2.5.62

L’œil du malin (Claude Chabrol, 1962)

Das Auge des Bösen

»Le bonheur est fragile.« Das Glück ist empfindlich, zerbrechlich, vergänglich. Und es ist eine Provokation. Albin Mercier jedenfalls, der mittelmäßige Autor, der (unter dem nom de plume André (!) Mercier) für eine mittelmäßige Pariser Zeitung den Alltag im Nachkriegsdeutschland (»notre ennemi d’hier, notre allié de demain«) feuilletonistisch unter die Lupe nehmen soll, fühlt sich herausgefordert vom Glück, das Andreas (!) und Hélène Hartmann, der deutsche Star-Schriftsteller und seine französische Ehefrau, in ihrer mondänen Villa am Starnberger See leben. Was er eigentlich will, dieser von den Objekten seiner verachtungsvollen Faszination freundlich, ja familiär aufgenommene Eindringling, bleibt ihm (und dem Zuschauer) (trotz gründlicher Selbsterforschung des Protagonisten) letztlich rätselhaft. Will Albin/André die Anerkennung des berühmten Kollegen, die Liebe der attraktiven Frau oder einfach nur die Zerstörung dessen, was er nicht hat, nicht haben kann, weil er zu ungefestigt ist, zu feige, zu indifferent? Claude Chabrol seziert mit eisiger Distanz die Zerstörungskraft der Mißgunst, die Perfidie der Schwäche – und macht gleichzeitig deutlich, daß auch der vermeintlich freieste Geist, der gelassen in seinem Weltwissen ruht, am Ende nichts anderes ist als ein Sklave seiner Affekte. Indem sich »L’œil du malin« formal und erzählerisch konsequent auf die klinisch-unbeteiligte Beobachtung der drei Ver­suchspersonen beschränkt, gelingt eine intensive Studie über Vorstellung und Verstellung, über Enthüllen und Entsetzen.

R Claude Chabrol B Claude Chabrol, Martial Matthieu K Jean Rabier M Pierre Jansen S Jacques Gaillard P Georges de Beauregard, Carlo Ponti D Jacques Charrier, Stéphane Audran, Walter Reyer | F & I | 80 min | 1:1,66 | sw | 2. Mai 1962

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