Ausländer nicht – und überhaupt: »Die Gammler sind keine Menschen. Die könnte man notfalls auch vergasen.« Früher, ja, da habe es das alles nicht gegeben – ein »kleiner Führer« müßte wieder her, der das ganze Kroppzeug ins Lager sperrt. »Herbst der Gammler« breitet sein dokumentarisches Material eher unsortiert vor dem Betrachter aus, doch gerade die formale Sprödigkeit erlaubt eindringliche Blicke auf den ewigen Abscheu des Normalverbrauchers vor dem Systemverweigerer und auf die stolze (dabei auch ein wenig traurige) Renitenz all jener, die am Rande stehen oder sich bockbeinig selbst dort hinstellen.
R Peter Fleischmann K Klaus Müller-Laue S Peter Fleischmann P Hubert Schonger | BRD | 67 min | 1:1,37 | sw | 14. Oktober 1967
R Peter Fleischmann K Klaus Müller-Laue S Peter Fleischmann P Hubert Schonger | BRD | 67 min | 1:1,37 | sw | 14. Oktober 1967
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München
12.10.67
Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn (Rolf Olsen, 1967)
»Dieser Film ist ein Tatsachenbericht. Er schildert Begebenheiten der jüngsten Zeit.« Kiez-Reporter Danny Sonntag (Erik Schumann) auf der Spur einer brandheißen Story: Jungs aus gutem Hause (unter ihnen Fritz Wepper) versorgen bemittelte ältere Lustmolche mit Partyspaß und flotten Bienen, wobei die Mädchen unter Zuhilfenahme von selbstdestilliertem LSD gefügig gemacht werden, was wiederum nicht ohne gelegentliche (tödliche) Reibungsverluste abgeht. Väter und Söhne zwischen Elbchaussee und Großer Freiheit – in der Hamburger Gesellschaft bleiben das Verlangen in der Familie und der Generationenkonflikt eine Sache des Geschäfts … Rolf Olsen (der in einer markanten Nebenrolle als unsentimentaler Arzt im Hafenkrankenhaus auftritt) erzählt zügig und effizient, dabei streng pseudoauthentisch und vergnügt doppelmoralisch von netten Ganoven und eiskalten Rebellen, läßt Titten hüpfen und Messer blitzen wie ein gewiefter Boulevardjournalist, springt wendig aus dem Puff ins Polizeipräsidium, von der Luxusyacht auf den Schulhof, aus der Unternehmervilla ins Bumslokal. Die Männer in diesem herzlich-harten St.-Pauli-Nachtstück sind brutal oder geil oder sensibel (oder alles zusammen), die Frauen sind naiv oder berechnend oder willig (oder alles zusammen), und das Verbrechen ist die unvermeidliche Zivilisationskrankheit dieser besten aller käuflichen Welten, in der die wahren Monster niemals auf die Titelseite geknallt werden.
R Rolf Olsen B Rolf Olsen K Franz X. Lederle M Erwin Halletz A Günther Kob S Renate Willeg P Heinz Willeg D Erik Schumann, Fritz Wepper, Jürgen Draeger, Konrad Georg, Marianne Hoffmann | BRD | 98 min | 1:1,66 | f | 12. Oktober 1967
R Rolf Olsen B Rolf Olsen K Franz X. Lederle M Erwin Halletz A Günther Kob S Renate Willeg P Heinz Willeg D Erik Schumann, Fritz Wepper, Jürgen Draeger, Konrad Georg, Marianne Hoffmann | BRD | 98 min | 1:1,66 | f | 12. Oktober 1967
11.10.67
Oscar (Edouard Molinaro, 1967)
Oscar
»Je suis zinzin!« Ein Vormittag im Hause des Unternehmers Bertrand Barnier (Louis de Funès): Barniers minderjährige Tochter verkündet greinend, ein Kind von Barniers gefeuertem Chauffeur Oscar zu erwarten, der wiederum vor lauter Kummer über seine Entlassung zum Südpol aufgebrochen ist, Barniers Angestellter Martin verkündet fröhlich, seinem Chef (Barnier) 600.000 Francs gestohlen zu haben, um Barniers Tochter, die er zu ehelichen gedenkt, die aber gar nicht Barniers Tochter ist, ein angemessenes Leben bieten zu können, Barniers Dienstmädchen verkündet stolz ihre Kündigung, um den aristokratischen Verlobten der Tochter Barniers zu heiraten; drei Koffer kursieren, einer voller Banknoten, einer voller Diamanten, einer voller Damenwäsche; Barnier verliert immer wieder den Verstand, fegt immer wieder die Bruchstücke seiner selbst auf, setzt sich immer wieder neu zusammen. Längst ist der Irrsinn des bürgerlichen Lebens zur Normalität geworden, wenn es nicht sowieso immer schon so war. Star der subtilen Holzhammerkomödie ist, neben dem hochexplosiven Hausherrn, das von Georges Wakhévitch, in einer Art Markart-Stil des Nuklearzeitalters, entworfene Interieur: ein innenarchitektonischer Amoklauf zwischen Plüsch und Pop-Art, ein piranesieskes Luftschloß des modernistischen Barock, ein grellbunter Fiebertraum des bourgeoisen Futurismus. »Silence!«
R Edouard Molinaro B Jean Halain, Edouard Molinaro, Louis de Funès V Claude Magnier K Raymond Pierre Lemoigne M Georges Delerue A Georges Wakhéwitch S Monique Isnardon, Robert Isnardon P Alain Poiré D Louis de Funès, Claude Rich, Mario David, Claude Gensac, Dominique Page | F | 85 min | 1:2,35 | f | 11. Oktober 1967
»Je suis zinzin!« Ein Vormittag im Hause des Unternehmers Bertrand Barnier (Louis de Funès): Barniers minderjährige Tochter verkündet greinend, ein Kind von Barniers gefeuertem Chauffeur Oscar zu erwarten, der wiederum vor lauter Kummer über seine Entlassung zum Südpol aufgebrochen ist, Barniers Angestellter Martin verkündet fröhlich, seinem Chef (Barnier) 600.000 Francs gestohlen zu haben, um Barniers Tochter, die er zu ehelichen gedenkt, die aber gar nicht Barniers Tochter ist, ein angemessenes Leben bieten zu können, Barniers Dienstmädchen verkündet stolz ihre Kündigung, um den aristokratischen Verlobten der Tochter Barniers zu heiraten; drei Koffer kursieren, einer voller Banknoten, einer voller Diamanten, einer voller Damenwäsche; Barnier verliert immer wieder den Verstand, fegt immer wieder die Bruchstücke seiner selbst auf, setzt sich immer wieder neu zusammen. Längst ist der Irrsinn des bürgerlichen Lebens zur Normalität geworden, wenn es nicht sowieso immer schon so war. Star der subtilen Holzhammerkomödie ist, neben dem hochexplosiven Hausherrn, das von Georges Wakhévitch, in einer Art Markart-Stil des Nuklearzeitalters, entworfene Interieur: ein innenarchitektonischer Amoklauf zwischen Plüsch und Pop-Art, ein piranesieskes Luftschloß des modernistischen Barock, ein grellbunter Fiebertraum des bourgeoisen Futurismus. »Silence!«
R Edouard Molinaro B Jean Halain, Edouard Molinaro, Louis de Funès V Claude Magnier K Raymond Pierre Lemoigne M Georges Delerue A Georges Wakhéwitch S Monique Isnardon, Robert Isnardon P Alain Poiré D Louis de Funès, Claude Rich, Mario David, Claude Gensac, Dominique Page | F | 85 min | 1:2,35 | f | 11. Oktober 1967
9.10.67
Peppermint frappé (Carlos Saura, 1967)
Pfefferminz Frappé
Eine einfache Geschichte: Julián, alleinstehender Radiologe in einer zentralspanischen Provinzstadt, trifft seinen besten Freund aus Kindertagen wieder und verfällt dessen attraktiver junger Ehefrau, die in ihm Erinnerungen an eine vorzeiten beobachtete Karfreitagstrommlerin wachruft … Juliáns gespaltene Persönlichkeit – erzkatholischer Kulturbürger und heimlicher Erotomane – spielt die (beiden) Hauptrolle(n) in einem intimen Gesellschafts- und Beziehungsthriller, der Motive aus Buñuels Kriminalpersiflage »Ensayo de un crimen« und Hitchcocks surrealer Totenmesse »Vertigo« variiert. Der (Bieder-)Mann erscheint als Gefangener seiner Obsession, wird zwangsgesteuert von Gespenstern der Vergangenheit. Symbole dieser Besessenheit sind ein Paar falscher Wimpern und das penetrant oft ausgeschenkte altmodische Getränk, das dem Film seinen Titel gibt: giftgrüner Pfefferminzlikör auf gestoßenem Eis … »Yo voy soñando caminos de la tarde«, heißt es in einem mehrfach zitierten Gedicht von Juliáns Lieblingslyriker Antonio Machado: Träumend gehe ich Wege im Abend. Carlos Saura folgt diesen Wegen über Grate zwischen Geist und Fleisch, zwischen Vorstellung und Gier, sowie zwischen Tradition und Moderne, womit sich die Innenschau des doppelgesichtigen Röntgenarztes zum allegorischen Zeitbild weitet. Die Kameraarbeit kombiniert ruhiges Betrachten und erregte (Kreis-)Bewegungen; die Zerrissenheit des Helden spiegelt sich in den beiden von Geraldine Chaplin gespielten Frauenfiguren: die rasante (blonde) Elena verkörpert das (sich spöttisch entziehende) Ideal, in deren Persona peu à peu die unscheinbare (brünette) Ana gedrängt wird. Das Ende ist konsequent zweideutig: Der Eintritt des ersehnten Fetischs in die greifbare Wirklichkeit bedeutet ebenso sehr triumphale Befreiung wie Sieg der Knechtschaft. Keine einfache Geschichte.
R Carlos Saura B Carlos Saura, Rafael Azcona, Angelino Fons K Luis Cuadrano M Luis de Pablo A Emilio Sanz de Soto S Pablo G. del Amo P Elías Querjeta D Geraldine Chaplin, José Luis López Vázquez, Alfredo Mayo, Emiliano Redondo, Ana María Custodio | E | 92 min | 1:1,66 | f | 9. Oktober 1967
# 832 | 23. Januar 2014
Eine einfache Geschichte: Julián, alleinstehender Radiologe in einer zentralspanischen Provinzstadt, trifft seinen besten Freund aus Kindertagen wieder und verfällt dessen attraktiver junger Ehefrau, die in ihm Erinnerungen an eine vorzeiten beobachtete Karfreitagstrommlerin wachruft … Juliáns gespaltene Persönlichkeit – erzkatholischer Kulturbürger und heimlicher Erotomane – spielt die (beiden) Hauptrolle(n) in einem intimen Gesellschafts- und Beziehungsthriller, der Motive aus Buñuels Kriminalpersiflage »Ensayo de un crimen« und Hitchcocks surrealer Totenmesse »Vertigo« variiert. Der (Bieder-)Mann erscheint als Gefangener seiner Obsession, wird zwangsgesteuert von Gespenstern der Vergangenheit. Symbole dieser Besessenheit sind ein Paar falscher Wimpern und das penetrant oft ausgeschenkte altmodische Getränk, das dem Film seinen Titel gibt: giftgrüner Pfefferminzlikör auf gestoßenem Eis … »Yo voy soñando caminos de la tarde«, heißt es in einem mehrfach zitierten Gedicht von Juliáns Lieblingslyriker Antonio Machado: Träumend gehe ich Wege im Abend. Carlos Saura folgt diesen Wegen über Grate zwischen Geist und Fleisch, zwischen Vorstellung und Gier, sowie zwischen Tradition und Moderne, womit sich die Innenschau des doppelgesichtigen Röntgenarztes zum allegorischen Zeitbild weitet. Die Kameraarbeit kombiniert ruhiges Betrachten und erregte (Kreis-)Bewegungen; die Zerrissenheit des Helden spiegelt sich in den beiden von Geraldine Chaplin gespielten Frauenfiguren: die rasante (blonde) Elena verkörpert das (sich spöttisch entziehende) Ideal, in deren Persona peu à peu die unscheinbare (brünette) Ana gedrängt wird. Das Ende ist konsequent zweideutig: Der Eintritt des ersehnten Fetischs in die greifbare Wirklichkeit bedeutet ebenso sehr triumphale Befreiung wie Sieg der Knechtschaft. Keine einfache Geschichte.
R Carlos Saura B Carlos Saura, Rafael Azcona, Angelino Fons K Luis Cuadrano M Luis de Pablo A Emilio Sanz de Soto S Pablo G. del Amo P Elías Querjeta D Geraldine Chaplin, José Luis López Vázquez, Alfredo Mayo, Emiliano Redondo, Ana María Custodio | E | 92 min | 1:1,66 | f | 9. Oktober 1967
# 832 | 23. Januar 2014
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2.9.67
Muri shinju: Nihon no natsu (Nagisa Oshima, 1967)
Japanischer Sommer: Doppelselbstmord unter Zwang
1967 – Summer of Hate. Eine Achtzehnjährige, die mit allen Männern schlafen will, und ein Namenloser, der sich töten lassen möchte, geraten an eine Gruppe von Bewaffneten (Gangster? Terroristen?), die sich in einer schier endlosen Folge von Shootouts gegenseitig dezimieren, während die (wie ausgestorben daliegende) Stadt gleichzeitig von einem Heckenschützen heimgesucht wird... Weniger Action-Kino denn absurdes Theater, verbindet Nagisa Oshimas Film (in hochstilisierten Schwarzweiß-Bildern) systemkritische Ausbrüche von Haß und anarchisch-sexualisierte Gewaltphantasien zu einer apokalyptischen Amok-Farce, in der sich die gesellschaftlichen Erschütterungen der späten 1960er Jahre zerrspiegeln.
R Nagisa Oshima B Nagisa Oshima, Mamoru Sasaki, Takeshi Tamura K Yasuhiro Yoshioka M Hikaru Hayashi A Shigemasa Toda S Keiichi Uraoka P Masayuki Nakajima, Takuji Yamaguchi D Keiko Sakurai, Kei Sato, Rokko Toura, Shunsuke Mizoguchi, Bunya Ozawa | JP | 98 min | 1:2,35 | sw | 2. September 1967
1967 – Summer of Hate. Eine Achtzehnjährige, die mit allen Männern schlafen will, und ein Namenloser, der sich töten lassen möchte, geraten an eine Gruppe von Bewaffneten (Gangster? Terroristen?), die sich in einer schier endlosen Folge von Shootouts gegenseitig dezimieren, während die (wie ausgestorben daliegende) Stadt gleichzeitig von einem Heckenschützen heimgesucht wird... Weniger Action-Kino denn absurdes Theater, verbindet Nagisa Oshimas Film (in hochstilisierten Schwarzweiß-Bildern) systemkritische Ausbrüche von Haß und anarchisch-sexualisierte Gewaltphantasien zu einer apokalyptischen Amok-Farce, in der sich die gesellschaftlichen Erschütterungen der späten 1960er Jahre zerrspiegeln.
R Nagisa Oshima B Nagisa Oshima, Mamoru Sasaki, Takeshi Tamura K Yasuhiro Yoshioka M Hikaru Hayashi A Shigemasa Toda S Keiichi Uraoka P Masayuki Nakajima, Takuji Yamaguchi D Keiko Sakurai, Kei Sato, Rokko Toura, Shunsuke Mizoguchi, Bunya Ozawa | JP | 98 min | 1:2,35 | sw | 2. September 1967
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31.8.67
Heißes Pflaster Köln (Ernst Hofbauer, 1967)
»Man ist nicht sehr fein im ›Chicago am Rhein‹.« Köln – das bedeutet Dom und ›4711‹, Karneval und Millowitsch. Aber die Stadt hat auch eine andere Seite: Klingelpütz und Bandenkriege, gewerbsmäßige Unzucht und sittliche Verrohung. Da erweisen sich gutkatholische Hausväter als regelmäßige Bordellgänger, da peitschen Ganoven hohnlachend ihre Rivalen zu Tode, da wird ein rechtschaffener Staatsanwalt von Halunken terrorisiert, da foltern sadistische Teenagerinnen ein armes, altes Tantchen mit dem Toaster … Zentralfigur der kriminalistischen Milieustudie ist der proletenhafte Zuhälter Paul Keil (Arthur Brauss), der einerseits mit allen Mitteln die Verurteilung seines unter Mordanklage stehenden Bruders verhindern will, sich andererseits zugewanderter Konkurrenz erwehren muß: Der geleckte Wiener Strizzi Poldi (Walter Kohut) wirbt ohne jede Scheu Straßendirnen für einen neu errichteten Luxuspuff: »Hier ist alles exklusiv und exquisit.« Geschickt verknüpft Ernst Hofbauer seinen Zug durch die Kölner Unterwelt mit Seitenblicken auf gefallene Mädchen und feige Bürgersöhne, in triste Hinterhöfe und tiefe Ausschnitte. Herbert Fux, Klaus Löwitsch und der fette Eric Pohlmann machen gute Figur in markanten Nebenrollen; Hans Jura, dessen filmpreisgekrönte Kameraarbeit schon Will Trempers ironischem Westberliner Sittenbild »Die endlose Nacht« den authentischen Schliff gab, verleiht auch Hofbauers Sex-and-Crime-Reißer einen kühlen dokumentarischen Anstrich. Zwar bringt der Showdown (wie zu erwarten war) die (vermutlich nur vorübergehende) Wiederherstellung von Recht und Ordnung, doch ein illustriertenmoralischer Schlußkommentar fordert den Zuschauer auf, sich damit nicht zufrieden zu geben: »Könnten wir alle nicht mehr, als wir es tun, dazu beitragen, Auswüchse zu bekämpfen, Verbrechen zu verhindern?«
R Ernst Hofbauer B Claus Tinney, Ernst Hofbauer K Hans Jura M Claudius Alzner A Karl Schneider S Ilse Wilken P Karl Spiehs D Richard Münch, Arthur Brauss, Beate Hasenau, Klaus Löwitsch, Monika Zinnenberg, Doris Kunstmann | BRD | 90 min | 1:1,66 | sw | 31. August 1967
# 917 | 13. November 2014
R Ernst Hofbauer B Claus Tinney, Ernst Hofbauer K Hans Jura M Claudius Alzner A Karl Schneider S Ilse Wilken P Karl Spiehs D Richard Münch, Arthur Brauss, Beate Hasenau, Klaus Löwitsch, Monika Zinnenberg, Doris Kunstmann | BRD | 90 min | 1:1,66 | sw | 31. August 1967
# 917 | 13. November 2014
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30.8.67
Point Blank (John Boorman, 1967)
Point Blank
»I want my money.« Ein abstrakter Pop-Noir-Thriller über Verrat und Vergeltung. Walker (als loner ohne Vornamen: Lee Marvin) beteiligt sich an einem Raubüberfall (im aufgelassenen Gefängnis Alcatraz), wird nach dem Coup von seinem Partner um den Anteil betrogen, verliert die Frau und beinahe das Leben. Der Partner kauft sich mit der Beute in das alles beherrschende Syndikat ein. Walker kehrt zurück, um die ihm zustehenden 93.000 Dollar zu holen: »I want my money.« Unterstützt von einem interessierten Hintermann, rollt Walker auf seinem Rachefeldzug die »organization«, die »corporation«, die »financial structure« von unten nach oben auf: der Einzelne gegen das System (und dabei – bewußt oder unbewußt – integraler Bestandteil desselben) … John Boorman inszeniert einen Film der kalten Oberflächen, der fragmentierten Erinnerungen, der gestorbenen Gefühle, ein American nightmare zwischen emotionaler Versteinerung und explosionsartigen Gewaltausbrüchen: »I want my money.« Walker zieht wie ein Geist, rastlos und unverwundbar, durch ein modern-menschenfeindliches Los Angeles, durch coole Luxusapartments, psychedelische Nachtclubs, ausgetrocknete Betonkanäle, ein entschlossener Todesengel, der Betten und Telefone erschießt, Werkzeug und Katalysator der (Selbst-)Zerstörung: »Walker is beautiful«, wird einem Mitglied des Syndikats höhnisch beschieden, »he’s just tearing you apart.«
R John Boorman B Alexander Jacobs, David Newhouse, Rafe Newhouse V Richard Stark (= Donald E. Westlake) K Philip H. Lathrop M Johnny Mandel A Albert Brenner, George W. Davis S Henry Berman P Robert Chartoff, Judd Bernard, Irwin Winkler D Lee Marvin, Angie Dickinson, Keenan Wynn, John Vernon, Lloyd Bochner | USA | 92 min | 1:2,35 | f | 30. August 1967
# 964 | 10. Juli 2015
»I want my money.« Ein abstrakter Pop-Noir-Thriller über Verrat und Vergeltung. Walker (als loner ohne Vornamen: Lee Marvin) beteiligt sich an einem Raubüberfall (im aufgelassenen Gefängnis Alcatraz), wird nach dem Coup von seinem Partner um den Anteil betrogen, verliert die Frau und beinahe das Leben. Der Partner kauft sich mit der Beute in das alles beherrschende Syndikat ein. Walker kehrt zurück, um die ihm zustehenden 93.000 Dollar zu holen: »I want my money.« Unterstützt von einem interessierten Hintermann, rollt Walker auf seinem Rachefeldzug die »organization«, die »corporation«, die »financial structure« von unten nach oben auf: der Einzelne gegen das System (und dabei – bewußt oder unbewußt – integraler Bestandteil desselben) … John Boorman inszeniert einen Film der kalten Oberflächen, der fragmentierten Erinnerungen, der gestorbenen Gefühle, ein American nightmare zwischen emotionaler Versteinerung und explosionsartigen Gewaltausbrüchen: »I want my money.« Walker zieht wie ein Geist, rastlos und unverwundbar, durch ein modern-menschenfeindliches Los Angeles, durch coole Luxusapartments, psychedelische Nachtclubs, ausgetrocknete Betonkanäle, ein entschlossener Todesengel, der Betten und Telefone erschießt, Werkzeug und Katalysator der (Selbst-)Zerstörung: »Walker is beautiful«, wird einem Mitglied des Syndikats höhnisch beschieden, »he’s just tearing you apart.«
R John Boorman B Alexander Jacobs, David Newhouse, Rafe Newhouse V Richard Stark (= Donald E. Westlake) K Philip H. Lathrop M Johnny Mandel A Albert Brenner, George W. Davis S Henry Berman P Robert Chartoff, Judd Bernard, Irwin Winkler D Lee Marvin, Angie Dickinson, Keenan Wynn, John Vernon, Lloyd Bochner | USA | 92 min | 1:2,35 | f | 30. August 1967
# 964 | 10. Juli 2015
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11.8.67
Der Mönch mit der Peitsche (Alfred Vohrer, 1967)
Der »Mönch« des Titels sieht aus wie ein spanischer Spitzhaubenbüßer in blutroter Kutte; mit ihrer weißen Peitsche würgt die fotogene Spukgestalt diverse Opfer zu Tode. Andere Figuren dieser Edgar-Wallace-Scharteke sterben durch ein gasförmiges Gift, das den Betroffenen entweder direkt ins überraschte Gesicht geblasen wird oder aber unerwartet aus einem Gebetsbuch aufsteigt. So enthusiastisch er in ausgeklügelten Meucheltechniken und schreienden Farben (Kamera: Karl Löb) schwelgt, so virtuos er ein neogotisches Mädchenpensionat und ein modernes Hallenbad oder eine pompöse Villenruine und ein unterirdisches Aquarium samt Krokodilhalle zu surrealen Architekturbastarden verkreuzt, so energisch treibt Alfred Vohrer die Akteure – neben den üblichen Verdächtigen (Fuchsberger und Schürenberg, Glas und Böttcher) auch Tilly Lauenstein (als Heimleiterin mit verborgenen Talenten) und Günter Meisner (als diskreter Chauffeur des Todes) – durch die (geläufig-abstruse Erbschafts-)Fabel bis zur (lachhaften Kaninchen-aus-dem-Zylinder-)Auflösung. Style over substance? Eher chic without content. Mit anderen Worten: bloody charming.
R Alfred Vohrer B Axel Berg (= Herbert Reinecker) V Edgar Wallace K Karl Löb M Martin Böttcher A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Uschi Glas, Tilly Lauenstein, Konrad Georg, Siegfried Schürenberg | BRD | 88 min | 1:1,66 | f | 11. August 1967
R Alfred Vohrer B Axel Berg (= Herbert Reinecker) V Edgar Wallace K Karl Löb M Martin Böttcher A Wilhelm Vorwerg, Walter Kutz S Jutta Hering P Horst Wendlandt D Joachim Fuchsberger, Uschi Glas, Tilly Lauenstein, Konrad Georg, Siegfried Schürenberg | BRD | 88 min | 1:1,66 | f | 11. August 1967
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10.8.67
Mister Dynamit – Morgen küßt Euch der Tod (Franz Josef Gottlieb, 1967)
»Stirb langsam, du hast mehr davon.« Bob Urban (Lex Barker), der »beste Mann des BND« (und ein hochbegabter Bauchredner), leistet der überforderten CIA Amtshilfe bei der Jagd auf einen infamen Erpresser, der die Regierung der Vereinigten Staaten mittels einer entwendeten Atombombe um eine Milliarde Dollar erleichtern will … Franz Josef Gottliebs launig-quatschiger Beitrag zum Eurospy-Genre ist der einzige Leinwandauftritt des langlebigen Pabel-Pulp-Protagonisten »Mister Dynamit« (dessen Schöpfer Karl-Heinz Günther auch den New Yorker Privatdetektiv »Kommissar X« erfand): Zu Armando Trovajolis prickelnden Easy-Listening-Klängen kämpft sich der bundesdeutsche Nachrichtendienstler durch allerlei gefahrvolle Abenteuer (und ein paar Schlafzimmer), um den Plan des öligen Erzschurken Bardo Baretti (Amedeo Nazzari), eines Exzentrikers, der leidenschaftlich gerne mit seiner Modelleisenbahn spielt und sich bisweilen in einen Perserteppich einrollt, zu vereiteln. Gottlieb dekliniert mit kindlicher Freude (und eingeschränkten Mitteln) die bekannten Motive des Agententhrillers Bond’scher Prägung durch: exotische Schauplätze und geschmackvolle Brutalität, fiese Schergen und widerspenstig-willige Frauen. Sogar ein veritables »Q«-Äquivalent tritt auf: Professor Strahlmann (Eddi Arent) stattet den Helden der westlichen Welt mit Nebelpillen, Minibandgerät, Tauchnuß und einem Schlauchboot im Aktenkoffer aus.
R Franz Josef Gottlieb B Franz Josef Gottlieb V C. H. Guenter (= Karl-Heinz Günther) K Siegfried Hold M Armando Trovajoli A Juan Alberto Soler S Gisa Radicilevi P Theo Maria Werner D Lex Barker, Amedeo Nazzari, Maria Perschy, Ullrich Haupt, Siegfried Rauch, Eddi Arent | BRD & E & I | 111 min | 1:1,66 | f | 10. August 1967
# 926 | 28. Dezember 2014
R Franz Josef Gottlieb B Franz Josef Gottlieb V C. H. Guenter (= Karl-Heinz Günther) K Siegfried Hold M Armando Trovajoli A Juan Alberto Soler S Gisa Radicilevi P Theo Maria Werner D Lex Barker, Amedeo Nazzari, Maria Perschy, Ullrich Haupt, Siegfried Rauch, Eddi Arent | BRD & E & I | 111 min | 1:1,66 | f | 10. August 1967
# 926 | 28. Dezember 2014
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3.8.67
La chinoise (Jean-Luc Godard, 1967)
Die Chinesin
Ein Jahr vor 1968 nimmt Jean-Luc Godard in einem spröden Lehrstück Hoffnungen, Verzettelung und Scheitern der Revolte vorweg. Auf der Bühne eines gutbürgerlichen Pariser Appartements führt eine Clique von fünf Akteuren (neben Jean-Pierre Léaud und Juliette Berto auch Anne Wiazemsky, die zweite Mme Godard) das ewige Theater der Linken auf: ihr weltfernes Theoretisieren, ihre nervtötende Besserwisserei, ihre selbstzerstörerischen Fraktionsbildungen, ihren nonchalanten Umgang mit anderer Leute Leben, ihr uneinsichtiges Selbstmitleid am Morgen nach dem historischen Fehlschlag. »La chinoise«: ein prophetisches Zeitdokument.
R Jean-Luc Godard B Jean-Luc Godard K Raoul Coutard S Agnès Guillemot, Delphine Desfons P Philippe Dussart D Anne Wiazemsky, Jean-Pierre Léaud, Juliette Berto, Michel Semeniako, Lex de Bruijn | F | 96 min | 1:1,37 | f | 3. August 1967
Ein Jahr vor 1968 nimmt Jean-Luc Godard in einem spröden Lehrstück Hoffnungen, Verzettelung und Scheitern der Revolte vorweg. Auf der Bühne eines gutbürgerlichen Pariser Appartements führt eine Clique von fünf Akteuren (neben Jean-Pierre Léaud und Juliette Berto auch Anne Wiazemsky, die zweite Mme Godard) das ewige Theater der Linken auf: ihr weltfernes Theoretisieren, ihre nervtötende Besserwisserei, ihre selbstzerstörerischen Fraktionsbildungen, ihren nonchalanten Umgang mit anderer Leute Leben, ihr uneinsichtiges Selbstmitleid am Morgen nach dem historischen Fehlschlag. »La chinoise«: ein prophetisches Zeitdokument.
R Jean-Luc Godard B Jean-Luc Godard K Raoul Coutard S Agnès Guillemot, Delphine Desfons P Philippe Dussart D Anne Wiazemsky, Jean-Pierre Léaud, Juliette Berto, Michel Semeniako, Lex de Bruijn | F | 96 min | 1:1,37 | f | 3. August 1967
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14.7.67
Tätowierung (Johannes Schaaf, 1967)
»Glaub’ mir, ich verstehe dich.« Westberlin, Mitte der 1960er Jahre. Herr und Frau Lohmann, kinderlose Besitzer einer traditionsreichen Mosaikfabrik (die sich wie ein wilhelminisches Spukschloß direkt an der Mauer erhebt), adoptieren den 16jährigen Fürsorgezögling Benno (Christof Wackernagel); zusammen mit Frau Lohmanns Nichte Gaby (Helga Anders), die dem Ehepaar in der Firma zur Hand geht, bilden sie fortan eine Patchworkfamilie avant la lettre. Der kommende gesellschaftliche Umbruch ist, ohne sich zunächst noch, in Worten oder Handlungen, konkret zu artikulieren oder zu manifestieren, latent spürbar: in der bald bockbeinigen, bald aufreizenden Verweigerungshaltung der Nachwachsenden gegen das repressive Wohlwollen und die penetrante Nachsicht der Älteren. »Du mußt nichts erzählen, wenn du nicht willst«, sagt der joviale Lohmann und erwartet nichts anderes als Anpassung und Einordnung seines Mündels in bestehende Muster. Benno aber sucht Abstand und Auslauf; Wackernagel (der einige Jahre später Mitglied der Rote Armee Fraktion werden wird) spielt den so energiegeladenen wie ziellosen Jugendlichen mit einem flunschmündigen Trotz, der nur aufbricht, wenn das frisierte Moped knattert, oder wenn die Leuchtraketen der Grenzer über dem Mauerstreifen aufsteigen, oder wenn ein blutiger Italowestern über die Leinwand des Autokinos flimmert. Johannes Schaaf zeigt – mit der passenden visuellen und musikalischen Erregung –, daß Menschen nicht zu Rebellen werden, sondern zu Rebellen gemacht werden: Die gutbürgerliche Nachsicht, die ihn tragen und formen will, treibt den desorientierten Benno zielsicher in die Verzweiflung und, an einem kirschblühenden, goetheversgeschwängerten Frühlingstag, zur radikalen Befreiungstat: »Macht kaputt, was euch kaputt macht.«
R Johannes Schaaf B Günter Herburger, Johannes Schaaf K Wolf Wirth M George Gruntz A Götz Heymann S Dagmar Hirtz P Rob Houwer D Christof Wackernagel, Helga Anders, Alexander May, Rosemarie Fendel, Heinz Meier | BRD | 86 min | 1:1,66 | f | 14. Juli 1967
# 965 | 1. August 2015
R Johannes Schaaf B Günter Herburger, Johannes Schaaf K Wolf Wirth M George Gruntz A Götz Heymann S Dagmar Hirtz P Rob Houwer D Christof Wackernagel, Helga Anders, Alexander May, Rosemarie Fendel, Heinz Meier | BRD | 86 min | 1:1,66 | f | 14. Juli 1967
# 965 | 1. August 2015
29.6.67
Alle Jahre wieder (Ulrich Schamoni, 1967)
»Entweder regnet’s hier, oder die Glocken läuten, oder es wird mal wieder ’ne Kneipe eröffnet.« ›Hier‹, das ist Münster, wohin alljährlich zu Weihnachten Hannes Lücke (Hans Dieter Schwarze) zurückkehrt, der schon seit Jahren als erfolgreicher Werbetexter in Frankfurt lebt, um mit Frau Lore (Ulla Jacobsson) und Kindern die Feiertage zu verbringen – und um sich im Kreise alter Saufkumpane einen (oder zwei oder drei) hinter die Binde zu gießen. Erstmals kommt Hannes nicht allein, sondern in Begleitung seiner jungen Freundin Inge (Sabine Sinjen); ihre hellhörig-kritische Außenseiterperspektive auf Sitten und Bräuche der westfälischen Kapitale machen sich auch die Erzähler zu eigen, die gleichwohl über eine intime Kennerschaft des geschilderten Milieus verfügen: Ulrich Schamoni (Regie) und Michael Lentz (Buch) wuchsen in Münster auf, sind der Stadt und ihren Bewohnern in zärtlich-bissiger Haßliebe verbunden. »Alle Jahre wieder« beschreibt, in scheinbar beiläufigen Beobachtungen, eine Gesellschaft, deren moralische Normen und überkommene Etiketteregeln nur mehr als historische Fassade aufrecht erhalten werden, zugleich zeichnet der Film das ironisch-trostlose Bild einer arrivierten und doch verlorenen (Männer-)Generation. »Wir sind vierzig geworden« lautet der Titel eines melancholischen Gedichts, das einer von Hannes’ Zechbrüdern vorträgt: »Ihr habt recht, wenn ihr denkt / der Rest unserer Träume / schmücke die Weihnachtsbäume. / Ja, alle Hoffnungen trügen. / Warum sollen wir lügen?« Die antibürgerlichen Sehnsüchte der ehemaligen Flakhelfer, aus denen Notare oder Bauunternehmer oder Steuerberater wurden (sie erinnern trotz ihrer gehobenen sozialen Stellung an Fellinis desorientierte »Vitelloni«), ertrinken im ritualisierten Rausch. »Jetzt singen sie wieder«, spottet eine ernüchterte Ehefrau, »da kann’s nicht mehr lange dauern.« Ein Jahr später wird in Berlin das Springer-Hochhaus brennen. In Münster bleibt es weitgehend ruhig.
R Ulrich Schamoni B Michael Lentz, Ulrich Schamoni K Wolfgang Treu M Hans Posegga S Heidi Genée P Peter Schamoni D Hans Dieter Schwarze, Sabine Sinjen, Ulla Jacobsson, Johannes Schaaf, Hans Posegga | BRD | 91 min | 1:1,66 | sw | 29. Juni 1967
R Ulrich Schamoni B Michael Lentz, Ulrich Schamoni K Wolfgang Treu M Hans Posegga S Heidi Genée P Peter Schamoni D Hans Dieter Schwarze, Sabine Sinjen, Ulla Jacobsson, Johannes Schaaf, Hans Posegga | BRD | 91 min | 1:1,66 | sw | 29. Juni 1967
Labels:
Ehe,
Freundschaft,
Gesellschaft,
Hotel,
Jacobsson,
Münster,
Romanze,
Satire,
Ulrich Schamoni
15.6.67
Koroshi no rakuin (Seijun Suzuki, 1967)
Branded to Kill
Goro Hanada alias Killer No. 3 – eiskalter Hitman mit Fetisch für den Geruch von kochendem Reis – vergeigt einen Job, fällt in Ungnade und wird zum Hatzobjekt des legendären Killer No. 1 … Seijun Suzuki zerschlägt das Yakuza-Genre, um die Bruchstücke in eine dadaistische Collage aus Brutalität und Slapstick, Desorientierung und Sex zu verwandeln. Surreale Nikkatsuscope-Bilder phantasieren über Wasserstrahlen und Professionalität, über Schmetterlinge und Todessehnsucht. Ein filmisches objet trouvé in knallhartem Schwarzweiß.
R Seijun Suzuki B Hachiro Guryu, Takeo Kimura, Chusei Sone, Atsushi Yamatoya K Kazue Nagatsuka M Naozumi Yamamoto A Sukezo Kawahara S Matsuo Tanji P Kaneo Iwai, Takiko Mizunoe D Jo Shishido, Koji Nanbara, Isao Tamagawa, Anne Mari, Mariko Ogawa | JP | 98 min | 1:2,35 | sw | 15. Juni 1967
Goro Hanada alias Killer No. 3 – eiskalter Hitman mit Fetisch für den Geruch von kochendem Reis – vergeigt einen Job, fällt in Ungnade und wird zum Hatzobjekt des legendären Killer No. 1 … Seijun Suzuki zerschlägt das Yakuza-Genre, um die Bruchstücke in eine dadaistische Collage aus Brutalität und Slapstick, Desorientierung und Sex zu verwandeln. Surreale Nikkatsuscope-Bilder phantasieren über Wasserstrahlen und Professionalität, über Schmetterlinge und Todessehnsucht. Ein filmisches objet trouvé in knallhartem Schwarzweiß.
R Seijun Suzuki B Hachiro Guryu, Takeo Kimura, Chusei Sone, Atsushi Yamatoya K Kazue Nagatsuka M Naozumi Yamamoto A Sukezo Kawahara S Matsuo Tanji P Kaneo Iwai, Takiko Mizunoe D Jo Shishido, Koji Nanbara, Isao Tamagawa, Anne Mari, Mariko Ogawa | JP | 98 min | 1:2,35 | sw | 15. Juni 1967
12.6.67
You Only Live Twice (Lewis Gilbert, 1967)
James Bond 007 – Man lebt nur zweimal
»Allow me to introduce myself: I am a man of wealth and taste.« Stop! – zurück: »Allow me to introduce myself: I am Ernst Stavro Blofeld.« Mit diesen Worten bekommt James Bonds katzenkraulende Nemesis erstmals ein Gesicht – und als reichte die psychopathische Fresse von Donald Pleasence nicht aus, wird ihm auch noch eine monokelartige Narbe ins Antlitz geschnitten: Erich von Stroheim meets Mao Tse-tung. Abgesehen von diesem bemerkenswerten Auftritt – und von Ken Adams todschicken, modern-byzantinischen Bauten – hat der, im Fernen Osten angesiedelte, fünfte »007«-Einsatz eher wenig zu bieten: Bond verwandelt sich aus Gründen der Tarnung in einen Japaner (der aussieht wie Sean Connery im Kimono), und vor dem Hintergrund des amerikanisch-sowjetischen space race konstruiert Roald Dahls umständliches Szenarium einen Konflikt zwischen den Supermächten, die von interessierten Kreisen gegeneinander ausgespielt werden, um einen Weltkrieg zu provozieren – alles schön und gut, aber so betriebsblind, wie sie in »You Only Live Twice« vorgeführt werden, waren die Herren in Washington und Moskau nicht einmal bei Kubrick. PS: Daß Karin Dor an die Fische verfüttert wird, liegt ebenso in der Natur des Genres wie die notorische Bereitwilligkeit aller anderen Damen in emotionaler (und sonstiger) Hinsicht – aber die penetranten weiberfeindlichen Sottisen von Bond & Co. verursachen bisweilen dezente Übelkeit.
R Lewis Gilbert B Roald Dahl V Ian Fleming K Freddie Young M John Barry A Ken Adam S Peter Hunt P Albert R. Broccoli, Harry Saltzman D Sean Connery, Akiko Wakabayashi, Karin Dor, Donald Pleasence, Bernard Lee | UK | 117 min | 1:2,35 | f | 12. Juni 1967
»Allow me to introduce myself: I am a man of wealth and taste.« Stop! – zurück: »Allow me to introduce myself: I am Ernst Stavro Blofeld.« Mit diesen Worten bekommt James Bonds katzenkraulende Nemesis erstmals ein Gesicht – und als reichte die psychopathische Fresse von Donald Pleasence nicht aus, wird ihm auch noch eine monokelartige Narbe ins Antlitz geschnitten: Erich von Stroheim meets Mao Tse-tung. Abgesehen von diesem bemerkenswerten Auftritt – und von Ken Adams todschicken, modern-byzantinischen Bauten – hat der, im Fernen Osten angesiedelte, fünfte »007«-Einsatz eher wenig zu bieten: Bond verwandelt sich aus Gründen der Tarnung in einen Japaner (der aussieht wie Sean Connery im Kimono), und vor dem Hintergrund des amerikanisch-sowjetischen space race konstruiert Roald Dahls umständliches Szenarium einen Konflikt zwischen den Supermächten, die von interessierten Kreisen gegeneinander ausgespielt werden, um einen Weltkrieg zu provozieren – alles schön und gut, aber so betriebsblind, wie sie in »You Only Live Twice« vorgeführt werden, waren die Herren in Washington und Moskau nicht einmal bei Kubrick. PS: Daß Karin Dor an die Fische verfüttert wird, liegt ebenso in der Natur des Genres wie die notorische Bereitwilligkeit aller anderen Damen in emotionaler (und sonstiger) Hinsicht – aber die penetranten weiberfeindlichen Sottisen von Bond & Co. verursachen bisweilen dezente Übelkeit.
R Lewis Gilbert B Roald Dahl V Ian Fleming K Freddie Young M John Barry A Ken Adam S Peter Hunt P Albert R. Broccoli, Harry Saltzman D Sean Connery, Akiko Wakabayashi, Karin Dor, Donald Pleasence, Bernard Lee | UK | 117 min | 1:2,35 | f | 12. Juni 1967
Labels:
Action,
Connery,
Gilbert,
James Bond,
Pleasence,
Raumfahrt,
Science fiction,
Spionage,
Tokio
6.6.67
Das Rasthaus der grausamen Puppen (Rolf Olsen, 1967)
Daß Schmutz-und-Schund-Maestro Rolf Olsen seine Zuchthäuslerinnen-auf-der-Flucht-Ballade in Schottland ansiedelt und nicht dort, wo der Streifen gedreht wurde (in Triest und trister Umgebung), mag dem konstanten Erfolg bundesdeutscher Leinwand-Anglizismen geschuldet sein – der chauvinistische Trivialkosmos der wüsten Erzählung ist allemal zeitlos, ortlos, herzlos: So spart die knallige Blei-und-Busen-Geschichte der vom Geliebten (Erik Schumann als selten dämlicher Ganove Bob Fishman) schmählich im Stich gelassenen, von der Staatsgewalt (Ellen Schwiers als notgeile Gefängnisdirektorin Francis Nipple) emotional verhärteten Ausbrecherin Betty Williams (Schweden-Beauty Essy Persson), die am Ende ihres leichengepflasterten Weges konsequenterweise in die eigene Grube fährt, weder mit krokodilstränenseligem Wer-einmal-aus-dem-Blechnapf-frißt-Voyeurismus noch mit zeigefingerfertiger Unrecht-Gut-gedeihet-nicht-Moral. Zielstrebige Frauenpower kann bei dieser (unverblümt sensationslüsternen) Betrachtungsweise natürlich nur als psychische Störung begriffen werden.
R Rolf Olsen B Rolf Olsen K Karl Löb M Erwin Halletz A Nino Borghi S Lilo Krüger P Karl Spiehs D Essy Persson, Erik Schumann, Helga Anders, Margot Trooger, Ellen Schwiers | BRD & I | 96 min | 1:1,66 | sw | 6. Juni 1967
# 1134 | 21. Oktober 2018
R Rolf Olsen B Rolf Olsen K Karl Löb M Erwin Halletz A Nino Borghi S Lilo Krüger P Karl Spiehs D Essy Persson, Erik Schumann, Helga Anders, Margot Trooger, Ellen Schwiers | BRD & I | 96 min | 1:1,66 | sw | 6. Juni 1967
# 1134 | 21. Oktober 2018
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