6.2.52

Wienerinnen (Kurt Steinwendner, 1952)

(Schrei nach Liebe – Roman brennender Herzen) 

Ein Episodenfilm. Vier Erzählungen – nicht über die üblichen Heroinen des »Wiener Films«, süßes Mädel oder resche Pratermizzi, hübsche Handschuhmacherin oder kokette Soubrette, sondern über vier Frauen »aus dem anderen Wien«: eine Ziegeleiarbeiterin, eine Puppenspielerin, ein Aktmodell, eine Prostituierte. Die erste verliebt sich unwissentlich in ihren Halbruder, die zweite verliert ihren Freund an eine laszive Konkurrentin, die dritte geht bei der Aufklärung eines Mordfalls fast selber zugrunde, die vierte träumt naiv von einem Neuanfang an der Seite eines Binnenschiffers – krause Geschichten von Begehren und Neid, von Schäbigkeit und Sehnsucht »nach reiner Liebe«. Doch im ungefügten formalen Neben- und Durcheinander von krasser expressionistischer Überzeichnung und schroffem Neoverismus, getrieben von den elektronischen Dissonanzen des Heliophons, bleiben alle vier Frauen verwirrte Kreaturen der Männer (und der Filmemacher), arme Seelen, die kaum Bewußtsein von sich selbst entwickeln (dürfen). Wenn auch die Figuren nur wenig mehr sind als trivial-soziale Schemen, so beweisen Regisseur Kurt Steinwendner und die Kamera­männer Walter Partsch und Elio Carmiel doch gespannte Sensibilität für die Orte des Geschehens: einsame Straßen und öde Industriegebiete, Hafenkais und Friedhöfe, verrußte Wohnungen und zugige Bretterbuden, Silos und Fabriken erwachen – in der bedrückenden Finsternis der Nächte, in der milchigen Helligkeit der Tage – zu desillusioniert-melancholischem Leben.

R Kurt Steinwendner B Kurt Steinwendner K Walter Partsch, Elio Carniel M Paul Kont, Gerhard Bronner S Renate Knitschke P Ernest Müller D Elisabeth Stemberger, Edith Prager (= Edith Klinger), Helmi Mareich, Margit Herzog, Kurt Jaggberg, Karlheinz Böhm | A | 85 min | 1:1,37 | sw | 6. Februar 1952

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