30.12.66

Sedmikrásky (Věra Chytilová, 1966)

Tausendschönchen

Marie und Marie, beide um die zwanzig, die eine blond (Ivana Karbanová), die andere brünett (Jitka Cerhová), beschließen, da die Welt, wie sie meinen, verdorben ist, fortan selbst verdorben zu sein. Sie lachen sich alte Männer an, fressen und saufen, was das Zeug hält, benehmen sich, wo sie gehen, stehen, liegen, unbeirrbar daneben, hinterlassen eine Schneise der zwanghaft-fröhlichen Verwüstung. Věra Chytilová gestaltet die (Selbst-)Zerstörungsorgie als kompromißlos-verspielte kinematographische Collage, bringt mit übersprudelndem Erfindungsreichtum Bild- und Tonverfremdungen aller Art zum filmischen Einsatz, benutzt ihre Protagonistinnen wie Marionetten in einem entfesselten Figuren- und Welttheater. Ein anarcho-surreales Fest der Subversion, ein dadaistisch-burlesker Angriff auf gesellschaftliche Ordnungsvorstellungen aller Art, der konsequenterweise mit der entschiedenen Infragestellung herkömmlicher Gestaltungsregeln einhergeht und die moralische Einschätzung des Gezeigten voll und ganz dem Betrachter überläßt.

R Věra Chytilová B Věra Chytilová, Ester Krumbachová, Pavel Juráček K Jaroslav Kučera M Jiří Šust, Jiří Šlitr A Karel Lier S Miroslav Hájek P Ladislav Fikar, Bohumil Šmída D Ivana Karbanová, Jitka Cerhová, Jan Klusák | CS | 74 min | 1:1,37 | f & sw | 30. Dezember 1966

# 1169 | 3. August 2019

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