28.1.55

Ludwig II. – Glanz und Ende eines Königs (Helmut Käutner, 1955)


Fantastische Schlösser unter weißblauem Himmel, goldene Interieurs und samtrote Rosen: ein Technicolor-Märchen über einen Märchen-König. Ludwig (O. W. Fischer), impulsiv und voller Zuversicht, ein verspäteter absoluter Monarch, ein radikaler Romantiker, der in Bayern ein Reich der Musen errichten will, zerbricht an der schnöden Tagespolitik, die ihm einen Krieg abverlangt, wenn er ein Festspielhaus für Richard Wagner (Paul Bildt) plant, hadert mit Beamtenseelen, die ihn in einen Finanzrahmen pressen, wenn er die Ewigkeit der Kunst in den Blick nimmt. Oder verzweifelt Ludwig, weil er den einzigen Menschen, den er liebt, seine Cousine, die österreichische Kaiserin Elisabeth (Ruth Leuwerik), nicht haben kann? Vielleicht aber begehrt er dieses Wesen – so alleine, so unglücklich, wie er selbst – gerade deswegen so abgöttisch, da es als Objekt des Verlangens nie und nimmer in Frage kommt. Die Einsamkeit entpuppt sich als Ludwigs Schicksal, eine glanzvolle, eine elende Einsamkeit, in der es ihm, fernab von den Sachzwängen einer Zeit der militärischen Kraftmeierei und der Versachlichung aller Werte, bestimmt ist, das Gesamtkunstwerk eines jenseitigen Glücks, einer zweckfreien Schönheit zu träumen und, glorreich-traurig, zu leben … Helmut Käutner inszeniert eine farbenprächtige biographische Legende, eine opulente historische Fiktion, ein majestätisches Melodram der (Ohn-)Macht; Hein Heckroth, der schon fulminante Kinovisionen für Powell und Pressburger baute, gestaltet adäquate filmische Räume für eine Figur, die beinahe panisch in die Größe flieht, die ein ewiges Rätsel bleiben will – sich selbst und allen anderen.

R Helmut Käutner B Georg Hurdalek V Kadidja Wedekind K Douglas Slocombe M Richard Wagner A Hein Heckroth S Anneliese Schönnenbeck P Conrad von Molo, Wolfgang Reinhardt D O. W. Fischer, Ruth Leuwerik, Marianne Koch, Paul Bildt, Klaus Kinski, Robert Meyn | BRD | 114 min | 1:1,37 | f | 28. Januar 1955

# 870 | 29. Mai 2014

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