»Die Erde«, schrieb E. G. Seeliger, der Erfinder des Millionendiebes Peter Voss, »ist der Omnibus der freien Menschheit auf ihrer Reise durch die Ewigkeit.« Zwischen dieser absurd-poetischen Erkenntnis und Wolfgang Beckers biederbunter Adaption des oft und gern verfilmten deutschen Abenteuerromans liegen Welten. Dabei klingt die Prämisse recht hübsch: Peter Voss (O. W. Fischer) fingiert einen Einbruch, um einem befreundeten Bankier, dem vorübergehend ein größerer Betrag fehlt, aus der Patsche zu helfen, und flieht sodann, verfolgt von echten Räubern und dem leicht vertrottelten Versicherungsdetektiv Bobby Dodd (Walter Giller), rund um den Globus … »Die Außenaufnahmen wurden in Berlin – Hamburg – Genua – Marseille – Barcelona – Lissabon – Rio de Janeiro – Mexico – Tokio und Hongkong gedreht«, prahlt der Vorspann; die Inszenierung läßt sich jedoch zu keinem Zeitpunkt auf die fremden Orte ein, frühstückt nur hektisch ab, findet, wie ein bornierter Tourist, gerade mal obligate Klischees – wenn überhaupt. Hin und wieder läßt der Film comichaften Charme spielen, etwa wenn sich Peter Voss am brennenden Wrack seines Sportwagens eine Zigarette anzündet oder wenn er in die Rolle eines gefeierten Stierkämpfers schlüpft, um seinen Häschern zu entkommen, aber zumeist degradiert Fischers spöttische Monomanie den nonchalanten Glücksritter zum eitlen Gecken.
R Wolfgang Becker B Curt J. Braun, Gustav Kampendonk V E. G. Seeliger K Klaus von Rautenfeld, Günther Senftleben M Hans-Martin Majewskis A Hanns H. Kuhnert S Klaus M. Eckstein P Kurt Ulrich D O. W. Fischer, Ingrid Andrée, Walter Giller, Margit Saad, Peter Mosbacher | BRD | 111 min | 1:1,37 | f | 16. Oktober 1958
16.10.58
10.10.58
Les tricheurs (Marcel Carné, 1958)
Die sich selbst betrügen
»Cinquante ans de pagaille derrière eux … et sans doute autant devant.« Wenn einer, der die Mitte des Lebens hinter sich gelassen hat, über die »Jugend von heute« spricht, wird es schnell fragwürdig. Auch Marcel Carnés bald konsterniert-kritischer, bald wohlmeinend-sentimentaler Blick auf die Kinder des Zeitalters von Angst und Konsum ist nicht frei von Altherrenhaftigkeit. Sein Pariser Sittenbild zeigt eine Bande von spätexistenzialistischen Mädchen und Jungen, die sich mit hektischer Gleichgültigkeit in ihre Tage und Nächte fallen lassen, radikal antiemotional, vom Leben zum Streben gelangweilt. Sie sind nicht unmoralisch, weil konventionelle Wertmaßstäbe für sie überhaupt keine relevante Kategorie mehr darstellen, sie sind nicht revolutionär, weil ihnen die Gesellschaft, die sie umgibt, vollkommen alternativlos erscheint. »Les tricheurs« beschreibt dieses (in allen Rollen hervorragend besetzte) jazzig-indolente Milieu aus der Perspektive des bourgeoisen Abiturienten Bob, der sich in Mic verliebt, die (vermeintlich!) keinen anderen Wunsch hegt, als einen Jaguar zu besitzen. Zwei Szenen stechen heraus: die Rettung einer Katze von einem fast unerreichbaren Dachgesims, ein provokanter Wettkampf mit dem eigenen Tod; ein Wahrheitsspiel, in dem jede Frage mit einer Lüge beantwortet wird, damit ja nicht der Eindruck entstehe, irgendeiner der (Un-)Beteiligten könnte Gefühle hegen. Carné sucht die Erklärung für dieses (auto-)destruktive Verhalten in den Zeitläuften: Nach zwei Weltkriegen und vor einem möglichen dritten – was wolle, könne, solle man da vom Nachwuchs noch erwarten? Mit seiner Betrachtung derer, die sich selbst betrügen, sitzt er jedoch (bei aller formalen Beweglichkeit, die ihm als Meister der Kinematographie zu Gebote steht) einem höchstpersönlichen Selbstbetrug auf: der Vorstellung, ein Mann von fünfzig könnte die Welt der Zwanzigjährigen allein mit der poetisch-realistischen Einfühlung seiner eigenen nachgeträumten Jugend ergründen.
R Marcel Carné B Marcel Carné, Jacques Sigurd K Claude Renoir M diverse A Paul Bertrand S Albert Jurgenson P Robert Dorfmann D Jacques Charrier, Pascale Petit, Laurent Terzieff, Andréa Parisy, Roland Lesaffre | F & I | 120 min | 1:1,66 | sw | 10. Oktober 1958
»Cinquante ans de pagaille derrière eux … et sans doute autant devant.« Wenn einer, der die Mitte des Lebens hinter sich gelassen hat, über die »Jugend von heute« spricht, wird es schnell fragwürdig. Auch Marcel Carnés bald konsterniert-kritischer, bald wohlmeinend-sentimentaler Blick auf die Kinder des Zeitalters von Angst und Konsum ist nicht frei von Altherrenhaftigkeit. Sein Pariser Sittenbild zeigt eine Bande von spätexistenzialistischen Mädchen und Jungen, die sich mit hektischer Gleichgültigkeit in ihre Tage und Nächte fallen lassen, radikal antiemotional, vom Leben zum Streben gelangweilt. Sie sind nicht unmoralisch, weil konventionelle Wertmaßstäbe für sie überhaupt keine relevante Kategorie mehr darstellen, sie sind nicht revolutionär, weil ihnen die Gesellschaft, die sie umgibt, vollkommen alternativlos erscheint. »Les tricheurs« beschreibt dieses (in allen Rollen hervorragend besetzte) jazzig-indolente Milieu aus der Perspektive des bourgeoisen Abiturienten Bob, der sich in Mic verliebt, die (vermeintlich!) keinen anderen Wunsch hegt, als einen Jaguar zu besitzen. Zwei Szenen stechen heraus: die Rettung einer Katze von einem fast unerreichbaren Dachgesims, ein provokanter Wettkampf mit dem eigenen Tod; ein Wahrheitsspiel, in dem jede Frage mit einer Lüge beantwortet wird, damit ja nicht der Eindruck entstehe, irgendeiner der (Un-)Beteiligten könnte Gefühle hegen. Carné sucht die Erklärung für dieses (auto-)destruktive Verhalten in den Zeitläuften: Nach zwei Weltkriegen und vor einem möglichen dritten – was wolle, könne, solle man da vom Nachwuchs noch erwarten? Mit seiner Betrachtung derer, die sich selbst betrügen, sitzt er jedoch (bei aller formalen Beweglichkeit, die ihm als Meister der Kinematographie zu Gebote steht) einem höchstpersönlichen Selbstbetrug auf: der Vorstellung, ein Mann von fünfzig könnte die Welt der Zwanzigjährigen allein mit der poetisch-realistischen Einfühlung seiner eigenen nachgeträumten Jugend ergründen.
R Marcel Carné B Marcel Carné, Jacques Sigurd K Claude Renoir M diverse A Paul Bertrand S Albert Jurgenson P Robert Dorfmann D Jacques Charrier, Pascale Petit, Laurent Terzieff, Andréa Parisy, Roland Lesaffre | F & I | 120 min | 1:1,66 | sw | 10. Oktober 1958
3.10.58
Popiół i diament (Andrzej Wajda, 1958)
Asche und Diamant
Frieden als Fortsetzung des Krieges mit anderen (?) Mitteln … Polen, 8. Mai 1945. Die Deutschen haben kapituliert, der Kampf geht weiter: Maciek, Soldat der widerständigen nationalen ›Heimatarmee‹, erhält den Auftrag, einen kommunistischen Funktionär zu liquidieren. Andrzej Wajda erzählt die (reichlich schäbige) Geschichte im Stil eines expressiven film noir (Kamera: Jerzy Wójcik), angereichert mit vollfetten Symbolismen: kopfüberhängende Christusfiguren, wehende weiße Wäsche, herrenlos umherirrende Pferde, ein großer Schicksalsdialog auf dem Abort, eine besoffene Polonaise (!) im Morgengrauen, ein wimmernder Tod auf der Müllkippe. In dem Maße wie »Popiół i diament« (statt beflissen-wirklichkeitsheischende Rekonstruktion zu betreiben) das Geschehen als kristallklaren Alptraum entwickelt, weitet sich die historische Fußnote zum großen geschichtlichen Gleichnis – und Zbigniew Cybulski reiht sich mit seiner Darstellung des aus Sein und Zeit gefallenen, sonnenbebrillten Untergrundkämpfers Maciek Chełmicki (neben James Deans Jim Stark und Jean-Paul Belmondos Michel Poiccard) in die Reihe der unsterblichen, immerjungen Helden des (tragischen) filmischen Rebellentums.
R Andrzej Wajda B Jerzy Andrzejewski V Jerzy Andrzejewski K Jerzy Wójcik M Filip Novak A Roman Mann S Halina Nawrocka P Stanisław Adler D Zbigniew Cybulski, Ewa Krzyżewska, Wacław Zastrzeżyński, Adam Pawlikowski, Bogumił Kobiela | PL | 103 min | 1:1,66 | sw | 3. Oktober 1958
Frieden als Fortsetzung des Krieges mit anderen (?) Mitteln … Polen, 8. Mai 1945. Die Deutschen haben kapituliert, der Kampf geht weiter: Maciek, Soldat der widerständigen nationalen ›Heimatarmee‹, erhält den Auftrag, einen kommunistischen Funktionär zu liquidieren. Andrzej Wajda erzählt die (reichlich schäbige) Geschichte im Stil eines expressiven film noir (Kamera: Jerzy Wójcik), angereichert mit vollfetten Symbolismen: kopfüberhängende Christusfiguren, wehende weiße Wäsche, herrenlos umherirrende Pferde, ein großer Schicksalsdialog auf dem Abort, eine besoffene Polonaise (!) im Morgengrauen, ein wimmernder Tod auf der Müllkippe. In dem Maße wie »Popiół i diament« (statt beflissen-wirklichkeitsheischende Rekonstruktion zu betreiben) das Geschehen als kristallklaren Alptraum entwickelt, weitet sich die historische Fußnote zum großen geschichtlichen Gleichnis – und Zbigniew Cybulski reiht sich mit seiner Darstellung des aus Sein und Zeit gefallenen, sonnenbebrillten Untergrundkämpfers Maciek Chełmicki (neben James Deans Jim Stark und Jean-Paul Belmondos Michel Poiccard) in die Reihe der unsterblichen, immerjungen Helden des (tragischen) filmischen Rebellentums.
R Andrzej Wajda B Jerzy Andrzejewski V Jerzy Andrzejewski K Jerzy Wójcik M Filip Novak A Roman Mann S Halina Nawrocka P Stanisław Adler D Zbigniew Cybulski, Ewa Krzyżewska, Wacław Zastrzeżyński, Adam Pawlikowski, Bogumił Kobiela | PL | 103 min | 1:1,66 | sw | 3. Oktober 1958
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6.9.58
Les amants (Louis Malle, 1958)
Die Liebenden
»On ne resiste pas au bonheur.« Jeanne Tournier (Jeanne Moreau) lebt als Gattin eines unnahbaren Verlegers und Mutter einer kleinen Tochter in Wohlstand und Langweile. Regelmäßige kleine Fluchten führen sie aus dem verschlafenen Dijon nach Paris, wo sie sich mit einer Freundin in die Vergnügungen der besseren Kreise stürzt und von einem eleganten Polospieler umschwärmen läßt. Die Leere dieses Lebens zwischen Gefühlskälte und Oberflächlichkeit wird ihr schlagartig bewußt durch die zufällige Begegnung mit dem ungezwungenen Studenten Bernard, der die Spielregeln des bürgerlichen Lebens grundlegend in Frage stellt. Louis Malle setzt die plötzliche Leidenschaft seiner Titelhelden (»L’amour peut naître d’un regard.«) in romantisch-weihevollen (fast lächerlich-preziösen) Nachtbildern in Szene und schickt die beiden am Morgen danach – nicht in Jeannes schnittigem Peugeot 203 Cabriolet, sondern in Bernards bravem 2CV – umstandslos auf die gemeinsame Reise ins Land der großen Gefühle. Ob ein glückliches Entkommen aus der guten Gesellschaft (und alten Gewohnheiten) tatsächlich möglich ist, läßt der Film offen, einen Versuch, legt Malle nahe, ist der Neustart aber allemal wert.
R Louis Malle B Louis Malle, Louise de Vilmorin V Dominique Vivant K Henri Decaë M Johannes Brahms A Bernard Evein Ko Renée Pellmoine S Leonide Azar P Jean Thuillier D Jeanne Moreau, Jean-Marc Bory, Alain Cuny, José Luis de Vilalonga, Gaston Modot | F | 90 min | 1:2,35 | sw | 6. September 1958
# 1193 | 7. Juni 2020
»On ne resiste pas au bonheur.« Jeanne Tournier (Jeanne Moreau) lebt als Gattin eines unnahbaren Verlegers und Mutter einer kleinen Tochter in Wohlstand und Langweile. Regelmäßige kleine Fluchten führen sie aus dem verschlafenen Dijon nach Paris, wo sie sich mit einer Freundin in die Vergnügungen der besseren Kreise stürzt und von einem eleganten Polospieler umschwärmen läßt. Die Leere dieses Lebens zwischen Gefühlskälte und Oberflächlichkeit wird ihr schlagartig bewußt durch die zufällige Begegnung mit dem ungezwungenen Studenten Bernard, der die Spielregeln des bürgerlichen Lebens grundlegend in Frage stellt. Louis Malle setzt die plötzliche Leidenschaft seiner Titelhelden (»L’amour peut naître d’un regard.«) in romantisch-weihevollen (fast lächerlich-preziösen) Nachtbildern in Szene und schickt die beiden am Morgen danach – nicht in Jeannes schnittigem Peugeot 203 Cabriolet, sondern in Bernards bravem 2CV – umstandslos auf die gemeinsame Reise ins Land der großen Gefühle. Ob ein glückliches Entkommen aus der guten Gesellschaft (und alten Gewohnheiten) tatsächlich möglich ist, läßt der Film offen, einen Versuch, legt Malle nahe, ist der Neustart aber allemal wert.
R Louis Malle B Louis Malle, Louise de Vilmorin V Dominique Vivant K Henri Decaë M Johannes Brahms A Bernard Evein Ko Renée Pellmoine S Leonide Azar P Jean Thuillier D Jeanne Moreau, Jean-Marc Bory, Alain Cuny, José Luis de Vilalonga, Gaston Modot | F | 90 min | 1:2,35 | sw | 6. September 1958
# 1193 | 7. Juni 2020
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1.9.58
Iwan Grosnij II – Bojarskij Sagowor (Sergei Eisenstein, 1958)
Iwan der Schreckliche II – Verschwörung der Bojaren
Der zweite Teil der geplanten Trilogie über Iwan den Schrecklichen konzentriert sich ganz auf die Kabale in der Umgebung des Zaren: Alte Gefährten verraten den Herrscher, einer läuft zu den Polen über, ein anderer kommt ihm als Metropolit von Moskau politisch in die Quere; seine eigene Tante, als Anführerin der bojarischen Adelsopposition Hauptgegnerin der Autokratie, plant die Ermordung ihres Neffen, nicht zuletzt um ihren schwachsinnigen Sohn auf den Thron zu hieven. Der Zar verkündet entschlossen, seinem Beinamen nunmehr alle Ehre machen zu wollen, und installiert als Instrument des Schreckensregimes die Opritschnina, einen schauerlichen Trupp von Kapuzenträgern, halb Geheimpolizei, halb Leibgarde, bedingungslose Getreue, die ihrem Herren zum Wohle Rußlands jeden schmutzigen Dienst erweisen. Auch wenn der zweite Teil von Sergei Eisensteins Epos die erzählerische Geschlossenheit des ersten vermissen läßt – Handlungsfäden hängen in der Luft, Charaktere verschwinden spurlos von der Bühne des Geschehens, eine Rückblende in Iwans Kindheit versucht, das Movens der historischen Idealfigur biographisch zu verorten –, so eignen dem Film doch visuelle Kraft und analytischer Scharfblick. Bedrückender als im Vorgänger durchzieht eine giftige Atmosphäre von Wahnsinn und Paranoia den Zarenhof, eine Ahnung von Tod und Verdammnis, die in einem lohenden Hexensabbat kulminiert: Zwei dämonische Farbsequenzen in Rot, Ocker und Blaugrau, ein wildes Fest und eine triumphierende Thronrede, bringen den endgültigen Sieg des einsamen Despoten über seine Widersacher: Die Säuberungen sind erledigt, die Macht ist zementiert … Offenbar fühlte sich der Auftraggeber von Eisenstein zu gut erkannt. Josef Stalin verbot die Aufführung des 1946 realisierten Films. »Iwan Grosnij II« gelangte erst 1958 in die sowjetischen Kinos, zwei Jahre nach Chrustschows Geheimrede über die Verbrechen in der Ära des »Personenkults«. Der dritte Teil des Werkes blieb unvollendet, die Trilogie Fragment.
R Sergei Eisenstein B Sergei Eisenstein K Andrei Moskwin, Eduard Tisse M Sergei Prokofjew A Josif Schpinel S Esfir Tobak P Mosfilm D Nikolai Tscherkassow, Serafima Birman, Pawel Kadrotschnikow, Amwrosi Buchma, Michail Scharow | SU | 88 min | 1:1,37 | sw & f | 1. September 1958
Der zweite Teil der geplanten Trilogie über Iwan den Schrecklichen konzentriert sich ganz auf die Kabale in der Umgebung des Zaren: Alte Gefährten verraten den Herrscher, einer läuft zu den Polen über, ein anderer kommt ihm als Metropolit von Moskau politisch in die Quere; seine eigene Tante, als Anführerin der bojarischen Adelsopposition Hauptgegnerin der Autokratie, plant die Ermordung ihres Neffen, nicht zuletzt um ihren schwachsinnigen Sohn auf den Thron zu hieven. Der Zar verkündet entschlossen, seinem Beinamen nunmehr alle Ehre machen zu wollen, und installiert als Instrument des Schreckensregimes die Opritschnina, einen schauerlichen Trupp von Kapuzenträgern, halb Geheimpolizei, halb Leibgarde, bedingungslose Getreue, die ihrem Herren zum Wohle Rußlands jeden schmutzigen Dienst erweisen. Auch wenn der zweite Teil von Sergei Eisensteins Epos die erzählerische Geschlossenheit des ersten vermissen läßt – Handlungsfäden hängen in der Luft, Charaktere verschwinden spurlos von der Bühne des Geschehens, eine Rückblende in Iwans Kindheit versucht, das Movens der historischen Idealfigur biographisch zu verorten –, so eignen dem Film doch visuelle Kraft und analytischer Scharfblick. Bedrückender als im Vorgänger durchzieht eine giftige Atmosphäre von Wahnsinn und Paranoia den Zarenhof, eine Ahnung von Tod und Verdammnis, die in einem lohenden Hexensabbat kulminiert: Zwei dämonische Farbsequenzen in Rot, Ocker und Blaugrau, ein wildes Fest und eine triumphierende Thronrede, bringen den endgültigen Sieg des einsamen Despoten über seine Widersacher: Die Säuberungen sind erledigt, die Macht ist zementiert … Offenbar fühlte sich der Auftraggeber von Eisenstein zu gut erkannt. Josef Stalin verbot die Aufführung des 1946 realisierten Films. »Iwan Grosnij II« gelangte erst 1958 in die sowjetischen Kinos, zwei Jahre nach Chrustschows Geheimrede über die Verbrechen in der Ära des »Personenkults«. Der dritte Teil des Werkes blieb unvollendet, die Trilogie Fragment.
R Sergei Eisenstein B Sergei Eisenstein K Andrei Moskwin, Eduard Tisse M Sergei Prokofjew A Josif Schpinel S Esfir Tobak P Mosfilm D Nikolai Tscherkassow, Serafima Birman, Pawel Kadrotschnikow, Amwrosi Buchma, Michail Scharow | SU | 88 min | 1:1,37 | sw & f | 1. September 1958
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28.8.58
Das Mädchen Rosemarie (Rolf Thiele, 1958)
»Ja, die Blüten unseres Wunders / leuchten hell im Neonlicht.« Rolf Thieles Dreigroschenoper für Nadja Tiller – den ersten Groschen gibt der Film für (vage) Kritik an den Verhältnissen der ökonomisch prosperierenden Bundesrepublik, den zweiten Groschen für (prüde) Fleischeslust, den dritten Groschen für die (deutlich) auf Bertolt Brecht schielenden Couplets in satirisch verfremdelndem Moritatenstil (vorgetragen von Jo Herbst und Mario Adorf, Karin Baal und Helen Vita). Tiller (mal im Trenchcoat, mal im Catsuit, mal im Babydoll) verkörpert die zu skandalöser Berühmtheit gelangte Frankfurter Luxusnutte Rosemarie Nitribitt, die nicht so clever ist, wie sie annimmt, und ins tödliche Visier jener betuchten und einflußreichen Herren (dargestellt unter anderem von Gert Fröbe, Carl Raddatz, Peter van Eyck, Werner Peters) gerät, welche sie zu schröpfen gedenkt. Mit der (freilich recht nebulösen) historischen Wahrheit des medienwirksamen Kriminalfalles nehmen es Thiele und sein Autor Erich Kuby nicht so genau, auch der soziologische Gestus bleibt attraktiv arrangiere Pose – so erweist sich das aufklärerisch tuende Sittenstück in Summe als kabarettistisch-moralisierender Gesellschaftsklatsch. PS: »Doch wer von den Herren dich besessen / wird dich lange nicht vergessen.«
R Rolf Thiele B Erich Kuby, Rolf Thiele, Jo Herbst, Rolf Ulrich K Klaus von Rautenfeld M Norbert Schultze A Wolf Englert, Ernst Richter S Elisabeth Neumann P Luggi Waldleitner D Nadja Tiller, Peter van Eyck, Carl Raddatz, Gert Fröbe, Mario Adorf, Jo Herbst, Karin Baal | BRD | 101 min | 1:1,37 | sw | 28. August 1958
R Rolf Thiele B Erich Kuby, Rolf Thiele, Jo Herbst, Rolf Ulrich K Klaus von Rautenfeld M Norbert Schultze A Wolf Englert, Ernst Richter S Elisabeth Neumann P Luggi Waldleitner D Nadja Tiller, Peter van Eyck, Carl Raddatz, Gert Fröbe, Mario Adorf, Jo Herbst, Karin Baal | BRD | 101 min | 1:1,37 | sw | 28. August 1958
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23.7.58
Rock-a-Bye Baby (Frank Tashlin, 1958)
5 auf einen Streich | Der Babysitter
»Close your eys, close your eyes / And away we’ll fly.« Carla Naples könnte sich freuen. Die blonde Hollywood-Diva soll die Titelrolle in der Bestseller-Verfilmung »The White Virgin of the Nile« übernehmen. Aber Carla freut sich nicht. Sie ist schwanger. Von einem mexikanischen Torero, der am Tag nach der Zeugung einem Stier unterlag. In dieser heiklen Situation erinnert sich Carla ihres alten Verehrers Clayton Poole (Jerry Lewis), der ganz weit weg, zu Hause in Midvale, Indiana, als Fernsehtechniker arbeitet (oder es zumindest hartnäckig versucht). Der Anbeter willigt ein, sich um das Baby seiner großen Liebe zu kümmern. Das Baby? Die Babys! Eines Nachts liegen süße Drillinge vor Claytons Tür … Eine sentimentale Farce aus der tiefsten Provinz (»the land of la-la-la«), ein Amalgam aus Wiegenlied und Rock ’n’ Roll, liebevolle Kompromittierung und despektierliche Verklärung des American Dream. Frank Tashlin zeichnet das Porträt einer Gesellschaft zwischen Mediokratie und Mediokrität, verspottet Film und Fernsehen (insbesondere Fernsehwerbung: »Burporex for the tum-tum!«), stellt Macher und Konsumenten des medialen Mülls bloß, überprüft Gewißheiten und Geschlechterrollen am Beispiel des Ideals der kümmernden und sorgenden Mutter. »This diploma is only awarded to the very best of mothers« – die Auszeichnung erhält ein Mann. Ein Mann, der stolz (und zutreffend) von sich behauptet: »I did everything any other woman can do.« Slapstick und Gefühl, Konservatismus und (mögliche) Überwindung von Grenzen: »Now’s the time to give your dreams a try.«
R Frank Tashlin B Frank Tashlin V Preston Sturges K Haskell Boggs M Walter Scharf A Hal Pereira, Tambi Larsen S Alma Macrorie P Jerry Lewis D Jerry Lewis, Connie Stevens, Marilyn Maxwell, Salvatore Baccaloni, Reginald Gardiner | USA | 103 min | 1:1,85 | f | 23. Juli 1958
# 788 | 1. November 2013
»Close your eys, close your eyes / And away we’ll fly.« Carla Naples könnte sich freuen. Die blonde Hollywood-Diva soll die Titelrolle in der Bestseller-Verfilmung »The White Virgin of the Nile« übernehmen. Aber Carla freut sich nicht. Sie ist schwanger. Von einem mexikanischen Torero, der am Tag nach der Zeugung einem Stier unterlag. In dieser heiklen Situation erinnert sich Carla ihres alten Verehrers Clayton Poole (Jerry Lewis), der ganz weit weg, zu Hause in Midvale, Indiana, als Fernsehtechniker arbeitet (oder es zumindest hartnäckig versucht). Der Anbeter willigt ein, sich um das Baby seiner großen Liebe zu kümmern. Das Baby? Die Babys! Eines Nachts liegen süße Drillinge vor Claytons Tür … Eine sentimentale Farce aus der tiefsten Provinz (»the land of la-la-la«), ein Amalgam aus Wiegenlied und Rock ’n’ Roll, liebevolle Kompromittierung und despektierliche Verklärung des American Dream. Frank Tashlin zeichnet das Porträt einer Gesellschaft zwischen Mediokratie und Mediokrität, verspottet Film und Fernsehen (insbesondere Fernsehwerbung: »Burporex for the tum-tum!«), stellt Macher und Konsumenten des medialen Mülls bloß, überprüft Gewißheiten und Geschlechterrollen am Beispiel des Ideals der kümmernden und sorgenden Mutter. »This diploma is only awarded to the very best of mothers« – die Auszeichnung erhält ein Mann. Ein Mann, der stolz (und zutreffend) von sich behauptet: »I did everything any other woman can do.« Slapstick und Gefühl, Konservatismus und (mögliche) Überwindung von Grenzen: »Now’s the time to give your dreams a try.«
R Frank Tashlin B Frank Tashlin V Preston Sturges K Haskell Boggs M Walter Scharf A Hal Pereira, Tambi Larsen S Alma Macrorie P Jerry Lewis D Jerry Lewis, Connie Stevens, Marilyn Maxwell, Salvatore Baccaloni, Reginald Gardiner | USA | 103 min | 1:1,85 | f | 23. Juli 1958
# 788 | 1. November 2013
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21.7.58
Le chant du styrène (Alain Resnais, 1958)
»On lave et on distille et puis on redistille / et ce ne sont pas là exercices de style.« Der Weg des Kunststoffs vom farbenfrohen Endprodukt zurück zur naturtrüben Materie, von der objekthaften Konkretisation – Schöpfkelle, Tennisschläger, Badewanne – hinab (oder hinauf?) ins erdgeschichtliche Mysterium: »Ô matière plastique! / D'où viens-tu? Qui es-tu?« In ridikül-hochtönenden Alexandrinern textet sich Raymond Queneau von der knallroten Plastikschüssel auf dem Frühstückstisch der Moderne zurück zum geheimnisvollen Ursprung der fossilen Rohstoffe Kohle und Öl. Alain Resnais folgt der gespreizten sprachlichen Erkundungsreise mit eleganten Dyaliscope-Travellings durch den Maschinenpark und das Röhrengewirr des science-fiktional wirkenden Chemiewerks Pechiney bis in den obskuren Nebel der Schöpfung. Das Hohelied des Plastiks – eine ironische Stilübung zwischen popartiger Technikbegeisterung und manirierter Fortschrittsveralberung.
R Alain Resnais B Raymond Queneau K Sacha Vierny M Pierre Barbaud S Alain Resnais, Claudine Merlin P Pierre Braunberger D Pierre Dux | F | 19 min | 1:2,35 | f | 21. Juli 1958
# 804 | 22. November 2013
R Alain Resnais B Raymond Queneau K Sacha Vierny M Pierre Barbaud S Alain Resnais, Claudine Merlin P Pierre Braunberger D Pierre Dux | F | 19 min | 1:2,35 | f | 21. Juli 1958
# 804 | 22. November 2013
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25.6.58
Screaming Mimi
Die blonde Venus
Ein psychopathischer Messerstecher attackiert eine Blondine, die im Begriff steht, eine Dusche zu nehmen. Anders als Alfred Hitchcock, der eine ähnliche Situation zwei Jahre später zum fulminant durchkomponierten Mittel- und Höhepunkt eines Horrorthrillers formen wird, knallt Gerd Oswald die Szene in brutaler Kürze an den Anfang seines nachtschwarzen Pulp-Reißers. Tänzerin Virginia Wilson (Anita Ekberg) überlebt den Anschlag äußerlich unverletzt (ihr Stiefbruder erschießt den Angreifer), doch verwirrt sich ihr Geist über das schreckliche Erlebnis. »Screaming Mimi« verknüpft die Geschichte der Traumatisierten und des Nervenarztes Dr. Greenwood, der in manischer Liebe zu seiner Patientin entbrennt und ihr sein weiteres Leben widmet, mit den journalistischen Recherchen zu einer seltsamen Mordserie im Umfeld des (von Burlesque-Legende Gypsy Rose Lee geführten) Amüsierschuppens »El Madhouse« (!), wo die genesene (?) Virginia unter dem Namen Yolanda in einer spektakulären Show-(off)-Nummer auftritt. Burnett Guffeys schmuddlig-kontrastreiche Schwarzweiß-Bilder verleihen der exaltierten Noir-Fantasie die Aura eines leicht unterbelichteten Klassikers; Ekberg (»the stripper who went to far«) bewegt sich (häufig in Begleitung einer imposanten Dogge namens ›Devil‹) wie eine Schlafwandlerin durch die spukhaft-grelle Erzählung, in die tödliche Obsessionen wie dunkle Schatten fallen, und wo die kitschige Porzellanfigur einer schreienden Frau von altem und von neuem Unheil kündet.
R Gerd Oswald B Robert Blees V Fredric Brown K Burnett Guffey M Mischa Bakaleinikoff A Cary Odell S Gene Havlick, Jerome Thoms P Harry Joe Brown, Robert Fellows D Anita Ekberg, Philip Carey, Gypsy Rose Lee, Harry Townes, Romney Brent | USA | 79 min | 1:1,85 | sw | 25. Juni 1958
# 940 | 5. Februar 2015
Ein psychopathischer Messerstecher attackiert eine Blondine, die im Begriff steht, eine Dusche zu nehmen. Anders als Alfred Hitchcock, der eine ähnliche Situation zwei Jahre später zum fulminant durchkomponierten Mittel- und Höhepunkt eines Horrorthrillers formen wird, knallt Gerd Oswald die Szene in brutaler Kürze an den Anfang seines nachtschwarzen Pulp-Reißers. Tänzerin Virginia Wilson (Anita Ekberg) überlebt den Anschlag äußerlich unverletzt (ihr Stiefbruder erschießt den Angreifer), doch verwirrt sich ihr Geist über das schreckliche Erlebnis. »Screaming Mimi« verknüpft die Geschichte der Traumatisierten und des Nervenarztes Dr. Greenwood, der in manischer Liebe zu seiner Patientin entbrennt und ihr sein weiteres Leben widmet, mit den journalistischen Recherchen zu einer seltsamen Mordserie im Umfeld des (von Burlesque-Legende Gypsy Rose Lee geführten) Amüsierschuppens »El Madhouse« (!), wo die genesene (?) Virginia unter dem Namen Yolanda in einer spektakulären Show-(off)-Nummer auftritt. Burnett Guffeys schmuddlig-kontrastreiche Schwarzweiß-Bilder verleihen der exaltierten Noir-Fantasie die Aura eines leicht unterbelichteten Klassikers; Ekberg (»the stripper who went to far«) bewegt sich (häufig in Begleitung einer imposanten Dogge namens ›Devil‹) wie eine Schlafwandlerin durch die spukhaft-grelle Erzählung, in die tödliche Obsessionen wie dunkle Schatten fallen, und wo die kitschige Porzellanfigur einer schreienden Frau von altem und von neuem Unheil kündet.
R Gerd Oswald B Robert Blees V Fredric Brown K Burnett Guffey M Mischa Bakaleinikoff A Cary Odell S Gene Havlick, Jerome Thoms P Harry Joe Brown, Robert Fellows D Anita Ekberg, Philip Carey, Gypsy Rose Lee, Harry Townes, Romney Brent | USA | 79 min | 1:1,85 | sw | 25. Juni 1958
# 940 | 5. Februar 2015
22.6.58
Kyojin to gangu (Yasuzo Masumura, 1958)
Giganten und Spielzeuge
Yasuzo Masumura verabfolgt der quietschbunten Fratze des japanischen Wirtschaftwunders eine fröhlich schallende Ohrfeige: Die Marketingabteilungen dreier Bonbon-Konzerne (›Giants‹, ›World‹ und ›Apollo‹) kämpfen mit allen Mitteln um die naschhaften Münder der Verbraucher – es wird gelogen und betrogen, es werden Ideen gestoheln und Ideale verraten, man verhöhnt und erniedrigt sich, man spuckt auf die Gräber der Konkurrenz und betrachtet das Publikum als Masse von Idioten (»Sie sind schlimmer als Babys, schlimmer als Hunde!«), deren leere Köpfe allein dazu gut sind, mit den hohlen Phrasen der Werbung gefüllt zu werden. Die frohe Botschaft hat drei Worte: »Kaufen! Kaufen! Kaufen!« Der hysterische Pop-Realismus von »Kyojin to gangu« erforscht nicht nur die stampfende Mechanik eines menschenfressenden Konsumismus, sondern wirft auch ein Schlaglicht auf die bizarren Auswüchse des heraufdämmernden 15-Minuten-Starkults, in dem das Heute immer schon das Gestern von morgen ist.
R Yasuzo Masumura B Yoshio Shirasaka V Takeshi Kaiko K Hiroshi Murai M Tetsuo Tsukahara A Tomoo Shimogawara S Tatsuji Nakashizu P Hideo Nagata D Hiroshi Kawaguchi, Hitomi Nozoe, Yunosuke Ito, Kinzo Shin, Hideo Takamatsu | JP | 95 min | 1:2,35 | f | 22. Juni 1958
Yasuzo Masumura verabfolgt der quietschbunten Fratze des japanischen Wirtschaftwunders eine fröhlich schallende Ohrfeige: Die Marketingabteilungen dreier Bonbon-Konzerne (›Giants‹, ›World‹ und ›Apollo‹) kämpfen mit allen Mitteln um die naschhaften Münder der Verbraucher – es wird gelogen und betrogen, es werden Ideen gestoheln und Ideale verraten, man verhöhnt und erniedrigt sich, man spuckt auf die Gräber der Konkurrenz und betrachtet das Publikum als Masse von Idioten (»Sie sind schlimmer als Babys, schlimmer als Hunde!«), deren leere Köpfe allein dazu gut sind, mit den hohlen Phrasen der Werbung gefüllt zu werden. Die frohe Botschaft hat drei Worte: »Kaufen! Kaufen! Kaufen!« Der hysterische Pop-Realismus von »Kyojin to gangu« erforscht nicht nur die stampfende Mechanik eines menschenfressenden Konsumismus, sondern wirft auch ein Schlaglicht auf die bizarren Auswüchse des heraufdämmernden 15-Minuten-Starkults, in dem das Heute immer schon das Gestern von morgen ist.
R Yasuzo Masumura B Yoshio Shirasaka V Takeshi Kaiko K Hiroshi Murai M Tetsuo Tsukahara A Tomoo Shimogawara S Tatsuji Nakashizu P Hideo Nagata D Hiroshi Kawaguchi, Hitomi Nozoe, Yunosuke Ito, Kinzo Shin, Hideo Takamatsu | JP | 95 min | 1:2,35 | f | 22. Juni 1958
6.6.58
Le beau Serge (Claude Chabrol, 1958)
Die Enttäuschten
»Tu n’aimes personne, hein?« – »Bien au contraire, j’aime tout le monde.« François (Jean-Claude Brialy) kehrt nach langer Zeit der Abwesenheit in sein Heimatdorf zurück, um eine Lungenkrankheit auszukurieren. Er begegnet seinem Jugendfreund Serge (Gérard Blain) wieder, der über das Scheitern hochfliegender Pläne und die Totgeburt eines behinderten Kindes zum larmoyant-brutalen Alkoholiker geworden ist. Bisweilen an Bressons glück- und namenlosen jungen Landpfarrer erinnernd, versucht François, ohne auf die eigene angeschlagene Verfassung Rücksicht zu nehmen, dem weigerlichen Gefährten beizustehen, ihm zu helfen, in zu retten. Claude Chabrols Debütfilm (gedreht im kleinen Ort Sardent, wo der Regisseur Teile seiner Kindheit verbrachte) koppelt die symbolisch überhöhte (zweifache) Passionsgeschichte an die illusionslos-realistische Betrachtung der materiell und geistig überaus kargen Lebensumstände in einem abgelegenen Provinznest – eine formale wie erzählerische Divergenz, die das von Henri Decaë mit frostiger Distanziertheit fotografierte Werk gleichermaßen unausgeglichen und doppelbödig wirken läßt.
R Claude Chabrol B Claude Chabrol K Henri Decaë M Emile Delpierre S Jacques Gaillard P Claude Chabrol D Gérard Blain, Jean-Claude Brialy, Bernadette Laffont, Michèle Méritz, Claude Cerval | F | 98 min | 1:1,37 | sw | 6. Juni 1958
# 997 | 6. Mai 2016
»Tu n’aimes personne, hein?« – »Bien au contraire, j’aime tout le monde.« François (Jean-Claude Brialy) kehrt nach langer Zeit der Abwesenheit in sein Heimatdorf zurück, um eine Lungenkrankheit auszukurieren. Er begegnet seinem Jugendfreund Serge (Gérard Blain) wieder, der über das Scheitern hochfliegender Pläne und die Totgeburt eines behinderten Kindes zum larmoyant-brutalen Alkoholiker geworden ist. Bisweilen an Bressons glück- und namenlosen jungen Landpfarrer erinnernd, versucht François, ohne auf die eigene angeschlagene Verfassung Rücksicht zu nehmen, dem weigerlichen Gefährten beizustehen, ihm zu helfen, in zu retten. Claude Chabrols Debütfilm (gedreht im kleinen Ort Sardent, wo der Regisseur Teile seiner Kindheit verbrachte) koppelt die symbolisch überhöhte (zweifache) Passionsgeschichte an die illusionslos-realistische Betrachtung der materiell und geistig überaus kargen Lebensumstände in einem abgelegenen Provinznest – eine formale wie erzählerische Divergenz, die das von Henri Decaë mit frostiger Distanziertheit fotografierte Werk gleichermaßen unausgeglichen und doppelbödig wirken läßt.
R Claude Chabrol B Claude Chabrol K Henri Decaë M Emile Delpierre S Jacques Gaillard P Claude Chabrol D Gérard Blain, Jean-Claude Brialy, Bernadette Laffont, Michèle Méritz, Claude Cerval | F | 98 min | 1:1,37 | sw | 6. Juni 1958
# 997 | 6. Mai 2016
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20.5.58
Indiscreet (Stanley Donen, 1958)
Indiskret
»How dare he make love to me and not be a married man!« Lady meets gent: Sie ist eine berühmte Theaterschauspielerin in den besten Jahren, und sie verliebt sich in einen smarten (doch leider: hoffnungslos verheirateten) Diplomaten – Begegnung zweier ausgewiesener Rollenspieler. Anna Kalman (stilvoll dramatisch: Ingrid Berman) hat (wie sie meint) schon alle Liebesschwüre und Abschiedsfloskeln gehört, Philip Adams (formvollendet schillernd: Cary Grant) bekommt (wie er glaubt) stets das, was er will … Gutgeschnittene Smokings und rauschende Abendroben, knisternde Situationen und prickelnde Dialoge: Stanley Donen macht ein elegantes Apartment im Londoner West End zur Bühne einer attraktiven romantischen Komödie über Empathie und Taktik, über Erwartung und Verstellung, über Abgeklärtheit und Affekte, über die Gesetze der Moral und deren – bald lust-, bald leid-, immer aber geschmackvolle – Untergrabung.
R Stanley Donen B Norman Krasna V Norman Krasna K Freddie Young M Ken Jones, Richard Rodney Bennett A Donald Ashton S Jack Harris P Stanley Donen D Ingrid Bergman, Cary Grant, Cecil Parker, Phyllis Calvert | USA & UK | 100 min | 1:1,85 | f | 20. Mai 1958
# 828 | 15. Januar 2014
»How dare he make love to me and not be a married man!« Lady meets gent: Sie ist eine berühmte Theaterschauspielerin in den besten Jahren, und sie verliebt sich in einen smarten (doch leider: hoffnungslos verheirateten) Diplomaten – Begegnung zweier ausgewiesener Rollenspieler. Anna Kalman (stilvoll dramatisch: Ingrid Berman) hat (wie sie meint) schon alle Liebesschwüre und Abschiedsfloskeln gehört, Philip Adams (formvollendet schillernd: Cary Grant) bekommt (wie er glaubt) stets das, was er will … Gutgeschnittene Smokings und rauschende Abendroben, knisternde Situationen und prickelnde Dialoge: Stanley Donen macht ein elegantes Apartment im Londoner West End zur Bühne einer attraktiven romantischen Komödie über Empathie und Taktik, über Erwartung und Verstellung, über Abgeklärtheit und Affekte, über die Gesetze der Moral und deren – bald lust-, bald leid-, immer aber geschmackvolle – Untergrabung.
R Stanley Donen B Norman Krasna V Norman Krasna K Freddie Young M Ken Jones, Richard Rodney Bennett A Donald Ashton S Jack Harris P Stanley Donen D Ingrid Bergman, Cary Grant, Cecil Parker, Phyllis Calvert | USA & UK | 100 min | 1:1,85 | f | 20. Mai 1958
# 828 | 15. Januar 2014
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15.5.58
Gigi (Vincente Minnelli, 1958)
Gigi
Paris um 1900: Gigi (Leslie Caron), ein knuspriger Backfisch, wird, der familiären Tradition folgend, zur Luxuskokotte herangebildet; am Ende triumphiert die wahre Liebe über die Ware Liebe. Die dünne Story aus der Abenddämmerung der Belle Époque liefert dem Hollywood des ausgehenden golden age noch einmal den Vorwand, die große Illusionsmaschine anzuwerfen. Vincente Minnelli zeigt sich dabei weniger an seinen Figuren, ihren Hoffnungen und Zweifeln, ihrer Melancholie und Leidenschaft interessiert, als am Eintauchen in die Magie des Kinos selbst. »Gigi« schwelgt in Cecil Beatons opulenter Neuerschaffung von Interieurs und Kostümen der Jahrhundertwende, in den musikalischen Kreationen von Lerner und Loewe, in der Beschwörung von zweckfreier Schönheit und zeitloser Heiterkeit. Freilich sind auch die Zeichen von Ermüdung am Ende der Ära nicht zu übersehen: die Inszenierung bleibt weitgehend statisch, sie gleicht weniger einem schäumenden Fluß von Bewegung denn einer Abfolge von exquisiten Illustrationen. Das Lächeln scheint immer wieder zu gefrieren, ganz so, als würde der kühle Hauch des Abschieds durch das Luftschloß wehen. Maurice Chevalier singt und spielt einen vitalen Lustgreis (»Thank heaven for little girls!«), Louis Jourdan einen gelangweilten Lebemann (»It’s a bore!«), Hermione Gingold eine zielbewußte Matriarchin (»Gigi, you are absurd! / Now not another word!«).
R Vincente Minnelli B Alan Jay Lerner V Colette K Joseph Ruttenberg M Frederick Loewe A Cecil Beaton S Adrienne Fazan P Arthur Freed D Leslie Caron, Maurice Chevalier, Louis Jourdan, Hermione Gingold, Eva Gabor | USA | 115 min | 1:2,35 | f | 15. Mai 1958
Paris um 1900: Gigi (Leslie Caron), ein knuspriger Backfisch, wird, der familiären Tradition folgend, zur Luxuskokotte herangebildet; am Ende triumphiert die wahre Liebe über die Ware Liebe. Die dünne Story aus der Abenddämmerung der Belle Époque liefert dem Hollywood des ausgehenden golden age noch einmal den Vorwand, die große Illusionsmaschine anzuwerfen. Vincente Minnelli zeigt sich dabei weniger an seinen Figuren, ihren Hoffnungen und Zweifeln, ihrer Melancholie und Leidenschaft interessiert, als am Eintauchen in die Magie des Kinos selbst. »Gigi« schwelgt in Cecil Beatons opulenter Neuerschaffung von Interieurs und Kostümen der Jahrhundertwende, in den musikalischen Kreationen von Lerner und Loewe, in der Beschwörung von zweckfreier Schönheit und zeitloser Heiterkeit. Freilich sind auch die Zeichen von Ermüdung am Ende der Ära nicht zu übersehen: die Inszenierung bleibt weitgehend statisch, sie gleicht weniger einem schäumenden Fluß von Bewegung denn einer Abfolge von exquisiten Illustrationen. Das Lächeln scheint immer wieder zu gefrieren, ganz so, als würde der kühle Hauch des Abschieds durch das Luftschloß wehen. Maurice Chevalier singt und spielt einen vitalen Lustgreis (»Thank heaven for little girls!«), Louis Jourdan einen gelangweilten Lebemann (»It’s a bore!«), Hermione Gingold eine zielbewußte Matriarchin (»Gigi, you are absurd! / Now not another word!«).
R Vincente Minnelli B Alan Jay Lerner V Colette K Joseph Ruttenberg M Frederick Loewe A Cecil Beaton S Adrienne Fazan P Arthur Freed D Leslie Caron, Maurice Chevalier, Louis Jourdan, Hermione Gingold, Eva Gabor | USA | 115 min | 1:2,35 | f | 15. Mai 1958
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14.5.58
Le désordre et la nuit (Gilles Grangier, 1958)
Im Mantel der Nacht | Das Geheimnis der Dame in Weiß
Sie heißt Lucky. Sie ist nicht glücklich. Sie kommt aus Deutschland. Sie hat einen reichen Vater. Sie lebt im teuersten Hotel von Paris. Sie will Sängerin werden. Sie will singen mit der Stimme und der Seele einer Schwarzen. Aber wenn sie singt, sagen die Leute, sie solle aufhören. Sie nimmt Drogen. Sie verliert sich zwischen irgendwelchen Männern … Als einer dieser Männer ermordet wird, gerät Lucky (Nadja Tiller) in Verdacht. Inspektor Valois (Jean Gabin), ein desillusionierter Einzelgänger (von dem es heißt, daß er gerne mal einen über den Durst trinke), führt die Ermittlungen; die scheinbar unerschütterliche Statuarik, mit der er auf den Plan tritt, wird sich als (Schutz-)Hülle einer Unordnung ganz eigener Art erweisen. Lucky und Valois, zwei Einsame, die einander ausnutzen und kompromittieren, zwei Verirrte, die sich finden. Ein jazziges Nachtstück, von Gilles Grangier unterkühlt inszeniert: distanzierte Blicke auf Rausch und Katzenjammer, auf Sehnsucht und Enttäuschung. Der Schluß rückt eine vorgeblich beherrschte Apothekerin (Danielle Darrieux ) ins Zentrum des Geschehens, und in die zergliedernde Kälte des Psychogramms schleicht sich unversehens ein lauwarmer Ton melodramatischer Phrasenhaftigkeit.
R Gilles Grangier B Michel Audiard, Jacques Robert, Gilles Grangier V Jacques Robert K Louis Page M Jean Yatove A Robert Bouladoux S Jacqueline Sadoul P Lucien Villard D Jean Gabin, Nadja Tiller, Danielle Darrieux, Paul Frankeur, Roger Hanin | F | 93 min | 1:1,66 | sw | 14. Mai 1958
Sie heißt Lucky. Sie ist nicht glücklich. Sie kommt aus Deutschland. Sie hat einen reichen Vater. Sie lebt im teuersten Hotel von Paris. Sie will Sängerin werden. Sie will singen mit der Stimme und der Seele einer Schwarzen. Aber wenn sie singt, sagen die Leute, sie solle aufhören. Sie nimmt Drogen. Sie verliert sich zwischen irgendwelchen Männern … Als einer dieser Männer ermordet wird, gerät Lucky (Nadja Tiller) in Verdacht. Inspektor Valois (Jean Gabin), ein desillusionierter Einzelgänger (von dem es heißt, daß er gerne mal einen über den Durst trinke), führt die Ermittlungen; die scheinbar unerschütterliche Statuarik, mit der er auf den Plan tritt, wird sich als (Schutz-)Hülle einer Unordnung ganz eigener Art erweisen. Lucky und Valois, zwei Einsame, die einander ausnutzen und kompromittieren, zwei Verirrte, die sich finden. Ein jazziges Nachtstück, von Gilles Grangier unterkühlt inszeniert: distanzierte Blicke auf Rausch und Katzenjammer, auf Sehnsucht und Enttäuschung. Der Schluß rückt eine vorgeblich beherrschte Apothekerin (Danielle Darrieux ) ins Zentrum des Geschehens, und in die zergliedernde Kälte des Psychogramms schleicht sich unversehens ein lauwarmer Ton melodramatischer Phrasenhaftigkeit.
R Gilles Grangier B Michel Audiard, Jacques Robert, Gilles Grangier V Jacques Robert K Louis Page M Jean Yatove A Robert Bouladoux S Jacqueline Sadoul P Lucien Villard D Jean Gabin, Nadja Tiller, Danielle Darrieux, Paul Frankeur, Roger Hanin | F | 93 min | 1:1,66 | sw | 14. Mai 1958
# 819 | 31. Dezember 2013
10.5.58
Mon oncle (Jacques Tati, 1958)
Mein Onkel
Jacques Tatis Alter Ego Monsieur Hulot als Protagonist in einem skurrilen clash of lifestyles: Die seelenlose Zweckmäßigkeit der Hypermoderne steht gegen den nostalgischen Zauber der guten alten Zeit. Hier das von einer durchkonstruierten Grünanlagenabstraktion umgebene avantgardistische Eigenheim der Familie Arpel, dort Hulots romantisch-verstiegenes Dachstübchen in einem pittoresken Quartier – auf der einen Seite Lichtschranke, vollautomatische Küche und kühle Repräsentation, andererseits Pferdekarren, brüchige Mauern und liebenswürdige Mitmenschlichkeit. Auch wenn der Film beiden Welten gleichermaßen spitzfindige Gags abgewinnt – so werden etwa die runden Fenster der modernistischen Villa nachts zu glotzenden Augen, und grafisch angelegte Plattenwege provozieren bizarre Ballette der Gartenbesitzer und ihrer Gäste; demgegenüber zögert ein arbeitsfauler Straßenfeger vor jedem Besenschwung, und aus dem vorsintflutlichen Lastwagen eines Gemüsehändlers fallen bei jeder Gelegenheit scheppernde Werkzeuge –, sind die Sympathien klar verteilt: Hulot, der schrullig-lebenskünstlerische Schwager des borniert-arrivistischen Villenbesitzers (mithin der Onkel von dessen aufgewecktem kleinen Sohn), gibt in seiner spezifischen Mischung aus Staunen und Unerschütterlichkeit vielleicht kein Vorbild hinsichtlich konzentrierten Leistungswillens ab, überzeugt aber als Lehrmeister in Sachen Gemeinschaftsgefühl und Daseinsfreude. Tatis satirische Wehmut nach einem vermeintlich besseren Gestern (das aussieht wie an einem schönen Sommertag von Eugène Atget fotografiert) zeigt sich in der erzählerischen Konsequenz zutiefst paradox: Während malerische Stadtviertel der Spitzhacke zum Opfer fallen, entdeckt der kalkuliert-effiziente Monsieur Arpel das verspielte Kind in sich. So treibt die Hulot’sche Zivilisationskritik mit Hütchen, Regenschirm und Pfeife zu guter Letzt noch märchenhafte Blüten.
R Jacques Tati B Jacques Tati, Jacques Lagrange, Jean L’Hôte K Jean Bourgoin M Franck Barcellini, Alain Romans A Henri Schmitt S Suzanne Baron P Jacques Tati D Jacques Tati, Jean-Pierre Zola, Adrienne Servanti, Alain Bécourt, Betty Schneider | F | 117 min | 1:1,37 | f | 10. Mai 1958
# 929 | 5. Januar 2015
Jacques Tatis Alter Ego Monsieur Hulot als Protagonist in einem skurrilen clash of lifestyles: Die seelenlose Zweckmäßigkeit der Hypermoderne steht gegen den nostalgischen Zauber der guten alten Zeit. Hier das von einer durchkonstruierten Grünanlagenabstraktion umgebene avantgardistische Eigenheim der Familie Arpel, dort Hulots romantisch-verstiegenes Dachstübchen in einem pittoresken Quartier – auf der einen Seite Lichtschranke, vollautomatische Küche und kühle Repräsentation, andererseits Pferdekarren, brüchige Mauern und liebenswürdige Mitmenschlichkeit. Auch wenn der Film beiden Welten gleichermaßen spitzfindige Gags abgewinnt – so werden etwa die runden Fenster der modernistischen Villa nachts zu glotzenden Augen, und grafisch angelegte Plattenwege provozieren bizarre Ballette der Gartenbesitzer und ihrer Gäste; demgegenüber zögert ein arbeitsfauler Straßenfeger vor jedem Besenschwung, und aus dem vorsintflutlichen Lastwagen eines Gemüsehändlers fallen bei jeder Gelegenheit scheppernde Werkzeuge –, sind die Sympathien klar verteilt: Hulot, der schrullig-lebenskünstlerische Schwager des borniert-arrivistischen Villenbesitzers (mithin der Onkel von dessen aufgewecktem kleinen Sohn), gibt in seiner spezifischen Mischung aus Staunen und Unerschütterlichkeit vielleicht kein Vorbild hinsichtlich konzentrierten Leistungswillens ab, überzeugt aber als Lehrmeister in Sachen Gemeinschaftsgefühl und Daseinsfreude. Tatis satirische Wehmut nach einem vermeintlich besseren Gestern (das aussieht wie an einem schönen Sommertag von Eugène Atget fotografiert) zeigt sich in der erzählerischen Konsequenz zutiefst paradox: Während malerische Stadtviertel der Spitzhacke zum Opfer fallen, entdeckt der kalkuliert-effiziente Monsieur Arpel das verspielte Kind in sich. So treibt die Hulot’sche Zivilisationskritik mit Hütchen, Regenschirm und Pfeife zu guter Letzt noch märchenhafte Blüten.
R Jacques Tati B Jacques Tati, Jacques Lagrange, Jean L’Hôte K Jean Bourgoin M Franck Barcellini, Alain Romans A Henri Schmitt S Suzanne Baron P Jacques Tati D Jacques Tati, Jean-Pierre Zola, Adrienne Servanti, Alain Bécourt, Betty Schneider | F | 117 min | 1:1,37 | f | 10. Mai 1958
# 929 | 5. Januar 2015
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