27.2.70

Das gelbe Haus am Pinnasberg (Alfred Vohrer, 1970)

»Die Idee ist so alt wie die Menschheit.« Am Pinnasberg auf St. Pauli wird die alte Idee leicht variiert: Werner Zibell (Siegfried Schürenberg), der »General« (so genannt, weil er es im letzten Weltkrieg beinahe bis zu diesem Dienstgrad gebracht hätte), hat in der titelgebenden Immobilie kurz nach der Währungsreform einen Männerpuff aufgezogen, ein Etablissement, das dem Gründer (und seiner Familie) soliden Wohlstand und der chronisch untervögelten weiblichen Kundschaft eindringliche Wohltaten beschert. Eine Riege sogenannter Eros-Brüder, souverän dirigiert von Majordomus »Paganini« (Eddi Arent), sorgt im Bordell Paradox für das Amüsement der zahlenden Besucherinnen; das leidlich erotische Geschehen im plüschigen Ambiente sowie (sehr vorhersehbare) zwischenmenschliche Verwicklungen geben Regisseur Alfred Vohrer Gelegenheit für das Abfeiern mehr oder weniger wohlgeformter Männerkörper und das Abfeuern einiger Rotlicht-Pointen von tantenhafter Anzüglichkeit. Der bisweilen ins surreale Kraut schießende Witz des sexklamottigen Ganzen liegt in der grundehrlichen Naivität der Vorlage, eines Romans der (von Peter Rühmkorf entdeckten) schreibenden Hamburger Kapitänswitwe Bengta Bischoff, die als schrullige (und vorurteilsfreie) Erzählerin höchstpersönlich durch den Film lustwandelt.

R Alfred Vohrer B Ernst Flügel (= Manfred Purzer) V Bengta Bischoff K Ernst W. Kalinke M Rolf Kühn A Wolf Englert S Susanne Paschen P Luggi Waldleitner D Siegfried Schürenberg, Eddi Arent, Gernot Endemann, Tilly Lauenstein, Bengta Bischoff | BRD | 94 min | 1:1,66 | f | 27. Februar 1970

# 984 | 9. Januar 2016

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