12.6.56

A Kiss Before Dying (Gerd Oswald, 1956)

Ein Kuß vor dem Tode

»I'm a man with a shameful, sinister secret.« Bud Corliss (Robert Wagner), Korea-Kriegsheld und Student an einer kleinen Universität in Arizona, hadert mit seiner Herkunft aus einfachen Verhältnissen. Der kompromißlose Aufstiegswille des attraktiven Ehrgeizlings findet sein Ziel in Dorie Kingship (Joanne Woodward), der Tochter eines reichen Kupfergrubenbesitzers. Eine ungeplante Schwangerschaft und Dories Wunsch, die väterliche Vormundschaft abzustreifen, bringen Buds Vorhaben, sich dem strengen Magnaten als idealer Schwiegersohn zu präsentieren, ernsthaft in Gefahr. Ohne jeden Skrupel räumt der geschmeidige Karrierist daraufhin alles Hindernde aus dem Weg … Gerd Oswalds Debütfilm (nach dem Debütroman von Ira Levin) vermißt mit sachlicher Präzision die (selbst-)zerstörerischen Dimensionen des American Dream, zeigt das Doppelgesicht des einst von Jean de Crèvecœur besungenen »neuen Menschen, der nach neuen Prinzipien handelt«. Die Besetzung des kaltblütigen Psychopathen (»Haven't you heard? Love conquers all.«) mit einem archetypischen boy next door, die emotional beherrschte Erzählung in ungekünstelten CinemaScope-Kompositionen und starken, klaren Farben sowie die Inszenierung schwärzester Momente in hellem Sonnenschein verleihen dem späten Film noir ein hohes Maß an ironischer Distanz. Dazu paßt, daß Buds Streben nach Glück ihn schließlich in eben jene Grube führt, von der er immer geträumt hat.

R Gerd Oswald B Lawrence Roman V Ira Levin K Lucien Ballard M Lionel Newman A Addison Hehr S George A. Gittens P Robert L. Jacks D Robert Wagner, Virginia Leith, Joanne Woodward, Jeffrey Hunter, Mary Astor | USA | 94 min | 1:2,35 | f | 12. Juni 1956

# 939 | 5. Februar 2015

Kommentare:

  1. I don't speak German, but via Google translator, I like your statement about "the staging of the blackest moments in bright sunshine give the late film noir a high degree of iconic distance." I think this would have been an even better film if shot in black and white. I wrote a short essay on A Kiss Before Dying called "The Charming Psychopath." If you would like to read it, here is the link: https://christopherjohnlindsay.wordpress.com/2014/09/13/a-kiss-before-dying/

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    1. Thanks for your comment and for the link to your essay. I’m a big fan of Lucian Ballard’s colour photography; it reminds me a little bit of the great 50s society (melo-)dramas by Sirk or Minnelli … (PS: The proper translation is, as I suppose: »ironic (not ›iconic‹) distance«.) Greetings from Berlin!

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